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Full text of "Der Kinder-Arzt = Kinderarzt - Zeitschrift für Kinderheilkunde (Sonnenberger) 25.1914 - 26.1915"

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Der Kinder-Arzt. 


Zeitschrift für Kinderheilkunde 


unter 

Mitwirkung hervorragender Fachärzte 


herausgegeben 


Sanitätsrat Dr. med. Sonnenberger, 

Spezialarzt für Kinderkrankheiten in Worms. 


XXV. Jahrgang 1914. 


Benno Konegen Verlag 
LEIPZIG 
I 9 I 4- 



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Register 

zum Jahrgang XXV des „Kinderarzt“. 


Originalien,Versammlungs- 
berichte, Sammelreferate. 

Armbrust er, Neue Anschauungen 
über Rachitis 25. 

— Beobachtungen über Pemphigus 
neonatorum 101. 

— Bedeutung des Labfennentes für 
die Ernährung des Säuglings 209. 

— Genetisches über die Anfälle von 
Pertussis 244. 

Bayerthal, Uber die prophylakti¬ 
schen Aufgaben des Lehrers auf dem 
Gebiete der Nerven- und Geistes¬ 
krankheiten 2. 

Deutsche Orthopädische Gesellschaft 
13. u. 14. April 1914 129. 

Dutoit, Klinische Besonderheiten des 
Typhus abdominalis im Kinderalter 8. 

— Uber Aristolöl in der Augenheil¬ 
kunde 73. 

— Uber die sog. Rezidive der adeno¬ 
iden Vegetationen im Kindesalter 
und ihre rationelle Behandlung 
mittels Atmungsgymnastik 173. 

Erlacher, Ein Frühsymptom für die 
Differentialdiagnose der Gonitis und 
Koxitis tuberkulosa 225. 

Hunaeus, Kindermilch und Milch¬ 
küche 193. 

Neter, Donaueschingen als Kurort 29. 

Noviform (Ubersichtsreferat) 78. 

Schlichting, DieJodbehandlungdes 
Rachens zur Beseitigung von Diph- 
teriebazillen 55. 

6 / 2 •'/ 


Sonnenberger, Die sozialhygieni¬ 
schen Aufgaben der Ärzte im Zu¬ 
sammenhang mit der gesamten 
Jugendfürsorge 97, 121. 

Stamm, Zur Melaena neonatorum 145. 

Tugendreich (Immenstadt), Die 
Schulzahnpflege mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung des platten Landes 
241. 

Thymobronchin 54. 

Versammlung 21 der Vereinigung 
südwestdeutscher Kinderärzte am 
14. Dez. 1913 101. 

Vulpius, Uber die operative Behand¬ 
lung der tuberkulösen Wirbelsäulen¬ 
entzündung 169. 

Wachsner. Orthopädische Jugend¬ 
fürsorge 49. 


Referate. 


Alsberg, Hereditäre Syphilis 82. 

Arheiner, Die Abbott’sche Methode 
des Skoliosenredressements 154. 

Aschenheim, Quarkfettmilch 182. 

Bach au er, Diphtherie 179. 

Baginsky, Kinderkrankheiten wäh¬ 
rend des Schullebens 84. 

Bauer, Eine Prophylaxe der Diph¬ 
therie nach v. Behring 139. 

Baum, Angeborene Hüftluxation 17. 

Beck, Kaseinkalziumrailch bei Er¬ 
nährungsstörungen der Säuglinge 61. 

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IV 


Blumen thal, Zur Therapie schlecht¬ 
heilender Mastoid wunden im Kindes¬ 
alter 155. 

Böhm, Für Berliner Gemeindeschul¬ 
kinder geplante orthopädische Für¬ 
sorge 164. 

Bönning, Romauxan 186. 

Broka und Malvas, Die Radiothera¬ 
pie bei lokalen Tuberkulosen 81. 

Bubarew, Urotropin bei Masern 140. 

Büsing, Zusatz der Rindergalle zum 
Löffler’schen Diphterienährboden 
149. 

Claus, Verhütung und Behandlung 
von Ohrenerkrankungen 38. 

Conradi, Tuberkulosenachweis im 
Tierversuch 178. 

Cozzolino, Stillen bei Muttertuber¬ 
kulose 218. 

Curtius, Abnahme der Geburten¬ 
ziffer im Regierungsbezirk Magde¬ 
burg 65. 

Czerny, Tuberkulose im Kindes¬ 
alter 199. 

David, Akute, primäre, diphterische 
Lungenentzündung 15. 

Deist, Bazillenträger bei Diphtherie 
137 - 

Deresse, Stillhindernisse 204. 

Dietl, Arsenregenerin und Regene- 
rin 19. 

Eckert, Indikation und Technik der 
Tuberkulinkuren im Kindesalter 13. 

Engel, Die Skrofulöse und ihre Be¬ 
handlung 58. 

— Mastkuren im Kindesalter 157. 

Epstein, Bedeutung der Wasser¬ 
mann’schen Reaktion in der Säug¬ 
lingsfürsorge 12. 

Erlacher, Subluxatio radii perannu- 
lare 91. 

Erl b eck, Hygienische Milchver¬ 
sorgung der Städte 88. 

Flosser, Grippenartige Erkrankun¬ 
gen des Säuglings 34. 

Freund, Yatren purissimum zur 
Unterstützung der Diphtheriebe¬ 
handlung 56. 

Friedenthal, Säuglingsernährung 
mit Friedenthal’scher Kinder¬ 
milch und Gemüsepulvem 153. 


Friedjung, Rezidivierende Nabel¬ 
koliken der Kinder 152. 

— Diagnostik und Theorie der here¬ 
ditären Syphilis 212. 

Fröschel, Wesen des Stotterns 219. 

Gast, Wirkung des Odda K auf den 
kindlichen Organismus 204. 

Gellhaus, Scharlach und subkutane 
Salvarsaninjektion 201. 

Gettkant, Diphtheriebekämpfung in 
den Schulen 43. 

— Schulärztliche Untersuchung an 
Fortbildungsschulen 92. 

Gott, Psychotherapie in der Kinder¬ 
heilkunde 187. 

Großer, Stoffwechselprobleme der 
Rachitis 150. 

Hans, Operationstechnik der Hasen¬ 
scharte 219. 

Hoffmann, Angeborene Syphilis 177. 

Holzinger, Mutter- und Säuglings¬ 
fürsorge 161. 

Hörne mann, Das neue Diphtherie- 
Schutzmittel v. Behrings 13. 

Hutinel, Prognose der tracheobron- 
chialen Adenopathie 213. 

Ickert, Bewahrung der Kinder vor 
der Tuberkulose 33. 

Jelile, Bronchialerkrankungen im 
Kindesalter 151. 

Joliat, Chronische eitrige Mittelohr¬ 
entzündung 220. 

Kausch, Behandlung der Diphtherie 
mit intravenöser Seruminjektion u. 
Yatren 14. 

Keppler u. Erkes, Tuberkulinherd¬ 
reaktion bei unklaren Hüftgelenks¬ 
erkrankungen 200. 

Kienböck, Zwerchfellhernien bei 
Kindern 156. 

Kissling, v. Behrings Diphtherie- 
Vakzin 82. 

K 1 e b a n s k i, Oplithalmoblenorrhoe 
der Neugeborenen 202, 248. 

Kleemann, Zur Frage der Emphy em- 
behandlung bei Kindern 249. 

Kobrak, Durch den Diphtherie¬ 
bazillus hervorgerufene blenorrhoi- 
sehe Prozesse 139. 

Koch, Uber Scharlach-Rekonvales¬ 
zentenserum 11. 


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Langstein, Pyelitis im Kindesalter 15. 

Langerhans, Hygienische Vorträge 
im Rahmen der schulärztlichen 
Tätigkeit 162. 

Lawatschek, Enterale Resorption 
von genuinem Eiweiß bei Neuge¬ 
borenen und darmkranken Säug¬ 
lingen 181. 

Ledermann, Lues kongenita 177. 

Lederer, Schrumpfniere im Kindes¬ 
alter 186. 

Levy, Abortiver Scharlach in den 
ersten Lebensmonaten 149. 

Lövy, Magnau u. Seilet, Verhält¬ 
nis zwischen Körperwachstum und 
Brustumfang beim Menschen 184. 

Liedtke u. Völckel, Befunde und 
Diphtheriebazillen in den Organen 
bei tödlicher Diphtherie 136. 

Lindenfeld, Über „Spontanheilung“ 
von Glioma retinae 233. 

Loa ec, Injektionen von künstlichem 
Serum bei den Gastro-Enteritiden 
im ersten Lebensalter 250. 

Löhlein, Das Glaukom der Jugend¬ 
lichen 234. 

Lust, Ei weiß wasser bei akuten Er¬ 
nährungsstörungen v. Säuglingen 37. 

Manu afHeurlin, Einfache Methode 
zur Unterscheidung der Diphtherie¬ 
bazillen von Pseudo - Diphtherie- 
bazillen 139. 

Mielke, Behandlung von Tetanus 
mit Magnesium sulfurikum 159. 

— Spitzen dämpf ung im Kindesalter 
187. 

Moldenhauer, Die schulhygienische 
Abteilung im städt. Museum für 
Volkshygiene zu Köln 162. 

Molodenkoff, Das Fleckfieber bei 
Kindern 35. 

Moog, Serumtherapie des Schar¬ 
lachs 56. 

Müller u. Schloß, Die wichtigsten 
Nahrungsmischungen für den Säug¬ 
ling 84. 

Müller, pie Abbott sche Skoliosen¬ 
behandlung 154. 

— Anämie und Schein anämie im 
Kindesalter t8i. 


Neurath, Versuche über eine aller¬ 
gische Reaktion mit dem Bordet- 
Gengou’schen Keuchhusten-Endo¬ 
toxin 248. 

von Noorden, Bananen und Ba¬ 
nanenmehl 40. 

Oppenheimer, Inflammatory affec- 
tions of sinuses 16. 

v. Oy, Kolloidales Trikalziumphos- 
phat „Tricalcol“ 158. 

„Pathologie Infantile“, Der akute Ge¬ 
lenkrheumatismus bei Kindern 251. 

P ei per, Bekämpfung der Säuglings¬ 
sterblichkeit im deutschen Reiche 161. 

Peiser, Fettaustausch in der Säug¬ 
lingsernährung 183. 

Peterka, Lichtscheu bei Konjunkti¬ 
vitis ekzematosa 183. 

Peters, Beeinflussung der Schul¬ 
leistungen unserer Volksschulkinder 
durch körperliche Störungen 93. 

Pfleiderer, Beiträge zur Kenntnis 
der engl. Krankheit 59. 

Piske, StilTsche Krankheit 36. 

— Emphysem bei Masern 180. 

Popper, Pertussis 203, 229. 

Prinzing, Scharlach 179. 

Pussep, Operative Behandlung des 
Hydrozephalus internus bei Kin¬ 
dern 39. 

Rach, Radiologisch erkennbare ana¬ 
tomische Typen an kindlicher Lun¬ 
gentuberkulose 134. 

Raecke, Geistesstörung und Krimi¬ 
nalität im Kindesalter 62. 

Raudnitz, Anzeigen derNährbehand- 
lung bei Säuglingen 60. 

Rebouillet, Varizellen des Neuge¬ 
borenen 215. 

Reinhard, Gonorrhoe und gonorr¬ 
hoische Komplikationen 180. 

Reiche u. Liede, Mitteilungen aus 
der Diphteriestation des allg. Kran¬ 
kenhauses Hamburg-Eppendorf 112. 

Reiche, Seltene Komplikationen der 
Diphtherie. — Meningitis bei Diph¬ 
therie. — Plaut-Vincent’sche An¬ 
gina und Diphtherie. — Serumexan¬ 
theme 230. 


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VI 


Reiche, 2000 weitere 111. Behring’sch. 
Serum behandelte Diphteriefälle. — 
Weitere Mitteilungen überBehring- 
sches Heilserum bei Diphtherie. — 
Mehreres über Diphtherie 112. 

Riebold, Infektiosität der Diphtherie- 
bazillenträger für ihre Umgebung 136. 

Rietschel, Kongenitale Syphilis 175. 

Rist, Chlorose d. jungen Mädchen 151. 

Ritter, Ziele und Erfolge der Schul - 
zahnklininken 41. 

Rohm er, Individualistische Unter¬ 
suchungen über Säuglinge in einer 
großstädtischen Proletarierbevölke- 
rung 159. 

Eine günstige Bevölkerungsbilanz 160. 

R o 11 e s t o n, Diphtheristic paralysis 148. 

Rom in ge r, Phinose im Kindes¬ 
alter 185. 

Rott, Das Museum für Säuglings¬ 
kunde im Kaiserin Auguste-Viktoria- 
Haus zur Bekämpfung der Säug¬ 
lingssterblichkeit im Deutschen 
Reiche 232. 

Rowe, Die Behandlung des Schar¬ 
lachs mit Rekonvaleszentenserum 11. 

Ruppel, Die Wandlungen der spe¬ 
zifischen Bekämpfung der Diph¬ 
therie 113. 

Salomon, Diabetes innocens der 
Jugendlichen 86. 

Schädel, Gemeinsame Tätigkeit der 
Ortskrankenkasse und der Säug¬ 
lingsfürsorgestelle zu Chemnitz 161. 

Schick, Diphtherietoxin - Hautreak¬ 
tion als Vorprobe der prophylak¬ 
tischen Diphtherieheilserum - Injek¬ 
tion 36. 

Schlaefke, Hydrophthalmus mit 
vorderer Synechie und Fehlen der 
Linse 234. 

Schreiber, Jetziger Stand der akti¬ 
ven Diphtherie-Immunisierung nach 
v. Behring 115. 

Schubert, Furun kulose im Säuglings¬ 
alter 185. 

Sittler, Bedeutung des Kalzium für 
die pädiatrische Praxis 218. 

Soresti, Haemorrhagie conditions in 
children ti6. 


Stephani u. Wimmeuauer, Schul¬ 
zahnklinik oder freie Zahnarzt¬ 
wahl 163. 

Stettiner, Aus dem Gebiet der Säug¬ 
lingschirurgie 90. 

Straß mann, Kindersterblichkeit in 
gerichtl.-medizinischerBeziehung63. 

Tobias, Rezidivierende Nabelkoliken 
der Kinder 216. 

Uffenheimer, Heine-Medin'sehe 
Krankheit in Bayern 58. 

— Gibt es einen schädlichen Nahrungs¬ 
rest beim Säugling? 249. 

U 11 m a n n, Therapeutische Anwen¬ 
dung von Normalserum bei jucken¬ 
den Dermatosen 17. 

Variot u. Lavialle, Mit Erbrechen 
verbundene infantile Dyspepsien 216. 

Vollmer, Die Tuberkulose im schul¬ 
pflichtigen Alter 132. 

Wachsner, Physikalische Behand¬ 
lung der chirurgischen Tuberku¬ 
lose 57. 

Weber, Extensionstisch zur Ein¬ 
renkung angeborenen Hiiftluxa- 
tionen 18. 

Weih, Tricalcolmileh beim kranken 
Säugling 217. 

Weiß, Digipan 41. 

Wolf, Die Säuglingssterblichkeit in 
der Tübinger mediz. Poliklinik 1911 
u. 1912 65. 

Wolff, Zur Technik der Duodenal¬ 
sondierung 62. 

Zuckmayer, Frauenmilch der ersten 
Laktationszeit 203. 

Bücherbesprechungen. 

Abel, Bakteriologisches Taschenbuch. 
17. Aufl. 21. 

Albu, Die spastischen Erkrankungen 
des Verdauungskanals 190. 

Aronsohn, Der psychologische Ur¬ 
sprung des Stotterns 206. 

v. Baeyer u. Winter, Kinderturnen 
235 - 

v. Bardeleben, Die Anatomie des 
Menschen, Teil V: Nervensystem 
und Sinnesorgane 167. 

— Anatomie des Menschen, Teil I, 236, 


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VII 


Berg eil, Chemische Probleme in der 
Gesundheitspflege 94. 

Bertholeth, Die Wirkungen des 
chronischen Alkoholismus auf die 
Organe des Menschen, insbesondere 
auf die Geschlechtsdrüsen (übersetzt 
von Pfleiderer) 69. 

Birk, Leitfaden der Säuglingskrank¬ 
heiten 44. 

Blasehko, Geburtenrückgang und 
Geschlechtskrankheiten 189. 

Blenke, Orthopädische Sonderturn¬ 
kurse 67. 

Bornträger, Der Geburtenrückgang 
in Deutschland 44. 

v. Bunge, Die zunehmende Unfähig¬ 
keit der Frauen, ihre Kinder zu 
stillen 255. 

Dippe, Die wichtigsten angeborenen 
Krankheitsanlagen, ihre Bedeutung 
und Bekämpfung 94. 

Faulhaber, Röntgendiagnostik der 
Magenkrankheiten 252. 

Feer, Lehrbuch der Kinderheilkunde. 
3. Aufl. 168. 

Fürst, Jahrbuch der Schulgesund¬ 
heitspflege 117. 

Glaser, Repetitorium der Pharma¬ 
kologie. 3. Aufl. 22. 

H a 11 b a u e r, Regenerationserschei¬ 

nungen an der Leber 166. 

Haussen, Diphtherie, Sommersterb¬ 
lichkeit der Säuglinge und Tuber¬ 
kulose als soziale und Wohnungs¬ 
krankheiten 253. 

Heiberg, der gegenwärtige Stand 
der Pathologie und Prophylaxe des 
Diabetes mellitus sowie die Thera¬ 
pie des Frühstadiums 254. 

v. Heilborn, Entwicklungsgeschichte 
des Menschen 167. 

Hirsch, Fruchtabtreibung u. Präven - 
tivverkehr im Zusammenhang mit 
dem Geburtenrückgang 70. 

Ide, Die Nordseeluftkur 68. 

Kataster der Anstalten und Einrich¬ 
tungen für Kinderschutz und Jugend¬ 
fürsorge in Österreich 119. 

Kauffmann, Kritik der fanatischen 
Alkohol-Abstinenz-Bewegung 118. 


Keller u. Birk, Kinderpflege-Lehr¬ 
buch 190. 

Koppe, Säuglingssterblichkeit und 
Geburtenziffer 44. 

Kordts, Jugendpflege und freies 
Volksbildungsw r esen 221. — Schul¬ 
kinderspeisung 221. — Organothera- 
peutisches Kompendium 222. 

Kreis, Die Fortschritte der Hygiene 
1888—1913 67. 

Krevet, Wert der Bindehautdeckung 
166. 

Kurpjuweit, Kaiser-Wilhelm-Kin¬ 
derheim 222. 

Lohn stein, H. u. Th., Medizinal¬ 
kalender und Rezepttaschenbuch der 
Allgem. mediz. Zentralzeitung. 21. 
Jahrg. 22. 

Major, Schwer erziehbare Kinder 45. 

Mann, Lehrbuch der Tracheo-Bron- 
choskopie (Technik und Klinik) 205. 

Michaelis, Das Impfgesetz für das 
Deutsche Reich vom 8. April 1874. 
Einleitung und Erläuterungen 93. 

Oberwarth, Mutterbriefe. 2. Aufl. 68. 

Polligkeit, Landsberg und Dr. 
Marie Baum, Fürsorge für orts¬ 
fremde oder nicht seßhafte Jugend¬ 
liche 255. 

Reyher, Das Röntgen verfahren in 
der Kinderheilkunde 117. 

Ritter, Das kommunale Säuglings¬ 
krankenhaus und die öffentlichen 
Säuglings-Fürsorgemaßnahmen der 
.Gemeinde Berlin-Weißensee 21. 

Rosin, Das Blut und seine Bedeutung 
für Gesundheit und Krankheit 94. 

Rott, IV. Deutscher Kongreß für 
Säuglingsschutz 141. 

— II. Preußische Landeskonferenz für 
Säuglingsschutz 142. 

Ruland, Das Fiudelhaus 68. 

Ruschke, Beitrag zur Lehre von der 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit der 
Puls wellen 166. 

Schaumburg, Mutter und Kind. 
Abreißkalender für 1915 254. 

Sch um er, Beitrag zur Kenntnis der 
Poliomyelitis ant. chron. 165. 


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VIII 


Schwabe, 30 Jahre äugenärztlicher 
Praxis 1882 -1912 205. 

Sonnenberger, Pyocyanase 22. 

Spitzy, Die körperliche Erziehung 
des Kindes 21. 

Strauß u. Ramberger, Die Stoff¬ 
wechselkrankheiten : Fettsucht, Zu¬ 
ckerkrankheit, Gicht und ihre Ver¬ 
hütung 94. 

Tugend reich, Vorträge über Er¬ 
nährung und Pflege des Kindes im 
ersten und zweiten Lebensjahre. 
2. Aufl. 190. 


Vossius, Die Angiomatose der Retina 
(v. Hippel’sche Krankheit) 141. 

Wagner, Uber pathologische Ver¬ 
mehrung der Erythrozyten 165. 

Walkhoff, Zahn-und Mundpflege 94. 

Weygandt, Soziale Lage und ge¬ 
sunde Nerven 220. 

Wie mann, Jugendpflege 168. 

Wolf, öffentliche und persönliche 
Gesundheitspflege in ihrer Bedeu¬ 
tung für den Einzelnen 94. 


Sach-Register. 


A. 

Abführmittel und Stopfmittel im Kin¬ 
desalter 192. 

Adenopathie, tracheo-bronchiale 213. 
Adenoide Vegetationen 173. 

Alkohol - Abstinenzbewegung, Kritik 
der falschen 117, 

Alkoholismus 69. 

Anatomie 167, 236. 

Anaphylaxie 109. 

Anämie und Scheinanämie im Kindes¬ 
alter 181. 

Angina 230. 

Angiomatose der Retina (v. Hippel- 
sche Krankheit) 141. 

Anomalien, drei angeborene 46. 
Antitiphus-Vakzine (Vinzent) 192. 
Appendizitis 191, 238. 

— Diagnose bei kleinen Kindern 191. 
Appendix nach Diphtherie 112. 
Aristolöl 73. 

Arsenregen erin 19. 

Äthylhydrocuprein - Inj ektion en 72. 
Augenheilkunde 73, 205. 

Azodolen 31. 

Azidosis 223. 


B. 

Bakteriologisches Taschenbuch 21. 


Barlow’sche Krankheit 239. 

Bananen und Bananenmehl 40. 

Bevölkerungsbilanz, eine günstige 160. 

Bindehautdeckung 166. 

Blennorrhoische Prozesse, durch Diph¬ 
theriebazillus hervorgerufene 139 

Blinddarmentzündung vid. Appendi¬ 
zitis. 

Blut 94. 

— entnähme mittels einer Saug¬ 
glocke 238. 

Bronchialerkrankungen im Kindes¬ 
alter 151. 

Bronchienerweiterung 144. 

Brustumfang u. Körperwachstum 184. 

Brustdrüsen defekt u. Brustwarze 240. 

— muskeln, kongenitales Fehlen ders. 
256. 


C. 

Cellon-Stützkorsetts 143. 

Chemische Probleme in der Gesund¬ 
heitspflege 94. 

Chirurgie des Säuglings 90. 
Chirurgische Tuberkulose, physika¬ 
lische Behandlung ders. 57. 
Chlorose der jungen Mädchen 151. 
Cholecystitis 166. 


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IX 


D. 

Dermatosen, Anwendung von Normal- 
serum bei juckenden 17. 

Diabetes innocens der Jugendlichen 86. 

— mellitus 254. 

Digipan 41. 

Diphtherie 13, 14, 15, 36, 43, 46, 55, 
56, 112, 113, 115, 136, 137, 139, 148, 
149, 179, 230, 253. 

— bazillen 136, 139. 

— bekämpfung in den Schulen 43. 

— heilseruminjektion über Anaphy¬ 
laxie bei ders. 109. 

Diphtherietoxin-Hautreaktion 36. 

— fakzin v. Behrings 82. 
Donaueschingen als Kurort 29. 
Drüsen, tracheo-bronchiale 239. 
Duodenalsondierung, Technik ders. 62. 
Dyspepsie, infantile 216. 

Dysthyreosis in. 

E. 

Eiweiß bei neugeborenen Säuglingen 
181. 

— milch 23, 108, 119, 236. 

— wasser 37. 

Ekzem der Kinder 72. 

Emphysem, bei Masern 180. 

— behandlung bei Kindern 249. 
Endocarditis 119. 

Englische Krankheit 59. 
Entwicklungsgeschichte 167. 
Erbrechen 224, 237. 

Ernährung, über den Einfluß der 
künstlichen 23. 

— und Pflege des Säuglings 190. 

— des Säuglings 209. 

— sstörungen des Säuglings 37, 61. 
Erysipel des Säuglings 191. 
Erythrozyten 165. 

Erziehung, körperliche des Kindes 21. 

— schwer erziehbare Kinder 45. 

F. 

Fazies adenoida 240. 

Fettaustausch in der Säuglingsernäh- 
rung 183. 

Fettsucht 94. 

Findelhaus 68. 

Fleckfieber bei Kindern 35. 


Frauenmilch der ersten Laktations¬ 
zeit 203. 

Fürsorge für ortsfremde Jugendliche 
2 55 - 

Furunkulose iin Säuglingsalter 185. 

G. 

Gallengangverschluß 109. 

Gastro-Enteritiden, Behandlung ders. 

mit künstl. Serum 250. 

Gaumen- und Rachenmandelhyper¬ 
plasie 72. 

Geburtenrückgang 44, 70, 189. 

— Ziffern 44, 65. 

Geistig minderwertige 144. 
Geisteskrankheiten, Nerven- und die 

prophylaktischen Aufgaben des Leh¬ 
rers auf dem Gebiete ders. 2. 

— Störung u. Kriminalität im Kindes¬ 
alter 102, 162. 

Gelenkrheumatismus, akuter infantiler 

251- 

Gemüsepulver 153. 
Geschlechtskrankheiten 189. 
Gesundheitspflege 94. 

Gicht 94. 

Glaukom der Jugendlichen 234. 
Glioma retinae 233.* 

Gonorrhoe u. gonorrhoische Kompli¬ 
kationen 180. 

Gonitis 225. 

Grippenartige Erkrankungen des Säug¬ 
lings 34. 

GuajakolVergiftung 224. 

H. 

Haemorrhagie bei Kindern 116. 
Hasenscharte, Operationstechnik ders. 
219. 

Heine - Medin'sehe Krankheit in 
Bayern 58. 

Herpes, fazialis bei Diphtherie 112. 
v. Hippel’sche Krankheit 141. 
Hirntumoren 237. 

Hitze, ihre Wirkung auf das Kind 95. 
Hüftgelenkerkrankungen 200. 
Hüftluxation, angeborene 17. 

— Extensionstisch zur Einrenkung 
angeborener 18. 

Hydrozephalus internus operative Be¬ 
handlung bei Kindern 39. 


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X 


Hygiene 67, 94. 

Hydrophthalmus 234. 

Hypertrophie, unilaterale kongenitale 
223. 

Hypophysentherapie bei Rachitis 70. 
— trophie durch Unterernährung 237. 
Hypophysen-Extrakt, s. toxische Wir¬ 
kung a. d. Neugeborenen 256. 


I. 

Impfgesetz 93. 

Infektionskrankheiten bei Kindern 48. 
Intoxikation der Säuglinge 22. 
Jodbehandlung des Rachens zur Be¬ 
seitigung von Diphtheriebazillen 
46, 55- 

Jugendfürsorge, orthopädische 49. 

— u. sozialhygienische Aufgaben der 
Ärzte 97, 121. 

— in Österreich 119. 

— In Pflege 168, 221. 


K. 

Kalzium in der Pädiatrie 218. 
Kaseinkalziummilch bei Ernährungs¬ 
störungen 61. 

KautschukTpflaster, sterilisierbares 143. 
Keuchhusten vid. Pertussis. 

— Endotoxin nach Bordet-Gen- 
gou 248. 

Kinderheilkunde, Lehrbuch ders.' 188. 

— Psychotherapie in ders. 187. 

— Röntgen verfahren in ders. 117. 
Kinderheim 222. 

— krankheiten während des Schul¬ 
lebens 84. 

— milch und Milchküche 193. 

— — Frieden thal’sche 153. 

— — Stationen 236. 

— nährmittel 23. 

— pflege-Lehrbuch 190. 

— Sterblichkeit 63. 

— schütz 119. 

— turnen 235. 

Kollaps 239. 

Konjunktivitis ekzematosa 183. 
Körperwachstum u. Brustumfang 184. 


Koxitis tuberkulosa 225. 
Krankheitsanlagen 94. 

Kriminalität im Kindesalter 62, 102. 
Krippen sorgen, Hamburger 24. 
Kryptorchismus 46. 

Kurort, Donaüeschingen als 29. 


L. 

Labfemieut in der Säuglings-Ernäh¬ 
rung 209. 

Laparotomie 237. 

Larosan oder Eiweißmilch 108. 

Leber 166. 

Leukozyten 46. 

Lipom 237. 

Lues vid. Syphilis 177, 192, 207. 
Lungenentzündung vid. Pneumonie. 

— tuberkulöse 71, 134. 

— Verdichtung, tuberkulöse 144. 


M. 

Magen 207. 

— krankheiten 152. 

Malaria bei Säuglingen 223. 

— kongenitale 223. 

Masern 23, 140, 180. 

Mastkuren im Kindesalter 157. 
Mastoidwunden, zur Therapie der 

schlechtheilenden im Kindesalter 155. 
Medizinal-Kalenderu. Rezept-Taschen¬ 
buch der Allg. med. Zentralzeitung 22. 
Melaena neonatorum 145. 

Meningitis 72, 230. 

Milch 238, 256. 

— menschliche 236. 

— kondensierte 95, 224, 237. 

— küche 193. 

— Versorgung, hygienische d. Städte 88. 

— stationskinder, Beobachtungen an 
ders. 236. 

Milieu, tuberkulöses 222, 223. 
Mineralsalze bei Verdauungsstörun¬ 
gen 223. 

Mittelohrentzündung, chron.eitrige 220. 
Mongolenflecken 239. 

Molken 238. 


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XI 


Mutterbriefe 68. 

— u. Kind, Abreißkalender für 1915 254. 

— u. Säuglingsfürsorge im Deutschen 
Reich 161. 

— milch 256. 

— tuberkulöse 218. 

N. 

Nabelkoliken, über rezidivierende 107, 
152, 216. 

Nabelstrangbruch 46. 

Nährbehandlung der Säuglinge 60. 

Nahrungsmischungen, die wichtigsten 
für den Säugling 84. 

— reste, schädliche 249. 

Nerven- und Geisteskrankheiten, die 
prophylaktischen Aufgaben des Leh¬ 
rers auf dem Gebiete ders. 2. 

— System u. Sinnesorgane 167. 

— und soziale Lage 220. 

Nervosität beim Kinde 223. 

Nitrite, Wirkung der 47. 

Nordseeluftkur 68. 

Normalserum bei juckenden Derma¬ 
tosen 17. 

Noviforra 78. 

O. 

Odda K, Wirkung auf den kindlichen 
Organismus 204. 

Odem bei Kindern und Säuglingen 
223, 238. 

Ohrenerkrankungen 38. 

Ophthalmoblenorrhoe der Neuge¬ 
borenen 202, 248. 

Organotherapeutisches Kompendium 
222. 

Orthopädische Jugendfürsorge 49, 164. 

— Sondertumkurse 67. 

— Gesellschaft, Deutsche 129. 

Ortskrankenkasse u. Säuglingsfürsorge 

zu Chemnitz 161. 

Osmose u. Ödem 223. 

Osteomyelitis 144. 

P. 

Paralysis, diphtherische 148. 

Paratyphus 168, 239. 


Pathologisch-anatomische Demonstra¬ 
tionen 101. 

Pellidol 3t. 

Pemphigus neonatorum 101. 

Pertussis 203, 229, 244, 248. 
Pharmakologie, Repetitorium der 22. 
Phimose im Kindesalter 185. 
Pneumonie 240. 

— akute primäre diphtherische 15. 
Pneumokokkenmeningitis 72. 

— erkrankung 107. 

Polyomyelitis 102, 165. 

Pseudody phtheriebazillen 139. 
Psychotherapie in der Kinderheilkunde 

187. 

Puls wellen. Fortpflanzungsgeschwin¬ 
digkeit ders. 166. 

Pyelitis im Kindesalter 15. 

Pyozyanase 22. 

Q. 

Quarkfettmilcli 182. 

R. 

Rachitis 23, 25, 59, 70, 150. 
Rachenmandelhyperplasie 72. 
Radiotherapie 81. 

Regenerin 19. 

Rekonvaleszentenserum, Behandlung 
des Scharlachs mit 11. 

Retina 141. 

Rheumatismus 238, 251. 
Rindergallenzusatz zum Löffler- 
schen Diphtherienährboden 149. 
Rippendefekt, angeborener totaler 95. 
Romauxan 186. 

Röntgenstrahlen bei Lungentuber¬ 
kulose 71. 

— bilder in. 

— diagnostik der Magenkrankheiten 
252. 

— verfahren in der Kinderheilkunde 
117. 

Ruhr 110. 

S. 

Salvarsan 207. 

— bei Scharlach 201, 


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xir 


Säuglingschirurgie 90. 

— erkrankungen, grippenartige 34. 

— ernährung 153, 183, 238. 

— fürsorge 12, 161, 159. 

— — maßnahmen in der Gemeinde 
Berlin-Weißensee 21. 

— — stelle zu Chemnitz 161. 

— krankenhaus, das kommunale 21. 

— Krankheiten 44. 

— künde, Museum für 232. 

— schütz, Kongreß für dens. 141, 142. 

— Sterblichkeit 44, 65, 71, 161, 253. 
Scarlatina n, 56, 149, 179, 201. 
Scharlach vid. Scarlatina. 

Schrumpfniere im Kindesalter 186. 
Schulärztliche Tätigkeit 162. 

— Untersuchungen an Fortbildungs¬ 
schulen 92. 

Schulgesundheitspflege, Handbuch 
ders. 117. 

— hygienisches aus dem Kölner 

Museum für Volkshygiene 162. • 

— kinderspeisung 221. 
Schulleistungen, deren Beeinflussung 

durch körperl. Störungen 93. 

— Zahnkliniken 31, 163. 

-pflege 241 

Serum-Exantheme 230. 

— das künstliche in der Kinderheil¬ 
kunde 191. 

— bei den Gastro-Enteritiden 250. 

— therapie des Scharlachs 56. 
Sinusaffektion 16. 

Skoliose, die Ab bot sehe Behandlung 
154 , 239 - 

— kongenitale 240. 

Skrofulöse und ihre Behandlung 58. 
Soziale Lage u. gesunde Nerven 220. 
Sozial-Hygiene und Jugendfürsorge 
97 » 121. 

Spitzendämpfung im Kindesalter 187. 
Still’sche Krankheit 36. 

Stillen 207. 218. 

— hindemisse 204. 

— prämien 71. 

— Unfähigkeit 255. 

Stoffwechsel-Krankheiten 94. 

— Probleme der Rachitis 150. 
Stopfmittel 192. 

Stottern 206, 219. 


Subluxatio radii perannulare 91. 

Süd westdeutscher Kinderärzte - Kon¬ 
greß 101 - III. 

Syndaktylie 256. 

S} r philis 82, 192, 207. 212, 275, 177, 192, 
192, 267. 


T. 

Teleangiektasien 120. 
Tetanusbehandlung mit Magnesium 
Sulfurikum 159. 

Thorax-Abnormitäten 265. 
Thymobronchin 54. 

Tollwut 238. 

Tracheo-Bronchoskopie 205. 

— Bronchialdrüsen 239. 

Tricalcol 158. 

— milch 217. 

Tuberkulose 33, 57, 71, 81, in, 132, 
134, 144, 169, 178, 199, 207, 218, 222. 
223, 225, 253. 

— nachweis im Tierversuch 178. 
Tuberkulöses Milieu 222, 223. 
Tuberkulin 95. 

— Rosenbach’sches in. 

— kuren im Kindesalter 113. 

— Herdreaktion bei Hüftgelenkser¬ 
krankungen 200. 

Typhus abdominalis im Kindesalter 8. 
Typhus 192. 

— Vakzinetherapie 256. 

— — und Kollaps 239. 


U. 

Untersuchung, die vaginale der Kin¬ 
der 24. 

Urachusfistel 46. 

Uretroskop 239. 

Urotropin bei Masern 140. 


V. 

Vakzine-Therapie des Typhus 256. 
Varizellen des Neugeborenen 215. 
Verdauungskanal, spastische Erkran¬ 
kungen dess. 190. 

- Störungen 223. 


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xin 


Volksbildungswesen und Jugendpflege 
221. 

Vulvovaginitis 239. 

W. 

Wassermann'sehe Reaktion, Bedeu¬ 
tung der, in der Säuglingsfürsorge 12. 
Wärmestauung bei der Intoxikation 
der Säuglinge 22. 
Wärmestichhyperthermie 47. 

— regulation 47. 
Wirbelsäulenerkrankungen 119. 

— entzündung, tuberkulöse 169. 
Wohlfahrtseinrichtung der Stadt New.- 

York, gen. „St. John’s Guild“ 222. 


Y. 

Yatren, Behandlung der Diphtherie 
mit 14. 

— purissimura bei Diphtherie 56. 


Z. 

Zahnstellung, abnorme 48. 

— und Mundpflege 94. 
Zirbeldrüsengeschwulst 95. 
Zuckerentziehung, die Gefahren ders. 

für den Säugling 119. 
Zuckerkrankheit 94. 

Zwerchfellhemien bei Kindern 156. 


Autoreu-Register. 


Abel-Bergen 46. 

Abel-Berlin 21. 

Abrand 240. 

Aimes 144. 

Albee 130. 

Albert-Weil 120. 239. 
Albu 190. 

Alsberg 82, 132. 

Arheiner 154. 
Armbruster 25, 101, 209, 

244. 

Aronsohn 8, 206. 
Aronson 95. 

Aschenheim 182. 

Dachauer 179. 

Bade X30, 132. 
von Baeyer 235. 
Baginsky 84, 94. 

Bakay 207. 

Baker 236. 

Barbier 144. 

von Bardeleben 167, 236. 
Bardoff 110. 

Bartenstein 107. 

Baß 223. 

Bauer 139. 


Baum, L. 17. 

Baum, Marie 255. 
Bayerthal 2. 

Beck 61, 108, 110, 111. 
Bergeil 94. 

Bertholeth 69. 
Bibergeil 129. 

Birk 44, 190, 192. 
Bisalsky 131. 

Blaschko 189. 
Blechmann 192, 238. 
Blenke 67. 

Blumenthal 155. 

Bölim 130, 164. 
Bönning 186. 
Bornträger 144. 
Breuning t68. 

Broka 81. 

Bruno 104. 

Bubarew 140. 
von Bunge 255. 
Büsing 149. 

Camp 71. 

Cantley 119. 

Cassel 23. 

Ghapin 23. 


Christen 129. 

Claus 38. 

Colliver 238. 
Comby 256. 
Conradi 178. 
Cozzolino 218. 
Cramer 129. 

Cuno 109. 

Curtius 65. 

Czerny 199. 

David 15. 

Deist 137. 

Delcourt 23. 
Deresse 204. 
Deutschländer 132, 
Dietl 19. 

Dippe 94. 

Dufond 237. 

Dutoit 8, 73, 173. 

Eckert 13. 
Eichelberg 71. 
Engel 58, 157. 
Engelbrecht 143. 
Epstein 12. 

Erk es 200. 


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XIV 


Erlaclier 91, 131, 225. 
Erlbeck 88. 

Etienne 144. 

Faulhaber 252. 

Feer 168. 

Fischer 101. 

Fischberg 222, 223. 
Flosser 34. 

Fraser 240. 

Freund 56. 

Frieden thal 153. 
Friedjung 152, 212. 
Fröschel 219. 

Fürst 117. 

Gast 204. 

Gelhaar 108. 

Gellhaus 201. 

Gernsheim 106, 107. 
Gettkant 43, 92. 

Glaß 143. 

Glaser 22. 

Gocht 129. 

Götzky 95, in. 

Gött 187. 

Großer 109, 150. 

Guinon 191, 192, 237. 

Hallbauer 166. 

Halle 239. 

Hans 238. 

Haus 219. 

Hartshorn 222. 

Hasselt 239. 

Haussen 253. 

Heiberg 254. 
von Heilborn 167. 

Herrn 22. 

Heinecke 132. 

Hirsch 70. 

H offmann-Bonn 177. 
Hoffmann-Heidelbg. 103, 
108. 

Holzinger 161. 

Hoobler 236. 

Hoobles 236. 

Homemann 13. 

Hunaeus 193. 

Hutinel 213. 


Ickert 33. 

Ide 68. 

Izard 191. 

Jacoby 47- 
Jansen 130. 

Jehle 151. 

Joliat 220. 

Jones 207. 

Joseph 72. 

Kauffmann 118. 

Kausch 14, 132. 

Keller 190. 

Keppler 200. 

Keuper in. 

Kienböck 156. 

Kißling 82. 

Klebanski 202, 248. 
Kleemann 249. 

Knox 95. 

Kobrak 139. 

Koch-Frankfurt n. 
Koch-Wiesbaden 108, in. 
Koppe 44. 

Kordts 221, 222. 

Kraus 47- 
Kreiß 67. 

Krevet 166. 

Kuclair 239. 

Kühl 23. 

Küpferle 71. 

Kurpjuweit 222. 

Lagane 239. 

Lamy 132. 

Landsberg 255. 

Lange 239. 

Langerhans 162. 
Langstein 15. 

Lavialle 216. 

Lawatschek 181. 
Lebedew 46. 

Lederer 186. 

Ledermann 177. 
Lehmann 72. 

Leopold 238. 

Lesn£ 191. 

Levy-Offenbach 149. 
L6vy 184. 


Levy, David J. 223. 
Liede 112. 

TJedtke 136. 

Lindenfeld 233. 

Loaec 250. 

Lohlein 234. 

Lohnstein, H. u. Th. 22. 
Lorenz 256. 

Lowenburg 144, 240. 
Lugenbühl 106. 

Lust 37, 102, 106, 108. 

Maaß 132. 

Magnau 184. 

Mahas 81. 

Major 45. 

Mal arte 192. 

Mann 205. 

Manu af Heurlin 139. 
Marsh all 223. 
Maxaronopoulos 239. 
Mayer 131. 

Mery 239, 240. 
v. Mettenheimer 108, in. 
Michaelis 93. 

Mielke 159, 187. 
Moldenhauer 162. 
Molodenkoff 35. 

Monod 237. 

Moog 56. 

Moro 106, 107, 109, no. 
Morse 95. 

Müller, G.-Berlin 154. 
Müller, E.-Rumitielsburg 
84, 181. 

Muskat 132. 

N ageotte- Wilbouche- 

witsch 238. 

Neuhaus no. 

Neurath 248. 

Neter 29. 

Nobecourt 119. 
von Noorden 40. 

Oberwarth 68. 
Ombridanne 255. 
Oppenheimer 16. 


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XV 


Ossinin 23. 
von Oy 158. 

Parturier 240. 
Peiper~i6i. 

Peiser 183. 

Peltasohn 130. 

Peterka 183. 

Peters 93. 

Pfleiderer 59. 

Piske 36, 180. 

Polligkeit 255. 

Popper 203, 229. 
Prinzing 179. 

Pussep 39. 

Rabinowitsch 46. 

Rach 134. 

Raeeke 62, 102. 
R^mberger 94. 

Raudnitz 60. 

Rebouillet 215. 
Reinhard 180. 

Reiche 112, 230. 

Reuben 236. 

Reyher 117. 

Riebold 136. 

Rietschel 175. 

Ripart 237. 

Risel 71. 

Rist 151. 

Ritter, J.-Weißensee 21. 
Ritter, P.-Berlin 41. 
Rohmer 159, 160. 
Rolleston 148. 
Rominger 185. 

Rosin 94. 

Rott 141, 142, 232. 
Rowe 11. 

Ruland 68. 

Ruppel 113. 

Ruschke 166. 


Salonion 86. 

Schädel 161. 

Schanz 119, 129. 

Schede 132. 

Schick 36. 

Schlaefke 234. 

Schloß 84. 

Schlichting 55. 

Schmidts 71. 
Schreiber-Magdebg. 115. 
Schreiber 119. 

Schubert 185. 

Schultheiß 132. 

Schumer 165. 

Schürer 110. 

Schwabe 205. 

Seilet 184. 

Sever 207. 

Sexton 224. 

Sheffield 256. 

Sieveking 24. 

Simon 130. 

Sittler 218. 

Sonnenberger 22, 97, 109, 
121. 

Soresti 116. 

Speese 223. 

Spitzy 21. 

Stamm 145. 

Stephani 163. 

Stern 48. 

Stettiner 90. 

Stoffel 130, 131. 

Stowell 144. 

Straßmann 63. 

Strauß 94. 

Streißler 132. 

Tobias 216. 

Toeplitz 72. 


Tugendreich - Berlin 190, 
207. 

Tugendreich-Immen¬ 
stadt 241. 


Uffenheimer 58, 249. 
Ullmann 17. 


Variot 216, 224, 237, 256. 
Veau 191. 

Völckel 136. 

Vollmer 132. 

Vossius 141. 

Vulpius 169. 


Wachsner 49, 57, 
Wagner 165. 
Walkhoff 94. 
Wahrmann 223. 
Weber 18. 

Weih 217. 

Weihe 95, 110. 

Weiß 41, 70. 
Werndof 120. 
Weygandt 220. 
Wiemann 168. 

Wilms 132. 

Wimmen auer 163. 
Winter 235. 

Wittek 131. 
Wladimiroff 23. 
Wolf, Marga 65. 
Wolf, Kurt 94. 

Wolff, S. 62, 72, 107. 
Wood 223. 


Zentier 48. 
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bfuck von A. fcaböt In KÄnigebrtittk. 


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Der Kinder-Arzt. 

Msehnift für Kinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat J)r. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis ffir das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband fttr Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. Januar. 1914. No. 1. (289.) 

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INHALT: Originalien: Bayertfial, Ober die prophylaktischen Aufgaben des Lehrers 
auf dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten. 2. — Dutoft, Klinische Besonderheiten des 
Typhus abdominalis im Kindesalter. 8. — Referate: Koch, Ober Scliarlachrekonvaloszenten- 
serum. 11 . — Rowe, Die Behandlung des Scharlachs mit Rekonvaleszentenserum. 11. — Epstein, 
Bedeutung dor Wassormann'schen Reaktion in der SäugUngsfQrsorge. 12. — Eckert, Indikation 
und Technik der Tuberkulinkuren im Kindesalter. 13 . — Hornemann, Das neue Diphtherieschutz- 
raittel v. Behrings. 13 . — Kausoh, Behandlung der Diphtherie mit intravenöser Seruminjektion 
und Yatren. 14 . -- David, Akute primäre diphtherische Lungenentzündung. 15. — Langstein, Pye¬ 
litis im Kindesalter. 15 . Oppenheimer, Inflammatory affections of sinuses. 16 . — Ullmann, Thera¬ 
peutische Anwondung von Normalserum bei juckenden Dermatosen. 17. — Baum, Angeborene 
Ilüftluxation. 17. — Weher, Extensionstisch zur Einrenkung angeborener Hüftluxationen. 18. -• 
Dietl, Arsenregenerin und Regenerin. 19. — Bücherbesprechungen: Ritter, Das kommunale 
Säuglingskrankonhaus und die öffentlichen Säuglingsfürsorgemaßnahmcn der Gemeinde Berlin- 
Weißensee. 21. — Spitzy, Dio körperliche Erziehung des Kindes. 21 . — Abel, Bakteriologisches 
Taschenbuch. 17. Aufl. 21. — Dieser, Repetitorium der Pharmakologie. 8 . Aufl. 22. — H. u. Th. 
Lolmsteia, Medizlnal-Kalender und Rezept-Taschenbuch derAllg. raediz. Zentralzeitung. 21. Jahrg. 
22. — Sonneoberner, Pyocyanase. 22. — Kurze Notizen aus derPraxis und Wissenschaft. 
22 . — Kleine Mitteilungen. 24. 


Abonnements-Einladung. 

Mit diesem Heft tritt der „Kinder-Arzt“ den 25. Jahrgang seines 
Erscheinens an. 

Wie wenige Gebiete der Medizin hat die Kinderheilkunde — ein 
Spezial-Forschungsgebiet, das mehr wie alle anderen im engen An¬ 
schluß an die gesamte Medizin bleiben muß — in dieser Zeit eine 
erhebliche Umgestaltung und Erweiterung erfahren. Bei der großen 
Fülle der Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Pädiatrie, die natur¬ 
gemäß mit ihrer raschen Entwicklung verknüpft war, sichtend zu wirken 
und den praktischen Arzt getreu über alle wirklichen Fortschritte zu 
berichten, die ihm bei der Ausübung seiner Tätigkeit von Nutzen 
sein können, dabei aber auch dem Spezialisten und Forscher manche 
Anregung bezüglich der wissenschaftlichen Seite der Kinderheilkunde 
zu geben — das waren die Grundsätze, die uns in der langjährigen 
Redaktionstätigkeit geleitet haben. Im gleichen Sinne dieselben 
weiter zu betätigen, dazu ermuntert uns die Mitwirkung zahlreicher 
hervorragender Mitarbeiter auch für die Zukunft. 

Zum Abonnement auf den neuen Jahrgang laden hierdurch 
ergebenst ein 

die Redaktion der Verlag 

des „Kinder-Arzt*! 


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Originalien. 

Ober die prophylaktischen Aufgaben des Lehrers auf 
dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten. 

(Vortrag, gehalten in einer Lehrerkonferenz zu Womis am 14. Juli 1913.) 

Von Dr. J. Bayerthal, 

Nervenarzt und Arzt an der städtischen Hilfsschule in Worms. 

Meine Damen und Herren! Man kann Krankheiten, die zum 
körperlichen, geistigen und moralischen Bankerott führen können, 
dadurch bekämpfen, daß man immer mehr Heilstätten, Kranken¬ 
häuser, Irrenanstalten, Gefängnisse usw. errichtet, bis schließlich der 
eine Teil der Menschheit in der Hauptsache sich damit abplagt, 
die Mittel zur Unterstützung des durch diese Krankheiten sozial 
unbrauchbar gewordenen anderen Teiles aufzubringen. Wir können 
aber auch den genannten sozialen Übeln bekanntlich auf eine andere 
Weise entgegentreten, und darüber sind denkende und urteils¬ 
fähige Menschen von jeher einig, — nämlich auf dem Wege der 
Vorbeugung. Prophylaktischen Aufgaben dieser Art hat sich die 
Schule schon seit geraumer Zeit unterzogen. Ich brauche in dieser 
Beziehung bloß an die Bekämpfung der Infektionskrankheiten durch 
geeignete Schutzmaßregeln, die des Verbrechens auf dem Wege der 
Fürsorgeerziehung, der Folgen des angeborenen Schwachsinnes 
durch Errichtung von Hilfsklassen, zu erinnern. Eine neue Aufgabe, 
die die Schule erst jetzt eingehender zu beschäftigen beginnt, be¬ 
steht in der Prophylaxe der Nerven- und Geisteskrankheiten*), 
eine fast neue Aufgabe, da die für die Hilfsschule in Betracht 
kommenden Formen des angeborenen Schwachsinns ja nur einen 
kleinen Teil jener Erkrankungen bilden. Ich habe Sie bereits in 
einem früheren Vortrag**) auf einige Bedingungen aufmerksam ge¬ 
macht, die zu diesem Zwecke erfüllt werden müssen: Wir müssen 
von den AbstammungsVerhältnissen und der Entwicklung eines 
Kindes im vorschulpflichtigen Alter Kenntnis erhalten, ferner ist 
eine ärztliche Untersuchung aller Schulanfänger erforderlich. Aber 
eine nur verhältnismäßig kleine Zahl der in psychischer und nervöser 
Hinsicht bedrohten Kinder würden wir auf diese Weise kennen 
lernen. Zu einer erfolgreichen Prophylaxe ist es ferner erforderlich, 
daß dem Arzte rechtzeitig die Beobachtungen des Pädagogen über 
das geistige Verhalten eines Kindes während des Unterrichts und 
während des Spiels, soweit es an die Möglichkeit einer abnormen 
Veranlagung denken läßt, zur Verfügung gestellt werden. Zu diesem 


*) Die in dieser Hinsicht maßgebenden Gesichtspunkte habe ich in 
einem gelegentlich der Wanderversammlung der südwestdeutscheu Neurologen 
und Irrenärzte am 25. Mai 1913 in Baden-Baden gehaltenen Vortrage dar¬ 
gelegt. („Uber die prophylaktischen Aufgaben der Schule auf dem Gebiete 
der Nerven- und Geisteskrankheiten“. Veröffentlicht in der Psyehiatrisch- 
Neurologischen Wochenschr. v. 26 Juli 1913.) 

; ) Anhangsweise bringe ich einen a. a. O. schon veröffentlichten Bericht 
über diesen Vortrag nebst der sich demselben anschließenden Diskussion, aus 
welch letzterer geschlossen werden kann, welchem Interesse jetzt derartige 
Fragen bei den Schulbehörden und Lehrern begegnen. 


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Zwecke enfpfehle ich Ihnen bereits im ersten Schuljahre die Eltern 
zu veranlassen, den Rat des Arztes einzuholen in all den Fällen, 
wo Sie gewisse körperliche Erscheinungen wahrnehmen, die vom 
Nervenapparat ausgehen und von dem Schularzt bei seiner Unter¬ 
suchung nicht beobachtet worden sind. Dazu gehören z. B. Blut¬ 
andrang zum Kopf, leichtes Erröten, häufiger Wechsel der Gesichts¬ 
farbe, auffallende Schweißabsonderung, Muskelzittern, Sprachstörungen 
und dergleichen mehr. Natürlich müssen Sie das Elternhaus in ge¬ 
eigneter Weise auf die Notwendigkeit der Zuziehung des Arztes 
aufmerksam machen, und das gilt auch für alle die anderen Eigen¬ 
tümlichkeiten, auf die ich gleich zu sprechen komme. Eine der 
Damen sagte mir einmal vor einiger Zeit, sie möchte es nicht 
wagen, den Eltern eines Kindes zu sagen, dasselbe sei „nicht normal!“ 
Ich kann der betreffenden Lehrerin aus naheliegenden Gründen 
nicht Unrecht geben. Wenn Sie aber zu den Eltern sagen, diese 
oder jene Erscheinung sei Ihnen an ihrem Kinde aufgefallen, viel¬ 
leicht sei sie ohne Bedeutung, vielleicht könne aber auch durch Ver¬ 
nachlässigung d. h. Nichteinholen ärztlichen Rates Schlimmes ent¬ 
stehen, Vorbeugen sei leichter als heilen und dergl. mehr, wenn 
Sie so vorgehen, werden Sie wohl in der Regel Erfolg haben, und 
wo Sie auf diesem Wege der Güte die Zuziehung des Arztes nicht 
erreichen, da werden Ihre Vorgesetzten und Schularzt Abhilfe zu 
schaffen wissen. Wer übrigens von uns meine Damen und Herren! 
— gestatten Sie mir diese kurze Abschweifung! — darf von sich 
sagen, er sei ganz und immer „normal“, auch in Erkrankungsfällen, 
im Affekt, im Alter usw. Wir alle haben unsere Minderwertigkeiten, 
die wir der ererbten Anlage verdanken. Normal ist in bestimmtem 
Sinne der, der diese seine Schwächen und Unvollkommenheiten 
kennt, — durch Erfahrung werden wir ja auch in dieser Beziehung 
klug — und, soweit sie für ihn in sozialer Hinsicht bedenklich sind, 
in gesunder und vernünftiger Weise zu beherrschen lernt. Um auf 
unser Thema zurück zu kommen, so können wir für unsere Zwecke 
das Schulkind als abnorm in geistiger oder sittlicher Beziehung be¬ 
zeichnen, bei dem die Erziehungsmittel, die bei der überwiegenden. 
Mehrzahl der Kinder zum erwünschten Ziele führen, versagen. Ich 
bemerke gleich hier, daß die Frage, ob und inwieweit an den Ano¬ 
malien eines Kindes nur Erziehungsmängel und ungünstige häus¬ 
liche Verhältnisse oder mehr abnorme Veranlagung und krankhafte 
Momente schuld sind, in der Regel nicht ohne ärztlich-fachmän¬ 
nische Untersuchung zu entscheiden ist Ich wende mich jetzt zu 
den hierher gehörigen, abnormen psychischen Erscheinungen, die 
Sie schon bei den Schulanfängern beachten und zur Kenntnis des 
Arztes bezw. des Elternhauses bringen sollen. Um uns die Über¬ 
sichtlichkeit über die in Betracht kommenden Anomalien zu er¬ 
leichtern, teilen wir die Gesamtheit der Schulanfänger ein in die 
intellektuell normalen und intellektuell abnormen. Zu 
den letzteren rechnen wir die Schüler, deren intellektuelle Leistungs¬ 
fähigkeit sich unter dem Durchschnitt bewegt und bei denen ein 
regelmäßiges Aufrücken in die oberen Klassen mehr weniger 
zweifelhaft ist. Natürlich ist diese Einteilung nicht als eine defi- 


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nitive zu betrachten, da manches Schulkind, das anfangs ganz 
normal zu sein schien, in seiner Leistungsfähigkeit so nachläßt, daß 
es zu den Anormalen gerechnet werden muß. Umgekehrt kann auch 
ein anfangs nicht ganz normales Kind sich so günstig entwickeln, 
daß es nicht mehr als abnorm betrachtet werden kann. Unsere 
Einteilung soll Sie nur veranlassen, von vornherein der Entwick¬ 
lung der Intelligenz besondere Aufmerksamkeit zu schenken und 
bei Störungen derselben rechtzeitig ärztlichen Rat einholen zu 
lassen. Ferner bitte ich Sie, die Stimmung der Kinder zu be¬ 
achten. Wenn wir auch das Recht haben, von einer normalen kind¬ 
lichen Heiterkeit zu sprechen, so kann man doch in der Regel 
frühzeitig erkennen, ob ein Kind mehr eine ausgesprochene Frohnatur 
oder mehr für den Ernst des Lebens empfänglich ist Halten Sie 
nun fest, daß ungewöhnliche Abweichungen von der normalen 
kindlichen Heiterkeit — mag es sich um auffallend ernste oder auf¬ 
fallend heitere oder beständig zwischen auffallend heiterer und 
schwermütiger Stimmung schwankende Kinder handeln — Vorbote 
und Grundlage von nervösen und geistigen Erkrankungen im 
späteren Leben sein können. Dasselbe gilt für die abnorme 
Willensschwäche eines Kindes. Wir können von einer abnormen 
Willensschwäche dann sprechen, wenn ein Kind einen bedeutenden 
vom Durchschnitt abweichenden Mangel an der Willenskraft auf¬ 
weist, die zur Beherrschung der willkürlichen Muskulatur, Aufmerk¬ 
samkeit, Affekte und Triebhandlungen erforderlich ist. An eine 
abnorme oder krankhafte Willensschwäche in der Beherrschung der 
willkürlichen Aufmerksamkeit, die ärztlichen Rat nötig macht, 
müssen Sie auch bei allen ungewöhnlich unaufmerksamen, zerstreuten, 
flatterhaften und ablenkbaren Kindern denken. Eine abnorme 
Willensschwäche inbezug auf die Beherrschung der Muskulatur 
zeigen alle Kinder mit ungewöhnlich nachlässiger und schlaffer 
Körperhaltung, ferner gehören hierher alle auffallend unbeholfenen 
und linkischen, zappeligen und unruhigen Kinder. Denken Sie 
ferner daran, daß sich auch hinter einem auffallenden Mangel an 
Selbstbeherrschung gegenüber den Affekten und Stimmungen die 
Wurzel einer künftigen Seelenstörung bergen kann. Sorgen Sie 
also für ärztlichen Rat bei allen Kindern, die durch ihre Ängst¬ 
lichkeit, Schreckhaftigkeit, Schüchternheit u. dcrgl. auffallen. Das¬ 
selbe gilt für alle zur Übertreibung und Maßlosigkeit geneigten 
Schüler, also für die ungewöhnlich heftigen, leicht begeisterten, 
leidenschaftlichen, zornigen, hastigen, impulsiven, launenhaften und 
die auffallend vorlauten, geschwätzigen, ausgelassenen Naturen, ferner 
für die auffallend einsilbigen, ruhigen, verschlossenen Elemente. 
Denn auch diese Züge können durch einen abnormen oder krank¬ 
haften Affekt bedingt sein. Beobachten Sie auch, bitte, außerhalb 
der Unterrichtsstunden beim Spiel und Spaziergang, ob ein Kind 
nicht in ungewöhnlicher Weise auf Lob und Tadel, Bevorzugung 
und Zurücksetzung reagiert Wir werden so jene Kinder am besten 
ausfindig machen, von denen nicht wenige später, falls die Schule 
nicht rechtzeitig eingreift, die Selbstüberschätzung und Selbstüber¬ 
hebung zeigen, die schon vor 20 Jahren einen bekannten Nerven- 


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arzt von einem „Größenwahn als Krankheit des Jahrhunderts“ 
sprechen ließ. Tatsächlich bilden die genannten Eigenschaften auch 
heute noch eines der größten Hindernisse zur Wiedererlangung 
der Nervengesundheit. Ebenso verdienen unsere Aufmerksamkeit 
die auffallend widerspenstischen, eigensinnigen, trotzigen, aber auch 
die auffallend gehorsamen, unselbständigen, bestimmbaren Naturen, 
ferner die auffallend faulen, unordentlichen, unreinlichen Elemente. 
Die Beziehungen zu den Mitschülern sind natürlich für dieBe- 
urteilung der Geistesart ebenfalls von der größten Bedeutung. Ihre 
Beobachtung gestattet uns, jene anmaßenden, hochmütigen, streit¬ 
süchtigen und rechthaberischen Elemente frühzeitig ausfindig zu 
machen, die bei mangelnder ärztlich-pädagogischer Beeinflussung 
später entweder selbst als „Querulanten“ den Behörden und Irren¬ 
ärzten viel zu schaffen machen oder wenigstens nicht sehr wider¬ 
standsfähige Menschen in ihrer Nervengesundheit schädigen. Patho¬ 
logische Bedeutung kann auch allen auffallend einsamen, ungeselligen 
Elementen, ferner auffallend „unmütterlichen“ Mädchen und feigen 
Knaben (Abneigung gegen Puppenspiel und Soldatenspiel!) zu¬ 
kommen. Besondere Aufmerksamkeit seitens der Schule und zwar 
von allem Anfang an, weil zugleich auch für die Bekämpfung des 
Verbrechens von Bedeutung, verdienen auch alle ungewöhnlich 
lügnerischen, diebischen, unkeuschen und grausamen (d. h. schaden¬ 
frohen, bösartigen, gehässigen, rachsüchtigen, brutalen u. a.) Kinder. 
Auch diejenigen Schulkinder gehören hierher, wie mir wieder ein 
in der letzten Zeit zu meiner Kenntnis gekommener Fall gezeigt 
hat, die schon im ersten Schuljahr sich unerlaubte Schulversäum¬ 
nisse zuschulden kommen lassen. Meine Damen und Herren! Ich 
hoffe, Sie auch durch meine heutigen Ausführungen davon überzeugt 
zu haben, daß wir nicht nur imstande sind, die Kinder, die nach 
ihrem körperlichen und geistigen Zustande den Anforderungen der 
Schule nicht gewachsen sind, von vornherein auszuscheiden und 
die Behandlung solcher körperlicher Leiden zu veranlassen, die in 
nervöser Hinsicht bedenklich werden können, sondern auch mit 
Hilfe Ihrer Beobachtungen eine Disposition zu Nerven- und Geistes¬ 
krankheiten zu erkennen, die bisher dem Elternhause und Haus¬ 
arzt entgangen war. Daß Sie bei Ihren Versuchen, die erforder¬ 
lichen Vorbeugungsmaßregeln zu veranlassen, der Unterstützung 
der Vorgesetzten Behörde und der Schulärzte sicher sein können, 
darüber brauche ich wohl kein Wort zu verlieren. Auch zu den 
übrigen Ärzten dürfen Sie das Vertrauen haben, daß sie den Eltern 
Ihrer Zöglinge nach bestem Wissen und Gewissen raten und auch 
die rechtzeitige Zuziehung des Spezialisten nicht versäumen werden. 
Auch von Ihnen darf ich annehmen, daß Sie sich nicht dem Vor¬ 
wurf aussetzen, den ich vielleicht am besten charakterisieren kann, 
wenn ich die Worte zitiere, die ein Schulinspektor auf einem der 
letzten schulhygienischen Kongresse äußerte. „Wenn ich in eine 
Klasse komme“, sagte er, „so frage ich den Lehrer: Wo sitzen die 
kurzsichtigen, wo die schwerhörigen, wo die wegen körperlichen 
Schäden vom Turnunterricht dispensierten Kinder? Wenn mir der 
Lehrer auf diese Frage keine genügende Auskunft geben kann, dann 


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sage ich ihm: Sie haben es an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen“. 
Ohne Sorgfalt ist ja kein planmäßiges Zusammenwirken von Lehrer 
und Arzt und damit auch keine Prophylaxe auf dem in Rede 
stehenden Gebiete möglich. Es wird nun voraussichtlich gar nicht 
so selten Vorkommen, daß bei den in Betracht kommenden Kindern 
die Ratschläge des von den Eltern mit oder ohne Zureden des 
Lehrers befragten Arztes nicht zum Ziele führen. Wie diese Kinder 
dann seitens der Schule zu behandeln sind, das kann dann nur von 
Fall zu Fall auf Grund eines gegenseitigen Meinungsaustausches 
von Lehrer und Arzt entschieden werden. Uber die dabei ma߬ 
gebenden Gesichtspunkte gedenke ich mich bei einer späteren Ge¬ 
legenheit zu verbreiten und ich hoffe dann, Ihnen die Dinge, um die 
es sich dabei handelt, auch durch Vorstellung einiger inbezug auf 
ihre Nervengesundheit gefährdeter Kinder besser veranschaulichen 
zu können. 

Anmerkung: Bericht über den S. 2 erwähnten frühercu Vortrag. 

Schon bei der ersten ärztlichen Untersuchung der Schulanfänger ist bei 
den Kindern, die in körperlicher und geistiger Beziehung auffallende Er¬ 
scheinungen darbieten, die Beantwortung bestimmter Fragen erforderlich. 
Von diesen Fragen spielt die nach den erblichen Verhältnissen eine 
wichtige Rolle. Abgesehen jedoch davon, daß sich von dein sog. Vererbuugs- 
gesetz zahlreiche Ausnahmen finden, ist den Kindern gegenüber, in deren 
Verwandtschaft Nerven- und Geisteskrankheiten, Selbstmord, Trunksucht und 
Verbrechen, gehäufte Tuberkulose usw. vorgekommen sind, auch deshalb 
keine Schwarzseherei am Platze, weil nicht Krankheiten sich für gewöhn¬ 
lich vererben, sondern nur Krankheitsanlagen, deren Entwickelung die Schule 
durch Fernhaltung gewisser Schädlichkeiten häufig verhüten könne. Aus 
naheliegenden Gründen erhält man öfter über die in einer Familie vor¬ 
handenen Erblichkeitsverhältnisse nicht die wünschenswerte Auskunft. Auch 
aus diesem Grunde muß man sich an der Hand von Fragen über die Ent¬ 
wicklung im vorschulpflichtigen Alter ein Urteil über die Nerven - 
und Gehirnlage eines Kindes zu bilden suchen. Von großer Bedeutung in 
dieser Hinsicht ist es z. B. zu wissen, ob ein Kind zu einer Zeit das Licht 
der Welt erblickte, in der die Mutter schweren Gemütsbewegung e 11 
ausgesetzt war. Derartige Kinder sind oft mit einer Schwäche der nervösen 
Funktion behaftet, die sich bis zur Idiotie erstrecken. Zum Teil aus diesem 
Grunde findet man bei unehelichen Kindern mehr Mängel in psychisch¬ 
nervöser Beziehung als bei ehelichen. Ein weiterer Grund für diese Er¬ 
scheinung ist der, daß die Mütter unehelicher Kinder häufig geistig minder¬ 
wertig sind. Ererbt dagegen ein uneheliches Kind gute Anlagen, so richtet 
schlechte Erziehung und Pflege, denen die Unehelichen in besonderem Maße 
ausgesetzt sind, weit weniger Unheil an aus dem einfachen Grunde, weil 
Vernachlässigung die Geisteskräfte wohl unentwickelt läßt, aber keine minder¬ 
wertigen Anlagen schafft. Von Interesse ist es ferner, zu wissen, wann die 
Kinder zu zahnen, gehen, sprechen begonnen haben, da eine 
auffallende Verspätung in dieser Beziehung auf Anomalien des Nervensystems 
hin weist. Vorsicht ist auch solchen Kindern gegenüber am Platze, von denen 
man hört, daß sie mit Schlafstörungen behaftet sind. Vorsicht, aber 
keine Ängstlichkeit. Dasselbe gilt für die Schulkinder, die an Bettnässen 
leiden. Auch die Frage, ob ein Kind im vorschulpflichtigen Alter an 
Krämpfen gelitten habe, ist seitens des Elternhauses zu beantworten. Sie 
stellen allerdings nur dann den Ausdruck einer nervösen Minderwertigkeit 
dar, wenn sie häufiger aufgetreten sind. Notwendig ist es ferner, auf die 
Kinder zu achten, bei denen sog. nervöse Gewohnheiten wie Lut¬ 
schen, Nägelkauen und dergl. bemerkt werden. Diese Erscheinungen 
sind häufig Merkmale eines abnorm schwachen Willens und vergesellschaften 
sich außerdem nicht selten mit Störungen der sexuellen Entwick¬ 
lung, die den Schularzt auffordern, nach dieser Richtung hin Nachforsch¬ 
ungen anzustellen. Besonders wichtig für die Beurteilung der Veranlagung 
eines Schulkindes ist es, durch Befragen der Mutter zu ermitteln, ob das- 


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selbe schon vor dem Besuche der öffentlichen Schule an Erscheinungen 
erhöhter gemütlicher Erregbarkeit gelitten hat. In der Regel wird man 
das Vorkommen abnormer affektiver Erregbarkeit im vorschulpflichtigen 
Alter feststellen können, wenn man sich nach der Wirkung von körper¬ 
licher und geistiger Ermüdung,Temperatureinflüssen, fieber¬ 
haften Erkrankungen, Alkohol genuß, Körperverletzungen 
auf das Allgemeinbefinden des Kindes erkundigt. In der Schule sind jeden¬ 
falls die Kinder von vornherein zu beachten, die durch abnorme große, d. h. 
nicht im Verhältnis zum Anlaß stehende Ängstlichkeit, Schreckhaftig¬ 
keit, Zornausbrüche usw. ausgezeichnet sind, und dem Schularzt vorzu¬ 
führen. Dieser ist dann imstande, auf Grund solcher Mitteilungen und Be¬ 
obachtungen und an der Hand seines Untersuchungsbefundes Schule und 
Elternhaus wertvolle Dienste zu leisten, er kann z. B. raten, von der An¬ 
wendung körperlicher Strafen vollständig Abstand zu nehmen, keine Nach¬ 
hilfsstunden zu erteilen, im Gegenteil im Interesse des reichlichen Genusses 
der frischen Luft Dispens von einzelnen Unterrichtsstunden eintreten zu 
lassen, den Ehrgeiz des Kindes nicht anzuregen usw. 

Weitere prophylaktische Aufgaben treten an die Schule und den Schul¬ 
arzt heran mit aem Beginn der Pubertät, in der manche nervöse Erschei¬ 
nung, die beseitigt schien, wieder auftaucht, mancher psychopathische Keim, 
der bisher der Beobachtung entgangen ist, sich zu entwickeln beginnt. Zur 
Zeit der Schulentlassung ist es erforderlich, Fürsorge zu treffen für die 
abnorm veranlagten Elemente, die sich ihrer Minderwertigkeit nicht für jeden 
Beruf und Lehrherrn eignen, die gar leicht mit dem Strafgesetzbuch in Kon¬ 
flikt kommen können und aus diesen und anderen Gründen nicht in das 
Heer eingestellt werden sollen. Unter den anormalen Schulkindern befinden 
sich aber nicht nur minderwertige, sondern auch höherwertige Individuen, 
d. h. Kinder, die an Intelligenz und guten Charaktereigenschaften das Ditrch- 
schnittsmaß übertreffen. Auch diesen Kindern muß natürlich bei der Wahl 
des Berufes der Rat des Schularztes zur Verfügung stehen. Ich 
bezweifele nicht, daß die erforderlichen Anordnungen seitens der Schule ohne 
große Schwierigkeiten durchgeführt werden können und durchgeführt werden 
müssen. Denn in dem Maße, als es gelinge, schon in der Schule die nervös 
und psychopathisch veranlagten Kinder in der richtigen Weise zu behandeln, 
werde die Zahl der Menschen abnehmen, die auf ihrem späteren Lebenswege 
unheilbarem Nervensiechtum verfallen und besten Falls in der Irrenanstalt 
endigen. 

In der sich an den Vortrag anschließenden Besprechung erläuterte Kreis¬ 
schulinspektor Prof. Luley-Worms zuerst unter Hinweis auf die heute so 
eifrig betriebene Jugendpflege, warum die Schule sich auch mit diesen Fragen 
beschäftigen müsse. Er betonte, daß auch die von der Natur stiefmütter¬ 
lich Bedachten ein Recht auf individuelle Behandlung in Erziehung und 
Unterricht hätten. Erforderlich zu diesem Zwecke sei es aber für den 
Lehrer, die anormalen Schulkinder rechtzeitig zu erkennen, damit er seine Er¬ 
ziehungsarbeit, sein Lehrverfahren danach einrichten könne und Mißgriffe 
vermeide, die oft üble Folgen nach sich ziehen. Es liegt auch im Interesse 
der Mitschüler, der Eltern, der Gemeinde, des Kreises, des Staates, daß die 
abnormen Schüler richtig erkannt, behandelt und ausgebildet werden. Eltern 
und öffentliche Körperschaften haben heute oft unter den Folgen von Ver¬ 
nachlässigungen dieser Art zu leiden. Sie müssen für die in Erziehung und 
Unterrricht vernachlässigten Anormalen finanziell und zwar oft mit großen 
Opfern eintreten. Zwangserziehung, Armen Unterstützung, völlige Unter¬ 
haltung usw. könne aber bei sachgemäßer, rechzeitig einsetzender Ausbildung 
unnötig gemacht werden. Redner ist ebenfalls der Ansicht, daß die Erreich¬ 
ung solcher Ziele nur durch Zusammenwirken von Arzt, Schule uud Familie 
möglich ist. Es ist zuerst Aufgabe des Lehrers und Schularztes, durch Be¬ 
obachtung und Befragen der Eltern die anormalen Erscheinungen festzu¬ 
stellen. Der Arzt wird dann durch Zusammenfassung der Beobachtuugser- 
gebnisse ein Bild der besonderen Artung des Kindes schaffen und dem 
Lehrer die nötigen Winke für die Behandlung des Zöglings geben. Auf 
dieser Grundlage baut der Lehrer dann sein Erziehungsverfahren auf, soweit 
cs im Rahmen der öffentlichen Schule möglich und nicht die Überweisung an 


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besondere Anstalten notig macht. Professor Luley wies zum 
Schlüsse noch auf einige in seiner Berufstätigkeit gemachten Erfahrungen 
hin, kennzeichnete einige Erscheinungsformen bei geistig anormal veranlagten 
Schulkindern und zeigte dabei, wie folgenschwer die Vielkenntnis krankhafter, , 
psychischer und moralischer Anlagen sein kann. Hauptlehrer Sande r-Worms 
und Hilfsschullehrer B ü ttne r-Worms sprachen gleichfalls in diesem Sinne. 
Dr. Bayerthal betonte nochmals, daß bei Feststellung der die normale 
Veranlagung kennzeichnenden Erscheinungen möglichst früh in der Schule 
eingegriffen werden müsse, nicht erst nach Verlauf mehrerer Jahre, und be¬ 
sprach einen von ihm entworfenen Fragebogen und seine Bearbeitung durch 
den Lehrer und Schularzt. 

Zum Schlüsse sprach Geheimer Regierungsrat Dr. Kayser-Worms 
Dr. Bayerthal und den Diskussionsrednern seinen Dank aus und schloß 
die Besprechung mit dem Wunsche, daß die auf dem genannten Gebiete nun 
beginnende prophylaktische Arbeit von Nutzen, von Vorteil und Segen be¬ 
gleitet sein möchte. 


Klinische Besonderheiten des Typhus abdominalis 

im Kindesalter. 

Von Dr. A. Du toi t in Montreux (Schweiz). 

Unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen unter¬ 
scheiden wir in diesem Zusammenhang die Erkrankungen an Typhus 
abdominalis bei Säuglingen einerseits von denjenigen bei Kindern 
mittleren Alters andererseits. 

Ganz allgemein betrachtet gilt der Typhus abdominalis im 
Kindesalter als eine gutartige Erkrankung, vorausgesetzt natürlich, 
daß die Diagnose rechtzeitig erfolgt und eine entsprechende Behand¬ 
lung mit Verständnis durchgeführt wird. Immerhin kommt zumal 
dem Typhus abdominalis beim Säugling eine ernste Prognose zu. 

I. Der Typhus abdominalis im mittleren Kindesalter 
betrifft vorwiegend die Zeit vom io. bis 15. Lebensjahr. 

Das Anfangsstadium der Krankheit verdient ganz besondere 
Aufmerksamkeit. I111 Gegensatz zu den Erfahrungen beim Erwach¬ 
senen erscheint der Beginn häufig auffällig abgekürzt, das heißt das 
Fieber steigt schon innerhalb der ersten drei oder vier Tage zur 
vollen Höhe an. 

Sonst aber finden sich im Anfangsstadium die allbekannten 
Störungen, wie Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Nasenbluten, 
und vorzugsweise gerade Erbrechen. 

Abgesehen davon gibt es gelegentlich einmal eine Erkrankung 
mit plötzlichem Anfangsstadium, das Fieber erreicht dann schon 
innerhalb zweimal 24 Stunden einen recht bedenklichen Grad, der 
Art, daß die Diagnose außerordentliche Schwierigkeiten bietet, falls 
nicht auch andere Zeichen den Verdacht auf Typhus abdominalis 
bestärken. Im besonderen liegt in derartigen und ähnlichen Fällen 
die Verwechslung mit einer Pneumonie auf der Hand, einer¬ 
seits weil die das Fieber begleitende Leberstauung eine Dämpfung 
in der rechten unteren Brustgegend hervorruft, welche natürlich den 
Anschein einer Lungenanschoppung erweckt, andererseits weil der 
Milztumor bei Kindern und überhaupt im Anfangsstadium öfters fehlt 


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Aus diesem Grunde kommen also Verwechselungen zwischen 
Pneumonie und Typhus abdominalis bei Kindern im mittleren Lebens¬ 
alter vor. Der Irrtum klärt sich erst später von selbst auf, etwa 
vom neunten Tage an, wenn eher keine Krise eintritt. Zu dieser 
Zeit läßt sich dann zumeist der Milz tumor unzweifelhaft nachweisen. 

Nur im Vorbeigehen endlich erwähnen wir, daß, allerdings recht 
selten, im Anfangsstadium ein erythematose oder selbst eitrige Angina 
für einige Tage das klinische Bild beherrscht. 

Neben der Verwechslung mit einer Pneumonie verdient vor 
allem aber eine solche mit Appendizitis nähere Beachtung. 
Kinder neigen ganz besonders zu Klagen über Schmerzen im Unter¬ 
leib, Klagen, welchen man, je nach Gebühr, mit Verständnis entgegen- 
kommen muß. 

Zu den besonderen Erscheinungen, welche das Anfangsstadium 
eines Typhus abdominalis im mittleren Kindesalter auszeichnen, 
rechnen wir hier die meningitischen Störungen. Sie erinnern 
bald mehr an eine echte Meningitis cerebrospinalis acuta, bald mehr 
an eine Meningitis tuberculosa. Die Lumbalpunktion gibt 
nur insofern sicheren Aufschluß, wenn entweder Tuberkelbazillen 
oder Typhusbazillen gefunden werden, oder wenn die Zerebrospinal¬ 
flüssigkeit Typhusbazillen agglutiniert 

Wir gelangen sodann zum Status typhosus im engeren 
Sinne, welcher im mittleren Kindesalter annähernd dem¬ 
jenigen des Erwachsenen entspricht. Der Milztumor steht hier 
im Vordergrund. Dazu kommen Roseolaflecken, welche aber 
bei weitem nicht so häufig wie beim Erwachsenen und im ganzen 
genommen recht spärlich sich zeigen. Einen wesentlichen Anteil im 
klinischen Bilde beansprucht zu dieser Zeit auch zumal die Bron¬ 
chitis, wogegen die Diarrhoe keineswegs die gleiche Bedeutung 
gewinnt wie beim Erwachsenen. Fälle von Typhus abdominalis im 
mittleren Kindesalter mit hartnäckiger Verstopfung gehören 
gar nicht zu den Ausnahmen. 

Verweilen wir noch einen Augenblick bei den Roseolaflecken, 
so bemerken wir darüber, daß dieselben gelegentlich recht frühe, z. 
B. schon am dritten und vierten Krankheitstage, erscheinen, über¬ 
haupt öfter in geringer Zahl und unansehnlich sich zeigen und end¬ 
lich nicht selten überraschend schnell verschwinden. 

Bezüglich des Fiebers ist zu sagen, daß Kinder im mittleren 
Lebensalter, im Gegensatz zu dem, was wir beim Erwachsenen be¬ 
obachten, zu ganz erheblichen Schwankungen neigen, derart, 
daß zwischen dem Maximum und Minimum desselben Tages, bis zu 
zwei Grad C liegen. Natürlich heißt es unter diesen Umständen 
der Differentialdiagnose mit einer Miliartuberkulose gebührend 
Rechnung tragen, zumal dann, wenn die Bronchitis den Verdacht 
auf eine Lungenerkrankung hinlenkt. 

Zur Zeit der Entfieberung sodann findet gerade das Gegen¬ 
teil dessen statt, was das Anfangsstadium auszeichnet, nämlich wenn 
dort von einer Verkürzung die Rede war, so handelt es sich jetzt 
gerade ebenso oft um eine Verzögerung, welche aber kaum ein¬ 
mal den zehnten Tag überdauert Ganz selten ist ein rascher Fieber- 


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abfall. Er gilt indessen als charakteristisch für Fälle, welche der 
Typhusvaccine unterworfen werden. 

In klinischer und prognostischer Hinsicht unterscheiden 
wir, das Gesagte kurz nochmals zusammenfassend, am besten wohl 
drei Grade der Erkrankung an Typhus abdominalis im mittleren 
Kindesalter: 

1. Leichte Formen. Sie kommen verhältnismäßig häufig 
vor. Das Fieber erhebt sich nach meist raschem Anstieg zu bedenk¬ 
licher Höhe. Milztumor, vereinzelte Roseolaflecken, gelegentlich Ei¬ 
weiß im Ham. Status typhosus erscheint verkürzt auf Kosten der 
Zeit der Entfieberung, welche unmerklich in die eigentliche Rekon¬ 
valeszenz übergeht. 

Hierher gehören anhangsweise die abortivenFormen, welche 
bei Kindern im mittleren Lebensalter nicht selten Vorkommen. 

2. Mittlere Formen. Die Erscheinungen nähern sich den¬ 
jenigen beim Erwachsenen, mit den Besonderheiten, welche wir oben 
hervorgehoben haben. 

3. Schwere Formen. Die Erfahrung lehrt hier, daß Mädchen 
im Pubertätsalter öfter einen außerordentlich schweren, ja selbst 
tödlichen Verlauf der Erkrankung zeigen. Dabei handelt es sich 
Jeils um den sogenannten Lungentyphus, teils um meningi- 
tische Erscheinungen, welche von Anfang an das klinische 
Bild beherrschen. Hier vor allem drängt sich die Verwechslung mit 
einer akuten Tuberkulose immer wieder auf. 

Dazu gesellen sich, nach vorangehender Entfieberung, die bekann¬ 
ten Rückfälle. Diese bedrohen ganz allgemein die Kinder häufiger als 
die Erwachsenen. Das Zeitintervall beträgt sechs bis zehn Tage im 
Mittel, gelegentlich aber auch mehr. In der Regel ereignet sich e i n 
einziger Rückfall, selten sind schon zwei und drei Rückfälle. Ge¬ 
wöhnlich verläuft der Rückfall ähnlich wie die erste Erkrankung, jedoch 
wesentlich abgekürzt Häufig handelt es sich nur um eine mehr 
oder weniger leichte Fieberschwankung von fünf- bis achttägiger 
Dauer. 

Die eigentlichen Komplikationen des Typhus abdominalis 
im mittleren Kindesalter entsprechen durchaus denjeningen beim 
Erwachsenen. Wir gehen an dieser Stelle nicht weiter darauf ein, 
erinnern aber daran, daß die Darmblutungen in diesen Fällen 
gerade besonders verhängnisvoll endigen. 

Dem mittleren Kindesalter eigen sind osteomyelitische 
Komplikationen, welche zumal die Zeit der Rekonvaleszenz be¬ 
vorzugen. 

II. Der Typhus abdominalis beim Säugling stellt an 
sich ein recht seltenes Vorkommnis vor. Bis zum sechsten Lebens¬ 
monat bildet er überhaupt eine Ausnahmeerscheinung. 

Wir unterscheiden in diesem Zusammenhang kurz die drei fol¬ 
genden Formen: 

i. Der Typhus abdominalis verläuft unter dem Bilde einer 
schweren fieberhaften Allgemeinerkrankung, ohne her¬ 
vorstechende Störungen. Einzig die genaue Aufzeichnung der Fieber¬ 
kurve läßt hier die Diagnose richtig stellen. 


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II 


2. Der Typhus abdominalis erinnert Zug um Zug an eine 
Meningitis zerebrospinalis. Einzig die Diarrhoe erregt den 
Verdacht auf Darmerkrankung. (Tritt aber auch bei M. z. auf. Red.) 

3. Der Typhus abdominalis täuscht eine Gastroenteritis in¬ 
fantum vor. Die Diarrhoe steht ganz im Vordergrund. 

In allen diesen Formen des Typhus abdominalis beim Säugling 
lautet die Prognose äußerst bedenklich. Der Tod tritt in 
der Regel schon nach zehn bis fünfzehn Tagen ein. 


Referate. 

über Scharlachrekonvaleszentenserum. Von Richard Koch. 
(Aus der medizinischen Klinik des städtischen Krankenhauses 
Sachsenhausen, Frankfurt a. M.) [Direktor: Prof. Dr. Schwen¬ 
kenbecher.] Münch, med. Wochenschr., 1913, Nr. 47.) 

Nach der Behandlungsmethode, über die Reiß und Jungmann 
1912 berichteten (Deutsches Archiv f. klin. Medizin, Bd. 105, S. 70) 
wurden bis Ende März 1913 weitere 22 schwere Scharlachfälle be¬ 
handelt Bereitung des Serums: Sterile Blutentnahme von fieber¬ 
freien, nicht tuberkulösen, auf W.-R. negativ reagierenden Schar¬ 
lachkranken am 18.—24. Tag nach Ausbruch des Exanthems. Ab¬ 
stehenlassen über Nacht im Eisschrank, dann Zentrifugieren und 
Einschmelzen in Glasampullen unter Zusatz von 0,5 proz. conc. Kar¬ 
bolsäure. Vor dem Karbolzusatz Sterilitätsprüfung. Indikation: 
Schwer toxische Scharlachfälle in den ersten Tagen. Dosis und 
Applikation: Bei kleinen Kindern 50 cc, bei größeren und Er¬ 
wachsenen 100 cc intravenös (im Salvarsaninfusionsgefäß). Er¬ 
folge: Kritische Entfieberung und Umschwung im Allgemeinbefinden 
bei rein toxischem Scharlach. Keine Einwirkung auf Komplikationen. 

Kontrollversuche mit normalem Menschenserum ergaben, daß 
auch hierdurch tiefe Temperatursenkungen herbeigeführt werden 
können. Die Einwirkung ist aber weniger dauernd und die Beein¬ 
flussung des Allgemeinbefindens weit geringer. Autoreferat. 

Die Behandlung des Scharlachs mit Rekonvaleszenten* 
serum und Normalserum. Von Rowe. (Aus der II. 
inneren Abt des städtischen Krankenhauses Charlottenburg. 
— Deutsche med. Wochenschr., 1913.) 

R. gewann das Rekonvaleszentenserum von gesunden Scharlach- 
rekonvaleszenten zwischen dem 21. und 28. Krankheitstage, die kein 
Zeichen konstitutioneller oder hereditärer Lues boten und einen ne¬ 
gativen Ausfall der Wassermann’schen Reaktion hatten; das Nor¬ 
malserum von Gesunden, die noch niemals Scharlach gehabt hatten. 
Das Serum injizierte er nur solchen Patienten, die eine Temperatur 
von 39,5 Grad und darüber hatten. Einen merkbaren qualitativen 
Unterschied in der Wirkung der beiden Seren konnte er nicht be¬ 
merken. Bei beiden ließ sich zunächst die Beeinflussung des Fiebers 
und der mit dem Fieber verknüpften Störung des Allgemeinbefindens 
feststellen. Die Kurve kann eine kurze Zeit nach der Injektion noch 


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12 


etwas ansteigen oder hält sich ungefähr auf derselben Höhe, um 
dann in wenigen Stunden bereits bis zur Norm zu sinken. Die Puls¬ 
kurve fällt mit der Temperaturkurve parallel. Im Anschluß an die 
Injektion stellt sich gewöhnlich Schlaf ein, # auch am Tage. In den 
günstigen Fällen bleibt dann am nächsten Tage die Temperatur 
normal oder überschreitet wenigstens nicht mehr 38 Grad, um dann 
dauernd unten zu bleiben. Das Exanthem pflegt 24 Stunden nach 
der Injektion bis auf geringe Spuren verschwunden zu sein, nach 
weiteren 24 Stunden ist gewöhnlich nichts mehr davon zu sehen. 
Im Gegensatz hierzu werden die Halserscheinungen nur wenig durch 
die Seruminjektion beeinflußt. 

Der günstige Krankheitsverlauf konnte jedoch nur dann 
beobachtet werden, wenn die Patienten gleich in den ersten Krank¬ 
heitstagen behandelt werden konnten. Nicht geeignet für die Serum- 
therapie erschienen solche Fälle, bei denen ein hoch fieberhafter 
Scharlach schon länger als fünf Tage bestand, oder Fälle, die unter 
dem Bilde einer sogenannten Scharlachsepsis auftraten. 

Während R. anfangs hohe Dosen gab, injiziert er jetzt gewöhn¬ 
lich 40 bis 65 ccm Serum und erlebt dabei keine unangenehmen 
Nebenwirkungen. In solchen Fällen, bei denen am nächsten Morgen 
die Temperatur Neigung zu erneutem Anstieg zeigt, macht er eine 
zweite Injektion von 20 bis 40 ccm Serum und erzeugt auf diese 
Weise einen erneuten und häufig definitiven Temperaturabfall. 

Schnell (Halle). 

über die Bedeutung der Wassermaiut’schen Reaktion in 
der S&uglingsfttrsorge. Von Alois Epstein. (A. d. Kinder¬ 
klinik u. -abteilung in der Prager Landesfindelanstalt — Prager 
Mediz. Wochenschr., 1913, Nr. 45.) 

Die Gefahr der Lues-Infektion in der geschlossenen Säuglings¬ 
fürsorge — in der Anstaltspflege — ist unwesentlich gegenüber der 
Infektionsgefahr, welche von hereditär luetischen Kindern in der 
offenen Säuglingsfürsorge — in der Außenpflege — ausgeht In 
der Anstalt selbst läßt sich durch strenge Schulung des Ärzte- und 
des Pflegepersonals die Gefahr der Lues-Infektion ganz vermeiden. 
Epstein selbst sah während seiner* langen Tätigkeit nie eine 
derartige Übertragung in der Anstalt; wohl aber läßt sich diese 
Gefahr in der offenen Säuglingsfürsorge nicht ganz bannen, selbst 
bei genauester ärztlicher Aufsicht, wie sie z. B. von den französischen 
Findelhäusern geübt wird. In der Prager Findelanstalt muß, wie 
ein Landes-Ausschuß-Erlaß bestimmt, bei allen von der Anstalt zu 
versorgenden Kindern vor deren Abgabe in die Außenpflege W.-R. 
vorgenommen werden und auch bei deren Müttern, soweit dies tun¬ 
lich ist. Die Untersuchung auf W.-R. wird bei längerem Aufenthalte 
der Kinder in der Regel alle 4 Wochen wiederholt. Seit dem 14. Mai 
1^12 bis 3. Oktober 1913 wurden 1497 Kinder und 1306 Mütter in 
die vom Verf. geleitete Abteilung auf genommen, die Zahl der vor¬ 
genommenen W.-R. beträgt 3991, von welchen 2299 auf Kinder, 
1392 auf Mütter entfallen. Eine zur vorläufigen Orientierung über 
die ersten zwei Monate der obligatorischen W.-R.-Vomahme mv 


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*3 


gestellte Zählung ergab unter 198 Müttern 20 positive Reaktionen (10%). 
Von diesen zeigten Zeichen frischer oder alter Lues 5, die übrigen 
15 waren frei von manifester Lues. Von den letzteren wurden zum 
zweiten Mal untersucht 7, und auch zum zweiten Mal positiv ge¬ 
funden 4, die übrigen 3 negativ. Unter 236 Kindern der ersten 
Lebenswochen reagierten positiv 8, das sind 33%. Darunter Kinder 
von nachweisbar luetischen und positiv reagierenden Müttern 4, von 
negativ reagierenden Müttern 1, Kinder nicht untersuchter Mütter 3. 
Bei einem Kinde war das Resultat negativ und erst nach Ausbruch 
der Erscheinungen, bei Wiederholung der W.-R. positiv. — Die 
regelmäßige Vornahme der W.-R. ist nicht nur für die Prophylaxe 
der Lues in der offenen Säuglingsfürsorge, sondern auch für den 
inneren Anstaltsbetrieb (Isolierung, Dauer des Aufenthaltes, Art der 
Ernährung) von großer Wichtigkeit geworden und sollte nach Mög¬ 
lichkeit auch in der privaten Säuglingsfürsorge durchgeführt werden. 

E. Flusser (Prag). 

Indikation und Technik der Tuberkulinkuren im Kindes¬ 
alter. Von Eckert-Berlin. (Therapeut Monatshefte, 1913, 
Oktober.) 

Neuere phthiseogenetische Anschauungen, die sich auf die kli¬ 
nische Betrachtung wie auf die experimentelle Forschung stützen, 
weisen der Phthise im Bilde der tuberkulösen Infektion etwa die 
gleiche Stelle zu wie der tertiären Form im Bilde der Syphilis, d. h. 
die chronische, langsam verlaufende Phthise ist der Ausdruck einer 
durch eine erstmalige, bereits überstandene Infektion erzeugte partielle 
Immunität, die den Ausbruch akut tödlicher Miliartuberkulosen ver¬ 
hindert Aufgabe der Tuberkulinkuren kann es nur sein, die Ent¬ 
stehung einer solchen partiellen Immunität zu unterstützen. Nie¬ 
mals kann durch Tuberkulin eine Immunisierung des nicht infizierten 
Körpers erreicht werden, dazu ist der lebende Bazillus unentbehrlich. 
Eine direkt heilende Beeinflussung tuberkulöser Herde bedingt 
eine mehr oder weniger starke, im Kindesalter stets gefährliche Herd¬ 
reaktion, durch Anwendung größerer Dosen. Eine Förderung der 
natürlichen Immunität kann schon durch geringe Dosen mit vor¬ 
sichtiger Steigerung ohne Herd und Allgemeinreaktion erreicht werden. 

Die Tuberkulinkur ist demnach auf bereits infizierte Kinder 
mit streng lokalisierten Tuberkulosen zu beschränken, technisch 
kommt nur die einschleichende (Sahlisehe) Methode der kleinen 
Dosen in Frage. Autoreferat. 

Das neue Diphtherieschutzmittel v. Behrings. Von O. 

Hornemann-Charlottenburg. (Aus dem Kaiserin Augusta- 
Victoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im 
Deutschen Reich. — Therapeutische Monatshefte, Nov. 1913.) 

Das neue Schutzmittel sucht den Impfling durch Erhöhung des 
Antitoxingehalts des Blutes aktiv zu immunisieren. Es besteht 
aus einer Mischung von starkem Diphtheriegift und Antitoxin, und 
zwar in solchem Verhältnis, daß die Mischlösung im Meerschweinchen¬ 
versuch nur einen geringen oder gar keinen Toxinüberschuß 
aufweist, 


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Die Leistungen und Ziele dieser aktiven Immunisierung bestehen 
darin, den Antitoxingehalt des Blutes auf eine bestimmte Höhe zu 
bringen, die einen ausreichenden Schutz gegen eine epidemiologische 
Infektion gewährleistet (*/, 0 Antitoxineinheit in i cbcm Serum). 
Weiter soll durch die aktive Immunisierung ein möglichst lange 
anhaltender Schutz erzeugt werden. Man hat nämlich die Erfahrung 
gemacht, daß die autogenen Schutzkörper ungleich länger im Or¬ 
ganismus verbleiben, als die heterogenen (Pferdeserum). Es liegen 
Beobachtungen vor, die darauf hindeuten, daß durch diese Immuni¬ 
sierungsart ein Schutz von i—2 Jahren erworben werden kann. 
Ferner soll von hochimmunisierten Impflingen ein anthropogenes 
Antitoxin genommen werden, das im Gegensatz zu dem am Pferde 
gewonnenen bei Diphtheriekranken jegliche Anaphylaxiegefahr aus¬ 
schließt Schließlich soll das Schutzmittel im Kampfe gegen die 
Bazillenträger Anwendung finden. 

Vorläufig sind wissenschaftliche Prüfungen im Gange mit dem 
Zwefck, die beste Zusammensetzung und richtige Dosierung des 
Mittels ausfindig zu machen, damit mit möglichst geringer lokaler 
und allgemeiner Reaktion eine ausgiebige Antitoxinproduktion erreicht 
wird, ohne daß Gesundheitsschädigungen der Impflinge zu be¬ 
fürchten sind. 

Die Applikationsweise ist subkutan oder intrakutan gedacht. 

Autoreferat 

über die Behandlung der Diphtherie mit intravenöser 
Seruminjektion und Yatren. Von Kau scli-Berlin- 
Schöneberg. (A. d. Kaiserin Augusta-Viktoria-Krankenhaus zu 
Berlin-Schöneberg. — Dtsch. med. Wchschr., 1913, Nr. 68.) 

K. führte in einer schweren Diphtherieepidemie den bisher noch 
ausstehenden Beweis der Wirksamkeit des Serums, indem er ab¬ 
wechselnd einen Fall um den anderen spritzte, wie die Fälle zur 
Aufnahme kamen. Die Resultate der nicht gespritzten Fälle waren 
außerordentlich schlechte gegenüber den gespritzten, so daß die Ver¬ 
suche nach kurzer Zeit eingestellt werden mußten. 

Der Verlauf der Fälle dieser schweren Epidemie, in der alles 
versucht wurde, wurde ein eklatant günstiger, als zur systematischen 
intravenösen Injektion (500—1500 E.) zusammen mit intramuskulärer 
(1000—1500 E.) übergegangen wurde. Die intravenöse Injektion ist 
keineswegs etwas neues, wird aber bisher sehr vernachlässigt 

Yatren (Tryen), ein organisches Jodschwefelbenzolpräparat, hat 
sich, neben Serum gegeben, als ein sehr wertvolles Unterstützungs¬ 
mittel in der Behandlung der Diphtherie bewährt Es empfiehlt sich 
auch als Prophylaktikum und bei Bazillenträgern. Es wird in den 
Rachen und in die Nase eingestäubt, ferner per os gegeben in 
Dosen von 3 mal 0,2 bis 0,5 je nach dem Alter. 

Verf. faßt seine Erhebungen folgendermaßen zusammen: 

1. Das Wichtigste ist bei der Behandlung der Diphtherie die 
möglichst frühzeitige Injektion von Serum. 

2. Auch jeder zweifelhafte Fall ist zu injizieren; es ist nicht 
erst abzuwarten, ob der Abstrich positiv ist oder bis die klinische 
Diagnose gesichert ist 


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3- Am intensivsten wirkt die intravenöse Injektion des Serums. 
Stets ist diese anzuwenden bei schweren Fällen, ferner bei allen, die 
erst spät zur Injektion kommen. 

4. Yatren ist ein wertvolles Unterstützungsmittel bei der Be¬ 
handlung der Diphtherie. 

5. Yatren ist das beste Mittel, um Diphtheriebazillenträger bazillen¬ 
frei zu machen. 

6. Yatren ist ein Prophylaktikum gegen Diphtherie. 

Autoreferat. 

Akute primäre diphtherische Lungenentzündung. Von O. 

David. (Aus der Mediz. Univ.-Klinik Halle. — Mediz. Wochen- 
schr., 1^13, Nr. 42.) 

Ein 9jähriger Junge erkrankte mit den ausgesprochenen Zeichen 
einer linksseitigen Unterlappenpneumonie, die in typischer Weise 
kritisierte. Es schloß sich eine leichte Pleuritis derselben Seite an. 
Plötzlich entwickelte sich eine aufsteigende diphtherische Broncho- 
tracheitis, die eine Tracheotomie nötig machte und eine rechtsseitige 
Unterlappenpneumonie, die zum Tode führte. Die Sektion ergab 
im Kehlkopf und der Trachea gelblich-grauen Belag, der sich bis 
in das Lungengewebe verfolgen ließ. Außerdem pneumonische In¬ 
filtrationen der Unterlappen, die makroskopisch und mikroskopisch 
das Bild der kruppösen Pneumonie zeigten. Schon im Leben ergab 
die Untersuchung der bei der Tracheotomie entfernten Membranen 
Diphtheriebazillen. Aus dem post mortem unter allen Kautelen aus 
der Lunge entnommenen Gewebe wurden auch Diphtheriebazillen 
in Reinkultur gezüchtet. Pneumokokken konnten nicht nachgewiesen 
werden. 

Der Verf. kommt zu dem Ergebnis, daß auf einem nicht mehr 
festzustellenden Wege Diphtheriebazillen in die linke Lunge gelangt 
sind und von hier aus primär zu einer pneumonischen Erkrankung 
geführt haben. Bisher kannte man Pneumonien, die umgekehrt im 
Anschluß an Rachenerkrankungen auftreten und die im Gegensatz 
zum Vorliegenden bronchopneumonischen Charakter haben. 

Autoreferat 

Beiträge zur Kenntnis der Pyelitis im Kindesalter. Von 

Langstein-Berlin. (Medizinische Klinik, 1913, Nr. 37.) 

Nach L.’s Beobachtungen schließt sich ein großer Teil der 
Pyelitiden an akute Infektionskrankheiten an. Besonders hat die 
Grippe einen dominierenden Einfluß, aber auch Keuchhusten und 
Scharlach scheinen die Entstehung einer Pyelitis zu begünstigen. 
Daß zwischen akuten Darmkatarrhen und der Pyelitis Beziehungen 
bestehen, ist bekannt. L. hat zwei Fälle von Hi rschsprung’scher 
Krankheit beobachtet, bei denen eine Infektion der ableitenden 
Hamwege vorhanden war. 

Das klinische Bild der Pyelitis ist sehr polymorph. Die schwerste 
Form, die toxische, sah L. häufig bei Brustkindern, bei denen hohes 
Fieber, Gewichtssturz, Bewußtlosigkeit, Erbrechen das Bild be¬ 
herrschten. In einem Teil der Fälle bestand Durchfall und Er¬ 
brechen, in einem andern nicht. Eine andere Form gibt manchmal 


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i6 


infolge der bestehenden Nackensteifigkeit zur Fehldiagnose 
der Meningitis Veranlassung, L. bezeichnet sie als me- 
ningeale Form. Dann gibt es Fälle, die mit einer Störung des 
Atmungstypus oder mit Ikterus verlaufen, wieder andere, die unter 
dem Bilde der Appendizitis oder unter dem Bilde akuter Erschein¬ 
ungen von Seiten des Magendarmkanals verlaufen. 

Was die Diagnose betrifft, so betont L., daß der Urin nicht 
immer stark eiterhaltig zu sein braucht, sondern daß unter Um¬ 
ständen selbst bei schwerer Pyelitis eine Urinportion völlig klar 
sein kann. Dies Phänomen erklärt er damit, daß aus der erkrankten 
Niere infolge eines Abflußhindernisses eine Zeit lang kein Urin in 
die Blase 1 kommt und so nur der Harn der gesunden Niere nach 
außen gelangt. Weiter hat L. eine hämorrhagische Form beobachtet, 
bei der sich im Urin zunächst viele rote Blutkörperchen, nur ver¬ 
einzelte Leukozyten und vielleicht hier und da einmal ein Zylinder 
befinden, bei der aber im weiteren Verlaufe eine hochgradige Pyurie 
zu Stande kommt. 

Uber die Prognose und den Verlauf läßt sich niemals mit ab¬ 
soluter Sicherheit etwas Voraussagen. Nach L/s Schätzung nehmen 
90 Proz. bei rechtzeitiger Diagnose und richtiger Behandlung einen 
günstigen Ausgang. 

Bei der Therapie der Pyelitis ist es das wichtigste Gebot, den 
Kindern reichlich Wasser zuzuführen. Für ebenso wichtig hält es 
L., den Patienten Nährstoffe zuzuführen, was bei hochgradiger 
Appetitlosigkeit die Anwendung der Sonde nötig macht Von 
Medikamenten verabreicht L. Urotropin, in schweren Fällen leistet 
Salol in nicht zu kleinen Dosen (0,6—1,0 pro die) mehr. Außer¬ 
dem hat L. noch verschiedene andere Mittel, besonders das Hippol, 
mit gutem Erfolge angewandt L. hat weder von der Alkali- noch 
von der Vakzinations-Therapie Erfreuliches gesehen. 

Schnell (Halle). 

InflammatorY affecttons of sinuses. Von S. Oppenheimer- 
New-York. (Arch. of ped., 1913, H. 1.) 

In Zusammenhang mit der Darstellung der anatomischen Ver¬ 
hältnisse wird die Häufigkeit akuter und subakuter Entzündungen 
der Oberkieferhöhle sowie der Stimbeinhöhlen im frühen und spä¬ 
teren Kindesalter dargelegt; seltener sind Entzündungen der anderen 
Höhlen, die sich erst spät ausbilden. Die Nebenhöhlenentzündungen 
beim Kind können jede Schleimhautaffektion von Nase und Rachen 
begleiten; sie sind relativ häufig bei Infektionskrankheiten. Die Dia¬ 
gnoseist schwierig: von subjektiven Symptomen besteht Kopfschmerz. 
Die Lokalisation des Schmerzes ist im kindlichen Alter unzulänglich; 
charakteristisch kann das Aufhören des Schmerzes bei Sekretabfluß 
durch die Nase sein. Einseitige eitrige Rhinitis ist verdächtig. Der 
Verlauf der Nebenhöhlenaffektionen im Kindesalter ist meist gutartig; 
konservative Behandlung (Spray alkalischer Lösungen, Adrenalin) ge¬ 
nügt meist; wichtig ist Hebung des Allgemeinbefindens. In hart¬ 
näckigen Fällen Drainage von der Nase. Radikaloperation der Stirn- 
heinhöhle ist kaum indiziert, gibt keine guten Resultate. Bauer (Wien). 


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i7 


Uber die therapeutische Anwendung von Normalserum 
bei Juckenden Dermatosen. Von Ullmann. (Aus der 
kgl. dermat Universitätsklinik in Breslau. — Arch. f. Dermat 
u. Syph., Bd. 118, H. i.) 

U. hat auf der Neisser’sclien Klinik 18 Fälle von juckenden 
Dermatosen mit Seruminjektion nach dem Linser’schen Verfahren 
behandelt, fast ausnahmslos Fälle, die lange Zeit jeder lokalen und 
internen Therapie getrotzt hatten oder die häufig rezidiviert waren; 
dabei hat er jede sonstige Therapie vermieden. 

Bei zwei Ekzem fällen der Kinder hat U. keinerlei Einfluß 
vom Serum gesehen, weder auf das pathologisch-anatomische Sub¬ 
strat, noch auf den Juckreiz, obgleich es Fälle waren, die später 
durch lokale Therapie in kurzer Zeit günstig beeinflußt wurden. — 
Bei 7 Fällen von Dermatitis herpetiforinis wurden weder der 
Juckreiz noch die schon bestehenden Effloreszenzen noch das Auf¬ 
treten neuer Schübe in irgend einer Richtung beeinflußt 

Bei zwei Fällen von Urtikaria war zwar eine Abnahme des 
Juckreizes nach den Seruminjektionen zu bemerken, ein völliges 
Schwinden konnte jedoch nicht festgestellt werden. Auch das Auf¬ 
treten von neuen Quaddelschüben wurde nicht hintangehalten. 
Bei einem Fall war überhaupt kein günstiger Einfluß zu konsta¬ 
tieren. Bei einem Falle von Prurigo Hebrae konnte nach der 
dritten Injektion — fünf Tage nach Beginn der Behandlung — 
das völlige Schwinden des Juckreizes festgestellt werden. 

Die verhältnismäßig günstigsten Resultate erzielte U. bei rein 
nervösem Pruritus. Die vier von U. behandelten Fälle konnten 
nach der Behandlung mit einer deutlichen Besserung des Juckreizes 
entlassen werden. Schnell (Halle.) 

Zur Kenntnis der angeborenen Httftluxation. Von Heinrich 
L. B a u m - München. (Ärztl. Rundschau, 1913, Nr. 36.) 

Es wird häufig Sache des Kinderarztes sein, die Diagnose auf 
angeborene Hüftluxation zu stellen; an dieses Leiden muß bei jedem 
Kinde gedacht werden, das wegen Gehstörungen irgendwelcher Art 
(z. B. nur auffallend rasche Ermüdbarkeit eines Beines) zur Unter¬ 
suchung gebracht wird. Größere Kinder, die schon stehen und gehen 
können, bieten der Diagnose meist keine erheblichen Schwierig¬ 
keiten, zumal wenn es sich nur um eine einseitige Luxation handelt: 
hier wird die Verkürzung des einen Beines (gemessen an der Ent¬ 
fernung der Spina iliaca ant. sup. vom Malleolus ext.), das Höher¬ 
und Seitwärtstreten des Trochanter major, der eigentümlich 
watschelnde Gang und das Trendelenburgsche Phänomen 
(Herabsinken der normalen Hüfte beim Stehen auf dem luxierten 
Bein) alsbald den richtigen Weg weisen. Bei ganz kleinen Kindern, 
wo die Angabe der Mutter, schon bald nach der Geburt eine gewisse, 
ohne Schmerzen nicht ganz zu beseitigende Kontraktur des einen 
Hüftgelenkes bemerkt zu haben, eine kongenitale Luxation ver¬ 
muten läßt, ist das JoachimsthaPsche Zeichen von besonderem 
Wert: dem in Rückenlage befindlichen Kind werden beide Beine 
in der Hüfte rechtwinkelig gebeugt und gleichmäßig abduziert; 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 19t4. 2 


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sodann ist deutlich zu erkennen, daß die Längsachse eines luxierten 
Oberschenkels am Azetabulum vorbeigeht, und die obere Schenkel¬ 
umrandung eine ausgeprägte Einsattelung erfährt, während sie auf 
der gesunden Seite einfach geschwungen verläuft In allen Fällen 
ist zur Entscheidung die Röntgenphotographie und zwar, um ver¬ 
gleichen zu können, beider Hüftgelenke heranzuziehen; damit be¬ 
kommt man auch einige prognostische Anhaltspunkte insofern, als 
die Konfiguration der Pfanne und des Oberschenkelkopfes maßgebend 
dafür sind, ob wir bei unserer Behandlung mit größerer oder geringerer 
Wahrscheinlichkeit mit einem guten Dauerresultat rechnen dürfen. 

Die unblutige Einrenkung, die allgemein nicht vor dem zweiten, 
bei einseitigen Luxationen nicht nach dem zehnten, bei doppelseitigen 
Luxationen nicht nach dem sechsten Lebensjahr vorgenommen 
werden sollte, ist Aufgabe des Chirurgen oder Orthopäden. Sie 
wird in tiefer N arkose in der von Joachimsthal etwas modifizierten 
Lorenz’schen Weise am besten manuell ausgeführt, d. h. ohne Zu¬ 
hilfenahme besonderer Apparate außer vielleicht einem passenden 
Lagerungstisch, der die nachfolgende Anlegung des Gipsverbandes 
erleichtert. So werden am sichersten die bei der Einrenkung zu 
fürchtenden Oberschenkelbrüche oder Nervenlähmungen vermieden.* 
Die Behandlungsdauer ist bei einfachen Luxationen mindestens ein 
Vierteljahr, bei doppelseitigen Luxationen, die nach einander ein¬ 
gerenkt werden müssen, mindestens drei Vierteljahre. Die nach 
Ablegung des letzten Gipsverbandes noch notwendige in sorgfältiger 
Massage und aktiven Bewegungsübungen bestehende Nachbehand¬ 
lung wird am besten vom Arzte überwacht. Von Zeit zu Zeit ist 
es ratsam, mittels Röntgenphotographie nachzusehen, ob das mit 
der unblutigen Einrenkung erreichte Ziel, die Herstellung anatomisch 
normaler Hüftgelenksverhältnisse, erhalten geblieben ist 

Autoreferat 

Extensionsttech zur Einrenkung angeborener Httftluxa- 
ttonen. Von Heinr. Web er-München. (Münchner med. 
Wochenschr., 1913, Nr. 36.) 

Der Luxationstisch beruht auf dem Prinzip der Extension und 
des direkten Druckes auf den Trochanter. Die Extension geschieht 
vermittelst allseitig beweglicher Schraubenstangen, der Trochanter¬ 
druck durch verstellbare Hebel. Die Form des Tisches ist derartig, 
daß die Beine des Patienten nach allen Seiten frei bewegt werden 
können. Dadurch ist es möglich, unter Fortdauer der Extension 
mit dem Beine Einrenkungsmanöver vorzunehmen und den Kapsel¬ 
schlauch für den Durchtritt des Kopfes zu erweitern. Der Apparat 
gestattet die größte Kraftanwendung ohne Anstrengung für den 
Operateur und erleichtert also die schwierigen Einrenkungen. 
Ferner findet keine Gefährdung des Ischiadikus statt Der Haupt¬ 
vorzug des Luxationstisches besteht darin, daß er auch bei jüngeren 
Kindern dazu beiträgt, die Retention zu erleichtern, denn nach 
gründlicher Dehnung des Kapselisthmus und des Ileopsoas kann 
der Kopf tief in die Pfanne hineingetrieben werden, Autoreferat, 


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Uber Arsenregenerln und Regenerln. Von Karl Dietl. 
(Aus dem Kinderspital der allgemeinen Poliklinik in Wien. 
[Vorstand: Prof. Hamburger.] — Münch, med. Wochenschr., 
1913, Nr. 39.) . , . . , 

Der fördernde Einfluß, den das Arsen in kleinen Dosen dem 
Organismus zugeführt, auf den Stoffansatz nimmt, ist schon lange 
bekannt und therapeutisch angewendet worden, bevor noch die Be¬ 
stätigung dieser günstigen Wirkung durch den exakten Tierversuch 
geliefert wurde. Tatsächlich zeigt sich, wenn man neugeborene 
Kaninchen vom gleichen Wurf teils mit, teils ohne Zusatz arseniger 
Säure füttert, nach 4 Wochen eine Gewichtsdifferenz von etwa 
30 Proz. zugunsten der mit Arsen gefütterten Tiere, die auf stärkere 
Entwicklung der Knochensubstanz und des Fettgewebes zurück¬ 
zuführen ist. 

Worauf diese dem wachsenden Organismus so wertvolle Arsen¬ 
wirkung beruht, ist nicht sicher bekannt, ebensowenig ist festge¬ 
stellt, ob die Bildung der roten Blutkörperchen bzw. des Hämoglobins 
durch Arsenzufuhr gesteigert w r ird. 

Wir wissen aber vom Eisen — und vom Mangan —, daß es 
zweifellos eine mächtige spezifische Wirkung auf die blutbildenden 
Organe ausübt, was durch histologische Befunde am Knochenmark 
anämisch gemachter Tiere, die teils mit Eisenzufuhr, teils mit eisen¬ 
armer Nahrung gefüttert wurden, am einwandfreiesten bewiesen er¬ 
scheint Bei den Tieren, die Eisen erhielten, zeigten sich im 
Knochenmark bedeutend mehr kernhaltige rote Blutkörperchen als 
bei den Kontrollieren, die kein Eisen zugeführt bekamen. Allge¬ 
mein bekannt ferner ist die günstige Beeinflussung der Chlorose 
durch Eisen. Hier dürfte die Wirkung des Metalls eine zweifache 
sein. Es wird einerseits zum Aufbau des Hämoglobins verwendet 
und wirkt andererseits anregend auf die hämoglobinbildenden Zellen. 

Wir haben also in den beiden Metallen Arsen und Eisen Sub¬ 
stanzen, die, beide richtig angewendet, einen roborierenden Einfluß 
ausüben, wobei das Arsen hauptsächlich den Ansatz von Körper¬ 
substanz, das Eisen die Bildung der roten Blutkörperchen bzw. des 
Hämoglobins begünstigt 

Es ist daher begreiflich, daß man von alters her Eisen und 
Arsen kombiniert zur Behandlung chronischer mit Blutarmut einher¬ 
gehender Schwächezustände mit Erfolg verwendet. 

Freilich stellen sich z. B. bei den offizinellen Eisenpräparaten, 
seltener bei den natürlichen Eisen-Arsen enthaltenden Wässern 
manchmal unangenehme Nebenerscheinungen, wie Magenbeschwerden, 
Verstopfung etc., ein, aber auch andere schwerere Störungen sind 
namentlich bei lange dauernden Arsenkuren schon wiederholt be¬ 
obachtet worden. 

Es dürften — für das Eisen speziell ist dies ziemlich sicher¬ 
gestellt — namentlich die anorganischen Arsen-Eisen-Verbindungen 
sein, die vom Organismus auch nicht gut vertragen werden, während 
die organischen Verbindungen viel seltener oder nie schädliche 
Nebenwirkungen zeigen. 

Eine derartig organische Eisen-Arsen-Verbindung ist das Arsen- 
regenerin. 


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Es besteht aus Regenerin, mit je 0,04 Proz. Arsazetin und 
Lithium kakodylikutn. Der Gehalt an reinem Arsen beträgt 
0,03 Proz. Das Regenerin wieder setzt sich zusammen aus 0,6 Proz. 
Eisen und 0,1 Proz. Mangan. Beides verbunden mit Ovo-Lezithin. 

Verf. hat das Arsenregenerin und das Regenerin nach der 
an g e g e benen Dosierung — 3 Kaffeelöffel, das ist 15 g täglich —, 
wobei beim Arsenregenerin 45 mg reines Arsen, was etwa 30 Tropfen 
der in der üblichen Weise mit Tinktura ferri und amara äa partes 
verschriebenen Solutio Fowleri entspricht, dem Organismus zuge¬ 
führt werden, bei einer ganzen Reihe von Kindern teils selbst an¬ 
gewendet, teils angewendet gesehen. 

Es handelt sich stets um schlecht genährte, appetitlose nervöse 
Kinder, die ja so häufig die Ambulatorien aufsuchen und daselbst 
mit mehr oder weniger Erfolg behandelt werden. Man darf nun 
nicht übersehen, daß bei älteren Kindern und gerade bei „nervösen“ 
Kindern jedes Medikament eine doppelte Wirkung hat: die — 
manchmal recht geringe — pharmakologische oder organische und 
die suggestive. 

So kann bei dem einen die harmlose Tinktura valeriana wahre 
Wunder wirken, bei dem anderen die noch so streng durchgeführte 
Eisen-Arsenkur zuschanden werden. 

Der Glaube an die Wirksamkeit der Medizin und nicht zuletzt 
die Person des Arztes sind in der Therapie des kranken Kindes 
Faktoren von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. 

Ganz anders natürlich ist es in jenen Fällen, wo das nervöse 
Moment zwar nicht in den Hintergrund tritt, aber gleichsam sekun¬ 
där zu bestehenden organischen Veränderungen, wie Abmagerung 
auf Grund einer sonst latenten Tuberkulose, Unterernährung, Blut¬ 
armut etc., hinzukommt Hier ist eine wirksame roborierende 
Therapie sicher angezeigt. Zweifellos aber gibt es auch zahlreiche 
Fälle, bei denen die Hauptbeschwerden primär „nervöser“ Natur 
sind und diese Beschwerden doch durch Besserung des Allgemein¬ 
zustandes zum Schwinden gebracht werden können. Freilich kann 
auch da die Suggestivwirkung eine Rolle spielen. Wenn man aber 
nachweisen kann, daß durch entsprechende Medikation das Körper¬ 
gewicht zunimmt, der Hämoglobingehalt des Blutes steigt und da¬ 
mit Hand in Hand der Zustand des Patienten sich bessert, so ist 
diese Besserung wohl auf Rechnung der roborierenden Therapie zu 
setzen und die Suggestivwirkung spielt eine ganz untergeordnete Rolle. 

So gelingt es, durch Hebung des Allgemeinbefindens auf Grund 
roborierender Therapie oft „nur nervöse“, aber den Patienten sehr 
lästige und quälende Symptome wirksam zu bekämpfen. 

Das Arsenregenerin bzw. Regenerin stellt eine treffliche Waffe 
in diesem Kampfe dar. Es wird — ein sehr wichtiger Faktor — 
von den Kindern gerne genommen, hat niemals irgendwelche üble 
Nebenwirkungen und nimmt einen fördernden Einfluß auf Blut¬ 
bildung und Körpergewicht, wie Verf. durch die Schilderung einer 
Reihe von Fällen nachweist 


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2t 


Bücherbesprechungen. 

Das kommunale Säuglingskrankenhaus und die öffent¬ 
lichen Säuglingsfürsorgemaßnahmen der Ge¬ 
meinde Berlin-Weißensee. Von Dr. Julius Ritter, 
Direktor des Gemeindesäuglingskrankenhauses Berlin-Weißen¬ 
see. gr. 8°, 46 S. m. 20 Taf. Leipzig 1913* Verlag G. Thieme, 
Preis 3 Mk. 

Die Säuglingsfürsorge in Weißensee ist meisterhaft organisiert. 
Es bestehen: 1. Säuglingsfürsorgestellen. 2. Milchkuranstalten. 
3. Säuglingskrankenhaus. 4. Säuglings-, Säuglingsrekonvaleszenten- 
und Wöchnerinnenheim mit Entbindungssaal und Schwangeren- 
unterkunft. 5. Freiluftkrippe und Stillstuben. 6. Ammenvermitt¬ 
lungsamt und Aufsichtsamt für das Halte- und Pflegekinderwesen. 

Das Säuglingskrankenhaus stellt in Wirklichkeit ein „allge¬ 
meines Krankenhaus für Säuglinge 14 dar. Es nimmt seine kleinen 
Patienten in die verschiedensten der Leitung von Fachautoritäten 
unterstellten Spezialabteilungen für Augen-, Haut-, Hals-, Ohren-, 
ansteckende und chirurgische Krankheiten auf. Aber als Spiritus 
rektor des ganzen fungiert der Kinderarzt, der die wichtigste Funk¬ 
tion des jungen Kindes, die Ernährung und Pflege nach den 
Prinzipien der modernen Pädiatrie leitet und überwacht 

Die Milchkuranstalt liefert nicht nur für die Fürsorgeanstalten, 
sondern möglichst allen Reflektanten einwandfreie Vollmilch oder 
entsprechende mustergültige Milchpräparate. Sie untersteht ärzt¬ 
licher Aufsicht 

Die Weißenseer Einrichtungen können vorbildlich wirken. 

Spiegel (Kiel). 

Die körperliche Erziehung des Kindes. Von Prof. Dr. 
Hans Spitzy-Wien. gr. 8°, VIII u. 416 S. Mit 196 Text¬ 
abbildungen. Berlin und Wien 1914. Urban & Schwarzen¬ 
berg. Preis 15 Mk. 

In diesem Werk wird ein für Ärzte, Lehrer, Eltern, überhaupt 
für alle diejenigen, die sich mit dem Erziehungswerk zu befassen 
haben, gleich wichtiger Gegenstand besprochen, nämlich die plan¬ 
mäßige körperliche Erziehung der Jugend („Somatopädagogik 44 wie 
sie Verf. nennt). Man kann mit dem Verf. lebhaft wünschen, daß das 
ausgezeichnete Buch der körperlichen Erziehung in wissenschaft¬ 
lichen Kreisen Anerkennung, in pädagogischen Kreisen Liebe, in 
Eltemkreisen das weitgehendste Verständnis und in der studieren¬ 
den Jugend werktätige Mitarbeit werben möge. S. 

Bakteriologisches Taschenbuch. Von Geh. Oberreg.-RatDr. 
Rudolf Abel-Berlin. 17. Aufl. kl. 8°, VT u. 318 S. Würz¬ 
burg 1913. Curt Kabitzsch. Preis 2 Mk. 

Das Büchelchen gibt die wichtigsten technischen Vorschriften 
für bakteriologische Laboratoriumsarbeit. Ein Beweis für seine 


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große Brauchbarkeit ist die 'Tatsache, daß in 24 Jahren 17 Auf¬ 
lagen erschienen sind* S. 

Repetitorium der Pharmakologie* Nach Prüfungsfragen be¬ 
arbeitet von Dr. L. Glaser-Doberan. 3. revidierte und ver¬ 
besserte Aufl. 8°, VI u. 73 S. WÜrzburg 1914. Emil Mönnich 
vorm. Hans Gnad. Preis 1,60 Mk. 

Das Werkchen stellt an Hand der Prüfungsfragen ein gutes 
Repetitorium in der Arzneiverordnungslehre, Arzneimittellehre und 
Toxikologie dar. S. 

Medizinal-Kalender und Rezept-Taschenbuch der Allg. 
mediz. Zentralzeitung. Von Dr. H. u. Dr. Th. Lohn¬ 
stein. 21. Jahrg. 1914. kl. 8°, 318 S. u. 2 Tafeln. Berlin. 
Oscar Coblentz. Preis 2 Mk. 

Der sehr praktische Kalender bringt außer einem guten Arznei¬ 
mittelverzeichnis und den gewöhnlichen kalendarischen Notizen, 
2 wertvolle Aufsätze: Anwendung radioaktiver Stoffe in der inneren 
Medizin von Priv.-Doz. Dr. Gudzent-Berlin und: Anwendung der 
Radium- und Mesothoriumbestrahlung in der Heilkunde von Prof. 
Dr. Sticke r-Berlin. S. 

Pyocyanase. Von San.-Rat Dr. Sonnenberger-Worms. 
Würzburger Abhandlungen aus dem Gesamtgebiet der 
Medizin. Bd. XIII. H. 12. Lex. 8°, 26 S. Würzburg 1913. 
Curt Kabitzsch. Preis 85 Pfg. 

Die Abhandlung gibt eine erschöpfende Übersicht über das 
interessante aus dem Bazillus pyozyaneus gewonnenen Präparat, das 
eine vielfältige Anwendung auch in der Kinderheilkunde in neuerer 
Zeit findet. Zur Vervollständigung sind zahlreiche Literaturangaben 
hinzugefügt. S. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

DieRolle der Wärmestauung und Exsikkation bei der 
Intoxikation der Säuglinge. Von Heim-Budapest. 

Ein dyspeptischer Säugling reagierte auf 200g einer 2 Proz. Kochsalz¬ 
lösung per os gegeben mit schweren Intoxikationserscheinungen. Diese 
führt Heim auf Exsikkation der Gewebe zurück. Das mit Salz an¬ 
gereicherte Blut entzieht den Geweben Wasser. Daß es nicht die 
Salzanhäufung selbst ist, welche die Intoxikation auslöst, soll der 
gleiche Zustand bei Cholera infantum lehren. Hier ist der Körper 
nicht nur an Wasser, sondern auch an Kochsalz arm. Die Intoxi¬ 
kation tritt im Sommer häufiger auf, weil hier Durchfall nach dem 
Genuß verdorbener Milch häufiger ist und die Sommerhitze dem 
so in seinem Wasserbestande geschädigten Organismus noch mehr 
Wasser entzieht. Sie führt nicht blos zu einer vermehrten Wärme¬ 
abgabe durch die Haut, sondern weil mit der Körpertemperatur die 


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*3 


Zahl der Atemzuge steigt, auch durch die Lungen. Infolge seiner 
Anschauung empfiehlt Verf. neben dem Schutz vor Hitze auch Vor¬ 
sicht mit salzhaltiger Nahrung, z. B. Fleischbrühe* 

(Arch. f. Kinderheilk., Bd. 59, H. 1/2.) Hohlfeld-Leipzig* 

Zur Frage über den Einfluß von künstlicher Er¬ 
nährung auf biologische Eigenschaften des Organismus 
in dessen frühem Alter. Von Ossinin-St Petersburg. 

Junge Kaninchen reagieren auf die subkutane Injektion von 
Kuhmilch in den ersten Lebenswochen nicht mit der Bildung von 
Kuhmilchpräzipitin. Das jüngste Tier, von dem Verf. Laktoserum 
erhielt, war 49 Tage alt Bei künstlich ernährten Tieren tritt die 
Präzipitinbildung noch später auf. Nicht übel ist es, daß Verf. von 
Leukozytitis spricht Hohlfeld (Leipzig). 

(Arch. f. Kinderheilk., Bd. 59, H. 1/2.) 

Erfahrungen mit Eiweißmilch. Von Cassel-Berlin. 

Empfehlung der Eiweißmilcli bei akuten und chronischen Er¬ 
nährungsstörungen der Säuglinge an der Hand poliklinischer Beobach¬ 
tungen. Das Heraufgehen auf 180—200 g pro Kilo Körpergewicht 
gelang nicht immer so schnell, wie es Finkeistein vorschreibt, 
oft überhaupt nicht, weil die Kinder die Eiweißmilch trotzdem sie 
mit Saccharin gesüßt wurde, im allgemeinen nicht gern nahmen. 
Erfolgreicher Übergang zur gewöhnlichen Kost oft schon vor der 
vierten Woche. Hohlfeld (Leipzig). 

(Arch. f. Kinderheilk., Bd. 58.) 

Kindernährmittel im Handel. Von Kühl-Kiel. 

Bemerkenswert ist die vom Verf. nachgewiesene Verunreinigung 
„sehr beliebter Kindermehlmarken 44 mit Spalt- und Schimmelpilzen. 

(Arch. f. Kinderheilk., Bd. 58.) Hohlfeld (Leipzig). 

DieHospitalmasernundSterbekasuistik nach Masern. 
Von Wladimiroff-Moskau. 

In dem St Wladimir-Kinderkrankenhause starben durch¬ 
schnittlich 18,7 Proz. der Masemkranken. Diese hohe Sterblich¬ 
keit läßt den Verf. fragen, ob es nicht besser wäre, Masern über¬ 
haupt nicht aufzunehmen. Da er unter den Ursachen der hohen 
Sterblichkeit auch Uberfüllung der Masernabteilung und mangelhafte 
Pflege nennt, würde es sich empfehlen, erst mal diese Mängel ab¬ 
zustellen. H o h 1 f e 1 d - Leipzig. 

(Arch. f. Kinderheilk., Bd. 58.) 

Die Kontagiosität derRachitis bei den Tieren. Von 
A. Delcourt 

Verf. betont, daß nach den Forschungen der Tierärzte die 
Rachitis bei den Tieren ansteckend ist und daß die Ansteckung 
bei jungen Tieren Rachitis, bei älteren Osteomalazie hervoruft. 
Solche Versuche wurden von Li6naux in Brüssel berichtet 

(La Pathol. inf., 1913, Nr. 5.) Ibrahim (München). 


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24 


Die vaginale Untersuchung der Kinder. Von Max 
Stolz-Graz. 

S. empfiehlt bei Kindern zunächst mit Säen geraschen Stiften 
die Weite des Hymens festzustellen, dann einen entsprechenden, 
mit einem Obturator verschlossenen gut vaselinierten Röhrenspiegel 
einzuführen und das Gesichtsfeld nach Art der Augen- und Ohren¬ 
ärzte mittels eines konkaven, zentral durchbrochenen Spiegels zu 
beleuchten. Nun können auch kleinere therapeutische Eingriffe aus¬ 
geführt werden. 

Die Notwendigkeit gelegentlicher Untersuchungen wird an zwei 
Beispielen gezeigt. Autoreferat 

(Zentralbl. f. Gyn., 1913, Nr. 41.) 

Hamburger Krippensorgen. Von G. H. Sieveking. 

An der Hand zweier mit lehrreichen Bildern ausgestatteter 
Druckschriften von Dr. jur. Jacobi-Hamburg und Dr. med. Geor¬ 
gen s-Leipzig aus den Jahren 1855 un d 1854 zeigt der Verf., daß 
die Krippenleitungen seither vieles vernachlässigt und vergessen 
haben, was schon damals als unbedingt nötig für ihre Einrichtung 
und für ihren Betrieb hingestellt worden ist Welche Schwierigkeiten 
die heute mit Recht als unumgänglich nötig geforderte Mitwirkung 
des Hygienikers und des Arztes und die Durchsetzung ihrer For¬ 
derungen macht, das wird an dem Beispiel der letztjährigen Ham¬ 
burger Entwicklung dargestellt, die in gewisser Weise charakteri¬ 
stisch für deutsche Verhältnisse überhaupt ist An dem Beispiel 
einer neu eingerichteten Krippe werden die Grundforderungen der 
Landeszentrale Hamburg der Deutschen Vereinigung für Säuglings¬ 
schutz klargelegt Autoreferat. 

(Ztschr. f. Sglgssch., Bd. V., H. 9.) 


Kleine Mitteilungen. 

Der 31. Deutsche Kongreß fttr innere Medizin findet 
vom 20. bis 23. April 1914 in Wiesbaden unter dem Vorsitz des 
Herrn Professors Dr. v. Romberg -München statt. Das Hauptthema, 
welches am ersten Sitzungstage: Montag, den 20. April 1914, zur 
Verhandlung kommt, ist: Wesen und Behandlung der Schlaf¬ 
losigkeit. Referenten sind die Herren G a u p p - Tübingen, Gold- 
sch ei der-Berlin und Faust-Würzburg. Am dritten Tage, Mitt¬ 
woch, den 22. April, 10 Uhr vormittags, wird auf Aufforderung des 
Vorstandes Herr Wern er-Heidelberg einen zusammenfassenden Vor¬ 
trag über Strahlenbehandlung der Neubildung innerer 
Organe und am vierten Tage, Donnerstag, den 23. April, 11 Uhr 
vormittags, Herr Schottmüller-Hamburg einen solchen über Be¬ 
handlung der Sepsis halten. Mit dem Kongresse ist eine Aus¬ 
stellung von Präparaten, Apparaten und Instrumenten, soweit sie 
für die innere Medizin von Interesse sind, verbunden. Anmeldungen 
zur Ausstellung sind an Geh. Rat Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, 
Parkstr. 13, zu richten. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift fön Kinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 
von * 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. Februar 1914. No. 2. (290.) 


INHALT: Originalien: Armbruster, Neue Anschauungen über 
Rachitis. 25. — Neter, Donaueschingen als Kurort. 29. — Ubersich ts- 

referate: Pellidol und Azodolen. 31. — Referate: Ickert, Bewahrung der 
Kinder vor der Tuberkulose. 33. — Flosser, Grippenartige Erkrankungen des 
Säuglings. 34. — Molodenkoff, Das Fleckfieber bei Kindern. 35. — Schick, 
Diphtherietoxin-Hautreaktion als Vorprobe der prophylaktischen Diphtherie- 
heilserum-Injektion. 36. — Pfske, Still’sche Krankheit. 36. — Lust, Die mi߬ 
bräuchliche Verwendung von Eiweißwasser bei akuten Ernährungsstörungen 
von Säuglingen. 37. — Claus, Was kann der praktische Arzt zur Verhütung 
und Behandlung von Ohrenerkrankungen tun? 38. — Pussep, Operative Be¬ 
handlung des Hydrozephalus internus bei Kindern. 39.— v. Noorden, Bananen 
und Bananenmehl. 40. — Weiß, Digipan. 41. — Ritter, Ziele und Erfolge der 
Schulzahnkliniken. 41. — Gettkant, Diphtheriebekämpfung in den Schulen. 43. 
— Bücherbesprechungen: Birk, Leitfaden der Säuglingskrankheiten. 44. 
Borntraeger, Der Geburtenrückgang in Deutschland. 44. — Köppe, Säuglings¬ 
sterblichkeit und Geburtenziffer. 44. — Major, Schwer erziehbare Kinder. 
45. — Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 46. — 
Kleine Mitteilungen. 48. 


Originalien. 

Neue Anschauungen über Rachitis. 

Von Dr. Armbruster in Schweinheim. 

Die Natur gewährt gar manches dem Menschen in Überfülle, 
um ihm den Kampf ums Dasein zu erleichtern. Wir sehen es an 
der Lungenkapazität, wo 1500 ccm Komplementärluft durch tiefste 
Inspiration gewonnen werden kann, während die vitale Lungen- 
kapazität selbst bei Männern nicht allzuviel über das Doppelte von 
1500 ccm beträgt. Wir sehen es beim Pankreas, wo nur die voll¬ 
ständige Entfernung oder totale Erkrankung dieser Drüse Diabetes 
mellitus erzeugt Wir sehen es bei der Leber, die bei gar manchen 
entsprechenden Krankheiten eine wunderbare Überfülle an tätigen 
Zellen aufweist. 

Die Bildung einer Überfülle ist am merkwürdigsten beim 
Embryonalleben wahrzunehmen. Wir wissen unter anderem vom 


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Hirschkäfer, daß seine Larve im Kokon im voraus einen Raum für 
die sehr langen, geweihartigen Mandibeln des späteren Käfers 
bildet Zu ähnlichen Zwecken sind beim menschlichen Embryo 
das Foramen ovale, der Duktus venosus Arantii, der Duktus 
arteriosus Botalli vorhanden, um post partum die Gewebe an eine 
Mischung von arteriellem und venösem Blut schon im Fötalleben 
gewöhnt zu haben, was bei Herzverletzungen unter anderen oft von 
hohem Vorteil erscheint 

Dieser Drang nach Überfülle gereicht bei manchen typischen 
Krankheiten, da die Natur gewissermaßen durch entsprechende Ein¬ 
richtungen nur allgemein den gesunden Körper gegen ihr unbe¬ 
kannte Schädlichkeiten zu schützen sucht, nicht selten dem Menschen 
zum Verderben oder Nachteil. Das Unbegrenzte beim Auftreten 
von Krebs, der ursprünglich eine Körperstelle gegen Insulten oft¬ 
mals schützen soll, kann so erklärt werden. Der anormal große 
Fettverbrauch bei Phthisis mit der dabei vorkommenden fettigen 
Degeneration der Leber ist ein weiterer Beweis dafür. Auch die im 
Folgenden erörterte Anschauung über die Entstehung der Rachitis 
gehört teilweise in dieses Gebiet. 

Es fragt sich zunächst, was man unter Rachitis sich vorzu¬ 
stellen hat. Rachitis oder Englische Krankheit ist eine Knochen¬ 
entwicklungskrankheit, welche im wesentlichen darin besteht, daß 
die Umsetzung in Knochensubstanz gegenüber der Bildung der 
Ubergangssubstanz von Knorpel und Periost zum Knochen in krank¬ 
hafter Weise verzögert, resp. letztere beschleunigt ist, wodurch es 
zur Anhäufung der weichen Zwischensubstanz an Stelle kompakter 
Knochensubstanz und dann zu Auftreibungen, Verbiegungen und 
Infraktionen kommt. 

Es ist längst bekannt, daß das Wesen der Rachitis auf Mangel 
an Kalk oder, besser gesagt, an Kalksalzen beruht, zumal da die 
Knochenerde, welche den Knochen ihre Härte und Starrheit ver¬ 
leiht, allein schon aus 84 Proz. phosphorsauerm Kalk besteht, wozu 
dann noch kohlensauerer Kalk kommt. Dieser Kalkmangel kann 
so stark sein, daß selbst ein teil weiser Kalkschwund bei hoch¬ 
gradiger Rachitis in schon gebildeter Knochensubstanz zu konsta¬ 
tieren ist Deshalb sucht sich die Natur so zu helfen, daß sie die 
erwähnte Anhäufung der weichen Zwischensubstanz bildet Mangelnde 
Kalkzufuhr bringt daher auch bei Tierversuchen Knochenbrüchig¬ 
keit zustande und macht bei jugendlichen Tieren Rachitis, wie 
Chassat und E. Voit längst erkannt haben. 

Als Veranlassung von Rachitis können gelten: 

1. Verdauungsstörungen; 

2. hereditäre Konstitution oder Disposition; 

3. mangelhafte Ernährung; 

4. schlechtgelüftete und sonnenarme Wohnräume; 

5. feuchte Gegenden, besonders auch enge, feuchte Täler; 

6. kalkarmes Trinkwasser. 

Nachdem über die ersten vier Punkte anderweitig schon ge¬ 
nügend Erörterungen gepflogen wurden, so erübrigt noch zunächst 
Punkt 5 zu begründen. Verf. wohnt in einer Gemeinde, wo nur 


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in den Wohnungen von eitlem erlgen feuchten Tälchen am untern 
Ausgang des Ortes Rachitis vorzukommen vermag, während sie 
sonst unbekannt ist. Selbst bei zugezogenen Kindern mit Rachitis 
entwickelt sich diese alsbald nicht mehr weiter. Bei der Skrofulo$e 
sind daselbst ähnliche günstige Verhältnisse, wenn auch nicht in 
dem hohen Grade, zu finden, auf die schon der bekannte Ortho¬ 
päde Hoffa aufmerksam machte. Eine Analyse des Trinkwassers, 
um zu Punkt 6 überzugehen, ist dieserseits nicht bekannt Dagegen 
findet sich in der Gemeinde eine ergiebige Kalkspatgrube, so daß 
wohl das Wasser entsprechend kalkhaltig ist, ohne daß es Magen- 
Darmkatarrh der Kleinen verursacht, wie es bei kalkhaltigem 
Wasser der Fall sein kann. Bei den ersten vier Punkten sei nur 
der vierte Punkt herausgegriffen und darauf hingewiesen, daß 
zwischen solchen Wohnungen und der körperlichen Entwickelung 
gewisse Beziehungen bestehen, die heute bei der häufigen Anwen¬ 
dung von Sonnen-und Luftbädern nicht selten erörtert werden. Auch 
die Ursache der häufig vorkommenden Bronchitis von rachitischen 
Kindern ist vielfach auf die dumpfen Wohnräume zurückzuführen. 
Für die diesseitige, schon teilweise angedeutete Anschauung über 
Rachitis spricht nach diesen Ausführungen der Umstand, daß die 
sechs angeführten Ursachen zumeist den ganzen Körper in Mitleiden¬ 
schaft ziehen, wenn auch in solchen Fällen die dadurch verminderte 
Kalkzufuhr namentlich die Knochenbildung hemmt. Die Natur 
wehrt sich gegen solche Verhältnisse, und sie wehrt sich oft in 
einseitiger, ja verkehrter Weise am meisten dort, wo es ihr am 
nötigsten erscheint. Ähnlich wird der Brustkrebs der Frauen er¬ 
klärt, die deshalb vom Lippenkrebs verschont sind. 

Die schon erwähnten rachitischen Auftreibungen, Verbiegungen 
und Infraktionen kommen als Auftreibungen vornehmlich an den 
Hand- und Fußgelenken und an den Rippen vor. Da die Rachitis, 
erst mit dem sechsten Lebensmonat anfängt, so ist bei dem regen 
Gebrauch von Hand- und auch vom Fußgelenk ohne weiteres die 
Verdickung an dieser Stelle klar, und es ist nicht nötig, eine 
analoge Erklärung — vor allem beim Fußgelenk — wie die 
schon erwähnte für das Foramen ovale etc. zu suchen, die Präven¬ 
tion in Betracht zieht. Bei den Rippen kommen zweierlei rachitische 
Erscheinungen vor, einmal der rachitische Rosenkranz, sodann in 
schlimmeren Fällen das Pektus karinatum. Die bekannten Ver¬ 
änderungen des Thorax beruhen auf einer Arbeitsentlastung der 
kosto-sternalen Artikulationen. Hier beim rachitischen Rosenkranz 
und namentlich bei Pektus karinatum wehrt die Natur oft mit be¬ 
deutender Überfülle am Unrechten Ort und läßt sich nur verleiten 
durch die rege Bewegung des vorderen Brustkorbs bei der kind¬ 
lichen Atmung. Sie sucht eben nur allgemein den gesunden Körper 
gegen ihr unbekannte Schädlichkeiten zu schützen. 

Rachitische Verbiegungen zeigt oft der Oberschenkelknochen, 
der zum Unterschied vom Unterschenkel allein die Körperlast zu 
tragen hat Das rachitische Becken mit seinem oft stark vor¬ 
springenden Promontorium beruht ebenfalls auf solchen Druckver- 
hältnissen. Hierher ist auch die rachitische Kyphose der Wirbel- 


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säule zu rechnen, die dort entsteht, wo die alten Griechen die 
Entasis der Steinsäulen schufen. Daß die rachitische Kyphose nur 
stumpfwinkelig sich zeigt, kommt daher, weil dieses Leiden nach 
dem fünften Lebensjahr selten auftritt, die Körperlast also noch 
nicht sonderlich groß genannt werden kann. Hier sollte doch wohl 
die Natur in erhöhterem Grade wehren, als bei den kosto-stemalen 
Artikulationen, wo es kaum nötig erscheint 

Merkwürdig verhält sie sidh auch bei den rachitischen Infrak¬ 
tionen des Schädels, die eigentlich der höchste Grad von Kranio- 
tabes sind. Hier wehrt die Natur nicht trotz des Kissendruckes des 
Bettes, sondern erzeugt Atrophie. Es liegt in ihrem Wesen, den 
platten Schädelknochen, welche keine Knorpelsubstanz wie die 
Röhrenknochen besitzen, zumal da sie nicht aus Knorpel, sondern 
aus Bindegewebe embryonal hervorgehen, zunächst keinen Schutz 
angedeihen zu lassen. Zudem hat es keine Eile, die Schädelknochen 
möglichst bald rigid zu gestalten; sie haben wegen des Gehirn¬ 
wachstums die beiden Fontanellen; ihre Tabula vitrea macht des¬ 
halb im Laufe der kindlichen Entwickelung eine Resorption 
durch, und sie sind endlich keinem Körperdruck ausgesetzt. Durch 
das Kaput quadratum, welches bei Kraniotabes entsteht, schützt sie 
insofern den Schädel, daß hinten die Wölbung wegfällt und der 
Kissendruck auf breiterer Fläche verteilt ist Statt Überfülle ist 
hier Atrophie zu konstatieren, die allerdings durch die embryonale 
Entwickelung und durch die normale Resorption der Tabula vitrea 
mit am besten erklärt werden kann. Die Kraniotabes geschieht 
also nicht aus ökonomischen Gründen, die Zufuhr von Kalksalzen 
in dem von Natur aus drucklosen Schädel aufzuheben, sondern ist 
in diesem Falle durch die normale Entwickelung des Schädels be¬ 
dingt. Wie schon angedeutet, beruht der Schutz der Natur nur dar¬ 
auf, den Gesunden gesund zu erhalten, und er ist dabei teilweise 
von der embryonalen Entwickelung und selbst in einseitiger Weise 
abhängig, zumal da er nicht speziell die typischen Erscheinungen 
der einzelnen Krankheiten berücksichtigt. Wäre dieses letztere der 
Fall, so würde die vis medikatrix natural fast ausschließlich genügen, 
und der Ärztestand wäre eigentlich — von manchen Traumen ab¬ 
gesehen — so gut wie überflüssig. 

Von der früheren Anschauung, daß bei Rachitis eine überreich¬ 
liche Menge Milchsäure auf trete und dadurch eine Lösung der Erd¬ 
salze aus den Knochen bewirke, ist man mangels entsprechender 
Beweise abgekommen. Auch eine Anhäufung von Kohlensäure 
wurde schon als Ursache ohne genügende Begründung anzusprechen 
versucht Selbst neuerdings gibt es immer noch Ärzte, die mit einer 
vorgängigen Digestionsstörung und mit Sinken der Ernährung die 
Genese der Rachitis ausschließlich zu erklären wagen. Teilweise 
haben sie allerdings recht. Die Kalksalze sind bei solchen Verhält¬ 
nissen nahezu für den Darm unresorbierbar, weshalb dann die weiche 
Zwischensubstanz an Stelle kompakter Knochensubstanz tritt. 

Daß bei rachitischen Kindern der Bauch aufgetrieben ist, kommt 
mit daher, weil die Natur sucht, eine Einziehung der Bauchdecken 
zu vermeiden, um überschüssige Haut zu sparen. Sie gestaltet ihn 


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29 


zunächst so, daß er sich nicht über Brust und Becken erheben soll. 
Durch das Winkelverhältnis des Beckens zum Thorax wird er 
gleichwohl über die Ebene der Brust hinaus aufgetrieben. Bei 
dieser ätiologischen Anschauung der Auftreibung des Unterleibes 
sind jedoch die wichtigen Damistörungen nicht in Betracht gezogen. 
Auch in der Weise kann vielleicht dieses starke Hervortreten des 
Bauches mit erklärt werden, daß, wenn die Natur einen Körperteil 
oder ein Organ zum Schutze etc. gegen bestehende Krankheit ent¬ 
sprechend umgestaltet, sie bei dieser Veränderung nicht selten über 
die Grenze des Notwendigen, des Vorteilhaften sogar hinausgeht. 
„Sie zieht an demselben Strang weiter.“ Wissenschaftlich begründet 
kann heute diese Erscheinung am Unterleib durch die wider¬ 
standsloseren Zellen werden, deren Kern vor allem keinerlei Kalk 
enthält. 

Jedenfalls wird eine eben gemachte Behauptung über das 
Wirken der Natur durch die Eburneation der rachitischen Knochen 
zwar nicht vollständig, wie bei der Genese von Krebs, aber besser 
bewiesen. In solchen früher erkrankten Teilen des Skeletts findet 
bei Heilung der Rachitis eine ungewöhnlich reichliche Neubildung 
echten Knochengewebes statt. Die Knochen sind dann vielfach be¬ 
deutend schwerer, fester und dicker, was allerdings nicht überall, 
wie schon bei rachitischem Rosenkranz ausgeführt, von Vorteil ist. 

Noch soll Osteomalazie im Anschluß von Rachitis kurz be¬ 
sprochen werden. Bei ihr ist ein Versagen der Resorption und 
Assimilation der Kalksalze gewöhnlich nach Hyperaktivität vor¬ 
handen. Daher entsteht sie am häufigsten bei Frauen nach einem 
Wochenbett, wo vorher von der Mutter aus das Skelett des Kindes 
geschaffen wu rcl e. 

Es gibt auch eine akute Rachitis. Man sieht sie dann zumeist 
mit akuten Krankheiten auftreten. Sie kann schnell, aber auch den 
gewöhnlichen langsamen Verlauf nehmen. Im letzteren Falle ist 
vielfach eine hereditäre Konstitution vorhanden, indem die Mutter 
ehedem rachitisch erkrankt war. Auch kann sich eine hereditäre 
Disposition bei solchen Krankheitsformen finden. Syphilis, Tuberku¬ 
lose, Skrofulöse der Eltern können diese Disposition hervorrufen, 
indem oft schwache und dadurch zu Rachitis mehr neigende Kinder 
aus solchen Verbindungen hervorgehen. 


Donaueschingen als Kurort. 

Von Kinderarzt Dr. Eugen Net er in Mannheim. 

Mit der. Erschließung einer Solquelle ist Donaueschingen in den 
Kreis jener wenigen Kurorte eingerückt, welche die Vorzüge der 
Höhenluft in erfolgreicher Weise mit der heilkräftigen Wirkung 
des Solbades verbinden. Diese Neuschaffung darf als eine wert¬ 
volle Bereicherung unseres Arzneischatzes bezeichnet werden, die 
wir Ärzte insbesondere dann dankbar begrüßen, wenn die günstige 
Lage des hübschen Städtchens den Aufenthalt nicht nur nützlich, 
sondern auch angenehm zu gestalten vermag. 


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Es ist hier nicht der Ort, auf die hohe Bedeutung derSolbade- 
kuren für Kinder und Jugendliche näher einzugehen. Die außer¬ 
ordentliche Wertschätzung der Solbäder gerade für das Kindesalter 
ist bekannt; fast will es scheinen als ob in neuerer Zeit die heilende 
Wirkung dieser Kuren noch höher eingeschätzt werde als früher. 
Gleichzeitig hieimit beobachten wir eine zunehmende Erkenntnis 
von dem günstigen Einfluß einer zweckmäßigen Verbindung der 
Luft- und Solbad.ekuren einerseits und von der Ausdehnung dieser 
bisher fast nur auf den Sommer beschränkten. Kuren über die 
Wintermonate hinaus. Dieser Fortschritt deckt das Bedürfnis nach 
Schaffung neuer Möglichkeiten zu solch’ gemeinsamen Kuren. 

Donaueschingen erfüllte mit der Einrichtung des „Irinabades“ 
alle Anforderungen, die an ein modern eingerichtetes Solbadehaus 
gestellt werden müssen. Die Sole wird von der neu erbohrten 
Quelle direkt dem Bade zugeführt und zeigt die übliche chemische 
Zusammensetzung. Das Irmabad macht einen sympathischen Ein¬ 
druck, es liegt kurz vor dem Eingang in den fürstlichen Park und 
bietet in seiner unmittelbaren Umgebung eine angenehme Abwechs¬ 
lung von sonnigen und schattigen Plätzen zum Ausruhen. Diese 
günstige Lage des Bades möchte ich als einen unschätzbaren Vor¬ 
teil bezeichnen: er sichert Donaueschingen eine gewisse bevorzugte 
Stellung gegenüber andren Solbädern. Der in dichter Nähe beim 
Irmabad beginnende fürstliche Park macht einen unvergeßlichen 
Eindruck auf Jeden, der ihn zum ersten Mal betritt. Und wer sich 
dann von diesem tiefen persönlichen Empfinden löst und der Über¬ 
legung Raum gibt, wieviel diese herrlichen Anlagen den kleinen 
Kurgästen, den Kindern zu bieten vermögen, der wird begreifen 
können, wenn der Arzt in dieser Rückwirkung des wald- und 
wasserreichen Parkes auf die leibliche und seelische Gesundung des 
Kindes eine-unentbehrliche Ergänzung der Solbadekur erblickt. 

Es war an einem Herbstnachmittag, als ich vom Hellenberg 
aus, einer über 800 m ansteigenden Anhöhe über Donaueschingen, 
zum ersten Mal mich des neuerstandenen Städtchens inmitten eines 
herrlichen Panoramas der Baar zu erfreuen Gelegenheit fand. 
Freundlich liegt die kleine Residenz auf der freien Hochebene und 
doch durch leichte Anhöhe gegen allzu rauhe Winde gut geschützt. 
Ein reicher Flor lieblicher Dörfer umsäumt in weitem Umkreise 
die Amtsstadt, weit herab bis an die Äcker und Wiesen zieht sich 
der dunkle, hochstämmige Tannenwald mit seinem reichen Wild¬ 
bestand. Im Hintergrund begrenzen die Berge des Hegaus und 
des Schwarzwaldes den Horizont; durch die Lücken zwischen diesen 
Bergen zeigen sich die gigantischen Silhouetten der schneeglänzen¬ 
den Alpen. Die in der Rundung dieses durch die Schönheit und 
Gunst der Natur ausgezeichneten Fleckchens Erde sich verlierende 
Phantasie ließ hier vor den wünschenden Augen des Arztes ein 
Kinderheim entstehen, am Rande des Hochwaldes, nach Süden 
schauend, im Sommer voll würziger Tannenluft und wohltuenden 
Schattens, im Winter gebadet in der warmen klaren Sonne der Hoch¬ 
ebene. Ich sah das Heim bevölkert von einer großen Schar nach 
Luft und Licht hungernder Stadtkinder, ich sah sie — durch Luft 


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3i 


und Sole gekräftigt — an Leib und Seele gesunden, treubesörgt 
von einer tüchtigen, warmherzigen Oberin. Willkürlich suchte hier 
mein Blick am südwestlichen Horizonte das nahe Kinderheim in 
Dürrheim, nur einige Wegstunden von Donaueschingen durch einen 
herrlichen Wald getrennt. Ein neues Heim, das diesem von einer 
trefflichen Oberin vorbildlich geleiteten gleiche, würde kaum an 
einer günstigeren Stelle geschaffen werden können, als auf Donau- 
eschingens Gemarkung. 

Die Nachbarschaft von Dürrheim und Donaueschingen drängt 
zu einem Vergleiche der beiden Orte. Nach Lage und Heilmittel 
gleichmäßig ausgezeichnet, lassen die zwei Städtchen hinsichtlich 
ihrer gesundheitlichen Einwirkung keine wesentliche Unterschiede 
erkennen. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil scheint mir 
Donaueschingen aber insofern zu besitzen, als die unmittelbare Nähe 
des fürstlichen Parkes an der Stadt und beim Badehaus den Kurgästen 
während der warmen Jahreszeit weitere Erholungsmöglichkeiten 
bietet. Der Hochwald ist von dort ungefähr Stunde vom Orte 
entfernt. Daß Donaueschingen mit seinen fürstlichen Sammlungen 
manchen regnerischen oder sonst trüben Tag leichter überwinden 
läßt, mögen die Erwachsenen als große Annehmlichkeit empfinden. 
Für unsere Kleinen kommt lediglich die wertvolle Nutznießung des 
Parkes in Betracht, diese verschafft Donaueschingen eine gewisse 
Bevorzugung. 

Das nach dem großen Brande 1908 in vorbildlichem Baustil 
neuerstandene Donaueschingen geht einer zukunftsreichen Entwick¬ 
lung entgegen. Der Besitz eigener Sole und die günstige Lage 
als Höhenluftkurort sichern dem aufstrebenden Städtchen den Ruf 
eines für Sommer- und Winterkuren gleichmäßig geeigneten Bade¬ 
platzes. 


Übersichtsreferate. 


Pellidol und Azodolen. 

Chemisch-Physikalisches. Pellidol ist das Diazetylderivat 
des Amidoazotoluols und besitzt die Formel: 



\ 


— N = X — 


< 



(CH, CO) 
(CH, CO) 


CH, CH, 

(= Amidoazotoluol und 2 Essigsäuregruppen). 

Die Verbindung bildet hell ziegelrote Nadeln, welche bei 65 0 
schmelzen, oder dicke rote, dem Bichromat ähnliche Krystalle vom 
Schmelzpunkt 75 °. 

Pellidol erscheint im Handel als ein blaßrotgelbes Pulver, das 
keinerlei Färbeeigenschaften besitzt. Es ist löslich in Vaselinen, 
Fetten und ölen, sowie in anderen organischen Lösungsmitteln 
wie Äther, Alkohol, Eisessig, Azeton, Chloroform, Ligroin, Benzol, 
etc., unlöslich dagegen in Wasser. 

Diese Löslichkeitsverhältnisse sind in Bezug auf die Beschaffen¬ 
heit der mit Pellidol hergestellten Salben wohl zu beachten. Die 


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Pellidolsalbe ist nämlich, wenn ihr Gehalt nicht übertrieben hoch 
genommen wird, eine vollständige Lösung des Pellidols in der 
Salbengrundlage, im Gegensatz zu Scharlach- bezw. Amidoazotoluol- 
salbe. Es ergibt sich dafaus, daß die Pellidol-Salben bei hoher 
Wirksamkeit nur eines geringen Prozentgehaltes (2 Proz.) bedürfen. 

Da es in manchen Fällen erwünscht erschien, neben der epitheli- 
sierenden Wirkung der Pellidolsalbe gleichzeitig eine antiseptische 
und austrocknende zu erreichen, wird das Pellidol mit 
einem Jodeiweißpräparat, dem Jodoien, verbunden, das ca. 30 
Proz. Jod enthält Dieses Gemisch aus gleichen Teilen Pellidol und 
Jodoien ist unter dem Namen Az od ölen im Verkehr. Die Anwend¬ 
ung ist die gleiche wie bei Pellidol. 

Physiologisch-Klinisches: Pellidol bezw. Azodolen übt 
auf die Epithelzellen einen starken Reiz aus und fördert das 
Epithelwachstum, die Neubildung und Wiederherstellung defekter 
Gewebeteile in überraschender Weise; wie durch exakte Unter¬ 
suchungen festgestellt wurde, ist das gebildete Epithel auffallend 
dick, fest und widerstandsfähig. 

Indi ka ti*onen: Pellidol eignet sich vorzüglich zur raschen 
und gründlichen Epithelisierung granulierender Wundflächen, bei 
Epitheldefekten jeder Art, namentlich solchen von größerer 
Ausdehnung, .Verbrennungen, Verätzungen, Dekubitus, 
Intertrigo, Hautgangrän, Geschwüren, Lupus, Ulkus 
molle, Ulkus kruris, Röntgen-Ulzera, Pruritus etc. In 
vielen Fällen macht es die Hauttransplantationen (Thiersch) über¬ 
flüssig. Ferner wird Pellidol mit Erfolg angewandt zur Nachbe¬ 
handlung von Radikaloperationen am Warzenfortsatz, 
zur Schließung von persistenten Trommelfellperfora¬ 
tionen, bei Hornhautdefekten und Ektasien der Horn¬ 
haut zur Erzielung eines widerstandsfähigen Gewebes, ebenso auch 
in der Gynäkologie, Tamponade nach Zervix-Ätzungen etc. 

Überraschende Resultate werden erzielt bei den Säuglings¬ 
ekzemen auf Grund exsudativ er Diathese und den hart¬ 
näckigsten Hautkrankheiten der Kinder. Nässende, 
krustöse, schuppende und trockene Ekzeme zeigen ein 
rasches Zurückgehen der Reizerscheinungen und werden 
zur Abheilung gebracht 

Anwendung: Die Anwendung von Pellidol und Azodolen 
erfolgt in Form 2 proz. Salbe, oder 5 proz. Bolus- bezw. Talkum-Puder. 

Einige bewährte Rezepte: 

Rp. Pellidol vel Azodolen 2,0 Rp. Pellidol vel Azodolen 2,0 

Vaselin, flav. ad 100,0 Past. zinki ad 100,0 

M. f. ungt M. f. ungt. 

S. Salbe. S. Salbe. 

+ 

Rp. Pellidol vel Azodolen 2,0 Rp. Pellidol vel Azodolen 2,0 

Lanolin, flav. ad 100,0 Mitin. pur. ad 100 ,q 

M. f. ungt. M. f. ungt. 

S. Salbe. , S. Salbe. 


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Rp. Pellidol vel Azodolen 
Ol. olivar. 

M. leni calore. 

D. S. Oel. 


2,0 

ad 100,0 


| Rp. Pellidol vel Azodolen 5,0 

i Tale, venet. alb. pulv. subt. 

; ad ioo.o 

M. f. pulvis. 


Rp. Pellidol vel Azodolen 5,0 
Bol. pulvis subt. ad 100,0 
M. f. pulvis. 


Referate. 

Zur Bewahrung der Kinder vor der Tuberkulose. (Oeuvre 

Grancher. Adelsberger Kinderkolonie.) Von Ickert-Eythra. 

(Deutsche med. Wochenschr., 1913, Nr. 46.) 

Der Kampf gegen die Tuberkulose darf sich nicht nur auf den 
Heilungsversuch der Erkrankten beschränken, sondern muß prophy¬ 
laktisch die Infektion der Menschen verhindern oder wenigstens 
dafür Sorge tragen, daß die tuberkulösen Keime nicht auf ge¬ 
eigneten Boden fallen. Da die meisten Infektionen nach den 
Statistiken der Schulärzte im (schulpflichtigen) Kindesalter statt¬ 
finden, so sind die Kinder in erster Linie vor der Infektion zu 
bewahren. Gründlich kann dies aber nur geschehen durch die 
Entfernung der gesunden Kinder aus dem tuberkulösen 
Milieu auf lange Zeit, bis die Gefahr der Infektion zu 
Hause vorüber ist oder bis zum Eintritt der Kinder ins Leben. 
Die Franzosen haben in diesem Punkte eine schon 10jährige Er¬ 
fahrung in der sogenannten Preservation de PEnfance contre 
la Tuberkulose, kurz nach ihrem Begründer „Oeuvre 
Grancher“ genannt. Die Oeuvre Grancher nimmt aus den 
tuberkulösen Familien die noch gesunden Kinder weg und steckt 
sie aufs Land in bäuerliche gleichfalls gesunde Familien, wo sie 
bis zur Entlassung aus der Schule verbleiben. Die Kinder werden 
dadurch den Gefahren des Milieus und der unmittelbaren Ansteck¬ 
ung entrückt, werden gleichzeitig in ihrem neuen gesunden Milieu 
körperlich und moralisch ganz neue Wesen. Die einzelnen bäuer¬ 
lichen Familien — vom Arzt ausgesucht und überwacht — erhalten 
1—4 Schützlinge. Eine Stadt (Marseille) hat für den Zweck der 
Preservation ein Kinderheim angelegt für 22—24 Schützlinge. Der 
Erfolg der Oeuvre ist großartig. Von 1903 bis 1911 hat die Oeuvre 
de Paris ca. 1000 Kinder versorgt, davon ist nur eines an Tuberku¬ 
lose erkrankt und verstorben. Unter den Kindern tuberkulöser 
Familien, welche nicht von dem tuberkulösen Herd entfernt werden, 
herrscht nach der Statistik der Franzosen eine Mortalität von 
60 Proz., unter den Fürsorgekindern der Oeuvre eine solche von 
l l 4 Proz., bei */* Proz. Morbidität. Notwendig ist, die Kinder mög¬ 
lichst frühzeitig der Fürsorge zuzuführen; je jünger die Schütz¬ 
linge sind, um so leichter lassen sie sich in jeder Beziehung be¬ 
einflussen. Ein großer Teil der Schützlinge bleibt übrigens nach 
Entlassung aus der Fürsorge auf dem Lande. Die Kosten der 
Preservation betragen für einen Schützling 1—1,20 Fr. täglich, alles 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 3 


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inbegriffen, auch Kleidung und Büroaufwand. Der Unterhalt ge¬ 
sunder Kinder kostet eben naturgemäß weniger als derjenige kranker 
Kinder (Mk. 2,50). Die Kosten für die Schützlinge (1912:849) 
werden in Frankreich aufgebracht: 

1. Durch Staat und Gemeinden. Die französische Regierung 
zahlt jährlich 100000 Fr., die Stadt Paris 18000 Fr. Das Gesund¬ 
heitsamt in Paris zahlt für seine 100 Schützlinge 40 000 Fr. Pension 
allein. 2. Durch Gaben und Stiftungen. 3. Durch den Anteil der 
Familien der Kinder. Außerdem hat das Mutterhaus der Oeuvre 
in Paris einen Reservefond von einer Million Fr. angesammelt — 
Ganz unabhängig und ohne die Oeuvre Grancher genauer zu kennen 
hat der „Sächsische Volksheilstättenverein für Lungenkranke“ 1912 
ein Kinderheim bei Chemnitz „am Adelsberg“ (Oberhermsdorf) er¬ 
richtet, welches die gleichen Zwecke wie die Preservation verfolgt 
Aufgenommen werden dort über 6 Jahre alte Kinder, die von 
zarter Gesundheit sind, an Skrofulöse leiden oder tuberkulös ange¬ 
steckt erscheinen, außerdem völlig gesunde Kinder aus Familien, 
in denen Schwindsucht vorgekommen ist; ausgeschlossen sind 
deutlich lungenkranke Kinder. Der Kinderkolonie „am Adelsberg“ 
stehen erst 25 Betten zur Verfügung. Die Kosten betragen für 1 
Kind täglich 1,— Mk. (außer Kleidung), also etwas mehr als bei 
der Oeuvre. Sowohl die Einrichtung und Erfolge der Oeuvre als 
auch der Adelsberger Kinderkolonie fordern zu Nachahmung auf. 

Autoreferat 

Beitrag zur Klinik der grippenartigen Erkrankungen 
des Säuglings. Von Einil Flosser. (Aus der Universi¬ 
täts-Kinderklinik in der Prager Findelanstalt, Vorstand Prof. 
Alois Epstein. — Prager med. Wochensehr., 1913, Nr. 49.) 

Verf. weist auf die Häufigkeit grippenartiger Erkrankungen 
auch unter dem poliklinischen Material der Epstein’schen Klinik 
hin und betont die Notwendigkeit der Beachtung und Behandlung der 
bei der Grippe fast regelmäßig mit vorhandenen gastro-intestinalen 
Störungen. Die grippenartigen Erkrankungen sind ätiologisch und 
klinisch weit entfernt von der klassischen Säuglings-Influenza der 
neunziger Jahre, bei welcher schwerste gastro-intestinale Erschein¬ 
ungen im Vordergründe des Krankheitsbildes standen (Flesch) 
und bei der durch das hohe Fieber, die große Prostration, den 
lähmungsartigen Zustand der erkrankten Kinder (Epstein) oft ein 
der Meningitis gleichendes Krankheitsbild sich darbot. 

Der Begriff „Grippe“ wird heute viel zu weit gefaßt und es 
werden Krankheitsbilder in ihn einbezogen, für die striktere Bezeich¬ 
nungen auf ätiologischer Grundlage wohl möglich wären. Verf. 
beschreibt den Verlauf zweier Fälle schwerster grippenartiger Er¬ 
krankung, bei denen einem klinisch eigentümlichen Verlaufe auch 
ein bestimmter Erreger, der Mikrokokkus katarrhalis zugrunde 
lag. Bei beiden Kindern, schwach geborenen und minder gedeihen¬ 
den Säuglingen des zweiten Lebensmonates bestand im Anfang 
eine Rhinitis, dann eine über die ganze Lunge sich ausbreitende 
kapilläre Bronchitis mit physikalisch nachweisbaren Verdichtungs- 


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herden. Von Anfang an bestand eine eminente Herzschwäche, 
Zyanose, schwere Prostration, getrübtes Sensorium. Milztumor war 
bei beiden nachweisbar, wurde auch dufch die Sektion bei einem 
Falle bestätigt. Auf der Höhe der Erkrankung kam es zu gehäuften 
Anfällen von Asphyxie; einem solchen Anfalle erlag auch das eine 
Kind, das andere genas. Auffallend war, daß die Körpertemperatur 
bei beiden Kindern die Norm kaum überschritt Gastro-intestinale 
Störungen waren nicht vorhanden. 

Verf. glaubt in den beiden Fällen das Vollbild der Mikrokokkus- 
Ijifektion gesehen zu haben. Wie der Peumokokkus und der In¬ 
fluenzabazillus erzeugt auch der Mikrok. katarrh., und zwar in der 
Regel nur leichtere katarrhalische Erkrankungen. Wie aber das 
Vollbild der Pneumokokken-Infektion die krupöse Pneumonie, das 
der Influenzabazillen-Infektion die klassische Influenza ist, so ist 
auch das Vollbild der Mikrokokkus-Infektion ein charakteristisches 
wenn auch selten beobachtetes. Bei den berichteten Fällen glaubt 
Verf., daß die konstitutionelle Schwäche beider Kinder das Voll¬ 
bild dieser Infektion aufkommen ließ. Autoreferat. 

Das Fleckfieber bei Kindern nach dem Material des 
M o r o s o f fsehen Kinderkrankenhauses in Moskau. 

Von Molodenk off-Moskau. (Archiv f. Kinderheilkunde, 
59. Bd., H. 3/4.) 

Breite Schilderung des bei uns zu Lande fast nur vom Hören¬ 
sagen bekannten Krankheitsbildes, das Verf. in wenig mehr als 
3 Monaten an 115 Fällen bei Kindern studieren konnte. Nach 
seinen Beobachtungen wächst die Disposition mit dem Alter, nur 
7 von seinen Fällen waren noch nicht 3 Jahre alt. Unter den 
ersten Erscheinungen sind starke Kopfschmerzen besonders charakter¬ 
istisch. Regelmäßig besteht trockne Bronchitis und Konjunktivitis, 
während niemals Schnupfen beobachtet wurde. Der Ausschlag, dem 
in der Rekonvaleszenz eine feine Schuppung folgt, tritt in der 
Regel am 2.—4. Tage auf und beginnt gewöhnlich im Bereiche des 
Schultergürtels, wo er auch bei schwacher Entwickelung am leich¬ 
testen zu entdecken ist Im Gegensatz zum Erwachsenen befällt 
er häufig auch das Gesicht. Die Milz ist von den ersten Tagen 
an, meist aber nur mäßig vergrößert. Das Sensorium ist mehr 
oder weniger getrübt, es kann zu heftigen Delirien kommen, in 
einem Falle entwickelte sich eine akute Psychose. Die Temperatur 
steigt schnell an, zeigt bis zum Anfang der 2. Woche den Typus 
der Kontinua und sinkt dann in 3—4 Tagen meist staffelförmig, 
selten kritisch zur Norm ab. Der Puls ist in der ersten Woche 
nicht selten ausgesprochen dikrot, nach der Entfieberung wurde er 
in einigen Fällen unregelmäßig. Im Gegensatz zum Abdominal¬ 
typhus besteht auf der Höhe der Erkrankung eine Vermehrung 
der weißen Blutkörperchen. Die Nieren sind, abgesehen von vor¬ 
übergehender Albuminurie, wenig beteiligt, nur imal entwickelte 
sich eine hämorrhagische Nephritis. Mit großer Regelmäßigkeit 
tritt die Diazoreaktion auf. Von Komplikationen spielt die Otitis 
media die Hauptrolle. Die Mortalität war = o, während sie bei 


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den Erwachsenen in derselben Epidemie ungefähr 8 Proz. betrug. 
Die Behandlung ist eine symptomatische. Als Überträger des 
Kontagiums haben nach den Arbeiten von Nicolle die Läuse zu 
gelten. Daher das Vorkommen der Krankheit in den engen Wohn¬ 
ungen der Armut, die relativ geringe Infektionsgefahr im Kranken¬ 
hause. Hohlfeld (Leipzig). 

Die Diphtherietoxin-Hautreaktion des Menschen als Vor-* 
probe der prophylaktischen Diphtherieheilserum¬ 
injektion. Von Schick-Wien. (Münchner med. Wochen- 
schr., 1913, Nr. 47.) 

Die prophylaktische Injektion von Heilserum soll einem be¬ 
stehenden Schutzkörpermangel abhelfen. Neugeborene besitzen 
Schutzkörper in 80 Proz., die Erwachsenen bis zu 90 Proz. Man 
könnte also bei einer großen Anzahl Menschen auf die prophylak¬ 
tische Injektion verzichten, wenn wir eine einfache Methode besitzen, 
solche Menschen zu erkennen, die in ihrem Serum Schutzkörper gegen 
Diphtherietoxin besitzen. 

Löwenstein, Michiels und Schick haben nachgewiesen, 
daß bei Menschen durch intrakutane Injektion von minimalen 
Mengen Diphtherietoxin eine spezifische Hautreaktion hervorgerufen 
wird. Der negative Ausfall der Reaktion beweist immer das Vor¬ 
handensein von Schutzkörpern in genügender Menge für prophy¬ 
laktische Zwecke. 

Für geschlossene Anstalten hat die diagnostische Prüfung der 
Toxinhautreaktion praktische Bedeutung. In der Wiener Universi¬ 
täts-Kinderklinik wird fogendermaßen vorgegangen: Ist ein Diph¬ 
theriefall zur Beobachtung gelangt, so werden sämtliche Personen 
zuerst mit Diphtherietoxin intrakutan geprüft. Nach 24 Stunden 
ist man über den Ausfall der Reaktion orientiert. Die positiv 
reagierenden Kinder werden prophylaktisch mit Serum immunisiert, 
die negativ reagierenden hingegen nicht. Dadurch erspart man 
einer großen Anzahl die Injektion des Diphtherieserums und damit 
die Gefahr der Allergisierung durch Pferdeserum und außerdem 
bringt dieses Vorgehen auch eine erhebliche Kostenersparung. 

Schlich ting (Kassel). 

Zur Kenntnis der Still’schen Krankheit. Von Johannes 
Piske. (Aus der Kinderklinik in Kiel. — Med. Klinik, 1913, 
Nr. 48.) 

Das von Still im Jahre 1897 zuerst beschriebene und nach 
ihm benannte Krankheitsbild ist in der deutschen Literatur kaum 
erwähnt. (20 Fälle in England, 3 in Deutschland). Es handelt sich 
hierbei um eine Erkrankung, die mit einer fortschreitenden Ver¬ 
dickung symmetrischer Gelenke beginnt und in der Regel von einer 
Vergrößerung der Lymphdrüsen und der Milz begleitet ist. Die 
Schwellung an den Gelenken wird bedingt durch eine Verdickung 
der periartikulären Gewebe, während die knöchernen Teile der Ge¬ 
lenke selbst bei längster Dauer der Erkrankung keine Veränder¬ 
ungen zeigen. Die Schmerzhaftigkeit ist meist gering, vielmehr 


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37 


besteht häufig nur eine gewisse Steifigkeit Eine Vereiterung oder 
Ankylose der Gelenke, ebenso eine Einschmelzung der regionären 
Lvmphdrüsen ist nie beobachtet worden. Unter Fiebersteigerungen, 
die teils kontinuierlich, teils periodisch mit fieberfreien Intervallen 
abwechselnd verlaufen, breitet sich die Erkrankung auf weitere 
Gelenke aus (Knie, Knöchel, Hand, Ellenbogen, Hals, Wirbelsäule 
und Finger). 

Der Verlauf ist äußerst langwierig, die Ätiologie unklar und 
die Prognose sehr zweifelhaft, da in der weitaus größten Zahl der 
Fälle durch interkurrente Krankheiten infolge des langen Kranken¬ 
lagers und der erschwerten Bewegungsmöglichkeit der Exitus 
erfolgte. 

In Kiel wurden 2 Fälle beobachtet. Der erste kam zur Aus¬ 
heilung und ist noch heute nach fast iojähriger Beobachtung völlig 
rezidivfrei. Der zweite Fall kam ad exitum und zwar infolge einer 
von einer eingeschmolzenen Bronchialdrüse ausgehenden Miliar¬ 
tuberkulose. Sämtliche regionären Lymphdrüsen erwiesen sich frei 
von Tuberkulose. Ebenso waren sämtliche Untersuchungen auf 
Tuberkulose im Beginne der klinischen Behandlung resultatlos. 
Ein Zusammenhang der Stil lachen Krankheit mit der Poncet- 
schen Krankheit erscheint demnach recht unwahrscheinlich, 
zumal auch sämtliche der füher vorgenommenen Sektionen keine An¬ 
zeichen für Tuberkulose ergeben haben. 

Therapeutische Maßnahmen erwiesen sich als ziemlich macht¬ 
los. Salizyl- und Chininpräparate hatten nicht den geringsten Ein¬ 
fluß, weder auf die Gelenkaffektionen noch auf die Fiebersteiger¬ 
ung. Der erste Fall kam zur Ausheilung unter systematischer Ein¬ 
reibung der Gelenke mit Ungt. kolloidale Crede und Stauung. 

Autoreferat 

Uber die mißbräuchliche Verwendung von Eiweißwasser 
bei der Behandlung akuter Ernährungsstörungen 
von Säuglingen. Von F. Lu st-Heidelberg. (Aus der 
Heidelberger Kinderklinik. — Münch, med. Wochenschr., 1913, 
Nr. 43.) • 

Die moderne pädiatrische Lehrmeinung lautet zwar fast überein¬ 
stimmend, daß Eier im Menü des gesunden Säuglings und des 
Kindes bis gegen das Ende des 2. Lebensjahres nichts zu suchen 
haben, da vielfach enterale und vasomotorische Störungen auf 
Eigenuß beobachtet werden; höchstens wird das unschuldigere 
Eigelb erlaubt. Trotzdem hat das zweifellos weniger harmlose 
Eier-Eiweiß in Form des Eiweißwassers gerade in der Diätetik der 
schwersten akuten Ernährungsstörungen des Säuglingsalters seinen 
Platz vielfach noch recht fest behauptet. Versuche über die Toleranz 
des Säuglingsdarms haben zu dem Ergebnis geführt, daß von allen 
Eiweißarten das Hühnereiweiß die Darmschleimhaut am meisten 
schädigt und sie bei akuten und chronischen Ernährungsstörungen 
in noch artfremdem Zustande zu passieren vermag. Bei diesen Unter¬ 
suchungen zeigte sich wieder, daß der Stuhl nach der einmaligen 
Zufuhr des Weißen von */$—1, höchstens 2 rohen Eiern auch bei 


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3 « 


vorher völlig darmgesunden Kindern nicht selten dünner wurde, 
ja daß es zuweilen zu einem eigentlichen Durchfall kam. 

Bei drei unter 20 Säuglingen kam auch eine Fernwirkung zur 
Beobachtung in Form von vasomotorischen Störungen, die sich in 
Ödemen, Urtikaria und einem rubeolaartigen Exanthem äußerten. 

Verf. formuliert seine Ergebnisse in folgendem Satz: Wenn be¬ 
reits der Darm des gesunden oder zum mindesten des nichtdyspep- 
tischen Säuglings in der Mehrzahl der Fälle auf eine einmalige Zu¬ 
fuhr von Hühnereiweiß mit derartigen Reizsymptomen antwortet, 
um wie viel weniger eignet sich dieses daher beim akut emährungs- 
gestörten Kind zu therapeutischen Zwecken, gar noch in einem 
Stadium, das zur Fernhaltung jeglicher, auch einer normaliter an¬ 
standslos tolerierten Nahrung auSordert. Autoreferat 

Was kann der praktische Arzt zur Verhütung und Be¬ 
handlung von Ohrerkrankungen tun? Von Claus. 
(Rudolf Virchow-Krankenhaus. — Die Therapie der Gegen¬ 
wart, 1914, Nr. 1.) 

In vielen Fällen kann besonders der Kinderarzt frühzeitig 
Schädigungen am Gehörorgan entdecken und für sachgemäße Be¬ 
handlung sorgen. Jede Herabsetzung des Gehörs muß zu genauer 
Untersuchung veranlassen. Die Katarrhe der oberen Luftwege, be¬ 
sonders die der Nase und des Nasenrachenraumes müssen energisch 
behandelt werden. Beim Kinde ist nur die krankhaft veränderte 
Rachenmandel zu entfernen. Die Fortnahme ist in diesem Falle 
eine wichtige Vorbeugungsmaßregel. Die Adhäsivprozesse des 
Mittelohrs und die Tubenstenose, die das Endstadium von nicht 
oder nicht genügend behandelten sekretorischen Mittelohrkatarrhen 
bilden, wären durch Beseitigung derselben und daran anschließende 
Luftdusche in kurzer Zeit geheilt worden. Andere für das Ohr 
schädliche Zustände sind Bewegungsstörungen der Gaumenmuskulatur, 
Infiltrationen oder Lähmungen, die die notwendige Ventilation der 
Paukenhöhle durch die Tuben beeinträchtigen, ferner Tumoren und 
Ulzerationen im Nasenrachenraum. Während die Diagnose der 
akuten Mittelohreiterung * bei Erwachsenen, die Schmerzen äußern 
und sie lokalisieren, leicht ist, ist sie bei Säuglingen schwieriger. 
Die exakte Untersuchung des Säuglingsohrs mit Reflektor und Ohr¬ 
trichter kl für den Geübten möglich, wenn nicht eine krankhafte 
Verengerüng des Gehörgangs vorliegt. Die Reinigung des 
trockenen Gehörgangs von Schuppen und Zerumen mit einem stumpfen 
Häkchen muß vorangehen; der auf einem Tisch liegende Säugling 
muß dabei fixiert werden. Verletzungen des Gehörgangs müssen 
vermieden werden. Frühzeitige Parazentese ist notwendig, wenn Fieber, 
Schmerz oder Schlaflosigkeit besteht oder am Trommelfell eine Vor¬ 
wölbung sichtbar ist, bei älteren Kindern auch bei erheblicher 
Herabsetzung des Hörvermögens durch starken Druck auf die 
Labyrinthfenster. Weitere Behandlung ist Bettruhe, Einfettung der 
Ohrmuschel bei starker Sekretion, Einlage eines sterilen Gaze¬ 
streifens, trockene warme Leinsamenmehlsäckchen. Im letzten 
Stadium ist mit der Luftdusche zu beginnen. 


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Bei Säuglingen und Kindern fällt die hohe kontinuierliche 
Temperatur nicht immer nach erfolgreicher Parazentese ab; ein 
Wiederansteigen oder vorübergehende Remissionen deuten auf eine 
Komplikation hin, zu beachten ist dabei, ob Erbrechen, Kopf¬ 
schmerzen, Schwindel, Nystagmus, Nackensteifigkeit, Kernigsches 
Symptom auftritt. 

Besondere Aufmerksamkeit erheischen die akuten Infektions¬ 
krankheiten; es ist unbedingt nötig, die Ohren zu kontrollieren, 
auch wenn keine Klagen vorgebracht werden. Prophylaktisch kann 
man Vj Proz. Argent-nitrik.-Lösung in die Nase träufeln. Früh¬ 
zeige Parazentese ist angezeigt, der eine ausgiebige Drainage 
folgen muß. 

Treten Labyrinthsymptome auf, ist Aufmeißelung des Warzen¬ 
fortsatzes angezeigt. Viele chronische Otorrhöen verdanken ihr 
Entstehen den akuten •Infektionskrankheiten. 

Seit Anwendung des Serums scheint die Otitis diphtherika 
milder zu verlaufen. Bei Mumps ist Neurolabyrinthitis nicht 
selten. Bei Influenza führt Mittelohreiterung schnell zu Mastoiditis. 

Auch bei Typhus ist sorgfältige Behandlung im frühsten 
Stadium der Otitis anzuraten. 

Von den chronischen Infektionskrankheiten sind für das Ohr am 
wichtigsten die Lues und Tuberkulose. 

Bei Fremdkörpern im Gehörgang ist die Pinzette verpönt; 
gelingt die Entfernung nicht leicht, überweise man den Patienten 
dem Spezialisten. 

Bei Verletzungen nur Okklusivverband dann spezialistischen 
Rat einholen. Schlichting (Kassel). 

Operative Behandlung des Hydrozephalus internus bei 
Kindern. Von Pussep-St Petersburg. (Archiv f. Kinder¬ 
heilkunde, Bd. 59, H. 3/4.) 

Die einfache Ventrikelpunktion genügt auch bei häufiger 
Wiederholung nicht, weil sich die Flüssigkeit immer' von neuem 
ansammelt. Die von Keen empfohlene offene Ventrikeldrainage 
öffnet nicht bloß der Flüssigkeit, sondern auch der Infektion die 
Türe, aber auch die geschlossene, wie sie zuerst von Mikulicz 
und später besonders von Krause geübt wurde, läßt unberück¬ 
sichtigt, daß sich der Wasserkopf wahrscheinlich deshalb entwickelt, 
weil durch den Verschluß der Öffnungen die Verbindung zwischen 
Himhöhlen und Hirnoberfläche aufgehoben ist. Der Balkenstich 
Bramanns stellt diese Verbindung allerdings wieder her, aber 
dieser Operation fehlt wieder die Ableitung der Flüssigkeit unter 
die Haut und damit die Herabsetzung des intrakraniellen Druckes, 
angeblich soll sie auch schwieriger auszuführen sein. Beiden In¬ 
dikationen will Verf. durch eine Abänderung der Krause’schen 
Operation genügen, die er in folgender Weise ausführt. Er legt 
über einem Ohr eine Trepanationsöffnung von 3 cm Durchmesser 
an, bildet im Bereiche derselben einen etwas schmäleren Duralappen, 
den er der Länge nach in zwei Hälften teilt, und punktiert nun 
den Ventrikel mit einer silbernen Nadel von 3 mm Durchmesser. 
Diese Nadel läßt sich in 3 cm lange Röhrchen zerlegen. Sobald 


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Flüssigkeit kommt, wird der überstehende Teil abgeschraubt, und 
anscheinend wie bei der Kraus e’schen Operation, der äußere Rand 
des steckenden Röhrchens der Länge nach aufgesschnitten, beide 
Enden rechtwinklig abgebogen, unter jedes eine Hälfte des Dura¬ 
lappens gebracht und an ihm festgenäht, die Hautwunde darüber 
geschlossen. „Das Röhrchen liegt somit auf dem freien Lappen der 
Dura mater“ und „auf diese Weise wird eine Kommunikation 
zwischen der aus dem Röhrchen abfließenden Flüssigkeit sowohl 

mit dem submeningealen Raume durch die Inzision der Dura- 

mater als auch den Hautdecken des Schädels durch die Öffnung 
im Knochen erzielt.“ Die Vorwölbung der Hautdecken, die sich nach 
der Operation ausbildet, wird nach Bedarf punktiert; verschwindet 

sie schnell, so kann das Röhrchen schon nach 2—4 Wochen ent¬ 

fernt werden, besteht sie länger, so bleibt es 2—4 Monate liegen. 
Dann hat sich ein stabiler Kanal gebildet • 

Nach diesem Verfahren hat Verf. 20 Fälle behandelt Von 14 
— Kindern im Alter von 2 4 /ia—n Jahren — legt er Krankenge¬ 
schichten vor. Mit am günstigsten war der Ausgang bei einem 
akuten Hydrozephalus. Die vorher häufigen Krämpfe verschwanden, 
das Bewußtsein kehrte wieder und allmählich stellte sich auch die 
Beweglichkeit der Glieder wieder ein, während das Sehvermögen 
nicht zurückkehrte. Bei 3 Fällen von Hirntumoren gelang es 
wenigstens in 2, den Kindern durch die Herabsetzung des intra¬ 
kraniellen Druckes ihren Zustand zu erleichtern, in einem der 
beiden auch den Sitz der Geschwulst zu bestimmen. Bei 10 Fällen 
von chronischem Hydrozephalus waren die Erfolge im allgemeinen 
sehr bescheiden und die Kürze der Beobachtungsdauer läßt sie noch 
zweifelhafter erscheinen. Immerhin waren doch unter diesen 10 
Fällen 2, die auffallend günstig beeinflußt worden. Das würde 
genügen, um den Eingriff zu empfehlen, wenn nur aus der Arbeit 
hervorginge, daß er mehr leistet wie die Krause’sche Operation. 

Hohlfeld (Leipzig). 

über Bananen und Bananenmehl. Von C. von Noorden- 
Frankfurt a. M. (Med. Klinik, 1913, Nr. 49.) 

Frühzeitig hat Verf. den hohen Wert der Bananen als Volks¬ 
mittel für den Gesunden und für viele Kranke erkannt Ihr Nähr¬ 
wert steht höher als der fast aller anderen Früchte, er ist auf durch¬ 
schnittlich 78—82 Kalorien pro 100 g einzuschätzen. 

Es gibt jetzt deutsches Bananenmehl, das in Mannheim in 2 
Qualitäten geliefert wird. 

Zu therapeutischen Zwecken wurden Bananen und Bananenmehl 
gebraucht beim Diabetes mellitus. Bananenmehl wurde erheblich 
besser verwertet als Weizenmehl. Oftmals wurden Bananen- oder 
Bananenmehltage an Stelle von Hafertagen verordnet. Bei Gicht¬ 
kranken und in allen Fällen, wo eine purinarme Diät angezeigt 
ist, bilden die Bananen eine wertvolle Ergänzung der lakto-vegetabil- 
ischen Diät. 

Bei Nierenkranken ist es zweckmäßig einige Tage hindurch die 
Eiweißkörper ganz auszuschalten. Auch hier bewährten sich 


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Bananen als brauchbare Ergänzung, da ihr Fleisch äußerst koch¬ 
salzarm ist Breie aus 30—40 g hergestellt mit dicker Porridge- 
artiger Konsistenz werden mit Fruchtsäften und Sirup gern ge¬ 
nommen. Bei dysenterieartigen Erkrankungen gab Verf. mehrere Tage 
hindurch als alleinige Nahrung dicke Suppen aus Bananenmehl. 
Der Erfolg war durchaus gut. 

Bei Entfettungskuren gibt Verf. statt der Milchtage (1—2 mal 
die Woche) Obsttage. Die Patienten können Äpfel oder 
Bananen essen soviel sie wollen. Uber 1000 g kam keiner hinaus, 
das entspricht 800 Kalorien. Uber Hunger wurde an solchen Tagen 
nie geklagt, sie befriedigen das unmittelbare Nahrungsbedürfnis 
viel besser als alle andern Früchte und auch besser als Milch. 

Schlichting (Kassel). 

Uber klinische Erfahrungen mit Digipan. Von Kurt Weiß- 
Tübingen. (Münchner med. Wochenschr., 1913, Nr. 45.) 

Als Assistenzarzt der Tübinger medizinischen Nervenklinik hat 
Verf. eingehende Untersuchungen angestellt über das von der 
Stuttgarter Firma Burk hergestellte Digitalispräparat Digipan 
Dr. Haas. 

Das Mittel wurde per os als Tropfen oder Tabletten, ferner 
intravenös und intramuskulär gegeben. Erhebliche Nebenerschein¬ 
ungen durch kumulative Wirkung sind nicht beobächtet Die 
Tabletten wirken kräftiger als die Tropfen. Die intravenösen und 
intramuskulären Injektionen bewirkten stets eine rasche Blutdruck¬ 
steigerung und ein rasches Einsetzen der Diurese. Von der sub¬ 
kutanen Injektion mußte Abstand genommen werden wegen 
Schwellung und Schmerzen an der Injektionsstelle. In Fällen, bei 
denen die andern Herzmittel versagt hatten, trat Diurese ein. 

Auch bei Kindern hatten Dosen von 3 mal 0,05 Digipan in 
Tropfen oder Tabletten gute Erfolge ohne störende Nebenwirkungen. 

Verf. urteilt, daß das Digipan ein recht brauchbares Präparat 
darstellt. Die am Krankenbett erwünschten Effekte, namentlich die 
Steigerung des Blutdrucks, die Verminderung der Pulsfrequenz und 
die Vermehrung der Diurese setzen schon bei relativ geringen 
Dosen und in kurzer Zeit ein; auch halten sie nach Absetzung des 
Mittels in der Regel an. Bei intravenöser Darreichung ist die 
Wirkung fast sofort. Bei innerer Applikation der Tabletten wurde 
bereits nach wenigen Stunden eine Blutdrucksteigerung nachweis¬ 
bar. Hämolytische Reaktionen wurden nicht beobachtet. 

Schlichting (Kassel). 


Referate aus dem Gebiete der Schulhygiene. 

Uber Ziele und Erfolge der Schulzahnkliniken. Von 

Paul Ritter-Berlin. (Med. Klinik, 1913, Nr. 49 und 50.) 

In Berlin sind z. Zt. vier Schulzahnkliniken in städtischen Ge¬ 
bäuden vorhanden. Außerdem haben Charlottenburg, Schöneberg 
und Wilmersdorf je eine eigene Schulzahnklinik. Ritter bespricht 


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besonders die einschlägigen Verhältnisse in Groß-Berlin, sowie die 
Tätigkeit des Berliner Lokalkomitees. 

Die Ziele der Schulzahnkliniken richten sich in erster Linie 
darauf, die breiten Volksmassen, insbesondere die Volksschulkinder 
der arbeitenden Klassen, an eine geordnete Zahn- und Mundpflege 
zu gewöhnen. So erweisen sie sich als ein bedeutsames Glied der 
allgemeinen Hygiene. Die Tatsache, daß der kariöse Zerstörungs¬ 
prozeß nicht nur an sich das betreffende Individuum gesundheitlich 
schädigt, sondern auch der Gesundheit der in demselben Raume 
befindlichen Kinder durch die Wirksamkeit der in den hohlen 
Zähnen sich ansiedelnden Fäulnisprodukte Eintrag tut, läßt an sich 
schon die Schulzahnpflege als ein wichtiges Heilmittel der allge¬ 
meinen Gesundheit erscheinen. Dementsprechend sind die weiteren 
Ziele der Schulzahnkliniken auf die Beseitigung kranker Zähne und 
Zahnwurzeln im Munde, sowie auf die Füllung noch erhaltungs¬ 
fähiger Zähne gerichtet. Aber nicht nur die bleibenden Zähne 
sollen in den Schulzahnkliniken gesund erhalten werden, sondern 
auch die Milchzähne für die Dauer ihres von der Natur bezweckten 
Bestehens. Ritter verbreitet sich über die Wichtigkeit des ge¬ 
sunden Milchgebisses und bespricht die von kranken Zähnen aus¬ 
gehenden Erkrankungen der Nachbar-Organe. Ferner die Sanier¬ 
ung der Mundhöhle als ein Mittel zur Bekämpfung der Infektions¬ 
krankheiten. Insbesondere geht er auf den Zusammenhang zwischen 
Schulzahnpflege und Nervenkrankheiten ein und bezeichnet als ein 
weiteres Ziel der Schulzahnkliniken die wissenschaftliche Forschung 
und Förderung an der Hand statistischen Materials. 

Die Erfolge in den Schulzahnkliniken sind, wie es sich erwarten 
ließ, außerordentlich gute. Das Interesse, welches die Berliner 
Schulärzte und die Lehrerschaft der neuen Einrichtung entgegen¬ 
bringen, beweist am besten, daß sie von deren Notwendigkeit über¬ 
zeugt sind. Und dies ist außerordentlich wichtig, da ein Vorteil 
für die allgemeine Gesundheit sich nur mit Hilfe der Schulärzte 
erreichen läßt, deren Mitwirkung für die Instandsetzung der Mund¬ 
höhle schon bei der Untersuchung der Schulrekruten beginnt. 

Während früher befürchtet wurde, daß durch die Schulzahn¬ 
kliniken die Eltern eines Teils der ihnen obliegenden Fürsorge für 
die Kinder enthoben würden, beweisen die Einnahmen in den 
Schulzahnkliniken, daß, wenn es die pekuniären Verhältnisse ge¬ 
statten, die Eltern gern einen Teil zu den Kosten beitragen. Mit 
dieser Verbreitung der Zahnpflege in den Volksmassen ist zweifel¬ 
los eine große Förderung der Schulhygiene verknüpft, welche in 
den künftigen Berichten der Schulärzte auch zum Ausdruck kommen 
dürfte. Schon die schulärztlichen Berichte der letzten drei Jahre 
lauten günstiger, wenngleich die Beschaffenheit der Zähne unter 
den Schulkindern, entsprechend der Verbreitung der Rachitis, der 
Skrofulöse und Tuberkulose, und mit Rücksicht auf den häufig 
ungünstigen Ernährungszustand noch viel zu wünschen übrig läßt 

Wie das Lokalkomitee in Groß-Berlin, so hat das Deutsche 
Zentralkomitee im ganzen Reiche große Erfolge zu verzeichnen. 
Uber 80 deutsche Städte und Dörfer besitzen heute ihre Schulzahn- 


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pflegestellen und in etwa 40 andern Orten ist die Einrichtung von 
Schulzahnkliniken in Aussicht genommen, so daß Deutschland zu¬ 
vörderst demnächst 120 Schulzahnpflegestellen besitzen wird. 

Autoreferat. 

Die Diphtheriebekämpfung in den Schulen. Von Schul¬ 
arzt Gettkant -Berlin-Schöneberg. (Deutsche med. Wochen- 
schr., 1913, Nr. 51). 

Die Zunahme der Diphtherie-Erkrankungen in Groß-Berlin seit 
Herbst 1911, alljährlich während der Monate Oktober bis Februar, 
machte besondere Maßnahmen gegen die Verbreitung der Seuche 
durch die Schulen erforderlich. Für Berlin-Schöneberg wurde der 
Plan der Diphtheriebekämpfung gelegentlich einer Sitzung der Ge¬ 
sundheitskommission am 16. Dez. 1911 festgelegt und erstreckte 
sich auf folgende Punkte: 

1. Jede Klasse, in der auch nur ein Fall von Diphtherie vor¬ 
kommt, wird auf die Dauer von zwei Tagen zu Desinfektionszwecken 
geschlossen. — Da dieses Mittel zum vollen Erfolg, zur Sanierung 
infizierter Klassen nicht führte, ist diese Maßnahme jetzt derart ein¬ 
geschränkt worden, daß nur noch bei Vorkommen mehrfacher 
Diphtherieerkrankungen in einer Klasse und bei ausgesprochenen 
Klassenepidemien desinfiziert wird. 

2. Den praktischen Ärzten wurde Diphtherieheilserum zu Be¬ 
handlungszwecken und zu Zwecken der prophylaktischen Spritzung 
auf Kosten der Stadt zur Verfügung gestellt, sobald sie die Bedürftig¬ 
keit der betreffenden Familie annahmen. — Da nur sehr wenige 
Ärzte hiervon Gebrauch machten, auch befürchtet werden mußte, 
daß hierdurch das wirksamste Mittel gegen die Diphtherie, nämlich 
die Isolierung Erkrankter im Krankenhause, eine Einbuße erleiden 
würde, wurde die Einrichtung wieder aufgehoben, nachdem sie mehr 
als ein Jahr zu Recht bestanden hatte. 

3. Verteilung von Merkblättern an die Eltern sämtlicher Schul¬ 
kinder, sowohl der Gemeindeschulen als auch der höheren Lehran¬ 
stalten, folgenden Inhalts: Jedes Kind, das eine Halsentzündung 
zeigt, soll einem Arzte vorgestellt werden und jenes sowohl 
wie seine Geschwister der Schule fern bleiben; Diphtheriekranke 
sind von der Umgebung streng abzusondern. 

4. Der Nachdruck bei der Bekämpfung der Seuche wird auf 
eine möglichst schnelle Ausscheidung der Bazillenträger gelegt. 
Bei Vorkommen eines Falles von Diphtherie in einer Klasse werden 
die dem Kranken zunächst sitzenden Kinder abgeimpft; sind zwei 
oder mehrere Fälle in einer Klasse vorgekommen, so wird 
Rachenschleim von sämtlichen Kindern und vom Klassenlehrer ent¬ 
nommen. Die Abstriche werden am nächsten Tage wiederholt. — 
Ob außerdem eine Desinfektion des Klassenzimmers zu erfolgen hat, 
entscheidet der Schularzt von Fall zu Fall. 

5. Um schneller als auf dem dienstlichen Wege von einer 
Diphtherieerkrankung in der Schule Kenntnis zu erhalten, geht die 
Schulschwester an jedem Vonnittag nach dem Polizeipräsidium, 
stellt aus den Meldungen der praktischen Ärzte die an Diphtherie 


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erkrankten Schulkinder fest und teilt diese sofort dem betreffenden 
Schularzt mit. Die Entnahme von Rachenschleim erfolgt dann so¬ 
fort an demselben Tage. 

6. Beim Auftreten von Diphtherie in einer Klasse ist in dieser 
das Herauf- und Heruntersetzen der Kinder während des Unter¬ 
richts bis auf weiteres einzustellen. 

7. Die Schulzahnklinik wird für alle Kinder einer Klasse, in 
der auch nur ein Fall von Diphtherie vorgekommen ist, so lange 
gesperrt, bis der Schularzt die Wiederzulassung gestattet. 

8. Uber sämtliche an Diphtherie Erkrankten, deren Geschwister 
und ev. Flurnachbarn, sowie über die gesunden Bazillenträger wird 
die Schulsperre so lange verhängt, bis zwei vom Schularzt ent¬ 
nommene Proben von Rachen- oder Nasenschleim nacheinander ein 
negatives Resultat gehabt haben. Die Schulsperre wird auch auf 
diejenigen Kinder ausgedehnt, die beim Auftreten einer Diphtherie¬ 
erkrankung in einer Klasse wegen Mandelentzündung gefehlt haben. 

Autoreferat. 


Bücherbesprechungen. 

Leitfaden der Säuglingskrankheiten. Für Studierende und 
Ärzte. Von Privatdozent Dr. Walther Birk-Kiel. gr. 8°, 
VIII u. 256 S. Mit 25 Abbildungen im Text. Bonn 1914. 
A. Marcus u. E. Webers Verlag. Preis br. 4,80, geb. 5,80 Mk. 
Das kleine Buch verfolgt rein praktische Zwecke: es soll dem 
Studenten für das Studium und dem praktischen Arzt für die Be¬ 
handlung der Säuglingskrankheiten als Leitfaden dienen. Die 
Theorie ist daher nur kurz, Symptomatik und Therapie 
dagegen ausführlich behandelt worden. Der Zweck, der dem Verf. 
vorschwebte, ist vollständig erreicht worden und kann das Büchel¬ 
chen den Studierenden und dem praktischen Arzte angelegentlichst 
empfohlen werden. S. 

Der Geburtenrückgang in Deutschland. Seine Bewertung 
und Bekämpfung. Von Reg.- und Med.-Rat Dr. J. Born- 
traeger-Düsseldorf, gr. 8°, VIII u. 276 S. Würzburg 1913. 
Verlag von Curt Kabitzsch. Preis 4,— Mk. 

Das Werk stellt einen erweiterten Abdruck aus Heft 13 der 
,,Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Medizinalverwaltüng“ dar 
und behandelt die wichtige Frage des Geburtenrückgangs in 
Deutschland, insbesondere seine Bekämpfung, eingehend auf Grund 
amtlichen und außeramtlichen Materials mit großer Sachkenntnis. 

S. 

Säuglings-Sterblichkeit und Geburtenzifffer. Von Prof. 
Dr. Hans Koppe-Gießen, ärztl. Direktor der großherzogl. 
Zentrale für Mütter- und Säuglingsfürsorge in Hessen, gr. 
8° u. 74 S. Wien 1913. Verl, von Alfred Holder. Preis 2 Mk. 
Die Säuglings-Sterblichkeit ist keinesfalls etwas zweckmäßiges, 
sie stellt auch kein Sicherheitsventil dar, durch welches Ubervölker- 


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üng und Degeneration verhindert wird. Verf. sucht dann den Ein¬ 
wand zu widerlegen, daß die Säuglings-Sterblichkeit allein von der 
Geburtenziffer abhänge, und daß beide sich regulieren, dafür bringt 
er großes Material bei und hat auch in diesem Sinne eigene Unter¬ 
suchungen angestellt. Eine kurze historische Einleitung führt zur 
Statistik; über den Ausdruck „Geburtsnummer“ hält Verf. für glück¬ 
licher zur Bezeichnung der Geburtenfolge als „Geburtenziffer“. 
Zwischen Säuglings-Sterblichkeit und Geburtenzahl besteht im allge¬ 
meinen ein ziemlich weitgehender Zusammenhang, dieser besteht 
aber auch ebenso gut zwischen Geburtenzahl und allgemeiner Sterb¬ 
lichkeit, weil diese in hohem Grade von der Säuglings-Sterblichkeit 
beeinflußt wird. Wenn die Mortalität das Primäre ist, dann müssen 
wir mit allen Kräften dahin streben, alles am Leben zu erhalten, 
was geboren ist, und das bedeutet den Kampf gegen die Säuglings¬ 
sterblichkeit Der Schwerpunkt des Werkes ruht auf dem Ab¬ 
schnitt: Säuglings-Mortalität und Kinderzahl der Familie. Nach 
Köppes Untersuchungen trifft für Familien mit 5—6 Kindern eine 
größere Gefährdung der Säuglinge nicht zu, und keinesfalls kann 
aus diesen Zahlen eine Berechtigung der künstlichen Beschränkung 
der Kinderzahl hergeleitet werden, die eben doch auf eine Be¬ 
schränkung auf zwei oder weniger Kinder hinausläuft. Die erhöhte 
Sterblichkeit macht sich aber bei noch kinderreicheren Familien 
wieder bemerklich, eine Erfahrung, die ich nach meinen Beobach¬ 
tungen in Lägerdorf in kinderreichen Arbeiter-Familien bestätigen 
kann, ich verstehe darunter solche Familien, in denen sich 8 und 
noch mehr Kinder befinden oder richtiger befanden. Bei der Be¬ 
wertung des Sinkens der Geburtenziffer steht Verf. nicht auf seiten 
der Pessimisten, weil die Bevölkerungszunahme nicht allein von der 
Geburtenzahl abhängig ist Bei Besprechung der Ideen des Neo¬ 
malthusianismus zeigt der Verf. sich als entschiedener Gegner 
dieses Gedankens und erklärt, daß man nur mit Ekel von diesen Ver¬ 
hältnissen sprechen kann. Entwickelungsgeschichtliche Betrachtungen 
bilden den Schluß des Werkes: „So haben wir auch in der Säuglings¬ 
fürsorge die günstigen Bedingungen zu ermitteln, unter denen das 
Ziel, höchster Geburtenüberschuß und höchste Widerstandsfähigkeit 
der Geborenen, zu erreichen ist“. P. Hanssen (Kiel). 

Schwer erziehbare Kinder. Ein Ratgeber für alle, die es an¬ 
geht Von Gustav Maj or-Berlin, gr. 8°, VII u. 142 S. 
Halle 1913. Carl Marhold’s Verlag. Preis 2,50 Mk. 

Nachdem der Verf. im allgemeinen das Ziel und die Wege der 
Erziehung bei normaler und anormaler Entwicklung vorgezeichnet 
hat, behandelt er im einzelnen zuerst das körperlich schwer erzieh¬ 
bare Kind, die Entwicklungssteigerungen und Krankheiten der 
frühesten Jugend, die Krämpfe, Wachstumskrankheiten, Infektions¬ 
krankheiten, die Erkrankungen des Blutes, der Atmungsorgane, der 
Verdauung und der Sinnesorgane. 

Die geistig und sittlich schwer erziehbaren Kinder teilt er 
glücklich in normale und anormale. Zu den Normalen rechnet er 
das übermüdete, nervöse, träge und verwahrloste Kind, also Indi- 


% 


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4 6 

viduen ohne eine offenbare körperliche Krankheit, zur zweiten 
Gruppe die mit wirklichen Geistes- oder Nervenkrankheiten be¬ 
hafteten. 

Aus der ganzen Darstellung gewinnt man den Eindruck, daß 
der Verf. zu den wenigen Berufenen gehört, die Kinder nicht nur 
erziehen, sondern mit Liebe erziehen können. Spiegel (Kiel). 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Die Jodbehandlun g des Rachens zur Beseitigung 
von Diphtheriebazillen. Von S. Abel-Bergen. 

Gelegentlich der von Strauch empfohlenen dreitägigen 
Pinselung der Tonsillen mit Jodtinktur zur Beseitigung der 
Diphtheriebazillen erwähnt Abel die von ihm benutzte Behandlungs¬ 
weise: das Einblasen in den Pharynx und des ganzen Nasenrachen¬ 
raumes von Jod in Dampfform, in statu naszendi. Weil die 
Bazillen nicht bloß an den Tonsillen haften, muß man, um r a t i o n e 11 
vorzugehen, ein Antiseptikum in einer Weise anwenden, die zu der¬ 
selben Zeit überall ihre Wirkung entfalten lassen kann. Die 
Methode Abels ist einfach und nicht besonders unangenehm und 
seine Resultate sehr befriedigend. Von den 8 mit dampfförmigem 
Jod Behandelten, die ihre Bazillen mindestens drei Wochen beher¬ 
bergten, wurden 47 Proz. nach einer Tour — d. h. nach dreitägiger 
Behandlung, — 31,5 Proz. nach zwei und 20 Proz. nach drei Touren 
bazillenfrei. In zwei Fällen war die Behandlung resultatlos. 

(Therapie d. Gegenwart 1913.) Autoreferat 

Eine seltene Kombination von drei angeborenen 
Anomalien — Urachusf istel, Nabelstrangbruch und 
Kryptorchismus — bei einem Kind. Von Lebedew-Moskau. 

Alle drei Anomalien werden (in einem fürchterlichen Deutsch!) 
mit einer Entwickelungshemmung erklärt Das Kind war 12 Monate 
alt Mit gutem Erfolge wurde derUrachus samt der Nabelgeschwulst, 
auf der er ausmündete, und des stielartig in ihm ausgezogenen Teils 
der Harnblase entfernt 

(Arch. f. Kdhlkd., Bd. 59, H. 3/4.) Hohlfeld (Leipzig). 

Die Leukozyten verschiedener Altersstufen. Unter¬ 
suchungen über die Leukozyten gesunder Kinder. Von 
Dina Rabinowitsch-Bern. 

Im Gegensatz zu früheren Mitteilungen, die namentlich für das 
erste Lebensjahr beträchtlich höhere Zahlen angeben, fand Verf. 
— es wurden 150 Kinder im Alter von 1—16 Jahren untersucht —, 
daß die Gesamtzahl der Leukozyten bei Kindern wie bei Erwachsenen 
6—7000 im Kubikmillimeter beträgt. Das Verhältnis von neu¬ 
trophilen Leukozyten und Lymphozyten ist das bekannte. Die 
Lymphozyten nehmen in den ersten Lebensjahren an Zahl die Stelle 
ein, welche die neutrophilen Leukozyten beim Erwachsenen besetzen. 
Durch allmähliche Zunahme der Neutrophilen und entsprechende 


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Abnahme der Lymphozyten ändert sich dies Verhältnis. Im 6. 
Lebensjahre sind in der Regel schon die Neutrophilen zahlreicher, 
im 15.—16. Jahre wird das definitive Verhältnis erreicht: neutrophile 
Leukozyten ca. 70 Proz., Lymphozyten ca. 30 Proz. aller weißen 
Blutkörperchen. Die Zahl der Eosinophilen, der Ubergangsformen, 
Hartzellen und großen Mononukleären zeigt solche Unterschiede 
nicht, die der Eosinophilen schwankt beträchtlich. 

(Arch. f. Kdhlkd., Bd 59, H. 3/4.) Hohlfeld (Leipzig). 

Beiträge zur Frage derWärmeregulierung des Organis¬ 
mus unter besonderer Berücksichtigung der durch Ge- 
hirn-Ventrikelreizung erzeugten sogenannten Wärme¬ 
stichhyperthermie: 

1. DieWirkung derNitrite auf die Körpertemperatu r 
des normalen und des durch Gehirnreizung hyperther¬ 
misch gemachten Kaninchens. Von E. Kraus. 

Verf. stellt fest, daß die Nitrite auf die Körper der Antipyrin- 
gruppe, sowie des Morphin als Narkotika des Wärmezentrums 
wirken, und zwar tritt ein Temperaturabfall bei kleineren und 
mittleren Gaben von Nitriten auf, beim normalen wie auch beim 
Wärmestichtier. Bei letzteren verläuft die Erscheinung protahierter. 
Die Wirkung am hyperthermischen Kaninchen ist deutlicher bei 
gleichzeitiger Inhalation von Amylnitrit. 

2. Ein weiterer Beitrag zur Wirkung der Nitrite auf 
die Körpe rtemperatur des Kaninchens. Vonjacoby. 

Verf. erweiterte die Untersuchungen von Kraus, indem er 
ganz genau dosierte Mengen von Nitriten anwendete. Es fand sich, 
daß die Wirkung bei hyperthermischen Tieren größer ist als bei 
normalen Tieren, daß sie abnimmt mit der Größe der Dosis und 
erst bei ganz großen Dosen regelmäßig stärkere Temperatursen¬ 
kungen hervorruft. Die unregelmäßige Wirkung bei mittleren Dosen 
ist zu erklären aus dem zufälligen Zustand des Gefäßtonus. 

3. EinBeitrag zur Klarstellung des Mechanismus der 
Wärmeregulation beim normalen und dem durch Ge- 
hirnreizug (Wärmestich) hyperthermisch gemachten 
Kaninchen. Von Jacoby. 

Die Ursache der Temperatursteigerung nach Wärmestich ist 
zurückzuführen auf eine Verminderung der Wärmeabgabe infolge 
von Kontraktion der Hautgefäße, nicht auf eine Vermehrung der 
Wärmeproduktion. Beim Kaninchen spielt die Wärmeabgabe durch 
die Lungen eine sehr geringe Rolle. Wesentlich ist bei dem Ver¬ 
such das Vorhandensein des Haarkleides. Frisch geborene Kanin¬ 
chen zeigen stark kontrahierte Hautgefäße, deshalb tritt bei ihnen 
nach dem Wärmestich keine Temperaturerhöhung auf. Die Hyper¬ 
thermie nach Wärmestich wird bedingt durch eine Steigerung des 
Tonus der Hautgefäße. Külbs (Berlin). 

(Aus d. pharmak. Instit. d. Univers. Tübingen. — 

Arch. f. exper. Path. u. Pharmak., Bd. 72, S. 97.) 


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U n g e w 6 h n liehe Komplikationen von Infektions¬ 
krankheiten bei Kindern. Von A. Stern. 

2 Fälle von Mumps bei Geschwistern; in einem Fall kompli¬ 
zierende Pankreatitis und Augenmuskellähmung, im anderen 
Meningitis serosa und akute Labyrintitis mit Exsudation und völlige 
Ertaubung des einen Ohres; bei diesem Falle bestand hochgradige 
Bradykardie. In einem Fall von Keuchhusten und schwerer Pneu¬ 
monie eine Komplikation seitens des Abdomens, die Stern als 
zirkumskripte Pneumokokkenperitonitis mit Durchbruch in den 
Darm deutet; unter heftigen Schmerzen trat schnell ein Tumor in 
der Nabelgegend auf, der mit plötzlich einsetzenden Erscheinungen 
eines schweren Darmkatarrhs schwand. Bauer (Wien). 

(Arch. f. Kdhlkd., 1913, H. 2.) 

Normal and abnormal dental arches. Von A. Zentier. 

Die abnorme Zahnstellung der Kinder, erkennbar an falschem 
Schluß der Zähne, beruht auf Skelettbesonderheiten. Sie ist stets 
zu finden bei adenoiden Wucherungen. Diese sollen bei Kindern 
möglichst früh entfernt werden. Genügt diese Operation nicht, die 
habituelle Atmung durch den offenen Mund zu beseitigen, so wird 
man als Ursache falsche Zahnstellung feststellen können. Diese 
soll schon vom Alter von 3—4 Jahren an durch orthodontische Be¬ 
handlung beseitigt werden. Das wird erreicht durch Vergrößerung 
des oberen Zahnbogens, indem das Gewölbe des Oberkiefers durch 
Apparate erweitert wird. Bauer (Wien). 

(Arch. of ped., 1913, H. 1.) 


Kleine Mitteilungen. 

Donnerstag, den 5. Juni 1914 findet die VI. Versammlung 
der Schulärzte Deutschlands in Stuttgart statt. Zur Behand¬ 
lung kommen: 

1. Der Schularzt an der Fortbildungsschule. 

2. Der schulärztliche Dienst an höheren Knaben- und Mädchen¬ 
schulen. — 

Die Abteilung VI (für Säuglingsfürsorge) des Badischen 
Frauenvereins hat einen Abreißkalender 1914 „Für Mutter 
und Kind u herausgegeben. Jeder Tag des Kalenders bringt eine 
praktische Anleitung und Lehre aus dem Gebiete der Säuglings¬ 
pflege oder einen sinnreichen Spruch namhafter Dichter über 
Kinderleben und Kindererziehung. Dazwischen finden sich zahl¬ 
reiche, den Werken des Meisters Ludwig Richter entnommene 
Illustrationen. Der Kalender ist bei der Verlagsfirma von Moritz 
Schauenburg in Lahr erschienen und kann den Familien zur 
Anschaffung empfohlen werden. Einzelpreis 50 Pfg. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitsühniff für fCinderheilKunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrfl. März 1914. No. 3. (29l.)~ 

Inhalt: Originalien: Waohsner. Orthopädische Jugendfürsorge. 49. — Kurze Original¬ 
mitteilungen aus der Praxis: Thymobronchin. 54. — Sohllchting Die Jodbehandlun? des 
Rachens zur Beseitigung von Diphtheriebazillen. 55. — Referate: Freund, Yatren purissimum 
zur Unterstützung der Diphtheriebehandlung. 56. — Moos, Serumtherapie des Scharlachs. 56. — 
Wadnner, Physikalische Behandlung der chirurgischen Tuberkulose. 57. — Engel, Die Skrofulöse 
und ihre Behandlung. 58. — Uifenheimer, Heine-Medin’sohe Krankheit in Bayern. 58. — Pfleiderer, 
Beiträge zur Kenntnis der englischen Krankheit. 69. — Reudnitz, Anzeigen der Nährbehandlung 
bei Säuglingen. 60. — Beck, Kaselnkalziummüch bei Ernährungsstörungen der Säuglinge. 61. — 
Raeoke, Geistesstörung und Kriminalität iin Kindesalter. 62. — WolfT. Zur Technik der Duodenal¬ 
sondierung. 62. — Straflmann, Kindersterblichkeit in gerichtlich-medizinischer Beziehung- 68. — 
Wolf. Die Säuglingssterblichkeit in der Tübinger medizinischen Poliklinik 1911 und 1912. 65. — 
Curaus, Die Abnahme der Geburtenziffern im Regierungsbezirk Magdeburg. 65. — Bücherbe¬ 
sprechungen: Kreist, Die Fortschritte der Hygiene 1888—1918. 67. — Blanke, Orthopädische 
Sonderturnkurse. 67. — Ide, Die Nordseeluftkur. 68. — Ruland, Das Findelhaus. 68. — Oberwarth, 
Mutterbriefe. 2. Aufl. 68. — Bertholeth. Die Wirkungen des chronischen Alkoholismus auf die 
Organe des Menschen, insbesondere auf die Geschlechtsdrüsen (übersetzt von Pfleiderer). 69. — 
Hirsch, Fruchtabtreibung und Präventivverkehr im Zusammenhang mit dem Geburtenrückgang. 
70. — Kurze N otizen ans der Praxis und Wissenschaft. 70.— 

Originalien. 

Aus der orthopädischen Heilanstalt von Dr. Wachsner in Berlin. 

Orthopädische Jugendfürsorge. 

Von Dr: Fritz Wachsner, Spezialarzt f. Orthopädie u. Kinderchirurgie. 

Die erst kürzlich von dem Herausgeber dieser Zeitschrift ins Leben 
gerufene*) Gesellschaft für Jugendfürsorge legt ein beredtes Zeugnis 
davon ab, welches Interesse diesem Zweige der sozialen Medizin von 
einem großen Teil der Ärzte entgegengebracht wird. Und in der 
Tat, während der Staat für seine im beruflichen Leben stehenden 
Mitglieder in der umfassendsten Weise sorgt, eine Fürsorge, die ja 
durch die eben erst in Kraft getretene Reichs Versicherungsordnung 
in mehr oder minder glücklicher Weise ihren vorläufigen Abschluß 
gefunden hat, war es um die jugendlichen Staatsbürger bis vor 
noch nicht langer Zeit übel bestellt Es ist das Verdienst der 
Kommunen, hierin Wandel geschaffen zu haben. Sie erkannten, wie 
notwendig es ist,, wenn man eine körperlich tüchtige Nachkommen- 

*) Soweit bekannt, ist diese Gesellschaft erst geplant, aber noch nicht 
gegründet; der Herausgeber dieser Zeitschrift hat das Projekt nicht ins Leben 

f erufen, sondern durch seine langjährigen unausgesetzten Bestrebungen auf 
em Gebiete der Jugendfürsorge una speziell durch sein gemeinschaftlich mit Dr. 
A. Lewandowsk i-Berlin auf der vorjährigen Herbst-Tagung der „Deutschen 
Zentrale für Jugendfürsorge“ zu Darmstatt erstattete Referat über „die sozial- 
hygienischen Aufgaben der Ärzte im Zusammenhang mit der gesamten Jugend¬ 
fürsorge“ mit veranlaßt. Red. 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 4 


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5 ° 

schaft heranzüchten will, der Jugend seinen Schutz zu teil werden 
zu lassen, immer eingedenk des Hauptmaximes der ganzen medi¬ 
zinischen Wissenschaft: es ist leichter, Krankheiten zu verhüten als 
zu heilen. Aus diesem Sinne heraus sind die Säuglingsfürsorge¬ 
stellen entstanden, sind die Krippen ins Leben gerufen worden, hat 
man die segensreiche Einrichtung des Schularztes geschaffen. Den 
Hauptwert bei allen diesen Institutionen legte man jedoch auf die 
Verhütung bezw. Heilung interner Erkrankung, während die 
rein körperliche Erziehung, die Gesunderhaltung und Gesundung 
des rein statischen Teiles der jugendlichen Organismen erst in aller¬ 
jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich lenkte. 
Die neu ins Leben getretene Krüppelfürsorge, die statistischen Er¬ 
hebungen über die große Zahl der vorhandenen körperlichen Ge¬ 
brechen zeigten, welch großes Nationalvermögen auf diese Weise 
dem Staate verloren geht. Hand in Hand mit diesen Erhebungen 
gingen die Untersuchungen und unsere bedeutend erweiterten Kennt¬ 
nisse über die Ätiologie und den Entstehungsmechanismus der ver¬ 
schiedenen Deformitäten, so daß in den beteiligten Kreisen mit 
Macht der Gedanke angeregt wurde, diesem Übel nach Möglichkeit 
durch eine auf Sachkenntnis aufgebaute Prophylaxe zu steuern. Und 
als praktische Verwirklichung dieser Erwägungen sind jetzt allent¬ 
halben in den verschiedenen Städten orthopädische Turnkurse ein¬ 
geführt worden, über deren zweckmäßigste Form sich heute ein 
definitives Urteil noch nicht geben läßt. Das eine aber läßt sich 
schon heute mit ziemlicher Sicherheit Voraussagen, daß mit dieser 
Institution allein es wohl schwerlich gelingen wird, die Zahl der 
körperlichen Gebrechen erheblich zu reduzieren. Das, was uns bitter 
not tut, was allein Aussicht auf einigen Erfolg verspricht, sind 
or th opä di sehe Für sorges teil eil,dieden entweder schon bestehenden 
Säuglingsfürsorgestellen angegliedert, oder vielleicht noch besser als 
selbständige Einrichtungen geschaffen werden müßten. Denn, und 
das haben uns die Untersuchungen und Entdeckungen der letzten 
Jahre gezeigt, es gibt kaum eine schwerere Deformität, deren Ur¬ 
sprung nicht bis in das früheste Kindes-, zum mindesten aber in das 
vorschulpflichtige Alter zurückreicht. 

Die moderne Orthopädie hat die Schule zum größten Teil von 
ihrem Schuldkonto bezüglich der Entstehungsursache vieler Deformi¬ 
täten entlastet. Wohl ist es richtig, daß schon vorhandene Deformi¬ 
täten während der Schulzeit fast ausnahmslos unbehandelt eine 
deutliche Verschlimmerung erfahren, eine Tatsache, die allein schon 
aus diesem Grunde eine sorgfältige orthopädische Kontrolle aller 
Schulkinder von seiten der Schule erfordert. Eine Schuldeformität 
jedoch in dem Sinne, daß sie bei einem sonst gesunden Kind durch 
dauernde schlechte Schreibhaltung, durch Überlastung oder sonstwie 
in der Schule sich entwickelt, besteht ganz gewiß nicht 

Die Schulskoliose, der bisherige Schrecken aller pädagogischen 
Kreise, ist heute tief im Kurse gefallen, seitdem uns die besten 
Kenner der Skoliose, Schultheß, Spitzy, Böhm u. a., gezeigt 
haben, daß fast ausnahmslos alle schwereren seitlichen Verbieg¬ 
ungen der Wirbelsäule im vorschulpflichtigen Alter, in den meisten 


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5* 


Fällen sogar während der Säuglingsperiode auf angeborener oder 
rachitischer Grundlage entstanden sind. Hier heißt es also Hand 
anlegen, wenn man das Übel an seiner Wurzel ausrotten will. Und 
was von der Skoliose gilt, gilt zum grano salis auch von den 
anderen Deformitäten. Dieses in großen Umrissen zu zeigen, soll 
die Aufgabe der nächsten Zeilen sein, wobei ich im großen Ganzen 
den Anschauungen der Spitzy’schen Schule folge, der erst vor 
kurzem seine wohl größten Erfahrungen auf diesem Gebiete in 
seinem Buche „Die körperliche Erziehung des Kindes“*) zu¬ 
sammengestellt hat, ein Werk dessen Studium jedem auf dem Ge¬ 
biete der Jugendfürsorge tätigen Arzte nur auf das Angelegent¬ 
lichste empfohlen werden kann. 

Die Symptomatologie, Klinik und Pathologie der orthopädischen 
Erkrankungen ist bis in die jüngste Zeit hinein beherrscht gewesen 
von der Lehre von den Belastungsdeformitäten. Abgesehen von den 
primär oder sekundär kongenitalen Mißbildungen wurden alle 
anderen Verbildungen des jugendlichen Körpers als ein Mißverhält¬ 
nis zwischen Belastung und Widerstand leistender Kraft des Skelett¬ 
systems auf gefaßt Nur wurde damit leider nie die Tatsache erklärt, 
daß von den vielen den gleichen statischen Schädlichkeiten ausge¬ 
setzten Kindern immer nur ein minimaler Prozentsatz an Skoliose, 
Plattfuß, Genu valgum, Koxa yara usw. erkrankte. Der größte Teil 
der modernen Orthopäden steht heute auf dem Standpunkte, daß 
bei einem völlig gesunden Kind auch durch die größte „Über¬ 
lastung“ niemals eine stärkere Deformierung entsteht. Zum Zu¬ 
standekommen einer solchen sind vielmehr, abgesehen von den 
relativ wenigen angeborenen Mißbildungen, unter allen Umständen 
gewisse Konstitutionsanomalien von seiten des Kindes erforderlich. 
Störungen von seiten der Drüsen mit innerer Sekretion, die Rachitis 
und die exsudativ-lymphatische Diathese sind es, letztere nicht nur 
im Sinne der „Krankheitsbereitschaft“, sondern schon im Sinne eines 
klinischen Krankheitsbildes aufgefaßt, die wie ein roter Faden sich 
durch die gesamte Lehre von der Ätiologie der Deformitäten hin¬ 
ziehen. Diesen beiden Erkrankungen, den „häufigsten Kinderkrank¬ 
heiten“ muß also der Kampf gelten, und hier müssen sich, wenn 
wir wirksame Prophylaxe treiben wollen, Pädiatrie und Orthopädie 
in die Hände arbeiten. Dazu ist auf der einen Seite die interne 
diätetisch-physikalische und medikamentöse Therapie berufen in 
Verbindung mit einer eingehenden Belehrung über die Vermeidung 
äußerer Schädlichkeiten, von der anderen Seite muß alles getan 
werden, um speziell bei diesen prädisponierten Kindern die geringsten 
Abweichungen des Skelettsystems zu erkennen und sachgemäß zu 
behandeln. 

Es gehört zu den Grundprinzipien der ganzen orthopädischen 
Wissenschaft, jede Mißbildung, jede Deformität so früh therapeutisch 
in Angriff zu nehmen wie möglich, da ja nur die Frühbehandlung 
ein vollkommenes Zurückführen zur Norm garantiert Auch mit 
der Skoliose soll man heute nicht warten, bis das Kind in die Schule 


*) Vid. Nr. i 1914 dsr. Ztsehr. 


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52 

kommt, sondern schon im vorschulpflichtigen Älter soll nian mit der 
Behandlung beginnen. Da wir heute annehmen, daß jede Skoliose 
zweiten bis dritten Grades schon in die Schule mitgebracht wird, 
bezw. der Keim dazu schon im vorschulpflichtigen Alter gelegt wird, 
handelt man nur logisch, auch in dieses Alter die Behandlung zu 
verlegen* Nur so kann man hoffen, dieser Deformität, die bisher all 
unseren Methoden trotzte, Herr zu werden. Die Skoliose entsteht 
nach modernen Anschauungen auf der Höhe der Rachitis, nach 
meinen persönlichen Erfahrungen zwischen dem ersten und zweiten 
Lebensjahr. Das klinische Bild ist meistens folgendes: Es besteht 
ein leichter linksseitiger Rippenbuckel mit einer geringen Abweichung 
der Wirbelsäule nach links im lumbodorsalen Teil. Die Skoliose 
ist fast immer eine totale, ohne Gegenkrümmungen. Die Verände¬ 
rungen erscheinen ziemlich harmlos. Macht man jedoch ein Röntgen¬ 
bild, dann sieht man, wie die Linie der Darmfortsätze getäuscht hat 
wie stark bereits der Bogen der Wirbelsäule gekrümmt ist Und 
hier muß unsere Therapie einsetzen. Nur zu dieser Zeit, wo die 
abnorme Stellung der Wirbelkörper und Rippen noch keine schwereren 
klinischen Folgeerscheinungen gezeitigt hat, wo eine bindegewebige 
oder knöcherne Fixierung noch nicht eingetreten ist, nur dann ver¬ 
spricht eine Behandlung Erfolg, die analog der Behandlung anderer 
Deformitäten immer in der Erzielung einer Uberkorrektor und längeren 
Fixierung der Wirbelsäule in dieser Stellung bestehen muß. Ich 
glaube, allein die Frühbehandlung dieser Art von Skoliose wäre der 
Einrichtung orthopädischer Fürsorgestellen wert Dazu ist aber 
unbedingt die Mitarbeit der internen Kinderärzte nötig, die derartige 
geringe Niveaudifferenzen der Rückenhälften nicht als harmlose 
Dinge ansehen dürfen, die mit Einreibungen oder höchstens Flach¬ 
liegenlassen auf harter Matratze geheilt werden können. Auch von 
dem beliebten Gipsbett möchte ich abraten, da in diesem die ständige 
Fixierung der Wirbelsäule in Uberkorrektur im Elternhaus undurch¬ 
führbar ist Als die beste Frühskoliosentherapie der Gegenwart 
möchte ich das forzierte Redressement nach Böhm empfehlen, der 
die in kyphotischer Stellung überkorrigierte Wirbelsäule in Anlehnung 
an das Äbbott’sche Verfahren für eine längere Zeit eingipst 

Während die Skoliosen meistens erst jenseits des Säuglingsalters 
vielleicht nicht entstehen, aber doch klinisch wahrnehmbar werden, 
dominieren im Säuglingssalter selbst von erworbenen Deformitäten 
die sagittalen Abweichungen der Wirbelsäule. Im Säuglingsalter 
entsteht die rachitische Sitzkyphose, die nur zu häufig für die nächsten 
Jahre eine Abflachung der Lendenlordose zur Folge hat und somit 
einerseits zum Rundrücken, anderseits zum flachen Rücken führen 
kann, der seinerseits wieder zum Entstehen der Skoliose prädisponiert 
Alle diese Haltungsanomalien sind nicht etwa nur Schönheitsfehler, 
sondern beeinträchtigen auch die inneren Organe, Herz, Lunge, 
Nieren; es sei nur an die Wechselwirkung zwischen Tuberkulose 
und Thorax, an die orthotische oder besser lordotische Albuminurie 
erinnert usw., Grund genug, mit aller Entschiedenheit diese rachi¬ 
tischen Verbiegungen zu bekämpfen oder noch besser sie zu ver¬ 
hüten. Hier müssen Säuglings- und orthopädische Fürsorgestellen 


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53 - 


Hand in Hand gehen, prophylaktisch wirken können nur dieersteren 
Es kann nicht dringend genug vor einer frühen passiven Körper¬ 
aufrichtung der Kinder gewarnt werden. Der kindliche Organismus 
ist nicht imstande in der ersten Zeit, sich mittels eigener Muskel¬ 
kraft aufzurichten. Der natürliche Hemmschuh gegen das Zusammen¬ 
sinken der Wirbelsäule fehlt also. Die Wirbelsäule stellt sich daher 
bei passiver Aufrichtung in einen konvexen Bogen ein, dessen 
Krümmungsscheitel um so tiefer zu liegen kommt, je nachgiebiger 
die Bänder und Knochen, je jünger die Kinder sind. Wird die 
Wirbelsäule häufig und noch dazu längere Zeit in diese abnormen 
Krümmungsverhältnisse gebracht, so passen sich die Bänder, Muskeln 
und auch die nachgiebigen weichen Wirbelkörper der neuen Stellung 
an, und es kommt sehr leicht zu einer Fixierung dieser Krümmung: 
es entsteht das klinische Bild der fixierten rachitischen Kyphose 
mit all ihren Folgeerscheinungen. Jede passive Aufrichtung des 
kindlichen Körpers ist daher streng zu vermeiden, das Kind soll im 
Gegenteil so oft wie möglich in Bauchlage gebracht werden und in 
dieser Lage seine Muskeln spielen lassen. Sobald es sich stark genug 
fühlt, wird es von selbst Anstalten treffen, sich zu erheben, niemals 
soll es in diesem Bestreben von seiten der Eltern oder Erzieher 
unterstützt werden. Eine wie einfache Methode, und wie schwere 
Veränderungen lassen sich dadurch verhüten! Was von dem pas¬ 
siven Aufrichten gilt, gilt ebenso von dem vielen Aufnehmen und 
Herumtragen des Kindes. Auch hier ist ja die Wirbelsäule immer 
ungestützt; dazu kommt noch die schiefe Einstellung des Beckens 
bei dem Tragen auf dem Arm, was bei dazu prädisponierten Kindern 
auch noch zu seitlichen Verbiegungen führen kann. Wenn auch 
ein gesundes Kind sich viel erlauben kann, so ist, um es immer 
und immer wieder zu betonen, bei den dazu prädisponierten Kindern, 
bei den mit Rachitis, mit exsudativer Diathese behafteten die größte 
Vorsicht am Platze. 

Eine weitere Reihe orthopädischer Erkrankungen fällt mit ihrem 
Beginn in die Zeit des aufrechten Standes und Ganges. Diese Epoche 
stellt die größten Anforderungen an die Tragkraft des statischen 
Apparates, und so ist es erklärlich, warum so viele Deformitäten von 
diesem Wachstumsabschnitt aus ihren Ursprung nehmen. In dieser 
Zeit wird der Grund gelegt für die aus den leicht beeinflußbaren 
Knickfüßen sich später entwickelnden schmerzhaften Plattfüße, in 
ihr entstehen das Genu valgum, die Koxa vara, ohne schon jetzt 
klinische Erscheinungen zu machen, in ihr entwickelt sich aus der 
spielend zu heilenden kongenitalen luxatio koxae suprakotyloidea 
die luxatio iliaka mit Antetorsion, deren Einrenkung schon er¬ 
heblich schwieriger sich gestaltet. Während das Genu valgum der 
späteren Kindheit fast nie ohne Osteotomie zu heilen ist, genügen 
in den früh erkannten und behandelten Fällen meist Schuheinlagen, 
die den Fuß in Supination umstellen, und Stiefel mit an der Innen¬ 
seite erhöhten Sohlen, um die Deformität auszugleichen. Es 
kann also nicht dringend genug davor gewarnt werden, alle diese 
Dinge auf die leichte Achsel zu nehmen, in der Hoffnung, daß sich 
diese Deformitäten mit der Zeit von selbst „verwachsen“ werden. 


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54 

Nur eine Deformität wächst sich von selbst aus, und das ist das 
Genu varum leichteren Grades. Hier kann man also etwas melir 
der Natur vertrauen, wer aber bei den anderen orthopädischen Er¬ 
krankungen seine Hoffnung auf die Natur setzt, wird allzuoft 
arg enttäuscht werden. 

So drängt also alles zu einer möglichst frühen Erkennung und 
frühen Behandlung der verschiedenen Deformitäten. Wir bedürfen 
daher in unserer Jugendfürsorge dringend etwas mehr der „ortho¬ 
pädischen Atmosphäre“; der rein körperlichen Erziehung, Entwick¬ 
lung und Gesundung unserer Jugend muß in weit höherem Grade 
Rechnung getragen werden als bisher. Es ist unbedingt notwendig, 
diese Lücke in unserer sozialen Fürsorgebestrebung auszufüllen durch die 
Schaffung „orthopädischer Fürsorgestellen“ für das Säuglings- und vor¬ 
schulpflichtige Alter, da sowohl während dieser Wachstumsepoche 
der Keim zu fast allen Deformitäten gelegt wird, anderseits aber 
auch noch alle Deformitäten relativ leicht therapeutisch beeinflu߬ 
bar sind. Nur so wird es möglich sein, eine körperlich und damit 
auch geistig tüchtige neue Generation heranzubilden. 


Kurze Originalmitteilungen aus der Praxis. 

Thymobronchin. 

Den Krankheiten der Respirationsorgane sind zwei Symptome 
gemeinsam: Der mit mehr oder weniger Auswurf verbundene Husten 
und die Reizbarkeit der Atennvege. Von einem guten Expektorans 
kanndaherdieBeseitigungdieser Schädlichkeiten er wartet werden. Es hat 
also die in den Luftwegen stagnierenden und zum Auswurf bestimmten 
Massen hinaus zu befördern. Wo aber der Hustenreiz lästig und 
zwecklos erscheint, ist seine Beseitigung resp. Dämpfung ohne 
Frage erlaubt. Die Ruhigstellung der entzündeten Stimmbänder, 
der Schutz der erkrankten Organe vor unnützen Erschütterungen 
sind wesentliche Vorteile, die nur aus der Beseitigung des Husten¬ 
reizes resultieren können. Nach diesen beiden Richtungen hin 
wirken neben den Ammoniakpräparaten, den alkalischen Salzen und 
Schw'efelmitteln Arzneisubstanzen vegetabilischer Natur, wie Rad. 
Seneg., R. Äth., Flor. Rhokados und die Sedativa Brom und Opium. 
In dem Mittel des Apothekers Dohnal zu Leipzig ist ein weiteres 
Moment bei der Bekämpfung entzündlicher Vorgänge in den Luft¬ 
wegen hinzugefügt werden. Sem. Ajow^an, aus dem der Phenolkörper 
Thymol gewonnen wird, soll hier in dem Sinn einer Entwicklungs¬ 
hemmung entzündungserregender Bakterien wirksam sein. Das 
Medikament Thymobronchin hat nach Angabe des Verfertigers 
folgende Zusammensetzung: 

Infus. Spec. expectorant. Ajowan (30 Proz.), 5040 Proz. 


Extr. „ „ „ spirit 4,00 

Kal. bromat.0,60 

Saccharin.45,00 


Seine vielfache Anw'endungsmöglichkeit bei Pneumonie, Pertussis, 
Bronchitis, Bronchoblennorrhoe, Phthisis, Asthma bronchiale und 
anderen Affektionen der Respirationsorgane wird durch meine Er- 


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55 


fahrungen sicher gestellt. Es hat den Vorteil unschädlich zu sein, 
die.Schleimhaut des Magendarmtraktus nicht zu reizen und die 
Nieren unbehelligt zu lassen. Seine Resorptions- und Ausscheidungs¬ 
verhältnisse müssen günstig sein, tvenn es gestattet ist, die Ursache 
nach der prompten und intensiven Wirkung zu beurteilen. Sein 
klares, appetitliches Aussehen, seine Haltbarkeit, Wohlgeschmack 
und Bekömmlichkeit sind Momente, die hervorgehoben zu werden 
verdienen. Das Präparat dürfte, wenn man noch einen praktischen 
Gesichtspunkt hinzufügen will, nämlich seinen niedrigen 
Preis von 2,35 Mk. für die Orginalflasche (Inhalt ca. 330°) und 
1,— Mk. für die Flasche in Kassen-Packung (Inhalt ca. 160 °) ge¬ 
eignet sein, das Interesse der Therapeuten in Anspruch zu nehmen. 

E. 

Die Jodbehandlung des Rachens zur Beseitigung von 

Diphtheriebazillen. 

Von Dr. R. Schlichting-Kassel. 

Nach dem Referat mit gleicher Überschrift auf Seite 46 dies. 
Jahrgangs des „Kinder-Arzt“ wird von S. Abel-Bergen die Ein¬ 
blasung von Jod in den Pharynx und den Nasenrachenraum 
empfohlen und die von Strauch empfohlene Pinselung der Ton¬ 
sillen an 3 Tagen erwähnt 

Vor dieser allgemeinen Anwendung von Jodtinktur im Hals be¬ 
sonders bei Kindern möchte ich auf Grund meiner Erfahrungen 
warnen. 1909 sah ich nach einmaliger Rachenpinselung mit Jod¬ 
tinktur ein schweres ödem mit starker Behinderung der Atmung, 
bei dem die Tracheotomie schon in Aussicht genommen wurde. 
Nach Eisumschlägen und Schlucken von Eisstückchen ging der 
ängstliche Zustand nach einigen Stunden zurück. Es handelte sich . 
um Idiosynkrasie gegen Jod. 

Diese Idiosynkrasie ist aber nicht so selten. Ich sah in den 
letzten Jahren noch weitere Fälle; bei einem Herrn kam es nach 
Anwendung eines Stückchens Jodoformgaze von 3>/ 2 cm 2 auf eine 
kleine Rißwunde am Finger zu einer starken ödematösen Schwellung 
der ganzen Körperhaut, besonders des Gesichts, mit Fieber, so daß 
die aufs äußerste erschreckten Angehörigen noch in der Nacht ihn 
ins Krankenhaus brachten. 

Ein Jodexanthem mit Fieber nach Auswischen der Vagina mit 
Jodtinktur vor einer Scheidenplastik erlebte ich vor 4 Wochen. 

Ich würde, da es sich bei der Jodbehandlung des Rachens nicht 
um einen eiligen Eingriff handelt, empfehlen, durch eine Pinselung 
eines kleinen Bezirks am Körper, z. B. eines Fingergliedes, festzu¬ 
stellen, ob Jod vertragen wird, und erst am nächsten Tage den 
Rachen zu pinseln. Auf jeden Fall müssen die Angehörigen die 
strenge Weisung erhalten, bei beginnendem Glottisödem sofort ärzt¬ 
liche Hülfe zuzuziehen. 


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56 


Referate. 

Erfahrungen mit Yatren purisslmum zur Unterstützung 
der Diphtheriebehandlung. Von F. J. Freund-Berlin- 
Schöneberg. (D. m. W., 1913, Nr. 48.) 

Zusammenfassend glaubt Verf., daß, da das Serum nur gegen 
die Toxine der Bazillen wirkt, dem Yatren insofern eine direkte 
Heilwirkung zukommt, als es infolge seiner Tiefenwirkung die 
Bazillen am Ort ihrer Ansiedlung, auch in den tiefen Nischen und 
Buchten der Mandeln, vernichtet und so durch Eliminierung der¬ 
selben die Quelle weiterer Toxine aufhebt. 

F.’s Ansicht nach müßte in allen Fällen von Diphtherieerkran¬ 
kung neben sofortiger Serumspritze gleichzeitig die Yatrenbehandlung 
Anwendung finden, um eine weitere Zufuhr von neuen Toxinen 
möglichst zu hindern, und zwar lokal und intern zugleich: 

1. in allen Fällen von Diphtherieerkrankungen neben sofortiger 
Seruminjektion, 

2. ganz besonders dann, wenn aus irgendwelchen Gründen das 
Serum verweigert wird, 

3. prophylaktisch bei der Umgebung Diphtheriekranker, 

4. bei Streptokokken-Anginen etc. Hier dürfte das Yatren 
ebenfalls eine Beschleunigung des Heilungsprozes'ses zur Folge 
haben. 

6. Die Yatrenbehandlung in den ersten beiden Punkten dürfte 
zur Vermeidung von Nierenreizungen besonders angezeigt erscheinen. 

Die interne Darreichung ist von Fall zu Fall zu dosieren, von 
0,2 - 0,5 zwei- bis dreimal pro die. In Fällen allzu starker, reich¬ 
licher Darmentleerung ist gegebenen Falles zeitweise die interne 
Medikation zu unterbrechen. S. 

Beitrag zur Serumtherapie des Scharlachs. Von 

Moog. (Aus der Med. Klinik des Städtischen Krankenhauses 
zu Frankfurt a. M. — Ther. Monatsh., 1914, H. 1.) 

Es wurden 25 mittelschwere bis schwere Scharlachfälle mit 
Menschen-Normalserum behandelt. Die Verabreichung erfolgte aus¬ 
schließlich intravenös in Dosen von 80—100 ccm bei Kindern, und 
100—180 ccm bei Erwachsenen. Ein therapeutischer Erfolg ist nur 
dann zu erwarten, wenn die angegebenen Mengen innerhalb der 
ersten 3 Krankheitstage gegeben werden. Am geeignetsten und am 
deutlichsten von Heilwirkung begleitet waren die toxischen Schar¬ 
lacherkrankungen, während die septischen Formen, bei denen schwere 
nekrotische Angina, Lymphadenitis kolli etc. im Vordergrund 
standen, weniger günstig beeinflußt wurden. Patienten, die be¬ 
nommen, mit schlechtem Puls und hohem Fieber in Behandlung 
kamen, waren in etwa 12—16 Stunden vollkommen wohl und 
fieberfrei. Der Scharlach war sozusagen mit einem Schlag beseitigt 
Von den 25 Fällen zeigten 7 diesen Idealverlauf. Bei 13 anderen 
trat der kritische Abfall von Puls und Temperatur auch ein, war 
aber nicht konstant, 1 sondern es erfolgte am 2. oder 3. 
Tag nach der Infusion ein erneuter Fieberanstieg, der allerdings 
die alte Höhe nicht wieder erreichte. — Sodann fiel die Temperatur- 


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57 


kurve meist lytisch ab. Die Besserung des Allgemeinbefindens war 
auch bei diesen Fällen Unverkennbar und geradezu in die Augen 
springend. Die 5 weiteren Erkrankungen waren auszuschalten, 
weil teils zu spät, teils zu wenig infundiert wurde oder Kompli¬ 
kationen Vorlagen, die höchstwahrscheinlich eine sichtbare Wirkung 
verdeckten. Unter den 25 Erkrankten war 1 Todesfall. Weitere 
Untersuchungen sind in Aussicht gestellt. Autoreferat 

Uber die phvsikalische Behandlung der chirurgischen 
Tuberkulose. Von Fritz W a c h s n e r - Berlin. (A. d. chirurg.- 
orthop. Abt. der Univ.-Kinderklinik Graz. Ehern. Leiter: 
Prof. Dr. Spitzy. — M. K., 1913.) 

Bei der früher viel diskutierten Frage, ob die chirurgische 
Tuberkulose des Kindesalters operativ oder konservativ zu behan¬ 
deln sei, darf nach Ansicht des Verf. die Fragestellung nicht lauten, 
mit welcher Methode kommt man rascher zum Ziel, sondern auf 
welche Weise gelingt es am besten, die Funktion zu erhalten und 
in der Nachbehandlung das Kind von orthopädischen Apparaten zu 
befreien. Niemals darf die Zeitfrage in den Vordergrund des In¬ 
teresses gestellt werden, da ja bei den im Schulalter befindlichen 
Patienten die Zeit nicht die Rolle spielt wie bei Erwachsenen. Die 
beste Funktion und die geringste Verstümmelung liefert nun 
zweifellos die konservative Behandlung. Konnten darüber früher 
nun Zweifel bestehen, so haben die glänzenden — auch in funk¬ 
tioneller Hinsicht — Erfolge Rolliers alle Zweifel behoben. 
Gegenstand der Diskussion kann also heute nur noch sein, wie 
lassen sich die physikalischen Momente, die der Rolli er’schen 
Therapie zu Grunde liegen, auch in der Tiefebene durchführen, da 
die meisten der Patienten mit chirurgischer Tuberkulose sich einen 
längeren Aufenthalt im Hochgebirge nicht leisten können. Nach 
Ansicht des Verf. spielen die langwelligen, die „Wärme u strahlen, 
abgesehen von den allgemeinen klimatischen Faktoren, mit die 
Hauptrolle bei der Heliotherapie, indem ja auch Rolli er annimmt 
daß das Hautpigment die kurzwelligen, chemischen Strahlen in 
langwellige, d. h. Wärmestrahlen umwandelt, die als solche in die 
Tiefe dringen und wirken. Verf. empfiehlt daher auf Grund einer 
mehrjährigen Erfahrung an über 300 Fällen auf das angelegent¬ 
lichste die konstante Anwendung mittlerer Wärme bei allen 
Formen von chirurgischer Tuberkulose, mittlere Wärme in irgend 
einer Form, die dem Kindesalter angepaßt ist, also z. B. von 
chemischen oder elektrischen Thermophosen usw. Den Hauptwert 
legt Verf. auf die mittlere Wärme, da hohe Temperaturen schaden. 
Auch die Sonne wirkt auf das Gelenk mit mittleren Temperaturen 
ein. Nächst der Wärme empfiehlt der Verf. die Anwendung der 
Quarzlampe und harter Röntgenstrahlen. Auch die Diathermie 
hat eine große Zukunft, ist vorläufig aber noch zu teuer und zu 
wenig erprobt Alle diese physikalischen Heilverfahren, deren 
Kombination sich sehr bewährt, machen aber eine orthopädische 
Behandlung nach wie vor notwendig, sonst entstehen Kontraktur¬ 
stellungen. Auf die extreme Fixation in starren Gipsverbänden 


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hat Verf. in den letzten Jahren verzichtet, statt dessen wendet er 
gefensterte, abnehmbare Verbände aus Gips oder Zelluloid und 
Schienen im Sinne der alten T h o m a s schienen an, die entlasten, 
aber doch Ankylosierung der Gelenke bei leichter Extension ver¬ 
meiden lassen. Auch das Dazwischenschalten von Liegekuren mit 
Dauerextension und permanenter Wärme zwischen die einzelnen 
Verbandperioden hat sich dem Verf. gut bewährt. Auf diese Weise 
gelingt es in den meisten Fälllen, nicht nur eine Ausheilung, sondern 
auch eine ganz leidliche Funktion zu erzielen. Autoreferat. 

Die Skrofulöse und ihre Behandlung. Von Stefan Engel- 
Berlin. (M. Kl., 1913, Nr. 51.) 

In dem Fortbildungsvortrage werden die Möglichkeiten für die 
Auffassung der Skrofulöse besprochen, welche sich aus den modernen 
Forschungen über die Diathesen und die Immunität bei Infektionen 
ergeben. Die Hauptfrage, welche beantwortet werden mußte, war 
die, welche Beziehungen zwischen exsudativer Diathese, Tuberkulose 
und Skrofulöse bestehen. Es werden ja nach dieser Hinsicht ver¬ 
schiedene Meinungen vertreten. Während die einen der Ansicht 
sind, daß die Skrofulöse eine einfache Summation von Diathese 
und Infektion sei, glauben andere, daß es sich um eine enge Wechsel¬ 
wirkung beider handele. Der Vortragende kommt im großen und 
ganzen zu der Auffassung, daß sich die Tuberkulose von der Skro¬ 
fulöse nicht trennen läßt, daß sie für die Entstehung des Krank¬ 
heitsbildes nicht ganz unerläßlich, aber doch in den meisten Fällen 
von der größten Wichtigkeit sei. Die Skrofulöse erwachse auf 
dem Boden der exsudativen Diathese und werde meistenteils durch 
den von der Tuberkulose ausgehenden andauernden und spezifischen 
Reiz erzeugt und unterhalten. Die besondere mit der exsudativen 
Diathese verbundene Empfindlichkeit der Haut und der Schleim¬ 
haut werde noch weiter durch die Tuberkulose gesteigert. Dem¬ 
gemäß müßte die Therapie darauf bedacht sein, die Uberempfind¬ 
lichkeit zu beseitigen, ein Ziel, das sich auf diätetischem Wege und 
auch durch die Behandlung mit Tuberkulin erreichen lasse. Daneben 
spielt natürlich die Behandlung mit Lebertran event. auch mit Jod 
und vor allen Dingen auch die klimatische Beeinflussung eine Rolle. 
Bezüglich des letzteren Punktes wird darauf hingewiesen, daß große 
kostspielige Reisen an die See oder ins Hochgebirge sich meist ver¬ 
meiden lassen, weil schließlich jede Freiluftbehandlung von günsti¬ 
gem Einfluß ist. Autoreferat. 

Der Stand der Heine~Medin’sehen Krankheit (epide~ 
mischen Kinderlähmung) in Bayern. Auf Grund der 
von der Münchener Gesellschaft für Kinderheilkunde veran¬ 
stalteten Sammelforschung. Von Albert U f f e 11 h e i m e r - 
München. (M. m. W., 1913, Nr. 5.) 

Im Februar 1913 ging an sämtliche Ärzte des Landes ein Frage¬ 
bogen hinaus, um den derzeitigen Stand der Heine -Medin -Epidemie 
festzustellen, welche (wenigstens nach den in München gemachten 
Erfahrungen) etwa im Mai/Juni 1912 begonnen hatte. Von ausge¬ 
sandten rund 3200 Fragebogen wurden 990 beantwortet: hiervon 


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waren 841 Fehlanzeigen: 54 Ärzte berichten über Erfahrungen aus 
früheren Jahren und nur 95 über positive Beobach tungen aus 
der Berichtzeit Insgesamt wurden für diese 248 Fälle ange¬ 
meldet; nach Vornahme der notwendigen Reduktion für die doppelt 
gemeldeten Fälle (consultative, Krankenhausbeobachtungen) ergaben 
sich als Mindestzahl noch 197 Krankheitsfälle. Deutlich ließen 
sich gewisse Zentren der Erkrankung wahrnehmen. Am schwersten 
betroffen war die schwäbisch-bayerische Hochebene; in 
Oberbayern gruppierten sich die Fälle vorwiegend um die Haupt¬ 
stadt, in Schwaben waren sie besonders gehäuft im Bezirksamt 
Mindelheim. Merkwürdigerweise lokalisierte sich die Krankheit vor¬ 
wiegend in denS tädten; nur der KreisSch waben bildete eineAusnahme von 
dieser Regel. Die Verfolgung des Ganges der Epidemie der Jahre 
1912/13 zeigt, daß auch vorher schon deren Vorboten zu bemerken 
w ? aren. Besonders die Sommer- (aber auch die Herbst-) Monate 
waren ihrer Weiterverbreitung günstig. — Meist handelte es sich 
um Extremitätenlähmungen. In 17 Fällen trat die Krankheit ohne 
wahrnehmbare Lähmungen auf, 23 mal wurden Gehirnlähmungen 
und 36 mal Gehimnervenlähmungen beobachtet. Gestorben sind 20 
Kranke (unter ihnen allerdings zweifelhafte Fälle bei Erwachsenen). 
Unter geeigneten Bedingungen ließ sich die Infektiosität und 
K011 tagiosität der Erkrankung mit aller Deutlichkeit nachweisen. 
Geschw'ister-Erkrankungen, mehrfache Erkrankungen im gleichen 
Hause, Übertragungen von einem Zentrum aus wurden mehrfach 
gemeldet, sogar Spitalsinfektion wmrde beobachtet. Gleichzeitige 
anginöse, katarrhalische, fieberhafte Erkrankungen wurden von 13 
Ärzten gemeldet, auch ein Postponieren oder Anteponieren solcher 
Erscheinungen wurde vermerkt. Die Möglichkeit der Infektion 
durch die Tierwelt wird mehrfach ventiliert. Eine Erkrankung 
soll sich beispielsweise an den Besuch eines zoologischen Gartens 
angeschlossen haben. Die Disposition zur Akquisition des 
„H e i n e - M e d i n“ wird in mehreren Antworten behandelt. I111 wesent¬ 
lichen werden vorausgehende Infekte angeführt, ein paar Mal auch 
konstitutionelle Erkrankungen. Schließlich wird noch Einiges über 
den Weg der Krankheit lind die Ursachen ihrer Verbreitung, über 
Form und Verlauf der Erkrankungen, über Differentialdiagnose und 
Therapie berichtet. 

Die beamteten Ärzte, die ihrer Beteiligung an der Sammel¬ 
forschung nach offenbar ein hohes Interesse an derselben nahmen, 
waren nicht selten über die in ihrer nächsten Umgebung 
vorgekommenen Erkrankungen an „Heine-Medin“ gar 
nicht unterrichtet. „Will man aber aktiv die Verbreitung der 
Epidemie verhindern, so ist es durchaus nörtig, daß der Am^rzt. 
der ja in diesem Falle die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen hat, 
sofort vom Ausbruch einer solchen Krankheit unterrichtet w r ird 
— es ist also die Anzeigepflicht des „Heine-Medin“ 
durchaus notwendig. u Autoreferat. 

Beiträge zur Kenntnis der englischen Krankheit. Von 

Pfleiderer-Ulm. (Ärztl. Rdsch., 1914, Nr. 1.) 

Das „primum oriens et ultimum moriens u der Rachitis ist fol- 


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gendes Erscheinungsbündel: dicker Bauch, grüne Stühle, grüner 
Harn, Gichter (= Konvulsionen). — Pf. vermutet eine Mikrobenart, die 
im Darm lebt und mit dem Bazillus indigenus, wie auch dem 
Pneumobazillus Friedländer verwandt ist, und die aus der Milch 
der Nahrung, besonders aus artfremder Milchsäure und einen grau¬ 
blauen Farbstoff hervorbringt, den ich noch nie im Harn Rachitischer ver¬ 
mißt habe, den ich aber sonst sehr selten finde. — Die Milchsäure 
entkalkt die Knochenenden (Epiphysenlinien) und zwar zuerst die 
der Rippen, dann die der übrigen Rumpfknochen, danach die der 
Beine und Arme, zuletzt die der Knochen. Manchmal ist diese 
Reihenfolge eine andere, manchmal wird fast nur das eine Knochen¬ 
system ohne wesentliche Mitbeteiligung der anderen betroffen. — 
Wer nur da Rachitis diagnostiziert, wo a 11 e diese Erscheinungen vor¬ 
liegen, der diagnostiziert sie zu selten. — Den Farbstoff weise ich 
durch die von Pf. modifizierte Indikationsprobe nach: glei¬ 
che Teile Harn und rohe Salzsäure werden mit einander gekocht 

Autoreferat 

Die Anzeigen der Nährbehandlung bei Säuglingen. Von 

R. W. Raudnitz. (Prag. med. Wochenschr., 1914, Nr. 2.) 

Unter dieser Überschrift will R. hervorheben, daß Mißerfolge 
und der modeartige Versuch der Nährbehandlung auf Ungenügen 
der Indikationsstellung beruhen. Diese ist aber ohne genaue 
Diagnose nicht möglich. Deshalb geht er die Symptome durch, 
welche zur Nährbehandlung Veranlassung geben. Erbrechen: 
Bei Neugeborenen am häufigsten durch Zersetzung verschluck¬ 
ten Fruchtwassers im Magen. Beispiel, wo durch Schwefel¬ 
wasserstoffbildung schwere Vergiftungserscheinungen hervorgerufen 
wurden, welche nach Magenausspülung verschwanden. Die ge¬ 
wöhnlichste Ursache des schon in den ersten Tagen einsetzenden 
und lange dauernden Magenkatarrhs. Deshalb Magenausspülung 
des verschluckten Fruchtwassers vor der ersten Nahrungsaufnahme. 
Bei Gelbsucht der Neugeborenen in den Tee, später, wenn 
nicht genügend Muttermilch vorhanden, in die hausgemachte 
Mandelmilch doppeltkohlensaures Natron — 2 g auf 200 Flüssigkeit 
Erbrechen bei Hirnblutungen des Neugeborenen mit Fieber. 
Uberfütterungserbrechen: 2 Proz. des Körpergewichtes bis 
7,3 Proz. bei 5 Mahlzeiten. Letztere bei über 3 Kilo schweren, 
erstere bei schwächeren und bei Kindern aus Familien mit Magen¬ 
geschwüren. Infolge der Art der Frauenmilch: rässe (salzig 
schmeckende), sehr fettarme, während der Menses, nach häufigem 
Geschlechtsverkehr, bei fieberhaften oder Magendarmerkrankungen 
der Mutter. Hier probeweise eine Mahlzeit anderer Art z. B. Mandel¬ 
milch. Folge von Luftschlucken. Bei Kuhmilchnahrung: 
Ausspeien oder Erbrechen einer nach gesäuertem Mais oder Rüben¬ 
schnitzeln riechenden Milch. Er verwendet für gewöhnlich ^Proz. 
Fett enthaltenden Rahmes oder ^3 bis V2 Milch oder */ 3 Strippmilch 
(die letztgemolkene ungefähr 6 Proz. Fett enthaltende). Im Falle 
des Erbrechens verdünnte Milch, Mehlschleimmilch, Pegninmilch, 
Mandelmilch, Bei gleichzeitigem Fieber und Durchfall: Magen- 


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6i 

ausspülung, Wasserdiät i—5 Tage. Dauern die Erscheinungen an, 
so handelt es sich entweder um schwere Intoxikation (Nephritis 
als Symptom) oder um Infektion mit Typhus oder Paratyphus. In 
letzterem Falle sehr bald Mehlsuppen mit steigender Milchzugabe. 
In ersterem Falle meist gesüßten Tee, dann von Mahlzeit zu Mahl¬ 
zeit steigender Zusatz von Milch, falls dieser nicht vertragen wird, 
von Mandelmilch, welche mit Eichelkaffee, Mehlabkochungen, mit 
Kuhmilch gemischt wurde. Bei chronischem Magenkatarrh aber 
alkalinisierte Buttermilch oder Eiweißmilch. Theoretisch sucht 
R. die Giftigkeit der Molke nicht in den Salzen, sondern in Bakterien¬ 
giften. Autoreferat 

KaseTnkalziummllch bei Ernährungsstörungen der Säug~ 
linge. Von Carl Beck-Frankfurt a. M. (Aus dem Kinder¬ 
heim in Frankfurt a M. — M. Kl., 1914, Nr. 4.) 

B. hat im vergangenen Jahr das vonStoeltzner als Ersatz für 
Eiweißmilch angegebene Larosan, das um beinahe die Hälfte billiger 
als jene ist, bei 50 Kindern angewandt. 

Die Stoeltznersehe Vorschrift zur Herstellung eines Liters 
Larosanmilch hat B. dahin vereinfacht, daß man drei Eßlöffel 
(= 20 g) Larosan mit etwas kalter Milch verrührt, zu */a 1 kochender 
Milch gießt, das Ganze noch einigemal aufwallen läßt und dann J / 2 1 
Verdünnungsflüssigkeit zusetzt. Das Pulver löst sich bei gutem Ver¬ 
quirlen, auch bei Verwendung größerer Mengen, sehr leicht auf. 
Das lange Kochen und das Seihen durch ein Haarsieb sind unnötig. 

Bei schweren Erkrankungen gab B. zunächst nur ein Drittel Milch¬ 
mischung, nicht selten in Verbindung mit Frauenmilch, und erhöhte 
zuweilen den Larosangehalt nach Gutdünken. 

Als Verdünnungsflüssigkeit wählte er je nach Lage des Falles 
abgekochtes Wasser, Schleim oder Mehlsuppe. Ausnahmslos fügte 
er schon am zweiten Tag 1 Proz. Nährzucker hinzu und.stieg mit 
diesem jeden Tag bis zu mindestens 5 Proz., in manchen Fällen 
bis zu 10 Proz. 

Gewöhnlich verordnete B. sofort Kasei'nkalziummilch, nur hier 
und da zu Beginn der Behandlung erst einige Teemahlzeiten. Er 
ließ die Nahrung in drei- bis vierstündigen Pausen und in kleinen 
Portionen reichen. 

Genau wie bei der Behandlung mit Eiweißmilch traten bald 
trockene, übelriechende Seifenstühle auf. Nach Kohlehydratzusatz 
sistierte der Gewichtsabfall rasch, und es folgte ein meist gleich¬ 
mäßiger Gewichtsanstieg. 

Nach 8 oder 14 Tagen oder auch erst nach mehreren Wochen 
ging B. dann zu anderer Nahrung über, zunächst stets zu 1 / a Milch, 
mit dem entsprechenden Nährzuckerzusatze, dann zu 2 / 3 Milch und, 
wenn angängig, zu gemischter Kost. 

Schwere Fälle von Intoxikation wurden in dem letzten günstigen 
Sommer nur ganz vereinzelt beobachtet. B. konnte im Kinderhospital 
vier solche Kranke behandeln und hat den Eindruck gehabt, daß 
es hierbei nicht so günstig wie die Eiweißmilch wirkt. Aber bei dem 
kleinen Versuchsmaterial möchte er darüber kein abschließendes 
Urteil abgeben. 


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Nach B.’s Versuchen wirkt die Kasei'nkalziummilch auf akute 
und subakute Dyspepsien und Enterokolitiden der Säuglinge und 
Kinder genau so wie die Eiweißmilch überaus günstig ein und 
führt auch bei geeigneten Fällen von Dekomposition zu Gewichts¬ 
anstieg. Sie ist, abgesehen von der Billigkeit, wegen ihrer außer¬ 
ordentlich leichten und bequemen Herstellung besonders für die 
Privatpraxis zu empfehlen. Autoreferat. 

Geistesstörung und Kriminalität im Kindesalter. Von 

J. Ra ecke-Frankfurt a. M. (M. Kl., 1914, Nr. 2.) 

Unter 371 begutachteten Fürsorgezöglingen waren 292 Kinder 
bis zu 16 Jahren kriminell geworden. Von ihnen hatten 3 / ö Eigen- 
tumsvergeheif verübt, fast l / b sexuelle Delikte, der Rest Schul¬ 
schwänzen mit Umhertreiben und Roheitsdelikte einschließlich Tier¬ 
quälerei und Sachbeschädigung. 

Nur in einem knappen Viertel der Fälle war nichts Patholo¬ 
gisches nachweisbar. In der Hälfte der Fälle bestand Schwachsinn 
verschiedenen Grades. Epilepsie wurde 22 mal beobachtet, sichere 
Hysterie 16 mal, im Übrigen Erscheinungen von Psychopathie in 58 
Fällen. 8mal ließ sich der Verdacht auf Hebephrenie begründen; 
davon hat der Verlauf bisher in 4 Fällen die Diagnose bestätigt. 

Die ersten Anzeichen eines einsetzenden Jugendirreseins, die 
sich unter Umständen weit in die Kindheit zurückverfolgen lassen, 
erfahren eine eingehendere Besprechung. 

Hinsichtlich der sexuellen Delikte fiel auf, daß bei den geistig 
gesunden Kindern Verführung die weit überwiegende Ursache der 
sittlichen Verfehlung bildete, während von den Psychopathen die 
Hälfte eigenen perversen Antrieben folgte, die Hysterischen sämt¬ 
lich und von den Schwachsinnigen die überwiegende Majorität. 

Instruktive Beispiele von der Gefährdung anderer Kinder durch 
geistig minderwertige mit sexuellen Triebneigungen werden mitgeteilt 
sowie Fälle, in denen Erwachsene fälschlich von Mädchen unsitt¬ 
licher Attentate beschuldigt wurden. 

Derartige gefährliche Elemente gehören nicht in die gewöhnlichen 
Erziehungsanstalten, wo sie nur zu leicht Gelegenheit haben, auf 
ihre Kameraden moralisch vergiftend einzuwirken. Autoreferat. 

Zur Technik der Duodenalsondierung. Von Siegfried W o 1 f f. 

(Aus der Kinderabteilung des Städt. Krankenhauses zu Wies¬ 
baden. — Therap. Monatsh., 1913, Dezember.) 

Verf. tritt in dieser Arbeit warm für die Fütterung mittels 
Duodenalsonde als Behandlung der Pylorusstenosen im Säuglings¬ 
alter ein, die unstreitig einen großen Fortschritt in die Therapie 
dieser schweren Erkrankung bedeutet, zumal sie, wenn auch zeit¬ 
raubend, doch auch im Privathause durchführbar ist. W. hat sich 
bemüht, 2 technische Schwierigkeiten zu beseitigen, die der Methode 
bisher anhafteten: 1. Die Frage zu lösen, wann man wirklich im 
Duodenum ist, 2. das übermäßig starke Würgen zu vermeiden, das 
leicht zu einem Zurückgleiten der Sonde führen kann. Ad. 1: W. 
läßt, wenn er glaubt, im Duodenum zu sein, etwas Nahrung einlaufen 


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^3 

und reizt dann die Kinder zum Würgen. Kommt dabei die eben 
eingelaufene Nahrung wieder heraus, so ist die Sonde im Magen 
aufgerollt, andernfalls ist sie sicher im Duodenum. Ad. 2: Das über¬ 
mäßige Würgen wird vermieden, indem man den Kindern vor Ein¬ 
führung der Sonde entweder 1 Teelöffel 3 proz. Anästhesinemulsion, 
besser noch 1 kleine Messerspitze Anästhesin und Saccharum äa oder 
einen Teelöffel einer 1 proz. Subkutinlösung gibt. Dadurch wird die 
hintere Rachenwand für schwache Reize unempfindlich, das Würgen 
fällt fort, und die Sonde gleitet spielend ein. Schließlich kann 
man noch, um einen evtl. Spasmus, der sich ja auch bei typischen, 
organischen Stenosen findet, zu beseitigen, 10 Minuten vor Ein¬ 
führung der Sonde subkutan Atropin geben, das auch jüngere Säug¬ 
linge in Dosen von 0,05 4 ng viermal täglich vertragen. 

Autoreferat 


Aus dem Gebiete der Säuglingsfürsorge. 

Kindersterblichkeit ln gerichtlich - medizinischer Be¬ 
ziehung. Von F. Straßmann. (Vierteljahrsschr. f. ger. 
Med. u. öffentl. Sanitätsw., 1914, H. 1.) 

Verf. bietet in seinem Aufsatz den Inhalt seines auf dem Inter¬ 
nationalen Medizinischen Kongreß von London erstatteten Referats. 
Zwei Wege bieten sich, der Abnahme der Bevölkerungszahl zu 
steuern, die Erhöhung der Geburtenzahl und die Verminderung 
der Sterblichkeit da, wo sie nicht den natürlichen Bedingungen 
des Lebens entspricht, im Kindesalter und zumal im Säuglingsalter. 

Wieweit sind die gerichtlichen Mediziner, die ärztlichen Berater 
der Strafrechtspflege, berufen und befähigt, der übermäßigen Kinder¬ 
sterblichkeit entgegen zu arbeiten? 

Große soziale Ubelstände müssen in der Hauptsache auf anderem 
Wege bekämpft werden, als auf dem der kriminellen Repression: 
auf dem Wege <jer Belehrung, der Fürsorge. 

Unter den kriminalistisch wichtigen Todesarten, die nur oder 
wenigstens ganz überwiegend bei Kindern und nicht bei Erwachsenen 
Vorkommen, sind im wesentlichen 2: Die Erstickung im Bett, sei 
es durch das Bett selbst, das in unvorsichtiger Weise so auf das 
Kind gelegt wurde, daß die Atemöffnungen verschlossen werden, 
sei es dadurch, daß die im selben Bett schlafende erwachsene 
Person im Schlaf sich auf das Kind wälzt und die Atembewegungen 
durch Druck auf den Thorax unmöglich macht. 

In zweiter Linie die fehlende oder mangelhafte Ernährung der 
Säuglinge, die speziell für uneheliche Pflegekinder in Frage kommt, 
und wenn sie absichtlich betrieben wird, bei uns mit dem populären 
Namen „Engelmacherei“ belegt wird. 

In seiner Zusammenstellung aus den Jahren 1906—10 hat Verf. 
keinen Fall, in dem die Leichenöffnung die volle Gesundheit des 
Kindes oder eine Verletzung (Rippenbrüche) ergeben hat, auch wenn 


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die vSektion unter dem ausdrücklichen Verdacht fahrlässiger Er¬ 
stickung vorgenommen ist. 

Wichtig ist die Frage nach der Bedeutung der vergrößerten 
Thymusdrüse in solchen plötzlichen Todesfällen. 

Vermag die vergrößerte Thymusdrüse durch mechanischen 
Druck auf die Luftröhre oder andere lebenswichtige im Brustkorb 
gelegene Organe einen plötzlichen Tod zu bewirken? 

Gibt es einen Status thymikus oder thymiko-lymphatikus, der 
mit chronischen Schädigungen, besonders des Herzens einhergeht 
und dadurch zu plötzlichen Todesfällen disponiert? 

Nach Verf. soll man die Möglichkeit eines plötzlichen Thymus¬ 
todes nicht bestreiten, aber als Todesursache kommt ihr eine er¬ 
hebliche Bedeutung beim plötzlichen Tode der Kinder nicht zu. 
Vor 20 Jahren hat Verf. einen solchen Fall mitgeteilt, seitdem nie 
wieder einen solchen beobachtet 

Es erscheint geboten, gegenüber der Diagnose des Status 
thymikus größere Zurückhaltung und Vorsicht zu üben, als es 
manchmal geschieht Bei plötzlichen Todesfällen junger Kinder 
war Verf. nie genötigt, auf diese Ursache zurückzugreifen, sondern 
konnte immer noch andere Befunde erheben, die den Tod ander¬ 
weitig erklärten, insbesondere Bronchial- und Enterobronchial- 
katarrhe, die eine wesentliche Rolle spielen beim schnellen Tode 
kleiner Kinder. 

Von 240 — sämtliche in Berlin von 1906—10 vorgekommenen 
gerichtlichen Sektionen an Kindern der 2 ersten Lebensjahre, die 
angeblich plötzlich ohne erkennbare Ursache gestorben waren — 
Gutachten lautet die Todesursache: 17mal Bronchialkatarrh, 43 
Bronchialkatarrh mit beginnender Lungenentzündung, 7 Darmkatarrh, 
5 .Magenkatarrh, 1 Bronchial- und Magenkatarrh, 1 Bronchitis und 
Bronchopneumonie mit Magenkatarrh, 23 mit Darmkatarrh, 17 mit 
Magendarmkatarrh; bei 16 Fällen ist erheblich Rachitis erwähnt, 3 
Herzerweiterung, 1 ungewöhnlich große Thymus, 5 erhebliche Ab¬ 
zehrung, 9 mal trat der Tod unter Krämpfen auf, 2 mal war der Ver¬ 
dacht auf Erstickung durch weiche Bedeckung ausgesprochen. 

Eine abnorme Größe der Thymus mit oder ohne gleichzeitige 
Vergrößerung der lymphatischen Apparate stellt einen Befund dar, 
der wahrscheinlich eine abnorme, wenig widerstandsfähige Konsti¬ 
tution beweist, die sonst gleichgültige Schädlichkeiten abnorm stark 
wirken läßt und somit als Ursache plötzlichen Todes wohl zu be¬ 
rücksichtigen ist. 

Bei dem Verdacht, die Kinder durch ungenügende oder 
fehlende Nahrung beseitigt zu haben, hat der Obduktionsbefund nur 
Wert als unterstützendes Moment. Den größten Wert der Ma߬ 
regel, daß in Preußen alle ohne ärztliche Behandlung gestorbenen 
Pflegekinder gerichtsärztlich untersucht werden, erblickt Verf. darin, 
daß die Furcht der Entdeckung Verbrechen an den Kindern von 
vornherein verhütet. 

Neben der absichtlichen Beseitigung der Kinder durch mangel¬ 
hafte Ernährung kommt sicher viel häufiger eine fahrlässige Tötung 
durch unzweckmäßige Ernährung vor. Auch hier ist der Nach¬ 
weis aus der Sektion sehr schwer. 


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Die Hilfe des Strafrichters anzurufen gegen Unterlassungen 
der natürlichen Ernährung durch Muttermilch, erscheint Verf. be¬ 
denklich, schon weil der Erfolg zweifelhaft ist. 

Schlichting (Kassel). 

Die Säuglingssterblichkeit ln der TUbinger Poliklinik ln 
den Jahren 1911 und 1912. Von Marga Wolf. (Aus 
der Medizinischen Poliklinik zu Tübingen. Vorstand: Prof. 
Otfried Müller.) 

Die Säuglingsfürsorge liegt in Tübingen in den Händen der 
Universitätspoliklinik. Sie besteht in einer ambulatorischen Be¬ 
ratungsstelle für Säuglinge, die keine materiellen Vörteile gewährt, 
und in armenärztlicher Bezirkstätigkeit in den Wohnungen der. Be¬ 
völkerung, im Bedarfsfälle verbunden mit regelmäßiger Lieferung 
der Kindemahrung. Die Inanspruchnahme dieser Einrichtung steigt 
von Jahr zu Jahr: in den Jahren 1911 und 1912 standen j /ö—*/ 4 
sämtlicher Säuglinge unter distriktärztlicher Aufsicht. Durch einen 
Vergleich mit den Mortalitätsziffern anderer, benachbarter Orte, die 
gleiche soziale und klimatische Verhältnisse aufweisen, die wohl von 
der Säuglingsberatungsstelle Gebrauch machen können, aber die 
bezirksärztliche Fürsorge entbehren, wird der Einfluß dieser letzteren 
Einrichtung gezeigt. Es wird darauf hingewiesen, daß eben dieser 
Fürsorgetätigkeit in den Wohnungen nicht nur die niedere Mortali- 
täts-, sondern vor allem die niedere Morbiditätsziffer, speziell an Er¬ 
nährungsstörungen, zu danken ist; denn in Tübingen erzieht der 
Distriktsarzt die Bevölkerung zu vernünftiger Säuglingspflege und 
Säuglingsernährung. Autoreferat 

Die Abnahme der Geburtenziffern im Reglerungsbe* 
Zirk Magdeburg. Von Curtius. (Vierteljahrsschr. f. ger. 
u. öffentl. Sanitätsw., 1914, H. 1.) 

Bei der Beurteilung der Gründe aller hier in Betracht kom¬ 
menden Fragen muß viel mehr ins Einzelne gegangen werden, weil 
die Verhältnisse in den einzelnen Provinzen, Kreisen, Städten, 
Dörfern grundverschieden sind, und sich diese Unterschiede 
umsomehr verwischen, je größere Gruppierungen vorgenommen 
werden. 

Ein Minimum von Geburten findet sich in den Städten mit 
vorwiegend wohlhabender und stark mit Beamten und Pensionären 
durchsetzter Bevölkerung. (Potsdam, Schöneberg, Wilmersdorf, 
Wiesbaden). 

Magdeburg mit einer Geburtenziffer von 26,0 und einem Ge¬ 
burtenüberschuß von 9,3 reiht sich, trotzdem es mehr zu den In¬ 
dustriestädten gehört, direkt an diese Städtegruppe mit der 
geringsten Geburtenziffer und dem niedrigsten Uberschuß an. 

Ohne die ständige Auffrischung der städtischen Bevölkerung 
durch den Zuzug vom Lande würden die Verhältnisse noch viel 
ungünstiger liegen. 

Körperliche Degeneration der Männer kommt als Ursache nicht 
in Frage, wohl aber ist bei vielen Frauen ein dauernder oder vor¬ 
übergehender Nachlaß der Fortpflanzungsfähigkeit infolge von Er¬ 
krankungen der Gebärmutter nach anhaltender Fabrikarbeit, nach 


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dem Gebrauch antikonzeptioneller Mittel, nach provozierten Fehl¬ 
geburten eingetreten. 

Das Heiratsalter spielt bei der Fruchtbarkeit der Ehen eine 
wesentliche Rolle, weil die Fruchtbarkeit der Frauen ungefähr bis 
zum Alter von 25 Jahren steigt und dann allmählich sinkt. 

Das Beispiel kinderarmer Familien wirkt mit, die unteren 
Klassen ahmen nach. Die zunehmende Fabrikarbeit der Frauen ist 
auch mit schuld; das gleiche gilt von anderen ehehemmenden weib¬ 
lichen Berufen. 

Verf. berichtet über die weite Verbreitung der antikonzeptio¬ 
nellen Mittel, die überall in Friseurläden, Konfektionsgeschäften 
etc. vertrieben werden, für die in sozialdemokratischen Volks¬ 
kalendern Propaganda gemacht wird. 

Von den meisten der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bekämpfung 
des Geburtenrückgangs verspricht sich Verf. keinen Erfolg, auch 
nicht von der Aufklärung der Bevölkerung. 

Mehr kann man von der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit 
erwarten. Eine strengere Milchüberwachung könnte viel bewirken, 
desgl. Belehrung der Mütter durch Merkblätter in den warmen 
Monaten, Besserung der Wochenbettpflege, Einrichtung von Mutter¬ 
schaftskassen, Wohnungshygiene. 

Verf. erwähnt eine ganze Reihe von Beispielen, wie man gegen 
das Anpreisen antikonzeptioneller Mittel auf Grund der bestehenden 
Gesetze Vorgehen kann. Auch die Ärzte sind häufig in der Em¬ 
pfehlung derartiger Mittel zu weitherzig. 

Die Vergünstigung kinderreicher Familien muß ausgebaut 
werden. 

Verf. kommt zu folgenden Schlüssen: 

Im Regierungsbezirk Magdeburg setzt der Geburtenrückgang 
früher als im Staat ein und sind die Geburtenziffern in den Stadt¬ 
gemeinden im Durchschnitt berechnet früher höher als in den Land¬ 
gemeinden gewesen, aber schneller und tiefer gesunken. 

Die einzelnen Kreise zeigen je nach der Zusammensetzung der 
Bevölkerung und je nach lokalen Verhältnissen erhebliche Unter¬ 
schiede im Geburtenrückgang. In der Regel ist der Rückgang 
umso größer, je höher früher die Geburtenziffern waren. Der Rück¬ 
gang ist am geringsten in den Kreisen, die eine relativ zahlreiche 
Landwirtschaft treibende Bevölkerung besitzen, am höchsten in den 
Kreisen, die entweder in der Nähe von größeren Städten liegen 
oder industriereich sind. 

Der Rückgang beruht hauptsächlich auf einer beabsichtigten Be¬ 
schränkung der Kinderzahl und macht sich in den letzten Jahren 
mehr ziffernmäßig bemerkbar als früher, weil jetzt auch in den Ehen 
der großen Masse die Anwendung antikonzeptioneller Mittel Ein¬ 
gang gefunden hat, die durch Broschüren allgemein angepriesen, 
massenhaft in vielen Geschäften feilgehalten und durch Hausierer 
vertrieben werden. 

Die Bekämpfung des Rückgangs ist ziemlich aussichtslos, da¬ 
gegen der Ausgleich durch eine Verringerung der Sterblichkeit 
durch die bisher bewährten hygienischen Maßnahmen auch weiter 
erfolgversprechend. 


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6 7 


Außerdem empfiehlt sich eine energische Handhabung der be¬ 
stehenden Gesetze und Verordnungen über den ungesetzlichen 
Handel und Anpreisung von empfängnisverhindernden Mitteln. 

Ein Ausbau der Begünstigung kinderreicher Familien auf allen 
Gebieten durch staatliche und kommunale Behörden und die In¬ 
dustrie, z. B. durch Bereitstellung von größeren Arbeiterwohnungen 
in Staats- und Privatbetrieben, erhöhten Wohnungsgeldzuschuß bei Be¬ 
amten, Steuerprivilegien, Freistellen und Ermäßigungen in Er- 
ziehungs-, Erholungs-, Kranken- und ähnlichen Anstalten, Bevor¬ 
zugung bei Anstellung und Versetzung. 

Die Verringerung der Quantität ist durch eine Verbesserung 
der Qualität auszugleichen, zumal die schlechten Rassenelemente 
dem Staat ungeheure Summen kosten. 

Verf. bietet eine Reihe sehr instruktiver Tafeln. 

Schlichting (Kassel). 


Bücherbesprechungen. 

Fortschritte der Hygiene 1888—1913. Unter Mitwirkung 
von Prof. Dr. Gröber, Prof. Dr. A. Keller, Prof. Dr. 
Kemsies, Prof. Dr. Nietner, Prof. Dr. Sommerfeld. 
Herausgegeben von Dr. med. S. Kr eiss-Berlin. Im Selbst¬ 
verlag des Herausgebers. 1914. 8°, 304 S. Preis 4,— Mk. 

Das Werk enthält auf wissenschaftlicher Grundlage in leicht 
verständlicher Darstellung eine umfassende Übersicht über das Ge¬ 
biet der öffentlichen Gesundheitspflege und sozialen Hygiene. Es 
will nicht nur dem Fachmann, sondern auch weiteren Kreisen ein 
brauchbarer Führer sein, der über die Fortschritte der Hygiene auf 
den verschiedensten Gebieten und deren Nutzbarmachung im In¬ 
teresse unserer Volkswohlfahrt unterrichtet 

Diesem Zwecke entsprechend sind in dem Werke die ver¬ 
schiedenen Gebiete der Hygiene: Die Hygiene der ersten Lebens¬ 
jahre, die Fortschritte der Schul-Gesundheitspflege, die Gewerbe¬ 
hygiene, das Krankenhauswesen sowie das wichtige Gebiet der 
Tuberkulose und ihrer Bekämpfung von anerkannten Autoritäten in 
ausführlicher, dabei auch dem Laien leicht verständlicher Weise 
nach dem gegenwärtigen Stand von Gesetzgebung und .Wissen¬ 
schaft dargestellt. Das Buch verdient die weiteste Verbreitung. S. 

Orth opädi sehe Sonderturnkurse. Entstehungsgeschichte 
der Kurse, ihre zweckmäßige Einrichtung und ihr Wert bei 
der Behandlung der Wirbelsäulenverkrümmung. Von Dr. A. 
Blenke, Spezialarzt für orthopädische Chirurgie in Magde¬ 
burg und Leiter der Magdeburger Sonderturnkurse. Lex. 8° 
u. 260 S. mit 160 Textabb. Stuttgart 1913. Verlag von F. 
Enke. Preis 8,— Mk. 

Nachdem Schularzt und Turnlehrer in vorauf gegangenen Werken 
$ich zur Sache geäußert hatten, ergreift hier der Fachorthopäde 
<Jas Wort. Er tritt auf als Warner vor dem allzu großen Optimis¬ 
mus, der noch in vielen Fällen über die Wirksamkeit der Skoliosen¬ 
behandlung durch Sonderturnkurse herrscht und kritisiert mit 


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68 


ernster Sachkenntnis die bisherigen und zu erwartenden Leistungen. 
Vor allem aber gibt er allen, die solche Kurse einrichten müssen, 
Aufklärung und Anregung. Die ernste kritische Arbeit kann allen, 
die sich mit dem Thema beschäftigen müssen, nur empfohlen werden. 

F. Cordes (Dresden). 

Die Nordseeluftkur, ihre Grundlagen, Wirkungen, Metho¬ 
dik und Indikationen. Von Sanitätsrat Dr. Ide, Nordsee¬ 
insel Amrum. 8°, 92 S. Berlin 1914. Allgemeine medizinische 
Verlagsanstalt G. m. b. H. Preis 2,— Mk. 

Häufig sehen wir uns in der Lage, über Seeluftkuren in der 
Sprechstunde Aufschluß geben zu müssen. In dieser schwierigen 
Aufgabe, auf einem Gebiet zu raten, dessen klimatologische und 
physiologische Grundlagen, sowie dessen Angriffspunkte auf die 
notorisch günstig beeinflußten Krankheiten noch nicht vollkommen 
geklärt sind, kommt uns vorliegendes Werkchen zu Hilfe, das sich 
auf fünfzehnjährige seebadärztliche Erfahrungen und Studien eines 
gewiegten Praktikers stützt. F. Cordes (Dresden). 

Das Findelhaus, seine geschichtliche Entwicklung und 
sittliche Bewertung. Von Divisionspfarrer und Priv.- 
Doz. Dr. Ludwig R u 1 a n d - Münster. (Veröffentlichungen des 
Vereins für Säuglingsfürsorge im Reg.-Bez. Düsseldorf, H. 9 
u. 10.) gr. 8, IV u. 11 S. Berlin 1913. Carl Heymanns Ver¬ 
lag. Preis 2,— Mk. 

Das Buch wird durch eine geschichtliche Besprechung eröffnet, 
hier werden nach einer sehr eingehenden Würdigung der Literatur 
die ersten Anfänge des Findelhauses in allen Kulturländern be¬ 
handelt, besonders eingehend wird dann in Deuschland diese Ent¬ 
wickelung verfolgt in den verschiedenen Städten, im Mittelalter und 
in der Neuzeit. In Frankreich war der heilige Vinzenz von Pau 
der Begründer der Kinderfürsorge und des Findelwesens. Im zweiten 
kritischen Teil wird dann die Frage erörtert: sind die Findelhäuser 
sittlich gut oder schlecht? Dann wird zum Schluß das Findelwesen 
in Verbindung mit der Säuglingspflege, dem Geburtenrückgang und 
der Rassenhygiene gebracht. 

Das Büchlein wird wegen seiner umfassenden Literatur, seiner 
Gründlichkeit und Vielseitigkeit für immer ein grundlegendes für 
die Frage des Findelhauses bleiben. Hanssen (Kiel.) 

Mutterbriefe. Leitfaden zur Pflege und Ernährung des Säug¬ 
lings von Lillie Oberwartli- Berlin - Wilmersdorf. Mit 
einem Vorwort von Prof. Dr. med. H. Neu mann-Berlin. 
8° u. 85 S. mit 4 Taf. 2. Aufl. Leipzig 1913. Verlag von 
Th. Grieben (L. Fernau). Preis 1,20 Mk., geb. 1,50 Mk. 

Die Vorträge sind als Briefe an eine junge Mutter geschrieben, 
die ihrer Entbindung entgegen sieht. Was diese Vorträge aus¬ 
zeichnet, das ist ihre große Wärme wie eben nur eine Frau an eine 
Frau schreiben kann. Dann berührt wohltuend die Einfachheit 
der Sprache mit Vermeidung aller Fremdwörter. Auf Sparsamkeit 


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in Verbindung mit Zweckmäßigkeit in Kleidung und Einrichtung 
wird großer Wert gelegt 

Lager, Kleidung und Bad des Kindes werden in den ver¬ 
schiedenen Abschnitten behandelt. Dann die Erziehung sowie die 
Ernährung im allgemeinen. Weiterhin die Ernährung an der 
Mutterbrust und an der Flasche, den Schluß bildet ein Abschnitt 
über Krankheiten des Säuglings, hier wird großer Wert auf recht¬ 
zeitiges Holen des Arztes gelegt. Einige sehr gute Abbildungen 
zieren das Buch, leider nur 4, in andern Büchern findet man der¬ 
gleichen mehr. Nach dem Vorgänge von v. Esmarch bei der Sama¬ 
riterlehre halte ich eine große Zahl von Abbildungen bei derartigen 
Werken für durchaus angebracht, weil man dadurch viele Worte 
beim Belehren sparen kann 'und ein Bild im Gedächtnis leichter 
haftet als ein langer Satz mit vielen Erklärungen. 

Hanssen (Kiel). 

Die Wirkung des chronischen Alkoholismus auf die 
Organe des Menschen, insbesondere auf die Ge¬ 
schlechtsdrüsen. Von ehern. Priv.-Doz. Dr. med. Eduard 
Bertholet - Lausanne. Autorisierte Übersetzung mit Er¬ 
gänzungen von Dr. med. Alfred Pfleiderer - Ulm. Mit 
einem Vorwort von Prof. Dr. August Forel-Yorne. 
8 °, 101 S. mit 33 Abb. und 6 Zahlentabellen. Stutt¬ 
gart 1913. Mimir-Verlag für deutsche Kultur und soziale 
Hygiene, G. m. b. H. Preis 3,— Mk. 

Der chronische Alkoholismus übt bekanntlich eine verderbliche 
Wirkung auf die verschiedenen Organe unseres Körpers, ganz be¬ 
sonders auf die Keimzellen aus. Das zeigt Verf. durch seine 
experimentellen Untersuchungen an 163 Trinkern und 100 Nicht¬ 
trinkern, welch’ letztere er zum Vergleich heranzieht, wobei jeder 
einzelne Fall der Gegenstand einer gründlichen, sowohl 
makroskopischen wie mikroskopischen Untersuchung war. 

. Auf Grund dieser außerordentlich sorgfältigen und wissenschaft¬ 
lich wohl einwandsfreien Untersuchungen der pathologisch-ana¬ 
tomischen Veränderungen der Organe durch den Alkoholismus zeigt 
sich, daß derselbe direkt entartend auf das Hodengewebe 
wirkt, so daß vollständiger Schwund derselben mit Verschwinden 
der Samenfäden in mehr als der Hälfte der Fälle bei der Obduktion 
sich vorfand. Dies macht auch die ungeheuer große Zahl der Fälle 
von Azoospermie erklärlich, die wir bisher ohne jeden Grund (vide m. 
Werk „Die Funktionsstörungen der Zeugung beim Manne“ Bd. III 
m. „Zeugungsmonographien“) an den Leichen fanden. Die 
Hoden der Alkoholiker zeigten in 86 Proz. (!) Entartungserscheinungen. 
Dieselben treten sehr früh ein und führen außerordentlich schnell 
zum vollständigen Schwund des Hodens mit Azoospermie. Die 
Eierstöcke unterliegen den gleichen Gewebsveränderungen. 

Ich kann meinen Kollegen die Lektüre des kleinen Bertholet- 
Pfleiderer’schen Werkchens, das schlagend die Keimverderbnis, die 
Blastophthoria d. h. die degenerierende Wirkung des Alkohols 
auf die menschlichen Keimdrüsen beweist, nicht dringend genug 


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70 


empfehlen. Sie werden dann bezüglich ihrer Stellung zum Alkohol 
mit zwingender Notwendigkeit zu einer solchen „kontra“ gelangen 
müssen. Rohleder (Leipzig). 

Fruchtabtreibung und Präventivverkehr imZusammen- 
han^ mit dem Geburtenrückgang. Eine medizinische 
juristische und sozialpolitische Betrachtung von Dr. Max 
Hirsch, Frauenarzt in Berlin-Schöneberg. Lex. 8°, VIII u. 
267 S. Wiirzburg 1914. Verlag von Kurt Kabitzsch. Preis 
5 - Mk. 

So reizvoll es wäre, auf den ganzen Inhalt des Buches einzu¬ 
gehen, das für den Arzt und Sozialpolitiker im allgemeinen ge¬ 
schrieben ist, so muß ich mir diese Besprechung doch an dieser 
Stelle versagen und kann über den Inhalt nur einige kurze An¬ 
gaben machen: Die Fruchtabtreibung wird ihrem Umfang, ihrer Zu¬ 
nahme und Gefahr nach eingehend behandelt. Dann folgen ebenso 
ausführlich die Motive dieses Verfahrens. Ebenfalls der Geburten¬ 
rückgang findet eine ausführliche Würdigung. Die Mittel gegen 
den Geburtenrückgang werden in Verbindung mit denen gegen die 
Fruchtabtreibung gebracht. Einige Kapitel wie die Zunahme der 
unehelichen Geburten interessieren auch den Kinderarzt Besonders 
aber das neunte Kapitel über die eugenische Indikation in Ge¬ 
burtshilfe und Gynäkologie bietet manche reizvollen Ausblicke für 
Kinderärzte, die ihren Gesichtskreis etwas weiter fassen. Ver¬ 
erbungslehre, künstliche Auslese, besonders aber die Frage der 
Tuberkulose und des Infantilismus sind Fragen, die auch uns an- 
gehen. Ebenso bietet der Abschnitt über die Besserung der Gebär¬ 
fähigkeit manche Punkte, die auch für das Kindesalter schon wichtig 
sind, namentlich die Bekämpfung der Rachitis und Skrofulöse 
sind solche Punkte. Nicht unwichtig ist auch weibliche Berufs¬ 
arbeit, Wöchnerinnenfürsorge und Wöcherinnenschutz für die mehr 
oder minder hohe Sterblichkeit des Säuglings und später für seine 
Entwicklung. Auch die Schlußkapitel über wirtschaftliche Ent¬ 
lastungen und soziale Refonnen sowie das Sinken des Frauenüber¬ 
schusses spielen in vieler Beziehung in das Leben des Kindes schon 
vor seiner Geburt und in sein späteres Leben hinein. 

Hanssen (Kiel). 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Zur Frage der Hypophysentherapie bei Rachitis. 
Von Kurt Weiß-Tübingen. 

Der Verf. hat an der medizinischen Poliklinik in Tübingen an einer 
Reihe von Kindern, die in den denkbar schlechtesten Verhäl tnissen in licht¬ 
armen, feuchten Wohnungen aufwachsen, mit der Hypophysochrom- 
therapie Versuche gemacht. Dabei wurde weder in der Ernährung 
noch im Milieu der ambulant behandelten Kinder eine Änderung 
vörgenommen. 

Kinder unter 1 Jahr bekamen täglich 3—4, Kinder über 1 Jahr 
4—5, Kinder über i 1 ^ Jahr 6 Tabletten Hypophysochrom (Dr. La- 
boschin-Berlin). Verf. hat den Eindruck, daß die Darreichung von 


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7* 


tlypophysochrom bei Rachitis von Nützen ist. Schädliche Wirkungen 
sind nicht beobachtet. Schlichting (Kassel). 

(Ther. Monatsh., 1913, Nr. 7.) 

Uber die Behandlung der Lungentuberkulose mit 
Röntgenstrahlen. Von de la Camp u. Küpf erle-Freiburg. 

Die Verff. berichten über Tierversuche und die Bestrahlung von 
15 tuberkulösen Menschen. Sie kommen zu folgendem Ergebnis: 
Das Tierexperiment lehrt, daß die Röntgenstrahlen, qualitativ und 
quantitativ richtig angewandt, bei der experimentell erzeugten Tuber¬ 
kulose Heilungsvorgänge anbahnen und fördern, die einer natürlichen 
Heilung entsprechen. 

Die menschliche Lungentuberkulose ist durch Röntgenstrahlen 
in demselben Sinne günstig zu beeinflussen, und zwar in allen Sta¬ 
dien; ein ausgesprochener Heilerfolg konnte bisher bei Fällen des 
I. und II. Stadiums erreicht werden; der Erfolg ist abhängig von 
der im Einzelfalle nach Verlaufsform und Reaktionsmodus einzu¬ 
richtenden Bestrahlungstechnik. Schlichting (Kassel). 

(M. Kl., 1913, Nr. 49-) 

Einiges zumThema von denUrsachen derSäuglings- 
sommersterblichkei t mit statistischem Bei trag über die 
Wohnung als ätiologischen Faktor. Von Eichelberg-M.- 
Gladbach. 

E. verglich in M.-Gladbach die Säuglingssterblichkeit vom 1. Juli 
bis 1. Oktober 1911 in hygienisch besonders gut gebauten Straßen 
(Doppelhäuser im Cottagesystem) mit der in einer Anzahl engge¬ 
bauten Straßen des Arbeiterviertels. In den 492 Häusern der ersteren 
starben von 172 Säuglingen 11 = 6,4 Proz., in 214 der letzteren von 
142 Säuglingen 18 = 12,7 Proz. Der Steuersatz der Bewohner war 
ungefähr gleich. Immerhin sind es, wie Eichelberg mit Recht 
hervorhebt, schon ethisch höher stehende und hygienisch weiter 
denkende Menschen, welche in die Häuser gemeinnütziger Bauge¬ 
sellschaften ziehen, besonders wenn diese wie in M.-Gladbach mit 
Vorkaufsrecht vermietet und später von den Mietern käuflich er¬ 
worben werden. Es kommt also nicht bloß auf die Wohnung an, 
sondern auch darauf, von wem und wie sie benutzt wird. 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 59, H. 1/2.) Hohlfeld (Leipzig). 

Uber Stillprämien und ihre Erfolge. Von Risel u. 
S c h m i t s -Leipzig. 

Die Zahlung der Stillprämien ist in Leipzig an den Besuch der 
städtischen Mütterberatungsstellen gebunden. An einer derselben 
haben die Verff. ihre Erfahrungen gesammelt. Es ist nach ihrer 
Ansicht nicht leicht, die Mütter zu vernünftigen Anschauungen über 
die Ernährung ihrer Säuglinge zu erziehen, doch gelang es ihnen, 
die Stilldauer der vorgestellten Kinder — an der ihrer Geschwister 
gemessen — zu verlängern und damit einen günstigen Einfluß auf 
die weitere Entwickelung der Kinder auszuüben und ihre Sterblich¬ 
keit herabzusetzen. Hohlfeld (Leipzig). 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 59, H. 1/2.) 


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7 2 


Die Behandlung des Kinderekzems. Von Max Joseph- 
Berlin. 

Der erfahrene Dermatologe rät bei dem Kinderekzem, d. h. 
den Manifestationen der exsudativen Diathese auf der Haut neben 
der allgemeinen diätetischen Behandlung, die an erster Stelle steht, 
die Lokalbehandlung nicht zu vernachlässigen. Spiegel (Kiel). 

(Zbl. f. Kdhlk., 1913, Nr. 7.) 

Die Häufigkeit der Gaumen- und Rachenmandel- 
hyperplasie nach Untersuchungen an 500 Knaben einer 
Besserungsanstalt. Von Max Toeplitz-New York. 

Die von einem Richterder Besserungsanstalt überwiesenen Knaben 
wurden vom Verf. vor ihrer Aufnahme in die Anstalt in der Nase, 
dem Halse und den Ohren untersucht. Unter 500 Untersuchungen fanden 
sich im Ganzen 311 = 6273 Proz. Hyperplasien, d. h. 105 Mandel¬ 
hypertrophien, 89 Adenoide und 116 Kombinationen beider, und von 
diesen erheischten 292 = S 7 2 U Proz. die Operation; es erfuhren 
74 = 2673 Proz. eine radikale Operation. 

Im Jahre 1910 ließ sich bei 40 Proz., im Jahre 1911 nur bei 
18 Proz. aller in resp. 112 vom Anstaltsarzte behandelten Fälle 
der Ursprung der Erkrankung auf den Hals und die Nase zurück¬ 
führen. 

Untersuchungen der Nase und des Halses in irgend einer An¬ 
stalt sind nutzlos, wenn sie nicht systematisch und das Material 
vollständig erschöpfend ausgeführt werden und die Operation 
der Erkrankung sich nicht daran anschließt Die Entfernung 
krankhafter Zustände der Nase und des Halses stellt nicht 
nur die Anstalt auf eine gesündere Grundlage, sondern schützt auch 
die Insassen gegen das Auftreten mancher anderen Erkrankung. 
Die Besserung des gesammten Gesundheitszustandes der vom Verf. 
so behandelten Anstalt fiel am Ende das Jahres 1912 ganz beson¬ 
ders auf. Autoreferat 

(Arch. f. Laryng. u. Rliinolog., Bd. 28, H. 1). 

Uber einen durch intralumbale und intraventriku- 
lare Äthylhy drocuprein-Injektionen geheilten Fall von 
Pneumokokkenmeningitis. Von Siegfried Wo 1 ff und Walter 
Lehmann. 

Kurze, vorläufige Mitteilung eines schweren Falles von Pneumo¬ 
kokkenmeningitis bei einem 8 Monate alten Säugling. Da kein 
Mittel half, wurde das Spezifikum gegen Pneumokokken „Äthyl- 
hydrocuprein“ gegeben und zwar intralumbal und intraventrikulär, 
da es natürlich am besten bei direkter Berührung mit den Krank¬ 
heitserregern wirken kann. Im ganzen erhielt das Kind 0,07 intra¬ 
ventrikulär, 0,06 intralumbal und außerdem 1,12 subkutan. Der 
Ausgang der meist letal endenden Krankheit in Heilung recht¬ 
fertigt die Empfehlung dieser neuen Therapie umsomehr, als keine 
Schädigung beobachtet wurde. Bezüglich Einzelheiten wird auf die 
ausführliche Publikation hingewiesen. Autoreferat 

(Aus der Kinderabteilung des städt Krankenhauses in Wies¬ 
baden. — D. m. W., 1914, Nr. 51). 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift fQp jfindertieitade 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger m Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monat9. — Vorauszubezahlender Preis ffir das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. April 1914. No. 4. ( 292 .) 


INHALT: Originalien: Dutolt, Uber Aristolöl in der Augenheil¬ 
kunde. 73. — Ubersichtsreferate: Noviform. 78. — Referate: Broca 
u. Maltas, Die Radiotherapie bei lokalen Tuberkulosen. 81. — Alsberg, Here¬ 
ditäre Syphilis. 82. — Klsslfng, v. Behrings Diphtherie-Vakzin. 82. — Bagins- 
k Y* Kinderkrankheiten während des Schullebens. 84. — Müller u. Schloß, Die 
wichtigsten Nahrungsmischungen für den Säugling. 84. — Salömon, Diabetes 
innoeens der Jugendlichen. 86. — Erlbeck, Hygienische Milch Versorgung 

der Städte. 88. — Stettiner, Aus dem Gebiete der Säuglingschirurgie. 90. — 
Erlacher, Subluxatio radii perannulare. 91. — Gettkant, Schulärztliche 

Untersuchung an Fortbildungsschulen. 92. — Peters, Beeinflussung der 

Schulleistungen unserer Volksschulkinder durch körperliche Störungen. 93.— 
Bücherbesprechungen: Michaelis, Das Impfgesetz für das Deutsche 
Reich vom 8. April 1874. Einleitung und Erläuterungen. 93. — Wolf, Öffent¬ 
liche und persönliche Gesundheitspflege in ihrer Bedeutung für den Einzelnen. 
94. — Dlppe, Die wichtigsten angeborenen Krankheitsanlagen, ihre Bedeutung 
und Bekämpfung. 94. — Rosln, Das Blut und seine Bedeutung für Gesund¬ 
heit und Krankheit. 94. — Strauß u. Ramberger, Die Stoffwechselkrankheiten: 
Fettsucht, Zuckerkrankheit, Gicht und ihre Verhütung. 94. — Walkhoff, Zahn- 
und Mundpflege. 94. — Bergeli, Chemische Probleme in der Gesundheits¬ 
pflege. 94. — Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 
94. — Kleine Mitteilungen. 96. 


Originalien. 

Über Aristolöl in der Augenheilkunde. 

Von Dr. A. Dutoit in Montreux (Schweiz). 

Daxenberger verdanken wir die Einführung des Aristols in 
die Augenheilkunde, und zwar, bemerkenswerter Weise, in Form 
eines „öligen“ Kollyriums. Wir wissen nicht, in wie weit 
diese erste „Lösung“ unseren heutigen technischen Vervollkomm¬ 
nungen entspricht, aber wir glauben, gestützt auf unsere eigenen 
Beobachtungen, welche wir später vorführen möchten, daß es jeden¬ 
falls keine bessere Axt und Weise gibt, das Aristol in der Augen¬ 
heilkunde zu gebrauchen. 

Den Grund hierfür suchen und finden wir einzig in der 
öligen Lösung 


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74 


Nachdem wir an anderer Stelle und in anderem Zusammen¬ 
hänge*) die hervorragenden Eigenschaften der öligen Kollyrien 
ganz allgemein dargestellt haben, erlauben wir uns, auf diese Mit¬ 
teilung hinzuweisen und bedauern zugleich, daß den öligen 
Kollyrien heute noch Vorurteile im Wege stehen, welche in Wahr¬ 
heit, nur aus den verschiedenen Mängeln der seinerzeit zubereiteten 
öligen Lösungen sich erklären lassen. 

Daxenberger sagt in einer wesentlich späteren, zweiten 
Arbeit über Aristolöl: „Ich ließ vor etwa 8 Jahren ioproz. 
Lösungen von Aristol in Olivenöl in Apotheken anfertigen; es 
konnten mich aber diese Präparate keineswegs befriedigen; die 
Lösungen waren nicht egal, nicht haltbar, wurden bald trübe, 
schmierig und ließen das Aristol als gelben Bodensatz vielfach aus¬ 
fallend 

Daxenberger wendet sich infolgedessen an die Firma Farben¬ 
fabriken vorm. Bayer &Cie. in Leverkusen und erhält von dort das Aristolöl 
in einer tadellosen und haltbaren Verfassung, welche ihn zu neuen 
Versuchen ermuntert und, gemäß seinen Angaben, in jeder Beziehung 
befriedigt. 

Hinsichtlich der Sterilisationsmethode, wie sie Bayer 
für das Aristolöl übt, erlauben wir uns nochmals, gleich 
Daxenberger’s eigene Worte hinzusetzen: „Die Sterilisations¬ 
methode von Aristolöl beruht auf einer möglichst aseptischen Zube¬ 
reitung des Präparates mit sterilem Olivenöl. Diese erfolgt in der 
Weise, daß Aristol zunächst durch Äther nochmals gereinigt wird, 
indem die entsprechende Menge Aristol in einer hinreichenden Menge 
Äther gelöst und die so erhaltene Lösung filtriert wird. Nach dem 
Abdunsten des Äthers auf dem Wasserbade wird das Aristol in bei 
150 0 sterilisiertem Olivenöl durch anhaltendes Schütteln gelöst, 
diese Lösung nach sechs bis ac^it Tagen durch ein steriles Filter 
im Brutschrank bei 40 0 filtriert und in sterile dunkle Gläser ab¬ 
gefüllt. 41 

Angesichts dieser peinlichen Sorgfalt, welche der Zubereitung 
des Aristolöls zu Grunde liegt, verdient das Präparat uneinge¬ 
schränktes Zutrauen und weiteste Verbreitung. 

Spätere Mitteilungen, so von Fischer, von Binder, bestätigten 
die guten Erfahrungen Daxenbergers in allen Punkten. Sonst 
aber gilt von dem Aristolöl wohl das Gleiche, was wir an der ein¬ 
gangs erwähnten Stelle von den öligen Kollyrien im allgemeinen 
gesagt haben: Vorurteile verhindern die allgemeine Anwendung, im 
besonderen in der Augenheilkunde, ein ganz ungerechtfertigter Zu¬ 
stand, welchem wir mit diesen Zeilen Abbruch tun möchten. 

In der bezeichneten, zweiten Mitteilung von Daxenberger 
finden wir eine für die damalige Zeit zusammenfassende Zusammen¬ 
stellung aller klinischen Indikationen des Aristolöls, wie sie von 
zahlreichen Autoren auf den Gebieten der Chirurgie, der 
Dermatologie, der Gynäkologie, der Rhino- und Otologie 
hinreichend geprüft wurden. 

*) Ztsckr. f. Augenhlkde., 1913, Bd. 30, S. 132. 


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75 

Wir enthalten uns hier genauerer Hinweise, verzichten auch 
auf weitere Bemerkungen über die chemisch-physikalischen und 
pharmakologischen Eigentümlichkeiten des Aristolöls und werfen 
noch einen kurzen Blick auf die bezüglichen Erfahrungen von 
Daxenberger, welche uns als Vorlage zu unseren eigenen Ver¬ 
suchen gedient haben. 

In der Augenheilkunde also räumt Daxenberger, gleich¬ 
wie übrigens später Binder, ebenso Fischer, die lymphatisch¬ 
skrofulösen Erkrankungen in ihren mannigfaltigsten Formen 
der Anwendung des Aristolöls in erster Linie ein. Wie wir glauben 
und wie unsere Beobachtungen zeigen werden, mit. vollem Recht. 
Denn das Aristol an sich spaltet leicht Jod ab und entfaltet auch 
in öliger Lösung eine dementsprechende Wirkung, welche, wenn 
auch nicht experimentell bewiesen, so doch gewiß aus den klinischen 
Tatsachen hinlänglich klar hervorgeht. 

Ohne auf die Beinflussung der Skrofulöse durch Jod hier 
näher einzutreten, ohne im besonderen breiter zu erörtern, ob eine 
solche auch durch den örtlichen Gebrauch eines jodhaltigen und 
jodabgebenden Präparates in genügendem Maße zustande kommt, 
rufen wir doch in Erinnerung, daß die Verordnung von Jod bei 
Skrofulöse jetzt in hohem Ansehen steht und denken, daß selbst 
kleinste Mengen, gerade in engster Berührung mit dem Erkran¬ 
kungsherd — wie es bei der Einträufelung von Aristolöl ja der 
Fall ist — in diesem Sinne eine günstige Wirkung entfalten. 

Hinsichtlich der lymphatisch-skrofulösen Erkrankungen be¬ 
ziehen sich die Beobachtungen von Daxenberger — neben den 
Blepharitiden — im besonderen auf die Konjunktivitis und Kera¬ 
titis phlyctaenulosa, „auch im Stadium der Reizung, wo Kalomel 
und gelbe Salbe noch nicht angezeigt sind.“ 

Sehr bemerkenswert lautet in diesem Zusammenhang das 
Urteil von Binder über das Aristolöl: „Das Aristolöl hat die Er¬ 
wartungen weit übertroffen bei jeder Form der Ekzeme“. — — 
„Vor dem bisher am meisten gebrauchten Mittel, Kalomel, hat es 
große Vorteile voraus“. 

Daxenberger, ferner Binder, ebenso Fischer, rühmen 
einstimmig die deutlich anästhesierende Wirkung des Aristolöls, 
welche auch den Blepharospasmus und die Epiphora lindert. 

Diese Hinweise, obwohl sie die Anwendung und den Nutzen des 
Aristolöls im Gebiet der lymphatisch-skrofulösen Augenleiden 
noch keineswegs erschöpfen, bezwecken, im Grunde, ebensosehr die 
Überleitung zu unseren eignen hierhergehörigen Beobachtungen wie 
die Einstellung der Aufmerksamkeit auf die Schriften von Daxen¬ 
berger, Binder, Fischer, Schriften, welche in etwas abseits ge¬ 
legenen Journalen schon vor etlicher Zeit erschienen und damit 
— ganz mit Unrecht — sozusagen in Vergessenheit geraten sind. 

Andere Veröffentlichungen über Aristolöl gibt es unseres 
Wissens nicht 

Wir halten darum mit unseren eigenen Erfahrungen an dieser 
Stelle nicht länger zurück und bringen im Anschluß an das Gesagte 
zunächst einmal die Ergebnisse mit Aristolöl bei lymplia- 


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7 $ 

tisch-skrofulösen Erkrankungen der Lider, der Binde- 
und Hornhaut vor — Ergebnisse, welche wir. im Gegensatz zu 
denjenigen anderer später zu erwähnender Fälle, teilweise aus¬ 
führlicher mitteilen. 

Einschaltend bemerken wir, daß wir seit etwa sechs Monaten 
beinahe täglich — schätzungsweise in vielleicht 200 Fällen der 
verschiedensten Augenleiden und leichterer Verletzungen jeglicher 
Art der Binde- und Hornhaut — ausschließlich das von Bayer 
zubereitete Aristolöl gebrauchen, und zwar in der von Binder 
zumal für ophthalmologische Zwecke empfohlenen Fassung, 
welche in einem nur 5,0 g haltenden Fläschchen aus braunem 
Glase mit sorgfältigst eingeschliffenem Glasstöpsel besteht Der 
Stöpsel geht in einen Glasstab über, welcher schraubenförmig ge¬ 
wunden und an seinem freien Ende löffelartig verbreitert erscheint 
(Die Viktoria-Apotheke, Berlin SW. 48, hält diese Fläschchen stets 
zum Bezug bereit) 

Bei der Behandlung lymphatisch-skrofulöser Augenleiden im 
allgemeinen gilt es in erster Linie immer daran zu denken, daß es 
sich dabei um örtliche Äußerungen einer über den ganzen Körper 
verbreiteten Störung im Saftaustausch bestimmter Zellgebiete 
handelt, daß also ein derartiger Zustand — wenn wir nur einen 
einigermaßen befriedigenden Erfolg auf die Dauer erzielen wollen 
— gerade auch eine Beeinflussung mit innerlichen Mitteln 
erfordert Wir denken hier nicht an opotherapeutische Versuche, 
sondern an das, was uns die Erfahrung stets von neuem lehrt und 
bestätigt, nämlich, daß die Skrofulöse auf die Einführung bald 
des Eisens, bald des Jods hin zumeist bedeutend sich bessert 

Allerdings heißt es hier wiederum sich davor zu hüten, Eisen¬ 
oder Jodpräparate wahllos zu verordnen. Wir erinnern nur der 
Vollständigkeit halber an die Gefahr der Jodeinnahme bei örtlicher 
Anwendung von Kalomel. 

Abgesehen davon bleibt es aber eine bekannte Tatsache, daß 
viele Skrofulöse trotz Eisen oder Jod ihr Verhalten nicht oder 
nur vorübergehend ändern. Bald handelt es sich dabei um die ein¬ 
fache Verfehlung, daß statt Eisen Jod — oder umgekehrt — 
verschrieben wird, bald aber um den viel näher liegenden Fall, daß 
sowohl das gewählte Jod- als auch das Eisenpräparat wirkungslos 
bleibt, weil es entweder ohne physiologische Kenntnisse zubereitet 
ist oder dem Einzelnen überhaupt nicht zusagt. 

Solange wir bezüglich des Eisen- und Jodstoffwechsels noch 
im Dunkeln tappen und nur auf die tägliche Erfahrung ab¬ 
stellen müssen, solange ermüden wir doch nicht, die Frage der 
Jod- und Eisenbehandlung der Skrofulöse wenigstens praktisch 
zu fördern, indem wir jedes neu aufkommende und einigermaßen 
Vertrauen erweckende Jod- oder Eisenpräparat in den Kreis unserer 
Versuche ziehen. 

Da wir von der Beeinflussung der Skrofulöse durch innerliche 
Joddarreichung in einem anderen Zusammenhang zu sprechen ge¬ 
denken, so beschränken wir uns in den folgenden Zeilen ausschließ- 


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lieh auf die Mitteilung der Erfahrungen, welche wir in letzter Zeit 
mit einem„F e r r es k a s a n“ *) genannten Eisenpräparat gemacht haben. 

Dieses Präparat hat uns in Verbindung mit der örtlichen An¬ 
wendung des Aristolöls bei der Behandlung lymphatisch-skrofu¬ 
löser Augenleiden bemerkenswerte Dienste geleistet, wie nun die 
folgenden Fälle gleich zeigen mögen. 

1. Blepharitis sieca-squamosa bei einem 9jährigen Mädchen mit 
geschwollenen Halsdrüsen. Hämoglobin 60 Proz. 

Tägliche Bestreichung der Lidränder mitAristolöl unter Benützung eines 
steifen Haarpinsels. Dauer der Behandlung 25 Tage. Gleichzeitig Ferreska¬ 
san, dreimal täglich ein Eßlöffel voll. 

Unmittelbares Ergebnis: Lidränder frei von Schuppen und Krusten, 
ohne Spur von Rötung. Allgemeinzustand befriedigend. Appetit vorzüglich. 
Hämoglobin 80 Proz. Drüsenschwellungen am Hals zurückgegangen. Ferreska¬ 
san wie bisher. 

Kontrolle nach vier Wochen: Lidränder gesund. Hämoglobin jetzt 90 
Proz. Entlassen. 

2. Blepharitis ulzero-squamosa, schwere einseitige Erkrankung 
bei einem 17jährigen Mädchen. Allgemeiner Schwächezustand. Hämoglobin 
40 Proz. Von anderer Seite schon längere Zeit mit weißer Präzipitatsalbe 
und Pil. Blaudii ganz erfolglos behandelt. 

Aristolöl wie bei Fall 1. Ferner je abends Verband der Lider mit 
Aristolöl. Ferreskasan, dreimal täglich ein Eßlöffel voll. 

40 Tage später: Lidränder frei von Krusten und Pusteln, ohne Rötung. 
Befinden im ganzen gekräftigt. Hämoglobin 70 Proz. 

Kontrolle nach vier Wochen: örtlich und allgemein alles in bester Ord¬ 
nung. Hämoglobin 90 Proz. 

3. Konjunktivitis skrofulösa. Bds. mehrere Randphlyktänen 
mit Blepharospasmus und ziliarer Reizung. 7jähriges Mädchen mit ge¬ 
schwollenen Halsdrüsen. Hämoglobin 60 Proz. Kein Appetit. Aristolöl zu 
Einträufelungen mehrmals täglich, in der Sprechstunde jeden zweiten Tag 
Massage mit Aristolöl. Ferreskasan, dreimal täglich ein Eßlöffel voll. 

Ergebnis nach 20 Tagen: Beide Augen völlig reizfrei, Hornhaut klar 
und glänzend. Allgemeinbefinden günstig. Appetit nie versagend. Hämo¬ 
globin 80 Proz. Ferreskasan wie bisher. 

Kontrolle nach sechs Wochen: Beide Augen dauernd gesund. Hämo¬ 
globin 90 Proz. Entlassen. 

4. Blepharokonj unkti vitis skrophulosa. Bds. Lidränder mit 
kleinen Pusteln besetzt, Randphlyktänen, Blepharospasmus, ziliare Reizung. 
Zehnjähriger Knabe durch vorangegangene Masernerkrankung sehr geschwächt. 
Hämoglobin 50 Proz. 

Behandlung mit Aristolöl wie bei Fall 3. Ferreskasan, dreimal täglich 
ein Eßlöffel voll. 

40 Tage später: Bds. Lidränder frei von Pusteln und Krusten, Augen 
reizfrei, Hornhaut klar und glänzend. Allgemeinzustand sehr gekräftigt. 
Hämoglobin 80 Proz. 

*) Ferreskasan besitzt einen Gehalt von 0,36 Proz. metallischen Eisens 
in Form einer neutralen Eiseusaccharatlösung, dargestellt aus stets 
frischen Fällungen vou Eisenoxyd, um die weitgehendste Resorption zu ge¬ 
währleisten, in Verbindung mit Salzen der Glj'zerophosphorsäure und in ge¬ 
ringen Mengen der Kakodylsäure. Die übrigen Bestandteile sind Saccharose, 
Aromatika und Alkohol (ca. 1 Proz.). 

Die Firma Scheller & Cie., A.-G., Zürich, welche Ferreskasan zubereitet 
und in den Handel bringt, legt einen ganz besonderen Wert darauf, daß die 
Fällungen von Eisenoxyd stets frisch sind. Es wird davon nur soviel 
gefällt als sofort aufgearbeitet werden muß für den täglichen Bedarf ; denn 
bekanntlich sind überhaupt nur die frisch gefällten Eisenverbindungen gut 
resorptionsfähig, während mit der Zeit diese Eigenschaft bald gänzlich 
schwindet. Jedem Arzt begegnet es, daß z. B. frisch zubereitete Pil. Blaudii 
günstig wirken, während alte Ware augenscheinlich ijn Stich läßt. 


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Kontrolle nach vier Wochen: örtlich und allgemein dauernd gesund. 
Hämoglobin 90 Proz. 

5. Keratokonjunktivitis skrofulösa. Einseitige schwere pustu- 
löse Entzündung der Binde- und Hornhaut mit beginnender Pannusbildung. 
Achtjähriger, sehr abgemagerter Knabe. Hämoglobin 60 Proz. 

Aristolöl wie bei Fall 3. Ferreskasan, dreimal täglich ein Eßlöffel voll. 

38 Tage später: Auge reizfrei, Hornhaut, abgesehen von einer um¬ 
schriebenen, zarten, oberflächlichen Trübung im inneren Quadranten, jetzt 
klar und glänzend. Hat 2 kg an Körpergewicht zugenommen. Hämoglobin 
80 Proz. 

Kontrolle nach sechs Wochen: Auge dauernd gesund. Allgemeinzustand 
befriedigend. Appetit vorzüglich. Gewicht 25 kg. Hämoglobin 100 Proz. 

6. Keratokonjunktivitis skrofulosa. Ähnlich wie Fall 5. 
12 jähriges Mädchen mit Otitis media purulenta bds. nach Scharlach. Körper¬ 
gewicht 26 kg. Hämoglobin 50 Proz. 

Behandlung mit Aristolöl wie bei Fall 3. Außerdem täglich ein in 
Aristolöl getauchter Gazedocht in jeden äußeren Gehörgang. Ferreskasan, 
dreimal täglich ein Eßlöffel voll. 

40 Tage später: Auge reizfrei, Hornhaut klar und glänzend, keine 
Makula. Beide Ohren trocken. Körpergewicht 29 kg. Hämoglobin 80 Proz. 

Kontrolle nach vier Wochen: Auge dauernd gesund. Kein Ohrausfluß 
mehr. Körpergewicht 32 kg. Hämoglobin 90 Proz. 

* * 

* 

Wir begnügen uns mit dieser kleinen Zusammenstellung und 
fügen ferner bei, daß wir Aristolöl ständig bei traumatischen 
Erosionen der Hornhaut und zur Nachbehandlung bei 
Fremdkörperauskratzungen, bei Konjunktivitis angu¬ 
laris, bei Konjunktivitis neonatorum nongonorrhoika, 
bei Keratokonjunktivitis katarrhalis anwenden und ver¬ 
ordnen, und daß das Präparat wegen seiner raschen, milden und 
sicheren Wirkung uneingeschränktes Vertrauen und weiteste Ver¬ 
breitung verdient. 

Mit dieser Schlußfolgerung, welche sich zur Zeit wie oben er¬ 
wähnt, auf annähernd 200 eigene Beobachtungen stützt, finden wir 
uns zudem in angenehmster Übereinstimmung mit Daxenber ger, 
Binder und Fischer. 

Wir verweisen endlich noch darauf, daß Binder im besonderen 
das Aristolöl auch zur Nachbehandlung bei „kleineren 
Bulbusoperationen 44 angelegentlich empfiehlt und hoffen, ge¬ 
rade auf diesem Gebiet bei nächster Gelegenheit einige bemerkens¬ 
werte Erfahrungen mitteilen zu können. 

Literatur. 

Daxenberger, Wschr. f. Tlier. u. Hyg. d. Auges, 1903, Nr. 15. — Die 
Heilkunde, 1908, Nr. 2. 

Binder, d. Ther. d. Gegenw., 1906, Nr. 6. 

Fischer, Gyögyaszat, 1905, Nr. 45. (Auszug aus der „Allgem. W. m. 
Ztg.“, 1908, Nr. 35.) 


Übersichtsreferate. 

Noviform. 

Unsere gebräuchlichen Antiseptika sind für die lebenden Zellen 
des menschlichen Organismus stärkere Gifte als für die Bakterien. 
Eine Desinfektion des lebenden Gewebes durch diese Mittel ist also 


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ohne Schädigung des Gewebes selbst nicht möglich, und diese Er¬ 
kenntnis hat seinerzeit v. Behring an der Möglichkeit einer arznei¬ 
lichen Therapie der Infektionskrankheiten überhaupt verzweifeln 
lassen. Wir müssen uns also darüber klar sein, daß eine Behandlung 
von Wunden mit rein bakteriziden Substanzen nichts weiter leisten 
kann als eine Abtötung oder Entwicklungshemmung der an der 
Oberfläche der Wunde sitzenden Infektionserreger. Gegen Keime, 
die schon ins Gewebe eingedrungen sind, sind wir mit solchen Sub¬ 
stanzen machtlos, wir riskieren vielmehr bei ihrer Anwendung, durch 
Schädigung der Vitalität der Gewebe den eingedrungenen Keimen 
in dem geschädigten Gewebe einen vorzüglichen Nährboden zu schaffen. 

Wenn wir aber auch beim Kampf gegen die ins Gewebe ein¬ 
gedrungenen Keime auf die Schutzkräfte des Organismus und auf 
Mittel zu deren Verstärkung angewiesen sind, so können wir doch 
durch eine entsprechende Wundbehandlung die an der Oberfläche 
der Wunde sitzenden und durch mechanische Verunreinigung usw. 
dorthin gelangten Bakterien an ihrer Weiterentwicklung hindern 
und dadurch die Möglichkeit ihrer Invasion ins lebende Gewebe 
verhüten. Wir können dies durch Austrocknen der Wunde. 
Da das von der Wunde gebildete Sekret einen ausgezeichneten Nähr¬ 
boden für Bakterienwachstum darstellt, und da auch der durch den 
Wundverband gewährte Schutz der Wunde vor Wärmeverlust die 
für eine reichliche Vermehrung der Bakterien günstigsten Tempera¬ 
turverhältnisse schafft, so muß eine rationelle Wundbehandlung be¬ 
dacht sein auf i. die Ableitung des gebildeten Sekrets, 
2. möglichste Verminderung der Sekretbildung. 

Das erste Postulat, die Ableitung und Aufsaugung des Sekrets, 
verlangt zu seiner Erfüllung neben der Anwendung aufsaugender 
Verbandstoffe, mit der sich viele Chirurgen begnügen, die Verwen¬ 
dung eines Pulvers von entsprechender Feinheit und Aufsaugefähig¬ 
keit, das leicht in alle Buchten der Wunde dringt, das Sekret auf¬ 
saugt, zum Eintrocknen bringt und auch an die Verbandstoffe weiter¬ 
gibt Auf dieser Grundlage ruht ja auch die moderne Bolustherapie 
von Wunden und infizierten Schleimhäuten. 

Für die Erfüllung des zweiten Postulats, nämlich die Vermin¬ 
derung der Sekretbildung, ist eine besondere pharmakologische 
Wirkung des betreffenden Mittels nötig. Wir wissen, daß den Wis¬ 
mutverbindungen ganz allgemein sekretvermindernde, austrocknende 
Eigenschaften zukommen, und die Pharmakologie führt diese Wirkung 
auf die Bildung unlöslicher, fester Wismutalbuminate zurück. Wegen 
der Möglichkeit einer resorptiven Wismutvergiftung sind lösliche 
Wismutpräparate von der Verwendung als Mittel zur Wundbehand¬ 
lung ausgeschlossen. 

Wir kommen auf diese Weise zu der Forderung einer unlös¬ 
lichen, pulverförmigen, aufsaugefähigen Wismutverbindung. Mit 
Rücksicht auf die Patienten darf auch verlangt werden, daß ein 
Wundantiseptikum völlig geruchlos ist. Eine weitere selbstverständ¬ 
liche Voraussetzung ist die Reizlosigkeit eines solchen Präparates, 
da ja jede Reizwirkung durch Vermehrung des Sekrets oder im 
ungünstigsten Falle durch Erzeugung eines nässenden Ekzems in 


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der Umgebung der Wunde die Möglichkeit von Sekundärinfektionen 
wieder vermehren müßte. 

Eine antiseptische Wirkung eines solchen unlöslichen Mittels, 
das nicht durch Resorption in die Gewebe gelangen und dort eine 
schädliche Wirkung ausüben kann, ist aus dem Grunde erwünscht, 
weil sie die Möglichkeit einer Zersetzung des mit dem Sekret voll¬ 
gesaugten Pulvers noch mehr herabsetzt. Nach dieser Richtung hin 
ist besonders das in manchen Fällen schwer ersetzliche Jodoform 
noch sehr verbesserungsbedürftig. Doch darf man sich von einer 
derartigen antiseptischen Wirkung nicht zu viel versprechen. 

Ein solches Mittel, das auf Grund unserer modernen Anschauung 
über Wundantisepsis allen angeführten Forderungen gerecht wird, 
ist das Noviform. 

Die Wundbehandlung mit Noviform steht ganz auf 
dem Boden der modernen Chirurgie und kommt den An¬ 
schauungen der Anhänger der reinen Asepsis in weitestem 
Maße entgegen. 

Noviform leitet das Sekret in die Verbandstoffe ab und bringt 
es zum Eintrocknen, vermindert die Sekretbildung durch die ihm 
eigentümliche Einwirkung auf sezemierende Wunden und Schleim¬ 
häute, vermindert dadurch die Gefahren einer Wundinfektion, des¬ 
odorisiert Wunden und Geschwüre, da es die zu dem schlechten 
Geruch führende faulende Zersetzung von Wundsekretionen beseitigt, 
ist für die Wunde und überhaupt für lebendes Gewebe reizlos, für 
den Körper ungiftig, ist geruchlos, sparsam im Gebrauch, ist steri¬ 
lisierbar und ermöglicht daher die Vermeidung einer Infektion durch 
mechanische, dem Streupulver anhängende Keime. 

Die Zusammensetzung des Noviforms entspricht der Formel: 
Bi (C 6 Br 4 0 2 ) OH. 

Noviform ist ein gelbes, völlig geruchloses und geschmackloses 
Pulver von sehr feiner Konsistenz, unlöslich in Wasser, in organi¬ 
schen Lösungsmitteln (Alkohol, Äther, Azeton) etwas löslich. Es 
enthält ca. 32 Proz. Wismutoxyd. Noviform läßt sich ohne Zersetzung 
auf 110 0 C (aber nicht höher!) erhitzen und daher im strömenden 
Wasserdampf sterilisieren. 

Die sekretionsvermindernde und austrocknende Wirkung der 
Wismutkomponente des Noviforms ist bekannt Das Tetrabrombrenz¬ 
katechin ist ein aromatisches Antiseptikum, dessen desinfizierende 
Kraft durch die Einführung des Broms in das Brenzkatechinmolekül 
gegenüber dem Brenzkatechin wesentlich erhöht ist. Es ist nicht 
ausgeschlossen, daß die schmerzstillende und juckreizstillende Wirkung 
des Noviforms, die namentlich bei Brandwunden und bei Ekzemen 
beobachtet worden ist, vielleicht auch zum Teil diesem Bromgehalt 
zuzuschreiben ist, wenn dafür natürlich auch keine Beweise vorhanden 
sind. Ähnliche Wirkungen besitzt ja bekanntlich auch das Xeroform, 
das eine dem Noviform sehr ähnliche Zusammensetzung hat und 
ebenfalls eine Verbindung von Wismutoxyd mit einem bromsubsti¬ 
tuierten aromatischen Antiseptikum darstellt. Noviform ist als un¬ 
lösliches Pulver ganz ungiftig. Bei innerlicher Darreichung, auch 
hoher Dosen bei Hunden, hat es nie irgendwelche Vergiftungser- 


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scheinungen hervorgerufen. Ebensowenig sind bisher beim Menschen 
irgendwelche Vergiftungserscheinungen beobachtet worden. 

Dr. Bayer hat im bakteriologischen Universitätsinstitut Innsbruck 
vergleichende Versuche mit Jodoform und Noviform angestellt und 
dabei folgendes festgestellt: 

Noviform vermag in dünner Schicht das Wachstum dicht aus¬ 
gesäter Staphylokokkenkulturen auf Agar-Agar vollständig zu unter¬ 
drücken, während Jodoform dazu nicht imstande war. Noch frappanter 
wurde der Unterschied zugunsten des Noviforms, wenn jeweils die 
eine Hälfte der Platte mit Noviform, die andere Hälfte mit Jodoform 
bestreut wurde. Noviform vermag noch in einer Entfernung von 
3 cm eine entwicklungshemmende Fernwirkung auszuüben. Die 
wachstumshindernde Tiefenwirkung des Noviforms erstreckte sich 
bis 1,5 cm unterhalb der Oberfläche. 

Noviform ist indiziert zur Behandlung aseptischer und infizierter 
Wunden, Brandwunden, Geschwüre und Schleimhautinfektionen jeder 
Lokalisation. Seine Anwendung ist besonders dann wertvoll, wenn 
es sich um die Bekämpfung übermäßiger Sekretion und um die 
Schaffung normaler Wund Verhältnisse handelt. 

Die Anwendung des Noviforms findet statt als Pulver, ioproz.Gaze, 
3—2oproz. Salbe, Stäbchen (besonders zur Fistelbehandlung), Vaginal¬ 
kugeln undSuppositorien, Schmelzbougies, Pasten fürZahnwurzelfüllung. 


Referate. 

Die Radiotherapie bei lokalen Tuberkulosen. Von A. 

Broca und V. Mahas. (Fortschr. a. d. Gebiete d. Rönt- 
genstr., 1913, H. 4.) 

Die Verf. haben seit 1912 in mehr wie 200 Fällen lokaler Tuber¬ 
kulose im Kinderhospital in Paris Radiotherapie angewendet und 
berichten auf dem 17. Internationalen Kongreß für Medizin 1913 
über ihre Erfahrungen. 

Die behandelten Fälle teilen sie in 4 Gruppen ein: 

1. Hauttuberkulosen, 

2. Tuberkulosen der Sehnenscheiden, 

3. Tuberkulöse Drüsenerkrankungen, 

4. Knochen- und Gelenktuberkulosen. 

Die Resultate sind: Gruppe 1, 26 Fälle, 18 vollkommene 

Heilungen, 8 sehr wesentliche Besserungen; Gruppe 2 mit 7 Fällen, 

6 Heilungen, 1 Besserung; Gruppe 3 mit 79 Fällen, 36 vollständige 
Heilungen, 24 wesentliche, 19 deutliche Besserungen; Gruppe 4 mit 
21 Fällen von Spina ventosa und lokalisierten Knochenherden, 

7 vollständige Heilungen, 11 sehr erhebliche Besserungen, 3 Versager, 
mit 14 Fällen von Tumor albus 5 Heilungen, 8 Besserungen, 
1 Versager. 

Die eben kurz besprochenen Erfolge sind in ihrer Gesamtheit 
außerordentlich interessant und dies umso mehr, als sie bei Patien¬ 
ten der armen Bevölkerung erzielt wurden, bei Patienten, bei denen 
Hygiene und Ernährung viel zu wünschen übrig ließen, die meist 

Kinder-Ar*t XXV. Jahrp. 1914. 6 


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tuberkulös und oft syphilitisch hereditär belastet waren. Die Zu¬ 
kunft der Röntgentherapie bei lokalen Tuberkulosen berechtigt zu 
schönen Hoffnungen. 

Frei von Gefahren, kann die schmerzlose Bestrahlung in der 
Mehrzahl der Fälle von lokalen Oberflächen-Tuberkulosen, von tuber¬ 
kulösen Erkrankungen der Drüsen und Sehnenscheiden mit sehr 
schönen Narben zur Heilung führen. Zugleich mit den Punktionen, 
der breiten Inzision der kalten Abszesse, der Auskratzung der 
fungösen Granulation, der Entfernung der Knochensequester ange¬ 
wandt, wird sie in allen noch so schweren Fällen eine wertvolle 
Unterstützung der chirurgischen Behandlung sein. 

Schlichting (Kassel). 

Beitrag zur hereditären Spätsyphiliserkrankung. Von 

Alsberg-Kassel. (Arch. f. Kdhlkde., Bd. 60 u. 61.) 

Vierjähriges Kind, leichenblaß, dürftig entwickelt, Exophthalmos 
rechts, in Stirn- und Scheitelbein derselben Seite Defekte bis Zwei¬ 
markstückgröße mit wallartigen Rändern, vernarbte Rhagaden an 
den Lippen, Infiltration des rechten Oberlappens der Lunge (erst 
während der kurzen Beobachtung aufgetreten!), Leber und Milz 
vergrößert. 

Aus diesem Befunde und der Anamnese — die Mutter hatte 
vor dem Kinde 2 Fehlgeburten und vor diesen einen Hautausschlag, 
das Kind litt nach der Geburt an Schnupfen, seine Lippen haben 
oft und leicht geblutet — schließt A. auf Lues hereditaria tarda, 
d. h. nicht eine nach jahrelanger Latenz auftretende Spätsyphilis, 
sondern eine gummöse Form überstandener kongenitaler Frühsyphilis. 
Er führt die Schädelveränderungen auf gummöse Prozesse zurück, 
und da das Röntgenbild die Wandungen der Orbita besonders ver¬ 
ändert erscheinen ließ, glaubt er, daß die Verwölbung des Bulbus 
durch den Knochenprozeß bedingt wurde. Die Wassermann’sche 
Reaktion konnte weder bei den Eltern noch beim Kinde angestellt 
werden, Pirquet negativ. Quecksilber und Jod wirkten günstig. 

H oli 1 f e 1 d (Leipzig). 

Fünfte Mitteilung über vonB ehrin g s Diphtherie-Vakzin. 

Von K. Kißling. (A. d. dermat. Abtlg. d. Allg. Kranken¬ 
hauses Hamburg-Eppendorf. — D. m. W., 1913, Nr. 51.) 

Schlußsätze. 1. Von 310 der Diphtheriegefahr besonders 
stark ausgesetzten Kranken, welche während einer Zeitdauer von 
fünf Monaten mit Behrings Diphtherie-Vakzin geimpft worden 
sind, erkrankten an Diphtherie 

von m zweimalig geimpften Fällen = o 
„ 199 einmalig „ „ = 8 

Darunter innerhalb der ersten 9 Tage nach der Impfung 3. 
Mit klinisch zweifelhaften Symptomen 3. Kompliziert durch Schar¬ 
lach und anderweitig akzidentelle Erkrankungen 3. 

2. Von den klinisch bezw. bakteriologisch diagnostizierten 
Diphtherieerkrankungen ließen 5, die sämtlich Scharlachrekonvales¬ 
zenten betrafen, einen so auffallend leichten Krankheitsverlauf er- 


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kennen, daß mit großer Wahrscheinlichkeit ein günstiger Einfluß 
der Impfung angenommen werden muß. 

3. a) Im Gegensatz zu Kleinschmidt und Viereck ist nach 
unseren Erfahrungen die Interskapularregion als Impfstelle zweck¬ 
mäßiger als der Oberarm. 

b) In Übereinstimmung mit den genannten Autoren scheint 
die intrakutane Injektion des Vakzins der subkutanen vorzuziehen 
zu sein. Eine besondere probatorische Injektion ist dabei nicht 
erforderlich. 

c) Auch in unseren Fällen hat sich der Vakzin als vollkommen 
unschädlich erwiesen. 

d) Für die Massenimpfung in der Vakzinationspraxis können 
Blutuntersuchungen auf Antitoxingehalt entbehrt werden, sie be¬ 
halten aber, wo sie ausführbar sind, einen großen wissenschaft¬ 
lichen Wert. 

e) Ähnlich zu beurteilen ist die Durchführung von Temperatur¬ 
messungen. 

4. a) Auch in unseren Hamburger Fällen ist oft schon nach 
einmaliger Impfung eine bedeutende Antitoxinproduktion nachweis¬ 
bar gewesen. (Bis zu 20 fach normalem Blut.) 

b) Die Annahme von Kleinschmidt und Viereck, daß bei 
einem 1 j 2 o fach normalen Blut Diphtherieerkrankungen kaum Vor¬ 
kommen werden, wird durch unsere Beobachtung bestätigt oder 
wenigstens nicht widerlegt 

c) Zur Erreichung des für einen ausreichenden Diphtherieschutz 
erforderlichen Blutantitoxingehaltes scheint eine zweimalige Imp¬ 
fung empfehlenswert, aber auch in der Regel ausreichend zu sein, 
wenn danach eine deutlich wahrnehmbare Lokalreaktion einge¬ 
treten ist. 

5. Wenn einerseits während der ersten Tage nach der erst¬ 
maligen Impfung ein genügender Diphtherieschutz nicht in Aus¬ 
sicht gestellt werden kann, so haben wir andererseits auch keine 
Anhaltspunkte dafür gewonnen, daß infolge der Impfung zunächst 
eine verstärkte Diphtherieempfänglichkeit (sogenannte engative 
Phase) eintritt; es scheint im Gegenteil, wenn keine sonstigen Kom¬ 
plikationen vorliegen, eine nach der Impfung erfolgende Diphtherie¬ 
infektion einen außerordentlich leichten Verlauf zu nehmen. Danach 
wäre bei besonders diphtheriegefährdeten Individuen die Impfung 
durchaus nicht kontraindiziert. 

6. Anderweitige Erkrankungen, auch solche mit fieberhaftem 
Verlauf, sind keine Kontraindikation für die Impfung. 

7. Während des Zeitraums zwischen der Impfung und einer 
Diphtherieinfektion auftretende, fieberhafte Erkrankungen scheinen 
den Vakzinationserfolg (vermutlich wegen gesteigerten Antitoxin¬ 
verbrauchs) zu beeinträchtigen. 

8. Entsprechend der starken Infektionsgelegenheit bei der schweren 
Diphtherieepidemie, in der wir stehen, beobachteten wir eine be¬ 
trächtliche Zahl von Diphtherieerkrankungen bei jungen Ärzten und 
beim Pflegepersonal. Die Disposition zur Erkrankung schwindet 


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aber nach längerem Arbeiten auf der Diphtheriestation infolge einer 
insensiblen Immunisierung mit antitoxinproduzierendem Erfolg. 

9. Es wird bestätigt, daß im Säuglingsalter die Empfindlichkeit 
gegen den Vakzin in der Regel erheblich geringer gefunden wird 
als im späteren Kindesalter und daß die stärkste Empfindlichkeit 
bei Erwachsenen beobachtet wird. 

Kinderkrankheiten während des Schullebens. Von A. B a g i n s- 

ky-Berlin. (Arch. f. Kdhlkde., Bd. 59, H. 5 u. 6.) 

B. kommt zu folgenden Schlußsätzen: 

1. Wenn man gleich nicht von Schulkrankheiten in dem Sinne 
sprechen kann, wie man von Berufskrankheiten spricht, so muß 
doch zugegeben werden, daß unter dem Einfluß des Schullebens 
bei Kindern eine Reihe von Krankheitsvorgängen Vorkommen, die 
beachtenswert sind. 

2. Es gibt einen Symptoinenkomplex, welcher als Übermüdung 
oder Überarbeitung (overwork) bezeichnet werden muß und unter 
dem Einfluß der Schulleistungen entsteht, und es ist nicht richtig, 
alles, was in diesem Symptomenkomplex zur Beobachtung gelangt, 
lediglich auf kongenitale oder anderweitig erworbene Neurasthenie 
oder Psychopathie der Kinder zurückführen zu wollen. 

3. Die Myopie, welche sich im Schulleben der Kinder entwickelt, 
ist keine bösartige Form der Augenanomalie, sie ist aber doch recht 
beachtenswert und kann durch gute Schuleinrichtungen wie auch 
durch gute Gestaltung des Schulunterrichts auf einen geringen Grad 
des Vorkommens reduziert werden. 

4. Die Wirbelsäulenverkrümmungen, welche sich im Schulalter 
entwickeln, sind lediglich die Folge zu vieler Sitzarbeit und insbe¬ 
sondere der zu ausgedehnten Schreibarbeit der Kinder. Die Ver¬ 
besserung der Methoden des Unterrichts und der Schulpläne kann 
dazu beitragen, der Erkrankung vorzubeugen. 

5. Es ist ungerechtfertigt, eine große Anzahl von Krankheiten, 
die sonst im kindlichen Alter zur Beobachtung kommen, mit dem 
Schulleben in kausale Beziehung zu bringen. 

6. Gegen die Infektionskrankheiten, auch gegen die Tuberkulose, 
vermag eine sorgsame hygienische Überwachung der Schule durch 
Schulärzte und hygienisch ausgebildete Schulinspektoren einen 
relativen Schutz zu schaffen; notwendige Ergänzung hierzu ist über¬ 
dies die Verbreitung hygienischer Kenntnisse im Volke selbst. 

Hohlfeld - Leipzig. 

Anleitung zur Herstellung der wichtigsten Nahrungs-* 
mischungen für den Säugling im Privathause. Von 

Erich Müller und Ernst Schloß. (Aus dem Großen Friedrichs- 
Waisenhaus der Stadt Berlin in Rummelsburg. — M. Kl., 14, 

Nr - /•) 

Für die künstliche Ernährung gesunder und kranker Säuglinge 
kommen folgende Nährgemische in Betracht: 1. die einfachen Milch¬ 
verdünnungen mit Kohlehydratzusatz, 2. die fettreichen, molkenarmen 
Gemische, 3. die Ke 11 ersehe Malzsuppe, 4. die Buttermilch, 5. die 


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Eiweißmilch. Die einfache Milchverdünnung mit Kohlehydratzusatz 
ist nicht mehr die hauptsächlich in Anwendung zu bringende Nahrung. 
Vielmehr ist eine fettreiche, molkenarme Nahrung, wie sie im Waisen¬ 
haus Rummelsburg seit Jahren gegeben wird, zu empfehlen. Diese 
molkenadaptierte Milch kommt der Muttermilch am nächsten. Sie 
wird in drei verschiedenen Mischungen je nach dem Alter des Kindes 
gegeben. Zur Herstellung der Mischung I gießt man in ein gra¬ 
duiertes Mischgefäß die rohe Milch bis zu Marke 200, dazu 125 g 
= 1 / 8 Liter Sahne von genau 2oproz. Fettgehalt. Dazu setzt man 
eine Abkochung von 15 g Mondamin in a / 3 Liter Wasser, die 10 
Minuten lang gekocht hat. Dabei kocht die Flüssigkeitsmenge auf 
weniger als »/* Liter ein. Dann werden 35 g Zucker hinzu gefügt 
und das Ganze unter gutem Umrühren auf 1 Liter (bis zur Marke 
1000) mit Leitungswasser aufgefüllt. Nun wird die Mischung auf 
die bestimmte Anzahl Flaschen verteilt und 2 bis 3 Minuten (am 
besten im Soxhletapparat) gekocht, schnell abgekühlt und kalt auf¬ 
bewahrt. Anstelle von Rohrzucker kann man S o x h 1 e t s Nährzucker 
oder Löflunds Nährmaltose zusetzen, diese evtl, in entsprechenden 
Mengen auch als einziges Kohlehydrat. Milchzucker verursacht 
leicht Gärungen. Bei Neigung zu Verstopfungen ist er aber direkt 
indiziert. Hier kann auch Löf lunds Malzsuppenextrakt verabfolgt 
werden. Bei Mischung II und III werden an Stelle der 200 g Milch 
300 resp. 400 g Milch genommen. Bei den älteren Kindern können 
an Stelle der 35 g Zucker bei Bedarf 40 bis 70 g Zucker genommen 
werden. Je nach dem Alter des Kindes werden von dieser auf 1 Liter 
berechneten Menge 600 bis 700 bis 1000 g am besten auf fünf Mahl¬ 
zeiten verfüttert. Bisweilen gedeihen bei dieser Normalernährung 
nicht alle Kinder. In diesen Fällen ist die Anwendung derKeller- 
schen Malzsuppe von Vorteil. Sie wird folgendermaßen hergestellt: 
Das Milchgefäß wird bis zur Marke 330 mit roher Milch angefüllt. 
Vorher sind 50 g Weizenmehl mit 8 / 4 Liter Wasser 20 Minuten auf¬ 
gekocht worden, diese Mehlabkochung wird gleichfalls ungemessen 
in das Gefäß gegossen, 100 g Löflunds Malzsuppenextrakt zuge¬ 
fügt und das Ganze bis auf 1 Liter mit Lei tun gs wasser aufgefüllt. 
Diese Mischung wird auf fünf Flaschen verteilt und im So xhletapparat 
zwei bis drei Minuten gekocht. Oft empfiehlt es sich, besonders 
bei jüngeren Kindern, mit 50 g Malzzucker und 25 g Mehl zu be- 
ginnnen. Man kann auch zu der angegebenen Mischung I statt des 
Nährzuckers die entsprechende Menge Malzextrakt geben, sodaß dann 
eine Sahnenmalzsuppe entsteht. Zweckmäßiger geht man so vor: 
Verträgt das Kind die gewöhnliche Malzsuppe gut, so kann man 
allmählich den Fettgehalt der Nahrung steigern, am bequemsten in 
der Weise,*daß man anfänglich 50 g Milch durch 50 g Sahne ersetzt, also 
etwa 280 g Milch + 50 g Sahne mischt; diese Menge kann man dann 
stufenweise steigern, bis man die gleiche Milch- resp. Sahnenmenge 
benutztwie bei Mischung I. Treten stärkere Darmgärungen auf, so genügt 
es oft, der Tagesmenge der Mischung I, II oder III 15 bis 20 g 
Plasmon hinzuzusetzen. In allen schweren Fällen soll man dem 
Kind gleich oder nach kurzer Teediät Fi n k e 1 s t e i n’sche Eiweißmilch 
geben, die sich nach Angabe der Verff. folgendermaßen leicht her- 


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stellen läßt: i Liter Buttermilch wird mit i Liter Leitungswasser 
(zwei bis drei Minuten) aufgekocht; dann wird diese Mischung ruhig 
im Zimmer stehen gelassen; nach etwa einer halben Stunde hat 
sich der Käse zu Boden gesenkt und über demselben steht eine 
ziemlich klare Molke; nun werden etwa zwei Drittel der gesamten 
Flüssigkeit vorsichtig abgegossen, der Rest gut umgerührt, in das 
Mischgefäß von i Liter gegossen und 125 g = */a Liter Sahne, die 
vorher aber kurz aufgekocht sein muß, hinzugefügt. Jetzt werden 
30 bis 50 g Nährzucker dazugetan und das Ganze unter Umrühren 
mit einem Teil der vorher abgegossenen Molke auf 1 Liter aufge¬ 
füllt. Die Menge des Zuckerzusatzes hängt von dem Grade der 
vorhandenen Gärungen ab. In weitaus den meisten Fällen kann 
man ruhig mit 3 Proz. Zusatz eines der genannten Maltosepräparate 
(Nährzucker, Nährmaltose) beginnen und schon nach wenigen Tagen 
auf 5 Proz. steigern. Herstellung der Buttermilch: 1 Liter Buttermilch 
wird mit 70 g Nährzucker versetzt und unter eifrigem Rühren langsam 
innerhalb von 20Minuten zum Kochen gebracht, dann in die S o xh 1 e t- 
flasche gefüllt und zwei Minuten gekocht oder direkt im Topfe dreimal 
auf dem Herde zum Aufwallen gebracht An Stelle des Nährzuckers 
kann auch 15 g Weizenmehl und 50 g Kochzucker benutzt werden. 
Ihr Hauptanwendungsgebiet findet die Buttermilchsuppe als Bei¬ 
nahrung zur Mutterbrust, wenn diese nicht ausreicht Man soll aber 
höchstens soviel Buttermilch geben, als natürliche Nahrung vor¬ 
handen ist. Weiter leistet sie bei Dyspepsien besonders älterer Säug¬ 
linge oft recht gute Dienste. 

über den Diabetes innocens der Jugendlichen, zugleich 
ein Beitrag zur Frage des renalen Diabetes. Von 

H. Salomon-Wien. (Aus der 1. Med. Klinik der Universität 
in Wien. Vorst Prof. v. Noorden. — D. m. W., 1914, Nr. 5. 

Das Krankheitsbild, das sich hinreichend scharf von dem eigent¬ 
lichen Diabetes abhebt, ist zusammenfassend folgendes: 

Vielfach ist harmlose früh entstandene Zuckerausscheidung in 
der Aszendenz oder bei Geschwistern nachweisbar. Beginn meist 
im jugendlichen, auch schon im Kindesalter. Ausgesprochen nervöse 
Veranlagung ist bei den Befallenen meist nachweisbar. Die Zucker¬ 
ausscheidung bietet gewöhnlich Prozentzahlen unterhalb eines Prozents, 
abgesehen von einzelnen Tagen oder einzelnen Harnportionen, 
bei denen unter dem Einfluß von Erregungen Werte von einigen 
Prozenten erscheinen können. Man fühlt sich im ganzen oft an die 
Konzentrationsunfähigkeit der Niere erinnert wie beim Diabetes 
insipidus. 

Bis zu gewissem Grade bietet schon diese niedrige prozentuale 
Ausscheidung ein abgrenzendes Moment gegenüber dem echten 
juvenilen Diabetes, der meist mit prozentual hoher Zuckerausscheidung 
hereinbricht. Die Gesamtausscheidung bei gemischter Kost über¬ 
schreitet gewöhnlich nicht 12 g pro Tag, die Ausscheidung zeigt 
eine weitgehende, wenn auch nicht vollkommene Unabhängigkeit 
von der Kost derart, daß der Unterschied zwischen den Harn¬ 
zuckermengen an Tagen strenger Diät^ und bei völlig gemischter 
Kost 8—10 g nicht übersteigt, oft weit darunter liegt. 


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Von einer Zulage von 100 g Traubenzucker werden nicht über 
io Proz., meist nur i—3—7 Proz. ausgeschieden. 

Wenn auch der Blutzucker au! eine derartige Traubenzucker¬ 
gabe nur um 1—3 cg ansteigt, so fällt das in hohem Grade für 
den Diabetes innocens in die Wage, ein Mehranstieg kann einst¬ 
weilen noch nicht gegen diese Annahme verwertet werden. 

Meist aber, ist der Blutzucker auch bei vorhandener Glykosurie 
normal, und ein solches Verhalten spricht sehr für die Einreihung 
des Krankheitsfalles in die besprochene Kategorie. 

Es kann aber ein erhöhter Blutzuckerwert nicht gegen die An¬ 
nahme eines Diabetes innocens (oder wenn man will Diabetes rena- 
lis) in Feld geführt werden. 

Die diabetische Erkrankung hat trotz der Jugend der Kranken 
keine Tendenz zur Progression. 

Bei kohlehydratfreier Kost kann aber je nach der Individualität 
der Kranken eine ganz erhebliche Azetonausscheidung vorhanden 
sein, bei kohlehydratartiger Kost rasch schwindend, welche die Dia¬ 
gnose, wenn sich sonst der Krankheitsfall entsprechend verhält, nicht 
zu beirren braucht 

Die Kranken verhalten sich, von der nervösen Komponente ab¬ 
gesehen, wie völlig Gesunde und werden von den Beschwerden, welche 
die Hyperglykämie beim Diabetes mit sich zu bringen pflegt, nicht 
mehr heimgesucht als Gesunde resp. Nervöse (Potenzstörungen, Furun¬ 
kulose, Neuritiden etc.). Das gilt nach Verf.’s bisherigen Erfahrun¬ 
gen auch für die Fälle von Diabetes innocens mit Hyperglykämie. 

Natürlich kann der Zuckergehalt des Harns belästigen, z. B. 
Ekzeme hervorrufen. 

Was die Behandlung betrifft, so können wir wohl sicher sein, 
daß typischen Fällen eine Ernährung mit völlig gemischter Kost 
nicht schaden wird. Dennoch wird man diesen Vorschlag nicht 
machen. Denn einmal ist irren menschlich, und wir könnten doch 
einen Fall von echtem Diabetes verkennen. Ferner kann einer 
unserer Kranken mit innozenter Glykosurie so gut einen Diabetes 
bekommen wie ein gesunder Mensch — es würde dann etwa ein 
Zustand sich einstellen, wie ihn H. Stern „Diplomelliturie“ nennt 
— und würde das Faktum dann seinem Arzte zur Last legen, 
wenn er diätetisch zu liberal behandelt worden ist. Man wird aus 
diesen Rücksichten zunächst etwa zu einer kohlehydratfreien Kost 
mit Zulagen im Äquivalent werte von 100—200 g Weißbrot raten, 
ein Quantum an Mehlstoffen, mit dem man leicht auskommt Wenn 
dann durch Jahre hindurch der Zustand stationär bleibt, wird die 
Diätetik des Kranken sich ganz von selbst weitere Konzessionen 
machen. 

Die Kenntnis des geschilderten Krankheitsbildes ist, zumal es 
ein nicht seltenes ist, für den Arzt von großer Bedeutung. Den von 
S. beobachteten Kranken hatte man größtenteils — besonders dem 
Kinde — die traurigste Prognose gestellt, hatte sie namentlich vor 
der Heirat auf das eindringlichste gewarnt 

Freilich ist nicht allzu viel Unglück passiert, denn auch nicht 
einer der Heiratskandidaten hatte seinem Arzte gefolgt. Aber meist 


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erfolgte die Ehe unter dem Widerspruch der Angehörigen, und es 
hatten doch noch viele Jahre die Schatten kommenden Unheils über 
der Verbindung gelegen. 

Namentlich werden aber auch die Lebensversicherungsanstalten 
damit rechnen müssen, daß es chronische Zuckerausscheidungen gibt, 
die selbst junge, damit behaftete Leute um nichts minderwertiger 
gegenüber dem Gesunden erscheinen lassen. Autoreferat. 

Wer leistet die sicherste Gewähr für eine hygienische 
Milchversorgung der Städte? Ein Beitrag zur Errich¬ 
tung kommunaler Milchzentralen. Von Alfred R. Erlbeck- 
Oetzsch b. Leipzig. (D. Krankenpfl.-Ztg., 1913, Nr. 23. 

Die Versorgung der Städte mit Milch hat vermöge der großen 
Wichtigkeit, welche diese Frage für die Gesundheit und Lebens- 
mitttelbescliaffung der städtischen Bevölkerung besitzt, in den letzten 
Jahren einen Hauptgegenstand des Studiums der sich mit kommu¬ 
nalen Angelegenheiten befassenden Kreise gebildet, und ist so zu 
einer der brennendsten geworden. Ihre allgemeine und besonders 
sozi ale Wichtigkeit ist deshalb so groß, weil die Milch als Nahrungs¬ 
mittel nicht nur in Teuerungszeiten, sondern durchweg immer breiter 
sich einbiirgert und heute schätzt man den Milchgenuß rein gesund¬ 
heitlich in seinem Nährwert für jedes Lebensalter. Allerdings soll 
man die Milch rein und einwandfrei genießen. Sie soll also 
unverfälscht und ungeschädigt bleiben auf dem Wege von 
der Gewinnung im Kuhstall, ihrer Produktionsstätte bis zum Kochtopf 
oder Mund der Verbraucher. Man möchte sie möglichst gut 
dem Konsum überliefert sehen, wohl wissend, daß der Weg sich 
meist lang erstreckt und voller Gefahren für die Milch bleibt Da 
nun aber die städtische Bevölkerung die Erfahrung machen mußte, 
daß die Durchführung einer hygienisch einwandfreien Milchversorgung 
infolge der heutigen ungeregelten Verhältnisse ohne weiteres nicht 
möglich ist, erweckte die Milchfrage allgemeines Interesse. Man ist 
nun dabei, Mittel und Wege zu finden, um eine der akutesten Fragen 
zu lösen. 

Wohl findet man heute schon verschiedene Ansätze — Errich¬ 
tung eines Instituts für milchwirtschaftliche Forschung, Schaffung 
eines Reichsmilchamts und Reichsmilchgesetzes und dergl. mehr —, 
die für eine einwandsfreie Versorgung der Städte mit Milch mehr 
oder' weniger Bedeutung haben, und an sich sehr berechtigt sind, 
im wesentlichen aber werden sie die Milchversorgung doch im alten 
Zustand belassen, was auch der jüngste administr. Erlaß in Preußen vom 
26. Juli 1912 bewiesen hat. Auf dieFrage, wer heute die sicherste Gewähr 
für eine hygienische Milchversorgung leistet, sei zunächst festgestellt, 
daß es der Kleinhändler, der bei der heutigen Milchversorgung 
der Stadtbevölkerung im allgemeinen die Hauptrolle spielt, niemals 
sein kann. Vor allem ist die Zahl der Milchhändler im Laufe der 
Zeit eine ungewöhnlich große geworden, so daß das Absatzquantum 
für viele ein recht geringes geworden ist. Solche Händler sehen 
sich gezwungen, es mit dem Grundsatz zu halten: Kleiner Umsatz, 
großer Nutzen. Vielfach sind es keine Fachleute, sondern Leute, 


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die ohne die nötige Vorbildung das Geschäft vielmehr als Gelegen¬ 
heitsberuf betreiben. Chemie und Hygiene sind ihnen böhmische 
Dörfer. Es fehlt ihnen an dem nötigen Kapital, selten verfügen sie 
über einwandfreie Einrichtungen zur Aufbewahrung, Reinigung und 
Kühlung der Milch. Manche Milch verdirbt ihnen dafür, und die 
Verluste erhöhen naturgemäß die Geschäftspesen. Die regellose 
Verteilung der Milch trägt sehr zur Verteuerung bei. Die Klein¬ 
milchhändler vertreiben ihre Milch nach den verschiedensten Rich¬ 
tungen, ohne jede Einteilung und Abgrenzung der Bezirke. 

Besser als bei den Kleinmilchhändlern liegen die Verhältnisse 
bei den Großmilchhändlern bezw.beider Versorgung der Städte mit 
Milch durch den Milchproduzenten. Beiden sagt man nach, daß 
sie den Bedürfnissen der Käufer besser Rechnung tragen können. 
Diese Betriebe besitzen meist bessere Anlagen für die Milchbehand- 
lung sowie die Möglichkeit, Nebenbetriebe einzurichten, wodurch 
bei wechselndem Bedarf Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht 
erhalten werden kann. Auch der genossenschaftliche Zusammen¬ 
schluß der Milchproduzenten zum Zwecke des gemeinsamen Milch¬ 
verkaufs ist vom hygienischen wie finanziellen Standpunkte und im 
allgemeinen günstig zu beurteilen. Was den größeren Betrieb auch 
für die Zukunft auszeichnen dürfte, wäre neben einer geordneten 
Betriebskontrolle auch der ausschließliche Verkauf von Milch in 
Glasflaschen. 

Vereinzelt haben diese Bemühungen zu einer Besserung beige¬ 
tragen; damit ist aber noch nicht ein Idealzustand geschaffen. 
Eine sichere Gewähr für hygienische Milchversorgung dürfte nur 
durch die sogenannten Milchzentralen in kommunaler Ver¬ 
waltung geleistet werden. Der Zweck kommunaler Milchzentralen 
ist in erster Linie, die städtische Bevölkerung mit garantiert reiner 
und guter Milch zu angemessenen Preisen zu versorgen, sowie dem 
Produzenten ein sicheres Absatzgebiet seines Produktes zu ver¬ 
schaffen. Leider vermißt man bei der Errichtung kommunaler Milch¬ 
zentralen die Mitwirkung der Landwirte. Die möglichste Aus¬ 
schaltung des Klein- bezw. Zwischenhandels muß von der Land¬ 
wirtschaft und den Stadtverwaltungen gemeinsam angestrebt werden. 
,.Ein jeder, der dieser Bewegung unbefangen gegenübersteht, wird 
erkennen, daß sie geeignet ist, Produzenten und Konsumenten, sowie 
Stadt und Land wieder näher zu bringen und damit auch das Ver¬ 
ständnis und das Interesse für das geeignete Wohlergehn sowohl der 
Produzenten als auch der Konsumenten zu erleichtern.“ 

Aufgabe der Kommunalverwaltungen wäre es, die Wege zu 
ebnen, indem sie ähnlich wie beim Arbeitsnachweis dahin Sorge 
tragen müßten, daß Bezugsquellen wie Abnehmer in weiten Kreisen 
genügend bekannt wären. Aufgabe der Produzenten und Molkereien 
wäre es, das Quantum der vorhandenen Milch täglich durch Fern¬ 
sprecher der städtischen Verwaltung mitzuteilen. Dadurch würde 
die Stadtverwaltung rechtzeitig in der Lage sein, Angebot und Nach¬ 
frage zu regeln. Für den Produzenten wäre das von großem Vorteil, 
da er des Kummers enthoben ist, wie er in Zeiten des Milch- 


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mangels seine Kundschaft durch Lieferung einwandfreier Milch sich 
erhalten kann. Aber auch der Verfälschung seitens der Produzenten 
dürfte durch Vorhandensein von derartigen Zentralen vorgebeugt 
werden. Letztere sind auch dazu angetan, auf den gesamten Milch¬ 
markt preisregulierend einzuwirken. Zudem kann die Untersuchung 
der Milch an einer Zentralstelle billiger und vollkommener erfolgen, 
als wenn sie an hunderten von Stellen in Verkehr gebracht wird. 
Der Gang der Milch wäre etwa folgender: Von den Milchquellen 
an den Hauptbahnlinien kommen die Kannen zu den Zentralen, 
von denen je eine an der Hauptlinie liegt Dort wird jede Kanne 
sofort auf Säuregrad und Schmutzgehalt von dem Verwalter unter¬ 
sucht. Die Milch wird filtriert. Üngeignete wird sofort dem Pro¬ 
duzenten wieder zugestellt. Nach dem Kühlen gelangt die Milch in 
Flaschen (der Kannenausschank muß völlig abgeschafft werden) oder 
noch besser durch den Küchler’schen Hygienischen Milchaus¬ 
schankwagen auf schnellem Wege nach der Stadt zum Verkauf. Das 
täglich überbleibende Quantum von Milch wird in der Zentrale zu 
Butter oder Käse verarbeitet. Die Küch ler-Gesellschaft für 
hygienische Milchversorgung (München, Marsstraße 25) hat heute 
in etwa 40 Städten ihre hygienischen Patent-Küch ler-Wagen und 
Kühlschränke in Betrieb. 

Zweifellos sind die kommunalen Milchzentralen dazu 
angetan, für die Versorgung der Städte mit hygienisch 
wie gehaltlich ein wandsfreier Milch die sicherste Ge¬ 
währ zu leisten. Jede einsichtige Stadtverwaltung sollte 
dieser wichtigen Frage nähertreten. Autoreferat. 

Einiges aus dem Gebiete der Säuglingschirurgie. Von 

Hugo Stettiner. (Aus der cliirurg. Abteilung des Gemeinde- 

Säuglingskrankenhauses in Berlin-Weißensee. D. m. W., 1914, 
, Nr - 7 -) . 

Die Indikationsstellung zu operativen Eingriffen, die Art der Vorbe¬ 
reitung zu denselben, die Nachbehandlung nach Operationen sind ini 
Säuglingsalter anders als bei Erwachsenen. Im Wesentlichen gelten die 
vonSpitzy aufgestellten Prinzipien, falls keine Indikatio vitalis vor¬ 
liegt, nur Kinder von normalem Körpergewicht, ohne absteigende Ge¬ 
wichtskurve oder sonstige krankhaften Erscheinungen zu operieren. 
Uber die Indikationsstellung zu operativen Eingriffen bei einer Reihe 
akuter Krankheiten bestehen zwischen Pädiatern und Chirurgen noch 
Meinungsverschiedenheiten. 

Zu diesen gehört die Behandlung des Empyems der Pleura im 
Säuglingsalter. Verf. hat seinen Standpunkt in dieser Frage zu¬ 
sammen mit Buttermilch auf der Versammlung der Deutschen 
Naturforscher und Ärzte präzisiert, der von dem u. a. von Zybell 
eingenommenen, nach dem die Rippenresektion im Säuglingsalter 
völlig zu verwerfen sei, abweicht. Er zeigt an einigen Röntgeno¬ 
grammen, wie bei den mit Rippenresektion behandelten Fällen von 
Empyem allmählich eine völlige Regeneration der Rippe stattfindet 
Auch in der Bauchchirurgie bestehen weitgehende Meinungsver¬ 
schiedenheiten. Verf. betont, daß die Appendizitis schon in sehr 


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jugendlichem Alter auftreten kann (Sektionsbefund bei einem vier 
Wochen alten Kinde), wenn auch in erster Linie bei den in der 
Regio coecoiliaka sich abspielenden Prozessen an Invaginationen 
zu denken sei. Sowohl dieAppendizitis,wie dielnvagination erheischt 
ein frühzeitiges Eingreifen auch im Säuglingsalter. 

Einen höchst wichtigen Teil der Säuglingschirurgie bildet 
die operative Behandlung der Mißbildungen. Verf. bespricht vier 
Beobachtungen vonAtresia ani, welche sämtlich kompliziert waren. 
Der eine der Fälle, welcher letal verlief, zeigte weiter höher noch 
weitere Darmatresien. In dem zweiten Falle, welcher am Tage 
nach der Geburt, operiert wurde, handelte es sich um eine Atresia 
ani urethralis. Der Knabe, welcher jetzt 9 Jahre alt ist, hat sich 
gut entwickelt; jedoch waren noch einige Nachoperationen behufs 
Erzielung eines Sphinkterschlusses, der überhaupt bei den Mast- 
darmatresien eine Crux bildet, notwendig. Im dritten Falle handelte 
es sich um eine Atresia ani vestibularis,* in dem die Operation 
gut gelungen ist. Im vierten Falle lag eine Atresia ani cum fistula 
perineali vor, in welchem zunächst von einer Operation Abstand 
genommen wurde, da eine geeignete Bandage den Darmschluß viel¬ 
leicht sicherer garantieren würde, als ein operativer Eingriff. 

Ferner berichtet Verf. über einige Fälle von Hy pospadie unter 
Hinweis auf seine Arbeit in den Ergebnissen für Orthopädie und 
Chirurgie (Bd. 5). In den leichteren Graden kommt man gut mit 
der Operation nach Beck, v. Hacker aus, die sich gut im Säug¬ 
lingsalter ausführen läßt, wie Verf. an einzelnen Beispielen zeigt. 
Schwieriger wird die operative Beseitigung der Mißbildung in den 
komplizierten Fällen. So berichtet Verf. über einen Fall von Hypo- 
spadia skrotalis mit völliger Verwachsung des Penis mit der Skrotal- 
haut Hier war erst der erste Akt der Operation vorgenommen, 
die Trennung des Penis von dem Skrotum nach Art der Trennung 
der Finger bei Syndaktylie. Als zweiter Akt hat dann die Gerade¬ 
richtung des Penis zu erfolgen. Erst später kann dann am besten 
nach Anlegung einer präliminären perinealen Harnfistel die Bildung 
der penilen Harnröhre erfolgen. Dies kann nach der vom Verf. 
zuerst ausgeführten Methode durch freie Transplantation der Vena 
saphena oder durch Ureterentransplantation nach Schmieden oder 
durch Einpflanzung des Prozessus vermiformis nach Lexer-Streiß- 
ler erfolgen oder durch Anwendung einer der älteren oder neueren 
plastischen Methoden. Autoreferat. 

Subluxatio radii perannulare. Von Ph. Erl ach er. (Aus der 
chirurg.-orthop. Abteilung der Univ.-Kinderklinik Graz. — 
D. Ztschr. f. Chir., Bd. 126, H. 3 u. 4.) 

Unter diesem Namen beschreibt der Autor ausführlich ein nicht 
gerade sehr häufiges und wenig bekanntes Krankheitsbild, das 
hauptsächlich bei kleineren Kindern bis zum Alter von 3—4 Jahren 
zur Beobachtung kommt, und worüber sich in der Literatur nur 
einige kurze Bemerkungen finden. 

Das typische Bild des Leidens ist folgendes: Der Arm wird 
proniert und im Ellbogengelenk leicht gebeugt gehalten (Mittel- 


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Stellung), dabei hängt das Händchen schlaff herab und ist leicht 
ulnarwärts abduziert; in frischen Fällen keine Schwellung, Aussehen 
der Haut normal. Vor aktiven Bewegungen zeigt das Kind große 
Angst; sie sind im Ellbogengelenk im Sinne der Beugung und 
Streckung, sowie der Pronation nur in geringem Maße möglich, die 
Supination ist dagegen ganz aufgehoben. Im gesunden Arm erscheint 
der Übergang vom Epikondylus lateralis humeri zum Radiusköpfchen 
(durch das Lig. kollaterale radii) überbrückt, während wir an der 
kranken Seite zwischen Epikondylus und Kapitulum radii eine 
scharfe Einschnürung tasten können. Es handelt sich, wie durch 
Untersuchungen an der Leiche festgestellt wurde, nach Ansicht des 
Verf. um ein Herausschlüpfen des Radiusköpfchens aus dem Ligam. 
annulare radii, ohne daß dabei die Gelenkkapsel eine sichtbare 
Verletzung erfahren hätte. Die anatomischen Verhältnisse werden 
dabei eingehend geschildert. In der Anamnese ist immer ein Zerren 
an der Hand oder am Daumen festzustellen. Die Reposition ge¬ 
schieht durch leichte Beugung im Ellbogengelenk und Supination 
des Armes. Ein Verband ist nicht notwendig. Autoreferat 


Referate aus dem Gebiete der Schulhygiene. 

Bedeutung und Wert der schulärztlichen Untersuchung 
an Fortbildungsschulen. Von Gettkant -Berlin-Schöne- 
berg. (Zschr. f. Schulgesdhtspfl., 1913, Nr. 5.) 

Der Verf. hat die Pflichtfortbildungsschüler der städtischen Fort¬ 
bildungsschule in Berlin-Schöneberg in den Jahren 1911 und 1912 
untersucht, er gibt das Resultat von 1320 Schülern. 

Nach dem allgemeinen Körperzustand teilt er ein in I = kräftig, 
II = mittelkräftig und III = schwächlich. Von den Untersuchten 
kam auf Gruppe I 547=41,44 Proz., Gruppe II 531 = 40,23 Proz., 
Gruppe III 222 = 18,33 Proz. Einige Listen und ein Diagramm 
lassen die einzelnen Berufsstände übersichtlich erkennen. 

Frei von jeglichen Leiden und Gebrechen waren bei der ersten 
Untersuchung von 783 Schülern: 213 = 27,2 Proz.; bei der zweiten 
Untersuchung von 249 Schülern 72 = 28,9 Proz., bei der dritten 
Untersuchung von 288 Schülern 133 = 46,1 Proz. 

In der Morbiditätstabelle steht Tuberkulose und Verdacht darauf 
mit 51 Fällen, Herzstörungen mit 69 Fällen, Leistenbruch mit 24 
Fallen, Wirbelsäulenverkrümmung mit 176 Fällen. 

Die Wahl eines andern Berufes wurde in 46 Fällen angeraten. 
Verf. hat 1911 die Einführung des obligatorischen Turnunterrichts 
für die Fortbildungsschule angeregt und diese Anregung hat Erfolg 
gehabt. Er empfiehlt Bajonettieren und Stabfechten in den Turn¬ 
unterricht aufzunehmen, zwei Übungen, die besonders zur Gewandt¬ 
heit und zu Mut erziehen. 

Die Fortbildungsschule braucht einen eigenen Schularzt, der 
sich auch an der hygienischen Aufklärung und Belehrung beteiligen 
muß. Die Gesundheitssclieine aus den Gemeindeschulen müssen 
den Fortbildungsschüler begleiten, später können sie der Militär¬ 
behörde von großem Wert sein. 


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Auf den sehr interessanten Aufsatz mochte Ref. besonders auf¬ 
merksam machen. Sclilichting (Kassel.) 

Beeinflussung der Schulleistungen unserer Volksschul* 
Kinder durch körperliche Störungen. Von Peters- 
Halle a. S. (M. Kl., 1914, Nr. 6.) 

An einem Kindermaterial von 9504 Volksschulkindern (der Hälfte 
aller Halle’schen Volksschüler) bearbeitete Verf. eingehend statistisch 
die körperlichen Befunde der Gesamtheit und verglich diese mit den 
betr. Befunden bei 1262 schlechtlernenden Kindern, sowie anderer¬ 
seits mit den Befunden bei 1595 gutlemenden. Die Ergebnisse, 
welche sich nicht nur auf die allgemeine (gute oder schlechte) 
Körperbeschaffenheit, sondern auch auf Blutarmut, Rückgratkrüm¬ 
mungen, Refraktionsstörungen, Ohrenleiden, Wucherungen, schlechte 
Gebisse und Drüsenschwellungen beziehen, waren derartig, daß sich 
zwar nicht gerade erdrückende Differenzen zeigten, daß aber, wo 
überhaupt verwertbare Differenzen auftraten, dies zu ungunsten der 
Schlechtlernenden und vielfach auch andererseits zu Gunsten der 
Gutlernenden der Fall war. 

Ersteres war besonders auffällig bei den körperlich Kräftigen, 
den Leiden der Sinnesorgane, der Blutarmut. Für die körperlich 
schlechten waren die absoluten Zahlen zu gering, um aus dem sonst 
auffälligen Fehlen jeder Differenz sichere Schlüsse ziehen zu können. 
Verf. schildert die verschiedenen Gruppen ausführlicher und kommt 
zum Schluß zu dem Ergebnis, daß in mehreren wichtigen Krank¬ 
heitsgruppen sich zweifellos ein derartiger Unterschied in der 
Häufigkeit der Fehler zeigt, daß sich mit einer gewissen Wahrschein¬ 
lichkeit der Schluß rechtfertigen läßt, daß durch diese Leiden die 
geistige Aufnahmefähigkeit und somit die Schulleistungen herab¬ 
gesetzt werden. Andererseits ist dieser Unterschied aber nicht so 
erheblich, daß man hoffen könnte, etwa durch Beseitigung aller 
dieser Übel die durchschnittlichen Schulleistungen wesentlich zu 
erhöhen. Trotzdem müßten natürlich nach wie vor alle diese Leiden 
ernstlich bekämpft werden, denn das letzte Ziel schulärztlicher Be¬ 
strebungen sei nicht die Besserung der Schulleistungen, sondern die 
Ertüchtigung der Kinder für den Kampf des Lebens. In diesem 
Kampf könnten sich leicht diese Leiden sehr viel störender für das 
einzelne Individuum bemerkbar machen, als ein etwa in der Schule 
auftretender Mangel an Schulwissen. Autoreferat 


Bücherbesprechungen. 

Das Impf^esetz für das Deutsche Reich vom 8. April 1874. 
Einleitung und Erläuterungen herausgegeben von Dr. Paul 
Michaelis. (ReclamsUniversalbibliothek Nr.5648.) kl. 80,65S. 
Leipzig. Phil. Reclam jun. Verlag. In Leinen geb. 60 Pf. 
Verf. gibt in diesem Werkchen eine gemeinverständliche Er¬ 
läuterung des Reichsimpfgesetzes. Als Einleitung finden wir eine 
gute geschichtliche Darstellung der verheerenden Wirkung der Pocken 


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in früheren Zeiten und der verschiedenen Versuche zu ihrer Be¬ 
kämpfung, zum Schluß ein ausführliches Sachregister. Man kann 
dem Werkclien namentlich in Hinsicht auf die gemeingefährlichen 
impfgegnerischen Agitationen die weiteste Verbreitung wünschen. S. 

öffentliche und persönliche Gesundheitspflege in ihrer 
Bedeutung für den Einzelnen. Von Prof. Dr. Kurt Wolf. 

Die wichtigsten angeborenen Krankheitsanlagen, ihre 
Bedeutung undBekämpfung. VonSan.-RatDr.H.Dippe. 

.DasBlut und seineBedeutungfürGesundheitundKrank- 
heit. Von Prof. Dr. Heinrich Rosin. 

Die Stoffwechselkrankheiten: Fettsucht, Zuckerkrank¬ 
heit, Gi c h t und i h r e V e r h ii t u n g. Von Prof. Dr. Strauß 
und Dr. Ram berger. 

Zahn- und Mundpflege. Von Hofrat Prof. Dr. O. Walkhoff. 

Chemische Probleme in der Gesundheitspflege. Von Prof. 
Peter Bergeil. (Max Hesses Bücherei des modernen Wissens, 
Abt. A: Hausbücher zur Erhaltung der Gesundheit, hrsg. im 
Aufträge des Verbandes der Ärzte Deutschlands von San.-Rat 
Dr. Beerwald und H. Di ppe.) 90—100 Seiten. Leipzig. 
M. Hesses Verlag. Preis geb. 1,35 Mk. 

Die mir vorliegenden Nummern 1, 3, 10, 11, 15 und 17 der 
Bücherei des modernen Wissens haben ihr Ziel, „eine Frage aus dem 
großen Gebiet der Gesundheitspflege in für sich abgeschlossener, 
allgemein-verständlicher Art zu behandeln, aber so daß es doch 
wiederum nur ein Glied des Ganzen ist 44 , wohl erreicht. Man darf 
es mit Freuden begrüßen, daß das Bestreben, dem Volk hygienische 
Kenntnisse zu vermitteln auch in Ärztekreisen mehr und mehr An¬ 
erkennung findet. Noch immer stehen weite Kreise abseits und 
überlassen es unsern Gegnern aus dem Lager der Naturapostel, das 
Volk in ihrer Art zu belehren. 

Es ist nicht jedem Arzt gegeben, selbst vor weiteren Kreisen 
als Lehrer der Hygiene aufzutreten, aber jeder sollte die Verbreitung 
guter Bücher wie die vorliegenden und Zeitschriften (z. B. Blätter 
für Volksgesundheitspflege) durch gelegentliche Empfehlung, für die 
die Klientel sehr dankbar ist, fördern. 

Der Inhalt der Bücher ist für den gebildeten Laien bestimmt, 
einige haben eine Reihe guter Abbildungen, die Ausstattung ist gut, 
der Preis gering. Schlichting (Kassel). 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Hygiene of city infants and babies. Von A. Baginsky- 
Berlin. 

Armut und Unwissenheit schädigen das Leben des Kindes und 
seine Gesundheit in erster Linie. Mutterschafts Versicherung, Still¬ 
prämien, Unterricht in der Kinderpflege, am besten in den Fort- 


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bildungsschulen, Berufsvormundschaft und dauernde Überwachung 
der Kost- und Haltekinder, Kinder- und Säuglingsasyle, Fürsorge¬ 
stellen, Milchküchen, Krippen, zentrale Wohlfahrtsämter sind geeignet, 
den schädlichen Folgen entgegen zu wirken. Verbesserung der 
Wohnungsbedingungen, eine verständige Schulhygiene, die Einrich¬ 
tung von Badeanstalten, Walderholungsstätten, Ferienkolonien, Über¬ 
wachung der Infektionskrankheiten, Verbot und Regelung der Kinder¬ 
arbeit werden den schädlichen Einfluß des städtischen Milieus mildern. 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 59, H. 5/6.) Hohlfeld (Leipzig). 

Studien über Tuberkulin. Von Aronson-Berlin. 

Die Wirkung, welche das Tuberkulin auf den tuberkulösen 
Organismus ausübt, wird von den einen als eine primär-toxische 
angesehen, während die andern erst eine Bildung des Giftes im tuber¬ 
kulösen Organismus unter Mitwirkung eines Antikörpers annehmen. 
Nach den Untersuchungen des Verf.’s ist das letztere nicht richtig. 
Die Allgemeinwirkung ist zum größeren Teil überhaupt nicht spezi¬ 
fisch; auch andere Bakterienextrakte wirkten ebenso. Spezifisch ist 
dagegen die starke Hautreaktion, sie beruht auf eigentümlichen, nur 
im Tuberkelbazillus enthaltenen Körpern. Der therapeutische Effekt 
wird nicht durch eine Immunisierung erreicht, sondern wahrschein¬ 
lich durch eine anregende Wirkung, die das Tuberkulin in kleinen 
Dosen auf die weißen Blutkörperchen ausübt. 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 60 u. 61.) Hohlfeld (Leipzig). 

Ein Fall abnormer physischer und geschlechtlicher 
Entwicklung bei einem Kind von 2 Jahren, vielleicht 
verursacht durch eine Geschwulst der Zirbeldrüse. Von 
J. L. Morse. 

Die körperliche Entwicklung entsprach dem Alter von 4 Jahren, 
die der Knochen nach dem Röntgenbild dem Alter von 5—7 Jahren, 
noch weiter war die sexuelle Entwicklung (Penis 7 cm lang, Scham- 
und Achselhaare) vorgeschritten. Mit Zitierung 5 schon beschriebener 
Fälle von Tumoren der Zirbeldrüse wird die Diagnose erörtert, die 
bei Mangel von Hirndrucksymptomen hier nur vermutungsweise 
gegen den noch in betracht zu ziehenden Tumor der Nebenniere 
gestellt werden kann. Bauer (Wien). 

(Arch. of ped., 1913, Bd. XXX.) 

Die Wirkung mäßiger Hitze auf das Kind. Von J. H. 
M. Knox. 

Bei mäßiger Hitze können auch Proletarierkinder gedeihen, wenn 
ihnen Brustnahrung oder sterilisierte Kuhmilch guter Qualität und 
fachmännisch beaufsichtigte Pflege geboten w r ird. 

(Arch. of ped., 1913, Bd. XXX.) Bauer (Wien). 

Zur Kasuistik des angeborenen totalen Rippende¬ 
fektes. Von F. Götzky und F. Weihe. 

Aus der Kinderklinik des städt Krankenhauses Frankfurt a. M. 
berichten die Verff. über ein 7 Monate altes Kind, dessen Mutter 


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4 Monate nach der Geburt entdeckte, daß es schief sei. Vom 2. Brust¬ 
wirbel an beginnt eine links konvexe Skoliose, die ihren Scheitel¬ 
punkt im 7.—8. Brustwirbel hat und mit dem 11. Brustwirbel wieder 
in die Vertikale einmündet Geringere rechts konvexe Skoliose der 
Lendenwirbelsäule. Die 5. rechte Rippe verbreitert, von der Mitte 
ab in zwei gleich dicke Spangen gespaltet. Der 6. Brustwirbel zeigt 
ein abgesprengtes Stück. Die 7. Rippe beginnt mit 2 Spangen, die 
bald, ein herzförmiges Loch zwischen sich lassend, zusammenfließen. 
Die 8. Rippe ergänzt sich zu einer dünnen Spange. Die n. und 
12. Rippe fehlen. Links sind die Verhältnisse ähnlich. Den miß- 
bildeten Rippen entsprechen stets mißbildete Wirbelkörper. 

(Fortschr. d. Röntgenstr., 1913, H. 4.) Schlichting (Kassel). 

Kondensier te Milch wird von den Ärzten in geeigneten Fällen 
vielfach unter der Bezeichnung „Schweizermilch 11 empfohlen. Diese 
Bezeichnung ist geeignet, das Publikum irrezuführen. Sie war richtig, 
solange der Artikel nur in der Schweiz fabriziert wurde. Heute 
wird er jedoch auch von zahlreichen deutschen Fabriken hergestellt 
„Schweizermilch 11 , d. h. in der Schweiz hergestellte, gezuckerte, kon¬ 
densierte Milch ist in Deutschland überhaupt nicht im Handel er¬ 
hältlich, da der Artikel sich wegen des darauf lastenden hohen Zolles 
viel zu teuer stellen würde. Die schweizer Fabriken haben infolge¬ 
dessen in Deutschland Filialen für die Herstellung von gezuckerter, 
kondensierter Milch errichtet. Empfiehlt der Arzt seinen Patienten 
nun „Schweizermilch“ so macht er damit eine meist wohl garniclit 
beabsichtigte Reklame für ausländische Firmen. Seitdem der Artikel 
bei billigeren Preisen in gleicher Güte von deutschen Firmen ge¬ 
liefert wird, ist eine Bevorzugung der Erzeugnisse ausländischer 
Firmen nicht mehr berechtigt, und es können mithin unbedenklich 
an deren Stelle die erprobten deutschen Marken empfohlen werden. 


Kleine Mitteilungen. 

Der 31. Kongreß für innere Medizin findet unter dem 
Vorsitz von Prof. v. Romberg-München vom 20.—23. April d. J. 
in Wiesbaden statt. Aus dem vorläufigen Programm, auf dem eine 
Reihe von Vorträgen aus dem Gebiete der inneren Medizin ver¬ 
zeichnet sind, heben wir die Hauptreferate heraus. Es sind dies: 
1.Wesen undBehandlung derSchlaflosigkeit Referenten: 
Herren G a u p p -Tübingen, Goldscheider -Berlin, Faust -Würzburg. 
2.StrahlenbehandlungderNeubildungen innererOrgane. 
Referent: Herr Werner-Heidelberg. 3. Wesen und Behandlung 
der Sepsis. Referent: Herr Schottmüller-Hamburg. 


Berichtigu ngen. 

In Heft 3 des „Der Kinder-Arzt“ sind folgende Berichtigungen vorzunehmen: 

Pag. 49 (Fußnote), Zeile 3 v. u. anstatt Darmstatt erstattete: „Darmstadt erstattetem“. 

Pag. 54, Zeile 15 v. u. anstatt R. Äth.: „Rad. Alth.“. 

Pag. 54, Zeile 15 v. u. anstatt Rhokados: ..Rhoeados“. 

Der Verfasser der kurzen Originalmitteilun^ „Thymobronchin“ ist irrtümlicherweise Pag. 56 
mit E. bezeichnet anstatt: Dr. Vorschulze (Leipzig). 


Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Msohrif) für Kinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 60 Pf., 7 Mk. 
fürs Ansland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 

— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV, Jahrg. Mai 1914. No, 5, (293.)~ 

INHALT: Originalien: Sonnenberger, Die sozialhygienischenAuf¬ 
gaben der Ärzte im Zusammenhang mit der gesamten Jugendfürsorge. 97. — 
Armbrnater, Beobachtungen über Pemphigus neonatorum. 101. — Ver¬ 
sammlungsberichte: 21. Versammlung der Vereinigung südwestdeutscher 
Kinderärzte am 14. Dezember 1913: Fischer, Pathologisch-anatomische Demon¬ 
strationen. 101. — Raecke, Geistesstörung u. Kriminalität im Kindesalter. 102. 

— Last, zur Ätiologie der Polyomyelitis. 102. — Wolff, Uber Pneumokokken- 
erkrankung. 107. — Moro, Uber rezidivierende Nabelkoliken bei älteren Kindern. 
107. — Beck, Larosan oder Eiweißmilch. 108. — Großer, Zur Ernährung bei 
Gallengangverschluß. 109. — Cuno, Uber Anaphylaxie bei wiederholter Diph¬ 
therieheilseruminjektion. 109. —Weihe, Uber die Ruhr kleiner Kinder. 110. — 
Beck, Weitere Erfahrungen mit Rosenbach’schem Tuberkulin bei der kind¬ 
lichen Tuberkulose, in. — Götzky, Demonstration von Röntgenbildern bei 
einer Dysthyreosis. in. — Referate: Reiche u. Liede, Mitteilungen aus der 
Diphtheriestation (des Allg. Krankenhauses Hamburg-Eppendorf). 112. — 
Reiche, 2000 weitere mit Behring’schem Serum behandelte Diphtheriefälle. — 
Weitere Mitteilungen zur Bewertung der Wirksamkeit des Behiing’schen Heil¬ 
serums bei Diphtherie. — Uber Rezidive bei Diphtherie. — Diphtherie und 
soziale Lage. — Uber Herpes fazialis bei Diphtherie. — Reinfektionen mit 
Diphtherie. — Erkrankungen des Appendix nach Diphtherie. 112. — Ruppel, 
Die Wandlungen der spezifischen Bekämpfung der Diphtherie. 113. — Schreiber, 
Uber den jetzigen Stand der aktiven Diphtherieimmunisierung nach v. Behring. 
115. — Soreei, Haemorrhagie conditions in children. 116. — Bücherbe¬ 
sprechungen: Reyher, Das Röntgenverfahren in der Kinderheilkunde. 117. 

— Fürst, Jahrbuch der Schulgesundheitspflege. 117. — Kauffmann, Kritik der 
fanatischen Alkohol-Abstinenz-Bewegung. 118. — Kataster der Anstalten und 
Einrichtungen für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Österreich. 119. — 
Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 119. — Kleine 
Mitteilungen. 120. 

Originalien. 

Die sozialhygienischen Aufgaben der Ärzte im Zu¬ 
sammenhang mit der gesamten Jugendfürsorge.*) 

Von San.-Rat Dr. Sonnenberger-Worms. 

Die Jugendfürsorge, d. h. die Gesunderhaltung der Jugend in 
körperlicher, geistiger und sittlicher Beziehung, ist ohne Zweifel 

*) Nach einem auf der Darmstädter Tagung der deutschen Zentrale für 
Jugendfürsorge 1913 erstatteten Referat. 

Klnder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 7 


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einer der wichtigsten Zweige der gesamten sozialen Fürsorgebe¬ 
streblingen. „In der Jugend erblicken wir den zukünftigen Träger 
des Staatsgedankens und der Kultur“ (Rabnow). Wie W. Zimmer¬ 
mann in dem von F. Duensing im Auftrag der Deutschen Zentrale 
für Jugendfürsorge herausgegebenen „Handbuch der Jugendpflege“ 
ausführt, bildet die Jugend im Bevölkerungsaufbau der Nationen den 
breiten Fuß der Alterspyramide. Naturgemäß müssen die jugend¬ 
lichen Altersklassen am dichtesten besetzt sein, wenn für die älteren 
und leitenden Klassen der Nation bei der harten Auslese, die die 
Natur im Bunde mit der Unkultur am Menschenmaterial vollzieht, 
genügender Nachwuchs (genügend sowohl in qualitativem als auch 
quantitativem Sinne) vorhanden bleiben soll. Die Jugend verkörpert 
nicht bloß ein großes Stück Gegenwartsleben der Nation, gleich den 
anderen Altersgruppen, sondern auf der Jugend beruht ja auch die 
ganze Zukunft des Volksdaseins. 

Mehr denn je ist es bei dem gegenwärtigen Kulturzustande mit 
seinen zwar vielfachen Licht- aber auch grell hervortretenden 
Schattenseiten Pflicht der Allgemeinheit, Maßnahmen zu treffen, 
damit ihre Anforderungen an die Jugend nicht zur Degeneration 
führen. 

Jugendschutz und Jugendfürsorge im vollsten Umfange sind ja 
auch die Probleme, welche zu lösen sich die Deutsche Zentrale für 
Jugendfürsorge zur Aufgabe gestellt hat 

Den Hauptinhalt meiner heutigen Darlegung wird nach einigen 
allgemeinen historischen und orientierenden Bemerkungen über die 
Stellung des Arztes in der Frage der Jugendfürsorge speziell die 
Säuglingsfürsorge und die Behandlung einer Reihe von in sozial¬ 
hygienischer Beziehung wichtigen Erkrankungen der Schulkinder 
bilden. 

Zunächst möchte ich einleitend bemerken, daß es ein durchaus 
richtiger Gedanke war, hier die gesam te Jugendfürsorge, anfangend 
bei der Säuglingsfürsorge, übergehend zu der Kleinkinderfürsorge, 
Schulfürsorge, Fürsorge für die schulentlassene Jugend, im Zusammen¬ 
hang zu behandeln, denn die sozial - hygienische Jugendfürsorge 
darf keine sprunghafte, sondern sie muß eine kontinuierliche 
und alle Altersklassen mit gleicher Liebe und gleicher Sorgfalt um¬ 
fassende sein. Säuglingsalter, frühes Kindesalter, Schulalter, jugend¬ 
liches Alter — sie bilden eine Kette von Gliedern, die eng ineinander 
greifen. Schädigungen, welche die eine Altersklasse treffen, machen 
sich oft bis in die höheren Altersklassen hinein in der empfind¬ 
lichsten Weise bemerkbar. Es ist Ihnen ja wohl bekannt, daß — wenn 
wir ganz unten anfangen — Schädigungen, die das Säuglingsalter 
treffen, ganz außerordentlich auf die Rekrutierungsziffern einwirken. 
Es ist eine Tatsache, daß dort, wo eine hohe Säuglingssterblichkeit 
stattfindet, auch hohe Untauglichkeitsziffern bei der Rekrutierungs¬ 
statistik herauskommen, denn es sind die gleichen Ursachen, auf 
denen die beiden Erscheinungen beruhen. Beide Ziffern sind nament¬ 
lich in einigen bayerischen Bezirken ganz außerordentlich ungünstig. 
Schlesinger-Straßburg weist darauf hin, daß der jugendliche 
Schwachsinn in vielen Fällen auf schwere Ernährungsstörungen zu- 


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rückzuführen ist, die im Säuglingsalter stattgefunden haben. Hygie¬ 
nische Schädigungen im weitesten Sinne des Wortes im Säuglings¬ 
und Kindesalter wirken also ungünstig auf die späteren Altersklassen ein. 

Auch müssen die verschiedenen Arten der Jugendfürsorge, so 
die Säuglings-, Tuberkulose-, Krüppel-, Schulfürsorge usw. in engem 
Konnex miteinander stehen, und ebenso müssen die verschiedenen 
Aufgaben und Zweige der ärztlichen, pädagogischen, juristischen 
und fürsorgerischen Tätigkeit zusammengefaßt werden, und es ist 
entschieden zweckmäßig, wenn wir sie im Zusammenhang betrachten. 
Es ist vielleicht gerade das der Hauptwert, den unsere Referate 
haben werden, daß wir eben diese Dinge im Zusammenhang be¬ 
trachten und ihnen nach weisen können, wie eins vom andern abhängt. 

Wir befinden uns ja unzweifelhaft in einer Aufschwungsperiode, 
in einem Blütealter der Jugendfürsorge. Die Zeit reicht nicht aus, 
um darauf näher einzugehen, daß wir schon einmal — vor etwa 
150 Jahren — eine erste Blütezeit unserer Jugendfürsorge gehabt 
haben. Es war jene Zeit, die von dem Engländer Locke aus¬ 
gehend über Rousseau hinaus — mit seinem bekannten „Zurück zur 
Natur!“, das er allerdings übertrieben hat— bis zu Basedow, Salz¬ 
mann, Pestalozzi, Froebel usw. reichte. Es war eine Blüte¬ 
periode, die 70 bis 80 Jahre gedauert hat Diese Blüteperiode 
konnte deshalb damals keine guten Früchte bringen, weil es sich dabei 
um den sogenannten Philanthropinismus handelte, weil den vielen 
Worten nicht die entsprechende Tat folgte, und weil ja auch nicht 
die Tat folgen konnte; denn es ist ja von den verschiedensten 
Seiten, auch von juristischer und verwaltungstechnischer, ent¬ 
schieden immer wieder darauf hingewiesen worden, daß alle 
wirklichen Schritte der Jugendfürsorge in allererster Linie auf dem 
ärztlich-wissenschaftlichen Fortschritt beruhen müssen. Aufs engste 
sind ja die Kinderheilkunde und die Hygiene des Kindesalters mit¬ 
einander verknüpft, viel mehr als dies bei der Medizin der Er¬ 
wachsenen und der Hygiene der Erwachsenen der Fall ist, was sich 
schon dadurch kundgibt, daß in den letzten zwei bis drei Jahr¬ 
zehnten, in denen die Pädiatrie wie wenige andere Gebiete der 
Medizin eine erhebliche Um- und Ausgestaltung und Erweiterung 
gefunden hat, wohl kein bedeutender Kinderarzt zu nennen ist, der 
sich nicht zugleich die kindliche Hygiene als Spezialforschung zu 
eigen gemacht hat. Vielfach herrschte früher die Ansicht, die auch 
jetzt noch manchmal besteht, daß die Pathologie des kindlichen 
Organismus sich im wesentlichen mit der des Erwachsenenorganis- 
mus deckt und nur bei dem Kinde alles nach Maß, Gewicht, Dosie¬ 
rung der Arzneimittel usw. reduziert werden müsse. Das ist eine 
durchaus irrtümliche und oft verhängnisvolle Ansicht Auf Schritt 
und Tritt zeigt der kindliche Organismus anatomische, physiologische 
und psychologische Eigentümlichkeiten, und selbst im jugendlichen 
Alter bestehen hier noch wesentliche Differenzen -gegenüber den 
Erwachsenen. Mühsame Forschungen der letzten Dezennien haben 
uns nach der Richtung hin ganz kolossal vorwärts gebracht, und 
die Ansicht, daß die Kinderheilkunde keine eigentliche Speziali¬ 
tät sei, muß auf das Allerentschiedenste bestritten werden. Die 


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Kinderheilkunde ist eine Spezialität, aber eine solche, die eine ganz 
besondere Stellung einnimmt Es sollte ja jeder Arzt Kinderarzt 
sein, denn das ist die breite Basis, auf die sich fast jede Praxis 
gründet Aber leider liegen die Verhältnisse bis jetzt nicht so, daß 
die Ärzte in der Kinderheilkunde so ausgebildet sind, daß sie die 
Stellungen, von denen ja Herr Dr. Lewandowskiin seinem Referat 
verschiedene erwähnt hat, wissenschaftlich genug vorgebildet überneh¬ 
men können. Professor Langstein hat auf dem Kongreß für Säug¬ 
lingsfürsorge, der vor 14 Tagen in Breslau getagt hat, unumwunden 
ausgesprochen: „Die Stellungen in der Säuglingsfürsorge usw., die 
ein besonderes Studium der Physiologie, der Pathologie und der 
Psychologie der Kinder erfordern, müssen von Kinderärzten besetzt 
werden.“ Ich spreche nicht bloß pro domo, denn wir Kinderärzte 
streben mit aller Macht dahin, daß jeder Arzt in der Kinderheilkunde 
ausgebildet werden soll. Es ist erfreulich, daß die hessische Zentrale 
für Säuglings- und Mutterschutz, die schon so Verdienstvolles er¬ 
reicht hat, es dahin gebracht hat, daß in Gießen jetzt ein außer¬ 
ordentlicher Lehrstuhl für Kinderheilkunde errichtet ist 

Also alle Ärzte sollen in der Kinderheilkunde ausgebildet werden; 
die Kinderheilkunde soll Examensfach werden. Ich selbst arbeite 
seit ca. 25 Jahren durch Herausgabe einer Zeitschrift, welche dem 
praktischen Arzt die Fortschritte der Kinderheilkunde vorführt, da¬ 
ran, denselben mit der Kinderheilkunde vertraut zu machen. Aber 
wie die Sache heute liegt, so sind die Ärzte noch nicht genügend 
in der Kinderheilkunde aus- und vorgebildet, um Stellungen, die ein 
wesentliches Verständnis nach dieser Richtung hin verlangen, einzu¬ 
nehmen. Ich weiß, daß ich da an einen wunden Punkt rühre, aber 
es war mir doch Bedürfnis, mich auch hierüber auszusprechen. 

Die Fortschritte, die wir in der Pädiatrie gemacht haben, sind 
der Kinderhygiene außerordentlich zugute gekommen, und die Auf¬ 
schwungperiode, in der wir uns jetzt befinden, die zweite Blüte¬ 
periode der Jugendfürsorge, ist hauptsächlich auf die Fortschritte 
der Kinderheilkunde begründet. Ich kann das leider im einzelnen 
nicht näher darlegen. Es wäre eine ganz interessante, Sache, diesen 
Dingen nachzugehen. Klose, ein ganz bedeutender Forscher, sagt: 
„Will man einen weiten Blick für alle Aufgaben der Kinderfürsorge 
haben, so ist eine genaue Kenntnis der Anatomie und Physiologie 
des Kindes unerläßlich.“ Auf grund dieser müßte der kindliche 
Körper gleichsam Schritt für Schritt analysiert werden. 

Die Deutsche Zentrale für J ugendfürsorge will Ihnen heute 
zeigen, in welchem Maße die hygienische Wissenschaft und Praxis 
das wichtige Gebiet des Jugendschutzes und der Jugendfürsorge zu 
durchdringen haben, und wie die Mitwirkung des Arztes bei der 
Lösung dieser Frage auf Schritt und Tritt als unentbehrlich er¬ 
scheint. Wie Hanauer in seinem sehr empfehlenswerten Buche „Die 
soziale Hygiene des Jugend alters“ richtig bemerkt, hat es an einem 
wünschenswerten Zusammenwirken von Laien und Ärzten auf dem 
Gebiete der Kinderfürsorge zum Schaden unserer Jugend bisher 
leider noch vielfach gefehlt. Einerseits muß man offen aussprechen: 
es sind viele Ärzte sich noch zu wenig bewußt, daß sie ihrer Auf- 


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gäbe, in der Höherzüchtiing der Menschheit die Leitung zu über¬ 
nehmen, in der Gegenwart nur dadurch gerecht werden können, 
daß sie die so überaus drängenden sozialhygienischen Aufgaben 
aufgreifen. Andererseits wird aber auch betont werden müssen, 
daß die ärztliche hygienische Arbeit in sozial-politischen Kreisen 
viel zu wenig gewürdigt und gesucht wird. Bedauernd muß 
man aussprechen, daß es bis jetzt noch nicht gelungen ist, dem 
Arzt den Einfluß, den er eigentlich in der Jugendfürsorge haben 
sollte, zu verschaffen. Wir wollen hoffen, daß durch die Mitwirkung 
der verschiedensten Kreise, wie sie heute bei uns so zahlreich ver¬ 
sammelt sind und die sich hier einander nähertreten, Klarheit in eine 
Reihe von sich fortwährend aufwerfenden Problemen der Jugend¬ 
fürsorge gebracht oder sie doch wenigstens der Lösung näher geführt 
werden. Es ist vieles auf diesem Gebiete noch ungeklärt, unent¬ 
schieden, noch im Fluß. (Schluß folgt.) 

Kurze Originalmitteilungen aus der Praxis. 

Beobachtungen über Pemphigus neonatorum. 

Von Dr. A rmbruster-Schweinheim. 

Vor mehreren Jahren hatte Verf. am Mittelrhein einen neuge¬ 
borenen Knaben mit luetischem Pemphigus in Behandlung, wobei 
der Vater zugab schon syphilitisch affiziert worden zu sein. Die 
Hebamme hatte eine leichte Schürfwunde an der rechten Hand und 
steckte beim sogenannten Wickeln zwei oder gar drei weitere Kinder 
an. Diese bekamen jedoch durchschnittlich größere Blasen wie der 
primäre Fall. Verf. kam damals und auch später zur Ansicht, daß 
jede Form von Pemphigus der Neugeborenen auf luetischer Basis 
beruhe, wobei — vielleicht mit durch die Nabelwunde — eine In¬ 
kubationszeit nahezu vermieden ist. Kleinere Blasen deuten nach 
seiner Ansicht auf luetische Aszendenten hin, während ausschließlich 
größere und spärlichere auf Ansteckung zurückgeführt werden müssen, 
indem sich hier die syphilitischen Erreger sehr schnell dem kind¬ 
lichen, seither gesunden Organismus adaptieren. Bei rasch eintre¬ 
tenden, zumeist ausgedehnten Hautdefekten ohne ausgesprochene 
Blasenbildung ist stets Ansteckung vorhanden. 


Versammlungsberichte. 

21. Versammlung der Vereinigung südwestdeutscher 
Kinderärzte am 14. Dezember 1913 in der Kinderklinik 
des städtischen Krankenhauses zu Frankfurt a. M. 

Vorsitzender: Herr Cahen-Brach - Frankfurt a. M. 

Der Vorsitzende weist auf das iojährige Bestehen der Vereini¬ 
gung hin und dankt allen, die an deren Arbeit teilgenommen haben. 

i. Herr B. Fi sch er-Frankfurt a. M.: Pathologisch-anatomische 
Demonstrationen. 

a) Nieren Verlagerung bei einem Säugling. 


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b) Gangränöse Kopfschwarte bei einem i3tägigen 
Säugling infolge von Lues. 

c) Ausgedehnte weiße Pneumonie bei einem gwochigen 
Säugling. 

d) Gummiknoten in der Lunge einer Frühgeburt 

e) Ausgedehnte Diphtherie des Rachens und der 
Luftrohre bei einem 9 Jahre alten Knaben, nicht be¬ 
handelt 

f) Phthise bei einem Säugling. (Kaverne im linken Unter¬ 
lappen, Tuberkulose des Duktus thorazikus. Miliartuberkulose.) 

g) Ösophagus-Atresie bei einem Neugeborenen. 

h) Sehr großes Spindelzellensarkom der Orbita auf 
das Gehirn über greifend. 

Diskussion. 

Herr Sonnenberger-Worms, Herr Cahen-Brach, Herr 
B. Fischer. 

2. Herr Raecke-Frankfurt a. M.: Geistesstörung und 
Kriminalität im Kindesalter. 

Vortr. hat im Aufträge des Landeshauptmanns von Nassau in 
den beiden letzten Jahren 371 Kinder und Jugendliche psychiatrisch 
untersucht Unter 292 kriminell gewordenen Kindern hatten 8 / 6 Eigen¬ 
tumsvergehen begangen, */ö sexuelle Delikte. Der Rest war wegen 
Schulschwänzens und Rohheitsdelikten angezeigt worden. 

Nur in einem knappen Viertel aller Fälle war nichts Patholo¬ 
gisches nachweisbar. Bei fast der Hälfte bestand Schwachsinn ver¬ 
schieden hohen Grades. 58 waren Psychopathen. Verhältnismäßig 
selten fand sich eigentliche Geisteskrankheit in Form beginnender 
Hebephrenie: 8 mal. Vortr. geht auf die betreffenden Symptome 
näher ein und betont die Schwierigkeit der Frühdiagnose. Unrichtig 
sei die Behauptung, daß Wahnbildung bei Kindern nicht vorkomme. 

Sexuelle Delikte kamen auffallend häufig auch bei gesunden 
Kindern vor, doch ließ sich hier fast stets direkte Verführung fest¬ 
stellen. Dagegen handelte es sich bei den Schwachsinnigen in 
erster Linie um ein krankhaft gesteigertes Triebleben, das zu un¬ 
sittlichen Handlungen Veranlassung gab. Perversitäten wurden vor 
allem bei Psychopathen konstatiert Vortr. gibt charakteristische 
Beispiele und warnt davor, solche hochgefährlichen Elemente in die 
gewöhnlichen Erziehungsanstalten zu bringen, wo sie moralisch ver¬ 
giftend auf die übrigen Zöglinge einwirken können. 

Besonders erwähnt wird endlich die Möglichkeit falscher An¬ 
schuldigung und die Unzuverlässigkeit von Kinderaussagen vor Gericht 

3. Herr Lust-Heidelberg: Zur Ätiologie der Polio¬ 
myelitis. 

Verl weist zunächst auf die Widersprüche hin, die die tägliche 
Erfahrung der Wickmann’sehen Lehre von der Kontagiosität der 
Poliomyelitis, von ihrer Übertragbarkeit teils durch den Kranken, 
teils durch Abortivfälle oder auch gesunde Virusträger entgegen¬ 
zuhalten vermag: die relative Seltenheit von größeren Epidemien 
in Städten, von Geschwistererkrankungen, Spitalinfektionen etc. 
Auch bei dem diesjährigen Material von 71 an der Heidelberger 


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Kinderklinik beobachteten Fällen, die sich zum größten Teil aus kleinen 
Ortschaften des nördlichen Baden, Hessen und der Pfalz rekrutierten, 
waren trotz eindringlichsten Befragens vielfach keine Anhaltspunkte 
weder für einen stattgehabten direkten noch indirekten Kontakt zu eru¬ 
ieren. In einer Reihe von kleinen Ortschaften kam überhaupt nur ein 
einziger Erkrankungsfall zur Kenntnis. 

In Anbetracht solcher Umstimmigkeiten verdient daher jede 
Beobachtung Interesse, die der epidemiologischen Forschung eine 
andere Richtung weist Trotz des bisherigen absprechenden Urteils 
siichte sich Verf. gemeinsam mit Dr. Rosenberg darüber zu orien¬ 
tieren, ob die von Bruno wieder neuerdings konstatierte Beobach¬ 
tung vom Auftreten lähmungsartiger Zustände bei Haustieren, spez. 
beim Geflügel, in Poliomyelitisgegenden zur Annahme eines ätio¬ 
logischen Zusammenhanges zwischen der tierischen und menschlichen 
Erkrankung zwingt. Auf Grund eingehender Nachforschungen 
kommt Verf. ebenfalls zu dem Resultat, daß an dem Vorkommen 
solcher Lähmungserkrankungen bei Haustieren, speziell beim Ge¬ 
flügel, in der Epidemiegegend nicht zu zweifeln ist. Diese Lähmungen 
beruhen, wie angestellte histologische Untersuchungen bewiesen 
haben, zum größten Teil auf schweren Veränderungen teils im 
peripheren, teils im zentralen Nervensystem. Der anatomisch-histo¬ 
logische Befund kann ein sehr verschiedenartiger sein: z. B. fanden 
sich bei einem Huhn ausgedehnte Blutungen im Rückenmark (aber 
ohne entzündliche Veränderungen), bei einem anderen war das 
Rückenmark ganz frei, dagegen wiesen das Gehirn, die Pia und die 
peripheren Nerven disseminierte entzündliche Infiltrate auf. Ein 
der Poliomyelitis anatomisch ähnlicher Prozeß fand sich in diesen 
Fällen nicht- Da die histologische Untersuchung allein aber zur 
Ablehnung der Identifizierung der tierischen und menschlichen Er¬ 
krankung sicher nicht genügen kann, wurden Ubertragungsversuche 
vorgenommen. Weder gelang der Nachweis, daß die Hühnererkran¬ 
kung sicher infektiöser Natur ist, noch war es möglich — nicht 
unter natürlichen und nicht unter künstlichen Infektionsbedingungen —, 
irgendwelche Krankheitserscheinungen durch die Verimpfung von 
Poliomyelitisvirus bei Hühnern hervorzuruf tn. Daher muß ein ätio¬ 
logischer Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen abgelehnt 
werden, wenn auch verwandtschaftliche Beziehungen nicht von der 
Hand zu weisen sind. 

Diskussion. 

Herr Hoffmann-Heidelberg hat unter 16 Fällen der Privat¬ 
praxis während des epidemischen Auftretens der Poliomyelitis im 
Sommer 1913 zwei geschlossene Ketten der Übertragung durch ge¬ 
sunde Zwischenträger verfolgen können. In der einen Reihe von 
3 Fällen kamen die gesunden Geschwister und dann wieder erwach¬ 
sene Verwandte der Erkrankten in Frage, in der anderen Reihe von 
3 Fällen erfolgte mit größter Wahrscheinlichkeit die Übertragung 
durch eine Putzfrau, die in einem Poliomyelitishause arbeitete. Das 
infizierte Kind war das Kind einer Familie, wo sie tagsüber ihr 
Kind zur Pflege untergebracht hatte. Das Eigentümliche an dieser 
Ubertragungsweise erscheint weniger in der Möglichkeit der Über¬ 
tragung selbst als in der gleichen Infektionsgefahr befindlich, doch 


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104 


nicht erkanken. Es scheinen hier noch Verhältnisse eine Rolle zu 
spielen, welche wir zurzeit noch nicht kennen und nicht erklären 
können. 

Die erste Beobachtung über mit Lähmung einhergehender Er¬ 
krankung bei Hühnern wurde am 13. VIII. in einem Landorte der 
Rheinebene erhoben, wo das an Poliomyelitis erkrankte Kind bis 
4 Tage vor seiner Erkrankung mit einem derart kranken Tiere 
gespielt hatte, das eben wegen seiner Erkrankung ins Haus ge¬ 
nommen worden war. Das Tier war eingegangen und verscharrt 
worden, so daß eine Untersuchung nicht mehr möglich war. Eine 
weitere Beobachtung, die sich auf eine größere Anzahl erkrankter 
Tiere in der Umgebung eines Falles von Poliomyelitis erstreckte, 
wurde Anfang September in einem Landorte in der Umgebung von 
Heidelberg erhoben. Dort waren im Laufe weniger Wochen in einem 
Umkreise von 200 m in den Höfen um das Haus eines Poliomye¬ 
litisfalles 17 Hühner unter Lähmungserscheinungen erkrankt, zum 
Teil gestorben, andere wieder nach einiger Zeit genesen. Im übrigen 
Orte konnte auch bei Inspektion der Hühnerhöfe nichts gefunden 
werden, nur in einem ganz, entgegengesetzt liegenden Hofe fand 
sich ein gelähmtes Huhn. Auffallenderweise waren die Besitzer Ver¬ 
wandte des kranken Kindes und unterhielten dorthin regen Verkehr! 
8 gelähmte Hühner konnten noch lebend untersucht werden und 
boten das Bild einer schlaffen mit Atrophie einhergehenden Lähmung 
des Unterschenkels mit Verlust oder Herabsetzung der Sehnenreflexe, 
so daß die auch vom Tierarzt gestellte Diagnose auf Polyneuritis 
oder Myelitis lautete. 7 dieser Hühner wurden zur Untersuchung 
in das pathologische Institut nach Heidelberg gebracht und dort 
gemeinsam mit Herrn Privatdozenten Dr. Groß zu Versuchen ver¬ 
wandt und von diesem histologisch untersucht. Versuche der Über¬ 
tragung durch Zusammenleben mit gesunden Hühnern verschiedenen 
Alters, durch intraperitoneale Injektion der Rückenmark-, Nerven- 
und Hirnemulsion führten zu keinem Ergebnisse, desgleichen Injek¬ 
tionen der genannten Emulsion subdural auf Affen. Die Affen 
konnten später durch Poliomyelitisgift noch krank gemacht werden. 
Kulturverfahren nach Noguchi waren ergebnislos. Die histolo¬ 
gische Untersuchung von Gehirn, Rückenmark und Nieren ergab 
nicht das Bild einer Myelitis oder Neuritis. Wir müssen aber 
sagen, daß zunächst der Nachweis eines Zusammenhanges der Tier¬ 
erkrankungen mit Poliomyelitis nicht erbracht ist Aber es ist auch 
noch nicht die eigentliche Natur dieser Tiererkrankungen klar er¬ 
sichtlich. Es erscheint also die Möglichkeit eines Schlusses aus den 
vorliegenden zunächst negativen Ergebnissen noch nicht einwand¬ 
frei gegeben und die Frage noch nicht völlig spruchreif, da die An¬ 
nahme einer rein zufälligen Kongruenz dieser auffälligen Lähmungs- 
erkrankungen bei den Haustieren auch zunächst nicht ganz befrie¬ 
digen kann. 

Herr Bruno-Heidelberg berichtet über seine eigenen Unter¬ 
suchungen, die er seit seiner ersten Veröffentlichung in den letzten 
4 Monaten angestellt und die er zum Teil auf dem Wiener Kongreß 
mitgeteilt hat. Er befindet sich in voller Übereinstimmung mit 


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Lust über die Kriterien, welche an die Nachprüfung der von ihm auf¬ 
geworfenen Frage des Zusammenhanges von menschlicher Polio¬ 
myelitis mit dem gleichzeitigen Auftreten von Tierlähmungen bei 
Haustieren anzulegen sind. Bewiesen werden kann der Zusammen¬ 
hang nur durch den Nachweis einer Lähmung bei den Tieren in 
vivo, histopathologische Untersuchung des Nervensystems, eventuell 
bakteriologische Untersuchung, Übertragung (experimentelle) auf die 
gleiche Tierspezies bezw. auf das empfindlichste Versuchstier, den 
Affen. Das Resultat seiner Untersuchungen faßt er dahin zu¬ 
sammen: 

1. Das Zusammentreffen von Poliomyelitis mit Lähmungen bei 
Haustieren ist häufiger als bisher bekannt. Bruno konnte es bis 
jetzt 32 mal konstatieren. 8 mal waren es einige Beobachtungen an 
lebenden Tieren (2 Enten, 2 Gänse, 3 Hühner, 1 Hund), 24 mal 
Mitteilungen von Kollegen. Im ganzen waren es 14 Hühner, 4 Enten, 
4 Gänse, 6 Ziegen, 2 Rinder, 1 Taube, 1 Kaninchen, die gleichzeitig 
mit Kindern von Lähmungen befallen wurden. 

2. Ubertragungsversuche mit Rückenmark-Gehirn-Nervenemulsion 
der 8 von Bruno beobachteten Tiere auf Affen (Makakus rhesus) 
ergaben negative Resultate — ebensp die Übertragung auf die 
gleiche Tierspezies. Allerdings wurden diese Ubertragungsversuche 
meist zu spät vorgenommen. 

3. Infektionsversuche mit voll virulentem Poliovirus, das von 
Prof. Flexner-New York stammte, und das für Affen sofort posi¬ 
tive Resultate gab, ergab zum Teil negative Resultate bei Kaninchen, 
Hühnern, Meerschweinchen, Katzen, zum Teil nicht eindeutige Er- 
gebnissse; die Tiere (4) gingen nach mehrmaliger Injektion ein. 
Histologischer Befund steht noch aus. 

4. Die gesamte histologische Untersuchung hat Bruno Dr. 
Ranke in Heidelberg übertragen, da die richtige Deutung der Ver¬ 
änderungen am Zentralnervensystem und den peripheren Nerven 
bei Tieren äußerst schwierig ist. Das Untersuchungsergebnis steht 
noch aus. Der einzige bisher untersuchte Fall zeigte schwere ent¬ 
zündliche Veränderungen der Spinalganglien. 

5. Bruno hat zu seiner Orientierung eingehende Nachforschungen 
nach dem Auftreten von sonstigen Tierlähmungen, die mit Polio¬ 
myelitis im Zusammenhang stehen, angestellt und dabei ein ziemlich 
großes Tiermaterial erhalten. Daraus ergibt sich, daß sowohl bei 
Menschen wie bei Tieren seuchenhafte Erkrankungen existieren, 
die wie die Heine-Med in sehe Krankheit eine ganze Reihe von 
Formen aufweisen: a) rein spinale Form; b) bulbäre; c) enzephali- 
tische; d) meningitische; e) polyneuritische Form. — Die Ursache 
dieser Tiererkrankungen ist völlig ungeklärt und wird auch noch 
geraume Zeit bis zu ihrer definitiven Klärung in Anspruch nehmen. 
Zu diesem Zweck hat sich Bruno mit einer Anzahl von Tierärzten, 
die an dem gleichen Problem arbeiten, in Verbindung gesetzt. Im 
Zusammenarbeiten von humaner und veterinärer Medizin und durch 
die sorgfältigen, aber zeitraubenden histologischen Untersuchungen, 
die von Dr. Ranke in einwandsfreier Weise vorgenommen werden, 
wird hoffentlich Licht in diese dunkle Sache kommen. Bruno hält 


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also — trotz der bisherigen negativen Resultate von Lust und 
seiner eigenen zum Teil negativen Befunde — die Angelegenheit 
noch für durchaus ungeklärt und hält weitere Untersuchungen für 
notwendig. 

Im Anschluß an seine Ausführungen demonstriert Bruno 
die Originalpräparate von Prof. Fl ex n er-New York, welche die 
Flexner-Noguchischen Mikroorganismen der Poliomyelitis in 
der Kultur und im Schnitt im Rückenmark und Spinalganglion 
zeigen. 

Diskussion. 

Herr Gernsheim-Worms: Aus dem Kreise Worms ist zum 
erstenmal in unserer diesjährigen Poliomyelitis-Epidemie die amt¬ 
liche Mitteilung des Auftretens der Krankheit gekommen, und 
zwar am Anfang Juli. In der Zeit von Mitte Mai bis August — 
seitdem sind keine neuen Fälle vorgekommen — wurden 34 gemeldet, 
und von diesen 26 sofort nach Einführung der Meldepflicht — 
Meine ziemlich genau angestellten Nachforschungen haben ergeben, 
daß die Krankheit ihren Ausgangspunkt in Heidelberg oder dessen 
Umgebung hatte und von Arbeitern, die in Mannheimer Fabriken 
arbeiten, entweder direkt oder durch die Kleider (Kleiderschränke) 
ihrer Arbeitsgenossen nach dem einige Kilometer entfernten rechts¬ 
rheinischen Ort Lampertheim, wo mehr als 10 Fälle beobachtet 
wurden, verschleppt wurde. Von da kam sie bei dem engen Bevöl¬ 
kerungskontakt zuerst nach dem südlich von Worms gelegenen 
Horchheim und weiterhin nördlich gelegene Ortschaften. 

Ich verfüge über 8 eigene Beobachtungen, von denen in 4 der 
Ubertragungsmodus durch 3 Personen einwandsfrei festgestellt 
werden konnte. Ein Fall — nicht selbst beobachtet — ist höchst 
bemerkenswert: Der Vater eines in Horchheim an Poliomyelitis ge¬ 
storbenen und sezierten Kindes arbeitet in der Fabrik neben einem 
Mann aus Heppenheim i. W. Dessen Kind erkrankt etwa 4 Wochen 
nach dem Tode des anderen Kindes an Poliomyelitis, nachdem der 
Vater schon 8 Tage vorher von einer typischen Serratuslähmung be¬ 
fallen worden war. 

Herr Moro-Heidelberg hält Kontrolluntersuchungen über das 
Auftreten von Geflügellähmung in poliomyelitisfreien Zeiten und 
Gegenden für erforderlich. 

Herr Lugenbühl-Wiesbaden vermißt das gleiche. Zu leicht 
wird doch beim Vorkommen dieser Erkrankung beim Menschen 
rückläufig auf alles Mögliche in der Umgebung gefahndet; die 
Häufung von Tiererkrankungen gleichzeitig oder vorhergehend 
mit menschlichen Erkrankungen scheint mir nur in einigen der 
angeführten Fälle (Hoffmann) genügend nachgewiesen. 

Herr Lust: In den Ergebnissen befinde ich mich in erfreulicher 
Übereinstimmung mit Herrn Bruno und Hoffmann. Ihre Ver¬ 
suche sind sogar eine willkommene Ergänzung zu den unsrigen, 
da sie auch bei der Übertragung des Rückenmarks gelähmter Tiere 
auf Affen zu negativen Ergebnissen kamen. Bemerkenswert ist, 
daß sicher auch in poliomyelitis fr eien Gegenden Epidemien von 
mit Lähmungserscheinungen einhergehenden Hühnererkrankungen 


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beobachtet wurden. Man muß daher verlangen, daß nur Tiere ver¬ 
wertet werden, bei denen es möglich ist, der Inspektion in vivo 
eine histologisch-anatomische Untersuchung anzugliedem, und die 
zu einer Rasse gehören, die als empfindlich für das Poliomyelitis¬ 
virus erkannt wurden. Sowohl die histologische Untersuchung als 
der Ubertragungsversuch sind bisher negativ ausgefallen, und damit 
sind weitere ätiologische Schlüsse nicht angängig. — Die Kontakt¬ 
infektion wird nicht abgelehnt, wir haben selbst ja derartige Fälle 
mitgeteilt, nur an ihrer überwiegenden Bedeutung möchte ich zweifeln. 
Die einzigen Geschwister, die in der diesjährigen Epidemie bekannt 
wurden, erkrankten am gleichen (!) Tag. 

4. Herr S. Wolff-Wiesbaden: Uber Pneumokokkenerkran¬ 
kung. Besprechung von 3 Fällen von Pneumokokkenerkrankung, 
die eine Steigerung therapeutischer Versuche zeigten. Der erste 
Fall, eine schwere Pneumokokkensepsis, heilte nach einer Chinin¬ 
intoxikation. Hier hatte man das Chinin nach allen möglichen 
vorhergegangenen therapeutischen Versuchen lediglich als Fieber¬ 
mittel gegeben. Es hatte aber die chemotherapeutische Komponente 
gewirkt Doch war erst so hohe Dosis nötig, daß Intoxikation ein¬ 
trat. Deshalb ist für ähnliche Fälle wirksamer Stoff nötig. Dies 
ist das Optochin, ein sehr wirksames Chinoalkaloid. Dies bei einem 
Fall von Pneumokokkenmeningitis neben anderen Mitteln per os 
erfolglos gegeben, wahrscheinlich weil es nicht in genügender Kon¬ 
zentration an die Pneumokokken herankam. Deshalb bei dem 
nächsten Fall das Optochin intralumbal und intraventrikulär ange¬ 
wandt, und in diesem Fall sichtlich Erfolg. Die Meningitis heilte 
und blieb geheilt, da die Autopsie des nach einiger Zeit an einer 
schweren Grippe Verstorbenen Meningitis ergab. Deshalb sollte 
bei der sehr schlechten Prognose der Pneumokokkenmeningitiden das 
Optochin versucht werden, wenn nichts anderes hilft, dann aber 
sogleich intralumbal oder intraventrikulär, da diese Anwendung 
theoretisch am meisten begründet ist Ausführliche Publikationen 
a. a. O. 

Diskussion. 

Herr Benario-Frankfurt a. M. Herr Wolff. 

5. Herr Moro-Heidelberg: Uber rezidivierende Nabel¬ 
koliken bei älteren Kindern. Wiederholte Anfälle von Leib¬ 
schmerzen bei neuropathischeri Kindern, die mit großer Regelmäßig¬ 
keit in die Nabelgegend lokalisiert, häufig mit Appendizitis ver¬ 
wechselt werden und jeder Suggestivtherapie ausgezeichnet zugänglich 
sind. (Ausführliche Publikation in der M. m. W.) 

Diskussion. 

Herr Gernsheim-Worms fragt, ob Herr Moro Gelegenheit ge¬ 
habt hat, den Magensaft zu prüfen. Ich frage deshalb, weil ich in 
mehreren diesbezüglichen Fällen Hyperazidität, in einem Falle der 
letzten Zeit vollständige Anazidität feststellen konnte. 

Herr Barten st ein-Kreuznach bestätigt durch eigene zahl¬ 
reiche Beobachtungen die Mitteilungen von Moro. Als Ursache 
kommt immer neuropathische Konstitution in Frage. Außerdem auch 
Obstipation, 


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B. fragt an, wie die leichteren Fälle von Nabelschmerzen zu 
erklären sind, wo rezidivierende Schmerzen ohne Kolicharakter auf¬ 
traten. 

Herr v. Met ten heim er-Frankfurt a. M. weist darauf hin, daß 
derartige Kinder häufig zu große Mengen M i 1 c h bekommen. Nach 
Regelung der Diät, vor allem Beschränkung der Milch Aufhören 
der Obstipation und Schmerzen. 

Herr Gelhaar-Frankfurt a. M. fragt an, ob in den Fällen, 
die mit periodischem Erbrechen einhergingen, Azeton gefunden 
wurde. Ich habe einen Fall, bei dem bereits die Appendixoperation 
erwogen wurde, der sich als Azetonurie erwies. 

Herr Georg Koch-Wiesbaden wundert sich über, die Prompt¬ 
heit der Wirkung einerseits der suggestiblen (faradischer Pinsel, 
Nabelpflasterverband) Mittel, die Herr Moro anwendet, andererseits 
der diätetischen (Weglassen von Milch) des Herrn v. Metten¬ 
heim er bei so schwerneuropathischen Kindern. Solche suggestiblen 
Maßnahmen führen nach eigener Beobachtung doch häufig nicht 
zum Ziele. 

Herr Hoffmann ist der Ansicht, daß der Erfolg jeder Be¬ 
handlung bei dieser Erkrankung, als einer Erscheinungsform der 
Neuropathie, auf einer Suggestivtherapie beruhe. Da ist es Pflicht, 
zu verhindern, daß solche Patienten als körperlich Kranke von einem 
Arzt zum andern wandern, da sie dabei nur kränker werden. Es 
kommt dabei auf den autoritativen Einfluß des Arztes durch seine 
Person mehr an als auf die Wahl der Mittel, von denen jedes, ob 
Diätregelung, Faradisation, Pflasterkleben, Massage oder irgendeine 
gleichgültige Arzneimedikation, zum Ziele führen, vorausgesetzt, daß 
die Person, die sie anwendet, die richtige ist. (Die Richtigkeit der 
M.’schen Anschauungen, welche in diesem Vortrag niedergelegt sind, 
ist von Küttner-Breslau in mehreren Publikationen neuerdings 
bestritten worden, da dieser behauptet, die meisten derartigen Fälle 
seien Appendiziten. Red.) 

6. Herr B e c k - Frankfurt a. M.: Larosan oderEiweiß milch. 
B. berichtet über 50 mit Kaseinkalziummilch behandelte Säuglinge 
im Alter von 2 Wochen bis zu 1 Jahr, die an akuter und subakuter 
Dyspepsie, Enterokolitis und Dekomposition litten. Die positiven 
Erfolge waren die gleichen wie bei der Eiweißmilch. B. empfiehlt 
das Larosan wegen der Billigkeit und der bequemeren Herstellung 
der Milch besonders für die Privatpraxis. (Die Arbeit erscheint in 
der M. Kl.) 

Diskussion. 

Herr Lu st-Heidelberg: Die Erfolge mit Larosan waren recht 
ungleichmäßige. Wochenlang, speziell in kühleren Jahreszeiten, 
waren sie leidlich befriedigend, dann kamen aber auch Zeiten, wo 
die Resultate uns zwangen, schleunigst wieder zur bewährten Eiwei߬ 
milch zurückzukehren. Von einem vollwertigem Ersatz kann nach 
unseren Resultaten keine Rede sein. 

Herr Moro. 

Herr Hoffmann hat ebenfalls gelegentlich der Anwendung 
von Larosan Mißerfolge gesehen, die dann bei Gabe von Eiwei߬ 
milch sich besserten. Die Verabfolgung von Larosanmilch wurde 


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daher auf ältere Säuglinge und weniger schwere Fälle beschränkt, 
während für jüngere Säuglinge und schwere Dekompositionen zunächst 
Eiweißmilch gereicht wurde. In dieser Indikationsstellung waren 
die Erfolge durchweg günstige, sogar glänzende. 

Herr v. Mettenheimer. 

Herr S. Wolff hat gar keine günstigen Erfolge zu verzeichnen. 

Herr Gross er-Frankfurt a. M. hat bei leichten Fällen günstige 
Erfahrungen mit Larosan gemacht, bei schweren ersetzt es nicht 
Eiweißmilch. 

7. Herr Grosser: Zur Ernährung bei Gallengangver¬ 
schluß. Bei einem 7 wöchigen, klinisch von Dr. Weihe behan¬ 
delten Falle von kongenitalem (Sektion) Gallenausführungsgang-Ver- 
schluß wurde der N-, CaO- und P 2 0 6 - Stoffwechsel untersucht. Die 
N-Ausnützung war gut, ließ sich durch Kaseinzulage sogar steigern, 
PjOß und CaO-Ausnutzung dagegen schlecht. Besonders auffallend 
war die dauernde beträchtliche Kalkunterbilanz, die sich 
aber von der rachitischen dadurch unterschied, daß im Gegensatz 
zu ihr der Urin nicht kalkfrei war, sondern normalen Kalkgehalt 
aufwdes. — Die Fettausnutzung war bei reichlichem Angebot in 
der Nahrung gut, entsprechend den Angaben anderer Autoren. 

8. Herr C u n o - Frankfurt a. M.: Uber Anaphylaxie bei 
wiederholter Diphtherieheilseruminjektion. 

Auf der Diphtherie-Abteilung des Dr. Christsehen Kinder¬ 
hospitals in Frankfurt a. M. wurden seit Oktober 1894 ca. 3500 
Kinder mit Diphtherieheilserum behandelt. 2 mal injiziert wurden 
204 Kinder, es betrug das Intervall 10 Tage bis 114 Monate. 

3 mal bekamen Heilserum 11 Kinder mit Intervallen von 2 und 

I Monat bis zu 84 und 19 Monaten. 

4mal wurde 1 Kind injiziert, die Intervalle betragen 21, 52 und 

II Monate. Nur bei einem von diesen 204 reinjizierten Kindern 
wurde bei der zweiten Injektion eine schnell vorübergehende leichte 
Anaphylaxie beobachtet. 

Als Ursache der bei seinen Kindern so selten aufgetretenen Ana¬ 
phylaxie nimmt C. den Umstand an, daß bis 1910 nur subkutan, 
seit dieser Zeit nur intramuskulär und nur selten intravenös stets 
Höchster Diphtherieheilserum injiziert wurde und eine große Anzahl 
der Kinder die erste Injektion in den ersten Lebensjahren erhielt. 

Zur Vermeidung der bei Reinjektion stets bestehenden Gefahr 
der Anaphylaxie empfiehlt C. bei wiederholter Injektion nur subku¬ 
tan und ganz langsam zu injizieren und bei an anderen Heu¬ 
schnupfen leidenden Patienten eine Wiederholung der Injektion nach 
Möglichkeit überhaupt zu unterlassen. 

Diskussion. 

Herr Moro meint, daß die Ansicht über anaphylaktische Ge¬ 
fahren nach wiederholter Injektion davon abhängig ist, was man 
persönlich in dieser Richtung gesehen und erlebt hat Bei prophy¬ 
laktischer Immunisierung in Anstalten empfiehlt er zunächst die 
probatorische Toxinimpfung nach Schick vorzunehmen. 

Herr Benario. 

Herr Sonnenberger möchte im Anschluß an die Bemer¬ 
kungen des Herrn Benario über die Behandlung schwerer Diph- 


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therie mitYatren (in Verbindung mit Heilserum) auf die Pyozyanase, 
ein Bazillenprodukt des Baz. Pyozyaneus, hinweisen (näheres hier¬ 
über in Würzburger Abhandlungen, 1913, H. 12). Dessen lokale 
Anwendung in Verbindung mit Heilserum scheint schwere Diph¬ 
theriefälle recht günstig zu beeinflussen, ebenso wirkt es bei einer 
Anzahl anderer Infektionskrankheiten im Kindesalter (z. B. Keuch¬ 
husten) günstig. Namentlich sollte man es bei sogenannten Bazillen¬ 
trägern zur Anwendung bringen. 

Herr Moro bestreitet den Wert der Pyozyanase. 

Herr Bardorff-Frankfurt a. M. kann, wenn er seine sojähr. 
Erfahrungen über Diphtheriebehandlung überdenkt, unter voller 
Anerkennung des Heilserums eine wesentliche Besserung der Sterb¬ 
lichkeit nicht zugeben. 

Herren Lugenbühl, Cahen-Brach, Hoffmann. 

Herr Neu haus-Heidelberg: Hinweis auf dieStatistik Axenows, 
der doch relativ zahlreiche Fälle von schweren anaphylaktischen 
Erscheinungen bei seinen mit Moserschem Serum gespritzten 
Kindern beobachtet hat. CaClj und Busrudkasehe Methode haben 
vollständig versagt 

Herr Deut sch-Frankfurt a. M. 

Herr Beck: In der früheren Heubnersehen Klinik wurden 
sämtliche aufgenommenen Kinder, einerlei an welcher Krankheit sie 
litten, prophylaktisch alle 3 Wochen mit Diphtherie-Heilserum ge¬ 
spritzt Es ist mir kein Fall von Anaphylaxie bekannt geworden. 

9. Herr Weihe (Kinderklinik des städtischen Krankenhauses, 
Frankfurt a. M.): Uber die Ruhr der kleinen Kinder. Im 
Laufe des Sommers 1913 wurden in der Kinderklinik 22 Fälle von 
Ruhr beobachtet, darunter 11 Primärerkrankungen. 18 mal fanden 
sich Pseudodysenteriebazillen im Stuhl, 3 weitere Fälle standen 
im engsten epidemiologischen Zusammenhang zu bakteriologisch 
sichergestellten Ruhrerkrankungen. Der bakteriologische Nachweis 
ist nur bei Verarbeitung ganz frischer Stuhlgänge möglich. Bei 
51 Kindern, die an Dyspepsie oder anderen alimentär oder paren¬ 
teral bedingten Darmstörungen litten, wurden niemals Pseudodysen¬ 
teriebazillen gefunden. Der Verlauf der Krankheit war ein schwerer. 
5 Kinder starben, teilweise unter toxischen Erscheinungen. 

Diskussion. 

Herr Schürer-Frankfurt a. M.: Im hygienischen Institut in 
Frankfurt wurden im Laufe des letzten halben Jahres bei 38 Säug¬ 
lingen und kleinen Kindern Pseudodysenteriebazillen im Stuhlgang 
nachgewiesen. Die Tatsache, daß bei Dyspepsien nie Ruhrbazillen ge¬ 
funden wurden, spricht nicht mit Sicherheit dagegen, daß die Ruhr bei 
Säuglingen auch unter den Erscheinungen einer einfachen Dyspepsie 
verlaufen kann, nur ist die Isolierung der Krankheitserreger bei 
leichteren Dysenterieerkrankungen wohl besonders schwierig. Bei 
einer zweifellos von einer einzigen Infektionsquelle ausgehenden 
Ruhrendemie wurde eine größere Zahl von Pseudodysenteriekulturen 
gewonnen, die nach ihrem Verhalten gegenüber Maltose zum Teil 
zum Typus Flexner, zum Teil zum Typus Y hätten gerechnet 
werden müssen. Diese beiden Unterarten können daher nicht als 
konstant gelten. 


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III 


Herr Keuper-Frankfurt a. M.: In der medizinischen Klinik zu 
Frankfurt a. M. wurde in einer Keuchhustenbaracke durch ein Kind, 
das vorher mit Dysenteriekranken in Berührung gekommen war, eine 
Pseudodysenterie-Endemie verursacht, die sehr schwer verlief und 
einen Beweis für die enorme Infektiosität der Erkrankung gibt 
Trotz strenger Isolierung erkrankten 20 von 23 Kindern. In 18 unter¬ 
suchten Fällen fanden sich 17 mit positivem bazillärem Befund. Es 
war in der Mehrzahl der Fälle eine Inkubationszeit von 5—6 Tagen 
bei dem gruppenweisen Erkranken auszurechnen. Diese Zeit kommt 
vielleicht als häufigste Inkubationszeit in Betracht 

6 von 20 Kindern starben, 4 in den ersten Tagen der Ruhr, 
2 an Nachkrankheiten. Bei allen fand sich trotz schwerer klinischer 
Erscheinungen nur eine Enteritis follikularis. Wir verordneten Uzara¬ 
tabletten und Emetin subkutan, sahen wohl einen stopfenden, aber 
keinen spezifischen Erfolg. 

4 Kinder hatten noch nach 2 Monaten in festen Stühlen Pseudo- 
dysenteriebazillen. 

Herren Cahen-Brach, v. Mettenheimer, Schürer. 

10. Herr Beck-Frankfurt a. M.: Weitere Erfahrungen mit 
Rosenbach’schem Tuberkuli n bei der kindlichen Tuber¬ 
kulose. 

B. hat im vergangenen Jahre weitere 45 Säuglinge und Kinder 
mit TR behandelt und berichtet über seine günstigen Erfolge. (Die 
Arbeit erscheint in extenso in der Zeitschrift für Kinderheilkunde.) 

Diskussion. 

Herr v. Mettenheimer hat an der Kinderklinik in über 30 
Fällen von Lungen- und Herzmuskeltuberkulose keinen sichtbaren 
Erfolg von der Tuberkulin -R o s e n b a c h - Kur nachweisen können. 

Herr Georg Koch-Wiesbaden betont, daß es doch sehr nahe 
liegt, die Mißerfolge des Hern v. Mettenheimer gegenüber Herrn 
Beck auf das Material zurückzuführen, und da möchte ich an¬ 
knüpfen an eine Bemerkung des Herrn Beck. Herr B. hat betont, 
daß sich zur Behandlung mit T. R. Fälle von „beginnender ganz 
leichter Bronchialdrüsen tuberkulöse“ eignen. Ich muß fragen: wie 
diagnostiziert Herr B e c k diese „leichte“ Bronchialdrüsentuberkulose? 
Aus der ausführlichen eingehenden Arbeit von Engel geht hervor, 
wie außerordentlich schwierig die Diagnostik der Bronchialdrüsen¬ 
tuberkulose ist Herr Beck muß daher diese Frage genau beant¬ 
worten, wenn er auf die Erfolge einer spezifischen Behandlung dieser 
Fälle mit T. R. hinweisen will. 

11. Herr Götzky: Demonstration von Röntgenbildern von 
einem 4jährigen Knaben mit hypothyreotischer Konstitution, bei dem 
eine klinisch intermittierende Dysthyreosis röntgenologisch durch 
zahlreiche lamellöse Querschatten in der Gegend der endochondralen 
Ossifikationszone nachgewiesen werden kann. 


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112 


Referate. 

Mitteilungen aus der Diphtheriestation. Vou P. Reiche 
und W. H. Liede. (Aus dem Allgem. Krankenhause Ham¬ 
burg-Eppendorf. Mitteilungen a. d. Hamburger Staatskranken¬ 
anstalten, XIII, 13.) 

Zweitausend weitere mit Behring’schem Serum behan¬ 
delte Diphtheriefälle. Von F. Reiche. Ibidem, XIV, 4. 

Weitere Mitteilungen zur Bewertung der Wirksamkeit des 
Behring’schen Heilserums bei Diphtherie. VonF. 
Reiche. Ibidem, XIV, 9. 

über Rezidive bei Diphtherie. Von F. Reiche. Ibidem, 
XIV, 3. 

Diphtherie und soziale Lage. Von F. Reiche. (Med. Kl., 
1913, Nr. 33.) 

über Herpes fazialis bei Diphtherie. Von F. Reiche. 
Ibidem, 1913, Nr. 35. 

Reinfektionen mit Diphtherie. Von F. Reiche. Ibidem, 
1913, Nr. 41. 

Erkrankungen des Appendix (in einem Fall mit an¬ 
schließender Pylephlebitis) nach Diphtherie. Von 

F. Reiche. (Mitteilungen a. d. Grenzgeb. d. Med. u. 
Chir., XXVII, 2.) 

In diesen Arbeiten ist eine Fülle wichtigen Beobachtungs¬ 
materials aus der seit mehreren Jahren in Hamburg grassierenden 
Diphtherieepidemie zusammengetragen. Eine theoretisch zu er¬ 
wartende Begünstigung der Ausbreitung der Krankheit durch die 
sozialen Faktoren der Armut und ihre Hemmung durch die Wohl¬ 
habenheit wurde dabei nach den aus dem Hamburger Stadtgebiet 
1909—1911 gemeldeten 13015 Krankheitsfällen nicht beobachtet 
Die klinischen Befunde an den dem Krankenhaus überwiesenen 7015 
Patienten sind, fast immer unter Trennung der verschiedenen Alters¬ 
klassen, besonders hinsichtlich der Komplikationen, des Krankheits¬ 
ablaufs, des Effekts der Serumbehandlung, der Mengen der ver¬ 
wandten Immunitätseinheiten und der bakteriologischen Unter¬ 
suchung des Leichenbluts mitgeteilt; in ihm wurden unter 768 in 
den ersten drei Wochen ihrer Krankheit Verstorbenen in 26 Fällen 
Diphtheriebazillen, 10 mal zusammen mit hämolytischen Strepto¬ 
kokken, nachgewiesen, steril war es in 302. 6000 Kranke erhielten 

Seruminjektionen. 866 von obiger Gesamtzahl starben, = 12,3 Proz., 
799 von den nach Behring Behandelten. Es erlagen der Krank¬ 
heit — um nur einige prominenteste Daten zu geben — von denen, 
die am 1. Krankheitstage Serum bekommen hatten, unter im Ganzen 
790 Patienten 36, am 2. Tage von 2451 schon 170. Serum wurde 
in schweren Verlaufsformen zum Teil sehr reichlich zugeführt, Mengen 
von 9000 bis 12000 Einheiten gehörten nicht zu den Seltenheiten, 
die größten Gaben waren 18000 und 19500. — Von Interesse sind 
die relativ häufigen echt-diphtherischen Komplikationen an den 


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Augenbindehäuten, der Zunge, der Lippen. Tracheötomiert wurden 
487 mit 277 Todesfällen. Herpes fazialis wurde unter 4830 Kranken 
bei 336 = 6,7 Proz. und bei Frauen etwas häufiger als beim männ¬ 
lichen Geschlecht gesehen, keinmal bei den 99 unter 1 Jahr zählen¬ 
den und den 16 oberhalb des 50. Lebensjahres stehenden Patienten, 
unter den übrigen in steigender Frequenz der einzelnen Altersklassen 
bei den Kranken vom 2.—5. Jahr zu 1,4 Proz., vom 26.—50. zu 
124 Proz. Im Ganzen traten im Verlauf der Krankenhausbehand¬ 
lung während der Höhe des Leidens und in der Rekonvaleszenz 
19 Appendizitiden — in der Gesamtheit zu 0,27 Proz. — auf, darunter 
5 ausgesprochen schwere, von denen 1 weiterhin mit einer Pylephle- 
bitis suppurativa sich komplizierte. 130 Rezidive der Diphtherie 
finden gesonderte Betrachtung, sie kamen zu 2,8 Proz. zur Kennt¬ 
nis, am häufigsten in der Altersklasse zwischen 15 und 25 Jahren; 
durchschnittlich stellten sie sich zwischen dem 20. und 29. Krankheitstag 
ein, desto später im Mittel der Zahlen, je schwerer die primäre 
Diphtherie verlief und zwar im Ganzen öfter nach leichten als nach 
mittelschweren und schweren Bildern. Der Rückfall war in fast 
Vs der Beobachtungen ein leichter, in l /ß ein schwerer. Die Frage 
nach der durch das Uberstehen der Krankheit gewonnenen Immuni¬ 
tät wird hierbei und bei dem Kapitel der Reinfektionen weiter ge¬ 
prüft und damit Stellung genommen zu dem neuen Gesichtspunkt, 
unter den v. Behring die Diphtheriebehandlung gerückt hat Die 
gegebene Übersicht enthält 394 Patienten mit der anamnestischen 
Angabe einer früheren durch gemachten Diphtherie und 47 Wieder¬ 
erkrankungen, bei denen die sicher recht diphtherische Natur sowohl 
der 1. wie der 2. Attacke zweifellos feststand; auch hier läßt sich 
das Bestehen aktiv immunisierender Kräfte von der früheren Diph¬ 
therie her nicht mit der zu fordernden Sicherheit herleiten, kein 
zeitlicher Schutz gegen neues Erkranken, keine verbesserte Abwehr¬ 
fähigkeit gegen die erneut in den Körper einbrechende Infektion. 
Von 77 bei der ersten Diphtherie und bei der Reinfektion Einge¬ 
spritzten bekamen 33 oder 42,9 Proz. ein Serumexanthem, das unter 
sämtlichen 6000 Injizierten bei 418, das ist bei 7 Proz. festgestellt 
wurde. Autoreferat. 

Die Wandlungen der spezifischen Bekämpfung der 
Diphtherie. Von W. G. Ruppel-Höchst a. M. (D. m. W., 
1914, Nr. 11 und 12.) 

Bald nach der Entdeckung des Diphtheriebazillus durch Loeffler 
stellte E. v. Behring die Forderung auf, jede klinische Diagnose 
auf Diphtherie durch bakteriologische Untersuchung sicherzustellen 
und als Diphtherie nur solche Krankheitsprozesse zu bezeichnen,, 
bei denen der L off ler’sehe Diphtheriebazillus nachgewiesen 
worden war. 

Behring stellte den Klinikern ein Heilmittel der Diphtherie 
in Gestalt seines antitoxischen Diphtherieserums zur Verfügung, 
dessen allgemeine Einführung sicherlich nicht so schnell durchge¬ 
führt gewesen wäre, wenn nicht von bakteriologischer Seite, nämlich 
vom Institut für Infektionskrankheiten in Berlin und vom Pasteur- 

Kiadar-Arst XXV. Jahrg. 1914. 8 


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Institut in Paris Beweise für die Wirksamkeit des neuen Heil¬ 
mittels durch die Behandlung einer großen Anzahl von Kranken 
erbracht worden wären. 

Die ersten Diphtheriesera stammten von Hunden. Ziegen, haupt¬ 
sächlich aber von Schafen. Hinsichtlich ihres Antitoxingehaltes 
waren sie sehr minderwertig. Sie enthielten meistens nur 60 Anti¬ 
toxineinheiten in i ccm. Schon in der ersten Serumperiode wurde 
das Auftreten von Serumexanthemen, und zwar namentlich häufig 
bei Verwendung von Hammelserum beobachtet. 

Als Höchstdosis wurden von der ersten, den Präparaten der 
Höchster Farbwerke beigegebenen Gebrauchsanweisung 1500 Anti¬ 
toxineinheiten bei subkutaner Injektion vorgeschrieben, die in 25 ccm 
enthalten waren. Das Bedürfnis, größere Antitoxinmengen zu inji¬ 
zieren, veranlaßte es, zur Herstellung des Serums Pferde zu ver¬ 
wenden. Es gelang bald hochwertige Sera zu erhalten und Dank 
der obligatorischen staatlichen Prüfung zur alleinigen Anwendung 
zu bringen. 

Damit mehrten sich die Heilerfolge des Serums, jedoch wurde 
von den Serumgegnern immer von neuem geltend gemacht, daß die 
Anwendung des Diphtherieserums mit Nachteilen und Schädigungen 
für die Patienten verbunden sei, die einerseits in dem Auftreten 
von Serumexanthemen und oft direkt bedrohlichen Zuständen be¬ 
ständen, und andererseits die Mehrung von Schädigungen der Nieren, 
von postdiphtherischen Lähmungen und von Fällen plötzlichen 
postdiphtherischen Herztodes zur Folge hätte. 

Dagegen wurde mit Recht geltend gemacht, daß die störenden 
Nebenerscheinungen mit dem Gehalt des Serums an Diphtherie- 
Antitoxin nichts zu tun haben, und daß die scheinbare Zunahme 
ernster, postdiphtherischer Störungen nur dadurch verursacht wurde, 
daß viele Diphtheriefälle allerschwerster Form durch die Serum¬ 
behandlung definitiv oder vorübergehend geheilt wurden, die ohne 
Serum rettungslos verloren gewesen wären. 

Das Serumexanthem wird hervorgerufen durch einen in jedem 
tierischen Blutserum vorhandenen Stoff, der infolge seiner Labilität 
beim Lagern oder beim Erhitzen des Serums auf 56—60 0 ver¬ 
schwindet Der Antitoxingehalt eines Diphtherieserums erleidet 
eine Abnahme nur in der allerersten Zeit nach der Entnahme des 
Blutes aus dem Tierkörper, um dann vollkommen konstant zu bleiben. 
Es werden infolgedessen nur noch alte abgelagerte, also konstant 
wirksame und unschädliche Sera abgegeben. Die Forderung nach 
frischen Serumpräparaten ist unberechtigt und geht von falscher 
Voraussetzung aus. Seit Anwendung der abgelagerten Sera sind 
die Fälle von Serumexanthem auf ein Minimum beschränkt. 

Vom Serumexanthem scharf zu trennen ist die Anaphylaxie 
oder Allergie, ein durch die Einspritzung von tierischem Serum her¬ 
vorgerufener Zustand von Uberempfindlichkeit gegen artfremdes 
Eiweiß, welche bei Reinjektion desselben Serums zur Auslösung des 
anaphylaktischen Shoks führen kann. Der letztere kann mit 
Sicherheit vermieden werden, wenn man 5—6 Stunden vor der Rein¬ 
jektion der Hauptmenge des Serums die Einspritzung einer geringen 
Menge (0,5 ccm) subkutan vornimmt 


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Eine Reindarstellung des Diphtherie-Antitoxins ist bisher nicht 
gelungen. In einzelnen Fällen hat man antitoxinfreie oder wenig¬ 
stens antitoxinarme Eiweißkörper aus dem Serum abscheiden können 
und hat auf diesem Wege Diphtheriesera von erhöhtem* Antitoxin- 
gehalt bei gleichem oder vermindertem Eiweißgehalt gegenüber dem 
Ausgangsmaterial gewonnen. Der Antitoxingehalt derartiger „ge¬ 
störter“ Sera aber ist labil, überdies gibt es keine Methode von all¬ 
gemeiner Gültigkeit für die künstliche Konzentrierung des Anti¬ 
toxingehaltes im Diphtherieserum. Man mußte deshalb auf die 
praktische Verwertung dieser Methoden verzichten. Dagegen hat 
man in der Immunisierung der Serumlieferanten so große technische 
Fortschritte gemacht, daß man jetzt jederzeit Sera mit 500, 750, 
1000 und selbst mehr Antitoxineinheiten zur Verfügung hat und zwar 
nicht nur flüssige Sera, sondern auch Trockenpräparate, frei von jedem 
Konservierungsmittel. 

Die vielfach übertriebene Furcht vor der Anaphylaxie hat 
namentlich die Anwendung des Diphtherieserums als Schutzmittel 
nachteilig beeinflußt, und man hat wiederholt den Wunsch ausge¬ 
sprochen, neben dem von Pferden gewonnenen Diphtherieserum das 
Serum einer anderen Tierart für prophylaktische Zwecke zur Ver¬ 
fügung zu haben. Ein solches Serum ist in dem Diphtherie-Rinder¬ 
serum der Höchster Farbwerke vorhanden. 

Das Diphtherie-Rinderserum, welches durch Immunisierung von 
absolut tuberkulosefreien ..Rindern gewonnen wird, ist vollkommen 
unschädlich, da es durch langes Ablagern oder durch Erwärmen 
auf 56 0 C. seiner primären Toxizität beraubt ist Es wird an 
Tieren gewissenhaft geprüft und unterliegt der staatlichen Kontrolle. 

Der passive Schutz durch ein Diphtherieserum ist nur von kurzer 
Dauer. Ein neues Verfahren von Behring bezweckt eine Schutz¬ 
impfung von dauerhafterer Wirkung. Das Verfahren besteht in der 
intrakutanen Einverleibung genau dosierter Gemische von Toxin 
und Antitoxin. Von dem neuen Verfahren ist zu hoffen, daß es, 
im Verein mit den Bestrebungen zur Entkeimung der Diphtherie¬ 
bazillenträger die vollkommene Ausrottung der Diphtherie ermög¬ 
lichen wird. Autoreferat. 

Uber den Jetzigen Stand der aktiven Diphtherieimmuni~ 
sierung nach V. Behring. Von E. Schreiber-Magde¬ 
burg. (Ther. d. Gegenw., März 1914.) 

Vier Gründe sprechen dafür, daß Menschen mit einem genügen¬ 
den Diphtherieantikörpergehalt im Blute gegen Diphtherie geschützt 
sind. Nämlich 1. die Tatsache, daß sich bei frisch an Diphtherie 
erkrankten Menschen im Blute keine Diphtherieantikörper finden, 
2. die Schutzwirkung der prophylaktischen Seruminjektton, 3. die 
hinreichend bekannte Beobachtung, daß Ärzte und Pflegerinnen, je 
länger sie auf Diphtheriestationen arbeiten, umso weniger leicht 
an Diphtherie erkranken, und endlich 4. auch die, daß Bazillenträger 
äußerst selten wieder an Diphtherie erkranken. Und zwar wird ein 
Antikörpergehalt von V 10 bis Vö Einheiten in 1 ccm höchstwahr¬ 
scheinlich ausreichen, um gegen eine nicht allzu virulente Infektion 
zu schützen. Während bei der prophylaktischen Seruminjektion 


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dieser Antikörpergehalt zugeführt wird (passive Immunisierung), 
geht das neueste Bestreben vonBehring’s dahin, diese Antikörper¬ 
bildung aktiv zu erzielen, durch Einimpfung eines Gemisches von 
Antitoxin und Toxin, das vollkommen abgesättigt ist. Die aus den 
verschiedenen Kliniken vorliegenden Mitteilungen zeigen, daß durch 
ein oder mehrere Einspritzungen ein hinreichender Antikörpergehalt 
erzeugt werden kann. Es wird aber noch des weiteren Studiums be¬ 
dürfen, mit welcher Impftechnik man den höchsten Antikörperge¬ 
halt erreicht Darauf ist besonderer Wert zu legen, nicht nur des¬ 
wegen, weil er den sicheren Schutz gewährt, sondern vor allem aus 
dem Grunde, weil der Antikörpergehalt im Laufe der Monate wieder 
sinkt, um sich dann auf eine bestimmte Höhe einzustellen, die nun 
längere Zeit anhalten wird. Der Impfschutz tritt bei der aktiven 
Immunisierung allerdings erst nach etwa io Tagen ein, will man 
die Kinder in dieser Zeit schützen, so könnte man daran denken, 
gleichzeitig eine Seruminjektion vorzunehmen, die keinerlei Einfluß 
auf die Antikörperbildung ausübt. Irgend welche Schädigungen 
durch die Impfung sind bisher nicht beobachtet worden, insbesondere 
besteht keine Gefahr der Anaphylaxie. Die auf die Injektion folgende 
Reaktion übertrifft an Stärke die nach einer positiven Tuberkulin¬ 
probe nicht Diese aktive Immunisierung ist bereits in der Um¬ 
gebung Magdeburgs bei Endemien in den verschiedenen Ortschaften 
auf ihren praktischen Wert geprüft, dabei hat sich die erfreuliche 
Tatsache ergeben, daß nach dem io. Tage keins der 700 geimpften 
Kinder erkrankte, erst nach Ablauf von einigen Monaten erkrankten 
12. Da in allen diesen Ortschaften die Diphtherie andauerte, zum 
Teil auch heute noch nicht erloschen ist, so darf man daraus den 
Schluß ziehen, daß diese Kinder zweifellos einen Schutz gegen 
Diphtherie besessen haben, der aber nicht genügend groß war, so 
daß er im Laufe der Monate wieder verloren ging. Auch diese Be¬ 
obachtung legt den Wunsch nahe, den Antikörpergehalt möglichst 
hoch zu treiben. Ferner ist beachtenswert, daß bei den 12 Impf¬ 
lingen die Diphtherie verhältnismäßig leicht verlief, was sich da¬ 
durch erklärt, daß die einmal angeregte Antikörperbildung, selbst 
wenn der Schutz erheblich gesunken ist, bei einer Erkrankung wieder 
ansteigt Vor allen Dingen bilden sich dann auch die Antikörper 
sehr schnell wieder, selbst wenn sie vollkommen verloren gegangen 
sein sollten. Auf jeden Fall bedeutet diese aktive Immunisierung, 
deren Technik nicht allzu schwierig zu erlernen ist, zweifellos einen 
Fortschritt Autoreferat 

Haemorrhagie conditions in children«patholögY~etiology~ 
treatmenL Von A. L. Soresi-New York. (Arch. of ped., 
xxx , 4.) 

Es gibt zweierlei hämorrhagische Zustände: bei Hämophilie sind 
die Gefäßwände intakt, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist herab¬ 
gesetzt; erst nach einer Verletzung wird der abnorme Zustand offen¬ 
bar. Bei den hämorrhagischen Erkrankungen dagegen, bei denen 
es ohne oder nach unverhältnismäßig geringer Veranlassung zu 
Blutaustritten kommt, besteht eine Schädigung der Blutgefäßwände 
und zwar im Kapillargebiet Die besonders zarten Gefäße des Neu- 


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geborenen können leichter geschädigt werden, daher die relativ 
häufigen hämorrhagischen Erkrankungen des Neugeborenen. Außer¬ 
dem muß bei dauernder Blutung auch eine herabgesetzte Gerinnungs¬ 
fähigkeit des Blutes bestehen; es entsteht kein oder ein nicht ge¬ 
nügendes Koagul um. Zur Therapie der abnormen Blutbeschaffen¬ 
heit empfiehlt S. Pferde- oder Menschenserum; diese nützen nur 
manchmal: immer aber nach S. die Bluttransfusion, für deren Aus¬ 
führung direkt von einem Menschen zum anderen er ein besonderes, 
kleines Instrument angibt, welche eine Armvene des Spenders mit 
der Vena jugularis externa des Empfängers vereinigt. 

Bauer (Wien. 


Bücherbesprechungen. 

Das Röntgen verfahren in der Kinderheilkunde. Von Prof. 
Dr. Paul Rey her-Berlin. Mit 148 Fig. auf 12 Taf. und 
59 Fig. im Text Bd. 4. 8°, 231 S. (Bibliothek der physikal.- 
mediz. Techniken hrsg. von Heinz Bauer.) Berlin 1912. 
Verlag Hermann Meußer. Pr. geb. 16,— Mk. 

Aus seiner reichen Erfahrung durch 7jährige röntgenologisch¬ 
pädiatrische Tätigkeit an der Universitätskinderklinik Berlin hatVerf. 
eine ausgezeichnete Darstellung des von den Fachärzten der Kinder¬ 
heilkunde bisher viel zu wenig beachteten Gebietes gegeben. Er 
bespricht in der Einleitung die besonderen biologischen Wirkungen 
der Röntgenstrahlen auf wachsende Organismen, die Technik bei 
Kindern, unsere Kenntnisse von den bei röntgenologischer Betrachtung 
sich darbietenden anatomischen und physiologischen Verhältnissen 
des Kindesalters. 

Dann werden eingehend abgehandelt: Die Anomalien des Knochen¬ 
systems und die Erkrankungen der inneren Organe. Die Röntgen¬ 
therapie bei Erkrankungen des Kindesalters und eine Zusammen¬ 
stellung der Literatur, so weit sie auf die Pädiatrie Bezug nimmt, 
und ein Sachregister bilden den Schluß. 

Das Buch kann warm empfohlen werden auch allen den Kinder¬ 
ärzten, die selbst wenig vom Röntgen verfahren verstehen; es gibt 
eine gut verständliche Einführung in ein Gebiet, dessen Bedeutung 
von Jahr zu Jahr wachsen wird. Die Ausstattung ist wie bei den 
anderen Büchern dieser Sammlung glänzend. 

Schlich ting (Kassel). 

Jahrbuch der Schulgesundheitspflege 1914. Hrsg, von 
Dr. Moritz Fürst, Schularzt in Hamburg, kl. 8°, IV u. 192 S. 
mit Beiheft: Schulhygien. Notizkalender, kl. 8°, IV u. 124 S. 
Jena 1914. Gustav Fischer. Pr. 3,—, geb. 4,— Mk. 

Das sehr handliche und reichhaltige Buch des bekannten Verf.s 
wird in zwei Teilen herausgegeben, der schulhygienische Notiz¬ 
kalender wird jedem Schularzt erwünscht sein, da er leere Blätter 
zur Eintragung von Sprechstunden in den verschiedenen Schulen 
und für zur Speisung und zum Ferienaufenthalt vorgemerkte Kinder 
enthält. Außerdem für die ganze Tätigkeit des Schularztes wichtige 
Notizen wie Infektionskrankheiten, Atteste und Gutachten, gericbt- 


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liehe Termine und Sitzungen. Weiterhin ist Platz für Adressen der 
Fürsorgestellen, Fernsprecher und Armenbehörden. Ein Verzeichnis 
wichtiger Angaben wie Körpergröße und Gewicht des Menschen, 
Körperlänge, Brustumfang und Kopfmaße der Kinder schließt sich an. 

Das Jahrbuch enthält neben Originalarbeiten verschiedene für 
den Schularzt wichtige Neuerscheinungen des Jahres in ausführ¬ 
lichen Referaten. 

Sa mosch äußert sich in seiner Arbeit über regelmäßige Schul- 
kinder-Messungen und -Wägungen: Sie sollen in erster Linie der 
Gesundheitskontrolle des Schulkindes dienen und das Resultat soll 
in den Gesundheitschein eines jeden Kindes für die ganze Schulzeit 
eingetragen werden. Sparbier spricht über die Freiheit im Turn¬ 
unterricht und fordert von dem Lehrer, ein Mindestmaß von vor¬ 
geschriebenen Übungen einzuüben und die Fähigkeit, möglichst vielen 
Begeisterung und Trieb zu körperlichen Übungen einzupflanzen. Der 
Herausgeber schließt sich dann mit einem Aufsatz über primitive 
und qualifizierte Schulhygiene an, er stellt einen Fortschritt in der 
Schulhygiene fest In der qualifizierten Schulärzte-Organisation mit 
hauptamtlicher Stellung liegt in Mittel- und Großstädten allein das 
Heil der Zukunft, nebenamtlich angestellte Ärzte sind nur ein Not¬ 
behelf. Vorschriften über Kinderarbeit hat Gewerbeinspektor Bender 
zusammengestellt In dem Artikel „Fortschritte des Schulbadewesens“ 
wird mit Genugtuung festgestellt, daß der Schwimmunterricht an 
sehr vielen Stellen zu einem mehr oder minder wahlfreien Unter¬ 
richtsgegenstand der Volksschule zu werden beginnt. Nach N i e t n e r 
werden dann die Fortschritte der Tuberkulosebekämpfung, besonders 
im Kindesalter dargestellt, ein wichtiger Anteil an dieser Bekämpfung 
fällt den Schulärzten durch ihre Arbeit an der Verhütung der Tuber¬ 
kulose in der Schule zu. Nach der Entlassung aus der Schule soll 
die Fürsorge für die schulentlassene Jugend einsetzen. Eine Reihe 
von Arbeiten über Berufskrankheiten der Lehrer und den Schutz 
des Lehrers vor ansteckenden Krankheiten folgt. Ein Verzeichnis 
der Waldschulen und Heilanstalten und Bäder für kranke Kinder 
schließt sich an. Zum Schluß ein Aufsatz von Kemsies über 
Schulbanklehnen und ein ausführliches Verzeichnis der Schulärzte 
in Deutschland. Hanssen (Kiel). 

Kritik der fanatischen Al ko hol-Abstinenz-Bewegung. 

Von Dr. M. Kauffmann, Nervenarzt in Halle a. S. 8°, 8oS. 

Leipzig 1913. Verlag Benno Konegen. Pr. 1,20 Mk. 

Verf. setzt sich die Aufgabe, wie er sagt, der Scheinwissenschaft 
der Abstinenten entgegenzutreten. Er sieht von der fanatischen 
Alkoholbekämpfung keinen Vorteil, hält vielmehr die übertriebene 
Abstinentenbewegung, da an Stelle des Alkohols andere Gifte treten, 
für gefährlich. 

Inwieweit man seine Ausführungen ablehnen oder anerkennen 
muß, ist im kurzen Referat nicht möglich zu erörtern. Das anregend 
geschriebene Werkchen wird darüber Aufschluß geben. 

Cordes (Dresden). 


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Kataster der Anstalten und Einrichtungen für Kinder¬ 
schutz und Jugendfürsorge in Wien, Niederöster¬ 
reich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark. 
Hrsg, von d. K. K. Zentralkommission in Wien. gr. 8 o, 323 S. 
Wien 1913. In Kommission bei Karl Gerold’s Sohn. Pr. 5 Kr. 
Der Zweck des Katasters besteht darin, ein möglichst genaues 
Bild über alle jene Faktoren zu bieten, die auf dem Gebiete der 
Jugendfürsorge in irgend einer Art, auf wohltätiger Basis, tätig sind, 
und zugleich auch diese ihre Tätigkeit in knapper, erschöpfender 
Form zu erfassen. Spiegel (Kiel). 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Zur Diagnostik von Wirbelsäulenerkrankungen. Von 
A. Schanz-Dresden. 

Das Stützbedürfnis, welches jeder Patient mit einer ernsten Er¬ 
krankung der Wirbelsäule den Kundigen so leicht erkennen läßt, 
die charakteristische gebückte Haltung des Rumpfes, die an Skoliose 
erinnernden Schiefstellungen der Wirbelsäule, der Klopfschmerz in 
der Dornfortsatzlinie, die Druckempfindlichkeit der Lendenwirbel¬ 
körper und anderes geben in ihrer Kombination stets ein nicht zu 
verkennendes Bild. 

Eine Erscheinung findet sich häufig, die von niemand vorge¬ 
tauscht werden kann, eine krampfartige Kontraktur der langen 
Rückenmuskeln besonders im Bereich des Lendenteils. Man sieht 
beiderseits der Dornfortsatzlinie zwei reliefartig vorspringende Wülste, 
und fühlt man auf diese Wülste, so erkennt man, daß dieselben 
krampfhaft kontrahierte Muskeln sind. Beobachtet man diese Fälle, 
so sieht man die Kontraktur bei einer Besserung weicher werden, 
schließlich verschwiuden. Bei Verschlechterung und Rezidiven treten 
sie prompt wieder auf. Schlichting (Kassel). 

(Ztrlbl. f. Chir., 1914, Nr. 5.) 

Chronic infectiveEndocarditis. Von E. Can1 1 ey-London. 

Kasuistischer Bericht über zwei Fälle von chronischer Endo¬ 
karditis bei 8jähr. Mädchen an den Pulmonalklappen, bei i8jähr. 
jungen Mann an Trikuspidal- und Aortenklappen. In beiden Fällen 
relativ gutartiger langsamer Verlauf mit mäßigem, intermittierendem 
Fieber; in beiden Fällen Lungeninfarkte. Exitus durch Komplika¬ 
tionen: Pulmonalthrombose resp. Bronchopneumonie. Eine Kultur 
der Erreger aus dem Blut gelang nicht im ersten Fall, erst in später 
Zeit bei dem zweiten, so daß die ursächliche Bedeutung der ge¬ 
fundenen Streptokokken bezweifelt wird. Bauer (Wien). 

(Arch. of ped., Bd. 30, Nr. 5.) 

Versuche mitEiweißmilch. DieGefahren derZucker- 
entziehung für denSäugling. VonNobecourt u.Schreiber. 

Von 2i Kindern ergaben 2 zufriedenstellendes, 5 nicht zufrieden¬ 
stellendes, 14 schlechtes Resultat Die Verff. widersprechen auf Grund 


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ihrer Erfahrungen der Finkelstein’sclien Theorie von der Schäd¬ 
lichkeit des Zuckers. Spiegel (Kiel). 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 7.) 

Behandlung der Teleangiektasien. Von Albert-Weil. 

Während der Verf. früher tiefe Angiome durch harte Röntgen¬ 
strahlung zur fast narbenlosen Heilung bringen konnte, versagte 
diese Methode bei den oberflächlichen Teleangiektasien und gab 
schlechte kosmetische Resultate. 

Seitdem er nun weiche Strahlung benutzt, wie sie die Linde¬ 
rn an n’schen Röntgenröhren liefern, hat er den Weg gefunden, diese 
entstellenden, flächenhaften Angiome mit gutem kosmetischen Erfolg 
zu behandeln. Wie in vielen anderen Fällen (Myom, Thymus) ist 
die Radiologie bei der Behandlung des Angioms die Methode der 
Wahl geworden. Spiegel (Kiel). 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 7.) 


Kleine Mitteilungen. 

Auf Anregung des Vereins praktischer Ärzte in Breslau veran¬ 
staltet ein aus Ärzten, Verwaltungsbeamten, Schulmännern und 
Förderern der Kinderpflege und Fürsorge gebildeter Ausschuß eine 
große Ausstellung „Das Kind“ vom Mai bis Juli 1915 im 
historischen Ausstellungsgebäude des Scheitniger-Parks in Breslau. 
Weit über 100 Mitarbeiter, große medizinische und soziale Organi¬ 
sationen, Behörden und wissenschaftliche Institute werden in fast 
20 Abteilungen in großzügiger, populär-wissenschaftlicher Darstellung 
den Nachweis zu führen suchen, daß die gesunde Entwickelung des 
Kindes und die Heranziehung einer an Seele und Leib gesunden 
Jugend eine Aufgabe von nationaler Bedeutung ist Körper und 
Seele des gesunden und kranken Kindes, Pflege und Ernährung, 
Spiel und körperliche Ertüchtigung in den verschiedensten Alters¬ 
stufen, Säuglings- und soziale Fürsorge, Schulhygiene, Sanatorien 
und Heilstätten, das Kind in der Kulturgeschichte, Kunst und Lite¬ 
ratur usw. werden eine fast lückenlose Darstellung finden. Die 
Leitung der Ausstellung liegt in den Händen eines geschäftsführen¬ 
den Ausschusses, dem der wissenschaftliche und der Verkehrsaus¬ 
schuß zur Seite steht Für die Ausstellung macht sich ein lebhaftes 
Interesse geltend. Die Vorarbeiten sind so weit gefördert, daß in 
kurzer Zeit das ausführliche Programm erscheinen kann. Etwaige 
Auskünfte werden vom Vorsitzenden des geschäftsführenden Aus¬ 
schusses Professor Dr. Tobler, Direktor der Kgl. Universitäts- 
Kinderklinik, erteilt 

Ein Verzeichnis der an allen großen öffentlichen 
Bibliotheken Deutschlands vorhandenen Zeitschriften, 
das etwa 16000 Titel umfassen soll, wird von der Auskunftsstelle 
der deutschen Bibliothek in Berlin herausgegeben. Es kann von der 
Kgl. Bibliothek zu Berlin zum Preise von 10 Mk. bezogen werden. 

Verlag von Benno Konegen. Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für fCinderheilKunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorausznbezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk,,' direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. Juni 1914. No. 6. ( 294 .) 


INHALT: Originalien: Sonnenberger, Die sozialbygienischen Auf¬ 
gaben der Ärzte im Zusammenhang mit der gesamten Jugendfürsorge. (Schluß.) 
121. — Versammlungsberichte: Deutsche Orthopädische Gesellschaft, 
T3. u. 14. April 1914. 129. — Referate: Vollmer, Die Tuberkulose im schul¬ 
pflichtigen Alter. 132. — Rach, Radiologisch erkennbare anatomische Typen 
an kindlicher Lungentuberkulose. 134. — Lledtke u. VOlckel, Befunde von 
Diphtheriebazillen in den Organen bei tödlich verlaufener Diphtherie. 136. — 
Rieb old, Infektiosität der Diphtheriebazillenträger für ihre Umgebung. 136. 
— Deist, Bazillenträger bei Diphtherie. 137. — Mannu af Heurlln, Eine ein¬ 
fache Methode zur Unterscheidung der Diphtheriebazillen von Pseudodiphtherie¬ 
bazillen. 139. — Bauer, Eine Prophylaxe der Diphtherie nach v. Behring. 
139. — Kobrak, Durch den Diphtheriebazillus hervorgerufene blennorrhoische 
Prozesse. 139. — Bubarew, Urotropin bei Masern. 140. — Bücherbe¬ 
sprechungen: Vossius, Die Angiomatose der Retina (von Hippel’sche 
Krankheit). 141. — Rott, IV. Deutscher Kongreß für Säuglingsschutz. 141. — 
Rott, II. Preußische Landeskonferenz für Säuglingsschutz. 142. — Kurze 
Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 143. 


Originalien. 

Die sozialhygienischen Aufgaben der Ärzte im Zu¬ 
sammenhang mit der gesamten Jugendfürsorge.*) 

Von San.-Rat Dr. Sonnenberger-Worms. 

(Schluß.) 

Wenn ich mich jetzt den einzelnen Bestrebungen auf dem Ge¬ 
biete der Jugendfürsorge, welche der erste Herr Referent mir über¬ 
lassen hat, zuwende, so komme ich zunächst zur Säuglingsfürsorge. 
Wir stehen hier auf einem klassischen Boden der Säuglingsfürsorge. 
Das Großherzogtum Hessen hat vor mehreren Jahren durch die 


*) Nach einem auf der Darmstädter Tagung der deutschen Zentrale für 
Jugendfürsorge 1913 erstatteten Referat. 


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Initiative Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der 
Großherzogin eine Zentrale für Säuglingsfürsorge gegründet Wir 
dürfen also mit Stolz sagen, daß Hessen in dieser Beziehung 
vorängegangen ist, und daß so ziemlich jede Frage, die in dieses 
Gebiet hineingehört, durch die Zentrale der Lösung näher gebracht 
ist oder näher gebracht werden soll. 

In der Säuglingsfürsorge, die ja jetzt die modernste Hygiene 
geworden ist — „modern“ im günstigen Sinne, — unterscheiden wir 
eine geschlossene und eine offene Fürsorge. Die offene Säuglingsfürsorge 
hat hauptsächlich die Säuglingsfürsorgestellen und die Mütterberatungs¬ 
stellen im Auge. Die Säuglingsfürsorgestellen haben eine sehr 
große hygienische Bedeutung, doch muß ihre Organisation, nament¬ 
lich in hygienischer Beziehung, noch sehr vervollkommnet werden! 
Die Säuglingsfürsorgestellen sind vorläufig bloß Auskunftsstellen 
über die Art und Weise, wie Krankheiten der Säuglinge verhütet 
werden sollen. Das ist ja ganz entschieden ihr Hauptzweck. Der 
erste Herr Referent hat sich auf den Standpunkt gestellt, es soll 
auch hier behandelt werden. Diese Frage ist sehr schwierig zu 
entscheiden. Sie kann mit ein paar Worten nicht abgemacht werden. 
Sicher ist es ja wohl, daß man vielleicht die erste Behandlung an 
die Beratung ohne Schwierigkeiten anschließen kann. Wie es aber 
mit der Weiterbehandlung stehen soll, darüber bin ich mit dem 
Herrn Referenten nicht ganz einig. Das muß der zukünftigen 
Durchberatung überlassen werden. 

Die Säuglingsfürsorgestellen sollen vor allen Dingen das neu- 

f eborene Kind schützen, das dringend des Schutzes bedarf, denn 
as neugeborene Kind hängt direkt ab von der Pflege und Ernäh¬ 
rung, die ihm zuteil wird. Es kann sich nicht selbst helfen. Also 
müssen die Eltern oder die Pfleger ihm helfen. Sie müssen in diesen 
Säuglingsfürsorgestellen darüber belehrt werden: Was hat man zu tun, 
um seine Kinder gesund zu erhalten? Nun muß ich gestehen: Es sind 
hier große Mängel und Lücken vorhanden. Die Säuglingsfürsorge¬ 
stellen, wie sie jetzt bestehen, belehren ja gewöhnlich nur über die 
Ernährungsfrage. Diese Frage ist ohne Zweifel ungeheuer wichtig. 
Das brauche ich nicht zu entwickeln, denn Sie sind ja fast alle tief 
in diese Sache eingedrungen. Im Vordergründe steht die natürliche 
Ernährung, daneben die künstliche, für die richtig geleitete Milch¬ 
küchen von großer Bedeutung sind. 

Wir haben aber nicht bloß die Säuglingssterblichkeit zu be¬ 
kämpfen; viel wichtiger ist es, worauf schon von verschiedenen 
Seiten hingewiesen worden ist, das Menschenmaterial, welches wir 
besitzen, tauglich, tüchtig zu erhalten, tüchtig für den Lebenskampf, 
tüchtig, wenn es sich um die Wehrkraft handelt, tüchtig, wenn es 
sich darum handelt, daß die Mutter ihr Kind rationell pflegen und 
erziehen soll. Wir streifen hier die Frage der Eugenik, die uns 
zeigen will, wie wir tüchtige Geschlechter heranzüchten können. 
Es kann sich darum handeln, daß wir Heiratsverbote erlassen, wenn 
Leute, die in den Ehestand treten wollen, schwer krank sind. Die 
vorbeugenden Maßregeln werden von den Anhängern der Eugenik 


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sehr weit getrieben; so wird z. B. gefordert die Entmannung der 
geistig Minderwertigen, der Verbrecher usw., wie dies auch in Amerika 
praktisch schon durchgeführt worden ist 

Neben den Bestrebungen der Eugenik kommt die Frage in Be¬ 
tracht: Wie können wir bewirken, daß der Geburtenrückgang nicht 
fortwährend zunimmt? Diese Fragen sind mehr theoretischer Art 
Es kann da aber manches erreicht werden. Was wir erreichen 
sollen, das ist die Erhaltung eines tüchtigen Geschlechts. Die 
gesamten Jugendfürsorgebestrebungen müssen also dahin gehen, 
nicht bloß die hohe Sterblichkeit zu verhindern — allerdings 
auch ein Ziel des Schweißes der Edlen wert —, sondern die 
Hauptsache ist, daß wir die künftige Generation lebenstüchtig er¬ 
halten. Die Situation ist ja so gelagert, daß, wo die Sterblickeit 
hoch ist -r- das habe ich vorhin schon berührt, — auch das nach¬ 
kommende Geschlecht geschwächt ist, und wo die Sterblichkeit 
niedrig ist, ist das nachkommende Geschlecht kräftig. In den 
Säuglingsfürsorgestellen muß also gelehrt werden: Wie verhüten wir 
die Sterblichkeit, und wie erhalten wir die Kinder gesund? Ich 
möchte ganz kurz einige hierher gehörige Fragen streifen. Nicht 
bloß die Ernährungsfrage soll dort erörtert werden. Es muß zuge¬ 
geben werden: Heute wird leider die Sache etwas auf die leichte 
Schulter genommen. Das Kind wird geboren. Man sieht, ob die 
richtige Zunahme vorhanden ist Man bekommt gesagt, wie man 
die Milchmischungen herstellen soll. Aber eine ganze Anzahl hoch¬ 
wichtiger Fragen wird nicht erörtert Ich bin vollständig der An¬ 
sicht des i. Herrn Referenten, daß diese Säuglingsfürsorgestellen eine 
Basis sind, die sich sehr gut zu Jugendfürsorgestellen auswachsen kann. 

Ganz besonders wichtig ist die Tuberkulosefrage. Sie ist 
für das Kind so wichtig wie die Ernährungsfrage, das kann man 
ruhig behaupten, denn wir stehen heute auf dem Standpunkt: die 
Tuberkulose ist eine ausgesprochene Kinderkrankheit. Vor kurzem 
sagte man noch, daß sie für das Kind keine große Bedeutung habe, 
wenn auch hier und da einmal schwere Formen im Kindesalter Vor¬ 
kommen. Aber Sie wissen alle, welche eminenten Fortschritte man 
auf dem Gebiete der Tuberkuloseerforschung in den letzten 
Jahren gemacht hat Die Tuberkuloseansteckung ist ungeheuer 
verbreitet Die Tuberkulose — wenn ich ein paar Haupt¬ 
sätze herausgreifen darf — wird in der überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle übertragen, sie wird sehr selten ererbt. Es scheidet bei 
der Tuberkulose als Volkskrankheit die Vererbungsfrage vollständig 
aus. Die Vererbung kommt nur in einzelnen Fällen in Betracht. 
Die Tuberkulose wird auch sehr selten durch die Milch perlsüchtiger 
Kühe übertragen. Auch dabei handelt es sich nur um vereinzelte 
Fälle. Sie wird hauptsächlich in den Familien übertragen. Es 
finden da schwere Ansteckungen statt, und zwar durch direkte 
Übertragung des Tuberkelbazillus von Mensch zu Mensch. Es 
gibt eine Unmasse Tuberkulose-Ansteckungen im Kindesalter. Die 
Pirquefsche Tubetkulinimpfung hat gelehrt, daß 70, ja 80 Proz. 
der Kinder als tuberkulös infiziert zu betrachten sind. 


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Wie schnell die Tuberkuloseubertragung manchmal erfolgt, will 
ich Ihnen an einem Beispiel zeigen. Vor einiger Zeit wurde in meine 
Sprechstunde ein sechsmonatiges krankes Kind gebracht, dessen 
Eltern und beide Geschwister tadellos gesund waren und blühend 
aussahen. Das Kind hatte Tuberkulose im höchsten Grade. Die 
Eltern wußten, daß Tuberkulose in diesem Alter eine sehr unheil¬ 
volle Bedeutung hat, und konnten es sich nicht erklären, woher 
das Kind die Tuberkulose bekommen hatte, es sei doch in ihrer 
ganzen Familie niemand tuberkulös. Bei näherer Nachforschung ergab 
sich, daß das Kind vor einiger Zeit von einer hochgradig tuber¬ 
kulösen Tante, die zwei Wochen in der Familie zu Besuch war, 
gehätschelt und öfters geküßt worden war. Nun, wir sagen heute: 
wo ausgesprochene Tuberkulose im Kindesalter auftritt, soll man 
nach der Ursache nachforschen, es ist ganz sicher jemand in der Um¬ 
gebung tuberkulös. Wenn es nicht die Eltern sind, so ist es ein Ver¬ 
wandter, irgend ein Nachbar usw., der mit dem Kind innig verkehrt 
und das Kind geküßt hat usw. Die Infektion geht, wie erwähnt, 
mitunter sehr schnell vor sich. Oft wird ein Kind in einigen Tagen 
hochgradig tuberkulös infiziert. Hamburger behauptet sogar, die 
Infektion könne innerhalb einiger Stunden stattfinden. Die Tuber¬ 
kulose wird also sehr leicht übertragen, namentlich im Kindesalter. 
Sie kann also auch verhältnismäßig leicht vermieden werden. Das 
muß die Säuglingsfürsorgestelle den Müttern beibringen. 

Sehr wichtig ist auch die Al ko hol frage. Sie werden sagen: 
Ja, was hat der Alkohol mit dem Säugling zu tun? Ich habe eins 
in der gestrigen interessanten Debatte über die Trinkerfrage 
vermißt: Wir müssen die schweren Alkoholiker dadurch auszuschalten 
suchen, daß wir schon in der Kindheit jeden Alkoholgenuß fern- 
halten. 

Man kann über die Frage der Abstinenz und Mäßigkeit im Er¬ 
wachsenenalter streiten. Die Kindheit aber muß entschieden ab¬ 
stinent gehalten werden. Abgesehen davon, daß der Alkohol für 
das Kind selbstverständlich in hohem Maße schädlich ist, erreichen 
wir dadurch, daß wir die Jugend abstinent erziehen, ihre spätere 
Alkoholfreiheit oder Mäßigkeit. 

Ein Hauptkernpunkt, den wir auch im Auge behalten müssen, 
sind die Belehrungen und der Unterricht in der Schule 
über Ernährung, Tuberkulose, Alkohol u. a. 

Hier möchte ich auch kurz die so wichtige Impffrage be¬ 
rühren. Als ich gestern durch die Straßen ging, fiel mir an einem 
Plakatanschlag ein großer Zettel auf. Wir tagen hier zu Zwecken 
der hygienischen Volksaufklärung, die Zentrale gibt sich die kolossalste 
Mühe. Wir sitzen hier und hören alles an und sind überzeugt von 
der Wichtigkeit dessen, was wir hier verhandeln. Wir schaffen für 
das Volk, und dort steht groß angeschrieben: „Impfgegner, erhebt 
Euch!“ oder so ähnlich. „Die Schäden der Impfung, die Wahrung 
der persönlichen Freiheit“ und ähnliche Dinge. Das ist eine Ange¬ 
legenheit von der größten Tragweite. Es ist davon gesprochen 
worden, wir müßten das soziale Gewissen schärfen. In jenen Ver¬ 
sammlungen sind hunderte von Leuten, die derartige Äußerungen 


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gläubigen Gemüts anhören, wie: „Die Impfung ist ein Schaden für 
Euch, die Impfung ruiniert das deutsche Volk!“ Man wirft uns 
Ärzten ja vor: „Warum geht ihr nicht hin und klärt die Leute auf?“ 
Solches Beginnen ist für uns sehr gefährlich. Gewöhnlich kommen 
wir blamiert heraus. Also es wird sich nicht so leicht ein Arzt 
unterstehen, etwas dagegen zu reden. Die Naturheilkundigen und 
die Impfgegner fangen das Volk. Es ist demgegenüber eine dringende 
Aufgabe für die Säuglingsfürsorgestellen und im weiteren Sinne, 
worauf ich nachher noch komme, für die Deutsche Zentrale für 
Jugendfürsorge, das Volk in solchen Fragen aufzuklären. Belehrung 
für das Volk ist dringend nötig. Es ist nicht so, daß man meinen 
könnte, das Volk lasse sich nicht belehren. Das Interesse des Volkes 
für hygienische Fragen ist bedeutend größer geworden, als es vor 
drei bis vier Jahrzehnten war. Die Säuglingsfürsorgestellen müßten 
in Bezug auf hygienische Volksaufklärung eine größere Wirksam¬ 
keit als bisher entfalten. — 

Es kommen noch die Kinderkrippen in Betracht, die auch 
der ärztlichen Beaufsichtigung ganz dringend bedürfen, ebenso die 
Kinderheilanstalten. Ich kann auf diese Fragen wegen Zeitmangel 
nicht näher eingehen. Nur möchte ich hier noch einige Bemerkungen über 
die Jugendfürsorgearbeit im all gemeine neinschalten. Diejugend- 
fürsorge hat nicht bloß das Gefährliche an sich, daß sie zu wenig, 
sondern auch daß sie minderwertig betrieben werden kann. Das 
müssen wir sagen: wenn sie qualitativ schlecht betrieben wird, wenn 
nicht alle Organisationen Zusammenwirken, wenn sie nur mit halben 
Maßregeln betrieben wird, ist das Geld dafür hinausgeworfen. Man 
soll lieber ganz aufhören als halbe Maßnahmen treffen. Sozial¬ 
hygienische Maßregeln in richtigem Umfang betrieben kosten zwar 
viel Geld, aber entweder ganz oder garnicht! 

Es kann aber nicht nur, wie es vielfach der Fall ist, zu wenig 
und minderwertige Jugendfürsorge getrieben werden, man kann 
auch zu viel Jugendfürsorge treiben. Es wird sehr oft Jugendfür¬ 
sorge in wohlhabende Kreise getragen, denen damit eine Last ab¬ 
genommen wird, und die sehr froh sind, wenn sie z. B. ihre Milch 
in der Fürsorgestelle herausschwindeln, wenn sie umsonst Rat be¬ 
kommen, oder die Kinder in ein Erholungsheim schicken dürfen, 
um selbst vier Wochen spazieren gehen zu können und die Last 
los zu sein. HerrBürgermeisterMüller hat hierüber auf dem vorjäh¬ 
rigen Kongreß für Säuglingsfürsorge sehr richtig gesagt: „Die 
Familie ist der natürliche Boden für den Schutz und die Erziehung 
des Kindes. Die Jugendfürsorge darf diesen Boden daher nicht be¬ 
treten, wo er gut ist“ 

Erst da, wo sich das als unmöglich erwiesen hat, soll die fremde 
Hilfe ergänzend und ersetzend tätig werden, ersetzend dort, wo die 
Hilfe ganz fehlt, z. B. bei vielen unehelichen Kindern, ergänzend 
dort, wo sie zum Teil fehlt, wie -bei vielen minder bemittelten 
Familien. Aber ja nicht zu viel Jugendfürsorge treiben! Nicht 
den Leuten die Last abnehmen, die für ihre Jugend selbst sorgen 
können. 

Nun kommt noch ein sehr wichtiger Punkt, den ich leider nur 


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I2Ö 


ganz kurz streifen kann, das ist die Versorgung der unehelichen 
Kinder. Ein Name darf hier nicht vergessen werden: Mein hoch¬ 
verehrter Freund Taube in Leipzig war der erste, der das jetzt 
allgemein angenommene System der Pflegekinderversorgung durch die 
Berufsvormundschaft, den Pflegekinderarzt und die besoldete Pflegerin 
vorgeschlagen hat. Das ist ein schöner Erfolg, den Leipzig erzielt 
hat, und überall wo man dieses Verfahren angewandt oder in modi¬ 
fizierter Form eingeführt hat, wie z. B. in Straßburg, hat man 
gleichfalls die schönsten Erfolge erzielt Die Gerechtigkeit erfordert 
das zu sagen. 

Ich kann hier auf die geschlossene Säuglingsfürsorge — Säug¬ 
lingsheime, Kinderkrankenanstalten u. a. — nicht näher eingehen, 
übergehe die Kleinkinderfürsorge, die mein Herr Mitreferent be¬ 
handelt hat, und komme dann zur Schulfürsorge. Darüber hat 
Ihnen ja Herr Dr. Lewandowski auch schon manches vorgebracht 
Die Schule der Neuzeit faßt die Jugendfürsorge ganz anders auf, 
als dies früher geschah. Einst war die Schule nur dazu da, das 
Können und Wissen zu heben. In den letzten Jahrzehnten ist sich 
aber die Schule der vollen Verantwortung bewußt geworden, daß 
sie auch die Organisation der Gesundung der Kinder zu übernehmen 
hat Es ist ganz gleichgültig, um was für Krankheiten es sich hier 
handelt, ob die eigentlichen Schulkrankheiten, wie Schwächlichkeit, 
Kränklichkeit, Blutarmut u. a., die durch die Schule direkt erzeugt 
wurden, oder Krankheiten, die anderen Faktoren als der Schule zur 
Last fallen, in Frage kommen. In der Schule ist die beste Ge¬ 
legenheit, um die Gesundung der Kinder zu organisieren. Lehrer 
und Ärzte müssen hier einträchtig Hand in Hand arbeiten, und 
nach mancherlei Schwierigkeiten ist das auch an vielen Plätzen 
gelungen. 

Ich übergehe die für die Schule wichtigen ansteckenden Krank¬ 
heiten, ferner solche, die auch vom sozial-hygienischen Standpunkt 
wichtig sind, wie Zahn-, Ohren-, Augenkrankheiten, Erkrankungen 
der Wirbelsäule, Stottern. Alle diese Übel können durch eine ge¬ 
eignete ärztliche Organisation bekämpft werden. Ich glaube, auch 
die Kommunen sehen allmählich ein, daß sie nicht zögern dürfen, 
möglichst viele Mittel zweckentsprechend hier aufzuwenden. 

Ich möchte eingehender hier nur drei Formen von Schulkinder¬ 
erkrankungen besprechen, nämlich die schwächlichen und kränk¬ 
lichen Kinder, dann die tuberkulösen Kinder und endlich die neuro- 
pathischen Kinder. Die schwächlichen, kränklichen, blut¬ 
armen und leicht skrofulösen Kinder (die schwer skrofu¬ 
lösen sind als tuberkulös aufzufassen) sind in den Schulen in sehr 
großer Zahl vertreten. Nach den Berichten der Schulärzte beträgt 
ihre Zahl bis zu io Proz. Das sind die schwersten Formen, und zu 
dieser Durchschnittszahl ist auch Dr. Lewandowski gelangt 
Seine Zahlen stimmen mit den ineinigen überein. Die schwächlichen 
Kinder sind oft diejenigen, die im Kampfe um die Lebensexi¬ 
stenz unterliegen und das Material für schwere Tuberkulose des 
späteren Lebensalters abgeben. Diese schwächlichen, blutarmen 
Kinder, vielleicht auch die leicht tuberkulösen usw. unterzubringen, 


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ist eine ungeheuer dankenswerte Aufgabe für uns. Ich will in diesem 
Zusammenhang nicht auf die historische Entwicklung der Ferienkolonien 
usw. eingehen, so interessant es wäre. Diese Ferienkolonien sind 
ja vielfach auf meinen Vorschlag in den letzten Jahren in Erholungs¬ 
heime umgewandelt worden, wo die Kinder nicht bloß während der 
Ferien, sondern das ganze Jahr hindurch in abwechselndem Turnus 
aufgenommen werden, und die Erfolge sind ganz ausgezeichnete. Aber 
es muß betont werden; die meisten Städte schicken nicht genügend 
Kinder fort In meiner Heimatstadt Worms werden io Proz. fort¬ 
geschickt Das ist vielleicht die höchste Zahl, die in Deutschland 
erreicht wird. Der Verein für Erholungspflege in Worms hat ein 
jährliches Budget von ca. 32000 Mark. Das ist sehr viel für eine 
Stadt von der Größe wie Worms. Aber es ließe sich noch viel 
mehr herausschlagen, wenn die Sache hygienisch besser organisiert 
wäre, wie überhaupt die hygienische Überwachung auf diesem Ge¬ 
biete vielerorts noch sehr mangelhaft ist. Die Erholungsheime haben 
ganz hervorragende Erfolge aufzuweisen und bilden sicher u. a. eine 
der wichtigsten Waffen im Kampf gegen die Tuberkulose. Die 
Tuberkulose der Erwachsenen ist nach neueren Forschungen eine 
Fortsetzung der schweren kindlichen Tuberkulose. Verhindern wir 
die letztere — natürlich noch durch eine Reihe anderer Maßnahmen 
—, so wird die Tuberkulose der Erwachsenen in vielen Fällen 
nicht zum Ausbruch kommen, wenn nicht eine neue Ansteckung 
hinzu tritt 

Herrn Dr. Lewandowski gegenüber möchte ich bemerken, 
daß für die Jugendwanderungen eine andere Kategorie von Kindern 
in Betracht kommt, wie für die Erholungsheime. Die Frage der 
Versorgung der ausgesprochen tuberkulösen Kinder ist eine unge¬ 
heuer wichtige, die nicht so kurz behandelt werden kann. Was 
fangen wir mit den tuberkulösen Kindern an? Sie müssen, wenn 
sie ausgesprochen tuberkulös sind, aus der Schule heraus, denn 
Kinder und Lehrer mit offener Tuberkulose bilden eine große Ge¬ 
fahr für die gesunden Schüler. Die nötigen Mittel zur Versorgung 
tuberkulöser Kinder müssen beschafft werden. Das Bundesamt für 
Heimatwesen hat sich dahin ausgesprochen, daß die Gemeinden 
herangezogen werden müssen, wenn es nicht anders geht Die 
Kinder müssen in Tuberkuloseheilstätten. Die Tuberkuloseheilstätten 
sind ungeheuer wichtige Glieder in unserer sozial-hygienischen Für¬ 
sorge. Die Aussichten auf eine Heilung sind im Kindesalter viel 
größer als im Erwachsenenalter. 

Aus der Gruppe der kindlichen Neurosen und Psychosen 
interessieren uns hier ganz besonders die Psychopathen. Diese spielen 
in der Erziehung eine große Rolle, weil Eltern, wenn sie noch so 
gebildet sind, ihre psychopathischen Kinder nicht richtig beurteilen 
können. Ihre Kinder werden auf der einen Seite zu weichlich, auf 
der andern Seite zu streng erzogen. Es ist wichtig, daß die Kinder, 
wenn irgend etwas nach der Richtung der Psyche nicht in Ordnung 
ist, von Ärzten begutachtet werden und eventuell in richtige Er¬ 
ziehungsverhältnisse kommen. Die Intelligenz ist bei ihnen nicht 
selten gut entwickelt. Dabei begehen sie aber oft unerklärliche 


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Handlungen, werden zur Besserung in überseeische Länder geschickt 
etc., um später als Verbrecher ä la Wagner auf die Menschheit los¬ 
gelassen zu werden u. a. Das ist etwas sehr Aktuelles. Was macht 
man mit diesen Menschen? Wenn sie ein Verbrechen begangen 
haben, dann kommt die Korrektur zu spät Im Kindesalter können 
solche Veranlagungen recht oft erkannt und behandelt werden, und 
ich muß der Zentrale für Jugendfüsorge mein Kompliment machen, 
daß sie die erste Anstalt für psychopathische Kinder Minderbe¬ 
mittelter in Templin errichtet hat Die Deutsche Zentrale für 
Jugendfürsorge hat dadurch etwas Vorbildliches auf dem Gebiete 
der hygienischen Jugendfürsorge geleistet 

Ich muß mangels Zeit hier abbrechen, so leid es mir tut Es 
wäre noch sehr viel Stoff für mich vorhanden. Wenn wir den 
Kern unserer Verhandlungen herausschälen, müssen wir zweierlei 
konstatieren: erstens erklingt immer der Ruf: Deutsche Zentrale 
für Jugendfürsorge, schaffe du für uns, schaffe du uns einen 
Mittelpunkt! Die Zentrale soll der Mittelpunkt sein, sie soll der 
Mittelpunkt bleiben, unbeschadet aller lokalen Bestrebungen, die 
nebenher laufen können und laufen müssen. Die Zentrale soll die 
Auskunftsstelle, der Sammelpunkt werden, sie soll nach jeder Rich¬ 
tung hin Rat erteilen und tatkräftige Unterstützung bieten in den 
so schwierigen und bedeutsamen Fragen, welche die Jugendfürsorge 
nach der juristischen, nach der fürsorgerischen, nach der hygie¬ 
nischen Seite aufzurollen hat Aber das kann die Zentrale 
nicht, wenn ihr nicht reiche Unterstützung sowohl nach der 
materiellen, als auch nach der ideellen Seite hin zuteil wird. Alle 
jugendfürsorgerischen Vereine müssen der Zentrale angeschlossen 
sein. Sie werden in ihrer lokalen Bedeutung dadurch garnichts ein- 
büßen, im Gegenteil, sie werden recht oft sehr nützlichen Rat von 
der Zentrale erlangen. Sie werden vor allen Dingen einer Zer¬ 
splitterung ihrer Mittel Vorbeugen. 

Und weiter: Wenn eine derartig große Vereinigung segensreich 
wirken soll, so bedarf sie eines großen Zentralorgans. Sie werden 
sagen: schon wieder eine neue Zeitschrift Es ist wahr, es müßte 
eine neue Zeitschrift erscheinen, eine Zeitschrift, an der sich alle be¬ 
währten Jugendfürsorger mit ihren Arbeiten beteiligen würden, eine 
Zeitschrift, die alles sammelt, was auf dem Gebiete der Jugend¬ 
fürsorge und Jugendpflege bei uns vorgeht Österreich hat das 
fertiggebracht, es hat ein sehr schönes Zentralorgan für Jugendfür¬ 
sorge, und ich meine, was Österreich kann, das kann Deutschland auch. 
Das sind wohl Zukunftsträume, und ich weiß, daß es nicht von 
einem Tage zum andern gehen wird. Aber mein Hinweis deutet 
Ihnen an, wo wir hinauswollen und welches die nächsten Aufgaben 
der Zentrale sein werden. 

Die Mittel für die Jugendfürsorge müssen alle diejenigen her¬ 
geben, die an der Jugendfürsorge interessiert sind, also die Staaten, 
die Kommunen, die einzelnen betreffenden Vereine, sozial denkende 
und begüterte Privatpersonen, was ja glücklicherweise in der letzten 
Zeit vielfach in Deutschland geschehen ist Daß man die Mittel, 


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wenn man die richtigen Wege einschlägt, doch auch erlangen kann, 
davon zeugt eine Mitteilung, die mir heute Morgen geworden ist 
Bei der Tagung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheits¬ 
pflege in Aachen hat ein Stuttgarter Arzt die Tuberkulosefrage im 
Kindesalter behandelt und gesagt: die Mittel fehlen uns, der Staat 
müßte sie eigentlich stellen. Da soll Geheimrat Abel, der von der 
preußischen Regierung zu der Versammlung delegiert war, gesagt 
haben: ,Ja, meine Herren, Sie kommen ja nicht zu uns, um uns 
darum zu bitten. Sobald Sie kommen, haben wir Mittel für Sie be¬ 
reit“ Also ich glaube, auch wir werden zu den Regierungen gehen 
und sagen: gebt uns auch Mittel für die Jugendfürsorge. Das sind 
Fingerzeige, wie wir die nötigen Mittel erlangen können. 

Diese Wege alle zu verfolgen, die ich bisher angeführt habe, 
die Mittel herbeizuschaffen, die Arbeit erfolgreich zu gestalten, ist 
sicher eine der schwierigsten, aber auch dankbarsten Aufgaben der 
sozialen Hygiene. Erfordert dies alles auch Riesensummen, die sich 
nicht mit Zinsen an Geldwerten rentieren werden, so werden für die 
Menschheit viel bedeutendere Werte hieraus erwachsen, nämlich 
solche an vermehrter Volksgesundheit und Volkskraft, an gesteigerter 
Erwerbstätigkeit und an erhöhter Lebensfreudigkeit 


Versammlungsberichte. 

Deutsche Orthopädische Gesellschaft. 

(13. und 14. April 1914 zu Berlin.) 

Im Langenbeckhause begann am 13. April die diesjährige 
Tagung mit einer Ansprache des Vorsitzenden Prof. Kolli ker- 
Leipzig. Ein Vortrag von Goch t-Halle handelte über die Technik 
der künstlichen Versteifung der durch die Kinderlähmung 
unbrauchbar gewordenen Gelenke. Sodann sprach Christen-Bem 
über die Entstehung von Brüchen der Extremitätenknochen. 
Die Lehre der Physik lasse sich auf die Brüche übertragen: Brüche 
können entstehen durch Zugspannung und Schubspannung, nicht 
aber durch Druckspannung. 

Cramer-Köln sprach über die Heilung von Hohlfüßen mit 
ausgesprochenen Krallenzehen, die durch Anomalie im unteren Teil 
des Rückenmarkkanals (Spina bifida occulta) bedingt waren: Durch 
Freilegung, durch Trennung der Verwachsungen gelang es, diese 
schweren Erscheinungen zur völligen Rückbildung zu bringen. 
Freilich gehört hierzu eine vorherige genaue Untersuchung des ge¬ 
samten Nervensystems, wie auch Bibergeil- Berlin nach Erfahrungen 
in der Berliner orthopädischen Universitätsklinik bestätigte. 

Schanz-Dresden zeigte schöne Erfolge zur operativen Be- 
weglichmachung versteifter Gelenke. Er meißelt das Ge¬ 
lenk durch und pflanzt nun dazwischen ein Fettpolster aus dem 
eigenen Fett des Patienten, das noch mit dem übrigen in Verbin¬ 
dung steht und somit weiter ernährt wird. Es bildet sich ein neues 

Kinder-Arst XXV. Jahrg. 1914. 9 


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130 


Gelenk aus mit guter Funktion, wie an verschiedenen Beispielen 
demonstriert wurde. In der Diskussion wurden freilich die Resultate 
bei der Bildung künstlicher Gelenke recht skeptisch beurteilt Bevor 
man an solche Operationen herangeht, muß man zunächst genau 
feststellen, welche Erkrankung der Versteifung zu Grunde liegt, wie 
besonders Kölliker und Lu dl off-Breslau betonen. 

Der nächste Vortrag brachte wieder eine neue Theorie der 
Rachitis: Jansen-Leiden führt sie auf die Verletzbarkeit schnell 
wachsender Stellen zurück, die eine geringere Lebensfähigkeit 
haben und so zu den krankhaften Veränderungen führen. 

Stoffel-Mannheim gab anregende Beobachtungen über das 
Wesen der Ischias, die er als Erkrankung bestimmter sensibler 
Nervenbahnen, die zu den Nerven, denen die Ischias den Namen 
verdankt, gehören, anspricht. Recht originell ist die Methode 
Stoffels, die befallenen Nervenbahnen festzustellen. Er läßt den 
Patienten selbst mit einem Farbstift auf der Haut des Beines die 
Stellen anzeichnen, an denen er Schmerzen empfindet. Durch Ver¬ 
gleich dieser Aufzeichnungen mit dem anatomischen Nervenbild 
läßt sich mit Leichtigkeit feststellen, welche Nervenbahn erkrankt 
ist. Die Behandlung besteht in der Einspritzung einer bestimmten 
Lösung in das kranke Nervenstück, in sehr schweren Fällen auch 
in der Freilegung des oft oberflächlich gelegenen schmerzhaften 
Nerven und seiner Entfernung. 

Peltasohn-Berlin hat bei Untersuchungen als Grund für die 
Entbindungslähmungen in fast allen Fällen die Ablösung 
des oberen Endes des Oberarmknochens gefunden. Mit Hilfe 
von Röntgenbildern zeigt er, wie bei dem abgetrennten Teil 
die Verknöcherung vor sich geht und wie dadurch eine 
Störung der Funktion herbeigeführt wird. Handelt es sich 
bei diesen Fällen nicht um eigentliche Lähmungen, so wurden 
in der Diskussion noch besonders die Fälle besprochen, in denen 
durch Schädigungen bei der Entbindung, besonders durch den Ein¬ 
fluß der Zange, wirkliche Lähmungen erfolgen werden: Hier kommen 
nach Spitzy-Wien Verstauchungen, besonders aber Quetschungen 
der betreffenden Nerven in Betracht, die zu Entzündungen führen 
und dadurch die Schädigungen erzeugen. Oft kann man durch 
Freilegung des betreffenden Nerven und seiner Befreiung von ihn 
drückender Entzündungsprodukte schnelle Heilung erzielen. 

Das Friedmann sc he Tuberkulosemittel ist auch von 
den Orthopäden versucht worden. Die Erfolge sind jedoch durchaus 
keine günstigen. Dies berichtet Böhm-Berlin, ferner aus der Bres¬ 
lauer Chirurgischen Universitätsklinik W. S i m o n-Breslau, endlich 
auch B a d e-Hannover. Es sind in den meisten Fällen nicht nur 
keine Fortschritte, sondern in einigen Fällen sogar Schädigungen 
beobachtet worden, was vielleicht auf die Beimengung anderer 
Mikroorganismen zu dem Friedmann’schen Mittel zurückgeführt 
werden muß. 

Weitgehendstes Interesse beansprucht ein Bericht, welchen 
Alb ee-New-York erstattet Es handelt sich dabei um eine Methode 


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der Knochenverpflanzung, die der Redner in ungefähr 250 
Fällen vorgenommen hat, Er berichtet zunächst über die Behand¬ 
lung der Spondylitis. Hierbei wird eine Kuochenverpflanzung 
ausgeführt, um die Wirbelsäule zu stützen. Durch Ein- 
meißelung der Dornfortsätze wird gewissermaßen eine Mulde 
gebildet und in diese eine Knochenspange verpflanzt, welche 
dem Schienbein des Patienten entnommen wird. Dieses Knochen¬ 
stück wird so lang gewählt, daß es mehrere Wirbel ober- und unter¬ 
halb der erkrankten Stelle umfaßt. Der Patient muß 6 bis 8 Wochen 
natürlich ganz ruhig liegen, erhält dann noch für einige Wochen 
zur Stütze einen Apparat, bis dann sicher ist, daß wirkliche Heilung 
eingetreten ist Auch bei Wirbelbrüchen kommt eine ähnliche 
Methode in Frage, und auch an anderen Knochen hat Albee nach 
seinen Angaben recht gute Erfolge erzielt, auch bei Brüchen und 
Verrenkungen, die sonst außerordentlich schwer der Heilung zu¬ 
gänglich sind. 

Auch die deutschen Orthopäden haben mit dem Verfahren gute 
Erfolge erzielt, wenn auch erst eine längere Zeit abgewartet werden 
muß, um zu sehen, ob die erzielten Resultate wirkliche Dauerhei¬ 
lungen darstellen. — Auf allgemein therapeutisches Gebiet führte dann 
Wittek-Graz. Wir wissen durch die ausgedehnten Untersuchungen, 
besonders von Rolli er, welch ausgezeichneten Einfluß das Sonn en- 
licht auf die Tuberkulose ausübt Wittek hat in einem hoch¬ 
gelegenen Sanatorium in Steiermark ebenfalls sehr schöne Erfolge 
mit der Sonnenbehandlung erzielt. 

Mayer-Berlin demonstrierte interessante anatomisch-physiolo¬ 
gische Untersuchungen an Muskeln und Sehnen, die als Basis für 
eine zweckmäßige Art der Sehnenverpflanzung dienen können. 
Er fordert vor allem eine Bewahrung der physiologischen Bedingungen, 
darunter besonders eine Schonung des Gleitgewebes in den die 
Bewegung der Sehnen leitenden Gleitbahnen. Uber das gleiche 
Thema spricht Biesalski-Berlin. Seine Methode der Sehnenaus¬ 
wechselung besteht darin, daß an Stelle eines funktionsunfähig ge¬ 
wordenen Muskels mit seiner Sehne ein anderer Muskel mit Sehne 
gesetzt wird, der an seiner früheren Stelle leichter entbehrlich er¬ 
scheint Hierbei wird die Sehne des Ersatzmuskels durch dasselbe 
Fach geführt, das vorher die entsprechende Sehne einnahm. Die 
Operation ist außerordentlich subtil und auch hier ist es besonders 
der Gleitapparat, der sehr sorgfältig erneuert werden muß. Stoffel 
verfährt bei seinen Sehnenverpflanzungen etwas anders. Er 
betont, daß bei der Auswahl der zu verpflanzenden Sehnen die 
Anatomie und Physiologie des Muskels und der Sehnen genau be¬ 
rücksichtigt werden muß. Vor allem ist auch nötig, daß der Muskel 
bei der Überpflanzung seine physiologische Länge behält E r 1 a c h e r- 
Graz sprach über Plastiken und Transplantation von Muskeln 
und Nerven an Hand von Tierversuchen. Überpflanzt man einen 
gesunden Muskel und vernäht ihn fest mit dem Teil, auf welchen man 
überpflanzt, so findet vollständiger Anwuchs statt. Auch die Nerven- 
führung wächst ein und bildet sich weiter aus, so daß schließlich 
eine völlige funktionäre Einheilung stattfindet Zu diesem Thema 


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132 


gehört auch eine Mitteilung von He inecke-Leipzig, der durch Ein- 
pflanzen eines funktionsfähigenNervs in einen gelähmten Muskel 
diesen wieder zur Funktion bringen konnte. Muskat-Berlin hat 
durch mechanische Maßnahmen ohne blutigen Eingriff eine dauernde 
Sehnenverrenkung der äußeren Muskel des Unterschenkels 
heilen können. L a m y-Paris berichtet über die Auslöffelung von Fußwur- 
zelknochenbei der Behandlung des angeborenen Klumpfußes. 
Bei dieser Methode, durch welche die Knochenkeme entfernt werden, 
werden die Knochen weicher, so daß man leichter eine Formände¬ 
rung erzielen kann. 

Eine längere Diskussion entspann sich über die Abbotfc’sche 
Methode der Behandlung von Rückgratsverkrümmungen. Das 
Verfahren besteht bekanntlich darin, daß der Rumpf des Kranken in 
einem entsprechenden Gestell durch Züge in eine überkorrigierte Lage 
eingestellt und in dieser Lage dann ein Gipskorsett angelegt wird. 
Wie in der Diskussion von mehreren Rednern anerkannt wurde, 
kann durch dieses Verfahren zwar die Form des verbogenen Rumpfes 
verbessert werden, doch gelingt es mit dem Verfahren nicht, eine wirk¬ 
liche Heilung zu erzielen. Besonders von Schultheiß-Zürich, 
Werndof-Wien und Schede-München wurden die Grundlagen des 
Verfahrens bemängelt. 

Eine weitere Gruppe von Vorträgen beschäftigte sich mit den 
schweren Folgen des Plattfußes, von dessen chirurgischer Be¬ 
handlung durch verschiedene Arten der Knochendurchmeißelung 
und der Einpflanzung von Knochenteilen. Hierzu sprachen beson¬ 
ders W i 1 m s - Heidelberg, K a u s c h-Schöneberg, Streißle r-Graz. 
Die blutige Einrenkung der angeborenen Hüftverrenkung er¬ 
gibt nach den Ausführungen von Bade-Hannover keine sehr er¬ 
mutigenden Resultate. Auch Deutschländer-Hamburg beschränkt 
aus diesem Grunde dies Verfahren auf aussichtslose Fälle jenseits 
des Alters, in dem noch eine unblutige Behandlung möglich ist 
Maaß-Berlin und Alsberg-Kassel haben versucht, bei schweren 
kindlichen Rückenmarksverkrümmungen operativ einzu¬ 
greifen, nach ihren Ausführungen auch mit ermutigendem Erfolg. 
Andere Redner jedoch warnten dringend vor solchen Eingriffen. 


Referate. 

Die Tuberkulose im schulpflichtigen Alt»* und ihre Be¬ 
kämpfung. Von Paul Vollmer. {Beitr. z. KL d. Tuber¬ 
kulose und spezifischen Tuberkulose-Forschung, hrsg. und 
redig. von Prof. Dr. Ludoph Brauer, Bd. XXIX, S. 311—347.) 

Nicht nur der Rückgang der allgemeinen Sterblichkeit in den 
größeren europäischen Staaten läßt sich seit etwa Mitte vorigen 
Jahrhunderts statistisch nach weisen, sondern auch der Rückgang 
der. Sterblichkeit der Tuberkulose. Er betrifft aber in der Haupt¬ 
sache nur die Altersklassen, denen die sozialen Gesetzgebungswohl- 
taten zugute gekommen sind. In den Altersklassen o—15, wo die 
Tuberkulose an sich zwar einen verhältnismäßig niedrigen Prozent- 


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*33 


satz an der Sterblichkeit bildet, hat die relative Sterblichkeit an 
Tuberkulose trotz einer kleinen Besserung in den letzten Jahren für 
die Altersstufen o—io im schulpflichtigen Alter nicht ab-, sondern 
zugenommen. 

Für die Beurteilung der Häufigkeit und des Verlaufs der Tuber¬ 
kuloseinfektion überhaupt haben seit der Entdeckung desTuberkel- 
bazilhis durch Koch zunächst die pathologisch-anatomischen Fest¬ 
stellungen Nägelis, Ribberts, Burckhardts, Schmorls,Beitz- 
kes, Hamburgers, Slukas, Ghons u. a. die enorme Häufigkeit 
tuberkulöser Prozesse gezeigt, die nur zu einem Bruchteil klinisch 
manifest, in der Hauptsache latent im menschlichen Körper ange¬ 
troffen werden. Aber auch klinisch-diagnostische Feststellungen, 
Impfungen subkutan nach Koch mit Alttuberkulin, noch einfacher 
und ebenso sicher, wenn auch nicht so umfangreich im einzelnen 
Falle, intrakutan nach Pirquet, bestätigten die Tatsache, daß un¬ 
abhängig von der Mortalität durch Tuberkulose überall eine hohe 
Infektionsziffer vorhanden ist, übereinstimmend mit den pathologisch- 
anatomischen Erfahrungen, und daß das früheste Kindesalter zwar 
eine niedrige Infektionsziffer, aber dafür eine viel höhere Mortalität 
aufweist: es reagieren Pirquet positiv etwa am Ende des ersten 
Lebensjahres 5 Proz., im 6. bereits 50 Proz. und am Ende des schul¬ 
pflichtigen Alters fast 95 Proz. aller Geimpften, was auch schul¬ 
ärztliche Impfungen in großer Zahl beweisen, während die Kurve 
der tödlichen Tuberkulose nach dem ersten Lebensjahre steil ab¬ 
fällt, um nie wieder die enorme Höhe der Tuberkulosesterblichkeit des 
ersten Lebensjahres zu erreichen. 

Vergleicht man mit diesen Tatsachen die tierexperimentellen 
Erfahrungen, nach denen ein nicht tuberkulös erkranktes Tier bei 
einer schweren tuberkulösen Infektion zu Grunde geht, ein anderes 
Tier, das vorher eine nicht zum Tode führende Tuberkuloseinfektion 
durchgemacht hat, einer neuen Infektion ausgesetzt, nicht mehr mit 
einer allgemeinen, schnell zum Tode führenden Krankheit reagiert, 
sondern mit einer lokal ulzerösen Lungenphthise, so erscheint die 
Annahme durchaus berechtigt, daß in den Fällen, wo keine ge¬ 
nügende Kindheits-Immunität — infiziert sind ja über */* — statt- 
geftmden hat, tödliche Miliartuberkulose ein tritt oder schließlich der 
Organismus erlahmt und die im Körper der Kinder in mannigfacher 
Art schlummernde Infektion in einer Lungenphthise gerade im er¬ 
werbsfähigen Alter tödlich endet 

Man kann also mit Hamburger u. a. als den typischen Weg 
der Entstehung und des Verlaufs der Tuberkulose annehmen, daß 
die Infektion (Primäraffekt) in der frühesten Kindheit stattfindet, 
sich in der späteren Kindheit, speziell im schulpflichtigen Alter, die 
sekundäre Tuberkulose, die wir als Skrofulöse, Bronchialdrüsentuber¬ 
kulose etc. in ihrer Mannigfaltigkeit kennen, entwickelt, um schlie߬ 
lich in dem tertiären Stadium der Lungenphthise ohne exogene 
Neninfektion zu enden. Wobei trotzdem die Möglichkeit einer exo¬ 
genen Infektion durch Massen von Tuberkelbazillen nicht ge¬ 
leugnet wird. 

Die Widerstandslosigkeit der infizierten Kinder ist also das 


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*34 


gefahrdrohendste. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der jahrelange 
Schulbesuch mit seinen bis zu einem gewissen Grade unvermeid¬ 
lichen Schädigungen besondere Gefahren birgt Wollen wir gesunde, 
tuberkulosefreie Schulkinder haben, so ist es vielleicht das aus¬ 
sichtsreichste, in erster Linie schon vor der Schulzeit dafür zu 
sorgen, daß die Kinder überhaupt nicht infiziert in die Schule 
kommen, d. h. wir müssen im Sinne der allgemeinen Bekämpfung 
der Tuberkulose als Volkskrankheit dafür Sorge tragen, daß das 
Kind nicht mit einem Tuberkelbazillen aushustenden Kranken zu¬ 
sammenkommt: Isolierung der Bazillenhuster. In 2. Linie ist es 
notwendig, einen mit den Schäden der Schule und Eigentümlich¬ 
keiten der Schulkrankheiten vertrauten Arzt, einen Schularzt, anzu¬ 
stellen, der die Kinder auf Schultauglichkeit mustert, Nachforschungen 
nach Tuberkuloseherden in den Familien anstellt und stattgehabte 
Tuberkuloseinfektionen mit klinischen und ohne klinische Er¬ 
scheinungen mit Hülfe der P i r q u e t’schen Impfung registriert 

Zu dritt müssen während der ganzen Schulzeit Eltern, Kind 
und Schule ärztlich beraten sein. Hygiene des Unterrichts, des 
Schulbetriebes und der Schulanlagen sind selbstverständliche Forde¬ 
rungen. Für Femhaltung Tuberkelbazillen hustenden Lehrpersonals 
und Kinder sorgt der Ministerialerlaß vom 9. Juli 1907, der solchen 
Personen die Schule verbietet, während die Fürsorge für erkranktes 
Lehrpersonal noch der Verbesserung bedarf. 

Die Kinder müssen halbjährlich einer Gesundheitsbesichtigung 
unterzogen werden mit eventueller Wiederholung der Pirquet¬ 
impfung und unter Anlegung von Untersuchungslisten für die ganze 
Schulzeit. Der Schularzt muß an den Lehrerkonferenzen teilnehmen, 
selbst Klassenbesuche ausführen können, um bei Bewilligung längerer 
Ferien aufs Land, an die See, ins Gebirge, in die Ferienkolonien die 
am meisten gefährdeten Kinder richtig auswählen zu können. Es 
müssen eventuell Sonderklassen und Waldschulen eingerichtet werden. 

Nicht zu unterschätzen sind auch regelmäßige Vorträge und 
Belehrungen durch den Schularzt über allgemeine Körperpflege und 
Verhütung der Tuberkuloseübertragung an Lehrer besonders und 
Kinder. 

Eine häufigere, regelmäßige Sprechstunde, eine Schulschwester, 
vielleicht auch eine Schul- und Schulzahnpoliklinik, werden große 
Dienste für das Wohl der Gefährdeten leisten. 

Etwaigen Einwendungen gegen die eingangs erwähnten statisti¬ 
schen Erhebungen ist zu bemerken, daß die Statistik besonders über 
die ländlichen Verhältnisse noch erweitert und ausgebaut werden 
muß, was aber nur durch die Forderung der Schularztanstellung für 
jede Schule, besonders auch auf dem Lande, gewährleistet werden 
kann. Autoreferat 

Radiologisch erkennbare anatomische Typen an kind~ 
lieber Lungentuberkulose. Von E. Rach-Wien. (M.m. 
W., 1914, Nr. 11.) 

Auf Grund klinischer, radiologischer und anatomischer Unter¬ 
suchungen wird der Versuch gemacht, eine Einteilung der kind- 


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*35 


liehen Lungentuberkulose auf anatomisch- radiologischer Grundlage 
zu treffen, gewisse anatomiscli-radiologische Typen auffcustellen, 
deren röntgenologischer Nachweis im Einklang mit den übrigen 
klinischen Symptomen glücken kann. Außer den schon anerkannten 
Typen der kindlichen Lungentuberkulose, der Miliartuberkulose, 
Spitzentuberkulose, werden der Ghon’sche primäre Lungenherd, die 
intumeszierende Bronchialdrüsentuberkulose, die intrapulmonale Hilus- 
tuberkulöse und die Säuglingsphthise unterschieden. 

1. Der Ghonsche primäre Lungenherd. 

Das anatomische Bild dieser häufigen Form der kindlichen 
Lungentuberkulose ist zuerst von Parro t, dann von Küss, Albreclit 
am ausführlichsten und genauesten nach dem Material der Wiener 
Kinderklinik von Ghon beschrieben worden. 

Mitunter gelingt es, einen Ghon’schen Lungenherd radio¬ 
logisch nachzu weisen und zwar kann die Diagnose, wie Simon 
und Rach feststellten, dann mit genügender Wahrscheinlichkeit ge¬ 
macht werden, wenn bei Kindern mit positiver Tuberkulinreaktion 
ein bis bohnengroßer, dichter, scharf umschriebener Schatten isoliert 
und frei in den abseits vom Hilus gelegenen Anteilen der Lungen 
zu sehen ist, und wenn gleichzeitig eine Schwellung und tuberku¬ 
löse Erkrankung regionärer, event auch sonstiger Bronchialdrüsen 
nachweisbar ist 

Unter solchen Bedingungen kann diese Form der Tuberkulose, 
die sich dem physikalischen und bakteriologischen Nachweis ent¬ 
zieht, durch das Röntgenverfahren zu einem klinischen Krankheits¬ 
bild werden. 

2. Die intumeszierende Bronchialdrüsentuberkulose. 

Von den verschiedenen Formen tuberkulöser Erkrankung der 

extrapulmonalen Bronchialdrüsen soll hier jene verstanden werden, 
die zur Verkäsung, häufig auch zur Verflüssigung mit Intumes- 
zenz der Drüsen führt und die dadurch eine mächtige Anschwellung 
derselben hervorruft, welche tumorartig die Nachbarorgane 
komprimieren kann. 

3. Die intrapulmonale Hilustuberkulose. 

Die in diese Kategorien zu rechnenden Fälle zeigen anatomisch 
mit Vorliebe in einem Unterlappen oder im rechten Mittellappen, 
seltener in einem Oberlappen in unmittelbarer Nachbarschaft ver¬ 
käster, extrapulmonaler Drüsen, in trapulmonal in der Nähe des 
Hilus, mehr oder weni ger umfangreich, verkäste Knoten, 
in deren lateraler Umgebung meist weniger ausgedehnte, zuweilen 
strangförmige oder kleeblattähnliche verkäste Herde erkennbar sind. 

Diesem anatomischen Bilde entspricht auch ein wohlgekenn¬ 
zeichnetes radiologisches Bild. Ein öfter rechts als links vom 
Mittelschatten aus mehr oder weniger weit ins Lungenfeld vor¬ 
dringender Schatten, der lateralwärts an Dichte abnimmt und sich 
an seiner Peripherie ohne scharfe Begrenzung allmählich auflöst 
Er zeigt oft wolkige Verdichtungen und nach außen spitz zulaufende, 
streifenförmige Ausläufer, mitunter, wie dies zuerst Sluka hervor¬ 
hob, die Form eines mit der Basis dem Mittelschatten aufsitzenden 
Dreiecks. Durch diese Eigenschaft unterscheiden sich die Schatten 


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der in trapul tnonalen Hilustuberkulose auch von den durch extra¬ 
pulmonale tuberkulöse Bronchialdrüsen hervorgerufenen, welche scharf 
umschrieben, rundlich und in ihrer Lokalisation an die Nähe der 
Trachea und ihrer Hauptstämme gebunden sind. 

4. Die Säuglingsphthise. 

Anatomisch ist dieser Typus gekennzeichnet besonders durch 
Bildung von umfangreichen Zerfallskavernen (während die glatt- 
wandigen bronchiektatischen Kavernen hauptsächlich dem späteren 
Alter zukommen), sowie durch Pneumonia kaseosa. 

Dementsprechend zeigt das radiologische Bild ausgebreitete, 
dichte Schatten, deren Grenzen oft mit den Lappengrenzen zu¬ 
sammenfallen (bei lobärer käsiger Pneumonie) und in deren Bereich 
sich häufig buchtige, scharf umschriebene Aufhellungen erkennen 
lasssen. Häufig finden sich daneben noch mächtige Drüsenschwel¬ 
lungen und miliare Knötchen. Autoreferat 

über Befunde von Diphtheriebazillen in den Organen 
bei tödlich verlaufener Diphtherie. Von Liedtke 
und V öl ekel. (Aus der Zentralstelle für öffentliche Ge¬ 

sundheitspflege in Dresden. — D. m. W., 1914, Nr. 12). 

Die Verf. untersuchten nach einer von Conradi (M. m. W., 1913, 
Nr. 20) angegebenen Methode zum Nachweis spärlicher Diphtherie¬ 
keime die einzelnen Organe von sieben an Diphtherie gestorbenen 
Kindern. Sie fanden bei sämtlichen untersuchten Fällen zahlreiche 
Diphtheriebazillen in Herz, Lunge, Leber, Milz, Niere und Knochen¬ 
mark. Hirnteile, die zweimal zur Verfügung standen, zeigten eben¬ 
falls positiven Befund. Die festgestellten Keime waren im Methylen¬ 
blau und Neisserpräparat typisch, im Tierversuch vollvirulent 
Soweit das spärliche Obduktionsmaterial ein Urteil zuläßt, scheinen 
also in jedem Falle tödlich endender Diphtherie die Löff 1 ePschen 
Bazillen in sämtliche Organe einzudringen. Hier handelt es sich 
demnach nicht nur um eine Intoxikation, sondern auch um eine 
Allgemeininfektion. 

Außerdem teilen die Verf. noch einige Befunde über das Vor¬ 
kommen von Diphtheriebazillen im Harn mit Sie fanden in 30 
Urinen Diphtheriekranker sechs mal Stäbchen, die morphologisch 
und kulturell den Diphtheriebazillen glichen. Zwei von diesen 
Stämmen waren Meerschweinchen gegenüber virulent 

Autoreferat 

Sind die Diphtheriebazillentrfiger für ihre Umgebung 
infektiös ? Von Riebold -Dresden. (M. m. W., 1914,Nr. 17.) 

Gelegentlich des Auftretens einer Diphtherie-Epidemie in einer 
Ferienkolonie des Gemeinnützigen Vereins zu Dresden konnte R. 
mit großer Wahrscheinlichkeit den Ursprung der Erkrankungsfälle 
auf einen Bazillenträger zurückführen, der selbst keine Diphtherie 
durchgemacht hatte. Von den 21 gesund gebliebenen Kindern der 
Kolonie erwiesen sich nach Isolierung der Kranken 7 als Bazillen¬ 
träger. Einer dieser gesund gebliebenen Bazillenträger schleppte die 
Krankheit aus der Kolonie mit nach Haus. 


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Nach den mitgeteilten Erfahrungen scheint es nötig, den Diph¬ 
theriebazillenträgern im allgemeinen eine große Beachtung zu 
schenken — gleichgültig, ob sie selbst eine Diphtherie durchge¬ 
macht haben oder nicht —, da sie jederzeit zur Verbreitung der 
Krankheit beitragen können. Die bisherige Trennung in „Dauer¬ 
ausscheider“ und „Bazillenträger“, in „Haupt- oder Neben träger“ ist 
zweckmäßigerweise aufzugeben. Für die Prophylaxe der Krankheit 
ist die Kontrolle der Bazillenträger weit wichtiger, als die jetzt 
übliche Wohnungsdesinfektion. Autoreferat 

Bazillenträger bei Diphtherie. Von H. Deist-Berlin. (Beitr. 
z. Klin. d. Infekt. - Krkh. u. z. Immunitätsforschung, 1914, 
Bd. II, H. 3.) 

Die Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die sich vorwiegend 
durch Übertragung von Mensch zu Mensch ausbreitet. Sie befällt 
mit Vorliebe das frühe Kindesalter. Der Diphtheriekranke mit den 
massenhaft mit Vorliebe in den Schleimhäuten des Rachens, der 
Nase, des Kehlkopfes, der Luftröhre, in den Nebenhöhlen der Nase, 
der Konjunktiva und in der äußeren Haut vegetierenden und sich 
vermehrenden Diphtheriebazillen ist der Mittelpunkt und die Haupt¬ 
verbreitungsquelle der Krankheit. Zwei gut trennbare Typen der 
Verbreitung der Diphtherie sind zu beobachten. Die weniger häufige 
Art führt zu explosionsartig auftretenden Epidemien von wechselnd 
großem Umfang. Bei der anderen Art dehnt sich die Verseuchung 
schleichend wenig merklich aus, bildet bald hier und dort neue 
Herde und führt zu einer größeren Zahl von Erkrankungen, die 
keinen offenbaren Zusammenhang miteinander zu haben scheinen. 
Für die erste Art ist z. B. eine Nahrungsmittelinfektion, für die 
zweite eine Bazillenträgerinfektion typisch. Die Verbreitungsweise 
als solche teilt Konradi in Schleuder- und Tröpfcheninfektion, in 
Kontakt-, Staub- und Luftinfektion und schließlich in Nahrungs¬ 
mittelinfektion. Die Schule spielt als Ubermittler der Infektion eine 
große Rolle. Die Spielplatzgefahr ist gegenüber der Gefahr der 
Ansteckung in der Schule verschwindend gering. Es gibt fraglos 
echte Schulepidemien, d. h. Erkrankungshäufungen, die die Haupt¬ 
infektionsquelle in der Schule haben. Vor allem spricht der durch¬ 
schlagende Erfolg hygienischer Maßnahmen unzweideutig für die 
Beteiligung der Schule an der Verbreitung der Diphtherie. Hält man 
die lebenden Infektionsquellen fern, kommt auch die Klassenepidemie 
zum Stehen und zum Erlöschen. Im allgemeinen geht die Zahl 
der Keimträger unter Schulkindern der Zahl der Diphtheriefälle 
parallel. Der Diphtheriebazillus ist nicht ubiquitär. Unter Bazillen¬ 
trägern versteht man Keimträger, die Krankheitserscheinungen im 
Nasenrachenraum nicht bieten und nicht geboten haben. Daueraus¬ 
scheider sind Kranke in der Rekonvaleszenz und Genesene nach 
der Krankheit In dieser Zusammenstellung lassen sich Kranke in 
der Inkubationszeit und solche, die mit dem Urin die Bazillen aus- 
scheiden, schlecht unterbringen. Sasquepee hat trotz der großen 
Schwierigkeit, die in dem Vorhaben liegt, versucht, eine zahlen¬ 
mäßige Übersicht über die Zahl von gesunden Bazillenträgern zu 


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haben. Er fand in diphtheriefreien Gegenden sehr wenig oder 
gar keine Bazillenträger, in endemisch befallenen Gegenden 4—8 
Proz., in allgemeinen Kinderkrankenhäusern 12 Proz., bei En- und 
Epidemien unter größeren Gemeinschaften 12—14 Proz., bei En-und 
Epidemien in Schulen 20—25 Proz., in der unmittelbaren Umgebung 
von Diphtheriekranken 30—35 Proz. Die beiden letzten Zahlen 
liegen sicher zu hoch. Bei der vorwiegenden Übertragung von 
Mensch zu Mensch ist den Dauerausscheidern zahlenmäßig gegen¬ 
über den Bazillenträgern wegen der beschränkten Untersuchungs¬ 
möglichkeit die bei weitem größere Rolle zuzusprechen. Eine 
weitere recht ergiebige Quelle stellt die Inkubationszeit dar. Der 
typischen Diphtherie geht nicht selten besonders bei Kindern ein 
Schnupfen voraus; bei solch akutem Schnupfen beherbergt die Nasen¬ 
höhle massenhaft virulente Bazillen. Ektojgen vermehren sich die 
Diphtheriebazillen sehr j*ut in Milch. Ob durch die Milch diph¬ 
theriekranker Kühe (es gibt fraglos eine Diphtherie der Kühe) Neu¬ 
infektionen möglich sind, steht noch nicht fest Die Frage schon 
mahnt aber immerhin zur Vorsicht Eine Rolle bei der Diphtherie¬ 
verbreitung spielt noch die chronische Rhinitis und der diphtherische 
Schnupfen der Säuglinge. Diphtheriebazillen sind im Blut, in der Zere¬ 
brospinalflüssigkeit und in den Lungen des Menschen nachgewiesen 
worden. Aktuell ist die Frage der Ausscheidung der Diphtherie¬ 
bazillen durch den Ham. Es lassen sich dadurch leicht besonders 
bei Kindern häufige Genitalaffektionen erklären. Die Diphtherie¬ 
bazillenpersistenz ist erheblich, bei Rekonvaleszenten bis 12 Monate 
geprüft beobachtet (Prip), vermutlich noch länger, bei Bazillen¬ 
trägern bis 72 Tage (Otto). Die Persistenz der Diphtheriebazillen 
bei Trägem steht weit hinter der bei Rekonvaleszenten und Dauer¬ 
ausscheidern zurück. Bei der Therapie ist das Maßgebende die 
bakteriologische Untersuchung und die darauf begründete Kontrolle 
und weitgehendste Absperrungs- und Isolierungsmaßregeln, wie sie 
die Armee vorbildlich zeigt 

Ein sicher wirkendes besonders chemisches Mittel gegen Diph¬ 
theriebazillenpersistenz gibt es bisher nicht Das Gesetz läßt bei 
Bazillenträgern unbegreiflicherweise das Recht der Absonderung 
fallen und begnügt sich mit der Ermahnung, den Rachen regel¬ 
mäßig zt} spülen und alles desinfizieren zu lassen. Der Diphtherie¬ 
kranke kann nach dem Gesetz solange isoliert werden, bis er „bak¬ 
teriologisch“ genesen ist Verwirrend wirkt die noch nicht ge¬ 
klärte Frage der Zusammengehörigkeit der Diphtheriebazillen und 
der Diphtherie ähnlichen Bazillen, weiter die Frage der verschiedenen 
Virulenz, die Diphtheriebazillen und die Diphtherie ähnlichen scheiden 
soll. Durch die neuesten Untersuchungsergebnisse von Trautmann- 
Gaehtgens und Bernhard-Paneth scheint nun eine Brücke 
zwischen den Diphtheriebazillen und den Diphtherie ähnlichen ge¬ 
schlagen. Damit wäre die Frage der Variabilität der Diphtherie 
bejaht. Diese Frage ist natürlich auch für die Bazillenträgerfrage 
von einschneidender Bedeutung. 

Unsere Forderung muß sein, die Begriffe Diphtheriebazillen, 
Pseudodiphtlieriebazillen, virulente, schwach virulente, avirulente 


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Pseudodiphtheriebazillen, und aviralente Löffle r’sche Bazillen scharf 
zu trennen oder jedenfalls zu klären. Dann kann auch eine aus¬ 
sichtsreiche Diphtheriebekämpfung einsetzen. Autoreferat 

Eine einfache Methode die echten Diphtheriebazillen von 
Pseudodiphtheriebazillen kulturell zu unterscheiden. 

Von Mannu af Heurlin-Helsingsfors. (M. m. W., 1914, Nr. 13.) 

Die Methode gründet sich auf die Eigenschaft der Pseudo¬ 
diphtheriebazillen, im Hochagar um den Phenolphthaleinpunkt aus¬ 
gesät aerophil zu wachsen, während die echten Diphtheriebazillen 
mehr indifferent wachsen. Wird die Menge des hinzugefügten 
N-NajCoa vermehrt, so tritt der Unterschied in dem Wachstums¬ 
typus bedeutend deutlicher zutage, wobei im stark alkalinisierten 
(100 ccm N-Na a Co* pro Liter Nährboden) traubenzuckerhaltigen 
(1,5 Proz.) Hochagar (1 Proz.) der echte Diphtheriebazillus anaero- 
phil oder anaerob wächst, während sich die meisten Pseudodiph¬ 
theriebazillen nur extrem anaerob hauptsächlich in der Form eines 
Oberflächenbelages, aber auch mit minimalen Kolonien bis 8 mm 
von der Oberfläche entwickeln. Alle übrigen allerdings seltener 
vorkommenden Pseudodiphtheriebazillen kommen in diesem Agar 
nicht zur Entwickelung. 

Unter den untersuchten 53 echten Diphtheriebazillenstämmen 
waren 49 Stämme = 92,5 Proz. toxisch und 4 Stämme = 7,5 Proz. 
atoxisch. In Hoch-Blut-Phph.-Agar ohne Fr.-Z. erwiesen sich 47 
Stämme = 88,7 Proz. hämolytisch und 6 Stämme = 11,3 Proz. 
als nicht hämolytisch. Sämtliche 25 Pseudodiphtheriebazillen¬ 
stämme waren atoxisch und nicht hämolytisch. Autoreferat 

über die Prophylaxe der Diphtherie nach v. Behring. 

Von J. Bauer. (Akadern. Kinderklinik Düsseldorf. — D. m. 

W., 1914, Nr. 12.) 

Bei den meisten der mit v. Behrings Schutzmittel behandelten 
Impflingen steigt nach der Behandlung der Antitoxingehalt in die 
Höhe, einerlei ob sie schon von vorhinein im Besitze einer gewissen 
Antitoxinmenge waren oder nicht In einigen Fällen wächst die 
Antitoxinkurve nicht an. Hier war wahrscheinlich die angewandte 
Vakzinedosis zu gering. 

Überall, wo eine stärkere lokale oder allgemeine Reaktion auf 
die Einverleibung des Vakzins erfolgt, nahm auch der Antitoxin¬ 
gehalt zu. Die Möglichkeit der Antitoxinanreicherung durch Vakzine¬ 
behandlung besteht sowohl bei Personen, die Diphtherie überstanden 
haben, die Diphtheriebazillenträger sind, als auch solchen, die nach 
anamnestischen Angaben noch niemals Diphtherie gehabt haben. 

Bazillenträger, die behandelt wurden, erwarben in fünfmonatiger 
Beobachtung auf einer Diphtheriestation keine Diphtherie. Sie ver¬ 
loren aber durch die Behandlung ihre Bazillen nicht, auch nicht, 
wenn der Antitoxingehalt ihres Blutes ganz beträchtlich wurde. 

Autoreferat. 

Durch den Diphtheriebazillus hervorgerufene biennor* 
rhoische Prozesse, speziell in der kindlichen Vagina. 

Von Erwin Kobrak-Berlin. (Med. Klinik, 1914, Nr. 10.) 

Die Erregung fibrinöser Membranen ist zwar die häufigste aber 


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durchaus nicht die einzige Wirkung des Diphtherieinfektes. Es 
werden verschiedene atypische Fälle beschrieben, die andersartige 
Reaktion, wie Ödeme im Halse, zeigten. Besonders hingewiesen 
wird auf das Entstehen blennorrhoischer Eiterungen in den Luft¬ 
wegen. 

Die Beobachtung solcher Eiterungen legte den Gedanken nahe, 
auch bei den Blenorrhoeen der Genitalien kleiner Mädchen dann, wenn 
Gonokokken nicht nachweisbar waren, nach Diphtheriebazillen als 
Erreger zu fahnden. Es gelang zwei klinisch völlig als Gonorrhoe 
imponierende Fälle ohne jede Membranbildung bakteriologisch als 
Vaginal-Diphtherie zu erklären und bei entsprechender Serumbehand¬ 
lung rasch zu heilen. Zu bemerken ist, daß in der Literatur Diph¬ 
therie der weiblichen Genitalien stets als eine neben schwerer ander¬ 
weitiger Diphtherie einhergehende Erkrankung beschrieben ist, die 
im allgemeinen prognostisch ungünstig zu werten ist 

Die hier beschriebenen Fälle sind isolierte rein lokale, das All¬ 
gemeinbefinden nicht tangierende Erkrankungen, die sich klinisch 
von Gonorrhoe nicht unterscheiden ließen. Autoreferat. 

Urotropin bei Masern. Von D. B. Bubarew-Slatopol. (Prakt 
Wratsch, 1913, Nr. 39.) 

Verf. weist, ehe er zu seinem eigentlichen Thema, nämlich der 
Anwendung des Urotropins bei Masern, übergeht, zunächst darauf 
hin, daß das Urotropin bei Erkrankungen der Respirationswege und 
bei Influenza auffallend günstige Wirkungen äußert, die sich daraus 
erklären lassen, daß es bekanntlich in alle Körpersäfte übergeht und 
durch Formaldehydabspaltung diesen eine entwicklungshemmende 
Wirkung auf Mikroorganismen verleiht 

Verf. hat selbst mit Urotropin gute Erfolge bei derartigen Er¬ 
krankungen, insbesondere bei Influenza, erzielt Er hat es haupt¬ 
sächlich bei Influenzakranken angewandt, die Herzfehler hatten. In 
8 von 10 derartigen Fällen wurde weder Azetylsalizylsäure noch 
Salipyrin vertragen. Diese Präparate führten starkes Herzklopfen, 
zuweilen auch eine Dekompensation herbei. Urotropin dagegen, das 
in verhältnismäßig großen Dosen (0,5 g 4 bis 5 mal täglich) gegeben 
wurde, hatte keinerlei unangenehme Nebenwirkungen und führte 
schnell den gewünschten Erfolg herbei. In manchen Fällen erwies 
sich die gleichzeitige Verabreichung von kleineren Dosen Salol als 
nützlich. 

Was die Anwendung des Urotropins bei Masern betrifft, so 
versuchte Verf. es zunächst prophylaktisch. Wenn er zu einem 
masernkranken Kinde gerufen wurde, so ließ er die etwa vorhandenen, 
von der Krankheit sichtlich noch nicht ergriffenen Kinder Urotropin 
nehmen in der Hoffnung, den Ausbruch der Masern bei diesen 
Kindern verhindern zu können. Diese Hoffnung hat sich jedoch 
nicht erfüllt Offenbar waren die Kinder schon infiziert, und die 
angewandten Urotropinmengen reichten nicht aus, um eine Abtötung 
der Masernerreger herbeizuführen. Die Krankheit verlief aber in 
diesen prophylaktisch mit Urotropin behandelten Fällen in äußerst 
leichter Form, so daß angenommen werden muß, daß die Erreger 


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in ihrer Virulenz geschwächt waren. Die Temperatursteigerung war 
mäßig, der Katarrh der Luftwege unbedeutend und das subjektive 
Allgemeinbefinden günstig. Komplikationen traten nicht auf, be¬ 
sonders wurden keine Pneumonien beobachtet. Verf. hat diese Er¬ 
fahrungen bei zwei t Masernepidemien in einer bedeutenden Zahl von 
Fällen gemacht Nie trat eine Komplikation auf, wo von Beginn 
der Erkrankung an Urotropin verordnet wurde In vier nicht mit 
Urotropin behandelten Fällen, in denen eine Pneumonie auftrat, 
wurde nach deren Feststellung Urotropin neben den sonst gebräuch¬ 
lichen Mitteln gegeben. Die Pneumonie wurde hierdurch günstig 
beeinflußt und in ihrem Verlauf abgekürzt 

B. verordnete das Urotropin in Mixturen. Er warnt vor einem 
Zusatz von Säuren, da hierdurch eine Zersetzung des Urotropins 
eintreten könne. Die Mütter müssen auch darauf aufmerksam ge¬ 
macht werden, die Mixtur vor der Verabreichung nicht anzuwärmen, 
da auch hierbei Zersetzung eintritt Auch die Apotheker müßten 
vermeiden, das Urotropin noch nicht vollkommen abgekühlten Auf¬ 
güssen und Abkochungen hinzuzufügen. 

Je nach dem Alter des Kindes wurden täglich 0,75—1,5 des 
Schering’schen Originalpräparats in einer Mixtur mit Expektoran- 
tien verordnet, die zweistündlich gegeben wurde. Autoreferat. 


Bücherbesprechungen. 

Die Angiomatose der Retina (von Hippel’sche Krank¬ 
heit). Von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Vossius-Gießen. 
(Samml. zwangl. Abhandl. a. d. Geb. der Augenhlkd., Bd. IX., 
H. 1.) gr. 8 ft , 34 S. Halle 1913. Carl Marhold. Preis 1,— Mk. 

Nach ausführlichem Bericht über die wenigen bisher veröffent¬ 
lichten Fälle bringt Verf. eine eigene Beobachtung über diese eigen¬ 
artige seltene Krankheit, die durch starke Erweiterung und Schlänge¬ 
lung einer Arterie und zugehörigen Vene und durch Auftreten roter 
und gelbroter kugeliger oder ovoider Gebilde im Verlaufe der Ge¬ 
fäße charakterisiert wird. Diese roten Kugeln sind oberflächliche 
Angiome, keine Aneurysmata, wie man wohl früher annahm. Ursache 
unbekannt. Hübner- Kassel. 

IV. Deutscher Kongreß für Säuglingsschutz Breslau 
1913. Bericht herausgegeben im Aufträge des geschäfts¬ 
führenden Ausschusses vom Schriftführer des Deutschen Ver¬ 
eins für Säuglingsschutz Dr. Rott-Charlottenburg, gr 8°, 
99 S. Berlin 1914. Verlag G. Stilke. Preis 1,80 Mk. 

Die Referate waren: Geburtenrückgang und Säuglingsschutz, 
I. Geh.-Rat Prof. Wolf-Berlin, dessen Referat verlesen wurde, II. 
Prof. Dr. Lang stein-Berlin. 

Die Stellung des Arztes in der Säuglingsfürsorge, I. Oberpräsi¬ 
dialrat Breyer-Magdeburg, II. Prof. Dr. Salge-Straßburg. 

Die Rechtsstellung des unehelichen Kindes nach deutschem 
Recht, I. Amtsgerichtsrat Landsberg-Lennep, II. Stadtrat Dr. 
Köhler-Leipzig. 


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Aus dem Teilnehmerverzeichnis geht hervor, daß die praktischen 
Kinderärzte nur in sehr geringer Zahl an der Tagung teilnahmen. 
Von den Referaten, die in erschöpfender Weise ihre interessanten 
Themen bearbeitet haben, dürfte bei uns Ärzten das zweite unsere 
Aufmerksamkeit in besonderem Maße beanspruchen. 

Die Referenten geben folgende Leitsätze: I. Brey er: i. Für 
die Säuglingsfürsorge ist die ärztliche Mitarbeit von ausschlaggeben¬ 
der Bedeutung. 

2. Es ist wünschenswert, daß die Stellung der Ärzte in der 
Säuglingsfürsorgeorganisation im ganzen Reichsgebiet nach gleichen 
oder ähnlichen Grundsätzen geregelt wird. 

3. Dem Arzt ist eine einflußreiche, mitbestimmende Stellung bei 
den organisatorischen Aufgaben der Säuglingsfürsorge einzuräumen. 
Zur praktischen Mitbetätigung in der Fürsorgearbeit soll nach 
Möglichkeit die Gesamtheit der Ärzte herangezogen werden. 

4. Grundsätzlich soll die im Dienste der Säuglingsfürsorge ge¬ 
leistete Arbeit nach Maßgabe der verfügbaren Mittel honoriert werden. 

II. Salge: 1. Die Beteiligung der Ärzte in ihrer Allge¬ 
meinheit an der Säuglingsfürsorge ist nicht nur wünschenswert, 
sondern durchaus notwendig. 

2. Das Interesse und Verständnis, das seitens der Ärzteschaft 
der Säuglingsfürsorge entgegengebracht wird, ist vielfach unge¬ 
nügend. Der Grund dafür ist zu suchen sowohl in der mangel¬ 
haften Ausbildung des Arztes in der Kinderheilkunde, wie in der 
ungenügenden Schulung des jungen Mediziners in den sozialen Auf¬ 
gaben des Standes. 

3. Abhilfe kann nur geschaffen werden durch ausreichenden 
Unterricht in der Kinderheilkunde und sozialer Medizin auf den 
Universitäten und Nachweis der erworbenen Kenntnisse im Staats¬ 
examen. Hier ist aber ein wirklich ausreichender Unterricht ge¬ 
meint und eine ernst zu nehmende Prüfung, nicht auf dem Papier 
stehende Verlegenheitsvorschriften, die keine praktische Bedeutung 
haben. 

4. Im Fortbildungswesen der Ärzte ist ein viel größeres Gewicht 
auf die Fragen der Kinderheilkunde und Säuglingsfürsorge zu legen, 
als das bisher gesehen ist Hier muß mit bewußter Organisation 
vorgegangen werden. 

5. Die Mitwirkung der Ärzte in der Säuglingsfürsorge soll 
vergütet werden, doch ist von ihnen zu verlangen, daß sie Kennt¬ 
nisse in Kinderheilkunde und sozialer Medizin nachweisen können. 

Wer vor der Lösung praktischer Fragen auf diesen Gebieten 
steht, wird eine Fülle von Anregungen aus der kleinen Schrift 
schöpfen können. Schlichting -Kassel. 

II. Preußische Landeskonferenz für Säuglingsschutz 
Berlin 1913. Bericht im Aufträge des geschäftsführenden 
Ausschusses herausgegeben vom Schriftführer der preußischen 
Landeszentrale Dr. Rott-Charlottenburg. gr. 8°, 67 S. 

Berlin 1914. Verlag G. Stilke. Preis 1,20 Mk. 

Verhandelt wurde über: I. Den Wert der Stillbeihilfen als Mittel 
zur Förderung des Stillens. 


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143 

1. Oberarzt Dr. Ro tt-Berlin: Entwicklung und derzeitiger Stand 
der Stillunterstiitzungen in Deutschland. 

2. Stadtrat P a u 1 -Magdeburg: Die Durchführung der Organisa¬ 
tion der Stillbeihilfen in der Gemeinde. 

3. Prof. Thiemich-Leipzig: Die ärztlichen Forderungen zur 
Organisation der Stillbeihilfen auf Grund der bisherigen Ergebnisse. 

II. Die Organisation der Kleinkinderfürsorge. 

1. Primärarzt Freund-Breslau: Ärztliche Forderungen für die 
Organisation der Kleinkinderfürsorge. 

2. Stadtrat Gottstein-Charlottenburg: Die Organisation der 
Kleinkinderfürsorge in der Gemeinde. 

Die Verhandlungen brachten viel Interessantes. 

Schlichting - Kassel. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Uber sterilisierbares Kautschukpflaster. VonEngel- 
b r e c h t-Bisch weiler. 

Verf. hat, veranlaßt durch die Feststellung, daß auf den gebräuch¬ 
lichen Pflastern mancherlei Keime, darunter auch pathogene, Vor¬ 
kommen, ein Kautschukpflaster hergestellt, das sich im Autoklaven 
zusammen mit den anderen Verbandstoffen in beliebiger Menge und 
Anordnung sterilisieren läßt, ohne an Klebkraft einzubüßen. Das 
Pflaster ist auf der Klebseite mit einem besonders geeigneten weit¬ 
maschigen dickfädigen Stoff bedeckt, der den Dampf zu allen Teilen 
des Pflasters herantreten läßt, und der sich bei der Erhitzung doch 
nicht zu fest mit der Klebmasse verbindet, so daß ein Ablösen vor 
dem Gebrauch leicht möglich ist. Bakteriologische Nachprüfungen 
haben ergeben, daß nach der für Verbandstoffe üblichen Sterilisation 
sowohl oberflächlich, wie auch innerhalb der Klebmasse vollkommene 
Sterilität eintritt. Das Anwendungsgebiet ist jeder aseptische Ver¬ 
band, bei dem die Verwendung von Pflaster aus irgend einem Grunde 
(Zug, Entspannung, Fixation) notwendig ist. Außer für die Chirurgie, 
für die das Pflaster eine Vervollkommnung der Verbandasepsis be¬ 
deutet, wird es sich auch für die allgemeine Praxis zum schnellen 
sicheren Verschluß von Injektions- oder Punktionsstichen und zur 
Bedeckung von kleinen Wunden eignen. Das Pflaster wird unter 
dem Namen Klinoplast sterilisierbar und in fertig steriler Packung, 
die nach Anbruch die Sterilität wahrt, hergestellt. 

(Ztrlbl. f. Chir., 1913, Nr. 51.) Autoreferat 

Cellon-Stützkorsetts. Von E. G 1 aß-Charlottenburg. 

Verf. fertigt an Stelle von Zelluloidkorsets zur Ruhigstellung 
der Wirbelsäule bei Spondylitis Korsetts aus Cellon. Die Vorzüge, 
welche diese, soweit dem Verf. bekannt, zum ersten Male hergestellten 
Cellonkorsetts gegenüber den Zelluloidkorsetts bieten, sind in 
erster Linie die absolute Beseitigung der Feuergefährlichkeit, 
große Elastizität bei genügender Festigkeit und Haltbarkeit Verf. 


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verwendet eine Azetonersatzlosung mit Cellon 30 weiß“ fertig. 
Die Technik ist die gleiche des Zelluloid-Azeton-Mullverfahrens und 
ausführlich beschrieben. Der Preis der Cellonkorsetts entspricht etwa 
dem der Zelluloidkorsetts. Die Arbeit enthält 2 Abbildungen. 

(Dtsch. med. W., 1914, Nr. 17.) Autoreferat 

The mental defective and society. Von W. L. S to well- 
New-York. 

Mit Hinweis auf die große Zahl der Schwachsinnigen, die schwere 
Belastung des Staates und die Vererbung des Schwachsinnigen- und 
Verbrechertypus tritt S. für Heiratsverbot und Sterilisierung der 
Schwachsinnigen durch Vasektomie und Unterbindung der Tuba 
Fallopi ein. Bauer-Wien. 

(Arch. of ped., 1913, Nr. 3.) 

A case of Cholecystitis due to infection of the gall 
bladder by the typhoid bacillus in a child three years 
old. Von H. Lowenburg. 

3 jähr. Mädchen erkrankte mit Diarrhoe, später Obstipation, Auf¬ 
treibung des Bauches, remittierendem Fieber, dann zerebralen Symp¬ 
tomen. In der zweiten Woche Widal -f- Schwellung der Gallen¬ 
blase, Verschlechterung des Befindens, toxisches Aussehen, Krämpfe, 
Exitus; anfangs relative Leukopenie, später Leukozytose. Die Ob¬ 
duktion ergab eine Gallenblasenentzündung durch Typhusbazillen 
ohne wesentliche Darmerkrankung. Bauer-Wien. 

(Arch. of ped., 1913, Nr. 3.) 

Tuberkulöse Verdichtung der Lunge und Erweite¬ 
rung der Bronchien. Von Barbier. 

Das achtjährige Kind (Demonstration) hat sich unter nunmehr 
fünfjähriger sorgfältiger Hospitalpflege von einem untergewichtigen 
zu einem normal entwickelten Kinde entwickelt. Auch heute noch 
sind in beiden Unterlappen Kavernen nachzuweisen, sie machen aber 
meistens keine klinischen Erscheinungen. Nur von Zeit zu Zeit 
zeigt sich ein Fieberanfall, der meist zwei Tage dauert, dabei werden 
Massen schleimig-eitrigen Inhalts entleert. Dann folgt wieder eine 
Zeit von mehreren Monaten ohne aller Erscheinungen, in den letzten 
Jahren sind die Intervalle immer größer geworden. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 7.) 

TypischeOsteomyelitis beimSäugling. VonE.6tienne 
und A. Aimes. 

1 Monat altes Kind, seit drei Tagen schwer akut erkrankt. 
Typische Osteomyelitis des linken Oberschenkels. Staphylokokken. 
Eiter. Exitus. Sektion erweist die Gelenke frei, den ganzen Femur¬ 
schaft befallen. Zwei Durchbruchsstellen, in der einen ein kleiner 
Sequester. Ibrahim- München. 

(La Pathol. infant., 1913, Nr. 2.) 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Äi^g 

Msclmff fiir ffinderheilKunde T '' 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger m Worms* 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
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— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 


XXV. Jahrg. 


Juli 1914. 


No. 7. (295.) 


INHALT :Originalien : Stamm, ZurMelaenaneonatorum. 145. —Refe¬ 
rat e : Rolleston, Diphteritic paralysis. 148. — BüsJng, Zusatz von Rindergalle zum 
Löffler’schen Diphtherienährboden. 149. — Levl, Abortiver Scharlach in den 
ersten Lebensmonaten. 149. — Großer, Stoffwechselprobleme der Rachitis. 150. — 
Rist, Chlorose der jungen Mädchen. 151. — Je hie, Bronchialerkrankungen im 
Kindesalter. 151. — Fried]ung, Die sog. rezidivierenden Nabelkoliken der Kinder. 
152. — Friedenthal, Uber Säuglingsernährung mit Frieden tharscher Kinder¬ 
milch u. Gemüsepulvern. 153. — Müller, Die Abbott’sche Skoliosenbehandlung. 

154. — Arhelner, Die Abbott’sche Methode des Skoliosenredressements. 154.— 
Blumenthal, Zur Therapie schlechtheilender Mastoidwunden im Kindesalter. 

155. — Kienböck, Zwerchfellhemien bei Kindern. 156. - Engel, Mastkuren im 
Kindesalter. 157. — v. Oy, Kolloidales Trikalziumphosphat „Tricalcol“. 158. — 
Mlelke, Behandlung von Tetanus mit Magnesium sulfuriki^m. 159. — Rohmer, 
Individualstatistische Untersuchungen über Säuglinge in einer großstädtischen 
Proletarierbevölkerung. 159. ~ Eine günstige Bevölkerungsbilanz. 160. — Pelper, 
Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im deutschen Reiche. 161. — Holzlnger, 
Mutter- und Säuglingsfürsorge. 161. — Schädel, Gemeinsame Tätigkeit der 
Ortskrankenkasse u. der Säuglingsfürsorgestelle zu Chemnitz. 161. — Langer* 
hans, Hygienische Vorträge im Rahmen der schulärztlichen Tätigkeit. 162.— 
Moldenhaner, Die schulhygienische Abteilung im städt. Museum für Volks¬ 
hygiene zu Köln. 162. — Stephani u. Wlmmenauer, Schulzahnklinik oder freie 
Zahnarztwahl. 163. - Böhm, Die für die Berliner Gemeindeschulkinder ge¬ 
plante orthopädische Fürsorge. 164. — Büch erbesprech ungen : Schnmer, 
Beitrag zur Kenntnis der Poliomyelitis ant. chron. 165. — Wagner, Uber patho¬ 
logische Vermehrung der Erythrozyten. 165. — Krevet, Wert der Bindehaut¬ 
deckung. 166. — Hallbauer, Regenerationserscheinungen an der Leber. 166. — 
Ruschke, Beitrag zur Lehre von der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Puls¬ 
wellen. 166. — v. Bardeleben, Die Anatomie des Menschen, Teil V: Nerven¬ 
system und Sinnesorgane. 167. — v. Hellbora, Entwicklungsgeschichte des 
Menschen. 167. — Wiemann, Jugendpflege. 168. — Kurze Notizen aus 
der Praxis und Wissenschaft. 168. 

Originalien. 

Zur* Melaena neonatorum. 

Von Dr. Carl Stamm-Hamburg.*) 

In den letzten Jahren hatte ich Gelegenheit, im Wöchnerinnen¬ 
heim 5 Fälle von Melaena neonatorum zu beobachten, jener be¬ 
kannten Erkrankung, über deren Ätiologie noch immer hypothetische 
Erörterungen stattfinden. Die in Betracht gezogenen Fälle gehören 

*) Demonstrationsvortrag in der biolog. Abteilung des Ärztlichen Ver¬ 
eins in Hamburg. 

Kfnder-Arst XXV. Jahrg. 1914. 10 


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njc^;d/tf :äjOSeläena spuria zusammengefaßten Form an, bei der 
voäi/*Seir.. # Neiigebbrenen verschlucktes Blut — aus einer wunden 
Brust, aus den Geburtswegen oder aus einer Mundverletzung 
stammend — wieder herausgegeben wird, sondern derjenigen Gruppe, 
die man sich gewöhnt hat als Melaena vera zu bezeichnen. Aber 
auch unter dieser Bezeichnung sind die heterogensten Erkrankungen 
beschrieben worden. Ein Teil der Melaenafälle gehört der Ätio¬ 
logie nach zu den echten septisch-hämorrhagischen Erkrankungen, 
das sind jene Fälle, die sonst den Blutungen aus Magen und Darm 
nach sichere Anzeichen einer allgemeinen Sepsis aufweisen, wie 
Fieber, Haut- und Nabelblutungen, Blutungen aus Nase und Mund. 
Solche Zustände hat man auch gelegentlich bei luetischen Kindern 
beobachtet Eine zweite Gruppe stellen die Fälle dar, bei denen 
nur das typische Erbrechen von Blut und die Entleerung eines 
bluthaltigen Stuhls zu konstatieren ist, jenes schwarzbraunen, röt¬ 
lich schimmernden Stuhls, der auf der Windel einen roten Fleck 
hinterläßt Außer einer in die Augen fallenden Anämie pflegen bei 
diesen Kindern weitere Symptome nicht aufzutreten. Erwähnens¬ 
wert ist, daß bei solchen Kindern die Melaenasymptome in den ersten 
Tagen nach der Geburt sich zu zeigen pflegen, während bei den 
erstgenannten septischen sich die Melaena einstellt zu einer späteren 
Zeit, wo Nabel- und enterale Infektion gewöhnlich sind. Für die 
Genese dieser Fälle hat man sich seit langem interessiert Die An¬ 
nahme einer hämophilen Diathese wurde, als es einer großen 
Reihe von Forschern gelang, im Blute an Lebenden und Leichen 
die verschiedensten Erreger nachzuweisen, abgelöst von der Behaup¬ 
tung, die Melaena sei eine Infektionskrankheit, deren Ausgangs¬ 
punkt im Darme zu suchen sei. Eine Spezifität der Infektionserreger 
zu ermitteln, ist bisher nicht gelungen, indem die einen Staphylo¬ 
kokken, andere Streptokokken, wieder andere Koli, Proteus, Pyo- 
zyaneus und noch manche andere Bakterien mit hämolytischen 
Eigenschaften nachzuweisen imstande waren. Die Sektion solcher 
Fälle hat ein anatomisches Substrat für die Blutungen nicht ergeben, 
es hat sich bei ihnen, wie man sagt, um „parenchymatöse Blutungen 44 
gehandelt. 

Eine dritte Gruppe von Melaenafällen ist nun diejenige, bei 
der anatomisch ein befriedigendes Resultat zu Tage tritt, indem 
sich kleinere Erosionen oder größere Geschwüre in der Schleimhaut 
des Darmtraktus nachweisen lassen. 

Wenn ich nun kurz auf meine 5 Beobachtungen eingehen darf, 
so war bei 4 Kindern die Geburt normal verlaufen, ein Kind ist 
mittels Zange geboren. Vier waren Knaben. Die Blutungen 
setzten ein: 


imal am ersten Tage 

1 „ „ zweiten „ 

2 „ „ dritten „ 

1 „ „ vierten „ 

Bluterbrechen wurde nur in 1 
dem Kinde, das schon am ersten Tage nach der Geburt Melaena 
zeigte. 

Nur in einem Falle wurde eine Temperatursteigerung bis 38,6° 


nach der Geburt. 


alle konstatiert und zwar bei 


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beobachtet; es war das eine Kind, welches zwar reichliche Blutent¬ 
leerungen hatte, im allgemeinen aber in seinem Befinden wenig ge¬ 
stört war. Das Körpergewicht war bei fast allen Kinden stärker 
gesunken, als es der physiologischen Abnahme entspricht Die Blut¬ 
entleerungen hielten in meinen Fällen gewöhnlich 2—3 Tage an; je 
schwerer die Erkrankung, um so profuser und dünnflüssiger war 
das Blut 

Das mit der Zange entwickelte Kind starb am 3. Tage post 
partum, nachdem am 2. sich eine enorm starke Blutentleerung aus 
dem Darm eingestellt hatte; die 4 übrigen Kinder sind genesen. 

Die Sektion der Neugeborenen, die Herr Dr. Michael aus¬ 
geführt hat, er^ab: Anämie aller Organe, Ecchymosen unter beiden 
Pleuren und epidural, 1 cm unterhalb des Pylorus unter nekrotischen 
Fetzen verborgen ein 0,5 cm langes schmales Schleimhautulkus. 
Ob dieses Geschwür die alleinige Blutungsquelle abgegeben und den 
profusen Charakter der Hämorrhagie erklären kann, läßt sich nicht 
ohne weiteres annehmen, da wenigstens makroskopisch dieArrosion 
eines größeren Gefäßes nicht zu erkennen ist 

Uber die Genese dieser Geschwüre ist bereits seit langen Jahren 
gearbeitet worden, ohne daß eine allseitig befriedigende Erklärung 
gefunden wäre. Ich darf wohl an die Lehre Landau’s erinnern, 
der das Geschwür auf embolischem Wege bei Nabelvenenthrombose 
entstehen läßt, an die Ergebnisse anderer Forschungen, die eine 
primäre Schleimhautblutung und nachfolgende Cossorion annahmen, 
und das Entstehen der Schleimhautblutung durch Hyperämie intra 
partum, Asphyxie, Herzfehler erklären wollen, an die experimentellen 
Nachweise anderer, daß eine zentrale Störung, eine Verletzung des 
Vasomotorenzentrums Ursache der Schleimhautblutung sein kann. 
Letztere Annahme läßt sich wohl für die Melaenafrage nicht gut 
verwerten, weil die Melaena meistens bei Normalgeburten zur Be¬ 
obachtung kommt. Die makroskopische Untersuchung des Gehirns 
in meinem zur Sektion gekommenen Falle ließ außer epiduralen 
Ecchymosen Abnormes nicht erkennen. 

Um die Gegensätzlichkeit der angebrachten Hypothesen deutlich 
zu machen, will ich noch erwähnen, daß es auch nicht an Autoren 
gefehlt hat, die nicht eine Hyperämie der Darmmukosa, sondern 
eine durch den Geburtshok ausgelöste Ischämie annehmen, in 
deren Folge es zu einer Epithelnekrose und zu einem Schleimhaut¬ 
ulkus kommt 

Sämtliche Fälle wurden mit Gelatine behandelt und zwar mit 
dem Merck’schen Präparate sowohl per os als auch perklysma und 
subkutan, in Dosen von je 10,0—20,0. 

Wenn es auch schwer ist, aus einer so geringen Zahl der Fälle 
einen therapeutischen Effekt zu bewerten, so sollte doch der Erfolg 
der Gelatinebehandlung, der von vielen andern Seiten bestätigt ist, 
zu einer regelmäßigen Anwendung des Mittels bei der Melaena 
neonatorum führen und das noch um so mehr, als frühere Statistiken 
von einer Mortalität von 50 Proz. zu berichten hatten, während eine 
neuerdings gemachte Zusammenstellung von 39 mit Gelatine be¬ 
handelter Krankheitsfälle nur eine Sterblichkeit von 5 Proz. ergab. 
(Diss. Berlin 1910, von de Bra.) 


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148 


Die Heilerfolge der Gelatine, welche die Gerinnbarkeit des 
Blutes erhöht, haben in neuester Zeit dazu geführt, die Ursache der 
Melaena wieder, wie vor einigen Dezennien, in einer Störung der 
koagulierenden Fähigkeit des Blutes zu suchen. Aus diesem Grunde 
haben nun auch, zuerst Amerikaner, verschiedene Autoren von einer 
direkten Bluttransfusion Gebrauch gemacht Franz*) verwandte 
Nabelschnurserum, das er steril aufgefangen, zentrifugiert und mit 
Chloroform versetzt, luftdicht verschlossen, monatelang aufbewahren 
konnte, Merckens**) machte intramuskuläre Injektionen von defi- 
briniertem Menschenblut und hatte auch davon Erfolg. Von ver¬ 
schiedenen Seiten ist auch Tierserum gebraucht worden, Normal¬ 
pferd eserum oder auch ein antitoxisches; auch hiervon wird günstiges 
berichtet 

Daß wirklich in einigen Fällen von Melaena die Gerinnbarkeit 
des Blutes herabgesetzt ist, ist von mehreren Seiten nachgewiesen 
worden. Worauf aber diese nur temporär vorhandene Blutverände¬ 
rung beruht, und weshalb sie nicht in allen Fällen zu finden ist, 
bedarf weiterer Untersuchungen. 


Referate. 

Diphteritic paralysis. Von ’c. D. Rolleston-London. (Arch. 
of ped., XXX, Nr. 5.) 

Ausgezeichnete Übersicht über 477 Lähmungsfälle bei einem 
Gesamtmaterial von 2300 Diphtheriekranken. Die Bedeutung der 
Schwere der initialen Diphtherieerkrankung für Häufigkeit und 
Schwere der Lähmungen wird überzeugend dargetan. Die meisten 
Lähmungen finden sich im Alter von 2—6 Jahren. Der Nutzen des 
Diphtherieserums ist umso größer, je schneller nach Erkrankungs¬ 
beginn es gegeben wird. Die Lähmungen sind am häufigsten am 
Gaumen und der Augenmuskulatur. Während alle schweren Herz¬ 
lähmungen und die meisten Gaumensegellähmungen in den ersten 
zwei Krankheitswochen beobachtet wurden, sah R. Augenmuskel¬ 
lähmungen erst von der dritten, meist der vierten Woche an, allge¬ 
meine Formen mit Beteiligung des Pharynx und des Zwerchfells 
von der vierten, überwiegend aber erst der sechsten Woche an. 
Mortalität: 20 Fälle an Herz-, 5 an Zwerchfelllähmung; nur diese 
Formen sind gefährlich. Je älter das Kind umso besser die Prognose. 
Frühe Gaumensegellähmung (in den ersten zwei Wochen) — durch 
häufig folgende Herzlähmung — 35,2 Proz., spätere, nur 1,5 Proz., 
Mortalität Leberschwellung bei Herzlähmung gibt 63,9 Proz. Mor¬ 
talität. Zur Vermeidung der Lähmungen empfiehlt R. frühe Serum¬ 
injektion, lauge Bettruhe (in leichten Fällen bis zur dritten, in 
schweren bis zur sechsten Woche!). Bei schweren Lähmungen: 
Adrenalin; bei Brechreiz: Nährklysmen, die bei der im allgemeinen 
kurzen (nicht mehr als 14 Tage) Dauer der Lähmungen der Sonden- 


*) Münchn. med. W., 1912, S. 2905. 

**) Münchn. med. W., 1913, Nr. 18. 


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149 


fütterung wegen Aspirationsgefahr vorzuziehen sind; Strychnin- und 
Belladonnainjektionen. Elektrizität, Massage, aktive Bewegung bei 
Extremitätenlähmungen. Bauer (Wien). 

über den Zusatz von Rindergalle zum Löffler’schen 
Diphtherienährboden. Von Ed. Büsing. (Aus dem 
Staatlichen Hygienischen Institut in Bremen. — D. m. W., 
1914, Nr. 10. 

250 Hals- und Nasenabstriche, welche dem Bremer Hygienischen 
Institut zugingen, wurden zu vergleichenden Untersuchungen so¬ 
wohl auf dem Löffler’schen Diphtherienährboden als auch auf 
Rinderblutserum ausgestrichen, dem nach Angabe von v. Drigalski 
und Bierast 3,25 Proz. Rindergalle zugesetzt war. 241 mal und 
zwar in 162 negativen und 79 positiven Fällen stimmte das End¬ 
resultat überein, 9mal nicht. 2 mal war der Befund auf der Löffler¬ 
platte negativ und auf der Galleplatte positiv, 7 mal auf letzterer 
negativ und auf der Löfflerplatte positiv. Anfangs wurden die 
Wattetupfer stets zuerst auf Löf fl er serum, dann auf der Galle¬ 
platte ausgestrichen. Als später das Verfahren umgekehrt wurde, 
um die Galleplatte nicht zu benachteiligen, gestalteten sich wider 
Erwarten die Ergebnisse noch ungünstiger für dieselbe. Bei Be- 
impfung mit künstlichen Mischkulturen (Diphtheriebazillen, Staphylo¬ 
kokken etc.) ließen sich auffallende Unterschiede zwischen beiden 
Nährböden nicht beobachten. Die Neisser’sche Körnerfärbung 
schien häufig bei den auf der Galleplatte gewachsenen Stäbchen 
nicht so schön zu sein, wie bei den der Löf fierplatte entnommenen. 

Der Verf. kommt zu dem Ergebniß, daß im Zusatz von Rinder¬ 
galle zum Löffler'schen Nährboden eine Verbesserung nicht zu 
erblicken ist Autoreferat. 

Uber abortiven Scharlach in den ersten Lebensmonaten. 

Von Carl Levi-Offenbach a. M. (Aus d. Abt. f. Infektions- 
krankh. d. R. Virchow-Krankenh. in Berlin. — Berlin, klin. 

w, 1913) 

Bericht über zehn Scharlacherkrankungen aus dem ersten Lebens¬ 
jahr, davon fünf aus dem ersten Lebensmonat. Die gehäufte Zahl 
der sonst seltenen Beobachtung war die Folge einer Scharlachinfektion 
in einer Wöchnerinnenunterkunft Alle Kinder erkrankter Mütter 
erkrankten ebenfalls, was gegen eine Immunität im ersten Lebens¬ 
jahr spricht; ebenso scheint eine Immunität während der Gravidität, 
wie sie Martin annimmt, danach nicht zu bestehen. Der Verlauf 
der Erkrankung war bei zwei Flaschenkindern und einer Frühgeburt 
der eines leichten Scharlachs. Fieber, Angina, Scharlachzunge, wenig 
ausgesprochenes Exanthem, Schuppung, in einem Fall auch im Se¬ 
kundärstadium vorübergehende Albuminurie, Drüsenschwellung und 
Ohrenlaufen. Bei sieben Brustkindern war der Verlauf noch leichter; 
hier konnte die Diagnose nur gesichert werden durch die sichere 
Erkrankung der Mutter und das beim Kind innerhalb der Inkuba¬ 
tionszeit auf tretende Fieber. Von den übrigen Symptomen war stets 
vorhanden Scharlachzunge und eine scharf abgesetzte Rötung des 


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I 5° 

weichen Gaumens und der Tonsillen. Ausgesprochenes Exanthem 
war nicht vorhanden, in vier Fällen aber später Schuppung.. 

Der leichte, ausgesprochen abortive Verlauf der Krankheit bei 
den sieben Brustkindern scheint für den Übergang von Immunkörpern 
von der Mutter zum Kind durch die Milch zu sprechen analog dem 
Verhalten luetischer Kinder salvarsangespritzter Mütter. Autoreferat 

Stoffwechselprobleme der Rachitis. Von P. Grosse r-Frank- 
furt a. M. (Med. Kl., 1914, Nr. 14.) 

Vorliegende Arbeit aus der städtischen Kinderklinik ist die 
Wiedergabe eines Vortrags in der wissenschaftlichen Vereinigung 
des städtischen Krankenhauses. 

Während im normalen Knochen dauernd Apposition und Resorp¬ 
tion statthat, geht im rachitischen Knochen die Resorption in 
physiologischer Weise weiter, während die Apposition sistiert Auf 
diese Weise haben wir neben den osteoporotischen Erscheinungen 
die spezifische kalklose Knorpelwucherungszone. 

Chemische Untersuchungen sind in zweierlei Richtungen ange¬ 
stellt worden. Einmal hat man die Organe, besonders das Knochen¬ 
system, von Rachitikern untersucht, andererseits hat man Stoff¬ 
wechseluntersuchungen bei Rachitikern gemacht und hierbei beson¬ 
ders Gewicht auf den Kalkstoffwechsel gelegt 

Brauchbare Stoffwechselversuche bei Rachitikern liegen noch 
nicht in größerer Zahl vor. In der älteren Literatur fand nur die 
Kalkausfuhr durch den Urin Berücksichtigung. 

Nun wird aber gerade Kalk und Phosphor zu einem sehr 
großen Teil durch den Darm entleert Gerade der Rachitiker zeigt 
eine außerordentlich geringe Kalkausscheidung durch den Urin. 

Die Untersuchungen über den Kalk- und Phosphorsäurestoff¬ 
wechsel sind wesentlich schwieriger als die anderer Stoffwechsel¬ 
bestandteile, vor allem als über den Stickstoff. 

Oft ist nicht nur der Kalk, sondern auch der Fettgehalt des 
Kots gesteigert Es bestehen zwischen Kotkalk und Fettspaltung 
und -resorption gewisse Beziehungen. 

Die Ansicht, daß der vermehrte Kalkgehalt die Fettspaltung 
ungünstig beeinflusse, letztere also sekundär ist, ist nicht bewiesen. 

Die Versuche müssen sich auf eine längere Zeit erstrecken, ein 
Ubelstand gerade beim rachitischen Kind. Auch das allgemeine Ver¬ 
halten des Kindes ist nicht gleichgültig, bei Bewegung und in der 
Ruhe sind die Ausscheidungsverhältnisse keineswegs gleich. 

Auch das Sonnenlicht scheint nicht ohne Einfluß auf den Kalk¬ 
ansatz zu sein. 

Bisher wird von all den Hunden, deren Stoffwechsel unter¬ 
sucht worden ist, kein einziger von den Pathologen als wirklich 
rachitisch angesehen. 

Die Therapie der Brustkinderrachitis durch Kalkfütterung der 
Mutter ist aussichtslos. 

Fast alle Frühgeburten werden gesetzmäßig von Rachitis be¬ 
fallen. 




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Man muß 3 Stadien der Rachitis unterscheiden: Den Beginn, 
das floride Stadium, die Reparation. 

Die Phosphorsäureausscheidung geht gleichsinnig mit der Kalk¬ 
ausscheidung; sie erfolgt ausschließlich durch den Darm. 

Lebertrandarreichung vermindert die Kalkausscheidung; Phosphor¬ 
zusatz bessert die Kalkbilanz weiter; die Wirkung des Phosphor ist 
nur in der Kombination mit Lebertran zu sehen. 

Nicht geklärt ist der Hauptpunkt des ganzen Problems: Hält 
die neugebildete Knochenzelle den Kalk nicht zurück, weil er ihr 
in einer nicht passenden Form zugeführt wird, oder aber ist die 
Knochenzelle (weil selbst erkrankt) nicht imstande, den ihr zuge¬ 
führten, an Qualität und Quantität normalen Kalk zu binden? 

Seit einigen Jahren stellt Verf. eigene Versuche an, indem er 
die Wirkung von Kalk in Verbindung von Glyzerophosphorsäure 
studierte. Schlichting - Kassel. 

Chlorose der Mädchen, Oligosiderämie der jungenKinder. 

Von Rist (Referat in Revue pratique d’obstetrique et de 
pediatrie, Dezember 1913.) 

Zuerst bespricht Autor die klassische Chlorose, deren patho- 
gnomonisches Symptom durch die Blutuntersuchung geliefert wird 
und in einer Abnahme des Hämoglobingehaltes bei unveränderter 
Zahl der roten Blutkörperchen besteht. Die Chlorose ist eine Krank¬ 
heit der Pubertät und dem Mädchen eigen. Sicher ist, daß die 
Chlorose durch einen Mangel an Eisen im Blute bedingt ist; diese 
Oligosiderämie hängt mit der Geschlechtsentwicklung des Weibes 
in der Pubertät zusammen. Das Eisen hat eine absolut bemerkens¬ 
werte und rasche therapeutische Wirkung. 

Bei dem jungen Kinde ist eine Varietät der Anämie der Puber¬ 
tätschlorose vollkommen identisch. Nolle undjolly haben die 
Identität der Chlorose des jungen Mädchens mit der „Chlorose des 
Kindesalters“ gezeigt Diese „Oligosiderämie des Kindesalters“ 
kommt zwischen 12 und 30 Monaten vor, selten früher oder später. 
Die wachsartige Blässe erinnert sogar manchmal an den grünlichen 
Teint der jungen Mädchen: alle Schleimhäute sind farblos. Das 
Kind sieht nicht abgemagert aus, eher gedunsen ohne ödem. Die 
Traurigkeit des Kindes ist mit der Blässe das auffallendste klinische 
Symptom. Es besteht keine Milzvergrößerung, keine Rachitis. Auch 
in Hinsicht auf die Blutzusammensetzung ist die Analogie mit der 
jugendlichen Chlorose nicht minder vollständig. Die Kranken sind 
frühgeborene Kinder oder Zwillinge oder Kinder, die zu lange der 
exklusiven Milchdiät unterworfen waren. Augenscheinlich ist die zu 
progressive Verarmung des jugendlichen jungen Organismus im 
Eisen eine Folge der übermäßigen Milchnahrung, die selbst arm an 
Eisen ist Die fast sofortige Wirksamkeit der Eisenbehandlung be¬ 
stätigt leicht die Diagnose. v. la Hausse (Rosenheim). 

Die Bronchialerkrankungen im Kindesalter. Von Ludwig 
Jehle-Wien. (Beih. z. med. Klin., 1914, H. 3.) 

Die physiologischen Eigentümlichkeiten des kindlichen Organis¬ 
mus sind auch bei der Diagnose und Prognose der Bronchialerkrau- 


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kungen von Bedeutung, weswegen sie in vielen Fällen eine be¬ 
sondere Beachtung verdienen. — 

Erkrankungen des Bronchialtraktes können bei fehlenden ob¬ 
jektiven Veränderungen vorgetäuscht werden (z. B. durch Rachen¬ 
katarrh), andererseits kann bei objektiven Veränderungen ein negativer 
Befund zu mindest durch längere Zeit erhoben werden (zentrale 
Pneumonie). Letzterer Umstand kommt praktisch bei der Differen¬ 
tialdiagnose in Betracht (Otitis, Appendizitis, Meningitis etc.). Bei 
vorhandenen Verdachtsmomenten auf eine Pneumonie (Dyspnoe, 
Schmerzen bei tiefem Atmen etc.) möge deswegen die Möglichkeit 
einer Pneumonie stets erwogen werden, bevor eine infauste Prog¬ 
nose oder gar ein unnötiger operativer Eingriff in Betracht ge¬ 
zogen wird. — 

In Bezug auf die tuberkulöse Erkrankung wird auf die dia¬ 
gnostische Bedeutung der Kutanreaktion sowie des Röntgenbefundes 
hingewiesen. — Auf die* intermittierenden Temperaturerhöhungen 
bei rektalen Messungen wird hingewiesen. Dieselben sind häufig 
bloß nervösen Ursprunges, indem die Hauttemperatur normal ist 
Es kommt ihnen deswegen keine diagnostische Bedeutung zu, wenn 
andere Krankheitserscheinungen fehlen. 

In Kürze werden noch die für das kindliche Alter wichtigen 
Erkrankungen (Bronchitis, kapilläre Bronchitis und Kopulärpneu- 
monie) beschrieben, sowie auf die Bedeutung der Konstitution auf 
den Verlauf der verschiedenen Bronchialerkrankungen aufmerksam 
gemacht (Exsudative Diathese, Spasmophilie etc.). 

Für die Therapie werden die in diesem Alter wichtigen Packungen, 
Bäderbehandlung und Ernährungsfragen erwähnt, sowie die Frage 
der Abhärtung kurz erörtert. 

Durch die kurze Arbeit trachtet der Verf. die Aufmerksamkeit 
des Arztes in der Praxis auf jene Punkte zu lenken, die sowohl 
zur Diagnose im besonderen als auch zur richtigen Differential¬ 
diagnose notwendig sind und ihr in Kürze Anhaltspunkte für die 
Prognose und Therapie zu geben. Autoreferat 

über die sogenannten rezidivierenden Nabelkoliken der 
Kinder. Von Josef K. Friedjung-Wien. (B. kl. W., 1914, 
Nr. 8.) 

Im Jahre 1904 beschrieb Fr. in einer größeren Monographie ein 
nicht seltenes Krankheitsbild (37 eigene Beobachtungen) des Kindes¬ 
alters, das in rezidivierenden, gewöhnlich flüchtigen Schmerzanfällen 
besteht, die im Abdomen lokalisiert, meist mitten im Spiele auf- 
treten und von plötzlichem Erblassen und einem charakteristischen 
Vornüberneigen mit gegen den Bauch gepreßten Händen begleitet 
werden. Im Rahmen dieser Arbeit wurde nachgewiesen, daß die 
Diastase der linea alba abdom. für das Kindesalter physiologisch 
sei, mit jenen Schmerzanfällen nichts zu tun habe, daß es sich viel¬ 
mehr um typische Schmerzanfälle neuropathischer Kinder handle, 
die der psychischen Behandlung leicht zugänglich seien. Im Jahre 
1913 hatMoro dieses wenig beachtete, oft falsch gedeutete Syndrom 
neuerdings beschrieben, den Anteil Friedjungs an seiner Fonnu- 


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lierung jedoch so wenig betont, daß Küttner, der alle solche Fälle 
als Appendix-Erkrankungen erklären und der Operation zuführen 
will, sich in einer Arbeit nur gegen Moro wendet Fr. stellt diesen 
Irrtum richtig und bestreitet dann die Zulässigkeit der Küttner- 
schen Schlüsse. Die Diagnose der „rezidivierenden Nabelkoliken 44 
darf natürlich nur per exklusionem gestellt werden. Daß auch die 
Laparotomie wirkt, wo mildere Suggestivmittel nicht versagen, ist 
nur natürlich. Autoreferat 

Uber Säuglingsernährung nach physiologischen Grund¬ 
sätzen mit Friedenthal’scher Kindermilch und 
Gemilsepulvern. Von H. Friedentha 1-Nikolassee. (Berl. 
klin. Woch., 1914, Nr. 16.) 

So alt wie die künstliche Ernährung ist das Bestreben, die Kuh¬ 
milch durch Zusätze und Verdünnung der Menschenmilch möglichst 
anzunähern. Vortragender wies vor vier Jahren darauf hin, daß bei 
allen bisherigen Nachahmungen ganz wesentliche Punkte in der 
Milchzusainmensetzung übersehen worden waren, namentlich aber 
die Korrelation der einzelnen Ionen. Langstein hatte früher be¬ 
reits darauf aufmerksam gemacht, daß die bis dahin vernachlässigte 
Korrelation der Nährstoffe von erheblicher Wichtigkeit sein müsse. 
Man hatte sich früher gescheut, eine Milch mit mehr als 4 Proz. 
Fett und 7—8 Proz. Milchzucker Neugeborenen zu reichen, und schon 
aus dem Grunde eine genaue Nachahmung der Frauenmilch immer 
wieder unterlassen. Vortragender stellte demgegenüber bereits vor 
vier Jahren die strikte Forderung, jeden ausgleichbaren Unterschied 
zwischen Frauenmilch und künstlicher Nahrung auch wirklich aus¬ 
zugleichen, eine Forderung, welche in sich schließt, daß jede neue 
Kenntnis von der Menschenmilch sogleich praktisch verwertet werden 
sollte. Nach nunmehr dreijähriger Prüfung in der Praxis an mehreren 
hundert Säuglingen hat sich der vorgeschlagene Weg als gangbar 
erwiesen. Uber die günstigen Erfahrungen mit einer Milch, die 4 J / a 
Proz. Fett und 7 Proz. Milchzucker enthielt, hat Bahrdt in der 
„Zeitschrift für Kinderheilkunde 44 berichtet Frühgeburten, Neuge¬ 
borene, selbst chronisch ernährungsgestörte und kranke Kinder 
nahmen besser zu als mit anderer Nahrung, die kranken Kinder 
nahmen nicht schlechter zu als Brustkinder von gleichem Alter in 
der Anstalt. Ganz ähnliche Resultate wurden in dreijähriger Prüfung 
im Nikolasseer Kinderheim erzielt. Es konnte einwandfrei bewiesen 
werden, daß die Korrelation der Ionen eine weit größere Rolle für 
die Bekömmlichkeit spielt als der absolute Aschengehalt Die 
stopfende Wirkung des Fettes wird durch hohen Milchzuckergehalt 
aufgehoben. Die Menschenmilch erscheint in energetischer Beziehung 
als Ideal wegen ihrer Eiweißarmut und ihres Reichtums an Milch¬ 
zucker, sie muß die geringste Verdauungsarbeit von allen bekannten 
Tiermilchen erfordern. Ein bisher gänzlich übersehener Punkt in 
der Säuglingsernährung ist die Kernstoffarmut in der Milch und 
noch mehr der künstlichen Nährmischungen. Beim Sterilisieren 
geht vermutlich ein Teil der in alkalischer Lösung unbeständigen 
Kernstoffbausteine zu Grunde. Verf. sieht eine wesentliche Funk- 


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154 


tion des Kolostrums in einer reichen Zufuhr von Kernstoffbausteinen. 
Es gelang dem Vortragenden, durch Anwendung der Zentrifugal¬ 
kraft die Kindermilch roh trinkfertig zu machen und damit einen 
wichtigen bisherigen Vorsprung der Muttermilch einzuholen, die mit 
unveränderten Kernstoffen roh in den Mund des Säuglings gelangt 
Um den Mangel an Eisen und Kernstoffbausteinen in der Milch 
auszugleichen, ernährte Vortragender Säuglinge vom fünften Lebens¬ 
monat an unter Zugabe von Gemüsepulvern von solcher Feinheit, 
daß selbst der chronisch erkrankte Darm die Nahrung ausnützen 
konnte. Bei den Gemüsepulvern wurde ebenfalls erreicht, daß sie 
für Kinder roh genießbar wurden, so daß zu hoffen steht, daß bei 
ihrer Anwendung die Schäden einer ausschließlich sterilisierten 
Nahrung vermieden werden können. Eisen und Kernstoffe enthalten 
die Gemüsepulver in überreicher Fülle, Fett, Kohlehydrate, Eiweiß 
und Salze sind in der Kindermilch reichlich enthalten. Der bisherige 
günstige Erfolg einer nach physiologischen Grundsätzen aufgebauten 
Ernährung läßt auch für die Zukunft weitere Fortschritte in der 
Säuglingsernährung auf dem gleichen Wege erhoffen. Autoreferat 

Die Abbott’sche Skoliosenbehandlung. Von Georg Müller- 
Berlin. (Allg. med. Ztrlztg., 1914, Nr. 14.) 

In dem Charlottenburger Arzteverein hielt M. einen Demon¬ 
strations-Vortrag über A b b o t t’sche Skoliosenbehandlung. Nachdem 
der Vortragende auf die frühere Gipsbehandlung von Schanz, 
Callot und Wullstein hingewiesen, schildert er ausführlich an 
der Hand von instruktiven Lichtbildern das Anlegen des Abbott- 
schen Verbandes und macht auf verschiedene Verbesserungen in 
der Polsterung und in der Fixation der Filzplatten aufmerksam. 
Er empfiehlt nach Abnahme des letzten Verbandes noch das Tragen 
eines Gipskorsettes während der Nacht, welches in redressierter 
Stellung anmodelliert wird, am Tage das Tragen eines Hessing- 
Korsetts mit einer besonders konstruierten Pelotte. Der Vortragende 
hält die Erfolge, die bisher erzielt worden sind, für sehr ermutigend 
und empfiehlt die Anlegung für alle schweren und mittelschweren 
Verkrümmungen. Wenn auch die Wirbelsäule selbst nicht nennens¬ 
wert umgekrümmt werde, so sei doch die Besserung der Form des 
Brustkorbes eine so außerordentliche, daß unbedingt die Anlegung 
eines Abbott’schen Verbandes angezeigt erscheint Wenn es auch 
vorläufig noch nicht möglich ist, von Dauererfolgen zu sprechen, 
da die Zeit hierzu noch zu kurz ist, so ist doch nach den bisherigen 
Erfolgen zu erwarten, daß diese neue Behandlung der Skoliose eine 
segensreiche sein wird. Taen dl er-Berlin. 

über die Abbott’sche Methode des Skoliosenredresse¬ 
ments. Von Ahreiner-Straßburg. (Straßburg. med. Ztg., 
I 9 I 4 i Nr. 4.) 

Verf. hat das Verfahren an einer Reihe von Fällen nachgeprüft 
Er ist zu dem Urteile gelangt, daß das Prinzip der Abott’schen 
Methode für einen großen Teil der Fälle richtig ist, allgemeine 
Gültigkeit aber nicht hat Ein Teil der Skoliosen bleibt der Korrek- 


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*55 


tur in Extension reserviert Verf. ist daher von dem ursprünglichen 
Abbott’schen Verfahren abgewichen und scheidet die Fälle, die 
nach Abbott’scher Methode zu korrigieren sind, streng von denen, 
die sich zur Korrektur in Extension eignen. Verf. hat auch einen 
neuen Apparat konstruiert, der wesentlich einfacher ist als der Abbott- 
sche und der es ermöglicht, das Redressement sowohl nach Abbott 
wie in Extension auszuführen. Verf. legt mitSpitzy großen Wert 
auf die Ausnutzung der respiratorischen Kräfte. 

Verf. ist mit den vorläufigen Resultaten im allgemeinen zufrieden. 
Wie die Dauerresultate sich gestalten werden, läßt sich noch nicht 
sagen. Die Methode ist es aber wert, einer Nachprüfung unterzogen 
zu werden. Eine Reihe von Bildern illustrieren das Gesagte. 

Autoreferat 

Zur Therapie schlechtheüenderMastoidwunden im Kindes«* 
alter. Von A.Blumenthal-Berlin. (Ztschr. f. Ohrenhlkde., 
1914, H. 1/2.) 

Während im allgemeinen die Heilung der Wunde nach Warzen¬ 
fortsatzoperationen glatt vonstatten geht, kommt es zuweilen bei 
Kindern vor, daß der Knochentrichter sich nicht füllt und 
schließt. Da die Höhle im Warzenfortsatz in den meisten Fällen durch 
den operativ erweiterten aditus ad antrum mit der Paukenhöhle 
kommunisiert, so Testiert bei derartiger schlechter Wundheilung eine 
retroaurikuläre Knochenfistel vom Mittelohr nach außen. Die 
Passow’sche Plastik ist zwar ein gutes Verfahren, solche Fisteln 
später sekundär zu verschließen, aber das ist eine zweite Operation 
und erst möglich, nachdem die Wunde trocken geworden ist Dar¬ 
über vergehen viele Monate. Man muß versuchen, sofort durch die 
richtige Art der Nachbehandlul% auf die Heilung der Wunden ein¬ 
zuwirken. Dieselbe liegt nicht auf technischem Gebiete. Man kann 
an technischen Maßnahmen versuchen, was man will. Es ist alles 
vergeblich. Auch die von Verf. beschriebene Methode des primären 
Wund Verschlusses mit ihren schnellen Erfolgen versagt hier. Die 
schlechte Wundheilung ist charakterisiert durch absolut schlechte 
Granulationsbildung, hartnäckiges Wundekzem und dauernde Sekretion 
aus der Paukenhöhle, welche die Wundhöhle mit wässrigem Sekret 
überschwemmt Als Ursache dieser Störungen im Heilungsverlauf 
ist bei solchen Kindern in erster Linie die exsudative Diathese an¬ 
zusehen, die bei genauer Untersuchung und Anamnese in den be¬ 
treffenden Fällen leicht diagnostiziert werden kann. So kommt bei 
der Nachbehandlung fast alles auf eine richtige Therapie dieser Kon¬ 
stitutionsanomalie an. Dann ändert sich mitunter schon nach ganz 
kurzer Zeit das Bild der Wunde. Das Wundekzem erlischt, die Wund¬ 
fläche mit dem schlaffen, blassen, wässerigen Granulationsbelag be¬ 
deckt sich mit gesunden dunkelroten Granulationsknospen. An Stelle 
des fleischwasserartigen Sekretes aus der Pauke tritt die gelbe 
rahmige Absonderung der Granulationen. Die Hautränder bekommen 
in den Wundwinkeln die Tendenz, sich fest zu vereinigen. Prophy¬ 
laktisch soll dem Entstehen einer Mastoiditis bei exsudativer Diathese 
durch Verbindung von Lokal- und Allgemeinbehandlung der Otitis 


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vorgebeugt werden. Adenoide Vegetationen sollen gleichzeitig operativ 
entfernt werden, weil das der schnellste Weg ist Pyämische Tem¬ 
peraturen bei Kindern mit leichter Otitis haben vielleicht ihren Grund 
in einer veränderten Resorption auf dem Boden der Konstitutions¬ 
anomalie und sollen dementsprechend behandelt werden mit Ver¬ 
meidung zweckloser Probeoperationen am Warzenfortsatz, sraus sig- 
moideus etc. Auch nach Radikaloperationen kann die exsudative Dia- 
these die Heilung durch hartnäckige wässrige Wundsekretion sehr 
erschweren. Wenn auch nicht jeder Fall .von schlechter Wundheilung 
auf Kosten der exsudativen Diathese zu setzen ist und die veränderte 
Diät nicht immer gleich einen eklatanten Erfolg zeitigt, so ist doch 
zu hoffen, daß die Beachtung des genannten Momentes der Therapie 
wesentlich nützen wird. Autoreferat 

über Zwerchfellhernien bei Kindern. Von R. Kienböck- 
Wien. (Fortschr. a. d. Gebiete d. Röntgenstr., Bd. XXI, H. 4.) 

Verf. beobachtete einen 13 Monate alten Knaben. Anfallsweise 
sich steigernde Dyspnoe und häufig Schluckstörung; bedeutende 
Blässe und mäßige Zyanose. Radiologische Diagnose: Große falsche 
Hernie links mit Prolaps der Flexura koli (Megalokolon), des 
Magens (mit halbem Volvulus) und offenbar noch anderer Ab¬ 
dominalorgane. Zunächst günstiger Verlauf. Das Kind war während 
der ersten 8 Monate frei von Beschwerden und leidet erst seit dem 
9. Monat an hochgradiger Atemnot mit Husten und Verschleimung. 
Bei der Perkussion des Thorax fällt zunächst eine Schallverkürzung 
links hinten oben und eine Verbreiterung der Herzdämpfung weit 
über den rechten Sternalrand, sonst nichts Abnormes auf. Moment¬ 
aufnahme in Bauchlage ergibt im Januar 1913: Linke Zwerchfell¬ 
hälfte hochstehend, fast bis zur ffiavikula reichend. Im linken 
Brustraum lufthaltiger Magen und Darm. Herz sehr stark nach rechts 
verdrängt. Rechte Lunge komprimiert, sonst normal erscheinend. 

Befund im Alter von 22 Monaten: Noch wiederholt traten Anfälle 
von Dyspnoe auf, die Gehversuche fallen etwas besser aus. Das 
Kind ist noch sehr blaß und deutlich zyanotisch, wiegt — mit 
Kleidung — 8 kg, Länge . 75 cm. Die Fontanelle ist noch nicht 
ganz geschlossen, im Oberkiefer sind mehrere Mahlzähne durch¬ 
gebrochen, angeblich keine Schluckstörungen mehr. 

Es ist eine Differentialdiagnose zwischen falscher Zwerchfell¬ 
hernie, wahrer Zwerchfellhernie und Eventration zu stellen. 

Die Annahme einer falschen Hernie hat mehr Wahrscheinlich¬ 
keit für sich aus folgenden Gründen: 

I. Eine falsche Hernie ist um sehr viel häufiger als eine wahre 
Hernie und, bei Kindern, als eine Eventration. 

II. Die Respirationsstörungen haben erst im 8., die Schluck¬ 
störungen im 10. Monat begonnen, was auf eine Vergrößerung des 
Prolapses der Baucheingeweide zu diesen Zeiten hinweist und nur 
bei falscher Hernie leicht zu verstehen ist. 

III. Dazu kommen noch die radiologischen Symptome. 

Der Sitz der primären Bildungsstörung ist nach Verf. das Kolon, 
es besteht anscheinend ein Megalokolon. Es würde sich so unge- 


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I 57 


zwungen erklären, daß in der weit überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle die linke Körperseite betroffen ist. Denn links kann das 
große Kolon, das Netz und den Magen mit sich ziehend, leichter 
emporrücken, rechts ist die als Tampon wirkende Leber gelegen. 

Die klinische Diagnose wird in Fällen von Zwerchfellhemie in 
der Regel irrtümlich auf eine andere Affektion gestellt; im vor¬ 
liegenden Fall wurde an eine Pneumonie des linken Oberlappens, Herz¬ 
vergrößerung und Kardiospasmus gedacht; bei der Seltenheit der 
Hernie kam diese gar nicht in Frage. 

Die Röntgenuntersuchung enthebt fast aller diagnostischen 
Schwierigkeiten. 

Daß das Kind erst so spät an bedeutenden Respirations- und 
Schluckstörungen leidet, weist darauf hin, daß die Hernie ursprüng¬ 
lich klein war und erst zu diesen Zeiten schubweise eine beträchtliche 
Größe erreichte. 

Die Prognose ist sehr schlecht Es ist zu erwarten, daß es 
bald sterben wird, nach einigen Brechanfällen, vielleicht mit den 
typischen Erscheinungen von innerer Einklemmung, sei es daß 
diese durch bloße Spasmen am Magen oder Darm hervorgerufen 
werden, sei es, durch wirkliche Einklemmung oder Volvulus des 
Magens oder Darmes. 

Verf. stellt aus der Weltliteratur 21 Fälle bei Kindern zusammen. 

Im vorliegenden Fall könnte man von einer Operation wenig 
erwarten. Die mit instruktiven Figuren und sehr schönen Tafeln 
ausgestattete Arbeit sollte im Original nachgelesen werden. 

Schlichting (Kassel). 

Mastkuren Im Kindesalter. Von Engel-Berlin. (Aus der 
akademischen Kinderklinik in Düsseldorf, Direktor Prof. Dr. 
Schlossmann. — B. kl. W., 1914, Nr. 9.) 

Mastkuren bieten im Kindesalter oftmals deswegen ganz be¬ 
sondere Schwierigkeiten, weil die Eßlust gerade bei den 
Kindern gering zu sein pflegt, welche man gern etwas anmästen 
möchte. Die übliche Methode der häufigen kleinen Mahlzeiten mit 
besonderer Berücksichtigung der Kohlehydrate und des Fettes ver¬ 
sagt häufig. Aus diesem Grunde empfiehlt sich der folgende Kunst¬ 
griff, welcher die Eßlust des Patienten wenig in Anspruch nimmt, 
und welcher auf die Appetenz längst nicht den ungünstigen Ein¬ 
fluß ausübt, wie es bei den üblichen Methoden der Fall ist. Man 
gibt den Kindern tagsüber gar keine Mastdiät, sondern verabfolgt 
eine dem Alter entsprechende gemischte Kost. Diese soll so bemessen 
sein, daß der Bedarf des Kindes dadurch gedeckt wird. Den Über¬ 
schuß nun, welcher für den Ansatz notwendig ist, reicht man in der 
Form von Sahne, und zwar 2—3 Stunden nach der letzten Mahlzeit 
welche zweckmäßig etwas zeitiger wie sonst, etwa zwischen 5—6 
Uhr genommen wird. Es gelingt leicht, indem man von kleineren 
zu größeren Mengen allmählich übergeht, auf eine abendliche Zufuhr 
von 1 li — ! /a Liter Sahne zu kommen, was einem Kalorienwerte von 
4—800 Kalorien entspricht. Der Vorzug dieser Methode ist, daß 
der zur Mast dienende Nahrungsstoff, weil flüssig und wohlschmeckend, 


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158 

viel leichter genommen wird wie jeder andere, daß die Verdauung 
während der Nacht erfolgt, und daß die Appetenz des nächsten 
Tages deshalb gar nicht oder wenig beeinträchtigt wird. Soll der 
Ansatz irgendwie stärker sein, so muß natürlich entsprechende Ruhe 
gehalten werden, d. h. es muß eine Liegekur innegehalten werden. 
Zur Unterstützung empfiehlt sich außerdem noch die Darreichung 
von Arsen, am zweckmäßigsten in der Form einer natürlichen Quelle. 

Autoreferat 

Erfahrungen mit dem kolloidalen Trikalziumphosphat* 
eiweiß „Tricalcol“, Von V. Oy. (Aus der inneren Ab¬ 
teilung der Städt Krankenanstalten zu Elberfeld. [Chefarzt: 
Geh. San.-Rat Dr. Kl ein Schmidt] — B. kl. W., 1914, Nr. 1.) 

Das Tricalcol wurde bei 39 mehr oder minder rachitischen, so¬ 
wie bei 2 Kindern mit konstitutionellem Ekzem verwandt — Das 
Pulver wurde mit Griesbouillon bezw. mit Griesmilchbrei gemischt 
verabreicht Kinder unter 1 Jahre erhielten täglich 2 bis 2,5 g, 
solche von einem Jahre aufwärts 4 bis 5 g täglich. 

Das Tricalcol wurde gut vertragen und in der angegebenen 
Weise verabreicht, von den Kindern auch gern genommen. 

Unter den rachitischen Kindern befanden sich die leichtesten 
Grade, wo Verlangsamung des Fontanellschlusses und der Zahnung 
die einzigsten Erscheinungen der Rachitis waren, bis zu den 
schwersten mit Knochenknickungen, Kraniotabes und Kreuzschädel, 
wo der geringe Kalkgehalt der Knochen im Röntgenbilde geradezu 
auffällig war. 

Die bei Rachitis so häufig auftretenden Unregelmäßigkeiten in 
der Darmfunktion wurden alsbald behoben: die dünnen dyspeptischen 
Stühle wurden fest und seifig, und die Kinder, die vorher um die¬ 
selbe Gewichtshöhe schwankten, nahmen alsbald langsam zu. In¬ 
folgedessen wurde die Tricalcolaufschwemmung auch bei wässrigen 
Stühlen mit gutem Erfolg angewendet 

Die meistens vorhandenen Hinterhauptschweiße besserten sich 
unter Tricalcolmedikation mit derZeit, ebenso die nervöse Ubererreg¬ 
barkeit der Kinder, die sich in plötzlichem Zusammenschrecken und 
unruhigem Schlaf zeigte. 

Die immer wiederkehrenden bronchitischen Attacken, zu denen 
einzelne Kinder besonders disponierten, ließen nach, ob durch die 
sekretionseinschränkende Wirkung der Kalksalze oder infolge der 
Besserung des Allgemeinzustandes, läßt Verf. dahingestellt. — Kinder, 
„die nicht wußten, wofür die Beine sind u ., oder sich hüteten, 
dieselben aufzustellen, aus Furcht vor Schmerzen, stehen jetzt an 
Stühlen und machen Gehversuche. Solche, die vorher ohne jeden 
Halt platt dalagen, die unfähig waren, ihre Lage selbstständig zu 
verändern, die bei den vorsichtigsten Berührungen abwehrten und 
in ein zeterndes Geschrei ausbrachen, wurden im Laufe der Zeit 
unempfindlich, kräftig, richteten sich auf und saßen frei. Auch der 
bei einigen Kindern vorhandene pastöse Habitus besserte sich. Bei 
2 Fällen von konstitutionellem Ekzem (nässende Ekzeme mit starkem 
Juckreiz auf beiden Wangen), die vorher neben entsprechender Er- 


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*59 


nährung lange mit Puderung und austrocknenden Salben vergeblich 
behandelt worden waren, schwanden die Ekzeme nach etwa zwei¬ 
monatiger gleichzeitiger Tricalcolverabreichung. 

Das Tricalcol mithin, welches nach physiologischen Unter¬ 
suchungen reichliche Aufnahme und gute Verwertung findet, 
einen hohen Gehalt an assimilierbarer Phosphorsäure mitbringt 
und nicht wie andere Kalksalze dem Organismus Phosphorsäure 
entzieht, wird gern genommen, gut vertragen und beeinflußt die 
Rachitis und deren Nebenerscheinungen nach klinischen Erfahrungen 
gut Autoreferat 

Beitrag zur Behandlung von Tetanus mit Magnesium 
sulfurikum. Von Friedrich M i e 1 k e. (Aus der Universitäts- 
Kinderklinik zu Göttingen. Direktor Prof. F. Göppert — 
Therapeutische Monatshefte, April 1914.) 

Um bei Tetanus eine vollständige Erschlaffung der Muskulatur 
zu erreichen, sind 3 g Magnesium sulfurikum in 6stündlichem Inter¬ 
vall nötig. Man benutzt zweckmäßig eine 2oproz. Lösung und kom¬ 
biniert dieses Narkotikum mit 1 g Chloral und gibt ein 
Opiumpräparat (z. B. Pantopon 0,01- 0,02) l /* Stunde vorher. Die 
subkutanen Injektionen sind dann nicht mehr schmerzhaft und wer¬ 
den vom Pat selbst als große Erleichterung empfunden. Im mit¬ 
geteilten Fall wurden 24 Injektionen gemacht und 64 g Magnesium 
gebraucht Die Injektionsstellen waren am nächsten Tag schon un¬ 
empfindlich. Eine Schädigung der Haut trat nicht ein. 

Magnesium ist kein Heilmittel des Tetanus, sondern es wirkt 
nur als Narkotikum. 

Die sukutane Anwendung ermöglicht die Durchführung der Be¬ 
handlung überall, und man bringt so verhältnismäßig leicht die 
Kranken über die schwere Zeit der Anfälle hinweg. 

Das mit Magnesium sulf. in oben bezeichneter Weise behandelte 
Kind ist völlig geheilt und läuft jetzt munter herum. Autoreferat 


Aus dem Gebiete der Säuglingsfürsorge. 

Individualstatistische Untersuchungen über die Gesund' 
heits~, Ernährung»- und Wohnungsverhältnisse der 
Säuglinge in einer großstädtischen Proletarier' 
bevöikerung. Von P. Rohm er-Marburg. (Zeitschr. f. 
Säuglingsfürs., 1914, Bd. 7, H. 10/n.) 

Es handelt sich um eine ungefähr drei Monate hindurch fort¬ 
gesetzte Beobachtung sämtlicher in bestimmten Straßen der Kölner 
Altstadt wohnenden Säuglinge, welche sich nicht nur auf deren Ge¬ 
sundheitszustand und Ernährungsart, sondern auch auf die materielle 
Lage der Eltern sowie auf dieWohnungs- und Pflegeverhältnisse er¬ 
streckte und gestattet, sich ein ziemlich genaues Bild der Lage der 
Säuglinge in dieser Bevölkerungsschicht zu machen, wenigstens so¬ 
weit die Verhältnisse der genannten rheinischen Großstadt in Betracht 
kommen. Die Stillfrequenz war leidlich gut: 85,8 Proz. überhaupt 


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i6o 


und 40,0 Proz. über 9 Monate Gestillte. Von den an der Brust be¬ 
findlichen Kindern konnten über 80 Proz., von den zur Zeit der 
Untersuchung künstlich genährten, sofern sie weniger als ein halbes 
Jahr gestillt worden waren, im ersten Halbjahr nur 35,1 Proz., im 
zweiten Halbjahr 18,5 Proz. als „gesund 41 bezeichnet werden, ein Be¬ 
weis, daß in diesen Proletarierkreisen das Stillen mindestens 6 Monate 
hindurch fortgesetzt werden muß, wenn gute Dauerresultate erhalten 
werden sollen! 

Genaue Angaben über die Größe, Belichtung und Durchlüftbar- 
keit der Wohnungen sowie die Anzahl der darin wohnenden Personen 
vervollständigen das statistische Material, welches — an und für sich 
interessant und wichtig — doch zur Frage der Säuglingssterblich¬ 
keit nicht ohne weiteres in ursächliche Beziehung gesetzt werden 
kann, da zu viele ändere Faktoren diese Verhältnisse beeinflussen. 
Die am nächsten liegende Frage nach dem Einfluß der Wohnung 
auf die Sommersterblichkeit konnte, entgegen dem ursprünglichen 
Arbeitsplan desVerf., nicht untersucht werden wegen der andauernd 
ungünstigen Witterung des Sommers 1913. 

Das Gesamtergebnis seiner Beobachtungen — wenn es auch 
zahlenmäßig nicht festgesetzt werden konnte — faßtVerf. dahin zu¬ 
sammen, daß es weniger als die Ausgangsqualität der Milch und als 
die Wohnungsverhältnisse die mangelndePflege undWartung 
ist, welche die Säuglinge in diesen Kreisen nicht gedeihen läßt Nur 
die materielle und sittliche Hebung der unteren Volksklassen wird 
hier Wandel schaffen können. Bis dahin gibt es zur Bekämpfung 
der großen Morbidität und Mortalität nur ein Mittel: die Mutter¬ 
brust! Autoreferat 

Eine günstige Bevölkerungsbilanz. 

Als erster Bundesstaat gibt das Großherzogtum Hessep eine Über¬ 
sicht über die Geburten und die Säuglingssterblichkeit im Jahre 1913. 
Verglichen mit den vorausgehenden fünf Jahren ergibt sich folgendes 
Bild: 


Jahr 

Lebend- 

geborene 

Gegen das 
Vorjahr 

Es starben 
Säuglinge 

Es Überlebten 
das 1 . Jahr 

1908 

37359 

+ 480 

4700 

32659 

1909 

36299 

— 1060 

4722 

31577 

1910 

34670 

— 1629 

3913 

30757 

19II 

33209 

— 1461 

4273 

28936 

1912 

32339 

— 870 

3247 

29096 

1913 

32396 

— 43 

2986 

29310 


Dieses Ergebnis ist im Vergleich mit den Vorjahren nicht un¬ 
günstig. Während nämlich seither Jahr für Jahr einen empfindlichen 
Rückgang der Geburten brachte, sind 1913 fast ebenso viel Kinder 
als 1912 geboren worden. Der kleine Rückgang der Geburten wird 
— und das ist das Erfreuliche — sechsfach ausgeglichen durch ein 
weiteres Herabdrücken der Säuglingssterblichkeit auf 2986. Damit 
ist Hessen auf einem Stand angelangt, auf den das Land stolz sein 
kann. Es starben nämlich 1913 nur mehr 9,2 Proz. der Säuglinge. 
Welchen Fortschritt das bedeutet, ergibt ein Vergleich mit früheren 


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i6i 


Jahren (1905 noch 15,4 Proz., 1904 sogar 15,7 Proz.) und mit anderen 
Ländern. Das rechtsrheinische Bayern z. B. durfte auch, heute noch 
die doppelte Kindersterblichkeit haben (1907 23,1 Proz.). S. 

Ein Beitrag zur Praxis der Bekämpfung der Säuglings* 
Sterblichkeit im Deutschen Reiche. Von Otto Peiper- 
Prenzlau. (Zeitschr. f. Säuglingsschutz, 1914, März.) 

Verf. wendet sich gegen ein von einer rheinischen Verlags- 
firma mit Hülfe von Drogenhandlungen etc. vertriebenes „Merkbuch 
für die junge Mutter“. Es dient lediglich zu Reklamezwecken für 
dasselbe vertreibende Geschäfte; der eigentliche sich stets gleich¬ 
bleibende Inhalt des seit Jahren über ganz Deutschland verbreiteten 
„Merkbuches“ strotzt von geradezu falschen Ratschlägen für die 
Säuglings-Ernährung und -Pflege, bekämpft also indirekt alle Be¬ 
strebungen der Regierung und der Ärzte, die auf einen Rückgang 
der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche abzielen. 

Autoreferat 

Mutterfürsorge und ihre Beziehungen zur Säuglings* 
fürsorge. Von Holzinger-Bayreuth. (Bltr. f. Säuglingsfürs., 
1913, H. 2.) 

Zum Beweise dafür, daß eine rationelle Mutterfürsorge die Grund¬ 
lage der Säuglingsfürsorge bildet, werden zunächst die Schädigungen 
besprochen, denen die Mütter und Kinder in den drei Stadien der 
Mutterschaft ausgesetzt sind. Daran schließt sich eine Übersicht 
über die bisher in den einzelnen Kulturstaaten getroffenen Mutter- 
fürsorgeeinrichtungen. Sodann werden die Mängel erörtert, die der 
Wochenhilfe der Reichsversicherungsordnung anhaften, und die im 
Interesse der Säuglingsfürsorge hier zu stellenden Forderungen von 
medizinischem und hygienischem Standpunkte aus begründet Ins¬ 
besondere wird die Notwendigkeit besserer Schwangerenfürsorge, der 
Hauspflege im Wochenbett, der Stillunterstützungen, der Gründung 
von Mutterheimen sowie von Auskunfts- und Rechtsschutzstellen für 
Schwangere, endlich der Berufsvormundschaft eingehender erörtert. 
Zum Schlüsse wird ein Bild davon entworfen, wie in Mittelstädten 
die Mütterfürsorge, wenn sie allen Anforderungen entsprechen soll, 
am besten zu organisieren ist Autoreferat. 

Gemeinsame Tätigkeit der Ortskrankenkasse und der 
Säuglingsfttrsorgestelle in Chemnitz auf Grund des 
§ 200 der Reichsvers.*Ordnung. Von Schädel- 
Chemnitz. (Ztschr. f. Säuglingsschutz, 1914, VI. Jhrg., H. 5.) 

§ 200 erlaubt den Krankenkassen ihren Mitgliedern Stillgelder 
auszuzahlen. Die Chemnitzer Ortskrankenkasse macht davon Ge¬ 
brauch und hat die Überwachung des Stillgeschäftes der Mutter- 
beratungs- und Säuglingsfürsorgestelle des Chemnitzer Vereins für 
Gesundheitspflege als unparteiischer und sachkundiger Stelle gegen 
Entgelt übertragen. 

Der Aufsatz bringt die Berechnungen, die den Vorverhandlungen 

Kinder-Arit XXV. Jahrg. 1914 . 11 


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IÖ 2 


zu Grund lagen, den Vortrag, der die Ausführung regelt, und die 
Einrichtungen, die zur Durchführung getroffen wurden. Autoreferat 


Aus dem Gebiete der Schulhygiene. 

Hygienische Vorträge im Rahmen der schulärztlichen 
Tätigkeit. Von Langerhans-Leipzig. (Der Schularzt, 
1913, Nr. 12.) 

Nach der Dienstordnung der Leipziger Schulärzte bilden be¬ 
lehrende Vorträge hygienischen Inhaltes einen nicht unwesentlichen 
Teil der Gesamttätigkeit. 

Die Vorträge bei der Untersuchung der Schulkinder der Elementar¬ 
schulen sind sehr beliebt geworden, 99 Proz. der Kinder bringen 
den Vater oder die Mutter zur Untersuchung mit Der Arzt hat 
eine Reihe von Themen, die er mehr oder weniger ausführlich er¬ 
örtert: „Der Zweck der schulärztlichen Untersuchung, die Bedeutung 
der adenoiden Wucherungen für die Schulfortschritte, Arbeit und 
Ermüdung in der Schule und Erholung nachher, Näharbeit und 
Kurzsichtigkeit, Schulskoliose oder Rachitis, Infektionskrankheiten 
und Schule, Krampfanfälle im Kindesalter, psychische Eigentümlich¬ 
keiten der Kinder, die Bedeutung der Hautpflege für die Gesund¬ 
heit, Entstehungsursache der schlechten Zähne, die Zahnpflege, das 
Bettnässen, das schlechte Essen der Kinder, Leibesübungen oder 
Sport, Alkohol im Kindesalter. u 

Die Vorträge, die sich an die Lehrer wenden, sind noch im 
Stadium der Vorversuche. Zum richtigen Zusammenarbeiten ist es 
erforderlich, daß der Arzt sich zeitweilig mit der Gesamtheit des 
Lehrerkollegiums ins Einvernehmen setzt, um ihnen einen Vortrag 
zu halten. Die allgemeine Hygiene, die Sozialhygiene und die 
Schulhygiene bieten dazu geeignete Themen, Verschleppung von 
Infektionskrankheiten und deren Verhütung, die Walderholungsstätten 
und die Waldschulen, die Leibesübungen als Charakterbildner und 
ähnliches. Beide Arten von Vorträgen stellen an das Können des 
Arztes hohe Anforderungen. Der Arzt, der seine Kulturmission in 
der Bekämpfung der Krankheiten und in der Emporentwickelung 
der Menschen zu größerer Körpertüchtigkeit sieht, wird in diesen 
Vorträgen ein überaus wichtiges Mittel zum Zweck erblicken und 
aus dem Halten derselben eine große Befriedigung schöpfen. 

Schlichting (Kassel). 

Die schulhvgienische Abteilung in dem städtischenMuseum 
für Volkshygiene in Köln und die Lehrer. Von Mol¬ 
denhauer-Köln. (Zschr. f. Schulgesdhtspfl., 1913, H. 1.) 

Unter der Leitung des Direktors des städtischen bakteriologischen 
Laboratoriums ist in Köln ein Museum für Volkshygiene entstanden, 
in dem besonders die Abteilung für Schulhygiene Beachtung verdient. 

Leider steht es mit den hygienischen Kenntnissen und dem 
hygienischen Verständnis und Interesse der meisten Leiter und Lehrer 
der höheren Schulen recht mangelhaft, davon überzeugt ein Gang 
durch so manche Schule den erfahrenen Schulhygieniker sehr bald. 


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163 

Der Schalhof ist meist eine Staubquelle allerersten Ranges. Bei 
trockener Luft schlucken Schüler und aufsichtführende Lehrer schon 
an Ort und Stelle ihre gehörige Portion Staub und tragen dann eine 
weitere Menge davon an Schuhwerk und Kleidern mit in die Klasse. 
Feuchtigkeit verwandelt den trockenen Staub in Schmutz, die in der 
trockenen Luft der Schulstube sich wieder verflüchtigt 

In England ist der an das Gebäude stoßende Teil mit einer 
festen Decke versehen, das übrige ist Rasen. Eine brauchbare Masse 
bietet der Stampfteer, der mit Hilfe eines Sprengschlauches tadellos 
sauber zu halten ist. Die durchschnittliche Dienstzeit der Lehrer 
könnte durch solche Fürsorge verlängert werden, besonders durch 
Verhütung von Lungen- und Kehlkopfleiden. 

Verf. verlangt hygienische Vorbildung der Lehrer höherer Schulen 
auf den Universitäten, Vertiefung derselben durch Ferienkurse und 
vor allem durch Zugänglichmachung und eifrige Benutzung solcher 
hygienischer Sammlungen. 

Dann werden die Lehrer imstande sein, nicht nur den hygieni¬ 
schen Anforderungen an die äußeren Einrichtungen der höheren 
Schulen gerecht zu werden, sondern den Schülern selbst die not¬ 
wendigsten Gebote der Gesundheitspflege, über Körperhaltung, At¬ 
mung, Zahn- und Mundhygiene, Ernährung und richtige Arbeits¬ 
einteilung, Reinlichkeit etc. verständlich zu machen. 

Schlichting (Kassel). 

Schulzahnklinik oder lreie Zahnarztwahl. Von Stephani 
und Wimmenauer-Mannheim. (Zschr. f. Schulgesdhtspfl., 
1913, H. 4.) 

Die beiden Verff. erörtern das Thema, welches in der zahnärzt¬ 
lichen Presse zu einem lebhaften Meinungsaustausch Veranlassung 
gab, objektiv und ganz vorurteilsfrei vom schulärztlichen Standpunkte. 
In Mannheim besteht freie Zahnarztwahl entsprechend der freien 
Arztwahl der Krankenversicherung. 

Bei der ganzen schulärztlichen mit Einschluß der schulzahnärzt¬ 
lichen Tätigkeit handelt es sich um soziale Fürsorgemaßnahmen, die 
mit den Zielen und Zwecken der Schule als Unterrichtsanstalt an 
sich wenig zu tun haben. Es handelt sich letzten Endes weniger 
um „Schul“gesundheitspflege, als vielmehr um „Jugend 44 - oder „Kinder 44 - 
gesundheitspflege. Die Schule ist nur der Ort, die Gelegenheit, wo 
wir unsere Jugend zweckmäßig beisammen finden, wo wir am be¬ 
quemsten den Hebel ansetzen können. 

Während die schulärztliche Tätigkeit lediglich Fürsorge für die 
Gesamtheit ist, ist die Schulzahnpflege vornehmlich Einzelbehandlung, 
das ist ein grundlegender Unterschied. 

Die Verf. geben der Regelung nach dem Vorbild der freien 
Arztwahl durchaus eine Berechtigung. 

Sobald Beitragsleistungen von den Eltern verlangt werden, so 
wird theoretisch ein gewisses Mitbestimmungsrecht der Versicherungs¬ 
nehmer erworben. 

In Mannheim werden sämtliche Unkosten für die Zahnärzte und 
den Verwaltungsapparat allein von der Stadt getragen. In Mann- 


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164 


heim ist die freie Wahl herausgewachsen aus den Interessen des 
zahnärztlichen Vereins, es besteht Bezahlung nach Einzelleistungen. 

Die Verff. bemühen sich einen Vergleich zwischen 3 Städten zu 
führen, da die Berichterstattung aber zum Teil recht unvollkommen 
ist, hat der Vergleich Schwächen. 


Zahnärztliche Untersuchungen 
Behandelte Kinder 
Vorgenommen wurden: 

1. Extraktionen 

2. Füllungen: Einfache 

Wurzeln 

3. Einlagen 

Die Kosten betragen für alle Personal- und 

Materialleistungen im ganzen Mk. 26800 

Der Mietwert dtr Räume für die Klinik ist 
in den Kosten 

enthalten 

Die Inneneinrichtung der Klinik repräsen¬ 
tiert einen Wert von Mk. 12000 entfällt ganz 5600 


Straßburg Mannheim Stuttgart 

— 

7449 

— 

8449 

7618 

8512 

7989 

13918 

5662 

9447 

7700 

1888 ‘ 

? 

912 

866 

6203 

— 

1869 


nicht 


24298 

entfällt 

gänzlich 


11601 

nicht 

enthalten 


Die Jahresberichte müßten nach einheitlichem Schema gemacht 
werden. Ein abschließendes Urteil, welchem System der Vorzug zu 
geben sei, läßt sich heute noch nicht geben. 

Ref. empfiehlt den Schul- und Kommunalärzten warm, den vor¬ 
liegenden Aufsatz im Original zu lesen, sofern sie in der Lage sind, 
bei der Einrichtung einer Schulzahnpflege mitzuwirken. 

Die Schulzahnklinik wird wohl (nach Ansicht des Ref.) in der 
Regel besser arbeiten als der Durchschnitt der freien Zahnärzte; 
man könnte dem Leiter das Recht der freien Privatpraxis mit Aus¬ 
schluß der Kassen gewähren, und die Klinik einige Vormittagsstunden 
schließen. Die Kosten am Gehalt würden so geringer werden und 
der für die freien Zahnärzte auf geführte Nachteil, daß die Kinder 
Vormittage versäumen, zum Teil aufgehoben werden. 

Schlichting (Kassel). 


Uber die für die Berliner Gemeindeschulkinder geplante 
orthopädische Fürsorge. Von Max Böhm-Berlin. (Berl. 
klin. Woch., 1914, Nr. 16.) 

Auf Wunsch des Berliner Magistrats hat der Vorstand der Berliner 
orthopädischen Gesellschaft statistische Erhebungen über die Ver¬ 
breitung der Rückgrats-Verkrümmungen unter den Gemeindeschul- 
kindem Berlins veranstaltet Es zeigte sich, daß ca. 15 Proz. aller 
Kinder Haltungsfehler, d. h. Verbiegungen der Wirbelsäule in sagittaler 
Richtung, weitere ca. 9 Proz. Skoliosen und Schiefhaltungen leichten 
Grades und schließlich ca. 6 Proz. ausgeprägte seitliche Rückgrats- 
Verkrümmungen aufwiesen. 

Von großem Interesse sind folgende 3 Tatsachen, die sich heraus¬ 
stellten : 

1. Die Rückgrats-Verkrümmungen sind alles in allem bei bei¬ 
den Geschlechtern gleich häufig; von einem wesentlichen Uberwiegen 
beim weiblichen Geschlecht kann keine Rede sein. 

2. Der weitaus größte Prozentsatz der Rückgrats-Verkrümmungen 
wird bereits in die Schule mitgebracht; ein ungleich geringerer Prozent¬ 
satz tritt erst nach dem 10. Lebensjahr auf. 


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3. Die Zunahme der seitlichen Rückgrats-Verkrümmungen wäh¬ 
rend der Schulzeit geschieht durch das Ansteigen der leichten 
Skoliosen-Formen. 

Therapeutisch wird empfohlen, daß für die 15 Proz. Haltungs¬ 
fehler und die 9 Proz. leichten Skoliosen in der Schule ein „Haltungs“- 
oder „Sonderturnen“ eingeführt wird und daß die 6 Proz. ausgeprägten 
Skoliosen in ärztlich-orthopädische Behandlung gelangen. Dieser 
Vorschlag gilt aber nur für Berlin; in kleineren Gemeinden müßten 
auch die 9 Proz. Skoliosen leichten Grades spezialärztlich behandelt 
werden. Autoreferat 


BQcherbesprechungen. 

Beitrag zur Kenntnis der Poliomyelitis anterior chro¬ 
nica, der Polyneuritis und Meningitis spinalis 
chronica, unter besonderer Berücksichtigung der 
Differentialdiagnose. Von Dr. Emil Schumer. 8°, 
56 S. (Sammlg. wissensch. Arbeiten, Nr. 5.) Langensalza 1913. 
Verlag von Wendt & Klauwell. 

Verf. gibt eingangs seiner Arbeit eine genaue Auslegung der 
Krankheitsbegriffe Poliomyelitis ant. chron., sowie Polyneuritis und 
Meningitis spin. chron. Er behandelt darin, ausgehend von der Tat¬ 
sache, daß selbst dem erfahrenen Kliniker Schwierigkeiten in der 
Differentialdiagnose entstehen, drei Fälle der Jenenser Klinik, die 
im Hinblick auf obigen Gesichtspunkt sehr lehrreich sind. 

Cordes-Dresden. 

Über pathologische Vermehrung der Erythrozyten, insbes. 
über den Symptomenkomplex: Polyzythämie mit Milztumor und 
Zyanose. Bemerkungen zur Therapie dieses Krankheitsbildes. 
Von Dr. Albrecht Wagner. (Sammlung Wissenschaft! Arbeiten 
Nr. 3.) 8°, 58 S. mit 3 Kurven und 4 Tab. Langensalza 1913. 

Das von Vaquez 1892 zuerst als Polyzythämia myklopathika be¬ 
schriebene Krankheitsbild charakterisiert Verf. eingehend an der Hand 
der bisher erschienenen Literatur und fügt 3 weitere Krankengeschichten 
von klinisch beobachteten Fällen hinzu. Diese betreffen einen 
39j. Handarbeiter und einen 35J Bahnarbeiter. Hinsichtlich dieser 
3 Beobachtungen kommt Wagner zu folgenden Schlußfolgerungen: 
1. Der Aderlaß in der Therapie der Polyzythämie hat, symptomatisch 
angewandt, gute Erfolge, insofern er einen Teil der sehr lästigen 
subjektiven Beschwerden vermindert und die Kranken sich wesent¬ 
lich gebessert fühlen. 2. Eine regelmäßige Aderlaßtherapie ist 
symptomatisch indiziert bei sekundärer Hyperglobulie, wenn das pri¬ 
märe Leiden nicht zu beeinflussen ist Der Erfolg liegt vermutlich 
in Steigerung des Gesamtsauerstoffgehaltes des Blutes, wodurch ein 
Teil der als Kompensation gegen verminderten Sauerstoffgehalt 
dienenden Erythrozyten überflüssig wird. 3. Da die ohnehin schon 
hohe Sauerstoffkapazität des Blutes und der ohnehin schon gestei¬ 
gerte Gaswechsel bei primärer Polyzythämie nicht noch gesteigert 


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i66 


werden dürfen, ist von regelmäßig wiederholten Blutentziehungen 
kaum ein Erfolg zu erwarten, ja dieselben sind eher kontraindiziert. 

Naether-Dresden. 

Der Wert der Bindehautdeckung bei perforierenden 
Bulbus Verletzungen und Kornealgesch würen, nach 
Literatur und Material der Gießener Augenklinik. Von Dr. 
Berthold Krevet. (Sammlung wissenschaftl. Arbeiten, Nr. 7.) 
8°, 72 S. Langensalza 1913. Verlag vonWendt & Klauwell. 

Die großen Vorteile, welche die Bindehautdeckung bietet, haben 
sich auch an der Gießener Klinik bewährt Neben dem Verschwinden 
der Schmerzen liegt die Hauptwirkung in dem mechanischen schnellen 
und sicheren Verschluß der Wunde und in dem damit sofort gebo¬ 
tenen Schutz vor Infektion. Die Verwertung der Bindehaut nach 
Kuh nt muß gelobt und angewendet werden, da durch dieses Ope¬ 
rationsverfahren oft noch da, wo andere Mittel versagten, geholfen 
werden kann. Die Arbeit enthält eine ausführliche Darstellung des 
in der Gießener Augenklinik behandelten Materials und eine Zu¬ 
sammenstellung der einschlägigen Literatur. 

Wiedemann-Karlsruhe i. B. 

Regenerationserscheinungen an der Leber bei Trauma, 
akuter gelber Atrophie und Zirrhose. Von Dr. 
Walther H a 11 b a u e r. (Sammlg. wissenschaftl. Arbeiten, Nr. 2.) 
8 °, 28 S. Langensalza 1913. Wendt & Klauwell. Pr. 0,80 Mk. 

Die Schädigungen, welche bei Trauma, akuter gelber Atrophie 
und Zirrhose die Leber treffen, wirken auf diese in verschiedener 
Weise ein: das Trauma schädigt zumeist das Parenchym und Inter- 
stitium in gleich hohem Grade, bleibt aber in seiner direkten Wirkung 
lokal; bei den anderen Insulten wird oft mehr das Parenchym, dafür 
aber meist in seiner ganzen Ausdehnung getroffen, während das 
Interstitium mehr oder weniger unversehrt bleibt oder erst sekundär 
Veränderungen zeigt 

Verf. machte es sich zur Aufgabe, zu untersuchen, ob sich hieraus 
auch Verschiedenheiten der Regeneration ergeben. Die Regenerati¬ 
onserscheinungen speziell nach Trauma konnten von ihm an einem 
Fall von vollständiger Zerreißung des rechten Leberlappens (aus der 
chirurgischen Klinik Jena) studiert werden. Das Ergebnis ist, daß 
bei den verschiedenen Schädigungen entsprechend der Verschieden¬ 
heit des schädigenden Agens eine Verschiedenheit in der Regeneration 
beobachtet werden konnte: beim Trauma überwiegt die kompensa¬ 
torische Hypertrophie, bei den vorwiegend mit parenchymatöser 
Schädigung einhergehenden Erkrankungen die Regeneration von 
seiten der Gallengänge. M. Sch w ab-Berlin-Wilmersdorf. 

Beitrag zur Lehre von der Fortpflanzungsgeschwindig¬ 
keit der Pulswellen bei gesunden und kranken 

• Individuen. Von Dr. K. Ruschke-Saarbrücken. (Samml. 
wissenschaftl. Arbeiten, Nr. 1.) 8°, 40 S. Langensalza 1913. 
Verlag von Wendt & Klauwell. 

Die Arbeit bringt eine Nachprüfung der Befunde Gr um nach’s 
(1879 u. 1885) mittels verbesserter Methodik. — Bei dekompensier- 


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ten Herzfehlern fand sich entsprechend dem Grade der Dekom¬ 
position eine Verlangsamung der Pulswellengeschwindigkeit; dieselbe 
ist jedoch nicht für einen bestimmten Herzfehler, z. B. Aorteninsuffi¬ 
zienz pathognomonisch. Ebenso besteht bei sekundärenAnämien 
eine Herabsetzung der Pulsgeschwindigkeit Bei Arteriosklero- 
tikern, bei Nephritis und Saturnismus konnte, Hand in Hand 
gehend mit gesteigertem Blutdruck, eine Erhöhung der Pulsge¬ 
schwindigkeit konstatiert werden. — Künstlich blutdrucksteigemde 
und blutdruckherabsetzende Mittel bewirken eine entsprechende Be¬ 
schleunigung oder Verlangsamung der Pulsgeschwinaigkeit Auch 
der jeweilige Gefäßtonus ist für die Pulsgeschwindigkeit maßgebend. 

Klose-Breslau. 

Die Anatomie des Menschen, Teil V: Nervensystem und 
Sinnesorgane. Von Prof. Dr. Karl von Bardeleben-Jena. 
(Aus Natur und Geisteswelt, Sammlg. wissenschaftl.-gemein- 
verst Darstellungen, 422. Bdchn.) kl. 8°, IV u. 81 S. mit 
50 Abb. im Text. Leipzig 1914. Druck und Verlag von B. 
G. Teubner. Pr. geb. 1,25 Mk. 

Der Inhalt gliedert sich in das zerebrospinale (Rückenmark, 
Gehirn, periphere Nerven) und das sympathische oder vegetative 
Nervensystem. Sympathikus. Der 2. Abschnitt behandelt die Sinnes¬ 
organe. Es erübrigt sich, auf Einzelheiten vor einem medizinischen 
Forum einzugehen. Die im Vorausgehenden zum Ausdruck gebrachte 
günstige Beurteilung der v. Bardel eben’schen allgemeinen Ana¬ 
tomie möchte ich auch auf das vorliegende Bändchen ausdehnen. 

N a e t h e r -Dresden. 

Entwicklungsgeschichte des Menschen. 4 Vorlesungen von 
Dr. A. v. H e i 1 b o r n -Berlin-Steglitz. (Aus Natur und Geistes- 
welt^ 388. Bdchn.) kl. 8 °, VIII u. 87 S. m. 60 Abb. n. 
Photographien und Zeichnungen. Leipzig 1914. Verlag B. 
G. Teubner. Pr. geb. 1,25 Mk. 

Wenn der Verf. im Vorwort seine Vorlesungen einen Versuch 
nennt, dem Laien die Ergebnisse der Entwicklungsgeschichte des 
Menschen übersichtlich darzustellen, so ist ihm dieser Versuch un¬ 
zweifelhaft gelungen. Aber nicht nur das, auch für den Arzt sind 
die Vorlesungen als Einführung in die Embryologie sehr geeignet, 
dazu trägt nicht zum wenigsten die große Zahl von Abbildungen 
bei, die aus den wichtigsten Werken über den Gegenstand ent¬ 
nommen sind. 

Namentlich der Abschnitt über Vererbung ist auch für den 
Kinderarzt interessant, ebenso der über Hemmungs- und andere 
Mißbildungen. 

Außerdem wird die Lehre von der Zelle und Zellteilung an der 
Hand von zahlreichen Abbildungen eingehend behandelt 

Eine besondere Vorlesung handelt von der Entwicklung des 
Embryos zum reifen Kind und der Entwicklung der Organe. 

Ein ausführliches Namen- und Sachregister schließt das Bänd- 


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i68 


chen. Allein das Autoren-Register trägt schon die Reichhaltigkeit 
des behandelten Stoffes. P. Hanssen-Kiel. 

Jugendpflege. Von W. Wiemann, Fortbildungsschullehrer in 
Leipzig. (Aus Natur und Geisteswelt, 434. Bdchn.) kl. 8°, IV 
u. 127 S. Leipzig 1914. Verlag B. G. Teubner. Pr. geb. 
1,25 Mk. 

Der Verf., der beruflich tagaus tagein an der Fortbildung der 
Jugend arbeitet, behandelt sehr eingehend diesen Gegenstand, 
der auch in Deutschland mehr und mehr an Bedeutung 
gewinnt. Zunächst geht er auf die Eigenart der Jugendlichen und 
den Unterschied zwischen Knaben und Mädchen ein. Weiterhin 
behandelt er dann die Beschäftigung der Jugendlichen und die Ge¬ 
fahren, die ihnen dabei drohen. Aus diesen Verhältnissen heraus 
begründet er die Notwendigkeit der Jugendpflege. Eine vernichtende 
Kritik erfährt dabei die sozialdemokratische Jugendpflege. Die Ver¬ 
anstaltungen zur Pflege der Jugendlichen im Auslande und in Deutsch¬ 
land während und nach der Schulzeit werden dann ausführlich be¬ 
sprochen. Auf die Zugkraft aller Veranstaltungen wird dabei be¬ 
sonders hingewiesen. Alle Mittel, die Werbekraft haben, stehen an 
der Spitze. Deshalb ist das Wandern so brauchbar für die Jugend¬ 
pflege, weiterhin Turnen und Sport. Die verschiedenen Vereine zur 
Pflege der Jugend in Deutschland werden dann aufgezählt. 

Es folgen die Verfügungen, Grundsätze und Ratschläge für 
Jugendpflege. 

Als besonderer Anhang folgt ein Beitrag von Major v. Welck: 
Liegt im Gebiete der Jugendpflege für den Offizier ein besonderes 
Arbeitsfeld ? 

Ein Literaturverzeichnis schließt das inhaltsreiche Heftchen. 

Zu wünschen wären für eine neue Auflage einige Abbildungen. 

P. Hanssen-Kiel. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Uber Paratyphus bei Kindern in München. Von Fritz 
Breuning -München. 

An der Univ.-Kinderpoliklinik in München wurden von Mai bis 
Dezember 1913 unter 376 Magendarmerkrankungen 11 Paratyphus¬ 
erkrankungen beobachtet, darunter drei Falle im ersten Lebensjahr. 
Für die Erkrankung im frühen Kindesalter sind charakteristisch 
frequenter weicher Puls, zahlreiche Schleimstühle mit stark fäkulen- 
tem Geruch. Ein sechs Monate altes Brustkind hatte eine kompli¬ 
zierende Schultergelenkseiterung, ein 17 Monate altes Kind starb 
unter schweren Intoxikationserscjieinungen; Sektionsbefund. Die 
Agglutination war in der Mehrzahl der Fälle positiv und hielt sich 
bis zu 90 Tagen. Beobachtet wurden nur gastroenteritische Formen. 
Uber die Ätiologie ließ sich nichts sicheres feststellen. 

(Münchn. med. Wocli., 1914, Nr. 19.) Autoreferat 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. —■ Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für fCinderheiltade 

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Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszabezahlender Preis fQr das ganze 
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jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. August 1914. No. 8. (296.) 


INHALT: Originalien: Vulplus, Uber die operative Behandlung der 
tuberkulösen Wirbelsäulenentzündung. 169. — Dutolt, Uber die sog. Rezidive 
der adenoiden Vegetationen im Kindesalter und ihre rationelle Behandlung 
mittels Atmungsgymnastik. 173. —Referate: Rletschel, Kongenitale Syphilis. 
175. — Holtmann, Angeborene Syphilis. 177. — Ledermann, Lues kongenita. 
177. — Conradl, Tuberkulosenachweis im Tierversuch. 178. — Prlnzing, 
Scharlach. 179. — Bachauer, Diphtherie. 179. — Reinhard, Gonorrhoe und 
gonorrhoesche Komplikationen. 180. — Plske, Emphysem bei Masern. 180. 
— Mflller, Anämie u. Scheinanämie im Kindesalter. 181. — Lawatachek, Enterale 
Resorption von genuinem Eiweiß bei Neugeborenen und darmkranken Säug¬ 
lingen. 181. — Aachenheim, Quarkfettmilch. 182. — Pelaer, Fettaustausch in 
der Säuglingsernährung. 183. — Peterka, Lichtscheu bei Konjunktivitis ek- 
zematosa. 183. — L6vy, Magnau u. Seilet, Das Verhältnis zwischen dem 
Körperwachstum und der Entwicklung des Brustumfanges beim Menschen. 
184. — Rominger, Phimose im Kindesalter. 185. — Schubert, Furunkulose im 
Säuglingsalter. 185. — Bönning, Romauxan. 186. — Lederer, Schrumpfniere 
im Kindesalter. 186. — Mlelke, Spitzendämpfung im Kindesalter. 187. — Gött, 
Psychotherapie in der Kinderheilkunde. 187. — Bücherbesprechungen: 
Feer, Lehrbuch der Kinderheilkunde. 3. Aufl. 188. — Blaschko, Geburten¬ 
rückgang u. Geschlechtskrankheiten. 189. — Albu, Die spastischen Erkrankungen 
des Verdauungskanals. 190. — Tugendreich, Vorträge über Ernährung und 
Pflege des Kindes im ersten u. zweiten Lebensjahre. 2. Aufl. 190. — Keller 
u. Birk, Kinderpflege-Lehrbuch. 190. — Kurze Notizen aus der Praxis 
und Wissenschaft 191. — 

Originalien. 

(Aus der Prof. Dr. Vulpius'sehen orthopäd.-chirurgischen Klinik 

in Heidelberg.) 

Über die operative Behandlung der tuberkulösen 
Wirbelsäulenentzöndung. 

Von Prof. Dr. Vulpius-Heidelberg. 

Die Behandlung der chirurgischen Tuberkulose hat, wie sie 
wissen, während der letzten Jahrzehnte große Umwälzungen erfahren. 
Es gab eine Zeit, wo radikale chirurgische Eingriffe angewendet 
wurden, wo tuberkulöse Knochen und Gelenke mit ähnlicher Gründ¬ 
lichkeit wie bösartige Geschwülste entfernt wurden. Die betrüben¬ 
den Endresultate solcher verstümmelnden Eingriffe führten zu einer 


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170 

Reaktion, die sich in streng konservativer Behandlung mittels Gips¬ 
verband, mittels orthopädischen Apparates äußerte. Die konservative 
Behandlung erfuhr neuestens einen gewaltigen Aufschwung durch 
die Einführung und begeisterte Empfehlung der Heliotherapie. Ich 
erkenne den Wert der Allgemeinbehandlung bei chirurgischer Tuber¬ 
kulose durchaus an und unterschätze die Wichtigkeit der physi¬ 
kalischen Heilverfahren für diesen Zweck durchaus nicht, ich weiß 
aus eigener reichlicher Erfahrung, daß nicht nur die Höhensonne, 
sondern auch die Sonne in unseren klimatischen Verhältnissen Er¬ 
staunliches zu leisten vermag. Aber ich weiß auch weiter, daß die 
Sonne in der Höhe so wenig wie bei uns jegliche chirurgische 
Tuberknlose heilt, und ich bin der festen Überzeugung, daß wir für 
unsere Kranken das beste leisten und Zeit und Geld für dieselben 
sparen, wenn wir eine kombinierte Behandlung anwenden, wie die¬ 
selbe in dem von mir geleiteten Sanatorium Solbad Rappenau geübt 
wird. Chirurgie und Orthopädie, Freiluftbehandlung und Besonnung, 
künstliche Belichtung, Diät und medikamentöse Behandlung, sie 
alle müssen in zweckmäßiger Weise vereinigt auf den Krankheits¬ 
herd wie auf den kranken Organismus einwirken. 

Während also, wie wir gesehen haben, im allgemeinen die Be¬ 
handlung der chirurgischen Tuberkulose unter dem Zeichen des 
Konservatismus steht, müssen wir konstatieren, daß speziell bei der 
tuberkulösen Erkrankung der Wirbelsäule gerade umgekehrt chirur¬ 
gisch-operative Eingriffe heute sich in den Vordergrund drängen. 
Und zwar denke ich dabei nur an Operationen, welche die Beein¬ 
flussung des örtlichen Entzündungsherdes der Wirbelsäule zum Ziele 
haben. Man hat vor längerer Zeit schon, insbesondere in Frankreich, 
empfohlen, den Wirbelherd direkt frei zu legen und hat verschiedene 
Wege zu seiner Erreichung vorgeschlagen. 

Der eine führt neben der Wirbelsäule vorbei und nach der Re¬ 
sektion von Querfortsätzen und Rippenköpfchen nach vorn an den 
kranken Wirbelkörper, ein zweiter unter Entfernung von Wirbel bogen 
und Beiseiteschieben des Rückenmarks direkt von hinten nach vom 
an den Wirbelkörper. 

Beide Operationen sind selbstverständlich gefährlich und ent¬ 
sprechen den heute geltenden Anschauungen nicht, daß man eine 
geschlossene Tuberkulose nicht unnötigerweise in eine offene Tuber¬ 
kulose verwandeln soll. Die Ausräumung des kranken Wirbelkörpers 
ist also nur dann angezeigt, wenn wir aus anderer Indikation ope¬ 
rierend auf den Wirbelherd stoßen, wenn wir nämlich wegen Druck¬ 
erscheinungen das Rückenmark durch Laminektomie freilegen und 
dabei den Wirbelherd finden. Auf diese Weise bin ich selber einige 
mal zu solchen Eingriffen gekommen, die keine weiteren Schwierig¬ 
keiten bieten. Die Operationen, über welche ich heute berichten 
will, sollen in anderer Weise den Krankheitsherd im Wirbel be¬ 
einflussen. 

Unsere ganze Behandlung der tuberkulösen Spondylitis bezweckt 
eine möglichst gute Ruhigstellung der kranken Wirbelsäule, und 
was wir als Ziel unserer Therapie ansehen, das ist eine Ausheilung 
unter Ankylosierung der Wirbelsäule. Fixation und Ankylose haben 


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wir bisher zu erreichen versucht im Gipsverband, im Gipsbett, im 
Extensionsverband, im Stützkorsett, eine Reihenfolge der Heilmittel, 
welche zugleich eine Stufenleiter ihrer Wertigkeit darstellt Das 
neueste Bestreben geht dahin, Fixation und Ankylose auf operativem 
Wege zu erzielen. Eine derartige Operation wurde vonHibbs vor¬ 
geschlagen. Sie besteht darin, daß man eine Reihe von Dorn¬ 
fortsätzen abmeißelt und so verschiebt, daß e i n Dornfortsatz jeweils 
2 Knochenwundflächen berührt, also eine Art Brücke darstellt Die 
Operation von Albee ist technisch einfacher und hinsichtlich ihres 
Erfolges entschieden sicherer. 

Sie wird in folgender Weise vollzogen: 

Ein leicht bogenförmiger Schnitt umzieht die Domfortsätze der 
erkrankten und der benachbarten Wirbel. Die Dornfortsätze werden 
dann in der Mitte gespalten und auseinander gebogen, so daß ein 
längsziehender Kanal entsteht, dessen Seitenwände von Knochen¬ 
wundflächen der Dornfortsätze gebildet sind. In die so gebildete 
Bresche wird nun ein Knochenspan eingelegt, welcher dem Schien¬ 
bein entnommen wird. Eine Reihe von Nähten befestigen das Im¬ 
plantat in seiner Lage, und zwar mache ich zu dem Zweck Etagen¬ 
nähte, welche mit Hilfe der längsgespaltenen Rückenfaszie zustande 
kommen. Nach völligem Wundverschluß wird der Patient entweder 
in ein vorher hergestelltes Gipsbett gelagert oder mit einem starren 
Verband versehen, der die Wirbelsäule lordosiert. Meine Erfahrungen 
mit der Methode beziehen sich bald auf ein halbes hundert Kranker 
der verschiedensten Lebensalter. Der Heilverlauf war stets ein 
völlig reaktionsloser. Nach einigen Wochen ist am Schienbein keine 
Spur des Knochendefektes mehr wahrzunehmen. Das Implantat hat 
an der Wirbelsäule schon ziemlich sicheren Halt bekommen. Eine 
Ausstoßung des Knochenstückes habe ich niemals erlebt, wohl aber 
habe ich nachträglich zweimal an den Enden desselben vorspringende 
Spitzen abkneifen müssen, die Folge eines technischen Fehlers, weil 
ich den Span zu breit gewählt hatte für den Domfortsatzkanal. 

Was den Erfolg der Operation betrifft, so kann es keinem Zweifel 
unterliegen, daß eine Fixierung und Ankylosierung des betreffenden 
Wirbelsäulenabschnittes zustande kommt und zwar in sehr kurzer 
Zeit Beweisend dafür ist das rasche Verschwinden der spondylitischen 
Schmerzen, welches mir von Erwachsenen regelmäßig bestätigt 
wurde. Auch Kinder, die bis dahin ängstlich still gelegen hatten, 
beginnen nach wenigen Wochen, sich frei zu bewegen, ja sie werden 
geradezu übermütig, sodaß wir Mühe haben, das Stilliegen im Gips¬ 
bett zu erzwingen. Wie ich höre, haben einzelne Chirurgen diese 
Schmerzstillung nicht beobachtet. Ich muß annehmen, daß hier ein 
technischer Fehler Vorgelegen hat, denn ich persönlich habe bei 
meiner langen Serie von Fällen auch nicht einen einzigen Versager 
erlebt. 

Ich habe aber auch weiter festgestellt, daß außer diesem sympto¬ 
matischen Erfolg ein heilender Einfluß der Operation unverkennbar 
ist. Zum Teil lange Zeit bestehende Fisteln begannen weniger Eiter 
abzusondern und haben sich des öfteren auffällig rasch geschlossen. 
In einem Falle war der Erfolg geradezu erstaunlich: 


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Es handelte sich um ein Kind mit schwerer Spondylitis in so 
gut wie hoffnungslosem Zustande mit völliger Entkräftung durch 
langwierige Eiterung und mächtigem Amyoloid der Leber und der 
Nieren. Ich habe den Eingriff als reine Verzweiflungsoperation nach 
langem Zögern noch ausgeführt, die Heilung erfolgte glatt, die 
Eiterung versiegte, die Fisteln sind heute geschlossen, die Leber¬ 
schwellung ist nicht ganz geschwunden, aber sehr zurückgegangen. 
Das Kind sieht heute blühend aus und ist überhaupt nicht mehr 
wieder zu erkennen. Ich lege sehr viel mehr Wert auf eine exakte 
orthopädische Nachbehandlung als dies Albee tut Ich lasse die 
Kinder, wenn irgend möglich, einige Monate noch im Gipsbett liegen 
und führe die gesamte Behandlung so weiter, wie wir dies bei allen 
chirurgischen Tuberkulosen in Rappenau machen. Weiterhin gebe 
ich ein geeignetes Stützkorsett, wofür ich nebenbei auch an dieser 
Stelle unsere Gips-Leim-Technik aufs wärmste empfehlen möchte, 
da mit derselben äußerst haltbare Korsetts mit sehr geringem Geld¬ 
aufwand hergestellt werden können. 

Meine ersten Operationen liegen erst ®/ 4 Jahre zurück, ich kann 
also über definitive Heilungen noch nicht berichten. Ich kann nur 
sagen, daß die größte Mehrzahl der Fälle anscheinend geheilt aus 
der Behandlung entlassen worden ist, und daß auch nicht ein einziger 
der Patienten noch Symptome einer frischen Spondylitis aufweist 

Mit dem endgültigen Urteil aber müssen wir selbstverständlich 
noch zuwarten und zuwarten auch hinsichtlich der Beantwortung 
einer weiteren Frage, die sich auf die Gibbusbildung bezieht Es 
ist mir schon wiederholt entgegengehalten worden, daß diese Ope¬ 
ration eine Buckelkorrektur ein für allemal unmöglich mache, eine 
Ansicht, die ich durchaus nicht teilen kann. Es besteht vielmehr 
zum mindesten die Möglichkeit, daß gerade diese Knochenimplan¬ 
tation bei wachsenden Individuen einen starken adressierenden Ein¬ 
fluß ausübt Wir können ja doch nicht wohl annehmen, daß der 
Knochenspan an dem Längenwachstum der Wirbelsäule teilnimmt, 
die länger werdende Wirbelsäule müßte sich also gewissermaßen um 
den Knochenspan in Lordosenstellung herumkrümmen und aufrichten. 

Nach all dem Gesagten empfehle ich also die Ausführung der 
Albee’schen Operation aufs wärmste in der Überzeugung, daß die¬ 
selbe nur nützen und auf keinen Fall etwas schaden kann. 

Eine ähnliche Knochenplastik habe ich neuerdings bei der 
Laminektomie angewandt, und will ich kurz noch auf diese zu 
sprechen kommen. Die Resektion von Wirbelbogen zur Entlastung 
des Rückenmarks war früher bekanntlich eine recht gefürchtete 
Operation, die nur in verzweifelten Fällen erlaubt erschien. 

Die Ansichten haben sich durch fortschreitende Erfahrung ge¬ 
ändert. Ich habe nicht eine einzige meiner Laminektomien ver¬ 
loren. Freilich sind auch keineswegs in allen meinen Fällen nach 
der Laminektomie die Lähmungen zurückgegangen. Aber ich habe 
bei meinen Operationen so manchesmal einen Befund erhoben, der 
nachträglich nicht nur die Berechtigung sondern die Verpflichtung 
zu dieser Operation vor Augen führte. Und ich habe weiter Resul¬ 
tate erlebt bei Lähmungen, welche durch mechanische Behandlung 


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i73 


nicht zu beeinflussen gewesen waren, so daß die Operation hier un¬ 
zweifelhaft lebensrettend gewirkt hat. Infolge des Förster’schen 
Vorschlags der Wurzelresektion bei der spastischen Lähmung ist die 
Laminektomie in den letzten Jahren ja häufiger ausgeführt worden, 
und es wurde von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß die 
Entfernung mehrerer Wirbelbogen für die Tragfähigkeit der Wirbel¬ 
säule durchaus nicht gleichgültig ist, daß vielmehr sich späterhin 
recht unangenehme Deformitäten entwickeln können. Es ist mir 
deshalb anläßlich der A 1 b e e ’schen Operation der Gedanke gekommen, 
die Lücke in der Wirbelbogenreihe durch eine solche Knochenspange 
aus der Tibia zu schließen und ich habe die Operation bereits mit 
gutem Erfolg ausgeführt. Die an der Lücke oben und unten an¬ 
grenzenden Dornfortsätze werden abgemeißelt und aufgeklappt. Es 
wird dann die Knochenspange in die Lücke eingelegt und zwar mit 
ihrer periostüberkleideten Seite nach dem Wirbelkanal hin. Die 
Enden werden unter die abgemeißelten Dornfortsätze eingeschoben. 
Besteht ein erheblicher Gibbus, so muß die Knochenspange über 
ihre Fläche gebogen bezw. mehrfach eingeknickt werden. Indem 
man der Spange eine etwas größere Wölbung gibt als die Wirbel¬ 
säule sie aufweist, verhütet man erneute Raumbeengung im Wirbel¬ 
kanal und sichert doch Kontinuität und Stabilität der Wirbelsäule. 
Jedenfalls vollzieht sich dieser plastische Eingriff wesentlich leichter 
als die temporäre Resektion der Wirbelbogen, die ebenfalls vorge¬ 
schlagen worden ist. 

Meine Mitteilungen über die operative Behandlung der tuber¬ 
kulösen Spondylitis sollen keineswegs in dem Sinne aufgefaßt werden, 
als ob ich die bisher geübte mechanisch-konservative Behandlung 
des Leidens gering achtete. 

Aber ich erblickte in der Kombination blutiger und unblutiger 
Verfahren ein Mittel, um den Heil verlauf abzukürzen und den Heil¬ 
erfolg zu sichern. 


über die sogenannten Rezidive der adenoYden Vege~ 
tationen im Kindesalter und ihre rationelle Behandlung 
mittels Atmungsgymnastik. 

Von Dr. A. Du toi t in Montreux. 

Wir sprechen von ,,falschen Rezidiven“ der adenoiden 
Vegetationen im Kindesalter, wenn die örtliche Untersuchung zwar 
keinen entsprechenden Befund ergibt, wenn aber trotzdem die be¬ 
kannten Erscheinungen, im besonderen die Atmungsstörungen, 
nach einiger Zeit wiederum einsetzen und zu den mannigfachsten 
Unannehmlichkeiten führen. Nur zu leicht veranlassen derartige 
Vorkommnisse eine zweite Operation, welcher natürlich der Mi߬ 
erfolg auf dem Fuße folgt. 

In der Tat geschieht es eigentlich nur selten, daß das Kind 
nach vorangegangener „Adenotomie“ seine Atmung von selbst ver¬ 
bessert Je nach dem Lebensalter und dem augenblicklichen All- 


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gemeinbefinden zeigt sich darum das „falsche Rezidivphänomen“ in 
wechselnder Stärke, aber fast immer in fortschreitenderWeise. 
Gelegentlich verlieren sich die Erscheinungen auch wieder von selbst, 
zumal dann, wenn dem Kinde ohne besondere Absicht eine ange¬ 
messene Erholung und viel Bewegung im freien Felde ge¬ 
währt wird. 

Sonst aber spielen bei der „falschen Rezidive“ der adenoiden 
Vegetationen im Kindesalter genau dieselben Storungen die Haupt¬ 
rolle, welchen wir bei der ursprünglichen und wahren Erkrankung 
begegnen. Es handelt sich dabei, genau genommen, um ein Mi߬ 
verhältnis des Atmungsbedürfnisses zum Atmungs¬ 
vermögen. Die Kinder verstehen sich von Haus aus nicht darauf, 
die durch die vorangehende wirkliche Erkrankung zum Zustand ge¬ 
wordene Atmungshemmung aus eigener Kraft zu bekämpfen 
und zu beseitigen. 

Damit gelangen wir ganz von selbst auf die Besprechung der 
rationellen Atmungsgymnastik, welche in den Fällen von 
„falschen Rezidiven“ der adenoiden Vegetationen im Kindesalter eine 
hervorragende Beachtung verdient. Die diesbezüglichen Ergebnisse 
lassen nichts zu wünschen übrig und bilden den schlagenden Beweis 
für die Richtigkeit der Erklärung der Ursachen, welche den Erfolg 
der „Adenotomie“ anscheinend in Frage stellen. 

Eine Beobachtung unter mehreren dieser Art möge hier 
noch angefügt werden. 

Es handelt sich um ein Mädchen von zwölf Jahren, welches 
seit der 1906 ausgeführten „radikalen“ Adenotomie in seiner körper¬ 
lichen Entwicklung auffallend rückständig bleibt Es besteht 
Atmungsbehinderung ohne zwingenden Grund, Neigung zu 
immer wiederkehrendem Schnupfen. Dazu gesellen sich Appetit¬ 
mangel, Verstopfung, überhaupt Schwierigkeiten in der regel¬ 
mäßigen Nahrungsaufnahme. 

Die Beschwerden steigern sich im Laufe der Jahre, das Kind 
magert ab, bringt es in der Schule nicht vorwärts, klagt über Kopf- 
und Rückenschmerzen, welche schließlich die Eltern zu einer 
physikalisch-diätetischen Kur veranlassen. 

Die angewandte Behandlung dieses Falles besteht in allererster 
Linie in Atmungsübungen, welche von Tag zu Tag mehr Zeit 
beanspruchen und an welche sich Spring- und Turnspiele aller 
Art abwechslungsweise anfügen. 

Diese Kur dauert 6 Wochen, während welcher das Kind aus¬ 
schließlich laktovegetabilischeDiät ohne jegliche Fleischzulage 
erhält. 

Bald verschwindet schon die vordem hartnäckige Schlaflosig¬ 
keit gänzlich. Der Appetit bessert sich rasch, der Stuhlgang er¬ 
scheint regelmäßig und ist wohlgeformt. Die Behinderung der At¬ 
mung geht zusehends zurück. 

Nach Beendigung der Kur steigt das Körpergewicht 
andauernd und erreicht in der Zeit von neun Monaten 33,200 kg. 
Die monatliche Zunahme beträgt im Durchschnitt 500 g. 


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Die Thoraxmessungen ergaben eine Vermehrung von 3 cm 
im Zustande der Exspiration während der Kurzeit und eine weitere 
Vermehrung um 5 cm im Zustande der Exspiration in den darauf¬ 
folgenden neun Monaten der Beobachtung. 

Die Körperlänge endlich verändert sich wider Erwarten nur 
in geringem Grade. Während der Kurzeit beträgt die Zunahme 
3 cm; in den späteren neun Monaten der Beobachtung kommen dazu 
noch 6 cm. 


Referate. 

Fortschritte auf dem Gebiete der Pathologie und Therapie 
der kongenitalen Syphilis. Von Rietschel-Dresden. 
(Ztschr. f. ärztl. Fortbild. 1914, Nr. 6.) 

Bezüglich der Therapie der kongenitalen Syphilis gelangt Verf. 
in seinem Vortrag zu folgenden Ausführungen: Wir haben einleitend 
auf den Zusammenhang zwischen Pathologie und Therapie hinge¬ 
wiesen, und Sie werden begreifen, daß bei der Auffassung, die wir 
entwickelt haben, da wir die Mutter eines syphilitischen Kindes auch 
stets als syphilitisch ansehen, wir nicht nur auf die Behandlung des 
Kindes, sondern auch stets auf eine Behandlung der Mutter unbe¬ 
dingt dringen müssen, sei es, daß sie Symptome trägt, sei es, daß 
sie frei ist; erst in zweiter Linie wird natürlich auch die Behandlung 
des Vaters erfolgen müssen, falls die Anamnese oder klinisch der 
Befund dafür spricht. 

Die Syphilistherapie hat nun durch die Entdeckung des Sal- 
varsans durch Ehrlich eine eminente Umwandlung erfahren, und 
wenn auch zeitlich später, so hat sich doch dies Arsenpräparat auch 
in der Behandlung der Säuglingssyphilis einen dauernden Ehrenplatz 
erworben. Allerdings, das Quecksilber hat es nicht verdrängen 
können. Wir wollen dankbar sein, daß wir zwei so schöne spezifisch 
wirkende Mittel in unserem Arzneischatz besitzen. 

Die indirekte Methode der Zufuhr von Salvarsan durch die 
Milch der Mutter übergehen wir, da sie nicht mehr geübt wird, und 
heute nur theoretisch interessant ist. 

Das Salvarsan wird von uns nur intravenös injiziert Wir be¬ 
dienen uns dabei der Empfehlung von Fedes, der das Salvarsan 
in einer hochprozentigen (5 Proz.^ Lösung einspritzt, und lassen die 
Lösung in eine der Kopfvenen des Kindes einfließen, die gewöhnlich 
bei syphilitischen Kindern größer sind als bei normalen. Wir be¬ 
nutzen eine Rekordspritze und schalten zwischen Spritze und Kanüle 
einen kleinen Gummischlauch ein. Technisch ist die Injektion nicht 
ganz leicht; hin und wieder kommt neben die Vene etwas Salvarsan 
ins Gewebe. Wir haben allerdings nie eine Nekrose gesehen, selbst 
dann nicht, wenn eine kleine Erhebung unter der Haut entstand. 
Allerdings haben wir uns stets frisch destillierten Wassers bedient, 
weil, wie bekannt, das nicht frisch destillierte Wasser gewisse Eigen¬ 
schaften haben kann, die schwer toxisch auf den Menschen und 
speziell auch auf den Säugling wirken. 


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176 


Die Anfangsdose, die wir an wenden, beträgt nur 0,05 g und erst 
später wagen wir auf ein Dezigramm zu gehen, ohne jemals über 
diese Menge hinaus zu kommen. Wir haben nicht den Eindruck, 
daß größere Dosen besser und schneller wirken, während doch die 
Gefahr der Giftigkeit, die wir dem Präparat leider nicht absprechen 
können, ganz gewiß durch die größeren Dosen erhöht wird. 

Die leichteren Fälle von Syphilis werden indes durch eine 
Quecksilberkur ganz gut geheilt, das wir gewöhnlich in der Form 
des Protojoduret (Hydragr. jodatum flavum von 1—2 cg pro die als 
Pulver) verabreichen. Die Kuren, die wir mit Quecksilber machen, 
sind aber mindestens 6 Wochen durchzuführen, die erste sogar unter 
allen Umständen bis 8 Wochen. Bei schweren Formen der kongeni¬ 
talen Syphilis, beim Pemphigus, bei Organveränderungen, wird man 
eher zu Salvarsan greifen, und wir bedienen uns bei diesen schweren 
Fällen dann der kombinierten Behandlung, und zwar geben wir, wie 
das auch schon früher Erich Müller angeführt hat, während der 
Quecksilberkur 1—3 Salvarsaneinspritzungen von 0,05—0,1 g in 
wöchentlichen Intervallen. Das wichtigste aber bei der Behandlung 
der kongenitalen Syphilis ist die konsequente, jahrelange Wieder¬ 
holung der Kur. Sie ist unerläßlich, und sie ist weit wichtiger als 
die Auswahl des Mittels. Wir glauben, daß 6—7 Kuren in den ersten 
drei Jahren im allgemeinen genügen. Es ist jedoch viel besser für 
ein Kind, es erhält 6mal eine gewöhnliche Quecksilberkur, als daß 
es 1 oder 2 mal einer Salvarsankur unterzogen wird. Auch das Sal¬ 
varsan ist kein so spezifisches Heilmittel, daß es sofort die Krank¬ 
heit beim Säugling heilen könnte, und auch hier gilt es, nur schritt¬ 
weise das Terrain zu gewinnen. Eine restlose Heilung der Syphilis 
ist sicher beim Säugling schwerer als beim Erwachsenen. Die 
Wassermann’sche Reaktion, die hier ein besonders gutes Dia- 
gnostikum ist, muß dauernd negativ bleiben, öfter wird sie nach 
einer Kur negativ, um schon nach einer Woche oder nach einigen 
Wochen wieder umzuschlagen. Erst wenn sie vom zweiten oder 
dritten Jahre dauernd durch jahrelange Beobachtungen negativ bleibt, 
können wir von einer Heilung sprechen. Da wir selbstverständlich 
bei der Kürze der Zeit noch nicht über ein lange genug beobachtetes 
Material verfügen, so wird heute die ganze Frage der Heilung der 
kongenitalen Syphilis offen bleiben. Die Erfolge sind im allgemeinen 
quoad vitam bei der Säuglingssyphilis, sofern von den Todesfällen 
in den ersten Wochen und Monaten abgesehen wird, nicht schlecht, 
quoad valetudinem leider recht wenig ermutigend. Ich will das 
Thema nicht weiter ausführen, nur an eine Sache will ich erinnern. 
Wenn Sie bedenken, daß E. Müller berichtet, daß unter seinen 
nach dieser Methode behandelten 50 Kindern nur etwa ein Drittel 
der Kinder wirklich geistig normal geblieben ist, während das andere 
Drittel sicher schwer oder fast völlig idiotisch und das mittlere 
Drittel wenigstens Schwachbegabte Kinder wurden, so sind das Dinge, 
die uns doch recht traurig stimmen, und hier wird es weiterer Arbeit 
bedürfen, um durch retrospektive Beurteilung der einzelnen Fälle 
eventuell auch in der Behandlung noch weitere Erfolge zu erzielen. 


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Über eine zweckmäßige Kombination von Quecksilber 
und Salvarsan zur wirksamen Behandlung ange~ 
borener Syphilis. Von Erich Hoffman n. (Aus der 
Univ.-Hautklinik in Bonn. — Derm. Zschr. 1914, H. 6.) 

H. hat bei angeborener Syphilis eine möglichst einfache und 
wenig gefährliche Kombination von Quecksilber und Salvarsan er¬ 
probt, wobei er die Im er wo l’sche Sublimatkur mit intramuskulären 
Injektionen von Neosalvarsan verbindet. Er beginnt zuerst mit einer 
Sublimatinjektion von 0,001, läßt dänn nach 4 Tagen 0,05 Neo¬ 
salvarsan und nun mit je 7 tägigem Abstand 0,002 Sublimat und 
0,1 Neosalvarsan (in 1 ccm dest. steril. Wasser) folgen, im Ganzen 
bis zu 8 Quecksilber- und 6 — 7 Neosalvarsanspritzen. Jeden 7. Tag 
wird ferner das Blut durch Einstich in die Ferse und Absaugen mit 
der Pipette (ca. 2 ccm) entnommen und mittels der Wassermann- 
schen Reaktion geprüft. 

Bei dieser Therapie, die durch zweckmäßige Ernährung unter¬ 
stützt wird, sah H. die Erscheinungen sehr schnell schwinden, die 
Kinder an Gewicht zunehmen und außer sehr seltenem Erbrechen 
lind gelegentlichem Appetitmangel in den meisten Fällen keine 
Störungen. Bei einer Anzahl der Fälle wurde die Wassermann- 
sche Reaktion etwa nach 6 maliger Injektion beider Mittel oder 
etwas früher negativ. Genügende Dauerbeobachtungen besitzt H. 
noch nicht, glaubt aber schon jetzt sagen zu können, daß man die 
Kur nach einigen Wochen wiederholen soll. Schnell-Halle. 

Lues kongenita und Serodiagnostik. Von Ledermann. 
(Aus der dermat Abteilung des Gemeinde-Säuglingskranken¬ 
hauses in Berlin-Weißensee. — D. m. W., 1^14, Nr. 4.) 

L. hat bei zahlreichen jüngeren und älteren nicht syphilitischen 
Kindern mit allen möglichen nicht-syphilitischen Krankheiten die 
Wassermann-Reaktion angewandt und mit wenigen Ausnahmen ein 
negatives Resultat erhalten. Diese Ausnahmen betrafen fiebernde 
Kinder (Pneumonie, Influenza, Sepsis). Verf. empfiehlt daher, das 
Blut zum Zwecke der Seroreaktion nicht während oder nach den 
Fieberperioden zu entnehmen und eine positive Reaktion bei 
schwerkranken Kindern ohne sonstige Zeichen von Syphilis mit 
Vorsicht zu beurteilen. 

Bei Säuglingen, welche an mannigfachen Erscheinungen der 
Lues leiden, fand L. die Wassermann-Reaktion fast immer stark 
positiv. Auffallend ist jedoch die Tatsache, daß zuweilen hereditär 
syphilitische, zunächst noch syniptomenlose Kinder vorerst nach der 
Geburt negativ reagieren, obwohl sie eigentlich schon die Spiro¬ 
chäten im Blut haben müßten, und erst später kürzere oder längere 
Zeit vor dem Ausbruch syphilitischer Symptome eine positive 
Reaktion aufwiesen. Es ist deshalb empfehlenswert, von syphili¬ 
tischen Eltern stammende Säuglinge ohne Lueszeichen in gewissen 
Zwischenräumen serologisch zu untersuchen und vor allen Dingen 
sie nicht zu früh von gesunden Ammen anlegen zu lassen, sondern 
ihnen abgedrückte Milch zu geben, wenn aus bestimmten Gründen 
die Ernährung mit Muttermilch erforderlich erscheint. 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 12 


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i 7 8 


Die Frage, ob jede Mutter eines syphilitischen Kindes selbst 
als syphilitisch betrachtet werden muß, hält L. noch nicht völlig 
geklärt Jedenfalls gehört es zu den größten Seltenheiten, daß die 
unbehandelte syphilitische Mutter eines Neugeborenen im Früh¬ 
stadium der Krankheit, selbst im Latenzstadium, eine negative 
Wassermann-Reaktion auf weist 

Zum Schluß gibt L. einen Überblick über die Formen der 
Syphilis bei den von ihn beobachteten Kindern. Er betont die 
Notwendigkeit einer lang dauernden klinischen und serologischen 
Überwachung nicht nur derjenigen Kinder, welche im früheren 
Säuglingsalter an Zeichen der kongenitalen Lues gelitten haben, 
sondern aller Kinder syphilitischer Eltern oder eines syphilitischen 
Elternteils, auch wenn diese äußerlich gesund erscheinen. Die 
ersten Erscheinungen der hereditären Lues. Erst später, nach Verf.’s 
Erfahrungen meist nach dem sechsten Lebensjahre, treten oft un¬ 
vermittelt vielfach schwere und unheilbare syphilitische Erkrankungen 
lebenswichtiger Organe auf. Durch die Serodiagnostik ist es jetzt 
ermöglicht, bei vielen Kindern syphilitischer Eltern zu jeder Zeit 
den Beweis zu erbringen, daß sie syphilitisch infiziert sind, sowie 
den Einfluß der Behandlung zu studieren und über Jahre hinaus 
zu kontrollieren. — Verf. steht auf dem Standpunkt, daß die here¬ 
ditär syphilitischen Kinder chronisch-intermittierend und zwar am 
besten neben dem Quecksilber mit Neosalvarsan behandelt werden 
müssen. Schnell- Halle. 

Tuberkulosenachweis im Tierversuch mit Hilfe der Pir~ 
quet’schen Reaktion. Von Erich Conradi. (Aus der 
Kinderklinik der Akademie für praktische Medizin zu Köln. 
Direktor: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Siegert. — Münchn. med. 
Wschr. 1913, Nr. 2^.) 

Nach Angabe der bisherigen Methoden, die Reaktionszeit für 
den Tuberkulosenachweis im Meerschweinchenversuch immer weiter 
abzukürzen, wird die sehr einfache, auch außerhalb eines Spital¬ 
laboratoriums leicht ausführbare Technik beschrieben. Am 9. Tage 
nach der Injektion werden die (möglichst hellfarbigen) Tiere am 
Bauche rasiert und täglich die Kutanreaktion mit Hilfe einer kräf¬ 
tigen Platinoidiumlanzette und unverdünntem Koch’sclien Alt- 
Tuberkulin ausgeführt. Der Impfschnitt muß bei der Dicke der 
Haut kräftiger sein als beim Menschen. Die Beurteilung der Reak¬ 
tion erfolgt nach je 24 Stunden. 

Eine positive Reaktion stellt sich dar als eine etwa fingernagel- 
große Rötung und leichte Erhabenheit, mitunter auch als typische 
Quaddel. Dem Eintritt einer positiven Reaktion hat natürlich eine 
gründliche Sektion zur Kontrolle zu folgen. 

In einer Reihe von Versuchen gelang es, auf diese Weise die 
Reaktionszeit auf 13, 12, ja unter Umständen 10 Tage 
herabzusetzen, wofür offenbar die Menge der Bazillen sowie deren 
Virulenz maßgebend sind. 

Die Impfung wurde in allen Fällen subkutan ausgeführt; doch 
dürfte es sich empfehlen, bei Material, das voraussichtlich keinerlei 


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andere Infektionserreger enthält, die von Oppenheimer (Münch, 
med. Wochenschr. 1911) angegebene intrahepatische Modifikation an¬ 
zuwenden. Autoreferat. 

Ist Normalmenschenserum bei der Behandlung von Schar* 
lach durch Normalpferdeserum ersetzbar? Von F. 

Prinzing. (Aus d. 2. inneren Abteilung des Krankenhauses 
Charlottenburg-Westend. — Med. Kl., 1914, Nr. 22.) 

In die Scharlachtherapie hatte Rowe die Verwendung von 
humanem Normalserum eingeführt (Med. Kl., 1913, Nr. 48). Da die 
Beschaffung dieses Materials auf gewisse Sch>vierigkeiten stößt, ver¬ 
suchten wir statt dessen Normalpferdeserum zu verwenden. 8 Fälle 
von mittelschwerer bis leichter Scharlacherkrankung wurden einer 
intravenösen Injektion von meist 35 bis 55 ccm Pferdeserum unter¬ 
zogen unter jeweiliger Vorausschickung von 5 ccm Serum subkutan. 
Die Temperatur sank darnach nicht wesentlich anders lytisch ab, 
als bei unbehandelten Fällen, die Krankheitserscheinungen nahmen 
allmählich ab. Nachkrankheiten und Komplikationen stellten sich 
in fast sämtlichen Fällen ein. In keinem Falle sahen wir sofortige 
unangenehme Erscheinungen nach der Injektion. Die Anwendung 
von Normalpferdeserum in der Scharlachtherapie ist also nicht zu 
empfehlen. Autoreferat 

Diphtheriebekämpfung in den Volksschulen Augsburgs. 

Von Qach auer-Augsburg. (M. m. W., 1914, Nr. 11.} 

Seit Beginn des Jahres 1913 wird in den Volksschulen Augs¬ 
burgs die Diphtherie auf rein bakteriologischer Grundlage bekämpft 
Kinder, welche an Diphtherie erkrankt waren, und deren schulpflich¬ 
tige Wohnungsgenossen werden nur in die Schule aufgenommen, 
wenn zwei aufeinanderfolgende Mandelabstriche ein negatives bak¬ 
teriologisches Resultat ergeben haben. Bei Klassenepidemien erstreckt 
sich diese Vorschrift auch auf die Halsentzündungen. Sind die 
Maßnahmen nicht von Erfolg, so wird die ganze betreffende Klasse 
auf etwaige Bazillenträger untersucht. Letztere werden bis zur Ent¬ 
keimung aus der Schule ausgeschlossen. 

Vom Februar bis Ende Dezember 1913 wurden 1150 Abstriche 
ausgeführt und zwar beii4i Diphtherierekonvaleszenten, 118 Halsent¬ 
zündungen und 60 Wohnungsgenossen. 176 Abstriche verteilen sich 
auf vier von Diphtherie befallene Klassen. Von den Diphtherie¬ 
rekonvaleszenten waren 35,5 Proz., von den Halsentzündungen 
11,9 Proz. noch positiv. 25 Proz. von den Wohnungsgenossen ent¬ 
puppten sich als Keimträger. Bei den in den Klassen vorgenommenen 
Massenabstrichen ergaben sich in einer Klasse 2, in einer 5, in einer 
dritten 7, in einer weiteren 4 Bazillenträger bei durchschnittlich 
44 Schülern. Die Entkeimungsdauer war gewöhnlich 4—5 Wochen. 
In 10 Fällen betrug sie mehr als 7 Wochen. In einem Fall erforderte 
die Entkeimung fast 12 Wochen. Künstliche Entkeimungsversuche 
mit Jodtinktur und iproz. Malonsäure waren erfolglos. Die Schwie¬ 
rigkeiten des Verfahrens waren hauptsächlich bedingt durch die lange 
Entkeimungsdauer und die sich daraus ergebende lange Femhaltung 


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der Kinder von der Schule, sowie durch den Verkehr der Schüler 
in der schulfreien Zeit 

Wie bereits in anderen Städten, so haben sich auch in Augsburg 
die oben geschilderten Maßnahmen als praktisch durchführbar er¬ 
wiesen und waren in mehreren Fällen von ganz offenkundigem Er¬ 
folge, indem die vorhandenen Diphtherieepidemien sofort nach dem 
Einsetzen der Maßregeln sistierten. Autoreferat 

Gonorrhoe und gonorrhoesche Komplikationen bei einem 
Säugling. Von Felix Reinhard-Düsseldorf. (Münch, med. 
Wochenschr., 1914, Nr. 9.) 

Verf. berichtet die Krankengeschichte eines männlichen Säug¬ 
lings, der während der Geburt von der mütterlichen Scheide mit 
Harnröhrengonorrhoe infiziert wurde. Die Mutter bemerkte etwa in 
der zweiten Lebenswoche des Kindes zeitweiliges Austreten eines 
Tropfen Eiters aus der Harnröhre. In der 3. Woche trat unter 
Fieber und Kräfteverfall eine typische doppelseitige Nebenhoden¬ 
entzündung gonorrhoescher Natur auf, links sehr stark, rechts ge¬ 
ringer. Nach einigen Tagen schien mit Durchbruch des Eiters 
nach außen — es hatte sich eine kleine Fistelöffnung am Hodensack 
gebildet — ein günstiger Verlauf nicht ausgeschlossen, als am fol¬ 
genden Tage eine linksseitige gonorrhoische Gonitis hinzutrat, die 
unter Schwellung und Versteifung des Knies in rechtwinkliger 
Stellung genau nach Ablauf der 4. Lebenswoche zum Tode führte. 

Bemerkenswert scheint dem Verf. der Fall wegen der Seltenheit 
der Harnröhrengonorrhoe männlicher Säuglinge überhaupt, vor allem 
aber wegen der Häufung und raschen Aufeinanderfolge der Kom¬ 
plikationen: Beiderseitiger Epididymitis und linksseitiger Gonitis. 
Erwähnenswert ist auch die prompte Wirkung der von der Hebamme 
vorgenommenen Cred£’schen Augeninstillation, denn die Konjunk¬ 
tiven blieben gänzlich gesund. 

Jedenfalls dürfte das ganze Krankheitsbild als ein recht seltenes, 
vielleicht als ein Kuriosum zu bezeichnen sein. Autoreferat 

über Interstitielles und subkutanes Emphysem im Verb¬ 
laute der Masern. Von Joh. Piske. (Aus der Kinder¬ 
klinik in Kiel; Direktor: Prof. Dr. W. von Stark. — Zentral¬ 
blatt f. Kinderheilk., 1913, Nr. 12.) 

Es handelt sich um 3 Masernfälle, bei denen sich bald nach 
Ausbruch des Exanthems plötzlich ein interstitielles Emphysem ent¬ 
wickelte, das schließlich zu Hautemphysem führte und damit die 
Diagnose wesentlich erleichterte. Ein Kind von 6 Jahren und ein 
Säugling von i 1 /* Jahr überstanden die Krankheit, ein 5jähriges 
Mädchen kam zum Exitus. Die Tatsache, daß ein 5- und ein 6jähr. 
Kind befallen wurden, beweist, daß die bisherige Auffassung, daß nur 
bei ganz jungen Kindern ein subkutanes Emphysem auftrete, rektifiziert 
werden muß. Die Röntgendiagnostik gab keine Bilder, die uns in 
der Diagnose wesentlich weiter bringen. Der Verf. benutzt die 
Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß die Masern durchaus nicht 
immer eine leichte Kinderkrankheit darstellen, und daß der Arzt, 


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der es gelernt hat, die Krankheit genau zu beobachten, durch sach¬ 
gemäße Therapie manchen Komplikationen aus dem Wege gehen 
kann. Spiegel- Kiel. 

Anämie und Scheinanämie im Kindesalter, sowie deren 
Behandlung. Von Erich M ü 11 e r - Berlin-Rummelsburg. 
(Zschr. f. ärztl. Fortbildg., 1914, Nr. 3.) 

Auf Grund der neueren Forschungen ist der Begriff der primären, 
idiopathischen Anämien gefallen. Die gesamten blajssen Zustände 
im kindlichen Alter teilen sich in zwei große Gruppen, das sind die 
sekundären Anämien und die sogenannten scheinanämischen Zustände. 
Die sekundären Anämien im Kindesalter sind zahlreich. Hierher 
gehören die Anämien nach Melaena, bei Barlow, bei Purpura, bei 
nicht kompensierten Herzfehlern. Eine andere Gruppe sind die 
Anämien bei Tuberkulose, Lues, Grippe und anderen subkutanen 
und chronischen Infektionen. Auch der Zusammenhang zwischen 
gewissen Diathesen und Anämie scheint hierher zu gehören. Der 
Zusammenhang zwischen Rachitis und Anämie ist noch zweifelhaft. 
Ferner gehören hierher die Anämien bei Nephrosen, die Chlorose 
undAnämia splenika. Die kindlichen Scheinanämien werden in drei 
Gruppen geteilt Die erste gehört zu den neuropathischen Kindern. 
Diese Kinder mit ihrem labilen Nervensystem reagieren auf alle 
Schädlichkeiten, besonders alimentärer und infektiöser Natur sehr 
stark und werden dabei blaß. Bei der zweiten Gruppe handelt es 
sich um eine abnorme Verteilung des Blutes im Körper, z. B. bei 
Blutüberfüllung in den erkrankten Därmen. Die dritte Gruppe bilden 
die lokal bedingten Scheinanämien und zwar einmal durch eine ver¬ 
minderte Durchsichtigkeit der Haut oder durch ein schlecht ent¬ 
wickeltes Hautkapillarnetz. Die Diagnose Schul- oder Proletarier¬ 
anämie sollte immer analysiert werden. 

Entsprechend der Ätiologie muß die Therapie kausal sein. Bei 
der Anämia splenika ist daher das Eisen ebenso nutzlos wie es bei 
der Chlorose heilend ist, neben Ruhe- ünd Schwitzkur. In erster 
Linie ist bei den sekundären Anämien das primäre Leiden zum An¬ 
griff der Therapie zu machen. Bei den scheinanämischen Zuständen 
verbietet sich eine Eisentherapie von selbst. Spiegel-Kiel. 

Die enterale Resorption von genuinem Eiweiß bei Neu- 
geborenen und darmkranken Säuglingen und ihre 
Verwertbarkeit als Funkttonsprttfungsmethode. Von 

A. Lawatschek. (A. d. med. Klin. im P'ranz Josef-Kinder- 
spital a. d. hygien. Instit. d. deutsch. Univ. in Prag. — Prag, 
med. Wschr., 1914, Nr. 16.) 

R esu me. Da bezüglich der Durchlässigkeit des Darmes für 
artfremdes Eiweiß bei Neugeborenen bisher eine größere Reihe von 
Untersuchungen nicht angestellt worden ist, mußte vor allem fest¬ 
gestellt werden, ob die Permeabilitätsreaktion in allen einwandfrei 
durchgeführten Versuchen ein positives Ergebnis gebe oder nicht. 
Sie ist in keinem Falle, w r o wir anzunehmen berechtigt waren, daß 
das Kind mindestens einen ansehnlichen Teil des gereichten Eiweißes 


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behalten habe, negativ ausgefallen. Wie lange sich die Reaktion 
positiv erhält, konnten wir nicht beantworten, da die meisten Kinder 
noch zu einer Zeit aus dem Gebärhause entlassen werden mußten, 
in der sie noch positiv reagierten. Wir können nur sagen, daß die 
Permeabilität des Darmes Neugeborener für heterologes Eiw r eiß 
(Hühnereiereiweiß) physiologischerweise über den zehnten Lebenstag 
hinausreicht. Mit zunehmendem Alter scheint die Resistenz der 
Magendarm wand zu wachsen. Dies dürfte allmählich vor sich gehen, 
denn wir konnten auch bei Kindern der nächsten Lebenswochen 
beobachten, daß das Alter eine nicht unwesentliche Rolle im Ausfall 
der Reaktion spielt. Bei den leichteren Erkrankungen sahen wir, 
entsprechend der geringeren Abweichung vom normalen Zustande, 
überhaupt nur selten Reaktionen und diese meistens nur bei wenige 
Wochen alten Säuglingen. 

Bei schweren Darmstörungen hingegen erreichten wir auch bei 
älteren Säuglingen ausgesprochen positive Reaktionen, die bei akuten 
Enteritiden und bei Exazerbationen chronischer Prozesse oft Werte 
erreichten, wie wir sie bei Neugeborenen gefunden haben oder die 
sie noch übertrafen. Wir vermuten daher, daß die Schwere entero- 
gener Allgemeinerkrankungen überhaupt auf dem Grad der Durch¬ 
lässigkeit des Magendarmkanals beruht Bei dem schwer darm- 
kranken Säugling stehen wie beim Neugeborenen Tür und Tor für 
das Eindringen unabgebauter, also giftiger Stoffe offen. In den in 
bestimmten Zwischenräumen vorgenommenen Wiederholungen der 
Reaktion konnten wir an dem Ausfall derselben die im Laufe der 
Erkrankung eintretenden Änderungen der Durchlässigkeit im Sinne 
einer Reparation oder Progredienz des Prozesses beurteilen und daraus 
prognostische Schlüsse ziehen. Denn es stellte sich heraus, daß ein 
gewisser Parallelismus zwischen der Größe der Durchlässigkeit 
(bezw. der Intensität der Reaktion) und dem Ausgang der Erkrankung 
besteht. So konnten wir demnach die zweite Frage, wie weit wir 
die Permeabilitätsreaktion zur Funktionsprüfungsmethode erheben 
können, in bejahendem Siiine beantworten. Daß bei häufiger Wieder¬ 
holung die Reaktion durch etwa im Blute vorhandene Präzipitine 
abgeschwächt und dadurch entwertet werden sollte, konnten wir 
nicht beobachten. Es wurde zwar im Blute der betreffenden Kinder 
nicht nach Präzipitinen gefahndet; immerhin dürfte eine diesbezüg¬ 
liche Fehlerquelle gering zu bewerten sein. 

Quarkfettmilch — ein weiterer Ersatz der Eiweißmilch. 

Von Erich Aschen heim. (Ther. Monatsh., Juni 1914.) 

Die Vorzüge der Quarkfettmilch bilden die leichte und bequeme 
Art ihrer Herstellung und ihre Billigkeit. Das Prinzip beruht auf 
einer feinen Verteilung von 10 Proz. Quark in einer Halbmilch, 
die außerdem mit 10 Proz. Rahm angereichert wird. Als Ver¬ 
dünnungsflüssigkeit der Halbmilch wird eine Mondaminabkochung 
mit Zusatz von Zucker (Nährzucker) verwendet. Die Menge der 
Kohlehydrate ist vom Arzt zu bestimmen. Man beginnt am besten 
mit geringen Mengen und steigt allmählich bis zu 4 Proz. Nähr¬ 
zucker und 2 Proz. Mondamin. 


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Rezept für i Liter Quarkmilch; 

1. ioo g süßer Quark werden in 500 g kal ter Vollmilch und 
100 g kalter Sahne gut verrührt und zwei- bis dreimal durch ein 
feines Sieb getrieben. 

2. In etwa 300 ccm Wasser werden Mondamin und Nährzucker 
in der gewünschten Konzentration aufgekocht. 

3. Die Mehl-Zuckerabkochung wird in abgekühltem Zustand 
der Milchmischung zugesetzt 

4. Die fertige Milchmischung wird nochmals ein- bis dreimal 
durch ein Sieb getrieben, bis sie gut durchläuft 

5. Nunmehr Verteilung der Milch in Flaschen und erwärmen 
im Wasserbad etwa 5 Minuten lang auf 80 Grad. 

Man k ann die Quarkfettmilch auch kurz aufkochen, doch flockt 
der Quark dann oft (nicht immer) etwas aus. 

Der Nährwert von 1 Liter Quarkfettmilch ohne Kohlehydrat- 
zusatze beträgt etwa 437 Kalorien. Die Zusammensetzung an orga¬ 
nischen und anorganischen Bestandteilen ist etwa dieselbe wie die 
der Original-Eiweißmilch von Finkeistein. 

Man hat es in der Hand, nach Bedarf auch geringere Konzen¬ 
trationen der Quarkfettmilch herzustellen. Autoreferat 

Uber Fettaustausch in der Säuglingsernährung. Von 

Julius Peiser-Berlin. (Berl. klin. Wschr., 1914, Nr. 25.) 

Wenn auch für den ernährungsgestörten Säugling eine fettarme 
Nahrung oft die geeignete Heilnahrung darstellt, so ist doch für 
den gesunden .Säugling eine zu fettarme Nahrung von Übel. Für 
Dauerernährung muß stets dem Fett ein hinreichender Platz in der 
Nährmischung eingeräumt werden. Für den Erfolg fetthaltiger 
Nahrung kommt es aber sehr auf die Art des dargebotenen Fettes 
an. Zur Klärung dieser Frage hat Verf. bei einer Reihe von Säug¬ 
lingen im Rahmen des gleichen Nahrungsverbandes Fettaustausch 
vorgenommen und die klinischen Erscheinungen kontrolliert. Dabei 
hat sich gezeigt, daß die einzelnen Individuen hinsichtlich der Fett¬ 
verdauung sich verschieden verhalten, daß aber im allgemeinen 
Butter und Sahne schlechter vertragen werden als Sesamöl, Sü߬ 
mandelöl, Lipanin, Palmin und Lebertran. Nach klinischem Gesamt- 
eindrück wurde Lebertran am besten vertragen. Die Ursache der 
verschiedenen Verdaulichkeit beruht nicht nur in verschiedenem 
Oleinsäuregehalt der einzelnen Fette, sondern ist wahrscheinlich in 
erster Reihe in Zahl und Art der niedern Fettsäuren zu suchen, 
welche beim enteralen Abbau der einzelnen Fette frei werden. Die 
leichte Verdaulichkeit des Öles und Lebertrans läßt sich zur Tole¬ 
ranzprüfung gegen Fett klinisch verwerten. H. 

Zur Behandlung der Lichtscheu bei Konjunktivitis ekze~ 
matosa. Von Hans Peterka. (A. d. Kaiserin Elisabeth- 
Kinderhospital der Stadt Wien in Bad Hall (Oberösterreich). 
— Münch, med. Wschr., 1914, Nr. 22.) 

Verf. berichtet in einer vorläufigen Mitteilung, daß er statt des 
bisher verwendeten Kokain eine 5proz. wässerige Lösung von salz- 


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saurem Äthylhydrokuprein, welches als Öptochin. hydrochlor. im 
Handel erhältlich ist (Vereinigte Chininfabriken Zimmer & Co. in 
Frankfurt a. M.), mit gutem Erfolge versucht hat. Das Präparat ist 
in Substanz unbegrenzt haltbar, hingegen büßt die L6sung schon 
in drei Wochen bedeutend an Wirksamkeit ein. Die Instillationen 
hat er in zweitägigen Intervallen vorgenommen, weil das Mittel 
nach Tierexperimenten eine mehrtägige Anästhesie der Hornhaut 
erzeugt. Durch einige Instillationen wurde selbst in exzessiv hart¬ 
näckigen Fällen die Lichtscheu gänzlich behoben. Schädliche Neben¬ 
wirkungen wurden nicht beobachtet. In Fällen, wo ekzematöse 
Effloreszenzen vorhanden sind, sind dieselben selbstverständlich über¬ 
dies in der üblichen Weise zu behandeln. P. betont schließlich die 
Notwendigkeit, den Kindern auch eine ausgiebige Allgemeinbehand¬ 
lung zuteil werden zu lassen. Autoreferat 

über das Verhältnis zwischen dem Körperwachstume und 
der Entwicklung des Brustumfanges beim Menschen. 

VonLevy, Magnau u. Seilet (Revuepratiqued’obstetrique 
et de p6diatrie, Januar 1914.) 

Der Thorax ist während des Wachstumes Veränderungen unter¬ 
worfen, die nicht ohne Interesse sind, wenn man den menschlichen 
Thorax mit dem der Säugetiere vergleicht 

Beim Fötus ist der Thorax seitlich zusammengedrückt; durch 
seine Entwicklung von vorne nach hinten erinnert er an den Thorax 
der Vierfüßer. Bei der Geburt erweitert er sich im transversalen 
Durchmesser. Der infantile Typus weicht allmählich von dem fö¬ 
talen Typus ab um sich dem Thorax der anthropoiden Affen zu 
nähern. Er ist kurz und abdominal, denn, nach Chapy ist das 
Kind ganz Bauch und Gehirn. 

Die Autoren haben für das Alter von der Geburt bis zum 25. 
Jahre die durchschnittliche Körpergröße für jedes Altersjahr eruiert, 
dann dieselbe mit dem jeweiligen Thoraxumfange verglichen und 
die entsprechende Verhältniszahl festgestellt. Auf Grund ihrer Unter¬ 
suchungen an 100 vollkommen gesunden Personen kamen dieselben 
zu folgenden Resultaten: 

Während die Verhältniszahl von 1 bis zu 5 Jahren 3,50 über¬ 
steigt, fällt dieselbe von 7 Jahren ab rasch unter 0,50, ein Beweis 
dafür, daß die Körpergröße viel rascher als der Brustumfang zunimmt. 
Mit 10 Jahren alsdann weisen sowohl die Körpergröße als der Thorax¬ 
umfang einen Stillstand der Entwicklung in der Periode, die der 
Pubertät vorangeht, auf. Zur Zeit der Pubertät hingegen nimmt 
sowohl die Körpergröße als der Thoraxumfang intensiv zu. Diese 
Zunahme ist jedoch beim Thoraxumfange bedeutender. 

Die Verhältniszahl nimmt mit zunehmender Entfernung von der 
Geburt ab; von 13—16 Jahren nimmt die Verhältniszahl rasch zu. 

Stellt man das Verhältnis zwischen Thoraxumfang und Körper¬ 
größe graphisch dar, so kommt man zu folgendem Ergebnisse: 

Von o bis zu 5 Jahren übersteigt der Thoraxumfang, wenngleich 
er zusehends abnimmt, die Hälfte der Körpergröße. Vom 5. Jahre 
ab nimmt der Thoraxumfang plötzlich ab und bleibt unter der halben 


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'Körpergröße bis gegen 14 Jahre zurück. Dann nähert er sich bis 
zu 20 Jahren derselben allmählich, um sie vom 20. Jahre ab zu über¬ 
steigen. 

Dieses Schema kann in der Praxis als Wegweiser dienen. 

v. la Hausse (Rosenheim). 

Zur Behandlung der Phimose im Kindesalter. Von Erich 
Romin ger. (Aus der Universitäts-Kinderklinik Freiburg i. Br. 
— Münch, med. Woch., 1914, Nr. 21.) 

Es handelt sich um eine unblutige Methode der Phimosen¬ 
beseitigung und zwar eine Dehnung der verengten Vorhaut mit 
eigens zu diesem Zweck angefertigten Laminariastiften. Der Stift 
hat eine kegelförmige Gestalt und ist an seinem der Urethralöffnung 
zugewendeten Ende gleichmäßig abgerundet. Kurz darüber besitzt 
er seinen größten Umfang, um dann gegen das nach außen gerichtete 
Ende hin wieder dünner zu werden. Durch diese Form wird ein 
Scheuem und Herausgleiten beim Pressen und Urinieren nicht nur 
verhindert, sondern dabei ein Vortreiben i. d. verengerte Zone und 
hiermit eine vermehrte Dehnung dieser erreicht Der Stift ist selbst¬ 
verständlich der Länge nach durchbohrt. Die Befestigung des Stiftes 
geschieht durch die Fixierung der am äußeren Ende desselben in 

2 queren Bohrungen angebrachten Seidenfäden mit Heftpflaster. Man 
fordert größere Kinder schon wenige Minuten nach Einführung des 
Stiftes auf zu urinieren, wodurch die Quellung beschleunigt wird. 

Die Einführung des Stiftes, der in 5 verschiedenen Stärken von 

3 mm bis 7 mm verpackt zu 10 Stück unter dem Namen „Phimose- 
Dilatatoren nach Dr. Erich Rominger“ von der Firma Wilhelm 
Pfeiffer, Freiburg, Kaiserstraße 89, in den Handel gebracht wird, ge¬ 
lingt ohne besondere Schwierigkeiten und nahezu ohne Beschwerden. 
Sobald der Stift eingeführt ist und richtig liegt, werden keinerlei 
Klagen geäußert Die Kinder spielen und sind munter wie zuvor. 
Nach ungefähr 6—8 Stunden zieht man ohne Mühe den Stift, dessen 
Durchmesser um mehr als das Doppelte vergrößert ist, aus der 
nun schön gedehnten Vorhaut zurück und erneut das Verfahren so 
oft, bis man das Präputium bequem bis etwa über die Mitte der 
Glans zurückschieben kann. Bei Phimosen leichteren Grades ist das 
gewöhnlich schon nach einmaliger Laminariadehnung der Fall. 
Unter 50 Phimosenfällen wurden 46 mit den Phimosendilatatoren 
ohne weiteres von ihren Beschwerden befreit. 

Der Vorteil der Methode liegt darin, daß man damit das lästige 
Übel fast immer vollkommen ohne operativen Eingriff, 
gefahrlos, ohne besondere Sch merzen und vor den Augen 
der besorgten Mutter beseitigen kann. Autoreferat 

Zur Behandlung der Furunkulose im Säuglingsalter 
mittels Thermokauter. Von Marie Else Schubert. 
(Aus der Univ.-Kinderklinik zu Heidelberg. Münch, med. W. 
1914. Nr. 14.) 

Schüle behandelt die Furunkulose der Erwachsenen, indem er 
mittels spitzen Thermokauters in das Zentrum der frisch infiltrierten 


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Stelle einsticht Dieselbe Methode hat nun die Autorin bei den 
multiplen Abszessen der Säuglinge in Anwendung gezogen. Der 
Paquelin schafft in dem Abzeß eine zwar nicht große, aber doch 
kreisförmige Öffnung, die dem Sekret freien Abfluß gewährt und 
bei der nicht die Gefahr besteht, daß sich die Wundränder • schnell 
wieder aneinanderlegen, verkleben und zur Retention Veranlassung 
geben. Genügt eine Öffnung zur Entleerung eines größeren Ab- 
zesses nicht, so sticht man mehrere Male ein und zwar dann 
möglichst an der Basis der Wölbung. Derartig behandelte Haut- 
abzesse weisen meist am zweiten Tage keine Spur von Infiltration 
mehr auf und zeigten nur noch eine kleine punktförmige schwarze 
Borke, die sich bald unter Zurücklassung einer winzigen, weißlichen 
Narbe abstieß. Rezidive wurden selten beobachtet, meist genügte 
die einmalige Eröffnung der Abszesse, bei sehr ausgedehnten Pro¬ 
zessen an 2—3 aufeinanderfolgenden Tagen, um die Furunkulose 
zum Ausheilen zu bringen. 

Nach der Kauterisation wendet Sch. Schmierseifenbäder an, die 
dann noch wochenlang fortgesetzt werden. Schn eil-Halle. 

über „Romauxan“, ein neues Nährpräparat. Von Bönning- 
Darmstadt (Zentralblatt für die gesamte Therapie, 1914. H. 2.) 

Das Romauxan ist ein Eiweißpräparat, das durch einen Zusatz 
von Fruchtessenz einen angenehmen Geruch und einen leichten 
Fruchtgeschmack erhalten hat; für Kinder kann man diesen Frucht¬ 
geschmack noch etwas erhöhen durch Zusatz von Zucker. Das 
Präparat ist direkt als wohlschmeckend zu bezeichnen und wird 
von den Patienten gern genommen; Kindern kann man das Romauxan 
in Milch geben. Bei Störungen, besonders der motorischen Magen¬ 
funktionen, oder Vorhandensein irgend eines Hindernisses in den 
oberen Teilen des Digestionsapparates kann man das Präparat auch 
sehr gut als Nährklystier verwenden, umsomehr, als sich daraus 
leicht konzentrierte Lösungen herstellen lassen. Nach den Er¬ 
fahrungen B.’s wirkt das Romauxan günstig auf die Zunahme des 
Körpergewichtes ein; insbesondere ist hervorzuheben, daß es an¬ 
scheinend eine prompte Wirkung auf die Stillfähigkeit besitzt 

Der Verf. gab in allen Fällen zweimal täglich einen Teelöffel 
voll. Das Romauxan wird zum Gebrauche mit der gleichen Menge 
Wasser angerührt, bis sich nach etwa 10 Minuten unter Kohlen¬ 
säureentwicklung das Präparat gelöst hat, dann wird entweder mit 
Wasser weiter verdünnt oder das Präparat der Milch oder Suppe 
zugesetzt. Es ist nicht zweckmäßig, das Romauxan sauren Flüssig¬ 
keiten zuzusetzen, wie z. B. Zitronensaft, Himbeersaft oder Wein, 
da das Präparat durch die darin enthaltene Säure ausgefällt wird. 

Romauxan ist für weitere Nachprüfungen angelegentlichst zu 
empfohlen. 

S chrumpfniere im Kindesalter. Von Richard Lederer- Erfurt. 
(Aus der Kinderabteilung des Kaiser Franz Joseph-Spitales in 
Wien. — Mitteilg. d. Ges. f. inn. Med. u. Kinderh. in Wien, 
1914, Nr. 4.) 

Präparate eines 12jährigen Mädchens, das wenige Tage ante 
exitum zur Aufnahme gelangte. Früher oft Schmerzen in den Füßen, 


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Ohnmachtsanfälle. Seit 2 Monaten Klagen über heftige Kopfschmerzen, 
Stechen in der Herzgegend und Atemnot. Starke Verbreiterung des 
linken Herzens, akzentuierte zweite Töne an der Basis. Im Harn 3 °/ 00 
Eiweiß, Sediment sehr spärlich, und wenige Leukozyten, keine Zy¬ 
linder enthaltend. Mäßige Anämie. Unter klonischen Krämpfen 
und Herzschwäche Exitus. — Die Obduktion ergab das Bestehen 
einer chronischen Nephritis mit hochgradiger ungleichmäßiger 
Schrumpfung der Nieren. Die linke mißt etwa 3x1, die rechte 
5x2 cm. In beiden Nieren ausgeprägte regenerative Wucherungen. 
Höchstgradige exzentrische Hypertrophie des linken Herzens. 

Autoreferat 

Die Spitzendämpfung im Kindesalter. Von Friedrich Mielke. 

(Aus der Universitätskinderklinik zu Göttingen, Direktor Prof. 

Dr. F. Göppert.) 

Verf. weist an der Hand von 18 Fällen nach, daß bei der Ver¬ 
wertung der Spitzendämpfung trotz belastender Anamnese nicht gleich 
Diagnose auf Tuberkulose gestellt werden darf, wenn man sich nicht 
genau überzeugt hat, daß der Pat. bei der Untersuchung absolut 
gerade steht. Diese gerade Haltung erreicht man dadurch, daß man 
den Oberkörper leicht nach vorn bringen und den Bauch einziehen 
läßt. Die Dämpfung ist durch eine leichte Skoliose bedingt, die man 
nur findet, wenn man die Kinder bis zum Becken entblößen läßt 
und auf das Taillendreieck achtet. Die Dämpfung als Pseudodämpfung 
zu entlarven ist nur in der korrigierten Haltung möglich, die aber 
spontan trotz des Kommandos „Gerade Stehen“ nie eingenommen 
wird, weil die Kinder das Lagegefühl für ihre Rückenmuskulatur 
verloren haben. 

Bei diesen Fällen erweckt der lange schmale Thorax, die Blässe 
und Appetitlosigkeit der Kinder, den Verdacht auf Tuberkulose, der 
durch die Dämpfung der Spitze natürlich verstärkt wird. Wenn man 
bei jeder Spitzendämpfung systematisch auf eine Haltungsanomalie 
achtet, wird man häufig die Skoliose finden und durch Gymnastik 
der Rückenmuskulatur die Dämpfung beseitigen. Autoreferat. 

Psychotherapie in der Kinderheilkunde. Von Theodor G ö 11. 
(M. m. W., 1914, Nr. 25.) 

Der gedrängte Überblick über die Verfahren, mit denen man in 
der kinderärztlichen Praxis psychogene und psychoneurotische Zu¬ 
stände auf psychischem Wege, von der Psyche aus, zu behandeln 
sucht, beginnt mit der Besprechung derjenigen Methoden, die kein 
besonders tiefes Eindringen in die jeweilige kranke Individualität 
erfordern, bei denen man nicht mehr individualisieren muß als bei 
jeder Art von Therapie. Hierher gehören die (kaum Methoden zu 
nennenden) Verfahren des Milieu Wechsels bezw. der Isolierung, 
der Beschäftigungs- oder Arbeitstherapie, sowie alle die¬ 
jenigen psychotherapeutischen Einwirkungen, die auf dem Mechanis¬ 
mus der Suggestion beruhen. Die in diese Kategorie zu zählende 
sog. Shock- oder Uberrumpelungstherapie wird vielleicht 
häufiger angewandt, als sie indiziert ist; sie hat ihre starken Schatten- 


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seiten. Dagegen dürfte, neben anderen weniger brüsk wirkenden 
suggestiven Verfahren, die hypnotische Behandlung mehr An¬ 
wendung verdienen, vor allem z. B. in der Therapie der Enuresis 
nokturna. 

Von den Methoden, die ein viel tieferes Einleben und Einfühlen 
des Arztes in die Persönlichkeit des kranken Kindes verlangen, 
kommen inBetracht die sog.Persuasionsmethode vonDubois, 
die trotz ihrer einseitig rationalistischen Auffassung auch bei man¬ 
chen Kindern sehr Gutes wirkt, dann die mehr auf eine Erziehung 
der ganzen kranken Persönlichkeit gerichteten persuadierenden und 
willensübenden Verfahren, und endlich diejenigen Methoden, die auf 
psycho-analytischen Anschauungen basieren; einmal die sogenannte 
Psychokatharsis von Franck, über deren Brauchbarkeit bei 
Kindern bereits Material vorliegt, und dann die eigentliche Psycho¬ 
analyse, deren allgemeiner Anwendung bei Kindern der Verfasser 
freilich noch nicht das Wort reden möchte, da die vielerlei Fragen 
noch zu wenig geklärt sind und die psychoanalytischen Lehren noch 
zu wenig Stabilität besitzen. Im allgemeinen dürfte es auch für den 
Kinderarzt das Empfehlenswerteste sein, nicht mit einer einzigen 
Methode alle Fälle, die da kommen, zu behandeln, sondern vielmehr 
von Fall zu Fall diejenige Methode zu wählen, die für den speziellen 
Fall am geeignetsten erscheint 


Bücherbesprechungen. 

Lehrbuch der Kinderheilkunde. Herausgegeben von Prof. 
Dr. E. Feer, Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Zürich. 
3. Aufl., Lex. 8°, VIII und 766 S., m. 2 Tafeln und 205 teil¬ 
weise farbigen Abbildungen. Jena 1914. Verlag von Gustav 
Fischer. Brosch. 12,—, geb. 13,— Mk. 

Wenn bei einem Werke innerhalb drei Jahren die 3. Auflage 
nötig wird, so ist dies allein meist schon ein Beweis dafür, daß es 
einem vorhandenen Bedürfnis entgegen gekommen ist und die Er¬ 
wartungen erfüllt hat, mit denen der Leser an das Buch herantrat 
Und in der Tat! Feer hat es verstanden, sich eine Reihe von vor¬ 
züglichen Mitarbeitern zu werben, die seinen Grundgedanken, jedes 
Gebiet von einem mit ihm besonders vertrauten Autor bearbeiten 
zu lassen und trotzdem dem ganzen Lehrbuch einen abgerundeten 
einheitlichen Charakter zu erhalten, mit Geschick haben verwirk¬ 
lichen helfen. So ist es gekommen, daß infolge der persönlichen 
Note, die jedes einzelne Kapitel eines Autors trägt, die leicht bei 
einem, von einem einzigen Verfasser stammenden Werke sich ein¬ 
stellende Gleichförmigkeit der Diktion fehlt und die als Resultat 
der Bearbeitung durch verschiedene Federn in einzelnen Fällen 
vorkommenden Wiederholungen nimmt man bei den sonstigen Vor¬ 
zügen gern mit in Kauf, zumal sie bei der Verschiedenheit der 
Darstellungen nicht ermüdend oder überflüssig wirken. 


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i8g 

Dem der Feder Thiemichs entstammenden allgemeinen Teile, 
welcher die anatomisch-physiologischen Eigentümlichkeiten des 
Kindesalters, die Ernährung und Pflege, Untersuchungstechnik, all¬ 
gemeine Pathogenese, Prophylaxe und Therapie umfaßt, folgen die 
speziellen Kapitel Erkrankungen der Neugeborenen (Fink ei¬ 
st ein und Meyer), krankhafte Veränderungen des Blutes und der 
blutbereitenden Organe, Konstitutionsanomalien und Stoffwechsel¬ 
krankheiten (v. Pfaundler), Krankheiten der Verdauungsorgane 
(Finkeistein und Meyer), der Respirationsorgane (v. Pirquet); 
des Herzens (Feer), der Urogenitalorgane (Tobl er), des Nerven¬ 
systems (Ibrahim), die akuten Infektionskrankheiten (Für), Tuber¬ 
kulose (v. Pirquet), Syphilis (Moro), und Krankheiten der Haut 
(ders.). Ohne andere Abschnitte als weniger gelungen bezeichnen 
zu wollen, möchte Ref. die von v. Pfaundler herrührende Be¬ 
arbeitung des Abschnittes krankhafte Veränderungen des Blutes, 
Diathesen, Konstitutionsanomalien und Pathologie der Kuren mit 
innerer Sekretion trotz seines relativ geringen Umfanges sowie die 
Darstellung der Ernährungsstörungen, wie sie Finkeistein und 
L. F. Meyer im Anschluß an die grundlegenden Anschauungen 
Czernys, aber erweitert durch eigene und anderer zahlreiche 
Untersuchungsergebnisse und Ansichten, geben, für den Studierenden 
und Nichtstudierten als besonders instruktiv bezeichnen. Eben¬ 
so sind die Infektionskrankheiten, entsprechend ihrer für das 
Kindesalter hervorragenden Wichtigkeit von Feer ausführlicher 
behandelt worden, als z. B. die im Verlauf sich von dem bei Er¬ 
wachsenen weniger unterscheidenden Affektion des Herzens, des 
Urogenitalapparates u. s. w. 

Die Ausstattung des Werkes ist, wie bei dem guten Rufe des 
Verlags zu erwarten, im allgemeinen recht schön, doch dürften bei 
einer späteren Auflage noch mehrere Abbildungen, wie es schon 
bisher geschehen, durch solche, die klarere Anschauungen ver¬ 
mitteln, ersetzt werden können und bei einigen wäre eine farbige 
Wiedergabe charakteristischer. Baron- Dresden* 

Geburtenrückgang und Geschlechtskrankheiten. Von 

Prof. A. Blaschko-Berlin. gr. 8°, 42 S. Leipzig 1914. 

Verlag J. A. Barth. Pr. 80 Pf. 

Der Inhalt des vorliegenden Heftes ist die Wiedergabe eines 
Vortrages, den Verf. auf der n. Jahresversammlung der Deutschen 
Gesellschaft für Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten gehalten hat. 

Der Zusammenhang des Bevölkerungs- und Fortpflanzungs¬ 
problems mit den venerischen Krankheiten ist ein doppelter. Die¬ 
selben wirtschaftlichen Verhältnisse, welche gewisse abnorme Zu¬ 
stände des Sexuallebens herbeiführen, zielen auch daraufhin, die 
Verbreitung der Geschlechtskrankheiten zu steigern, andererseits 
wirken die Syphilis wie die Gonorrhoe direkt geburtenvermindemd. 
Der Geburtenausfall aus den Geschlechtskrankheiten scheint in den 
letzten Jahren nicht zu genommen zu haben. Trotzdem ist der hier¬ 
durch der Bevölkerungsvermehrung zugefügte Schaden ein so 
erheblicher, daß angesichts der Schwierigkeit die anderen Faktoren 


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zu beeinflussen, die Geschlechtskrankheiten als schädigender Faktor 
doppelte Bedeutung gewinnen. 

Verf. spricht sich gegen die Entziehung der antikonzeptionellen 
Mittel aus dem freien Verkehr, weil eine Zunahme der Geschlechts¬ 
krankheiten die Folge wäre. 

Nur wenn die Aufzucht des Nachwuchses nicht mehr zu einer 
unerschwinglichen Last für die Eltern, besonders der Mütter wird, 
kann man wieder eine zunehmende Tendenz der Geburtsziffer 
erwarten. 

Die vorliegende Arbeit bringt vielfach neue Gesichtspunkte zu 
dem heute viel erörterten Thema. Schlichting-Cassel. 

Die spastischen Erkankungen des Verdauungskanals. 
Von Prof. Dr. Karl Wal ko-Prag. Sammlung zwangloser 
Abhandlungen aus dem Gebiete der Verdauungs- und Stoff¬ 
wechsel-Krankheiten mit Rücksicht auf allgemein-ärztliche 
Interessen herausgegeben von Prof. A. Albu-Berlin, gr. 8°, 
58 S. Halle a. S. 1914. Carl Marhold, Verlag. Einzelpreis 
1,50 Mk. 

Das vorliegende Heft behandelt den Oesophagus (Oesopliago- 
spasmus, Kardiospasmus), den Magen (Hypermotilität, Hypertonie 
und Gastrospasmus, lokale Zirkulärspasmen, spastischer Sanduhr¬ 
magen, Spasmen der Längsmuskelfasern, Pylorospasmus und spastische 
Pylorusstenose), den Darm (lokale Darmspasmen, Kolonspasmen, 
spastische Obstipation, spastische Diarrhöen, Proktospasmus). Verf. 
bespricht zunächst die physiologischen Erscheinungen, dann die 
klinischen, die Diagnose und die Therapie. Am Schluß ist eine 
reichhaltige Literaturangabe. Schlichtin g-Cassel. 

Vorträge über Ernährung und Pflege des Kindes im 
ersten und zweiten Lebensjahre. Gehalten in der 
städtischen Säuglingsfürsorgestelle V in Berlin. Von Dr. med. 
Gustav Tugendreich, leitendem Arzt 2. erweiterte Aufl., 
8°, VIII und 83 S. mit 7 Textabbildungen. Stuttgart 1914. 
F. Enke. 1,60 Mk. 

In sechs Vorträgen hat der Verf. alles wichtige und notwendige 
zusammengefaßt, was jede Mutter wissen und lernen sollte. Das 
Buch gehört zu dem Besten, was auf diesem Gebiete geschrieben ist 

Spiegel - Kiel. 

Kinderpflege-Lehrbuch. Bearbeitet von Dr. med. Arthur 
Keller, Prof, in Berlin und Dr. med. Walter Birk, Priv.- 
Doz. in Kiel. Mit einem Beitrage von Dr. med. Axel Tages- 
son Mö 11 er - Berlin. 2. umgearbeitete Auflage, gr. 8°, VII 
u. 144 S. mit 40 Abbildungen im Text. Berlin 1914. Verlag 
von Julius Springer. Pr. kart. 2 >— Mk. 

Die Verff. haben sich in die Bearbeitung geteilt. Keller hat 
den allgemeinen Teil geschrieben, der die Anatomie und Physio¬ 
logie des Kindes umfaßt und er behandelt zum Schluß in einem 
selbständigen Kapitel den heutigen Stand der Säuglingsfürsorge. 


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Birk bespricht die spezielle Kinderpflege. Möller hat diesem Teil 
eine Darstellung der Zimmergymnastik bei Kindern angegliedert. 

Das Kinderpflege-Lehrbuch, mit Verständnis der Materie ver¬ 
faßt, ist geeignet, in den Kreisen der Pflegerinnen viel Gutes zu 
schaffen. Schalenkamp -Krombach (Siegen). 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Akute Appendizitis im Verlaufe von Varizellen. 
Von Lesne. 

Das Auftreten der Blinddarmentzündung bei Infektionskrank¬ 
heiten ist oft sicher beobachtet. In diesem Falle trat die akute 
Erkrankung auf bei einem fünf- und einem zehnjährigen Kinde, die 
keinerlei krankhafte Erscheinungen von seiten des Abdomens dar¬ 
boten, gleichzeitig mit dem Ausbruch der Varizellen. Es handelt 
sich wohl sicher um eine hämatogene Infektion. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 9.) 

Uber die Schwierigkeit der Appendizitis-Diagnose 
bei kleinen Kindern. Von Viktor Veau. 

Sechs Fälle, bei denen auf recht zweifelhafte Symptome hin 
operiert wurde, und doch mit Recht operiert wurde, denn in allen 
Fällen fanden sich schwere Veränderungen am Appendix. Die exakte 
Diagnose beim Kinde in den ersten Lebensjahren ist äußerst 
schwierig und unsicher. Die Prognose ist viel ungünstiger als beim 
Erwachsenen. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1914, Nr. 1.) 

Die rektale Anwendung künstlichen Serums in der 
Kinderheilkunde. Von Lesne. 

Der Verf. sah gute Erfolge bei Dysenterie, Gastroenteritis, 
Typhus u. a. Er ließ 50—200 ccm tropfenweise ins Rektum ein¬ 
fließen, und setzte auch Medikamente zu. Uber Konzentration der 
zu benutzenden Salzlösung sind in der Diskussion die Meinungen 
verschieden, jedoch einig in der Auffassung, daß die rektale Tropf- 
methode gegenüber der subkutanen Infusion die schonendere 
Methode ist Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 8.) 

Die Behandlung des allgemeinen Erysipels beim 
Säugling. Von Guinon und Izard. 

Wenn die Rose beim Säugling dazu neigt, sich zu generali¬ 
sieren, so ist der Tod die Regel. Ein elfmonatliches Kind wurde 
folgendermaßen behandelt und geheilt: Es wurden Entspannungs- 


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schnitte angelegt und die Wunden mit Collafgol verbunden, ferner 
Einreibungen mit Collargolsalbe gemacht. Spiegel - Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 10.) 

100 Injektionen in die Kopf- und Halsvenen von 
Säuglingen und jungen Kindern zur Behandlung von 
Lues heredi taria. Von G. Blechmann. (Aus der Abteilung 
von Prof. Mar tan des Höpital des Enfants-Malades.) 

Es wurde Neosalvarsan in konzentrierter Losung benutzt Die 
Technik wird genau beschrieben und besonders auf die Schwierig¬ 
keiten hingewiesen, das Lumen der engen Gefäße nicht zu ver¬ 
letzen. Die schönen Erfolge machen den Verf. zu einem begeisterten 
Anhänger Ehrlichs. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, 1914, Nr. 1.) 

Bericht über die Anwendung von An tityphus-Vak- 
zine (Vinzent) beim Kinde. Von Guinon und Malarte. 

Elf Fälle, darunter zwei sehr schwere, wurden außer mit den 
sonstigen üblichen Mitteln, bakteriotherapeutisch behandelt, alle 
genasen. Die Bakteriotherapie scheint bei den mittelschweren 
Fällen den Krankheitsverlauf verkürzt und eine freie Rekonvales¬ 
zenz herbeigeführt zu haben. Die Symptome von seiten des Magen- 
und Darmkanals wurden günstig beeinflußt. Darmblutungen, Ab¬ 
szesse mit Typhusbazillen und Rückfälle konnten nicht verhindert 
werden. Spiegel- Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1914, Nr. 1.) 

Der Gebrauch von Abführmitteln und Stopfmitteln 
im Kindesalter. Klinischer Vortrag von W. Birk-Berlin. 

Der Vortrag bietet viel mehr als die Überschrift sagt. In der 
ihm eigenen klaren und übersichtlichen Weise gibt der Verf. eine 
Darstellung der modernen diätetischen Therapie der Ernährungs¬ 
störungen beim natürlich und unnatürlich genährten Säugling und 
beim älteren Kinde. Wer seine Ausführungen mit Ruhe durch¬ 
arbeitet, wird ihm, auch wenn er nicht über eine spezielle Ausbildung 
in der Pädiatrie verfügt, in seinen Schlußfolgerungen beistimmen 
müssen, daß der Gebrauch von Abführ- und Stopfmitteln fast immer 
entbehrlich ist, wer kausale Therapie treiben will, muß hier Er¬ 
nährungstherapie treiben. Und es ist die Aufgabe der klinischen 
Lehrer, daß wenigstens die nächste Ärztegeneration sie beherrscht 

(Aus der Univ.-Kinderklinik in Kiel. — Spiegel-Kiel. 

Zbl. d. Kdhlkde., 1913, Nr. 10.) 


Verlag von Benno Konegen, Leipzig. - Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für fCinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Facharzt# 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 


Erscheint am ersten Freitag; eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis fflr das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 


XXV. Jahrg. September 1914. No. 9. ( 297 .) 


INHALT: Originalien: Hunaevis, Kindermilch und Milchküche. 193. 

— Referate: Czerny, Tuberkulose im Kindesalter. 199. — Keppler u. 
Erkes, Tuberkulinherdreaktion bei unklaren Hüftgelenkserkrankungen. 200. 

— Gellhaus, Scharlach und subkutane Salvarsaninjektion. 201. — Klebanskl, 

Ophthalmoblennorrhoe der Neugeborenen. 202. — Popper, Pertussis. 203. — 
Zudunayer, Frauenmilch der ersten Laktationszeit. 203. — Deresse, Still* 
hindemisse. 204. — Gast, Wirkung des Odda K auf den kindlichen Organis* 
mus. 204. — Bücherbesprechungen: Schwabe, 30 Jahre augenärztlicher 
Praxis 1882 — 1912. 205. — Mann, Lehrbuch der Tracheo-Bronchoskopie 

(Technik und Klinik). 205. — Aronsohn, Der psychologische Ursprung des 
Stotterns. 206. — Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 
207. — Kleine Mitteilungen. 207. 


Originalien. 

Kindermilch uud Milchküche. 

Von Dr. med. Hunaeus, leit. Arzt des Cecilienheims in Hannover. 

Das segensreiche Wirken der modernen Säuglingsfürsorge, 
welches sich in der statistisch nachgewiesenen Zunahme des Stillens 
und der in immer weiteren Schichten unserer Bevölkerung zu Tage 
tretenden Besserung in der Pflege und Ernährung des Säuglings 
kund tut, hat im Verein mit den Fortschritten auf dem Gebiete 
der Säuglingsemährung zu einem erfreulichen Rückgang der 
Säuglingssterblichkeit geführt Wenn wir trotzdem in .heißen 
Sommern noch immer einen erheblichen Anstieg der Morbiditäts¬ 
und Mortalitätskurve an Verdauungskrankheiten beobachten, so 

Klnder-Ant XXV. Jahrg. 1914. 18 


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liegt die Ursache vornehmlich wohl in den teilweise äußerst un¬ 
günstigen Wohungsverhältnissen der ärmeren Bevölkerung, ^sowie 
in dem vielerorts noch bestehenden Mangel an geeigneten Anstalten, 
wo schwer emährungskranke Kinder untergebracht und sachge¬ 
mäßer ärztlicher Pflege zugeführt werden können, und drittens an 



der Milchversorgung, die in den meisten Städten noch vieles 
zu wünschen übrig läßt 

Der in Mannheim gemachte Versuch, durch eine kommunale 
Milchzentrale die Milchversorgung der städtischen Bevölkerung zu 
übernehmen, hat sich glänzend bewährt und regt zur Nachahmung 
an, zumal man auf diese Weise auch minderbemittelten Familien 
für billiges Geld eine einwandfreie keimarme Milch liefern kann. 


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(cf. Erlbeck, Zeitschrift für Säuglingsfürsorge, Bd. 8, Heft 2.) 
Durch die Einstellung des Zwischen- und Kleinhandels, dessen Ver¬ 
treter in der Mehrzahl nichtgelemte Fachleute sind und denen in¬ 
folgedessen auch die nötigen Kenntnisse einer richtigen Behandlung 
der Milch, sowie häufig auch das nötige Kapital zur Anschaffung 



geeigneter Vorrichtungen zur Kühlung und zum Transport derselben 
fehlt, wird die Qualität der Milch erheblich verschlechtert, und so 
oft der Keim zu schweren, vielfach todbringenden Verdauungskrank¬ 
heiten gelegt Haben doch jüngst erst bei Untersuchungen einer 
großen Anzahl von Marktmilchproben in Bern 47,5 °/ 0 sich als nicht 
einwandfrei erwiesen und dargetan, daß neben der Fettkontrolle auch 
hygienische Proben wie Leukozyten- und Gärprobe unbedingt ein- 


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geführt werden müssen, um ein richtiges Bild von der gesundheit¬ 
lichen Beschaffenheit der Milch zu erhalten (Thöni, Zentralbl. f. 
Bakteriologie LXXIV 1 u. 2). 

Die Milch verlangt eine sorgsame Gewinnung und Behandlung, 
soll sie ohne Schaden von unsem Kindern im ersten Lebensjahr 
genommen werden! — Daher müssen wir an eine solche „Kinder¬ 
milch“ folgende Forderungen stellen: 

a) Gewinnung nur von gesunden, tierärztlich untersuchten und 
überwachten Kühen; 

b) saubere Haltung, richtige Pflege und Fütterung derselben; 

c) peinlichste Reinlichkeit der Tiere und der melkenden Personen 
beim Melkprozeß; 

d) Abspritzen der ersten Milchportionen aus den Eutergängen in 
einen besonderen Eimer. — Die Erstmilch muß vom Gebrauche 
ausgeschlossen werden; 

e) peinlichst gereinigte, gut verschließbare Milchgefäße, in welche 
die Milch gemolken wird; 

f) sofortige Tiefkühlung der Milch und schnellstmögliche An¬ 
lieferung in eisgekühlten Wagen. 

Bei strikter Innehaltung dieser Bedingungen wird der Konsument 
unter allen Umständen, auch im heißesten Sommer, eine durchaus 
zuverlässige Milch erhalten. 

In den meisten neueren Säuglingsheimen geschieht die weitere 
Verarbeitung der Milch in der sog. Milchküche, 2—3 Räumen, 
die meist im Erdgeschoß gelegen und von den übrigen Wirtschafts¬ 
räumen tunlichst getrennt sind. Im folgenden sei der Betrieb und 
die Einrichtung eines solchen, wie sie die Firma Ahlbom in Hildes¬ 
heim für das Cecilienheim (Säuglingsheim von 50 Betten) in 
Hannover geliefert hat, kurz beschrieben. 

Nach Anfuhr der Milch durch den Lieferanten wird die Menge 
derselben in einem Meßeimer festgestellt und, nach Passage eines 
Milchfilters mit Wattescheiben, ins Milchbassin gegossen, einem Be¬ 
hälter aus verzinntem Kupferstahlblech mit zwei messingnen Ausläuf- 
röhren. Bedeckt wird das Bassin mit einem feinmaschigen Metall¬ 
gazedeckel. Diese Aufbewahrung der Milch im offenen Behälter 
wird empfohlen, weil die Milch in den geschlossenen Kannen er¬ 
stickt und einen dumpfen unreinen Geschmack annimmt Auf zwei 
Arbeitstischen mit Zinkblechbelag werden die Mischungen nach 
ärztlicher Vorschrift fertiggestellt, in Flaschen ä 125, 150 bezw. 200 g, 
die einen federnden, leicht zu reinigenden Sterilisationsverschluß 
tragen, gefüllt und in Flaschenkörben in den Sterilisator gestellt 
Dieser enthält eine Kammer 700/800 mm, in welcher, in heißem 
Dampf zur Zeit 108 Flaschen ä 150 g bezw. 80 Flaschen ä 200 g 
sterilisiert werden können. — Sterilisiert wird etwa 5 Minuten bei 
ioo°C. — 

Ein automatischer Dampferzeuger mit Gasfeuerung — (Gas¬ 
feuerung ist wegen der Vermeidung von Kohlenstaub und Ruß 
entschieden empfehlenswerter als Kohlen- und Holzfeuerung, wenn 
der Dampferzeuger im eigentl. Milchbereitungsraum steht) — ver- 


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sorgt den Sterilisationsapparat und die drei Senking’sehen 
Schnellkocher mit dem nötigen Dampf. Der Sterilisationsapparat 
ist mit Rückkühlung eingerichtet, d. h. man kann nach Öffnen 
eines außen am Apparate befindlichen Hahnes, der mit der Wasser¬ 
leitung in Verbindung gesetzt ist, durch ein siebförmig durch¬ 



brochenes, am Boden der Kammer befindliches Rohr kaltes Wasser 
sofort nach dem Sterilisieren in die Kammer eintreten lassen, und 
so eine rasche Abkühlung der Flaschen erzielen (io—12 0 C). 

Diese sofortige Abkühlung ist unerläßlich, damit die abkühlende 
Milch nicht längere Zeit Bruttemperatur (25—45 0 C) behält und 
durch Auswachsen der Sporen zu Keimen verschlechtert wird. Ein 
weiterer Vorteil der raschen Abkühlung ist das Erhaltenbleiben der 


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Emulgierung der Milch, während bei langsamer Abkühlung die 
Fettverteilung in der Milch leidet und durch Zusammenlaufen der 
kleinen Milchkügelchen zu Buttertropfen die Verdaulichkeit der 
Milch beeinträchtigt wird. 

Die drei Senking’schen Schnellkocher — große doppel¬ 
wandige Reinnickeltöpfe mit Kippvorrichtung —, die einzeln, unab¬ 
hängig von einander, oder gemeinsam benutzt werden können, 
dienen hauptsächlich zur Bereitung leicht beim Kochen ansetzender 
Nährgemische wie Schleim, Malzsuppe, Buttermilch etc 

Eine kleine Alfa-Handzentrifuge, in der die auf Blut¬ 
temperatur erwärmte Milch in Magermilch und Rahm getrennt 
wird, sowie eine kleine Buttermilchmaschine, werden hauptsächlich 
zur Herstellung von Mager- bezw. Buttermilch, den beiden in der 
modernen Säuglingsdiätetik häufig gebrauchten Heilnahrungen 
benutzt 

Weiter ist ein dreiflammiger Gaskochherd mit Ständer vor¬ 
gesehen, der bei eventueller Störung des Dampferzeugers oder bei 
geringer Belegzahl des Hauses verwandt wird. Auf einem Wand¬ 
regal finden sich verschiedene große Aluminiumtöpfe ä 4 und 
5 1 Inhalt sowie zwei Soltmann’sche Aluminium-Milchkocher. 
Unter diesem Wandregal steht ein weißlackiertes Holzbort, auf 
dessen fünf Abteilungen Porzellantöpfe, Wage, Mensuren etc unter¬ 
gebracht sind. Daß Wasch gelegenheit für die Schwestern und ein 
kleines Spülbecken vorhanden, sei nebenbei bemerkt 

Getrennt von dem eigentlichen eben beschriebenen Milch¬ 
zubereitungsraum ist der Flaschenspülraum. Die eine Wand 
desselben ist ausgefüllt von dem großen rechteckigen Einweich¬ 
bottich aus Pitschpineholz mit Ablaß-Unterlaufventil und Einzel¬ 
spitzventil aus Messing. In diesem Bottich werden die Flaschen in 
heißem (65 °C) zweiprozentigen Sodawasser eingeweicht, um die in 
ihnen enthaltenen Milchreste zu lösen. Dann werden die Flaschen 
einzeln auf den durch Wasserdruck getriebenen Turbinen-Stahl- 
bürsten-Apparat geschoben und durch die rotierenden Bürsten 
gereinigt, und schließlich noch durch das mit der Wasserleitung 
in Verbindung stehende Einzelspritzventil ausgespritzt Auf diese 
Weise wird eine peinliche Reinigung der Flaschen «erzielt Zum 
Trocknen werden die Flaschen auf ein Tropfgestell gebracht, 
welches aus einem eisernen, mit Emaillelack gestrichenen Rahmen 
besteht, der einen Lattenrost von verschiedener Weite trägt Auf 
demselben können ca. 1500 Flaschen untergebracht werden. 

Im gleichen Geschoß, nach Norden zu gelegen, liegt die Kühl¬ 
zelle mit doppelter Torf-Korkschicht isolierten Wänden, in der die 
fertig sterilisierten Flaschen, auf 6—8° C. gekühlt, bis zum Ver¬ 
brauch auf bewahrt werden. Die Beschickung der Zelle mit Eis 
findet vom Hofe aus statt Der Transport der Flaschen zu den 
einzelnen Stationen und Obergeschossen geschieht in einem Aufzug, 
der ausschließlich für den Milchtransport bestimmt ist Eine im 
Milchküchenbetrieb erfahrene Schwester sowie eine Schülerin der 
Anstalt besorgen die Herstellung der Nahrungsgemische, die z. Z. 


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nur für die im Heim untergebrachten Kinder verwendet werden. 
Vorgesehen ist aber auch die Abgabe fertiger Nahrungsgemische, 
deren Herstellung im Haushalte Schwierigkeiten macht, nach außer¬ 
halb, falls seitens der Ärzte diesbezügliche Wünsche geäußert 
werden. 

Daß die Milch regelmäßig untersucht und dauernder ärztlicher 
Kontrolle untersteht, ist selbstverständlich, da ja nur so eine absolut 
sichere Gewähr für die genaue Innehaltung aller notigen Vorsichts¬ 
maßregeln gegeben ist Nach unseren Erfahrungen können wir die 
Einrichtung von Milchküchen für Säuglingsheime und größere 
Krippen wärmstens empfehlen, hat man doch eine weitgehende 
Garantie, für die Pflegebefohlenen eine einwandfreie Säuglings¬ 
nahrung zu bekommen. 


Referate. 

Erfahrungen über den Verlauf der Tuberkulose int Kindes¬ 
alfer. Von A. Czerny-Berlin. (Arch. f. Kinderheilkunde, 
Bd. 60 u. 61.) 

Bei Kindern mit schwer erregbarem Nervensystem verläuft die 
Tuberkulose im allgemeinen besser als bei den äußerst sensiblen, 
früher als erethisch bezeichneten. Von ausschlaggebender Bedeutung 
erscheint dem Verf. dabei die von der Innervation stark abhängige 
und bei sensiblen Kindern rasch wechselnde Blutverteilung. Daher 
der günstige Einfluß der Bettruhe oder der teilweisen Immobilisie¬ 
rung. Die Sanatoriumsbehandlung wirkt nicht zuletzt durch die 
Entfernung aus dem häuslichen Milieu. Abhängig ist ihr Erfolg 
von der Verhütung akzidentieller Erkrankungen der Luftwege und 
der Möglichkeit, Freiluft- und Sonnenkuren durchzuführen. Die 
Anfälligkeit der Respirationswege ist auf die exsudative Diathese 
zurückzuführen und durch entsprechende Ernährung (Beschränkung 
von Milch und Eiern) günstig zu beeinflussen. Die Erfolge der 
Sonnenkuren sind nicht von denen der Freiluftkuren zu trennen. 
Czerny mißt der letzteren eine größere Bedeutung bei. Setzte er 
tuberkulöse Kinder in einem Glashause intensiver Sonnenwirkung 
aus, so ergab sich kein Unterschied im Verlaufe gegenüber anderen 
Krankenräumen der Klinik, ein solcher trat erst zu Tage, als die 
Kinder der Sonnenwirkung im Freien ausgesetzt wurden. Die starke 
Wärmeabgabe mit den aus ihr folgenden Änderungen der Wärme¬ 
regulierung und Blutverteilung erscheint Czerny als die Ursache 
dieser Wirkung. Ob die Tuberkulose der inneren Organe durch die 
Freiluftkuren ebenso günstig beeinflußt wird wie die Drüsen-, Haut- 
und Knochentuberkulose, ist ihm fraglich. Bei der offenen Lungen¬ 
tuberkulose sah er keinen dauernden Stillstand und keine Ausheilung 
und empfiehlt daher die Behandlung mit künstlichem Pneumothorax. 
Von einer Heilwirkung des Tuberkulins hat er sich nicht überzeugen 
können. Es muß zum Widerspruch herausfordem, wenn er behaup¬ 
tet, in Anstalten, in welchen alle Bedingungen vorhanden sind, den 
Verlauf der Tuberkulose günstig zu beeinflussen, könne die Tuber- 


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200 


kulinwirkung nicht richtig beurteilt werden. Gewiß kann sie das, 
die Tuberkulinbehandlung darf nur erst dann einsetzen, wenn die 
Tuberkulose trotz jener Bedingungen stabil bleibt 

Da die Neigung zur Disseminierung der Tuberkulose um so 
größer ist, je jünger die Kinder sind, denkt Czerny an Beziehungen 
zu dem Wasserreichtum des Körpers, der am größten bei der Er¬ 
nährung mit Milch und Kohlehydraten ist In den Weigert sehen 
Tierversuchen war die Ausbreitung der Tuberkulose besonders schnell 
nach Kohlehydratmast, nach Fettmast dagegen, die ein totes spezi¬ 
fisches Gewicht des Körpers erzeugt, nur eine beschränkte. Czerny 
sucht daher die Ernährung so einzurichten, daß es nicht zu einer 
besonderen Wasseranreicherung der Gewebe kommt Die Kinder 
erhalten nur 2 mal täglich in Malzkaffee minimale Mengen Milch, 
2 mal täglich Fleisch mit Zugabe von Gemüse und Vegetabilien, 
dazu Lebertran. Die Zunahme ist dabei nur gering, die Gewebe 
werden aber straffer, Aussehen und Befinden der Kinder ist aus¬ 
gezeichnet, äußerst selten treten neue tuberkulöse Herde auf, niemals 
eine Meningitis oder Miliartuberkulose. Ein Versuch mit Soletrink¬ 
kuren zeitigte dagegen in relativ kurzer Zeit das Auftreten neuer 
Herde. H o h 1 f e 1 d - Leipzig. 

Die diagnostische Bedeutung der Tüberkulinherdreaktkm 
bei unklaren Httftgelenkserkrankungen. Von Wilhelm 
K epp ler und Fritz Erk es. (Aus der Kgl. Chir. Univ.-Klinik 
Berlin. Direktor: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Bier. — Med. Kl., 
1914, Nr. 28.) 

Die Erkrankungen des Hüftgelenkes, besonders die noch frischen 
Formen, bereiten der Diagnose oft nicht unerhebliche Schwierig¬ 
keiten. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß in den Anfangs¬ 
stadien die klinischen Erscheinungen noch allzu wenig charakte¬ 
ristisch sind, um differentialdiagnostisch einen Ausschlag zu geben. 

Von großer praktischer Bedeutung wäre es, wenn es uns ge¬ 
länge, die wichtigste und besonders im Kindesalter häufigste Form, 
die tuberkulöse Koxitis, von den anderen Formen (Rachitis, Arthri¬ 
tis, infektiöse Koxitis usw.) mit Sicherheit abzugrenzen. Um auf 
diesem Wege weiter zu kommen, haben die Verff. in den letzten 
Jahren bei unklaren Hüftgelenkserkrankungen die Tuberkulinherd¬ 
reaktion zur differentialdiagnostischen Verwertung herangezogen 
und sind dabei in folgender Weise vorgegangen: Die Fälle wurden 
nach abgeschlossener Untersuchung der Hüfte genau auf Herz und 
Lungen geprüft. Solche mit klinisch nachweisbaren Herz- oder 
Lungenerkrankungen wurden von der Tuberkulininjektion ausge¬ 
schlossen. Dann wurden, wenn irgend möglich, zwei Tage lang 
zweistündliche Temperaturmessungen in der Achselhöhle vorge¬ 
nommen. Die Temperaturen wurden notiert Als Temperatur¬ 
maximum wurde 37,5 Grad in axilla, 37,8 Grad bei Mundmessung 
angesehen. Wurden höhere Wärmegrade festgestellt, so wurde zu¬ 
nächst von einer Einspritzung abgesehen und das eventuelle Herunter¬ 
gehen der Temperatur abgewartet. War dies eingetreten, so wurde 
die Pirquet sehe Kutanimpfung mit 25 Proz, Alttuberkulin vor- 


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genommen. Der Erfolg wurde am nächsten Tag kontrolliert Bei 
negativem oder schwach positivem Pirquet wurde nunmehr 
i mg des Koch sehen Alttuberkulins subkutan unter die Bauchhaut 
injiziert Bei stark positivem Pirquet wurde mit a / J0 mg oder 
auch, speziell bei älteren Individuen, mit V10 mg begonnen. Die 
Injektion gelangte natürlich unter aseptischen Kautelen zur Aus¬ 
führung. Die kleine Stichwunde wurde mit einem Pflaster bedeckt. 
Während der weiteren Beobachtung wurde die zweistündliche Tem¬ 
peraturmessung zu denselben Stunden wie vor der Injektion fort¬ 
gesetzt Am anderen Morgen wurde der Effekt der Injektion kon¬ 
trolliert. Trat keine Reaktion auf, so wurde am übernächsten Tag 
3 mg und bei abermaliger Erfolglosigkeit 5 mg injiziert. Betrug 
die Anfangsdosis 'A. oder ß / 10 mg, so wurde in derselben Weise 
1 mg, 3 und 5 mg injiziert. Trat nach einer Injektion ein Tem¬ 
peraturanstieg von mehr als 0,5 auf, so wurde zunächst die Rück¬ 
kehr zur normalen Temperatur abgewartet und dann erst die fol¬ 
gende Injektionsdosis eingespritzt Die nach einer Injektion mög¬ 
lichen Reaktionen sind folgende: 1. Die Stichreaktion, ein 10 Pfennig¬ 
es Markstück großes, rotes Infiltrat am Ort des Einstichs; 2. die 
Allgemeinreaktion, gekennzeichnet durch Fieber, Kopfschmerz, Mattig- 
keits- und Krankheitsgefühl, und 3. die Herdreaktion, charakterisiert 
durch Schmerzen und mehr oder weniger starke Bewegungs¬ 
einschränkung im kranken Hüftgelenk. Nur letztere ist diagnostisch 
beweisend. Verff. sahen bei den tuberkulösen Fällen die Herd¬ 
reaktion meist schon bei 1 mg eintreten. Dieselbe dauerte durch¬ 
schnittlich 1—2 Tage und verlief stets ohne irgend eine Schädigung. 
Von den Fällen ohne Herdreaktion konnte der größte Teil nach¬ 
untersucht werden. Dabei zeigte sich, daß auch zur Zeit der Nach¬ 
untersuchung kein Anhaltspunkt für eine tuberkulöse Erkrankung 
der Hüfte vorlag. Autoreferat. 

Scharlach und subkutane Salvarsaninf ektionen. Von Gell- 
h aus -Rüstringen i. Oldbg. (Ärztl. Rundsch. München, 1914, 
Nr. 27.) 

Von allen Krankheiten, die Leben und Gesundheit der Kinder 
in hohem Grade bedrohen, ist der Scharlach ohne Zweifel an erster 
Stelle zu nennen, sowohl wegen der Gefährlichkeit der Krankheit 
an sich, als besonders wegen der Nachkrankheiten. Dabei ist wegen 
des Dunkels, das bislang den Urgrund dieser Krankheit umgibt, 
die Behandlung noch nicht über symptomatische Maßnahmen hinaus¬ 
gekommen. 

Nach Einführung der Wassermann sehen Reaktion bei Syphilis 
wurde diese Untersuchüngsmethode auch bei mehreren anderen 
Infektionskrankheiten, so auch bei Scharlach, in Anwendung ge¬ 
bracht Diese Nachforschungen ergaben bei Scharlach teilweise ein 
positives Resultat Als dann das Salvarsan veröffentlicht war, lag 
es nahe, dieses auch bei Scharlach zu versuchen. Rumpel, der 
zuerst 1910 drei Fälle mit Salvarsan behandelte, hatte keinen Er¬ 
folg, dagegen sahen Lenzmann, Klemperer, Jochmann und 


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Fischer gute Resultate. Die Anwendungsweise war bei diesen 
Autoren durchweg intravenös. 

Im Gegensätze hierzu wurde das Salvarsan von mir subkutan 
bezw. in einem Falle intramuskulär angewandt und auch in dieser 
vereinfachten Weise gute Resultate erzielt Zu den Injektionen habe 
ich das von Isaak-Berlin angegebene Salvarsanol benutzt Be¬ 
handelt wurden nur vier Fälle, aber bei allen Kranken trat ein so 
charakteristischer Heilungsverlauf ein, daß diese Wirkung nur dem 
Salvarsan zugeschrieben werden konnte. 

Von diesen vier Fällen waren die beiden ersten schwere Er¬ 
krankungen mit schlechter Prognose, die beiden anderen mittel- 
schwere Fälle. 

Zur Verwendung kam im ersten Falle, einem 4jährigen Kinde, 
0,05 g Salvarsanol, beim zweiten, einem Knaben von 11 Jahren, 
0,075 g; der dritte Kranke, 8 Jahre alt, erhielt 0,06 g und der vierte, 
12 Jahre alt, 0,07, dieses intramuskulär. 

Alle vier Fälle begannen 24 Stunden nach der Injektion sich mehr 
oder weniger zu bessern, waren dann nach einem weiteren Tage 
schon soweit hergestellt, daß eine Lebensgefahr nicht mehr befürch¬ 
tet zu werden brauchte, und nach weiteren zwei bis drei Tagen die 
Krankheit als beseitigt angesehen werden, konnte. Entzündung oder 
Schwellung an den Injektionsstellen trat nicht auf. 

Ob nun in allen Fällen eine solch kleine Dosis Salvarsan ge¬ 
nügt, um den Krankheitsstoff bei Scharlach abzutöten, bleibt abzu¬ 
warten. Lenzmann und Klemperer halten höhere Dosen für 
nötig, ersterer auch wiederholte Injektionen. Bei gegebener Indi¬ 
kation steht nach meiner Ansicht nichts im Wege, die subkutanen 
Injektionen des Salvarsanol zu wiederholen, glaube aber, daß es 
kaum erforderlich sein wird, wenn man nur die Geduld hat, die 
Wirkung der ersten Injektion ein oder zwei Tage abzuwarten. 

Weitere Beobachtungen werden in dieser Hinsicht noch mehrere 
nötig sein, um über die Brauchbarkeit des Salvarsanol bei Scharlach 
zu entscheiden. Es wäre mir angenehm, wenn möglichst viele 
Kollegen der Praxis meine Methode nachprüfen wollten. 

Autoreferat 

Untersuchungen Ober die Dauer der Ophthalmoblenor~ 
rhoe des Neugebornen und über die Behandlung 
derselben mit Silbersalzen und mit Vakzine. Von 

Klebanski. (Revue pratique d’obstetrique et de paediatrie, 
April 1914.) 

Auf Grund der Analyse von 116 Fällen von Ophthalmoblenor- 
rhoe des Neugebornen, welche Autor von Juni 1906 bis 1. Januar 
1^13 auf der ophthalmologischen Abteilung des Hospitals Lariboi- 
sifere beobachtete, kommt derselbe zu folgenden Schlußfolgerungen: 

1. Die Dauer der Ophthalmoblenorrhoe des Neugebornen ist 
sehr verschieden (von 8 bis 90 Tagen); im Mittel jedoch von 
35 Tagen; 


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2. Die Dauer der Ophthalmie ist um so kürzer, je früher das 
Kind nach dem Beginne der Ophthalmie ärztlicher Behandlung zu¬ 
geführt wird. 

Die Kinder, welche von der ersten Woche an behandelt werden, 
heilen im Mittel in weniger als 3 Wochen; 

3. Die Behandlung mit einer Losung von Silbernitrat, ver¬ 
bunden mit Instillationen von Argyrol zu */#, ist wirksamer gewesen 
als die Behandlung mit Silbernitrat allein, denn die Kornea-Kom¬ 
plikationen sind nur in 16,5 Proz. statt 25 Proz. in den früheren 
Statistiken aufgetreten; 

4. Die Vakzine von Nicolle und Blaizot hat keinen sehr 

deutlichen Einfluß auf die Entwickelung und die Dauer der Ophthal- 
moblenorrhoe gehabt Mit Ausnahme eines einzigen Falles, wo unter 
dem Einflüsse einer Vakzine - Injektion die Sekretion innerhalb 
8 Tagen zum Stillstand gekommen ist, um einige Tage darauf 
wieder zu erscheinen, hat Autor kein Symptom einer günstigen 
Wirkung wahrnehmen können, sei es, daß die Vakzine allein oder 
in Verbindung mit Instillationen von Silbernitrat oder von Argyrol 
in Anwendung kam. v. la Hausse-Rosenheim. 

über Pertussis. Von Erwin Popper. (Aus der Kinderabteilung 
der Wiener Poliklinik. — Med. Kl., 1914, Nr. 26.) 

Schluß-Sätze: Der Keuchhusten ist eine akute Infektions¬ 
krankheit durch einen spezifischen Erreger hervorgerufen. 

Er dauert gewöhnlich fünf bis sechs Wochen (organisches 
oder infektiöses Stadium), ihm folgt häufig ein auf ganz 
verschiedene Zeit sich erstreckendes Stadium mit typischen Anfällen, 
die durch Suggestion meist zu beseitigen sind (nervöses oder 
psychisches Stadium). Im infektiösen Stadium ließ sich 
wiederholt eine Herabsetzung derTuberkulinempfindlich- 
kei't nachweisen. 

Schon im ersten Stadium sind die Patienten in einem ge¬ 
wissen, jedoch ziemlich geringen Grade suggestiv im Sinne 
einer Besserung beeinflußbar, im zweiten Stadium heilt eine 
suggestive Behandlung, am besten der faradische Strom, nahezu 
immer vollständig. 

Es ist daher auf die psychische Behandlung des 
Keuchhustenkranken ein besonderes Gewicht zu legen. 
Als bestes symptomatisches Mittel im ersten Stadium 
hat sich das Papaverin bewährt Autoreferat 

über die Frauenmilch der ersten Laktattonszeit und den 
Einfluß einer Kalk- und Phosphorsflurezulage auf 
ihre Zusammensetzung. Von F. Zuckmayer-Elberfeld. 
(Arch. f. d. ges. Physiologie, 1914, Bd. 158.) 

Der Autor stellte seine Versuche, den Kalkgehalt der Frauen¬ 
milch durch Verabreichung von Tricalcol zu heben, an dem Material 
der Hebammen-Lehranstalt Elberfeld an. Ein Teil der Frauen 
erhielt das Tricalcol erst nach der Entbindung und ein anderer Teil 
schon während der letzten zwei Monate der Gravidität Bei den 


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204 


Milchproben von 26 Frauen aus der ersten Dekade der Laktations¬ 
zeit — unter Ausschluß der ersten Laktationstage — zeigten sich 
große individuelle Schwankungen im Kalk- und Phosphorsäurege¬ 
halte, die sich durch Tricalcol weder nach der Niederkunft noch 
während der letzten zwei Monate der Gravidität ausgleichen lassen. 
Dagegen läßt sich eine Wirkung des Tricalcols, wenn es schon 
während der Schwangerschaft gegeben wurde, im Vergleich mit den 
Fällen, in denen es erst nach der Entbindung zugelegt wurde, auf 
den Kalkgehalt der Milch nicht verkennen. Sowohl der Durch¬ 
schnittswert für Kalk steigt um etwa 10 Proz., als auch die Zahl 
der Fälle, die eine Milch mit einem höheren Kalkgehalt als 0,4 g 
pro Kilogramm liefern, wächst um etwa 72 Proz. Die Werte für 
P2 05, N und Gesamtasche wurden im gleichen Sinne um etwas 
verschoben. 

Möglicherweise gelingt es durch Verabreichung einer Kalkzu¬ 
lage, schon im Anfänge der Gravidität individuelle Schwankungen 
im Aschegehalt der Milch zu beheben, jedoch bedarf es hierzu noch 
weiterer Versuche. 

Uber die Ursachen, welche die Frauen am Stillen hindern. 

Von F. Der esse. (Revue pratique d’obstetrique et de pae- 
diatrie, März 1914.) 

Autor sammelte 100 Fälle von Frauen, die aus irgend einem 
Grunde ihre Kinder nicht stillten und kam dadurch zu folgenden 
Schlußfolgerungen: 

1. Nur ein Drittel der Mütter hat ihre Kinder von 6 — 8 Mo¬ 
naten gestillt. 

2. Unter den Frauen, die nicht stillen, unterlassen es 80 Proz. 
aus sozialen Gründen, 20 Proz. aus physischen oder medizinischen 
Gründen. 

3. Der Prophylaxis und der Behandlung dieser physischen oder 
medizinischen Gründe kann es gelingen, die Fälle von Verhinderung 
des Stillens um die Hälfte zu verringern. 

4. Die sozialen Ursachen des Nichtstillens sind teilweise durch 
die Unwissenheit und zumeist durch die Notwendigkeit der Arbeit 
bedingt. 

5. Man muß die Frau über die Gefahren, welche ihre Trennung 
von ihrem Kinde mit sich bringen, unterrichten. 

6. Man muß der durch die Arbeit bedingten Notwendigkeit 
entgegensteuern, indem man für Verbreitung der industriellen Säug¬ 
lingsheime sorgt und den Beistand durch die Arbeit oder durch die 
obligatorische Versicherung verallgemeinert 

v. la Hausse-Rosenheim. 

Uber die Wirkung des Odda K auf den kindlichen Organis¬ 
mus* Eine Stoffwechseluntersuchung von Dr. Erich Gast 
Aus der I. inneren Abteilung [Prof. Kuttner] und dem 
chemischen Institut [Prof. Lob] des Rudolf-Virchow-Kranken- 
hauses zu Berlin.) Med. Kl., 1914. Nr. 28. 

Verf. nahm zwecks Prüfung des v. Mering in die Kinderer¬ 
nährung eingeführten Odda K an einem gesunden Säugling einen 


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SÖ$ 

Stoffwechsel versuch vor, wobei er den Stickstoff-, Fett- uiid besonders 
den Phosphorstoffwechsel bei reiner Odda-Nahrung im Vergleich zu 
einer Vollmilchnahrung untersuchte. Es ergab sich neben einer 
guten Stickstoff- und Fettassimilation ein wesentlich günstigerer 
Phosphorstoffwechsel in der Odda-Periode als in den Milchperioden. 
Während die P a 0 6 -Bilanz in der Milch - Vor- und Nachperiode 
negativ war, wurde in der 5tägigen Odda-Periode 2,11 g P a 0 6 an¬ 
gesetzt und das Odda-Lezithin 4 mal besser ausgenutzt als das Kuh¬ 
milchlezithin. Verf. verspricht sich daher von dem bisher fast nur 
bei Ernährungsstörungen und als Zulage bei Unterernährung ge¬ 
gebenen Odda K auch in der Therapie der Rachitis Erfolge, wofür 
auch einige praktische Erfahrungen von ihm zu sprechen scheinen, 
und fordert zur praktischen Nachprüfung von Odda K bei Rachitis 
(etwa als Zulage zur Milch je nach dem Alter 50—80 pro die) aut 

Autoreferat. 


Bücherbesprechungen. 

30 Jahre augenärztlicher Praxis 1882 —1912. VII. Bericht 
über die Jahre 1903—1912 nebst 3ojährigem Gesamtbericht 
1882—1912 der Augenklinik San.-Rat Dr. Gustav Sch wabe- 
Leipzig. 8 °, 55 S. m. 1 färb. Taf. u. Abb. im Text. Leipzig 
1913. Poeschel & Trepte. 

Der Bericht enthält zunächst statistische Mitteilungen. Größeren 
Wert besitzen die nun folgenden „besonderen Behandlungs- und 
Operationsmethoden“ des Verf.’s. Eingehenderes Interesse werden die 
Mitteilungen über die ambulante Behandlung bei Augenerkrankungen 
und Augenoperationen erregen, so z. B. bei Blennorrhoe, Hornhaut- 
und Regenbogenhautentzündungen, selbst Netzhautablösungen und 
Blutungen, akutes Glaukom usw. Von Operationen werden Schiei¬ 
operationen, optische und Glaukomiridektomien, Staroperationen und 
Enukleationen meist ambulant ausgeführt. Große Erfolge rühmt 
Verf. seiner kombinierten Kanthoplastik (kombinierte Lidspalten¬ 
erweiterung) bei skrofulösen und trachomatösen Hornhauterkran¬ 
kungen nach. Schon seit 30 Jahren ersetzt Verfasser die 
Herausnahme des Tränensackes bei Eiterung durch Spaltung 
des Sackes von oben nach Schlitzung der beiden Tränenröhrchen 
und folgenden Chlorzinkverätzung. Weiter folgen: „partielle Spal¬ 
tung der Kornea bei kleinem Ulkus serpens“; „die reizmildemde 
Wirkung der Atropinisierung des gesunden Auges bei schwerer ein¬ 
seitiger Iritis“; „Zystizerkus zellulosae subkonjunktivalis“: also! eine 
reiche Fülle praktischer Erfahrung und Beobachtung aus dem 
stattlichen Material von 203339 Patienten. Hendel-Pirna. 

Lehrbuch der Tracheo-Bronchoskopie (Technik und 
Klinik.) Von San.-Rat Dr. M. Mann, dirig. Arzt der Ab¬ 
teilung für Ohren-, Nasen- und Halskranke am Stadtkranken¬ 
haus Dresden-Friedrichstadt. Lex. 8°, 208 S. mit 50 Abb. 
u. 5 schwarzen Tafeln im Text, 10 farbigen Tafeln im An¬ 
fang. Würzburg 1914. Verlag von Curt Kabitzsch. Preis 
brosch. 10,50, geb. 13,50 Mk. 

Das Buch ist eingeteilt in 3 Abschnitte: 1. Die Technik. 2. Die 


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206 

Klinik der Tracheo-Bronchoskopie und 3. Tafeln mit pathologisch¬ 
anatomischen Befunden und bronchoskopischen Bildern. Die Technik 
macht uns nach kurzen anatomischen Vorbemerkungen bekannt mit 
der allmählichen geschichtlichen Entwicklung der Tracheo-Broncho¬ 
skopie und des dazu verwandten Instrumentariums der verschiedenen 
Autoren. Eine große Anzahl Abbildungen dient hier zur Erläuterung. 
Bei der Besprechung der praktischen Ausübung der Tracheo-Broncho¬ 
skopie ist es die Absicht des Verf. sie in einer Form zu geben, die 
unter Umständen auch dem Neuling ermöglichen soll, das Verfahren 
zu erlernen. Gerade hier fühlt man den großen Wert der eigenen 
reichen praktischen Erfahrung des Verf. ohne weiteres heraus. 

Welch großes diagnostisches Feld sich die Tracheo-Bronchoskopie 
bereits erobert hat, das zeigt uns aufs deutlichste der 2. Teil „Die 
Klinik“ mit seiner außerordentlich reichen Anzahl Von kurz skizzierten 
Krankengeschichten. 

Ganz abgesehen von den bereits in die Tausende gehenden Er¬ 
folgen von Fremdkörperextraktionen — eine große Anzahl dieser ist 
kurz geschildert — lernen wir die Verwendung der Tracheo-Broncho¬ 
skopie auch bei Erkrankungen des Tracheobronchialbaumes selbst 
kennen, seien sie allgemeiner oder umschriebener Art — Tumoren 
— oder auch bedingt durch Erkrankungen der Umgebung, z. B. 
Kropf, Wirbelabszeß, Aneurysmen, Drüsenerkrankungen usw. 

Aus dem Buch spricht nicht nur ein außerordentlicher Fleiß 
und eine gründliche Durcharbeitung, sondern auch eine gewisse Be¬ 
geisterung des Verf. für diesen Sonderzweig der Medizin. Wer sich 
auf diesem „Neuland der Diagnostik“ und wie ich hinzufügen möchte 
auch Neuland der Therapie bereits betätigt oder die Betätigung 
noch erlernen und betreiben möchte, wird dieses Lehrbuch nicht gut 
entbehren können. H e n d e 1 -Pima. 

Der psychologische Ursprung des Stotterns. Von Nerven¬ 
arzt Dr. Oskar Aronsohn in Berlin, gr. 8°, 24 S. (Sammlung 
zwangloser Abhandlungen auf dem Gebiete der Nerven- und 
Geisteskrankheiten. Bd. XI., H. 1.) Halle 1914. Verlag von 
Carl Marhold. Preis des Einzelheftes 1,— Mk. 

Die KußmauPsche Spasmen-Theorie über das Stottern hält 
Verf. nicht für richtig. Nach der Überzeugung Aronsohns ist 
der Ursprung der gewöhnlichen Stotterfälle darin zu suchen, daß 
Kinder mit starkem Eigenwillen aus erzieherischen Gründen dazu 
angehalten werden, in jedem Fremden einen Menschen zu sehen, 
der sie scharf beobachtet Beim Eintritt in die Schule ist es der 
Lehrer, der besonders gefürchtet wird. Die Stotterer leiden unter 
denselben Erscheinungen wie die krankhaften Erröter. Stottern ist 
häufig mit Hysterie zusammen vereinigt, und beide Leiden haben 
dieselbe Wurzel. Die psychische Therapie ist deshalb bei den 
Stotterern die Hauptsache. Das Stottern ist ursprünglich nur an 
den Anfang des Sprechens geknüpft und ist hier am beträchtlichsten, 
die Stotter-Erscheinungen zu Anfang des Sprechens sind deshalb als 
primär, die übrigen als sekundär zu bezeichnen. Hanssen-KieL 


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207 

Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Uber das spätere Schicksal meiner mit Salvarsan 
behandelten Luesfälle im Kindesalter. Von J. v. Bökay- 
Budapest 

Bericht über acht Fälle von Lues kongenita, zwei von Lues 
äquisita. Je zwei Fälle von beiden werden als geheilt angesehen. 
Gesamtmenge des intraglutäal injizierten Salvarsans 0,12; 0,054; 
0,32; 02 g. Wassermann negativ nach 15, 13, 29, 16 Monaten. Gute 
Entwickelung, keinerlei manifeste Erscheinungen. Beobachtungs¬ 
dauer 24—2<) Monate. Sechs Kinder bekamen nach 3 l /*—n 1 /* Mo¬ 
naten Rezidive, B. übt daher jetzt eine kombinierte Behandlung mit 
Quecksilber. Sieht man aber aus seinen Angaben, daß vier von 
diesen Kind ern nur 1x0,03—0,06, die beiden anderen 2x0,04—0,05 
Salvarsan erhielten, so muß man sich fragen, ob diese Dosen aus¬ 
reichend waren. Von der intramuskulären Anwendung, die B. geübt 
hat, ist wegen der Nekrosenbildung abzuraten. 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 60 u. 61.) Hohlfeld-Leipzig. 

ZurPrognose derSäuglingstuberkulöse. VonTugend- 
r eich-Berlin. 

Von zehn Kindern, die im ersten Lebensjahre einen positiven 
Pirquet gaben, starben fünf im ersten, zwei im zweiten, je ein im 
dritten und vierten Lebensjahre. Das überlebende Kind stand bei 
der Herausgabe der Arbeit im vierten Jahre. Die im ersten Jahr 
verstorbenen gingen an der Tuberkulose zugrunde, die anderen an 
interkurrenten Krankheiten. Bei einem der letzteren fand sich bei 
der Sektion kein tuberkulöser Herd. Hohlfeld-Leipzig. 

(Arch. f. Kdhlkde., Bd. 60 u. 61.) 

Das Stillen. Von Eleonor C. Jones. 

Betont den wesentlichen Nutzen für das Kind und widmet sich 
der Frage, wie die Stillfähigkeit gefördert werden kann. 

Die Lage des Magens bei Kindern. Von James Warren 
Sever. 

Verf. untersuchte mit Hilfe von Wismut und Röntgenstrahlen 
eine große Anzahl Kinder verschiedener Lebensalter und gibt in 
Übereinstimmung mit seinen Untersuchungen die Resultate über 
Größe und anatomische Stellung des Magens der Kinder. Die Lage 
und Größe, auch Form des Magens zeigte die mannigfachsten Ver¬ 
schiedenheiten. Cordes -Dresden. 

(Arch. of pediatr., Bd. XXXI, Nr. 1.) 


Kleine Mitteilungen. 

Das Deutsche Zentral-Komitee zur Bekämpfung der 
Tuberkulose erläßt folgenden Aufruf: 

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben dem Präsidium 
des Deutschen Zentral-Komitees zur Bekämpfung der Tuberkulose 


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208 


Allerhöchst ihre lebhafte Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß die 
unter Aufwendung großer Mittel erreichten glänzenden Erfolge in 
der Bekämpfung der Tuberkulose durch den uns aufgezwungenen 
Krieg in Frage gestellt werden könnten. Selbstverständlich erfordert 
die augenblickliche Not des Vaterlandes, daß alle verfügbaren Kräfte 
und Mittel zuerst dafür eingesetzt werden, um den Sieg zu erringen 
und für die Opfer des Kampfes, unsere verwundeten und kranken 
Krieger, zu sorgen. Dadurch werden nicht nur die größten An¬ 
forderungen an die öffentliche Wohltätigkeit gestellt, sondern es 
werden auch eine große Anzahl derjenigen Personen, die sich in 
Friedenszeiten der Tuberkulosebekämpfung widmeten, dieser Tätig¬ 
keit entzogen. Schon haben zahlreiche Lungenheilstätten geschlossen 
werden müssen und viele Auskunfts- und Fürsorgestellen für Lungen¬ 
kranke ihre vorbeugende Tätigkeit eingestellt. Damit erhebt sich 
die Gefahr, daß der Kampf gegen die Tuberkulose, den gefährlichsten 
Feind des Volkes, erlahmen könnte. Aber noch weit Schlimmeres 
ist zu befürchten. Durch die vorzeitige Entlassung von Kranken mit offe¬ 
ner Tuberkulose wird diese im Volke verbreitet Durch die Schließung 
der Auskunfts- und Fürsorgestellen wird den Kranken Hilfe und 
Beratung entzogen und der Ansteckung der gesunden Familienmit¬ 
glieder durch die Kranken Tür und Tor geöffnet. Es sollte aber 
gerade während der Kriegszeiten alles geschehen, um zu verhüten, 
daß diese^ Würgeengel von neuem sein Haupt erhebe; denn sonst 
droht unseren aus dem Kriege heimkehrenden Volksgenossen in der 
Heimat, am eigenen Herd, eine neue, viel schlimmere Gefahr, als 
der Krieg gegen den äußeren Feind. 

Es ergeht deshalb der Aufruf an alle diejenigen Stellen, die 
sich bis jetzt mit der Tuberkulosebekämpfung beschäftigt haben, 
diese Tätigkeit auch während des Krieges fortzusetzen und mit allen 
Kräften dafür zu sorgen, daß der Gefahr einer erneuten Ausbreitung 
der Tuberkulose in unserem Volke wirksam begegnet werde. Die 
Tuberkulosefürsorge darf keine Unterbrechung erfahren; wer immer, 
sei es beruflich, sei es ehrenamtlich, in der Fürsorge für die Tuber¬ 
kulösen tätig gewesen ist, möge auf seinem Posten verharren, und 
mögen sich, wo Lücken in den Reihen der Tuberkulosekämpfer 
entstanden sind, recht bald freiwillige Helfer und Helferinnen finden, 
die bereit sind, an diesem edlen Werke für die Volksgesundheit 
mitzuarbeiten. 

Das Deutsche Zentral-Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose 
wird nach dem Wunsche Ihrer Majestät der Kaiserin in unveränderter 
Weise bemüht sein, die Tuberkulosearbeit zu fördern und auch 
während des Krieges Rat und Hilfe in allen auf die Tuberkulose¬ 
bekämpfung bezüglichen Angelegenheiten zu gewähren. 

Berlin, den 15. August 1914. 

Das Präsidium des Deutschen Zentral-Komitees 
zur Bekämpfung der Tuberkulose. 

Delbrück, Dr. Helm, 

Vorsitzender. Generalsekretär. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für JCindeMMe 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenbergor m Worms. 


Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganxe 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband ffir Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 


XXV. Jahrg. Oktober 1914. No. 10. (298.) 


INHALT: Originalien: Armbrusfer, Bedeutung des Labfermentes 
für die ßmährung des Säuglings. 209. — Referate: Fried|ung, Diagnostik 
und Theorie der hereditären Syphilis. 212. — Hutinel, Prognose der tracheo- 
bronchialen Adenopathie. 213. — Rebouillet, Varizellen des Neugeborenen. 
215. — Tobias, Rezidivierende Nabelkoliken der Kinder. 216. — Varlol u. 
Lavtalle, Mit Erbrechen verbundene infantile Dyspepsien. 216. — Weih, Tri- 
calcolrailch beim kranken Säugling. 217. — Slftler, Bedeutung des Kalzium 
für die pädiatrische Praxis. 218. — Cozzolino, Stillen bei Muttertuberkulose. 
218. — Fröschet, Wesen des Stotterns. 219. — Hans, Operationstechnik der 
Hasenscharte. 219. — Jollat, Chronische eitrige Mittelohrentzündung. 220. — 
Bücherbesprechungen: Weygandf, Soziale Lage und gesunde Nerven. 
220. — Kordts, Jugendpflege und freies Volksbildungswesen. 221. - Schul¬ 
kinderspeisung. 221. — Organotherapeutisches Kompendium. 222. <— Kurp|u- 
well, Kaiser-Wilhelm-Kinderheim. 222.— Kurze Notizen aus der Praxis 
und Wissenschaft. 222. — Kleine Mitteilungen. 224. 


Originalien. 

Bedeutung des Labfermentes für die Ernährung 
des Säuglings. 

Von Dr. Armbruster in Schweinheim. 

Der Magen ist für ein langes Verweilen der Speisen eingerichtet. 
Dafür spricht: i. Seine sackförmige Bildung; 2. die ungleiche An¬ 
ordnung seiner Längsmuskulatur; ß. seine normalen umgekehrten 
Wellen; 4. die Pylorusklappe; 5. die allmähliche Herabsetzung der 
Chymustemperatur während der Magenverdauung, was ähnlich wie 
kaltes Wasser die Pylorusklappe öffnet; 6. die Gerinnung der Milch 
durch das Labferment 

Der Magensaft bringt bekanntlich, gleichgiltig ob sauer oder 
neutralisiert, Milch zur Koagulation; das gefällte Kasein wird dann 
wie jeder Eiweißkörper verdaut und peptonisiert. Die fällende Sub¬ 
stanz ist ein besonderes Ferment, das Labferment Auch der Bauch¬ 
speichel hat ein solches Labferment, durch das Milch koaguliert 
wird; die Lieberkühnaschen Drüsen produzieren es wohl. 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 14 


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Wenn die Bedeutung des Labfermentes für die Ernährung des 
Säuglings entsprechend beleuchtet werden soll, so muß zuerst die 
Milch ins Auge gefaßt werden. Die im Laufe der Stillungsperiode 
qualitativ verschiedene Frauenmilch hat durchschnittlich 87,41 Proz. 
Wasser, 2,29 Eiweiß, 3,78 Fett, 6,21 Milchzucker, 0,31 Asche. Sie 
besitzt also alle drei wesentlichen Baustoffe des Körpers und regt 
damit auch jede Art voh Verdauungssäften bei ausschließlicher 
Stillung entsprechend an, so daß bei anderweitiger Nahrung keine 
heue Drüsentätigkeit anzuheben braucht Das macht die Natur in 
vorsorglicher Weise allenthalben so, wo immer es ihr zweckmäßig 
erscheint Obwohl der Fötus im Mutterleib keine Speisen per os 
zu sich nimmt, so ist der Verdauungstraktus trotzdem nicht untätig, 
wie das Mekonium beweist. Nierensekretion ist allerdings embryonal 
keine vorhanden; dafür ist aber die Niere durch ihre Lappung im 
uterinen Leben anders gestaltet und der Blutdruck durch die beiden 
Arteriae umbilikales in der Nierengegend herabgesetzt. 

Auch ist für die Bedeutung des Labfermentes die Magenresorp¬ 
tion in Betracht zu ziehen. Warme Flüssigkeiten werden vom Magen 
unschwer resorpiert; kaltes Wasser öffnet dagegen rasch die Pylorus- 
klappe und stürzt in den Darm. Milch kann eigentlich bei ihren 
prozentual zahlreichen anderweitigen Bestandteilen nicht als Flüssig¬ 
keit angesehen werden. Sie enthält viel Wasser; aber gerade dieses 
Wasser ist nötig für die Ergänzung der Körperflüssigkeit in Blut- 
und Lymphbahnen. Warm ist sie ebenfalls; aber auch die durch 
die Körperwärme der Mutter hervorgerufene erhöhte Temperatur 
der Frauenmilch ist für die Säuglingsernährung von hoher Wich¬ 
tigkeit 

Auf Grund dieser Ausführungen kann leicht die Bedeutung des 
Labfermentes erkannt werden. Es koaguliert die Milch im Magen 
und sondert ihre festen Bestandteile vom Wasser. Dadurch sind die 
Sekrete des Magendarmkanals weniger beim Säugling zur Untätig¬ 
keit gezwungen, als wenn er neben Muttermilch noch das Bedürfnis 
für Trinkwasser hätte, das entsprechend die Muttermilch für bessere 
Resorption etwa verdünnen würde. Bei manchen Darmkrankheiten 
wie bei wasserentziehenden Diarrhöen kommt sicher beim Säugling 
die erhöhte Magenresorption für warme Flüssigkeiten nach Koagu¬ 
lierung der Milch in Betracht und schützt ihn dadurch vor Ver¬ 
dursten. Hier wird dann das von der Milch gesonderte noch warme 
Wasser um so rascher je nach Bedürfnis durch den infantilen Magen 
resorbiert, bevor ihm bei längerem Verweilen in diesem Organe 
gleich dem Chymus Wärme entzogen wird. Daß der Bauchspeichel 
ebenfalls das Labferment produziert, ist ein Beweis, wie sehr Mutter 
Natur den Menschen mit Reservekräften ausgestattet hat Das sieht 
man überall, zumeist am lebensregen Herz mit seiner Disposition 
für Hypertrophie. 

Diese Reservekraft des Bauchspeichels mit seinem Labferment 
kann immerhin bei manchen Magenverstimmungen von Vorteil sein. 
Zwar hat die Natur dafür gesorgt, daß auch bei Magenkatarrh der 
Kleinen das Labferment wirksam ist; ob aber seine Intensität im 
Magen nicht dabei bisweilen herabgesetzt wird, sei dahingestellt 


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Für solche Fälle gewänne dann das Labferment des Bauchspeichels 
erhöhte Bedeutung, die ihm allerdings auch in gesunden Tagen 
schon zukommt Die Baustoffe, welche die Milch dem Körper ge¬ 
währt, werden durch ihre erhöhte Gerinnung im Darmkanal um so 
besser für Resorption ausgenützt 

Bekanntlich wird die in den ersten Tagen nach der Geburt ab¬ 
gesonderte Milch Kolostrum oder Biesmilch genannt Sie zeichnet 
sich durch größere Konzentration, durch stärkeren Eiweißgehalt und 
die Anwesenheit runder, blasser, kontraktiler, zum Teil mit Fett¬ 
tröpfchen erfüllter Zellen, sogenannter Kolostrumkörperchen, neben 
den Milchkügelchen aus, wie Hermann ausführt Die verschiedene 
Beschaffenheit rührt sicher daher, daß die Mutter seither keine Milch 
produzierte. Aber auch der Säugling ist ebenfalls sicher für diese 
Art von Muttermilch in seinen lebensschwachen ersten Tagen vor¬ 
gebildet Das Kolostrum charakterisiert sich vor allem dadurch, .daß 
es wässeriger als die eigentliche Muttermilch ist, wie Schröder 
richtig erkannt hat Dadurch wird das Labferment ganz allmählich 
zur Entfaltung gebracht. Würde es sofort stark zur vollen Geltung 
kommen, so könnten analoge Erscheinungen entstehen, wie sie bei 
Ikterum neonatorum infolge der geringen embryonalen Tätigkeit 
der Leber, wozu auch der Duktus venosus Arantii und ihre Kom¬ 
pression infolge der gekrümmten Lage des Fötus mithelfen, zutage 
treten, und es gäbe dann durch das Labferment infolge zu starker 
Koagulierung wohl pathologische Magenaffektionen, wie dies später 
beim säuern Auf stoßen teilweise ausgeführt wird. 

Man kann behaupten, daß das Labferment die Trinklust der 
Säuglinge steigert. Manche Neugeborene scheuen sich anfangs vor 
der Mutterbrust, und diese Scheu wird durch gesteigerten Appetit 
rasch vermindert Erwachsene behaupten bei Hunger, sie hätten 
einen leeren Magen. Einen solchen leeren Magen verursacht das 
Labferment bei Säuglingen, wenn es nicht in kurzen Zeiträumen zur 
neuen Tätigkeit angeregt wird. Deshalb geben auch die stillenden 
Mütter ihrem Kinde alle zwei Stunden zumeist Nahrung, so lange 
etwa, als das Verweilen des Chymus im Magen stattfindet; sonst 
ruhe das Kind nicht, wie der vulgäre Ausdruck mit Recht heißt 

Ein in Süddeutschland verbreiteter Spruch behauptet: „Brech¬ 
kinder sind Gedeihkinder. u Die Tatsache läßt sich bei sonst ge¬ 
sunden Kindern nicht leugnen. In solchen Fällen ist einmal noch 
der Magen weniger ausgebuchtet und stellt eine longitudinale Darm¬ 
erweiterung dar, ferner in geringerem Grade quergestellt und der 
Fundus kleiner.. Deshalb ist eine lebhaftere peristaltische Durch¬ 
knetung der Speisen und Durchtränkung mit Magensaft vorhanden, 
was die Resorption in hohem Grade fördert. Auch das Labferment 
trägt wesentlich zu dem Gedeihen eines solchen Brechkindes bei. 

Selbst bei Erwachsenen ist es äußerst wirksam. Man behauptet 
vielfach, Milch dürfe nicht für sich allein getrunken werden, ohne 
daß man z. B. Brot dazu esse; sie würde sonst sofort einen Klumpen 
im Magen bilden. Richtig ist, daß Brot die gleichförmig geronnene 
Milch als Chymus breiartig im Magen durchsetzt, die Fortbewegung 
erleichtert und saueres Aufstoßen, was durch reinen Milchgenuß zum 


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Vorschein kommen kann, hintanhält; Auch beim Neugeborenen 
kann solches Aufstoßen nebst Erbrechen unschwer auftreten, was 
aus dem säuern Mundgeruch leicht diagnostiziert zu werden vermag, 
und wogegen vor allem Natrium bikarbonikum mit Erfolg gereicht 
wird. Allerdings darf ein starker, vor allem zu langer Gebrauch 
von doppelt kohlensaurem Natron beim Säugling nicht verordnet 
werden. Selbst Erwachsene sollen dieses Mittel kurz vor oder nach 
der Mahlzeit wegen eintretender Verdauungsstörung nicht einnehmen. 

Fassen wir auf Grund dieser Ausführungen die Bedeutung des 
Labfermentes zusammen, so ergeben sich folgende Punkte: 

A. In gesunden Tagen. 

i. Es vermittelt dem Körper des Säuglings die nötige Flüssig¬ 
keit, indem es das Wasser von den festen Bestandteilen der Milch 
sondert. 

• 2. Es gewährt eine bessere Ausnützung der Baustoffe des koa¬ 
gulierten Chymus. 

3. Es vermeidet Inaktivität der Verdauungsdrüsen, was bei 
Nahrungswechsel für Säuglinge von hoher Wichtigkeit ist 

4. Es regt den Appetit der Säuglinge an. 

B. In kranken Tagen. 

1. Es gewährt dem infantilen Körper bei wasserentziehenden 
Darmkatarrhen rasch erneute Flüssigkeit durch Magenresorption. 

2. Es kann bei entsprechenden Magenaffektionen bei seiner un¬ 
abhängigen Wirkung vom Magensaft vor Hungertod bewahren. 

3. Es vermeidet infantile Magenatonie, wie sie vermöge der 
angeführten ungleichen Anordnung seiner Längsmuskulatur ent¬ 
stehen kann. 

Diese Neigung zur kindlichen Magenatonie zeigt sich am besten 
bei Magenparese infolge chirurgischer Operationen, wo der infantile 
Magen namentlich zu Lähmung mit hochgradigem Meteorismus neigt 
Man kann ätiologisch für Magen- und Darmparesen infolge Lapa- 
ratomien auch bei Erwachsenen folgende Ansichten haben: Sie 
können 1. durch Infektion erzeugt werden, 2. durch sympathische 
Nervenatrophie infolge selbst anderweitiger Nervendurchschneidung 
auftreten, was überhaupt sehr selten vorzukommen scheint, 3. durch 
Temperaturunterschiede veranlaßt werden, 4. gewissermaßen durch 
chirurgische Insulte entstehen, 5. durch Gefäßunterbindung hervor¬ 
gerufen werden. Der letztere Punkt ist genetisch am ehesten denk¬ 
bar, zumal da eine Thrombosierung der Arteria oder Vena mesen- 
terika ebenfalls Darmlähmung unter Aufhebung der Peristaltik er¬ 
zeugt. Es sind hier analoge Vorgänge wie beim Stenon’schen 
Versuch vorhanden. 


Referate. 

Fortschritte ln der klinischen Diagnostik (Physiognomik) 
und Theorie der hereditären Syphilis. Von Josef K. 
Friedjung. (Aus dem i. öffentl. Kinder-Krankeninstitut in 
Wien. — Med. Klinik, 1914, Nr. 32.) 

Mit den großen Fortschritten, die die letzten Jahre der Syphilis¬ 
forschung im allgemeinen gebracht haben, fällt zeitlich zusammen 


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213 


eine wesentliche Erweiterung unseres Könnens auf dem Gebiete der 
klinischen Diagnostik der hereditären Syphilis. Hochsinger 
namentlich und seine Schule war es, deren Arbeiten das geleistet 
haben. Friedjung, der an ihnen teilnahm, wendete sich insbeson¬ 
dere der Physiognomik des Erbsyphilitikers zu, die etwas ebenso 
Charakteristisches hat, wie die von ihm geschilderte der jugendlichen 
Tuberkulösen. Er kann vorläufig drei Haupttypen formulieren: 
i. Säuglinge des ersten Halbjahres, 2. Kinder von etwa 9 Monaten 
bis 2 Jahren, 3. solche vom 8. Jahre ungefähr aufwärts. Die Schil¬ 
derung des charakteristischen Äußeren dieser Typen, das eine ge¬ 
wisse „Familienähnlichkeit“ zur Folge hat, ist im Originale zu lesen. 
Die Ergebnisse der von Gold reich durchgeführten Wassermann- 
Proben rechtfertigen Friedjung’s Formulierungen in vollem Maße. 
Luesverdächtig scheinen ihm auch gewisse Fälle von atrophischen 
Brustkindern. 

Im weiteren Verlaufe seines Vortrages nimmt Fr. Stellung zu 
den immer noch nicht völlig geklärten Fragen der Syphilisvererbung. 
Im Anschluß an Matzenauer und Rietschel schildert er, wie 
die Ergebnisse der neueren Forschung immer dahin weisen, daß die 
Erbsyphilis jedesmal von der selbstsyphilitischen Mutter auf das 
Kind übertragen wird. Dennoch bleibt noch eine Reihe klinischer 
Erfahrungen übrig, die die Annahme der rein paternen Syphilis¬ 
übertragung zu rechtfertigen scheinen. Autoreferat 

Prognose der tracheo-bronchialen Adenopathie. Von La 

Hutinel. (La pathologie infantile, April 1914.) 

Nach dem Autor ist die tracheo-bronchiale Adenopathie hin¬ 
sichtlich der Prognose wohl die wichtigste Affektion des Kindesalters. 

Hat ein Kind Ganglien im Mediastinum, so handelt es sich fast 
immer um tuberkulöse Ganglien, und doch gibt es eine große An¬ 
zahl von Kindern, die, obwohl sie tracheo-bronchiale Adenopathie 
aufweisen, kräftige junge Leute werden und von Phthisis nicht be¬ 
fallen werden. 

Autor studiert alsdann die Bedingungen, welche die Prognose 
der tracheo-bronchialen Adenopathie modifizieren, welche die Ent¬ 
wickelung dieser Ganglien zu einer gutartigen oder bösartigen machen. 

Volumen. Das Volumen der Adenopathie muß bei der Pro¬ 
gnose in Betracht gezogen werden, doch bedingt sie nicht allein die¬ 
selbe, denn man sieht einerseits große Ganglien, die in ihrer Ent¬ 
wickelung stehen bleiben und sich zurückbilden, andererseits bilden 
ganz kleine Ganglien oft den Ausgangspunkt für eine disseminierte 
und tötliche Tuberkulose. 

Alter. Im allgemeinen ist die Krankheit um so gefährlicher, 
je jünger das Individuum ist, besonders ist dies im ersten Lebens¬ 
jahre der Fall, in welchem 8 / 4 der Kinder sterben. Im zweiten 
Lebensjahre ist die Prognose vielleicht etwas günstiger. Indes erst 
vom 3. bis 8. Lebensjahre bessert sich die Prognose merklich, wenn¬ 
gleich sie noch immer ungünstig ist. Nach dem 8. Lebensjahre, 
wenn die Kinder in günstigen Verhältnissen sich befinden, besteht 
Aussicht, daß die ganglionäre Tuberkulose lokalisiert bleibt Doch 


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214 


kann dieselbe durch eine interkurrente Krankheit, wie Masern, 
Keuchhusten usw., modifiziert werden. Im allgemeinen findet man 
bei den Mädchen zwischen 14 und 15 Jahren nach Eintritt der 
Pubertät und bei den Knaben zwischen 18 und 20 Jahren eine 
Zunahme. 

Lungen Veränderungen. Nach Parrot geht einer jeden 
tuberkulösen Adenopathie im Mediastinum eine Veränderung der 
Lunge voraus. Dieser initiale Lungenherd ist fast immer in 90 Proz. 
der Fälle vorhanden, doch hat dieser sogenannte tuberkulöse 
Schanker keinen prognostischen Wert, da er nach Infektion der 
Ganglien meist verkalkt und verheilt. 

Die erste Phase der infantilen Tuberkulose ist daher eine 
ganglionäre Phase. Die Krankheit kann im Ganglion lokali¬ 
siert bleiben und hier verkalken. In anderen Fällen jedoch ver¬ 
breitet sich dieselbe zu einem bestimmten Zeitpunkte und zwar auf 
zweierlei Arten. Bald handelt es sich um eine rasche Verbreitung, 
um eine Miliartuberkulose, die nicht nur die Lunge, sondern auch 
die anderen Organe befällt. Bald handelt es sich um eine pro¬ 
gressive und graduelle Ausbreitung im Parenchym, um den Hilus 
und gegen die Spitze. 

Von dem Tage an, wo die Tuberkulose die Ganglienhülle durch¬ 
bricht, wechselt die Prognose. Es handelt sich alsdann um eine 
offene Tuberkulose, die im jugendlichen Alter im allgemeinen 
eine schwere Tuberkulose ist. 

Man unterscheidet die floride Tuberkulose, die bei Kindern 
“häufig, bei Erwachsenen seltener ist, und die subakute galop¬ 
pierende Tuberkulose; letztere wird schnell zu einer miliaren 
Form und bedingt in einigen Monaten den Tod. 

Autor warnt davor, den eine beginnende Lungentuberkulose bei 
Erwachsenen anzeigenden Symptomen, wie Abschwächung des 
Vesikuläratmens bei der Inspiration, Verschärfung desselben bei der 
Exspiration, leichte Dämpfung des Schalles an der Lungenspitze, 
bei Kindern, die an Adenopathie leiden, eine zu große Bedeutung 
beizulegen, da solche Kinder trotz dieser Symptome, sehr häufig 
keine Veränderung der Lunge aufweisen. Diese Symptome, die, 
selbst wenn sie mit Rasselgeräuschen verbunden sind, oft nur auf 
eine durch interkurrente Krankheiten bedingte Kongestion der 
Lunge beruhen und nach der Krise verschwinden, verschlechtern die 
Prognose nicht 

Dagegen verschlechtert eine im Verlaufe einer tracheo-bronchialen 
Adenopathie auftretende Spleno-Pneumonie die Prognose, besonders 
wenn nach 5—6 Tagen die Entfieberung sich in die Länge zieht 
oder wenn die abortive Form eintritt. Hier kann die Tuberkulose 
im Spiele sein. 

Die Bronchopneumonie bei Kindern von 2—4 Jahren, die an 
tracheo-bronchialer Adenopathie leiden, kann den Beginn einer tuber¬ 
kulösen Entwickelung bedeuten oder auch nur ein vorübergehender 
Zufall sein. Man hüte sich in solchen Fällen daher vor einer zu 
schnellen günstigen Prognose. 

Oft beobachtet man zwischen 2 und 10 Jahren eine pleuro- 
pulmonäre Kongestion, die sich infolge von Ermüdung oder Ver- 


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215 


kältung entwickelt und durch einen Seitenstich und Fieber sich 
kundgibt. Während der ersten 2—3 Tage findet man bei der Aus¬ 
kultation keinerlei Symptome, alsdann die Atmung bei einem flüssigen 
Exsudate. Wenn in diesem Falle die Prognose auch nicht absolut 
ungünstig ist, so kann man doch behaupten, daß die Krankheit in 
das pulmonäre Stadium einzutreten neigt. 

In anderen Fällen hat man die Symptome eines Bronchial- 
Asthmas mit unregelmäßig ausgebreiteten Rasselgeräuschen, mit 
ausgesprochen pfeifenden Geräuschen an der Mittelpartie oder an 
der Spitze. Es handelt sich um das ganglionäre Asthma von Joal. 
Hier ist die Prognose günstig, denn • die meisten Kinder genesen, 
wenn auch einige Jahre hindurch durch den geringsten Temperatur¬ 
oder Ortswechsel Nachschübe veranlaßt werden. 

Tuberkulöse Affektionen der verschiedenen Organe. 
Bei den mit tracheo-bronchialer Adenopathie behafteten Kindern 
können andere tuberkulöse Veränderungen, wie z. B. der Meningen, 
des Zentralnervensystems, der Nieren, der Haut, der Leber, der 
Knochen, der Gelenke, vorhanden sein, welche die mediastinale 
Tuberkulose zur Ursache haben. Diese Veränderungen bedingen 
alsdann die Prognose. 

Fieber. Ein hohes Fieber muß einen anderen tuberkulösen 
Herd in der Lunge, im Darme, in der Leber oder im Gehirne ver¬ 
muten lassen, aber die ganglionäre Affektion kann allein auch Fieber 
verursachen. Alsdann handelt es sich um ein leichteres Fieber, das 
zwischen 37,2° morgens und 38,2° abends schwankt und wochen-ja 
monatelang anhalten kann. 

In anderen Fällen handelt es sich um die typho-tuber¬ 
kulöse Form, die sich durch allmähliches graduelles Ansteigen 
der Temperatur bis 39 0 charakterisiert Das Fieber schwankt als¬ 
dann während einiger Tage und bleibt dann stationär wie bei Typhus; 
alsdann jedoch treten Unregelmäßigkeiten auf, welche die Diagnose 
gestatten. — In anderen Fällen endlich hat man es mit einer tuber¬ 
kulösen Septikopyämie zu tun; hier ist die Prognose bedeutend un¬ 
günstiger als im vorhergehenden Falle. 

Es gibt Fälle, in denen die Kinder nach einem leichten Fieber 
eine thermische Instabilität auf weisen, d. h. vorübergehende Tem¬ 
peratursteigerung infolge von Anstrengungen, Aufregungen usw. 
Solange dieser Zustand andauert, muß die Prognose vorsichtig ge¬ 
stellt werden. 

Bei manchen Kindern findet man als Symptom der tracheo- 
bronchialen Adenopathie Zirkulationsstörungen, wie Zyanose der 
Extremitäten und Tachykardie. Dieselben bedingen eine schlechte 
Prognose, weil sie auf eine Schwäche des Organismus hinweisen. 

de La Hauße-Rosenheim. 

Varizellen des Neugeborenen durch mütterliche An« 
Steckung. Von Le Rebouillet. (Revue pratique d’obste- 
trique et de paediatrie, März 1914.) 

Die Varizellen, wie die anderen Eruptionsfieber befallen selten 
den Neugeborenen. 


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2IÖ 


Die Mutter des Kindes, um das es sich handelt, war während 
ihrer Gravidität gesund; am Tage vor ihrer Entbindung wurde sie 
von Varizellen mittlerer Intensität befallen. Die Krankheit der 
Mutter verlief normal, doch hatte sie sekundär einen Abszeß der 
rechten Brust zur Folge, der inzidiert wurde. Das Kind wurde, 
trotz der Krankheit der Mutter, am Tage nach der Geburt an die 
Brust gelegt und blieb 14 Tage lang vollkommen gesund. 

Erst volle 14 Tage nach der Geburt des Kindes traten 
die ersten Varizellen bei demselben auf. Ein Nachschub folgte nach 
drei Tagen und bald darauf trat ein weiterer Nachschub auf. In 
den nächsten Tagen wurde ein Teil der Varizellen ulzerös und das 
Allgemeinbefinden des Kindes war ein sehr schlechtes. Doch besserte 
sich dasselbe vom 8. Tage ab und das Kind genas allmählich. 

Rezidivierende Nabelkoliken der Kinder. Von Paula Tobias, 
Kreiensen. (Münchner med. Wschr., 1914, Nr. 33.) 

Die von Moro als rein nervös aufgefäßten Nabelkoliken der 
Kinder sind als Symptome oder als Vorstufen eines Ulkus ventrikuli 
oder duodeni im Sinne von Bergmanns zu betrachten, also als 
Krämpfe im Gefäßsystem der Magen- resp. Darmschleimhaut Dem 
entsprechend ist die von Moro geübte Behandlung keine suggestive 
Scheintherapie, sondern ätiologisch. Die besonders in schweren 
Fällen gut wirkenden Belladonnapillen stehen auf gleicher Stufe mit 
der von Bergmann’schen Atropinkur. Die „pädagogischen“ Ma߬ 
nahmen bestehen in zeitlicher, qualitativer und quantitativer Rege¬ 
lung der Ernährung, die auch bei organischem Befund ihre Wirkung 
nicht verfehlt. Valeriana wirkt als leichtes Narkotikum, Heftpflaster¬ 
streifen allerdings wohl rein suggestiv. Bei zwei der beobachteten 
Nabelkolikkinder stellten sich die klassischen Symptome des Ulkus 
ventrikuli ein und gingen nach Vornahme einer kombinierten 
Leube-Lenliartz ’schen Ulkuskur zurück. Die Prädisposition 
vasolabiler, neurasthenischer oder hysterischer Individuen für die 
Ulkuserkrankung besteht beim Kind ebenso wie beim Erwachsenen, 
so daß sich fließende Übergänge von einer reinen Neurose zur or¬ 
ganischen Erkrankung ergeben. 

Die kondensierte gezuckerte Milch in der Behandlung 
der mit Erbrechen verbundenen infantilen Dvspep~ 
Sien. Von Variot und Lavialle. (Referat in „La patho- 
logie infantile“, März 1914.) 

Indem die Autoren den Nährwert der kondensierten gezuckerten 
Milch Marke Gallia studierten, entdeckten sie die bemerkenswerten 
anti-emetischen Eigenschaften der überzuckerten Milch. 

Bei dyspeptischen Säuglingen, welche seit mehreren Monaten 
erbrachen, gelang es den Autoren durch Verabreichung der konden¬ 
sierten gezuckerten Milch immer das Erbrechen zum Stillstände zu 
bringen, die überzuckerte Milch zur Ausnützung zu bringen und das 
Wachstum an Gewicht und an Länge zu fördern. In einer großen 
Zahl von Fällen, in denen das Natrium zitrikum, das ein starkes 
Antiemetikum ist, versagte, haben die Autoren die Toleranz des 


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217 

Magens dadurch hergestellt, daß sie dem Kinde einfach gehörige 
Dosen überzuckerter Milch gaben; die Wirkung trat oft sehr schnell, 
von einem Tage auf den anderen ein. 

Außer dem Stillstände des Erbrechens konnten die Autoren 
feststellen, daß die Zunahme sehr befriedigend war und in der ersten 
Woche zwischen 30 und 50 g täglich wechselte. Die Autoren be¬ 
tonen, daß die gezuckerte kondensierte Milch allein die anti-emetischen 
Eigenschaften besitzt. Es existiert in der Tat eine andere nicht 
gezuckerte Milch derselben Marke, die jedoch keinerlei anti-emetischen 
Eigenschaften besitzt. Es genügte die gezuckerte kondensierte Milch 
durch die nicht gezuckerte zu ersetzen, um das Erbrechen wieder 
hervorzurufen. v. La Hauße-Rosenheim. 

Erfahrungen mit TricalcoKMilch beim kranken Säugling. 

Von Weih. (Aus der akademischen Kinderklinik zu Köln 
[Geh. Med.-Rat Prof. Siegert]. — M. m. W., 1914, Nr. 30.) 

In der akademischen Kinderklinik wurden mit Tricalcol Ver¬ 
suche in sehr großer Anzahl angestellt und zwar bei ernährungs¬ 
gestörten, rachitischen und spasmophilen Kindern. Es handelte sich 
stets um Kinder im ersten Lebensjahre, teilweise in den ersten 
Lebensmonaten. 

Die Erfolge waren zweifellos günstig bei Kindern, welche mit 
akuter Dyspepsie zur Behandlung gelangten. Die vorher sauren 
Stühle wurden nach zwei bis drei Tagen alkalisch, es traten Seifen¬ 
stühle und sodann normale Stühle auf. Bei entsprechender Kalorien¬ 
darreichung zeigte sich etwa nach einer Woche Zunahme des Ge¬ 
wichtes. Die Darreichung geschah etwa fünf bis sechs Wochen, 
dann wurden die Kinder mit einem Male auf die ihrem Alter ent¬ 
sprechende Nahrung abgesetzt bei ungestört gutem Fortgang. Dieser 
Verlauf erfolgte sowohl bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten 
als auch bei Kindern im zweiten Lebensjahre. 

Bei der Behandlung schwer geschädigter Kinder, im Zustande 
der Dekompensation nach Finkeistein, waren die Erfolge nicht 
so allgemein günstig, wie dieses ja auch bei der Eiweißmilch selbst 
.normal ist. 

" Die Erfolge bei Spasmophilie waren durchweg günstig. Früher 
bestehende Krämpfe wiederholten sich nicht, das vorher stark posi¬ 
tive Fazialisphänomen wurde schon nach einigen Tagen negativ. 
Der Laryngospasmus verlor sich bald. 

Vergesellschaftet waren die spasmophilen Erscheinungen stets mit 
schwerer Rachitis, Epiphysenauftreibung, Rosenkranz, Kraniotabes, 
starken profusen Schweißen. Bei Kraniotabes war eine schnellere 
Konsolidierung der Hinterhauptknochen zu beobachten, als sie sonst 
stattfindet. Auch die profusen Schweißausbrüche ließen nach, der 
allgemeine Zustand hob sich. 

Bemerkenswert ist ferner ein Fall von trockenem disseminiertem 
Ekzem, das hartnäckig jeder Behandlung trotzte, aber bei ausschlie߬ 
licher Darreichung von Tricalcol völlig abheilte. 

Endlich berichtet Verf. noch von einem günstigen Erfolge des 
Tricalcols bei einem schweren Mehlnährschaden. 




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2l8 


So ergibt sich: Die Tricalcolmilch leistet zweifellos günstiges 
bei der Behandlung der Spasmophilie, Rachitis, der Mitbehandlung 
lymphatischer Ekzeme, sowie bei akuten Ernährungsstörungen. 

Die Bedeutung des Kalziums für die pädiatrisdie Praxis. 

Von Paul Sittler-Kolmar i. E. Fortschr. d. Med., 1914, 
Nr. 28. 

Der Verf. gibt eine übersichtliche Darstellung über den heutigen 
Stand der Kalziumtherapie und ihre experimentelle Begründung 
und führt im Anschluß daran seine Beobachtungen auf, die er bei 
Darreichung des Tricalcols, der kolloidalen Kalk-Phosphor-Eiweiß- 
verbindung, sammelte. Seine Versuche erstreckten sich zuerst auf 
eine Serie von Kindern mit Rachitis. Hierbei erwies sich das 
Tricalcol als wertvolles und unschädliches Adjuvans in der medi¬ 
kamentösen Behandlung dieses Leidens (selbstredend neben einer 
entsprechenden diätetischen Therapie), dessen Wirksamkeit der der 
bisher in diesen Fällen gebräuchlichen Kalziumpräparate zum 
mindesten gleichkam, ohne indessen deren Nachteile zu besitzen. 
Die guten Resultate der Tricalcol-Anwendung bei der Rachitis ver¬ 
anlagten naturgemäß auch zur Darreichung dieses Mittels bei spas- 
mophilen Zuständen, wobei das Präparat sehr günstige Erfolge 
zeitigte. Ferner wurde das Tricalcol bei Milchnährschaden der 
Säuglinge, der bekanntlich mit einer Ausscheidung von Kalkseifen¬ 
stühlen einhergeht, verwandt. Endlich weist der Verf. auf die Ver¬ 
wendung bei Diarrhöen der Säuglinge hin und empfiehlt insbeson¬ 
dere das seit kurzem speziell für diesen Zweck in den Handel 
gebrachte Tricalcol-Kasein, das außerordentlich preiswert ist 
und infolgedessen jederzeit auf bequeme Weise die Herstellung einer 
billigen Eiweißmilch gestattet. 

Außerdem empfiehlt sich das Tricalcol noch ganz besonders 
bei schwangeren Frauen, um sowohl dem mütterlichen als auch dem 
kindlichen Organismus die nötige Menge Kalk zu bieten, es wurde 
von den Frauen auch in Dosen von 5—10 g augezeichnet vertragen. 

Autoreferat. 

Zur Frage: Stillen bei Muttertuberkulose. Von Cozzolino- 
Cagliari. (Arch. f. Kinderhlkde., Bd. 60 und 61.) 

Die Ausscheidung von Tuberkelbazillen mit der Milch tuberku¬ 
löser Frauen ist ein seltenes Ereignis, dagegen spricht das Tier¬ 
experiment (febrile Reaktion tuberkulöser Meerschweinchen bei In¬ 
jektion von Milch tuberkulöser Frauen), dafür, daß die Toxine des 
Tuberkelbazillus in die Milch übergehen und den Säugling schädigen 
können; wenigstens starben die saugenden Jungen tuberkulöser 
Tiere unter den Erscheinungen einer progressiven Kachexie. Für 
den menschlichen Säugling ist eiue solche Schädigung noch zu be¬ 
weisen, die Frfahrung des Verf. und der von ihm zitierten Autoren 
lehrt aber, daß die Ernährung an der Mutterbrust dem Säugling 
jedenfalls keinen wirksamen Schutz gegen die tuberkulöse Infektion 
gewährt Sie bringt ihn im Gegenteil in besonders innige Berüh¬ 
rung mit der Infektionsquelle und übt auf die Tuberkulose der 


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219 

Mutter in der Regel einen ungünstigen Einfluß aus. Verf. spricht 
sich daher gegen das Stillen tuberkulöser Mütter aus. 

H o h 1 f e 1 d-Leipzig. 

über das Wesen des Stotterns. Von Emil Fröschel in 
Wien. W. m. W., 1914. 

Die alte Kußmaul-Gutzmann’sche Definition des Stotterns 
als spastische Koordinationsneurose, bedingt durch reizbare Schwäche 
des Silbenkoordinationsapparates, kann schon deshalb nicht zu Recht 
bestehen, weil es auch Stotterer gibt, die bei einzelnen Lauten stecken 
bleiben. Gegen das Wort „Koordinationsneurose“ spricht der Um¬ 
stand, daß Leute mit dem ausgebildeten Übel, auch wenn sie nicht 
sprechen, nicht imstande sind, so langsam wie ein Normaler einzu¬ 
atmen. Der Autor nimmt auf Grund seiner zahlreichen Beobach¬ 
tungen an, daß der erste Anstoß zum Stottern in jener Zeit erfolgt, 
wo das Kind über reichlich Gedanken und starken Sprechdrang, aber 
nicht mit Schnelligkeit über alle Ausdrücke verfügt. In solchen 
Situationen kommt es dann dazu, daß es in derZeit, in der es nach 
einem Ausdruck ringt, die letzte Silbe solange wiederholt, bis es 
ihn gefunden hat. Da ein Kind an allem Auffälligen Gefallen 
findet, wird das manchmal zur Gewohnheit, die aber bei vernünftiger 
Behandlung von Seiten der Umgebung verschwindet. Wird es jedoch 
durch Korrigieren, Wiederholenlassen des „schweren Wortes“, Strafe 
etc. darauf in unangenehmer Weise aufmerksam gemacht, so be¬ 
kommt es allmählich Angst vor einzelnen Lauten in Worten und 
will mit Anstrengung die Wiederholung der Silben vermeiden. Es 
beginnt zu pressen und dieses Pressen wird von den meisten Autoren 
als „konischer Krampf“ beschrieben, während die Silbenwiederholungen 
„klonischer Krampf“ genannt werden. Da aber ein Krampf eine 
vom Willen unabhängige Bewegung ist, leugnet der Autor die Be¬ 
rechtigung der Autoren, beim Stottern kurzweg von Krämpfen 
zu sprechen. Die angeführte Entstehungsart gilt für das am häufigsten 
auftretende sogenannte Entwicklungsstottern. Autoreferat. 

Zur Operationstechnik der doppelseitigen Hasenscharte. 

Von Hans Hans. (Aus dem Krankenhause zu Limburg a. 
d. Lahn. — Zbl. f. Chir., 1914, Nr. 33.) 

Das Wesentliche dieser Methode ist gegenüber dem komplizierten 
Zickzack-Verfahren älteren Datums die Benutzung des sehr beweg¬ 
lichen Hautteils über dem Zwischenkiefer zur Bildung des häutigen 
unteren Teiles der Nasenscheidewand. Die Nasenspitze wird so ge¬ 
hoben, die Nasenlöcher erhalten mehr die normale längsovale 
Form, nicht mehr die sonst resultierende quer ovale. 

Kein Wundverband, zur Oberlippenentspannung ein 4 cm breiter, 
12 cm langer Leukoplaststreifen, der von den Schmalseiten her bis 
auf ein Mittelstück von 4 cm seitlich eingeschnitten wird. Die 
unteren Zipfel schlage man einmal völlig um die oberen (also um 
360 Grad) und bilde so mit dem Mittelstück eine glatte Rolle. Diese 
Rolle kommt in den Mundspalt, die oberen Zipfel von Ohr zu Ohr, 
die unteren schlage man unter Zug nach unten unters Kinn. So 


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wird der Mundspalt ziemlich frei, zur Losung am 3.—4. Tag ziehe 
man die beiden Ohrzipfelstreifen gleichzeitig nach vorne ab, dann 
wird jede Zerrung an der Oberlippe vermieden. 

Behandlung der chronischen eitrigen Mittelohrentzün* 
düng. Von Joliat. (La pathologie infantile, März 1914.) 
Autor läßt das kranke Ohr 1—2 mal täglich mit lauwarmem 
Kamillentee ausspritzen, dann mit Watte gehörig austrocknen. Dann 
läßt er den Patienten auf das gesunde Ohr sich legen und folgende 
Mischung lauwarm ins kranke Ohr eingießen: 

Acid. boric. 

Bismuth. subnitric. ää 4,0 
Acid. benzoic. 0,5 

Formol. gtt III 

Glycerin, q. s. ad 30,0 

Diese Flüssigkeit läßt man 10 Minuten im Ohre, läßt alsdann den 
Kopf in die Höhe heben, den Uberschuß ausfließen und den Gehör¬ 
gang leicht mit Watte verstopfen. In 4—5 Wochen hört die Eiterung 
auf. de La H a u ß e - Rosenheim. 


Bücherbesprechungen. 

Soziale Lage und Gesundheit der Nerven. Von Prof. Dr. 
med. et phil. W. Weygandt in Hamburg. (Würzburger 
Abhandlungen, XIV. Bd., 6-/7. H.) Lex. 8“. 42 S. Würzburg 
1914. Verlag von Curt Kabitzsch. Preis 1,70 Mk. 

Der bekannte Verf. und Leiter der Irrenanstalt Friedrichsberg 
behandelt hier ein Thema,, das unter den jetzigen Verhältnissen sehr 
angebracht ist. Die gesamte Lebenserwartung wird heutzutage nur 
in der oberflächlichsten Weise einer vorherigen Erörterung und 
Prüfung unterzogen, wie Körper und Geist für den Kampf ums 
Dasein ausgerüstet sind, wird selten festgestellt Kein Buchstabe 
des Gesetzes kümmert sich darum, ob ein Kind bei der Geburt ge¬ 
sund oder mit erblichen Krankheiten behaftet den Weg ins Leben 
an tritt. Nicht nur Zeit ist Geld, sondern Gesundheit ist Geld, aber 
Geld kann nicht wieder in Gesundheit zurückverwandelt werden. 
Ein breiter Raum ist dann der Frage eingeräumt, wie soziale Lage 
auf Verhütung, Entstehung und den Verlauf der Störungen einer 
normalen Beschaffenheit unseres Geistes und unserer Nerven ein¬ 
wirkt Bekannt ist der Einfluß und die Beeinflussung des Keimes 
durch Alkohol, Syphilis, weniger der Einfluß des Pauperismus. Die 
Kinder ganz armer Eltern sind schon bei der Geburt etwas weniger 
lebenskräftig als die Kinder der Wohlhabenden. Besonders ist die 
Ernährung schon beim Säugling von Einfluß. Der Kretinismus 
steht zweifellos in naher Beziehung zum Pauperismus. Die Erziehung 
der Kinder leidet unter der Fernhaltung ihrer Eltern durch die 
Berufsarbeit, oft geben sie zur Beruhigung den Kindern Alkohol 
und Bier auf den Schnuller, bevor sie auf Arbeit gehen. 

Die Krankheiten des Zentralnervensystems befallen aber die 
Wohlhabenden mehr als die Armen, das geht besonders aus den 


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Zahlen der Lebensversicherungsgesellschaften hervor. Interessant ist 
eine Tabelle über das verschiedene Vorkommen von Delirium, Epi¬ 
lepsie und Paralyse in den Großstädten und Landesteilen Preußens. 

Traumatische Hysterie kommt bei Arbeitern und Wohlhabenden 
gleich häufig vor, auch die Wohlhabenden stellen heutzutage nach 
Unfällen Rentenansprüche in gleich übertriebener Weise. 

Die Zahl der Geisteskrankheiten steigt durch die Zivilisation, 
in Indien und Japan ist die Zahl der Geisteskranken sehr gering. 
Interessant ist eine Zusammenstellung über die Kosten der Anstalt 
Friedrichsberg, sowie der Aufwendungen durch die sozialen Ver¬ 
sicherungen nach Jens im Hamburger Staat. Haussen -Kiel. 

Jugendpflege und freies Volksbildungswesen. Von Fried¬ 
rich Kordts in Neumünster. Ein Reisebericht an das Kura¬ 
torium der Diesterwegstiftung des allgem. schleswig-holst. 
Lebrervereins. Lex. 8°, VIII und 167 Seiten, m. Abb. Neu¬ 
münster 1914. Nordische Verlagsanstalt. Preis 2,50 Mk. 

Der auf dem Gebiet der Jugendpflege erfahrene Verf. faßt die 
Jugendpflege als einen Zweig der Kulturübermittelung von Seiten 
der Kulturträger an die Kulturlosen auf. Kordts hat auf mehreren 
Studienreisen in ganz Deutschland die Jugendpflege zugleich mit 
den Volksbildungsbestrebungen kennen gelernt. In der Vorrede wird 
die Jugendpflege im Rahmen unseres nationalen Bildungswesens 
betrachtet. Beide Bestrebungen sollten zusammengeschlossen und 
für die Stärkung und innere Einigung unseres Volkes dienstbar ge¬ 
macht werden. Beide Bestrebungen haben die Aufgabe, Menschen 
zu Persönlichkeiten zu entwickeln. Eine Zersplitterung der Kräfte 
ist dabei zu vermeiden. Bei den Unterhaltungsabenden sind auch 
Jugendliche zur Mitarbeit heranzuziehen. Besonders die Turnübungen 
sind in der Beziehung wertvoll. Ausführlich und lebendig werden 
dann die Reiseerlebnisse vom Verf. geschildert und alles, was er in 
ganz Deutschland an Arbeitsstätten der Jugendpflege und des freien 
Volksbildungswesens kennen gelernt hat. Die Kruppsche Jugend¬ 
pflege und die der Farbenfabriken in Leverkusen werden besonders 
eingehend behandelt. Wertvoll ist ein Beitrag über die Einrichtung 
von Volksabenden nach den reichen Erfahrungen des Verf. 

Hanssen - Kiel. 

Schulkinderspeisung. Gesammelte Erfahrungen, herausge¬ 
geben vom Verein Jugendheim E. V. Charlottenburg. kl. 8°, 
63 S. Berlin 1914. Verlag von Carl Habel. 

Das Büchlein verdankt seine Entstehung der jahrelangen Er¬ 
nährung von täglich mehr als 800 Kindern im Jugendheim zu 
Charlottenburg. Diese praktische Arbeit hat durch anhaltende warm¬ 
herzige Anteilnahme Rubners, im speziellen durch Einfügung 
exakter Kalorienwerte, einen wohltuenden wissenschaftlichen Grund¬ 
ton erhalten. Der Niederschlag all dieser reichen Erfahrungen wird 
zweifellos ähnlichen Veranstaltungen in vieler Hinsicht als erprobter 
Ratgeber dienen und umsomehr von wesentlichem Nutzen sein 
können, als hier im Rahmen des geringsten Kostenaufwandes sehr 


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große Abwechslung geboten wird. Wir finden da neben Fisch¬ 
gerichten zahlreiche Fleischspeisen, Gemüse mit Kartoffeln, Gerichte 
mit Backobst, Gries- und Reisspeisen mit Obst, Hülsenfruchtgerichte, 
Kartoffelgerichte, Milchspeisen, Reisspeisen mit Gemüse und schlie߬ 
lich saure Gerichte. Naether-Dresden. 

Organotlierapeutisches Kompendium des organothera- 
peutischen Instituts v. Prof. Dr. Poehl und Söhne. 
Hrsg. v. Exz. u. kaiserl. Rat Prof. Dr. Alex. Poehl -St Peters¬ 
burg. 2. deutsche Aufl. 4 0 , 116 S. Berlin 1912. 

Das kleine Werkchen orientiert leicht und sachlich über organo- 
therapeutische Fragen. Cordes -Dresden. 

Das Kaiser Wilhelm-Kinderheim in Ahlbeck (Seebad) 
im Jahre 1913. Ärztlicher Bericht vom Kreisarzt Dr. Kur p- 
j u w ei t-Swinemünde. (Veröffentl. a. d. Gebiete d. Medizinal¬ 
verwaltung, III. Bd., H. 8.) gr. 8°, 12 S. Berlin 1914. Ver¬ 
lagshandlung Richard Schoetz. Pr. 50 Pf. 

Das Heim ist musterhaft gelegen im Wald direkt am Meeres¬ 
strand. 750 blasse Großstadtkinder zogen in das Haus ein. Bei der 
Entlassung ergab sich ein anderes Bild; nach dem Aussehen konnte 
der Allgemeinzustand der Kinder wie folgt festgestellt werden: 

sehr gut bei 264, 
gut bei 292, 

befriedigend bei 133, 
genügend bei 60, 
ungenügend bei 1. 

_ Spiegel-Kiel. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Die St. John’s Guild der Stadt New-York. Von W. 
Morgan Hartshorn. 

Verf. schildert uns unter Beigabe mannigfacher Abbildungen 
eine Wohltätigkeitseinrichtung der Stadt New-York, nämlich ein 
schwimmendes Hospital zum Heile kranker Kinder. Das Schiff 
nimmt während der Sommermonate nicht allein Babys, sondern auch 
alle Kinder unter 6 Jahren, sowie die Mütter in seine Hut, um sie 
des Vorteils der Ruhe, der guten Luft und Ernährung teilhaft zu 
machen. Für nähere Details muß auf den anregenden Artikel selbst 
verwiesen werden. Corde s-Dresden. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 2.) 

Das Kind im tuberkulösen Milieu. Von Maurice 
Fischberg. 

Ausgehend von der Tatsache, daß Tuberkulose im Kindesalter 
häufiger ist als meist angenommen wird, widmet Verf. seine Studien 
allen für die Gefährdung des Kindes durch Tuberkulose in Betracht 
kommenden Momenten. Der Artikel gibt auch interessante stati¬ 
stische Zahlen, u. a. über angestellte Tuberkulinreaktionen usw. 

(Arch. of pediatr. 1914, Bd. XXXI, Nr. 2.) Cordes-Dresden. 


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223 

t)ie 'Theorien über Azidosis und die Azidose der 
Kinder. Von Malcom Yeambu Marshall. 

Gibt eine eingehende Studie der Azidosentheorien, besonders 
angewandt auf das Vorkommen der Azidose in der Kindheit 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 2.) Cordes-Dresden. 

Literaturübersicht über Osmose und ödem bei 
Säuglingen und in der Kindheit. Von Leonard Walermann. 

Unterzieht die Literatur über die Frage einer kritischen Wür¬ 
digung und kommt zu dem Schlüsse, daß die Annahme der Chlor¬ 
retention in der Ätiologie des Kinderödems bei weitem überwiegt, 
wenn auch einiges zu Gunsten der Gefäßläsion spricht. Als Be¬ 
handlung hat sich die Salzreduktion auf ein Minimum am besten 
erwiesen. In schweren Fällen ist Koffein indiziert. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 2.) Cordes-Dresden. 

Eine Studie über das Kind im tuberkulösen Milieu. 
Von M.^ Fi sch b er g. II. Teil. 

Fortsetzung und Zusammenfassung des im vorigen Heft Be¬ 
gonnenen, das auf Grund reichlichen Materials manches interessante 
bringt 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 3.) 

Malaria bei Säuglingen. Von W. M. Weston. 

Gibt eine Übersicht über das Vorkommen von Malaria bei 
kleinen Kindern unter Anfügung der Therapie und Hinweis darauf, 
daß der Anteil der Malaria in den in Betracht kommenden Ländern 
kein geringer an der Kindersterblichkeit ist. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 

Kongenitale Malaria. Von Murray H. Baß. 

Fall unter Hinweis auf Literatur. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 

Die Bedeutung der Mineralsalze bei Verdauungs¬ 
störungen der Kinder. Von Carleton Ava Wood. 

Betont unter Bezugnahme auf Experimente die Notwendigkeit 
der genügenden Salzzufuhr für das Wohlbefinden der Kinder und 
macht ein zu wenig ev. zu viel der Mineralsalze haftbar für eine 
Anzahl Verdauungsstörungen bei den Kindern. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 

Die Ätiologie und Symptomatologie der Nervosität 
beim Kinde. Von David J. Levy. 

Verfasser versucht nachzuweisen, daß Störungen funktionellen 
Charakters auch in den ersten 12 Monaten beim Kinde beobachtet 
werden können. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 

Unilaterale kongenitale Hypertrophie. Von John 
Speese. 

Fall von rechtsseitiger Hypertrophie der unteren Extremität, 
mit Abbildung. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 


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224 


Guaj akol Vergiftung durch Absorption mit kasu¬ 
istischer Mitteilung. Von C. A. Sexton. 

Vergiftung im Anschluß an die Anwendung von Guajakol bei 
skarlatinösem Arthritisfall. 

(Arch. of pediatr., 1914, Bd. XXXI, Nr. 4.) 

Seit derGeburt bestehendes, unstillbares Erbrechen 
bei einem 9-monatlichen Kinde. Große Unterernährung. 
Dilatation des Magens im Röntgenbilde nachweisbar. 
Heilung durch Anwendung von lait condens6 sucre und 
lait homogenise hypersucre. Von Variot 

Unter Variots Behandlung entwickelt sich ein hypertrophisches 
Speikind zu einem gesunden Säugling. V. gibt seiner kondensierten, 
stark zuckerhaltigen Milch, die er z. Z. besonders liebt, wie er früher 
andere Milchsorten überschwänglich pries, den Ruhm an diesem 
schönen Erfolg. Aus der kurzen Krankengeschichte kann man ihn 
nicht kontrollieren. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 7.) 


Kleine Mitteilungen. 

Die Apollinaris Co. Limited in London, die in Neuenahr a. Rh. 
den Versand des durch seine große Reklame allbekannten Apollinaris 
und Juliusbrunnens (früher auch Heppinger und Landskroner Brunnen) 
und große Glashüttenwerke in Rheinau (2 Mill. M. Betriebskapital) 
betreibt, ist eine rein englische Gesellschaft. Ihre hohen 
Dividenden, von 1892 an bis 83 Proz. (Reingewinn von etwa 500000 M. 
jährlich durchschnittlich) wandern in die Hände englischer Kapita¬ 
listen. Es wäre wohl an der Zeit, den Verbrauch dieser Wasser in 
Deutschland einzustellen. Kein guter Deutscher trinke diesen Brunnen, 
kein deutsch gesinnter Wirt stelle ihn auf seine Getränkekarte, wenn 
er nicht die Kriegsmittel unsrer Feinde stärken will. 

In Anlehnung an das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung 
der Tuberkulose hat sich bei der Zentralstelle des Roten 
Kreuzes für Kriegswohlf alirtspflege ein besonderer 
Tuberkuloseausschuß gebildet, der es sich angelegen sein 
läßt, nach jeder Richtung hin für die Aufrechterhaftung der Tuber¬ 
kulosefürsorge während der Kriegszeit zu sorgen. Zunächst hat 
dieser Ausschuß, um die in den Heilstätten und Fürsorgestellen 
durch Abgaben von Personal für die Kranken- und Verwundeten¬ 
pflege des Heeres entstandenen Lücken auszufüllen, einen Nach¬ 
weis fürÄrzte,Schwestern und sonstigesPflegepersonal, 
die bereit sind, an solchen Stellen zu arbeiten, errichtet. 
Anmeldungen für derartige Stellen sind an die 

Zentralstelle für Kriegs wohlfahr tspf lege 
Tuberkuloseausschuß 
Berlin NW. 7, Reichstagsgebäude Portal V 
zu richten. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für ffinderheilhunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat l)r. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband fQr Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung una Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. November 1914. No. 11. ( 299 .) 


INHALT: Originalien: Erlacher, Ein Frühsymptom für die Diffe¬ 
rentialdiagnose der Gonitis und Koxitis tuberkulosa. 225. — Referate: 
Popper, Pertussis. 229. — Reiche, Seltene Komplikationen der Diphtherie. — 
Meningitis bei Diphtherie. — Plaut-Vincentsche Angina und Diphtherie. — 
Serumexantheme. 230. — Roff, Das Museum für Säuglingskunde im Kaiserin 
Auguste Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deut¬ 
schen Reiche. 232. — Lindenfeld, Uber „Spontanheilung“ von Glioma retinae. 
233. — Schlaefke, Hydrophthalmus mit vorderer Synechie und Fehlen der 
Linse. 234. — Löhlein, Das Glaukom der Jugendlichen. 234. — Bücher¬ 
besprechungen: v.Baeyer u. Winter, Kinderturnen. 235. — v. Bardeleben, 
Anatomie des Menschen. Teil 1. 236. — Kurze Notizen aus der Praxis 
und Wissenschaft. 236. — Kleine Mitteilungen. 240. 

Originalien. 

Ein Frühsymptom für die Differentialdiagnose der 
.Gonitis und Koxitis tuberkulosa. 

Von Dr. Philipp Erlacher in Graz, 

leitender Arzt der Chirurg. - orthopäd. Abteilung der k. k. Univ.-Kinderklinik. 

Es mag vielleicht von vornherein als überflüssig erscheinen, zur 
Differentialdiagnose zwischen Gonitis und Koxitis noch neue Merk¬ 
male hervorzuheben, da ja die beiden Krankheiten ohnehin unschwer 
auseinander zu halten sind. Im weiter fortgeschrittenen Stadium ist 
dies auch gewiß der Fall, anders hingegen im Beginne, beim ersten 
Hinken, wenn die Kinder — und nur von diesen soll hier die Rede 
sein — über die erste Mattigkeit beim längeren Gehen klagen, wenn 
uns das Röntgenbild noch lange keine Aufklärung zu geben vermag, 
da erscheint es mir doch berechtigt auf einige Beobachtungen hin¬ 
zuweisen, die es uns schon ziemlich früh erlauben, eine Diagnose 
bezw. Differentialdiagnose zu stellen und die ich bisher noch nirgends 
festgelegt gefunden habe. Von einiger Wichtigkeit erscheint es mir 

Kindar-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 15 


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226 


aber auch deshalb, weil ja gerade die ersten Schmerzen bei beginnen¬ 
der Koxitis von den Kindern meist ins Knie verlegt werden, wir 
infolgedessen bei angeblichen Knieschmerzen zuerst die Hüfte unter¬ 
suchen werden, falls diese aber frei gefunden wird, die gegebenen¬ 
falls tatsächlich vorhandene Gonitis übersehen werden kann.*) 



-_ Steifung beiöomtis 

- * * Coxitis 

Fig. i. 


Wenn uns also ein Kind vorgeführt wird, weil es zeitweise hinkt, 
das Bein nicht ganz ausstrecken mag, leicht ermüdet und über 
Schmerzen im Knie klagt, so werden wir es natürlich nicht unter¬ 
lassen, eine genaue Untersuchung des ganzen Kindes vorzunehmen, 


i 



Fig. 2. 

im besonderen aber der Hüfte und des Knies. In den meisten Fällen 
werden unsere bisherigen Untersuchungsmethoden auch gewiß aus¬ 
reichen, den Grund und den Sitz der Erkrankung festzustellen. 
Namentlich eine Bewegungsbeschränkung in der Hüfte, ein Mitgehen 



Fig. 3. 

des Beckens bei Bewegungen des Beines werden uns sicher auf die 
Hüfte verweisen. Finden wir aber die Hüfte ganz frei und eine 
Kapselverdickung am Knie, vielleicht auch eine Vergrößerung des 
Umfanges, so werden wir auch nicht lange im Zweifel sein. Auch 

*) Nach den in den letzten zehn Jahren auf unserer Abteilung behandelten 
Fällen ist das Verhältnis von Gonitis zu Koxitis 1:3, genauer 23,2 : 76,8 Proz., 
wobei Knaben und Mädchen ungefähr gleich betroffen waren. 


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22 f 

die Haitung des Kindes in der Rückenlage wird uns gewissen Auf¬ 
schluß geben, insbesondere wird uns eine bestehende Lordose, die 
sich bei starker Beugung des gesunden Knies nur ausgleichen läßt, 
wenn dabei das kranke Bein stark gehoben wird, wieder auf die 
Hüfte verweisen. Und gerade eine genaue Inspektion der Haltung 
in Rückenlage sowohl, als besonders auch in Bauchlage, wird uns 
auch in zweifelhaften Fällen und im Frühstadium eine ziemlich 
sichere Differentialdiagnose stellen lassen. 



Fig. 4. J. JH. Abszeß der. Glutäalmuskulatur links, der ähnliche Erscheinung bot, wie eine 
Kokitfe sin. Hüfte und Knie gebeugt. Bewegungen in der Hüfte schmerxhaft. 


Wenn wir ein Kind in Rückenlage beobachten, so liegt es meist 
mit etwas gebeugtem Hüft- und Kniegelenk* (Fig. i). Legt nun 
aber das Kind bei längerer Beobachtung oder auf unsere Aufforderung 
hin oder aber bei sanftem Druck mit der Hand auf das Knie dieses 
der Unterlage glatt auf (Fig. i), so können wir annehmen, daß 
dieses Kniegelenk frei ist, dabei wird sich aber bei bestehender 
Koxitis die Lendenlordose deutlich vermehren. Umgekehrt, ist das 
Kind nicht dazu zu bewegen, das Knie zu strecken, versuchen wir 



Fig. 6. J. H. In Bauchlage wird Knie und Hüfte ohne weiteres vollkommen gestreckt 
und der Unterlage angelegt. 


aber trotzdem einen Druck mit der Hand und erfolgt dann eine 
Schmerzäußerung und eine Abwehrbewegung, ohne daß das Knie 
sich vollständig strecken ließe, so ist der Sitz der Erkrankung un¬ 
zweifelhaft im Knie zu suchen, dabei wird sich aber bei maximaler 
Beugung des Knies der anderen Seite die Lendenlordose vollständig 
aufheben lassen, ohne daß das Knie der kranken Seite mehr gehoben 
werden würde (Fig. i). 

Lagern wir nun das Kind in Bauchlage, so wird sich naeh 
kurzer Zeit oder auf Aufforderung hin das Kind ohne weiteres der 
Unterlage knapp anschmiegen, wenn Hüfte und Knie frei sind (Fig. 5). 


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Bleibt aber trotzdem eine Beugestellung bestellen und suchet! wir 
diese durch einen sanften Druck auf die Höfte auszugleichen, so 
wird sich die Hüfte ohne weiteres der Unterlage knapp andrücken 
lassen, wenn sie frei ist, bei gleichzeitig bestehender Gonitis wird 
sich aber dabei der Unterschenkel von der Unterlage abheben (Fig. 2 
und Fig. 6), während wir bei Koxitis auf diese Weise wohl 
Schmerzäußerung aber kein Anschmiegen der Höfte erzielen würden. 
Üben wir endlich einen Druck auf die Ferse aus, so wird sich bei 



_ 




•j&r . •«* -,•> " 



WL 





Fig. 6. F. M. Gonitis sin. Unterschenkel von der Unterlege abgehoben. 
Hüfte ließ sich vollkommen strecken. 


einer Koxitis der Unterschenkel glatt auf die Unterlage anle^en 
lassen (Fig. 3 und Fig. 7), während sich eine vorhandene Gonitis 
durch Schmerzäußerung und Heben der Hüfte, um einem Strecken 
im Kniegelenk zu entgehen, kund tut Bei Koxitis hat das Kind 
außerdem das Bestreben, sich halb auf die gesunde Seite zu legen, 
um die kranke Hüfte besser beugen zu können. 

Die Erklärung dieser Erscheinungen ist einfach darin gegeben, 



Fig. 7. H. L. Koxitis sin. Unterschenkel liegt der Unterlage gans auf. 


daß jedes auch nur mäßig affizierte Gelenk, lange bevor uns das 
Röntgenbild etwas zeigen kann, zu seiner Entlastung und Ent¬ 
spannung der Kapsel sich in Mittelstellung, das ist beim Knie und 
Hüftgelenk die leichte Beugestellung, einstellt. 

Daß uns diese Tatsache als differentialdiagnostisches Merkmal 
schon ziemlich früh zur Verfügung steht, darauf aufmerksam zu 
machen ist der Zweck vorstehender Zeilen. Am leichtesten ist dieser 
Befund zu erheben und zu verwerten bei Untersuchung in Bauch- 
und Rückenlage, wo oft schon die eigene Schwere des Beines ge- 


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229 


nügt, das gesunde Gelenk zur Streckung zu bringen, während das 
erkrankte auch bei Anwendung eines leichten Druckes schon sehr 
früh der passiven Streckung einen deutlich merkbaren Widerstand 
entgegensetzt 


Referate. 

Uber Pertussis. Von Erwin Popper. (Med. Klinik, 1914, Nr. 26.) 

Nach neueren Erfahrungen wird der Keuchhusten durch eine 
spezifische Infektion hervorgerufen, als deren Träger man jetzt all¬ 
gemein den von Bordet undGengou gefundenen Bazillus ansieht. 
Zweifellos gehört also der Keuchhusten zu den akuten Infektions¬ 
krankheiten. 

Über das eigentliche Wesen der Erkrankung ist man sich jedoch 
im Unklaren, insbesondere weiß man nicht, welches die eigentliche, 
den Krampfanfall und das Erbrechen auslösende Ursache ist Soviel 
ist jedoch gewiß, daß der Keuchhusten keine lokale Schleimhaut¬ 
affektion darstellt, sondern eine allgemeine Erkrankung ist, die viele 
Analogien mit den akuten Exanthemen, besonders den Morbillen 
zeigt, was schon die initialen Erscheinungen beweisen, ebenso wie 
die Veränderungen des Blutbildes und die zurückbleibende Immunität 

Ähnlich wie bei Masern ist auch beim Keuchhusten die Tuber¬ 
kulinempfindlichkeit während der Dauer der eigentlichen Erkrankung 
abgeschwächt, wenigstens machen dies einige beobachtete Fälle 
wahrscheinlich. Diese Abschwächung der Tuberkulinempfindlichkeit 
beweist, daß sie ebenso wie bei Masern auch beim Keuchhusten 
während der eigentlichen Krankheit vermindert ist, worauf allgemein 
die Ausbreitung der Tuberkulose zurückgeführt wird, die bei der 
Pertussis fast in demselben Maße wie bei den Morbillen beobachtet 
werden kann. 

Ebenso wie bei den Masern findet sich auch beim Keuchhusten 
eine ihn begleitende und oft lange überdauernde Bronchitis, die bei 
beiden häufig auch auf die Bronchiolen übergeht 

Beim Keuchhusten ist diese Bronchitis oft die Ursache von nach 
Ablauf der eigentlichen infektiösen Erkrankung über kürzere oder 
längere Zeit sich hinziehenden Anfällen, die typisch mit Aufziehen, 
Zyanose und Erbrechen einhergehen können. 

Die Dauer des Keuchhustens wird nämlich allgemein in der 
Literatur als sehr verschieden angegeben und soll zwischen 5 bis 
6 Wochen und vielen Monaten schwanken. 

Der Reiz, auf den unbedingt jedesmal ein Hustenanfall folgen 
muß, scheint beim eigentlichen Keuchhusten dessen Erreger oder 
die durch ihn gesetzte Entzündung rzu sein. Später dürfte der durch 
eine Bronchitis hervorgerufene Husten zum bedingten Reiz werden, 
dem als sogenannter Bedingungsreflex der Anfall folgt 

Daß der bedingte Reiz gar nicht notwendig ist zur Auslösung 
dieses Reflexes, sondern schon die bewußte oder unbewußte Vor¬ 
stellung dieses Reizes, betont Hamburger. 

Es würde also zur Auslösung dieser nicht mehr dem infektiösen 
Keuchhusten zugehörigen Anfälle ein Hustenreiz, ein willkürlicher 


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230 


Hustenstoß, aber auch die bewußte oder unbewußt psychisch repro¬ 
duzierte Vorstellung des Hustenreizes genügen. 

Auf Grund dieser Überlegungen und Beobachtungen sondert 
nun Hamburger von der bisher als Ganzes betrachteten Krankheit 
„Keuchhusten“ einen Teil ab, in dem er nicht mehr infektiös ist 
und leicht suggestiv zu beseitigen. Er unterscheidet mithin den 
eigentlichen infektiösen Keuchhusten, der seiner Meinung nach 5 bis 
6 Wochen anhält, als infektiöses oder organisches Stadium der Per¬ 
tussis von dem psychisch weiter unterhaltenen Rest, den er auch 
als neurotisches oder psychisches Stadium bezeichnet; dieses Stadium 
ist von ganz verschiedener Dauer, kann aber auch ganz fehlen. In 
solchen Fällen dauert eben der Keuchhusten nur 4—6 Wochen. 

Ein spezifisches, den eigentlichen Keuchhusten heilendes oder 
auch nur besserndes Medikament gibt es bis jetzt nicht Auch 
Mittel mit deutlicher symptomatischer Wirkung fehlten bis jetzt, da 
die Narkotika in kleinen Dosen gegeben, wie dies zur Vermeidung 
von Intoxikationen nötig ist, meist versagen. 

Neuestens fand Verf. in dem von Pal neuerdings in die Therapie 
eingeführten Papaverin ein Mittel von ganz ausgezeichneter Wir¬ 
kung. Das Präparat wurde als salzsaures Papaverin verabreicht, 
und zwar wurde von einer Papaverinlösung (0,2—0,3 g : 100) zwei¬ 
stündlich ein Kinderlöffel gegeben. Es ist ein vollkommen un¬ 
giftiges, nicht narkotisch wirkendes Mittel, welches keinerlei unan¬ 
genehme Nebenwirkungen besitzt und von den Kindern ohne weiteres 
genommen wird. 

In den meisten Fällen, auch in ganz frischen, wo eine stärkere 
suggestive Beeinflussung erfahrungsgemäß auszuschließen ist, wurde 
eine außerordentlich günstige symptomatische Wirkung gesehen. 
Meist wurden die Anfälle bedeutend leichter und seltener, das Auf¬ 
ziehen wurde schwächer, am stärksten und deutlichsten war aber 
die Einwirkung auf das Erbrechen. 

Dieses hörte, solange das Mittel genommen wurde, bei einem 
Teil der so behandelten Kinder ganz auf, bei den übrigen wurde es 
viel seltener. Autoreferat 

Seltene Komplikationen der Diphtherie. Von F. Reiche- 
Hamburg. (Mitteilungen aus den Hamburger Staatskranken¬ 
anstalten, XV, 2.) 

Meningitis bei Diphtherie. Von F. Reiche. (Zschr. f. Kinder¬ 
heilkunde, XI, 5—6.) 

PI aut'Vincent sehe Angina und Diphtherie. Von F. 

Reiche. (Med. Klinik, 5914, 2, 33.) 

Serumexantheme. Von F. Reiche. (Mitteilungen aus den 
Hamburger Staatskrankenanstalten, XVI.) 

Die in Fortsetzung früherer Publikationen (cf. diese Mschr. 
H. 293, 1. V. 1914) aus der Hamburger, seit 1909 grassierenden 
Diphtherieepidemie erschienenen Arbeiten R.’s berichten einmal über 
seltenere, zumeist viszerale, echte Komplikationen der Diphtherie. 
Zwei luetische Kinder hatten neben der Rachendiphtherie schmierig 


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231 


belegte diphtherische Ulzerationen in der von Kondylomen besetzten 
Analregion; bei einer Puerpera, die früh im Wochenbett eine schwere 
Diphtherie akquirierte, war die Portio Uteri mit mißfarbenen, reich¬ 
liche Löfflerbazillen beherbergenden diphtherischen Pseudo-Mem¬ 
branen besetzt In den 44 Fällen mit Komplikationen in den Ver¬ 
dauungswegen handelte es sich mit 1 Ausnahme um Kinder und 
durchweg um sehr schwere Diphtherien; bei 38 von ihnen wurde 
das Herzblut bei der Sektion bakteriologisch untersucht: es war 
16 mal steril, 7 mal wurden Diphtheriebazillen, 3 mal allein nach¬ 
gewiesen. Die Magenschleimhaut war 31 mal von sekundären diph¬ 
therischen Prozessen befallen, 25mal war sie allein, 4mal gleichzeitig 
der Ösophagus, 2 mal das Rektum ergriffen, in 4 Fällen breiteten 
sich die pseudomembranösen Veränderungen über die ganze Magen¬ 
schleimhaut aus. Ösophagusdiphtherien sind in 12 Fällen notiert, 
einmal war die ganze Speiseröhre davon ergriffen. Zweimal saßen 
die Alterationen im Duodenum, 2 mal im Ileum, 4 mal im Rektum. 

Unter rund 8000 Diphtherien ereigneten sich 8 akute menin- 
gitische Komplikationen, 6 davon bei Kindern bis zu 15 Jahren. 
Löfflerbazillen wurden bei keiner im Spinalpunktat gefunden, 
zweimal Meningokokken, je einmal Streptokokken, Staphylokokken, 
Pneumokokken und Kolibazillen; zw'eimal war es steril, war aber 
leicht getrübt, enthielt vermehrte Zellen und stand unter erhöhtem 
Druck. Eine Meningitis serosa wird im Verlaufe anderer Infektions¬ 
krankheiten nicht selten beobachtet, bei Diphtherie scheint sie sehr 
rar zu sein. 

In 23 Fällen von typischer Plaut-Vincent scher Angina 
wurden Diphtheriebazillen als schmarotzende Begleiter nachgewiesen; 
in einem trat am 8. Tage des Krankenhausaufenthaltes eine schwere 
letale Diphtherie ein. Zwei weitere Beobachtungen stellen eine 
klinische und bakteriologische Kombination des Vincent sehen 
Krankheitsbildes und einer echten Diphtherie dar. 

Unter 6250 mit Serum behandelten Diphtheriekranken wurden 
426 Exantheme beobachtet, d. h. 6,8 Proz. Unter 65 Genesenen 
unter 1 Jahre entwickelte sich nur eins, unter 4529 Kindern zwischen 
1 und 15 Jahren traten 274 oder 6,05 Proz. auf und zwar unter 
1266 leicht verlaufenen Formen 4,2 Proz., unter 1294 mittelschwer 
verlaufenen 6,8 Proz., unter 1969 schwer verlaufenen auch 6,8 Proz., 
unter 1277 schwer verlaufenen Genesenen aber 9,2 Proz. Die Höhe 
der zugeführten Serumdosen ist mitbestimmend für die Häufigkeit 
der reaktiven Hauteruptionen, ebenso die Einbringungsart, denn sie 
zeigten sich öfter nach intravenöser Applikation. Abgesehen von 
den den anaphylaktischen Shock begleitenden unmittelbar nach der 
Injektion sich einstellenden kutanen Symptomen erschienen die 
frühesten Exantheme bei Kindern am 2. Tage nach der Einspritzung, 
das Maximum lag mit 42,7 Profc. auf dem 8.—10. Tage, der 8. Tag 
war mit 15,6 Proz. zumeist belastet Die Menge der verabreichten 
Immunitätseinheiten war anscheinend ohne Einfluß auf den zeitlichen 
Eintritt des Exanthems, wohl aber waren es früher erhaltene Serum- 
injektionen. Nach solchen trat auch gelegentlich ein zweimaliger 
Exanthemausbruch ein. Der Charakter der Haut Veränderungen war 


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232 


weitaus am meisten urtikarieller, seltener scharlachähnlicher, mor- 
billärer oder rubeoliformer Natur. Umbers differentialdiagnostischer 
Hinweis gegenüber echter Skarlatina, daß bei den Serumexanthemen 
die Ehrl ich sehe Amidobenzaldehydprobe stets negativ ausfällt, 
wird bestätigt Autoreferat 

Das Museum für Säuglingskunde im Kaiserin Auguste 
Vlktorla~Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterb* 
llchkelt im Deutschen Reiche. Vortrag, gehalten zur 
Eröffnung des Museums am 4. Juni 1914. Von Dr. Rott, 
Dirigent des Organisationsamtes für Säuglingsschutz des 
Kaiserin Auguste Viktoria-Hauses zur Bekämpfung der Säug¬ 
lingssterblichkeit im Deutschen Reiche. (Zschr. f. Säuglings¬ 
schutz, 1914, 6. Jahrg., H. 9.) 

Die Einrichtung des Museums für Säuglingskunde im Kaiserin 
Auguste Viktoria-Hause ist schon seit Gründung der Anstalt be¬ 
absichtigt gewesen, hat auch in primitiver Weise seit dieser Zeit 
schon bestanden. Bei der Organisation des Museums wurde beson¬ 
ders Gewicht darauf gelegt, das Bewährte und Brauchbare, zumeist 
in leicht verständlicher Form, zu bringen, vielfach auch das Un¬ 
zweckmäßige gegenüberzustellen und durch eine rote Durchkreuzung 
besonders kenntlich zu machen. Das Museum ist außerordentlich 
reichhaltig geworden — es besteht aus über 2750 Gegenständen — 
und dürfte durch die Art des Gebotenen und den systematischen 
Aufbau der einzelnen Gegenstände und Gruppen genug des Lehr¬ 
reichen und Interessanten bieten. Die Gegenstände sind in folgende 
Abteilungen gruppiert: 

I. Statistik der Bevölkerungsbewegung, insbesondere der Säug¬ 
lingssterblichkeit. 

II. Ursachen der Säuglingssterblichkeit und die Maßnahmen zu 
deren Bekämpfung. 

III. Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Entwickelung des 
Säuglings. 

IV. Anatomie und Physiologie, allgemein und speziell die des 
Säuglings. 

V. Allgemeine Gesundheitslehre mit besonderer Berücksichtigung 
der Gebiete, die mit der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in 
Beziehung stehen, also Wohnungswesen, Wasser und Luft, Kleidung, 
Nahrungsmittellehre, Alkoholismus, Infektion und Desinfektion, Bak¬ 
teriologie, akute Infektionskrankheiten und Bekämpfung derselben, 
Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose, Pocken und Schutzimpfung. 

VI. Hygiene und Pflege des Säuglings, speziell seine Körper¬ 
pflege, Bettung und Kleidung, einschließlich der Pflege in kranken 
Tagen. 

VII. Die natürliche Ernährung, des Säuglings und deren über¬ 
ragende Bedeutung gegenüber der unnatürlichen. 

VIII. Das Milchwesen und Art der Technik der künstlichen 
Ernährung. 

IX. Die Krankheiten des Neugeborenen und älteren Säuglings 
mit besonderer Berücksichtigung der Darmkrankheiten, Rachitis, 
Syphilis und Tuberkulose. 


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233 


X. Mutter und Kind in der Kunst. 

Der Raum, auf welchem die Museumsgegenstände untergebracht 
sind, umfaßt 500 qm. Für die einzelne Abteilung standen im Durch¬ 
schnitt 50 qm zur Verfügung. Die Kosten des Museums, einschlie߬ 
lich der baulichen Einrichtung, betragen etwa 40000 Mk. 

Das Musetun ist bestimmt für alle diejenigen, denen vermöge 
ihrer Stellung, ihres Amtes oder ihres Berufes das Wohl und Wehe 
der jüngsten Menschenkinder anvertraut ist, also vor allen Dingen 
für die jungen Mütter, dann aber auch für die Studenten der Medizin, 
für den praktischen Arzt, der hier Anregung und Belehrung finden 
kann, für den Sozialhygieniker, den Verwaltungsbeamten und nicht 
zum wenigsten für die Hebamme, die Wochen- und Säuglings¬ 
pflegerin und Fürsorgerin. Von den Fortschritten, die die wissen¬ 
schaftliche Pädiatrie im Laufe des letzten Jahrzehntes auf dem Ge¬ 
biete der Ernährung und Pflege und andererseits der Pathologie 
des Säuglingsalters gemacht hat, kann hier fast mühelos Kenntnis 
genommen werden. Autoreferat 

Uber „Spontanheilung“ von Glioma retinae. Von Berta 
Lindenfeld. (Aus der I. Univ.-Augenklinik in Wien. — 
Arch. f. Ophthalmologie, 1913, Bd. 86, S. 141.) 

ZurZeit kennen wir erst zwei Beobachtungen über eine dauernde 
Rückbildung des Glioma retinae mit Beibringung des pathologisch¬ 
anatomischen Befundes. In dem einen Falle, mitgeteilt von Knieper 
(Arch. f. Ophthalm., 1911, 78, S. 310) handelt es sich um ein doppel¬ 
seitiges Glioma retinae bei einem zehn Wochen alten Kinde. Das 
rechte Auge, bereits im glaukomatösen Zustande, wird sofort 
enukleiert und zeigt bei der mikroskopischen Untersuchung ein 
typisches Glioma retinae, welches fast das ganze Augeninnere erfüllt. 
Immerhin sind Sklera und Optikus noch frei von Tumorgewebe. Bei 
einer späteren Untersuchung, elf Jahre danach, erscheint das linke 
Auge vollständig phthisisch. In dem anderen Falle, beschrieben 
von de Kleijn (Arch. f. Ophthalm., 1912, 80, S. 371) wird ein acht 
Monate altes Kind rechterseits wegen Glioma retinae enukleiert 
Dabei bleibt aber am Optikusstumpf Tumorgewebe zurück. Schon 
vier Monate darauf erkrankt auch das linke Auge, schrumpft in¬ 
dessen ohne Schmerzen nnd Entzündungserscheinungen und kommt, 
etwa ein Jahr später, ebenfalls zur Enukleation. Die mikroskopische 
Untersuchung ergibt hier nur das typische Bild eines nach chroni¬ 
scher Netzhauterkrankung geschrumpften Auges, lediglich mit ver¬ 
dickter und verkalkter Bowman’scher Membran, mit 
Faltung der Descemet’schem Membran, mitAtrophie der 
Cborioidea, welche zirkumskripte Herde von nekroti¬ 
schem Tumorgewebe enthält Optikus und Sklera sind frei. 

In dem vorliegenden Falle von Lindenfeld handelt es sich 
um ein vierjähriges Kind mit exulzeriertem Gliom des einen 
und Schrumpfung des anderen Auges. Beide Bulbi werden 
enukleiert In dem geschrumpften Auge finden sich, ganz ähnlich 
wie in dem Falle von de Kleijn, alle Zeichen einer vollständigen 
Nekrose des Tumors, welche Lindenfeld ohne Bedenken als 
„Spontanheilung“ ausspricht. 


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234 


Die klinische Erfahrung bestätigt daneben zur Genüge die außer¬ 
ordentliche Malignität desGlioma retinae. Sind einmal beide 
Augen ergriffen, so dauert es durchschnittlich etwa ein Jahr, bis der 
Exitus eintritt Zeigen sich indessen aber keine Metastasen, 
hingegen Rückbildungserscheinungen vonseiten der Augen, so läßt 
sich unter Umständen mit dem sehr seltenen Ereignis der „Spon¬ 
tanheilung“ des Glioma retinae rechnen. Du toi t-Montreux. 

Uber einen Fall von Hydrophthalmus mit vorderer Syne~ 
ehie und Fehlen der Linse. Von wilh. Schlaefke jun. 
(Aus d. kgl. Univ.-Augenklinik in Rostock. — Arch. f. Oph- 
thalm., 1913, 86, Nr. 106.) 

Die vorliegende Beobachtung von Schlaefke über Hydroph¬ 
thalmus mit vorderer Synechie und Fehlen der Linse bildet eine 
wertvolle Ergänzung zu den an anderer Stelle angeführten Unter¬ 
suchungen vonLöhlein über das„Glaukom der J ugendlichen“ 
(siehe Arch. f. Ophthalm., 1913, 85, S. 106). 

Der kongenitale Mangel des Schlemm’schen Kanals 
beim Hydrophthalmus bildet eine der typischen Erscheinungen dieses 
Krankheitsbildes. Seefelder,Nahmacher zumal erwähnen diesen 
Befund in neuesten Arbeiten wiederum mit allem Nachdruck. 

Abgesehen davon vergesellschaftet sich der Hydrophthalmus 
gelegentlich noch mit anderen Entwicklungsstörungen, welche dabei 
ebenfalls eine wichtige ätiologische Rolle spielen, so z. B. mit 
Linsenkolobom, mit kongenitaler Ektasie der Linse, mit 
Iriskolobom, mit Irideremie, mit Gliom usw. 

In diese Reihe der Erscheinungen gehört nun auch die kon¬ 
genitale Aphakie im Falle von Schlaefke, welcher diesen 
Befund — im Verein mit der in dem untersuchten Auge vorhandenen 
vorderen Synechie — als eine abnorme Differenzierung 
der hinteren Hornhautschichten deutet. 

Der wahre Zusammenhang der Dinge wird noch erheblich klarer 
im Lichte der hervorragenden Mitteilungen von Peters (Klin. Mtsbl. 
f. Augenhlkde., 1906, 44) und von Wintersteiner (Sitzungsber. d. 
ophthalmol. Gesellsch. in Wien, 10. III. 1909), welche beide Beob¬ 
achtungen von angeborenem Staphylom der Hornhaut mit 
eingeschlossener Linse und Kapselsack beschreiben — 
während gleichzeitig zentrale vordere Synechien bestehen —, und 
diese Fälle unter die „Teratome“ einreihen. 

Schlaefke findet hierin eine auffallende Ähnlichkeit mit seinem 
eigenen Untersuchungsergebnisse und glaubt, daß die nach gewiesenen 
Veränderungen im oberflächlichen An teil desHornhaut- 
scheitels („Konkrementbildungen“) nichts weniger als Überreste 
der nicht zur Abschwärung gelangten primären Linsen¬ 
bla s e darstellen. D u t o i t -Montreux. 

Das Glaukom der Jugendlichen. Von W. Löh lein. (Aus 
d. Univ.-Augenklinik zu Greifswald. — Arch f. Ophthalm., 
I 9 I 3 i 85 i.S. 393.) 

In der vorliegenden monographischen Bearbeitung des Glaukoms 
der Jugendlichen verwertet Löhlein 82 Fälle aus der Literatur 


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235 


und fügt dazu zehn eigene Beobachtungen. Die Einzelheiten 
der tabellarischen Übersicht dieses reichhaltigen Tatsachenmaterials 
berücksichtigen — abgesehen vom Lokalbefund — zumal auch die 
hereditären Verhältnisse, welche hier, nach der Ansicht von 
Löh lein, eine ganz wesentliche pathogenetische Rolle spielen. Im 
besonderen findet Löh lein auf Grund seiner Untersuchungen 
einiger Geschwister mit Glaukoma infantum sehr bestimmte Be¬ 
ziehungen dieses Leidens zum Hydrophthalmus kongenitus. 

Zwischen dem 5. und 10. Lebensjahre gibt es, in Wahr¬ 
heit, nur wenige Fälle von echtem Glaukom der Jugendlichen. Eine 
ganz auffallende Häufung der Fälle zeigt sich aber dann zwischen 
dem 15. und 20. Lebensjahre. Löhlein schätzt die Frequenz 
in diesem Zeitpunkt auf etwa 40 Proz. ein. Aus dem erwänten 
Materiale fallen unter 17 hochmyopischen 10 und unter 30 hypero- 
pischen Augen 17 in diese Periode. Außerdem gehören annähernd 
60 Proz. aller Fälle in die klinische Gruppe des „Glaukoma Sim¬ 
plex“. 

Der auffallendste Gegensatz zum Glaukom des vorgerückten 
Alters besteht indessen — nach Löh lein — darin, daß 50 Proz. 
aller Fälle von jugendlichem Glaukom gleichzeitig Myopie auf¬ 
weisen und von diesen ein Drittel M. > 6 D, während für das Glaukom 
im allgemeinen nur 15 Proz. Myopen als Durchschnitt angenommen 
werden. Genau übereinstimmend mit dem vom Glaukom der Er¬ 
wachsenen her bekannten Verhalten findet sich beim juvenilen 
Glaukom die akute Form mit 18 Proz., die chronische Form 
mit 82. Proz. der Fälle vertreten, ohne daß sich indessen ein Unter¬ 
schied zu Gunsten des weiblichen Geschlechtes erkennen läßt, wie 
dies gerade beim Altersglaukom der Fall ist. 

Das häufige Vorkommen eines langandauernden „Prodromal¬ 
stadiums“ endlich erklärt Löhlein aus der klinischen Erfahrung, 
welche bestätigt, daß das jugendliche Auge an Drucksteigerungen 
wesentlich besser sich anpaßt als im späteren Alter. 

D u t o i t -Montreux. 


Bücherbesprechungen. 

Kinderturnen. Anregungen zur körperlichen Erziehung der 
Kinder vor dem Schuleintritt für Eltern, Erzieher und alle 
Freunde einer gesunden und frischen Jugend. Von Priv.-Doz. 
Dr. H. von Baeyer, städt. Turnlehrer, und Friedr. Winter- 
München. 8°, 52 S., mit 62 Abbild, im Text Leipzig 1914. 
Verlag von B. G. Teubner. Preis kart. 0,80 Mk. 

Wenn die Verff. sagen, daß schon manche Mutter in Verlegen¬ 
heit gewesen sein wird, wenn der Arzt ihrem Kinde mehr Bewegung 
empfahl, so kann man ihnen nur rechtgeben. Das vorliegende 
kleine Büchlein ist bestrebt, dieser Verlegenheit abzuhelfen und er¬ 
reicht diesen Zweck mit Unterstützung der zahlreichen anschaulichen 
Abbildungen. Es ist zu wünschen, daß das Heft recht vielen Eltern 
in die Hand gegeben werden möge, besonders wenn der Arzt aus 


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236 

dem reichhaltigen Ubungsstoff eine für seine kleinen Patienten ge¬ 
eignete Auswahl getroffen hat (z. B. Atemübungen). Die Übungen 
sind in der Hauptsache für das vorschulpflichtige Alter vom dritten 
Lebensjahre an berechnet Kl ose-Breslau. 

Die Anatomie des Menschen. Teil 1: Zellen- und Ge¬ 
webelehre, Entwickelungsgeschichte des Körpers 
als Ganzes. Von Prof. Dr. Karl von Bardeleben-Jena. 
2. Aufl. kl. 8°, IV und 96 S., mit 70 Abbild, im Text (Aus 
Natur und Geisteswelt, 418. Bändchen.) Leipzig 1914. Verlag 
von B. G. Teubner. Preis 1,25 Mk. 

Bardelebens Anatomie für Laienkreise hat eine vorzügliche 
Aufnahme gefunden. Mit dem vorliegenden Bändchen erscheint sie 
in zweiter Auflage. Der Unterschied gegen die erste ist gering und 
durch wenige Zusätze und Änderungen, wie sie neuere Forschungs¬ 
ergebnisse mit sich brachten, bedingt Das Büchlein sei erneut 
bestens empfohlen. Geißler, Brandenburg a. H. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Kindermilchstationen in ihrer Beziehung zur Kinder¬ 
klinik und dem Privatarzt Von S. Josephine Baker. 

Eine interessante umfassende Übersicht über die Tätigkeit des 
1908 in New-York organisierten Bureaus für Kinderhygiene, dessen 
Zweck hauptsächlich eine Verminderung der Kinder- resp. Säuglings¬ 
sterblichkeit durch geeignete Einrichtungen ist Spiegel-Kiel. 

Ein Versuch, menschliche Milch für den Klinik- 
und Verkaufsgebrauch zu sammeln. Von R. Hoobles. 

Der Versuch ergab, daß die Mütter zum Verkaufe ihrer Milch 
bereit sind und daß viele einen Teil ihrer Milch abgeben können, 
ohne ihr eignes Kind zu schädigen. Ferner, daß sich ein Verkauf 
auf dem Wege der gewöhnlichen Wohlfahrtseinrichtungen ermög¬ 
lichen läßt und so neben dem Nutzen, den das Kind hat, das durch 
den Verkauf mit Muttermilch gestillt werden kann, auch die ver¬ 
kaufende, vielleicht bedürftige Mutter, etwas erwirbt 

Spiegel-Kiel. 

Eine einfache Methode zur Bereitung von Eiwei߬ 
milch. Von R. Ho ob ler. 

Ausgeprobtes verbilligtes Rezept, abweichend von der gewöhn¬ 
lichen Herstellung nach Finkeistein. Spiegel-Kiel. 

Beobachtungen an Milchstationenkindern. Von S. 
Reuben. 

Ausführliche, von zahlreichen Kurven begleitete Arbeit über 
Gewichts- und Emährungsunterschiede usw. bei brust- und künstlich 
genährten sowie unter Nahrungsstörungen leidenden Kindern. Die 
Abhandlung nimmt auch Bezug auf Ernährung in Kalörienwerten 


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*37 

Und gipfelt in einer Zusammenfassung, warum Kinder nicht gedeihen, 
die manches Beherzigenswerte enthält Spiegel-Kiel. 

Starke Hypotrophie durch Unterernährung. Starkes 
Gewichts- und Längenwachstum bei kondensierter 
Milch mit Zucker und stark gezuckerter homogeni¬ 
sierter Milch. Von Variot 

Bis zum 6. Monat gedieh das Kind an der Mutterbrust und wog 
5,3 kg? als man begann, es auf künstliche Nahrung zu setzen. Da¬ 
mit begann seine Leidenszeit, eine Ernährungsstörung löste die 
andere, so ziemlich alles wird von der Mutter durchprobiert, eine 
Furunkulose kommt hinzu und mit 15 Monaten wiegt das Kind 
5,6 kg und mißt 65 cm. Jetzt endlich gelangt es in gute Spital¬ 
pflege mit ärztlicher Überwachung. Es nimmt in einem Monat 
2 kg zu, wächst 4 cm und 3 Zähne brechen durch. Variot glaubt 
diesen schönen Erfolg vernünftiger und sachgemäßer Pflege und 
Ernährung, der Art der Ernährung der von ihm hochgeschätzten 
lait condense sucr£ et hypersucr£ zuschreiben zu müssen. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 9.) Spiegel-Kiel. 

Betrachtungen über einen Fall von unstillbarem Er¬ 
brechen. Laparotomie von Dr. Tredet Heilung. Von 
D u f o n d. 

Das frühgeborene Kind erbrach dauernd bei Muttermilch und 
den verschiedensten künstlichen Nahrungsgemischen. Es kam so 
zurück, daß man mit dem Exitus rechnete und nur in der Über¬ 
legung, daß nichts zu schaden sei, zur Operation schritt Der Befund 
erschien normal, und nur auf gut Glück hin wurde eine zirkuläre 
Umschneidung des anscheinend normalen Pylorus vorgenommen. 
Einige Tage nach der Operation sistierte das Erbrechen bei sonst 
gleicher Ernährung, und eine gute Entwicklung begann. Ein reiner 
Glücksfall; leider ist unsere Diagnostik noch nicht imstande, die zur 
Operation günstigen Fälle auszusondern, immerhin beweist dieser 
Fall, daß man in deletären Fällen an einen Eingriff denken darf. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 9.) Spiegel-Kiel. 

Symmetrisches Lipom der Planta pedit bei einem 
Säugling. Mütterliche erbliche Belastung. Von Variot 
und Monod. 

Gleichartige, seltene Mißbildung bei Mutter und Kind. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 8.) Spiegel-Kiel. 

Uber Hirntumoren. Vorstellung eines Kindes, bei 
dem wegen doppelseitiger Stauungspapille eine Kramo- 
tomie gemacht wurde. VonGuinon, deMartel undRipart. 

Ein 12jähriges Kind, das nur noch hell und dunkel unter¬ 
scheiden konnte, wurde durch den operativen Eingriff so gebessert, 
daß es fast normalen Vitus wiedererlangte. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, 1913, Nr. 8.) 


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238 


Demonstration einer Bier*schen Saugglocke mit 
einer Modifikation zur Blutentnahme bei kleinen 
Kindern. Von G. Blechmann. 

Um für die Wassermann’sche Reaktion die nötige Blutmenge 
zu bekommen, hat sich der Verf. folgenden praktischen Apparat 
konstruiert. An einer kleinen schröpfkopfähnlichen Bier’schen Saug¬ 
glocke ist ein zapfenförmiger, durchbohrter Konus angebracht, auf 
den ein Zentrifugengläschen genau aufzusetzen ist, so daß das Blut 
hineinfließt, und ohne Umfüllung zentrifugiert werden kann. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 1.) Spiegel-Kiel. 

Blinddarmentzündung mit anormalen Symptomen 
bei einem 2jährigen Kinde. Operation. Von Nageotte- 
Wilbouchewitsch. 

2 1 /a Wochen lang traten ohne Fiebersteigerung und ohne Vor¬ 
boten tags oder nachts schmerzhafte Krisen auf. Trotz genauer 
klinischer Beobachtung, Röntgendurchleuchtung, konnte erst am 17. 
Tage die Diagnose gestellt werden, die durch den operativen Befund 
bestätigt wurde. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 8.) 

ödemfälle bei Säuglingen. Von Henry Dwight Chapui- 
New-York. 

Verf. fand, daß das ödem bei Säuglingen durchaus nicht nur 
auf Nephritis bezogen werden darf. Er nimmt hauptsächlich, und 
fand das auch bei den seinen Studien zugrunde liegenden 21 Fällen, 
eine Summierung verschiedenster Ursachen an. Unter diesen nennt 
er Magen- und Assimilationsstörungen, dann Erschöpfungszustände, 
sowie Syphilis, Tuberkulose, Keuchhusten etc. Auch Angioneurosen 
sind teilweise als Ursache anzusehen. Spiegel-Kiel. 

Ein F'all von Tollwut. Von Alfred Hand. Kasuistische 
Mitteilung. 

Unklares in Erscheinungtreten des Rheumatismus 
in den Kinderjahren. Von John Adams Colliver. 

In eingehender Studie beleuchtet Verfasser das Auftreten des 
Rheumatismus in den Kinderjahren, das nur zu oft unbeachtet bleibt 
oder falsch diagnostiziert wird und dem heranwachsenden Kinde 
durch seine Gefahren fürs Herz etc. schwere Gefahren bringt Er 
fand 5,2 Proz. Rheumatismuskranke unter 1000 untersuchten Knaben. 
Die Studie befaßt sich mit den einzelnen Äußerungen der Krankheit 
und ist klar und übersichtlich. Spiegel-Kiel. 

Erfahrungen mit „Molken modifizierter“ Milch in 
der Säuglingsernährung. Von Jerome S. Leopold. 

Verf. machte Untersuchung über die von Schloß-Berlin em¬ 
pfohlene Milch, bei deren Herstellung spezielles Gewicht auf die 
Veränderung der in Molken enthaltenen Salze gelegt wurde. Seine 
Beobachtungen ergeben, daß mit dieser Milch sehr gute Resultate 


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erzielt werden können und er glaubt sie hauptsächlich empfehlen zu 
sollen, wo Muttermilch nur schlecht oder gar nicht erreicht werden 
kann. Spiegel -Kiel. 

Untersuchungen der Vulvovaginitis mittels des 
weiblichen Urethroskops. Von John F. Kuclair. 

Gibt die Untersuchungsresultate an 38 Kindern, die mittels des 
weiblichen Urethroskops auf Vulvovaginitis untersucht wurden und 
betont den Nutzen des Instruments, ohne dessen Hilfe nach Meinung 
des Verfassers 21,75 Proz. der untersuchten Fälle der Kenntnis des 
Untersuchers entgangen wären. 

Empfiehlt strikte Untersuchung aller verdächtigen Fälle zur 
Verhütung der Weiter Verbreitung. Spiegel-Kiel. 

Demonstration schwerer Skoliosen, behandelt nach 
der Abbott’schen Methode. Von Lange. 

Schöne Erfolge dieser Behandlungsart, deren Prinzip darin be¬ 
steht, die Hyperkorrektion im Gipskorsett festzuhalten. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 2.) Spiegel-Kiel. 

Barlow’sche Krankheit. Von Halle und Hasselt. 

Demonstration der Oberschenkelknochen mit typischen Erschei¬ 
nungen. Spiegel- Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 7.) 

9 Fälle von Mongolenflecken in Griechenland. Von 
Maxaronopoulos - Athen. 

Die 9 Fälle konnte derVerf. unter 914 Kindern seiner Klientel 
feststellen, also etwa 1 Fall auf 100 Kinder. Bei einer derartigen 
Häufigkeit bei anderen Rassen dürfte der Name „Mongolenfleck“ 
besser verschwinden. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 9.) 

Ein Fall von Paratyphus bei einem 8-monatlichen 
Säugling. Von Lagane. 

Das Kind wurde von seiner Mutter, die es stillte, infiziert. Die 
exakte Diagnose wurde mit Hilfe der Agglutination gestellt. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1914, Nr. 1.) Spiegel-Kiel. 

Typhusvakzinetherapie und Kollaps. Von Mery. 

Bei einem 5jährigen Kinde traten bei der 4. Injektion von 
Typhusvakzine nach Vincent schwere anaphylaktische Erschei¬ 
nungen auf, die das Kind in ernstliche Lebensgefahr brachten. In 
der Diskussion kommen zahlreiche ähnliche Fälle zur Sprache. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, 1913, Nr. 10.) Spiegel-Kiel. 

Rad io graphische Momentaufnahmen von Tracheo- 
bronchialdrüsen. Von E. Albert-Weil. 

Man muß sich wundern und freuen, bis zu welcher Feinheit 
einige Röntgenologen ihre Technik ausgebildet haben. Durch Auf- 


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240 


nahmen in verschiedenen Durchmessern gelingt es, nicht nur ein¬ 
zelne, sondern alle Drüsen zu Gesicht zu bringen. Die Abbildungen 
sind sehr instruktiv. Spiegel-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 10.) 

Angeborener Defekt der rechten Brustdrüse bei Er¬ 
haltung der Brustwarze. Fehlen der Portio sterno- 
kostalis des muskulus pektoralis major. Von Mery und 
Parturier. 

Demonstration eines 13 jährigen Mädchens mit der angegebenen 
seltenen Mißbildung. Spiegel- Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, 1913, Nr. 10.) 

Würdigung dessen, was man ,,Fazies adenoida“ 
nennt Notwendigkeit, diese Bezeichnung zu ändern. 
Von Abrand. 

Der Verf. beobachtete, daß diese Kinder mit dem angeblich 
typischen Gesichtsausdruck meist keine Adenoide haben, ebenso ist 
der Nasenbefund normal. Operative Eingriffe ändern auch nichts 
an dem Aussehen der Kinder und bessern die Atmung nicht Meist 
sind Anomalien des Gaumens die Schuld der behinderten Nasen¬ 
atmung. Spiegel - Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, 1913, Nr. 9.) 

A case of streptococere arthritis complicating lobar 
pneumonia. Von H. Lowenburg-Philadelphia. 

Bei einem 14monatlichen Mädchen mit Lungenentzündung zeigte 
sich in deren Verlauf eine Kniegelenksentzündung, in deren Punktat 
Kokken gefunden wurden, die nach der Kultur angeblich nicht Pneumo¬ 
kokken, sondern „kurze, dicke Streptokokken“ gewesen sein sollen. 

(Arch. of ped., 1913, XXX, Nr. 3.) Bauer. 

A unique case of congenital scoliosis. Von J.Fraser- 
Edinburgh. 

Skoliose, nach rechts konvex, bei 8 monatlichem Kinde, verursacht 
durch schwere Defekte der unteren Brust- und Lendenwirbelsäule. 
Rechts 13 Rippen, davon 3 durch Synostose vereinigt. 

(Arch. of ped., XXX, Nr. 4.) Bauer-Wien. 


Kleine Mitteilungen. 

Der Tuberkuloseausschuß der Zentralstelle für Kriegswohlfahrts¬ 
pflege des Roten Kreuzes vermittelt Arztstellen in Lungenheilstätten. 
Zur Zeit sind 6—8 offene Assistenzarztstellen zu besetzen. Meldungen 
an den Tuberkuloseausschuß im Reichstagsgebäude. 


Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für fCinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegebeD 

von 

Sanitätsrat l)r. Sonnenberger m Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis fflr das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband ffir Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 60 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstslt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXV. Jahrg. Dezember 1914. No. 12. ( 300 .) 

INHALT: Originalien: Tugendrelch, Die Schulzahnpflege mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung des platten Landes. 241. — Armbruster, Genetisches 
über die Anfälle von Pertussis. 244. — Referate: Neurath, Allergische Re¬ 
aktion mit dem Bordet-Gengou'schen Keuchhusten-Endotoxin. 248. — Klebanskt, 
Ophthalmoblennorrhoe des Neugeborenen. 248. — Kleemann, Empyembehand¬ 
lung bei Kindern. 249. — Uffenhelmer, Schädliche Nahrungswahl beim Säug¬ 
ling. 249. — Loaec, Injektion von künstlichem Serum bei Gastro-Enteritis im 
ersten Lebensalter. 251. — Akuter Gelenkrheumatismus bei Kindern. 252. — 
Bücherbesprechungen: Faulhaber, Röntgendiagnostik der Magenkrank¬ 
heiten. 2.Aufl. 252. —Haussen, Diphtherie, Sommersterblichkeit der Säuglinge 
und Tuberkulose als soziale und Wohnungskrankheiten. 253. — Helberg, Der 
gegenwärtigeStand der Pathologie und Prophylaxe des Diabetes mellitus sowie 
die Therapie des Frühstadiums. 254. — Für Mutter und Kind 1915. 254. — 
v. Bunge, Die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu stillen. 
7. Aufl. 255. - Fülligkeit, Landsberg, Baum, Fürsorge für ortsfremde oder 
nicht seßhafte Jugendliche. 255. — Kurze Notizen aus der Praxis und 
Wissenschaft. 255. — 

Originalien. 

Die Schulzahnpflege mit besonderer Berücksichtigung 
des platten Landes. 

. Von Zahnarzt Julius Tugendreich in Inimenstadt (Schwaben). 

Unter den vielen sozial-hygienischen Bestrebungen unserer Zeit 
beginnt man in den letzten Jahren der Zahnhygiene bei den 
Schulkindern erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Der Grund ist 
einmal Selbstzweck, die Kinder schon frühzeitig an geordnete Zahn¬ 
pflege und rationelle Behandlung zu gewöhnen und auf diese Weise 
die in den Kulturländern ständig wachsende Zahnkaries nach Mög¬ 
lichkeit einzudämmen; zweitens soll durch Gesundhaltung der 
Mundhöhle Infektionskrankheiten, soweit man eben das 
auf diesem Wege verhüten kann, vorgebeugt werden.*) Mit Recht 
fordern heute die Zahnärzte, daß die Kinder schon vom 3. 
Lebensjahre ab zahnärztlicher Aufsicht und Behand¬ 
lung zugeführt werden müßten und bis nach Beendigung der 
Fortbildungsschulpflicht (hier in Bayern also bis nach Vollendung 
d. 16. Lebensjahres) darin zu verbleiben hätten. 

*) Vergl.: Beziehungen zwischen Augen- und Zahnkrankheiten. Von 
Sanitätsrat Dr. Schwabe, Augenarzt in Leipzig. D. Monatsschr. f. Zahn- 
hlkde., 1914, H. 6. 

Kinder-Arzt XXV. Jahrg. 1914. 16 


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242 


Die Angliederung an die Schule ist aus Zweckinäßigkeitsgründen 
erfolgt, um deren Autorität für die Zahnhygiene auszunützen. Das 
Deutsche Zentralkomite für Zahnpflege in denSchulen, 
unter seinem rührigen Generalsekretär Zahnarzt Dr. Erich Schmidt, 
hat die Aufgabe übernommen, bei Staats- und Gemeindebehörden 
für die Verbreitung dieses Zieles zu wirken. In Preußen wird ihm 
diese Aufgabe durch das hohe Verständnis, das der Leiter der 
preußischen Medizinal-Angelegenheiten, Herr Ministerialdirektor 
Wirkl. Geh. Ober-Med.-Rat Dr. K i r c h n e r, der Sache entgegenbringt, 
sehr erleichtert; in Süddeutschland dagegen, wo ein auf fallen¬ 
der Mangel an Zahnärzten herrscht, sind naturgemäß die 
Schwierigkeiten nach dieser Richtung hin noch recht bedeutende. 

Die Aufklärungsarbeit des genannten Komites hat (wenigstens 
in Preußen) schon recht gute Früchte getragen, wenn auch bis jetzt 
vorwiegend nur die größeren Mittelstädte und die Großstädte für 
diese Bestrebungen zu gewinnen waren. 

Die Mehrzahl der Gemeinde-Verwaltungen hat sich dem auf 
dem Abonnement aufgebauten Kliniksystem zugewandt; Räume, 
Einrichtung, Beleuchtung und Heizung, das Zahnärzte- und'Hilfs¬ 
personal etc. stellt die Stadt-Verwaltung; das Personal hat meist 
Beamtencharakter. In den Großstädten ist man von der Zentral- 
Klinik sehr bald aus naheliegenden Gründen abgekommen und zum 
dezentralisierten Betriebe übergegangen. Zumeist werden 
also die Kinder der abonnierten Eltern in besonderen Klinikräumen 
außerhalb der Schulzeit behandelt. Privatdozent Dr. Kantor o- 
wicz-München, ein verdienter Förderer der Schulzahnpflege, hat 
nun auf die Mängel dieses Klinikbetriebes nachdrücklichst aufmerk¬ 
sam gemacht und empfohlen, die Kinder während des Unter¬ 
richtes selbst in geeigneten Lokalitäten der Schule zu behandeln; 
wobei die Schulautorität als sehr wesentliches unterstützendes 
Moment zu wirken hätte.*) Nach ihm gewährleistet allein dieses 
System „eine wirkliche Sanierung und dauernde Kontrolle der 
Kinder bis zum Austritt aus der Schjule.“ 

Das sogenannte „Mannheimer System“ will das Kliniksystem 
durch die Tätigkeit der Privatzahnärzte ersetzen; den sich abonnieren¬ 
den Eltern wird eine Liste derjenigen Zahnärzte zugestellt, die sich 
zur Behandlung der Schulkinder in ihrer Privatpraxis bereit erklärt 
haben. Ein Kollegium älterer Fachleute fungiert als Beratungs- und 
Inspektionsbehörde, um einen rationellen Betrieb zu ermöglichen 
und etwaige Mißstände zu beseitigen. Auch dieses System hat, 
wenigstens in sehr wohlhabenden Städten, seine Vorzüge, ob¬ 
gleich es nach Kantorowicz und anderen erheblich teurer (?) als 
die Kliniken arbeiten soll. 

In den Großstädten mit Klinikbetrieben ist den Schul-Zahn- 
ärzten Privatpraxis ausnahmslos nicht gestattet; neuerdings mehren 
sich aber die Stimmen, die dieses Verfahren für unzweckmäßig er¬ 
klären. Ich habe schon vor einigen Jahren in der D. Zahnärztl. Wschr. 
davor gewarnt, durch Anstellung von N u r-Schulzahnärzten ein- 

*) Vergl.: Alfred Kantorowicz: Uber die Ursachen der Mißerfolge der 
heutigen Schulzahnpflege : D. Monatsschr. f. Zahnhlkde., 32.Jahrg., 1914, H. 7. 


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243 

seitige Praktiker heranzuzieheri. Der praktische Zahnarzt soll 
möglichst alle Alters- und Berufsklassen behandeln. Zu meiner 
Freude sehe ich, daß Erich Schmidt in seiner lesenswerten Schrift*) 
dieser Anschauung bei tritt; Kantorowicz meint hierzu in seiner 
Besprechung von Erich Schmidts Broschüre (D. Monatsschr. f. 
Zahnhlkde., 32. Jahrg., H. 9, 1914), daß dieser Gedanke „erörterungs¬ 
fähig sei“; man könnte, im Rahmen einer straffen Organi¬ 
sation, nach erfolgter Sanierung je einem Privatzahnarzt eine Schule 
überantworten, der in dieser die Kinder in regelmäßigem Turnus zu 
kontrollieren und nötigen Falles zu behandeln hätte. 

In den Großstädten und größeren Mittelstädten fehlt es wenigstens 
nicht an arbeitswilligen Kräften aus den Reihen der approbierten 
Zahnärzte. Schlimmer sieht es hierin auf dem Lande aus, wo 
der Zahnarzt bis jetzt leider nur sehr sporadisch vorkommt; 
am schlimmsten in Süddeutschland, wo die Behandlung überwiegend 
in den Händen der zahllosen Laienpraktiker (Zahntechniker, Dentisten 
etc.) liegt Die mittelfränkische Ärztekammer sprach daher kürzlich 
die Befürchtung aus, daß die Agitation für Schulzahnpflege in den 
Kleinstädten der Bezirksämter leicht zur Anstellung von „Dentisten“ 
führen könnte, da auf dem Lande Zahnärzte kaum vor¬ 
handen seien. 

Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die von weitblickenden 
Zahnärzten und Ärzten inaugurierte Bewegung, die gesamte Be¬ 
völkerung durchgreifend zahnärztlich zu versorgen, nur 
Erfolg haben kann, wenn die Zahl der Zahnärzte in ange¬ 
messenem Verhältnis zu ihrem Bedarf wächst Bis jetzt ist 
das leider nicht der Fall, woran aber unklare Gesetzgebung und 
kurzsichtige Verwaltungsmaßnahmen die Hauptschuld tragen. 

Nach’ meiner mehrjährigen Landerfahrung in einem bayer. 
Bezirksamt ist der krasse Mangel an Landzahnärzten an den 
überaus traurigen Zahnverhältnissen schuld, unter welchen die Be¬ 
völkerung unsäglich leidet Besonders sind mir die durch gedrängte 
Zahnstellung, persistierende «Milchzähne bezw. deren Reste her¬ 
vorgerufenen Gebißanomalien aufgefallen, die dem Träger schon in 
der Jugend schnell um sich greifende Karies und (auf dem Landei) 
damit den Verlust seiner Kauorgane eintragen. Auf mich machen 
diese jungen Menschen mit „Gebißkrücken“ stets einen traurigen 
Eindruck!! 

Wirksame Abhilfe läßt sich nur durch rasche Besetzung der 
Bezirksämter mit ausreichender zahnärztlicher Hilfe 
schaffen; als Existenz-Grundlage müßte diesen Zahnärzten die Sch ul- 
zahnpflege und die Tätigkeit bei den Krankenkassen ihres 
Bezirkes übertragen werden; zu ihrer Unterstützung wären ihnen 
Assistenzzahnärzte beizugeben. Die Zahl der für ein Bezirksamt be¬ 
nötigten Kräfte wird jeweils von Fall zu Fall bestimmt werden 
müssen; annähernd kann man pro (bayer.) Distrikt (= Amtsgerichts¬ 
bezirk) 1 leitenden Zahnarzt und 2 Assistenz-Zahnärzte an¬ 
setzen. Dem Chef-Zahnarzt müßte natürlich noch Ausübung von 

*) Die Schulzahnklinik. Eine Anweisung zur Einrichtung und För¬ 
derung der Schulzahnpflege in Stadt und Land. Berlin, Rieh. Schötz, 1914. 


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244 


Privatpraxis gestattet sein, eventuell auch dem dienstältesten Assi¬ 
stenten in einem geeigneten Nebenort des Bezirksamtes. Da die 
Krankenkassen (ob mit Recht oder Unrecht, mag hier unerörtert 
bleiben) gewöhnlich darüber klagen, daß die Kosten für die Zahnbe¬ 
handlung bei Honorierung jeder einzelnen Leistung und bei ange¬ 
messenen Gebühren unerschwinglich wären, so wird neuerdings der 
Ausweg der Pauschalbezahlung gewählt Pro Kopf und 
Jahr des Versicherten müßten allerdings schon 3 Mark 
berechnet werden; man hält den gleichen Satz 
auch bei dem Abonnementsystem der Schulzahnpflege für 
unerläßlich. Gegebenen Falles müßte eine Drei-Teilung statt¬ 
finden: je 1 Mk. (pro Kopf und Jahr) zahlen Eltern, Gemeinde und 
Staat. Den Bezirks- und Distriktzahnärzten wäre eine angemessene 
soziale und materielle Stellung zu geben, um tüchtige Kräfte für 
das Land zu gewinnen und dort zu fesseln. Da die bloße Mitver¬ 
tretung der zahnärztlichen Interessen durch die beamteten Ärzte 
meines Erachtens völlig ungenügend ist, wärejeder bayerischen 
Regierung ein aus älteren, hervorragend tüchtigen Praktikern 
bestehendes zahnärztliches Kollegium (ca. 4 Zahnärzte, dar¬ 
unter 1—2 Distrikts-Zahnärzte) als beratendes Organ beizu¬ 
geben, das gleichzeitig als Aufsichtsinstanz der Bezirks- und Distrikt- 
Zahnärzte seines Regierungsbezirkes zu fungieren hätte. Nur auf 
diesem Wege wird es möglich sein, die junge Generation 
rationeller Zahnhygiene und -Behandlung zuzuführen und die jetzt 
überaus traurigen Zustände durchgreifend zu bessern. 


Genetisches Qber die Anfälle von Pertussis. 

Von Dr. Armbruster in Schweinheini. 

Husten gilt dem Kliniker, wenn auch nicht immer, so doch in 
den meisten Fällen stets als eine symptomatische Erscheinung von 
Krankheiten der Luftwege, wodurch Herausbeförderung von Schleim 
bewirkt wird. Auch prophylaktisch kann Husten auftreten als Schutz¬ 
vorrichtung für die Lunge gegen Staub und schädliche Gase, wofür 
auch das Geruchsorgan, die Verschlußvorrichtung der Stimmbänder, 
die Entleerungsbewegungen des Niesens, Räusperns, die Erwärmung 
und Befeuchtung der Luft in dem langen Kanal in analoger Weise 
tätig sind. In sehr seltenen Fällen wird dann unter anderm Husten 
ausgelöst durch Reizung von Ösophagus, Magen, Leber Milz. Häu¬ 
figer ist dagegen Tussis hysterika. 

Bei Pertussis zeichnet er sich durch eine große Anzahl schnell 
aufeinander folgende Hustenstöße aus, die von tiefen, seufzenden, 
tönenden Inspirationen unterbrochen sind. Teilweise durch die Hef¬ 
tigkeit und Dauer dieser Hustenstöße können infolge exspiratorischer 
Gefäßzerreißungen Blutungen in den Konjunktiven, in der Haut des 
Gesichtes, in Nasen- und Rachenhöhle auftreten; es vermag ferner 
Berstung des Trommelfelles mit Blutung zu geben. Durch Zerreißung 
von Alveolen tritt interstitielles Emphysem, Pneumothorax, sogar 
allgemeines Hautemphysem ein. Bei häufigem Erbrechen als Be- 


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*45 


gleiterscheinung führen die Anfälle von Pertussis zu schweren Stö¬ 
rungen der Gesamternährung, besonders bei schwächlichen Kindern. 

Von Interesse ist zunächst die Erscheinung, daß nicht alle Teile 
des Respirationsorgans Husten auslösen, und daß die Reizung bei 
gleicher Intensität örtliche Abstufungen zeigt. Von den Alveolen 
aus kann Husten nie hervorgerufen werden; auch der Pharynx löst 
sehr selten Hustenstöße aus. Er ist eben gleichzeitig durch den so 
häufigen Schluckakt in Mitleidenschaft gezogen, weshalb er von der 
Natur unempfindlicher gebildet wurde. Im Kehlkopf sind die für 
Stimme und Sprache so nötigen Stimmbänder wenig hustenerregend, 
was für Sänger und Redner von hohem Vorteil erscheint. Der wirk¬ 
samste Punkt ist hier ein der Glottis respiratoria angehörender Teil, 
der Gießbeckenknorpel. 

Physiologisch sei weiter vorerst zur Erklärung des Hustens das 
Zentralorgan für die Atembewegungen in Betracht gezogen, welches 
im verlängerten Mark liegt. Bei Sauerstoffmangel entsteht Dyspnoe, 
welche als regulatorischer Akt häufig das Blut auf die normale Be¬ 
schaffenheit bringt. Bei weiterer Zunahme der Venosität des Blutes 
geht sie jedoch in allgemeine Erstickungskrämpfe über von klonischer 
und als Vorläufer von Lähmung tonischer Art Zuletzt tritt dann 
neben allgemeiner Lähmung Asphyxie ein. Diese Steigerung wird 
so erklärt, daß das Atmungszentrum, auch Lebensknoten genannt, 
immer ausgedehnter erregt wird. Das Hustenzentrum dürfte dem 
Atmungszentrum nahe stehen. Dies ergibt sich schon daraus, daß 
Husten ausgelöst wird, wenn durch Schleimhäufung in den Bronchien, 
durch Fremdkörper Dyspnoe auftritt. Während aber die Atmung 
kein Reflexakt ist, treten beim Husten sowohl, als bei den Erstickungs¬ 
krämpfen Reflexe auf, hier löst also der Lebensknoten noch eine 
weitere Wirkung aus. 

Wie beim Herzen gilt auch für die Auslösung von Husten der 
Vagus als hemmender Nerv. Er hat jedoch hier wie dort beschleu¬ 
nigende Fasern, wenn letzteres auch beim Herzen sicherer konsta¬ 
tiert ist. Bei Husten durch Reizung von Ösophagus, Magen, Leber, 
Milz ist der Vagus wohl ebenfalls beteiligt. Es sei weiter erwähnt, 
daß die Alveolen deshalb keinen Hustenreiz hervorrufen können, 
weil ihnen wohl eine Innervation fehlt, zumal da bei Emphysem 
durch sie keine nervösen Störungen unmittelbar hervorgehen. Ferner 
sei an dieser Stelle hervorgehoben, daß von der Pleura oft im Ver¬ 
laufe von Punktionen pleuritischer Exudate Husten ausgelöst wird, 
wo die rasch aufgehobene Kompression der Lunge in dieser Weise 
reflektorisch wirkt, was mit am meisten für die nahe Verwandtschaft 
von Lebensknoten und Hustenzentrum spricht; die komprimierten 
Lungenpartien werden durch solche Hustenstöße rascher wieder 
zur Entfaltung gebracht Auch sei hier gleichzeitig Tussis hysterika 
erwähnt, die ohne Hysterie vorkommt Es ist dies ein Reizzustand 
des Nervus laryngeus superior; der Reiz dieses Vagusastes wird als 
Prickeln im Kehlkopf gefühlt. 

Nach Ermittelungen der neueren Chemie gibt es im Bereich 
des Kehlkopfes ein Sekret, das zwar von fast sämtlichen Körper¬ 
drüsen ausgeschieden wird, sich aber hier reichlicher wohl findet 


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24 # 

Es ist dies Spermin bezw. Sperminphosphat, das zum Husten durch 
krampfartige Muskelkontraktionen reizt Man unterscheidet aktives 
und kristallinisches, die Asthmakristalle. Ganz passiv verhalten sich 
die Asthmakristalle — das ist der eigentliche Gegensatz zu aktiv — 
immerhin nicht, wie ihre spitzen Doppelnadeln beweisen. Der Pharynx 
scheint von diesem Sekret frei zu sein, daher seine geringe Reizung. 
Am ärgsten dürfte der erwähnte Teil der Glottis respiratoria von 
Spermin bezw. Sperminphospbat in Mitleidenschaft gezogen werden. 
Wie die irrespirablen Gase, wozu Chlor, Fluor, Ozon gehören, kurze 
Hustenstöße neben Stimmritzkrampf auslösen, so ist dies hier bei 
dem flüssigen Spermin bezw. Sperminphosphat der Fall, sobald es 
sich in etwas vermehrter Menge im Bereich des Kehlkopfes an¬ 
sammelt, was bei manchen Entzündungen der Fall ist, zumal da es 
auf entzündetes Gewebe leichter wirkt 

Bei einem so wichtigen Vorgang zu Gunsten der erkrankten 
Lunge, wie ihn die Herausbeförderung von Schleim darstellt, hat 
die Natur eben mancherlei Maßnahmen für den fördernden Husten 
ins Werk gesetzt. Dazu gehören sein erörtertes Reflexzentrum und 
das Spermin bezw. Sperminphospat. In ähnlicher Weise sehen wir 
beim Herzen, daß nicht nur nervöse Einflüsse die Herzkontraktionen 
auslösen, sondern auch der Bau des Herzens dafür eingerichtet ist 
So mögen die Annuli fibrosi bei Beginn der Vorhofssystole, die et¬ 
was früher anhebt, so gestellt werden, daß dadurch die Ventrikel¬ 
systole eingeleitet wird. Bei Meteorismus paralytikus, wie eine Art 
von Darmlähmung symptomatisch genannt wird, ist deshalb wohl 
noch Resorption vorhanden, weil hier nur der Plexus myenterikus, 
der die Peristaltik en gros gewissermaßen auslöst, nicht mehr funk¬ 
tioniert, während der Plexus enterikus, der die Zottenkontraktionen 
anscheinend hervorruft, von der Lähmung unbeeinflußt ist Hier in 
der dünnen Darmwand sind also zwei verschiedene nervöse Gang¬ 
lien, um das Leben durch weitere Resorptionsfähigkeit zu erhalten. 
Wir treffen ähnliches beim Lebensknoten. Wird die Medulla ob- 
longata nämlich an ihrer obem Grenze durchschnitten, so finden sich 
im Rückenmark weitere Lebensknoten, allerdings sehr sekundärer 
Art, in der Gegend, wo die Brustkorb- und Zwerchfellnerven ent¬ 
springen. Ob sie gleichzeitig auch Hustenzentra sind, entzieht sich 
diesseitiger Kenntnis. 

Nach diesen zumeist allgemeinen Ausführungen über Husten 
zu Pertussis! Die schnell aufeinander folgenden Hustenstöße bei 
Keuchhusten sind eigentlich klonische Krämpfe, jedoch ohne Neigung 
zu Lähmungserscheinungen, wie sie bei dem mittleren Grade der 
beschriebenen Dyspnoe zumeist auftreten. Sie werden hervorgerufen 
durch den Luftröhrenkatarrh bei Keuchhusten, welchen in der ge¬ 
schilderten Weise das Spermin bezw. Sperminphosphat zu beeinflussen 
vermag. Es scheint, daß der neuerdings gefundene Erreger des 
Keuchhustens diesen Katarrh primär nötig- hat, um seinen Nähr¬ 
boden zu finden, wobei dann gleichzeitig eine sekundäre katarrha¬ 
lische Ausbreitung folgt Der schon erwähnte Teil der Glottis re¬ 
spiratoria dürfte der bakterielle Lieblingsplatz sein, bei welchem ähn¬ 
lich wie bei Tussis hvsterika der Nervus laryngeus superior vorzüg¬ 
lich gereizt wird, 


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Noch sei hervorgehoben, daß bei Keuchhusten tonische Krämpfe 
sich m etwas zeigen, nämlich bei etwas längerem Glottisverschluß. 
Eigentlich lange dauert dieser Verschluß nie, weil der dabei im Innern 
des Thorax herrschende Druck bei Kindern sich rasch verstärkt, 
um eine Exspiration und eine Inspiration auszulösen. Da die Kinder 
eine langgezogene, von Krählauten begleitete Inspiration unmittelbar 
vor dem Anfall machen, so hebt der verstärkte Thoraxdruck auch 
rascher den Glottisverschluß auf. 

Um also einen Anfall von Keuchhusten hervorzurufen, müssen 
folgende partielle Ursachen vorhanden sein: i. Entzündung; 2. die 
spezifischen Bakterien vor allem; 3. wahrscheinlich stets Spermin 
bezw. Sperminphosphat; 4. entsprechende Vaguslähmung; 5. Reizung 
des Hustenzentrums. Mit den Muskelkontraktionen wird der Anfall 
eingeleitet Sie entstehen örtlich: 1. durch den zähen Schleim 
der Entzündung, weshalb der Anfall mit einer lufthaschenden In¬ 
spiration anhebt; 2. durch Spermin bezw. Sperminphosphat; 3. durch 
eine Reizung des Nervus laryngeus superior. Die Muskelzusammen¬ 
ziehungen können schon durch Spermin bezw. Sperminphosphat 
allein in etwas hervorgerufen werden. Sie melden dann dem er¬ 
wähnten Reflexzentrum für Husten, sobald die erörterte Hemmung 
des Vagus durch die Reizung der obern Kehlkopfnerven ausgeschaltet 
ist, daß im Bereich dieses Organs eine Aktion für Schleim- und 
Bakterienentfemung zu unternehmen sei, worauf dann die klonischen 
Kontraktionen verstärkt folgen, die durch den erhöhten Thoraxdruck 
zum Glück für die Patienten, obwohl die Hustenanfälle dadurch ge¬ 
wöhnlich länger dauern, kaum tonischen Spasmus auftreten lassen, 
der gern zur Erstickung bei schwachen Kindern führen würde. 

Daß die Hustenstöße so zahlreich bei dem geringen Schleim 
sind, kommt aus folgenden Ursachen: 1. der Schleim ist zähe und 
die kindliche Trachea noch eng; 2. die Vagushemmung ist vollständig 
aufgehoben; 3. vor allem, daß der Sitz der Bakterien des Keuch¬ 
hustens vornehmlich wohl die empfindliche Glottis respiratoria ist 
Daß die Anfälle wieder auf hören, dafür sorgt der gesamte Vagus 
als hemmender Nerv nach Entfernung des Schleims durch Heraus¬ 
befördern oder durch Verschlucken, was bei kleinen Kindern Norm 
ist. Das Reflexzentrum leistet dieser Hemmung willig Folge. 

Zum Schluß noch eine physikalische Erklärung, warum gerade 
im Bereich der Kava superior der Venenabfluß bei diesen die Atmung 
ungünstig beeinflussenden Anfällen verhindert ist, wie sich dies aus 
den eingangs angeführten Blutungen teilweise ergibt; teilweise ent¬ 
stehen sie nämlich auch durch die Erschütterungen während der 
Anfälle. Man sollte eigentlich nach dem Verlauf der beiden Hohl¬ 
venen das Gegenteil erwarten. Die Thoraxaspiration ist aber stärker 
als die Schwerkraft, die für das Blut der Kava superior zumeist in 
Betracht kommt, und wirkt ziemlich lange nach, so daß eine vor¬ 
teilhafte Verhinderung des Venenabflusses aus der Vena superior 
entsteht, die keine Synkope im Gefolge haben kann, wie dies bei 
Stauung in der Kava inferior eintreten könnte. Es sei nur an den 
Goltz’schen Klopfversuch erinnert Weitaus mehr noch trägt die 
erwähnte Druckerhöhung im Thoraxraum dazu bei, der die pulslose. 


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dünne Venenwand komprimiert. Nehmen wir an, die obere Hohl¬ 
vene habe mit ihren entsprechenden Verzweigungen in der Brust¬ 
höhle eine Länge von 10 cm, die untere daselbst eine solche von 
2 cm, so ist die Kompression für die Kava superior 6 /« und für Kava 
inferior »/«. In Wirklichkeit ist der Unterschied noch größer, weil 
die Verzweigungen der Kava superior einen vermehrten Druck in 
dem Grade auslösen, als ihr Gefäßlumen kleiner wird. Da zugleich 
die nachwirkende Thoraxaspiration eine Kompression der Kava in¬ 
ferior anfangs hintanhält, so beschränkt sich der Einfluß des erhöhten 
Thoraxdruckes zunächst nur auf die Kava superior. Hier leistet 
das den Thoraxraum abschließende und verkleinernde Zwerchfell 
vor allem eine wichtige physiologische Arbeit, die bis jetzt kaum 
genügend gewürdigt wurde. Die Inspiration und Exspiration wurden 
absichtlich bei den Schlußerörterungen nicht in Betracht gezogen, 
ebenso nicht die beiden Hiatus und das Foramen pro vena kava 
inferior des Zwerchfells. 


Referate. 

Versuche Ober eine allergische Reaktion mit dem B o rdet- 
G e n g o u ’ sehen Keuchhusten-Endotoxin. Von R. 

Neurath-Wien. (Med. KL, 1914, Nr. 43, S. 1619.) 

Mit dem nach neueren Angaben von Bordet-Gengou ge¬ 
wonnenen Endotoxin des Keuchhustenerregers wurden Versuche über 
eine etwa mögliche allergische Reaktion angestellt, die intrakutan 
zunächst bei pertussiskranken Kindern eine positive Reaktion er¬ 
gaben, welche sich klinisch in einer, der kutanen Tuberkulinreak¬ 
tion analogen Weise zu erkennen gab. In 1—2 Tagen zeigte sich 
eine deutliche papulöse Effloreszenz, die bald schwand. Auch bei 
gesunden Säuglingen trat die Reaktion, bis auf einige ganz junge 
Neugeborene auf. Die Untersuchung wahllos vorgenommener keuch¬ 
hustenfreier* Kinder in verschiedenem Lebensalter ergab ebenfalls 
eine positive Reaktion, ebenso bei Kaninchen. Die angewendete 
Verdünnung war einprozentig. Eine kutane Applikation ergab 
keine Reaktion. Vielleicht repräsentiert das angewendete Endotoxin 
einen komplexen Körper, der aspezifische Substanzen enthält, mög¬ 
licherweise ist es auch als primäres Gift aufzufassen, das nicht erst 
durch Reaktionskörper toxische Aktionskraft erhält. Autoreferat. 

Die Behandlung der Ophthalmoblennorrhoe des Neuge¬ 
borenen. Von Klebanski. (La pathologie infantile, Juli 

I 9 I 4-) 

In 110 Fällen von Ophthalmoblennorrhoe des Neugeborenen hat 
Autor folgende Behandlung angewendet: 2mal täglich wurden In¬ 
stillationen mit 2proz. oder ausnahmsweise ßproz. Argentum nitri- 
kum, je nach der eitrigen Sekretion, vorgenommen. Die iproz. 
Lösung wurde angewendet, wenn die Eiterung nachließ oder von 
vornherein gering war. Gleichzeitig machte man 10 mal täglich 
Instillationen mit 2proz. Argyrol. Die Augen wurden mehrmals 
täglich mit physiologischer Lösung gewaschen. 


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249 

Bei Vorhandensein kornealer Komplikationen wurde mit der 
Argentum nitrikum-Behandlung nie ausgesetzt. In diesem Falle 
wurden die Instillationen 2 mal in 24 Stunden in der Stärke von 
20 Proz. vorgenommen. 

Nach Einführung des Antigonokokken-Serums behandelte Autor 
7 Fälle von Ophthalmoblennorrhoe mit dem Antigonokokken-Serum 
von Nicolle und Blaizot in Toulouse. 

Auf Grund seiner Beobachtungen kommt nun Autor zu folgen¬ 
den Schlußfolgerungen: 

Vergleicht man die Entwicklung und die Dauer der Ophthalmo¬ 
blennorrhoe in den mit Silbernitrat und den mit Serum behandelten 
Fällen oder verfolgt man die Entwicklung einer und derselben 
Ophthalmoblennorrhoe, die zuerst mit dem Serum und alsdann mit 
den Silbersalzen behandelt wurde, so sieht man, daß die Serumbe¬ 
handlung keinen Vergleich mit der Silberbehandlung aushält und 
jedenfalls nicht als spezifisch betrachtet werden kann. 

von la Hausse-Rosenheim. 

Zur Frage der Empyembehandlung bei Kindern. Von 

Erich Kleemann. (Innere Abteilung des Israelitischen 

Krankenhauses zu Breslau. Dir. Geh. Sandberg. — Zbl. f. 

d. ges. Ther., 1914, Jahrg. XXXII, H. 8.) 

Bisher wurde jedes Empyem durch breite Eröffnung des Thorax 
zu heilen versucht. Die schlechten Resultate, die diese Behandlung 
besonders bei-Kindern gab, veranlaßte eine ganze Reihe von Autoren 
dazu, an Stelle der Resektion die wiederholte Punktion treten zu 
lassen. Der andere Vorteil neben der nicht hoch genug anzu¬ 
schlagenden geringeren Mortalität, — dieser Methode liegt besonders 
darin, daß sowohl keine sekundäre Skoliose, keine Verziehung und Ver¬ 
bildung des Thorax, also auch keine Deformierung des Brust¬ 
korbes eintritt, die bei jeder Resektion herbeigeführt wird. Als Er¬ 
klärung für den ungünstigen Ausgang der durch Resektion behan¬ 
delten Empyeme durfte wohl daran zu denken sein, daß die Kinder 
durch das vorhergehende Krankenlager zu sehr geschwächt sind, 
um eine doch ziemlich eingreifende Operation auszuhalteri. — Verf. 
führt dann 2 mit Erfolg durch wiederholte Punktion behandelte 
Fälle von metapneumonischem Empyem an, die durch häufige 
Röntgendurchleuchtung und Röntgenaufnahmen auf die erfolgte 
Heilung hin nachgeprüft worden sind. Der eine Fall war besonders 
bemerkenswert, weil bei einer Punktion allein 900 ccm Eiter entleert 
worden sind. — Hervorzuheben ist ferner, daß das kranke Kind 
nicht in eine Klinik verlegt zu werden braucht, da diesen Eingriff 
jeder Arzt im Privathause zu machen imstande ist — 

Bei der Behandlung der Fälle wurde eine gebogene Kanüle 
verwandt, deren Krümmung es ermöglicht, tief in die Komplementär¬ 
räume hineinzugelangen. Angefertigt wird das Instrument von P. 
Schmidt, Breslau, Nikolaistr. 52. Autoreferat. 

Gibt es einen schädlichen Nahrungsrest beim Säugling? 

Von A. Uffenheimer-Münclien. (M. m. Wsclir., 1914, Nr. 

40 u. 41.) 

Im Anschluß an die früheren Untersuchungen mit Takeno 


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25Ö 


und Liwschiz an „Kaseinflöckchen“ kranker und gedeihender 
Kinder hat Uffenheimer neuerdings zusammen mitTsukamoto 
große Reihenuntersuchungen mit einer verfeinerten Technik ange¬ 
stellt Im ganzen wurden 281 Prüfungen von Stühlen vorgenommen, 
welche von 157 Personen, zumeist Säuglingen, stammten. Die Methodik 
erwies sich als gänzlich einwandfrei, sie war sogar so scharf, daß 
es mit ihrer Hilfe möglich war, Verfälschung der Frauenmilch (durch 
Kuhmilchbeimengungen) nicht nur in dieser selbst, sondern auch 
im Stuhl des mit ihr gefütterten Säuglings nachzuweisen. Reste 
des Kaseins verfütterter Kuhmilch ließen sich in einzelnen Fällen 
noch 1 bis 6 Tage nach dem Übergang zur Frauenmilch nachweisen. 
Im übrigen zeigten die Frauenmilchstühle mit Kuhmilchantiseris 
keinerlei Reaktion. Die künstlich ernährten Säuglinge wurden nach 
mehreren Gruppen ausgeschieden: nämlich Säuglinge mit schweren 
und solche mit leichteren Ernährungsstörungen; nicht emährungs- 
gestörteSäuglinge, die anderweitig erkrankt waren; gesunde respektive 
gedeihende Säuglinge. Die Kaseinbröckel all dieser Kinder enthielten 
regelmäßig (eine Ausnahme!) Kasein, unausgewählte Stuhlpartikel 
in weitaus der Mehrzahl der Fälle. Es besteht kein Zweifel, daß 
wir vollkommen berechtigt sind, für alle diese Fälle einen echten 
Nahrungsrest anzunehmen. Versuche an mit Griesmischungen er¬ 
nährten Säuglingen zeigten, daß das Grieseiweiß im Stuhle nicht 
mehr nachweisbar ist, daß also das Vorhandensein nicht denaturierten 
Eiweißes in den Fäzes keineswegs die Regel ist für alle in der 
Säuglingsnahrung verabreichten artfremden Eiweißkörper. Eine 
einfache Berechnung ergab, daß der vom Kasein stammende Nah¬ 
rungsrest, der täglich mit dem Säuglingsstuhl ausgeschieden wird, 
etwa 1 / a bis 1 g beträgt gegenüber den zirka 4,5 g Gesamteiweiß 
des Tageskotes. Das Eiklar, das erst kürzlich als ein echter Schäd¬ 
ling des Säuglingsdarmes wieder erwiesen wurde, zeigt ein ähnliches 
Verhalten seiner Ausscheidung im Stuhl wie das Kasein. Aller¬ 
dings in einigen Fällen erst nach 4 tägiger Verabreichung je eines 
Eiklars so weit, daß sich noch nichtdenaturierte Substanz im Stuhle 
fand. Die Beobachtung von einem ähnlichen Verhalten des schäd¬ 
lichen Eiklars und des Kaseines hätte vielleicht von vornherein zur 
Annahme führen können, daß der Kaseinnahrungsrest tatsächlich 
auch ein schädlicher sei. Nachdem aber erwiesen wurde, daß auch 
bei größeren Kindern und sogar bei Erwachsenen in einem erheb¬ 
lichen Prozentsatz der untersuchten Fälle sich Kasein im Stuhle be¬ 
fand, schien ein solcher Schluß doch allzu rasch. Vorläufig läßt 
sich demnach der gefundene Nahrungsrest noch nicht sicher als 
schädlicher bezeichnen, trotzdem manches für das Vorhandensein 
eines solchen spricht Es wird erläutert, in welcher Weise wir uns 
auch heute schon Vorstellungen darüber machen können, nach 
welcher Richtung hin wohl der gefundene Nahrungsrest Schaden 
anzurichten vermöchte. Autoreferat 

Die Injektionen von künstlichem Serum bei den Gastro*« 
Enteritiden im ersten Lebensalter. Von Loa ec. (Re¬ 
ferat in La patliologie infantile, Juli 1914.) 

Autor hat 374 Fälle von Gastro-Enteritiden bei künstlich er- 


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*5* 


nährten Säuglingen, die in der Krippenanstalt des Dr. Chatin in Lyon 
mit künstlichem Serum behandelt wurden, gesammelt. Diese Beob¬ 
achtungen wiesen 72,9 Proz. Heilungen und 27,08 Proz. Todesfälle 
auf. Das Verhältnis der Heilungen war bei den chronischen Formen 
hoher als bei den akuten Fornien. 

Bemerkt muß werden, daß Chatin bei den mit Serum behandel¬ 
ten Kindern nebenbei die Wasserdiät, die Bäder, das zitronensaure 
Natrium, das Tanningen usw. angewendet hat 

Von den von C h a t i n angewandten Seren hebt Autor vor allem 
folgende zwei hervor, das von Hayem: 


Natr. chlorat. pur. 5,0 

Natr. sulfur. cryst. pur. 10,0 
Aq. dest. ster. 1000,0 

und das hypertonische Serum von Netter: 

Natr. chlorat. 10,0 
Calc. chlorat. 0,3 

Natr. bicarbon. 0,1 
Aquae. 1000,0 


Die Einspritzungen macht man am besten in der Gegend zwischen 
den Schulterblättern. Die Haut wird mit Äther oder Jodtinktur 
desinfiziert Als Dosis wendet C h a t i n meist 40 ccm p. die in zwei 
Einspritzungen von je 20 ccm an. Wenn nötig, wie bei Cholera 
infantilis, hyperakuter Gastro-Enteritis mit profuser Diarrhöe und 
Erbrechen kann diese Dosis verdoppelt werden. 

Bei den chronischen Formen geht man selten unter 40 ccm 
herunter. Die Einspritzungen werden im allgemeinen 10 Tage lang 
fortgesetzt. Manchmal, bei den akuten Formen, hört man, wenn die 
Besserung eine schnelle ist, nach einigen Tagen damit auf. Hat 
man die Einspritzungen 10 Tage hindurch gemacht, so kann man 
dieselben, wenn nötig, nach einigen Tagen Pause wieder aufnehmen. 

Der Erfolg der Einspritzungen war ein sehr guter. Lokale 
Komplikatonen kamen nicht vor und das Fieber wurde günstig be¬ 
einflußt. Das Körpergewicht nahm zu, die Verdauung wurde ge¬ 
bessert, die Diurese gesteigert, die Ernährung und das Nervensystem 
günstig beeinflußt. 

Kontraindiziert sind die Einspritzungen bei tuberkulösen Kindern 
und bei Ödemen infolge von Nephritis. 

von la Hausse-Rosenheim. 

Der akute Gelenkrheumatismus bei Kindern. (Referat in 
La pathologie infantile, Juli 1914.) 

Der akute Gelenkrheumatismus ist beim Kinde relativ selten. 
Zwischen 15 und 20 Jahren ist er ziemlich häufig. 

Man hat behauptet, daß der Rheumatismus beim Kinde eine 
gutartige Erkrankung sei. Das ist richtig, wenn man nur die Ge¬ 
lenke in Betracht zieht, aber falsch, wenn man auf die Häufigkeit 
und die Schwere der Erscheinungen außerhalb der Gelenke und 
vor allem auf die Herzlokalisationen Rücksicht nimmt. 

Die Erscheinungen außerhalb der Gelenke betreffen die Haut 
und das Unterhautzellgewebe und treten als Ödeme und Knötchen auf. 

Die Ödeme können das Gesicht, die Genitalien und die Glieder 
befallen. Es sind weiße, etwas schmerzhafte Ödeme mit scharfen, 


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kreisförmigen Rändern. Dieselben gehen in 24—36 Stunden zurück. 
Die Erscheinungen in den Gelenken treten zu gleicher Zeit auf oder 
können fehlen. Zur differentiellen Diagnose derselben dient der Um¬ 
stand, daß sie durch Natr. salizyl. beeinflußt werden und nur geringes 
Fieber verursachen. 

Die rheumatischen Knötchen haben ihren Sitz nicht in der Haut, 
sondern in dem Zellgewebe, den Aponeurosen, den Sehnenendigungen. 
Man findet dieselben vor allem an der Stirne, den Ohren, dem Peri- 
kranium, an den oberflächlichen Aponeurosen der Glieder. Sie sind 
Stecknadelkopf-, linsen- bis erbsengroß; oft schmerzlos, manchmal 
jedoch auf Druck empfindlich, manchmal sehr schmerzhaft; sie sind 
hart, beweglich und erscheinen vor, während und nach dem Rheu¬ 
matismus. Im allgemeinen fallen sie mit schweren und besonders 
mit Herzkomplikationen zusammen. — Meist vergehen sie rasch, 
doch können sie Tage ja Wochen lang bestehen. Doch wird die 
Schwere des Gelenkrheumatismus beim Kinde durch die große Häufig¬ 
keit der Herzkomplikationen bedingt. Dieselben betragen 91,0 Proz. 
Am häufigsten kommt Mitralinsuffizienz vor, doch am schwersten 
ist die Perikarditis, die in 15—20 Proz. der Fälle auftritt und 7 Proz. 
Todesfälle aufweist Die Endokarditis beträgt 80—85 Proz. der Fälle. 

Das Hauptmedikament ist das Natr. salizyl. in gehöriger Dosis. 
Für den Erwachsenen mit 20 Jahren rechnet man 6 g pro die, und 
daraus berechnet man die Gabe für das betreffende Kindesalter. 
Man darf mit dem Medikamente nicht zu früh aufhören: man gibt 
die volle Dosis 5—6 Tage lang, dann vermindert man dieselbe pro¬ 
gressiv während 14 Tage nach Aufhören der letzten Schmerzen, mag 
der Anfall auch noch so leicht gewesen sein. Autor gibt folgende 
Mixtur: Natr. salizyl. 3,0 

Natr. bikarbon. 1,5 
Rhum. 5,0 

Sir. aur. cort. 15,0 
Inf. flor. til. 80,0 

Wenn der Magen diese Mixtur absolut nicht verträgt, so gibt 
man das Natr. salizyl. als Klystier oder als Suppositoriuni. 

Gegen das Ohrensausen gibt man gleichzeitig Chinin. Die Gabe 
für den Erwachsenen beträgt 0,6 pro die. 

Es ist sehr wichtig, die Kranken mindestens noch 14 Tage lang 
nach dem Aufhören der Schmerzen im Bette zu lassen. 

v. la Hausse-Rosenheim. 


Bücherbesprechungen. 

Die Röntgendiagnostik der Magenkrankheiten. Von Dr. 
M. Faul h ab er, Privatdozent an der Universität Würzburg. 
(Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der 
Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, herausg. von A. 
Albu-Berlin. Bd V, H. 1.) 2. vermehrte und verbesserte 

Auflage, gr. 8°, 59 S. m. 48 Abb. im Text und 2 Tafeln. 
Halle a. S. 1914. Verlag von Carl Marhold. Preis 1,50 Mk. 
In übersichtlicher anschaulicher Darstellung behandelte Verf. 


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253 


die normale und anormale Beschaffenheit des Magens im Röntgen¬ 
bild und zieht daraus die wichtigen praktischen Schlüsse. Ohne 
den Wert der Magenuntersuchung im Röntgenbild zu überschätzen, 
ist Verf. doch der Ansicht, daß in 20—30 Proz. der Fälle, wo die 
klinischen Methoden zur Diagnose des Magenkarzinoms nicht aus¬ 
reichen, diese durch das Röntgenbild gesichert wird. 

Die Abhandlung bietet für Praktiker und Spezialist gleich an¬ 
regende Momente. Cordes-Dresden. 

Diphtherie, Sommersterblichkeit der Säuglinge und 
Tuberkulose als soziale und Wohnungskrank¬ 
heiten. (Nach Untersuchungen in Kiel. Mitunterstützung 
der Adelheid B 1 e i ch r öder-Stiftung der Gesellschaft deutscher 
Naturforscher und Ärzte.) Von Dr. Peter Hanssen, Kinder¬ 
arzt in Kiel. (Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Medi¬ 
zinalverwaltung. Im Aufträge Sr. Exz. des Herrn Ministers 
des Innern herausg. von der Medizinalabteilung des Mini¬ 
steriums, Schriftleitung: Geh. Ober-Med.-Rat Prof.Dr.Dietrich- 
Berlin, IV. Bd., II. H. [der ganzen Sammlung 42. H.]), gr. 8°, 
68 S., 1 Blatt und 8 (färb.) lith. Stadtkarten. Berlin 1914. 
Verlag von Richard Schoetz. Preis 5,20 Mk. 

Acht große farbige Stadtpläne ermöglichen den Vergleich 
der Verbreitung der angegebenen Krankheiten in den ver¬ 
schiedenen Straßen von Kiel, namentlich der Vergleich der Jahre 
1909—1911 in bezug auf die Säuglingssterblichkeit ist lehrreich. 
Diese Stadtpläne ergänzen die Kurven über die Sommer-Temperatur 
und Säuglingssterblichkeit in den drei Jahren, die der Verf. im 
Archiv für soziale Hygiene, Bd. VII, 1913, veröffentlicht hatte. Zu¬ 
nächst untersuchte Hanssen die Verbreitung der Tuberkulose in 
Kiel, ihre Verteilung auf die Geschlechter, auf das Alter und nach 
Jahreszeiten. Die Tuberkulose im Kindesalter wurde noch beson¬ 
ders betrachtet und vergleichend-pathologische Bemerkungen dazu 
gemacht. Die Diphtherie folgte, sie hat sich in den letzten Jahren 
besonders in Gaarden gezeigt. Diese Epidemie war von großer 
Hartnäckigkeit und Bösartigkeit. Die Gestorbenen gehörten fast 
ohne Ausnahme den ärmeren Volksklassen an, ähnlich wie bei der 
Tuberkulose. 

In einem weiteren Abschnitt des Werkes werden dann die drei 
Krankheiten in Beziehung zur Wohnung gebracht. Umfassende 
Tabellen lassen erkennen, in welchen Straßen und Häusern in 
Kiel diese wichtigen Wohnungskrankheiten ihr Hauptverbreitungs¬ 
gebiet haben. Alle drei Krankheiten forderten die größte Zahl der 
Opfer in den dicht bewohnten Arbeiterstraßen im Norden, Westen 
und in Gaarden. Dieser schädliche Einfluß äußerte sich sogar, 
wenn die Bewohner sich in hygienisch günstigen Reihenstraßen be¬ 
fanden, wie in dem Viertel im Westen zwischen Krausplatz und 
Gutenbergstraße, an der Peripherie der Stadt Kiel. Umgekehrt trat 
der schädigende Einfluß der Wohnung nicht in Wirksamkeit, wenn 
Mitglieder des arbeitenden Standes in Einzelhäusern sich angesiedelt 


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254 


hatten. Diese Mauser wie sie besonders der Bauverein in Ellerbek 
in großer Zahl errichtet hat, waren von den Wohnungskrankheiten 
in sehr viel geringerem Maße befallen. 

In einem Rückblick bespricht der Verf. die großartige Entwick¬ 
lung der Pachtgärten in Kiel. Die Spiel-Sportplätze in Schleswig- 
Holstein werden auf gezählt 

Die Aufklärung der Bevölkerung über die Entstehung der In¬ 
fektionskrankheiten hält Verf. für das wichtigste Mittel zur Ver¬ 
hütung dieser mörderischen Krankheit. Museen für Säuglingspflege 
und Tuberkulose sind auch in kleineren Städten zu errichten, damit 
die Erkenntnis über das Wesen dieser Krankheiten in die weitesten 
Volksschichten eindringen kann. Autoreferat. 

Der gegenwärtige Stand der Pathologie und Prophy¬ 
laxe des Diabetes mellitus sowie dieTherapie des 
Frühstadiums. Von Priv.-Doz. Dr. K. A. Heiberg in 
Kopenhagen. (Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem 
Gebiete der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, herausg. 
von Prof. Dr. A. Albu-Berlin, Bd. V, H. 4.) 8°, 52 S. Halle 
a. S. 1914. Carl Marhold Verlagsbuchhandlung. Preis 1,40 Mk. 

Die vorliegende Broschüre ist keiner der landläufigen auch für 
Laien bestimmten diätetischen Wegweiser, sondern die Wiedergabe 
des wissenschaftlich begründeten Standpunktes des Verf. in den ver¬ 
schiedenen Diabetesfragen. Jeder Diabetes, führt Heiberg aus, ist 
ein Pankreasdiabetes. Die gute Wirkung einer schonenden Therapie 
des Diabetes beruht auf einer Kräftigung der Organe mit schwacher 
Funktion. Die Möglichkeit der Regeneration und Hypertrophie 
des Inselgewebes ist besonders gegeben, wenn eine Sklerose sich 
findet. 

Der Diabetes in Zusammenhang mit anderen Krankheiten, 
Häufigkeit, Ausbreitung, Heredität, allgemeine Prophylaxe, die thera¬ 
peutischen Konsequenzen aus den vorher aufgeführten Gesichts¬ 
punkten und Schwierigkeiten bei der Durchführung der Behandlung 
der Zuckerkrankheiten werden knapp und scharf besprochen. 

Dr ey er-Köln. 

Für Mutter und Kind. Abreißkalender für 1915. Lahr i. B. 
1914. Moritz Schaumburg. Preis 0,50 Mk. 

Das diesjährige Erscheinen des Säuglingskalenders fällt in die 
ernsteste und gefahrvollste Zeit, die das deutsche Vaterland in Jahr¬ 
hunderten zu durchleben hatte. 

Wie Ihre Majestät die Kaiserin in Allerhöchst ihrer Mitteilung 
vom 12. August mit Recht betonte, macht heute mehr denn je der 
Deutschland aufgezwungene „männermordende Krieg“ die Säuglings¬ 
fürsorge notwendig. 

Der Badische Landesausschuß hält es deshalb für seine doppelte 
Pflicht, dem von der Abteilung VI des Badischen Frauenvereins 
zusammengestellten Säuglingskalender auch jetzt wieder ein warm 
empfehlendes Wort mit auf den Weg zu geben: Möge der Kalender, 
dessen gediegener Inhalt in Wort und Bild für sich selber spricht, 


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255 


auch im zweiten Jahr seines Erscheinens gleich wie im ersten seinen 
Weg finden zu allen, die mit uns die gleichen Bestrebungen teilen, 
nicht allein zu den Zweigvereinen des Badischen Frauenvereins, 
sondern auch zu den Vereinen und Korporationen der übrigen Bundes¬ 
staaten, die sich mit Säuglingsfürsorge beschäftigen. Möge er sich 
als wirksames Mittel erweisen für wachsende Ausdehnung der Für¬ 
sorge für unsere Jugend und damit für Erhaltung deutscher Kraft 
und Wehrfähigkeit! Hauser-Karlsruhe i. B. 

Die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre Kinder 
zu stillen. Die Ursachen dieser Unfähigkeit, die Mittel zur 
Verhütung. Ein Vortrag von Prof. Dr. G. von Bunge, Prof, 
an der Universität Basel. Siebente, durch neues statistisches 
Material vermehrte Auflage mit einem polemischen Nachwort 
gr. 8°, 40 S. München 1914. Ernst Reinhardts Verlagsbuch¬ 
handlung. Preis 0,80 Mk. 

Die siebente Auflage des bekannten Vortrages Bunge’s, der 
vor 14 Jahren zum ersten Mal erschien (gehalten wurde er bereits 
ein Jahr früher, im Jahre 1899), weist eine Statistik über 2709 
Familien auf. Es ist wohl zu bekannt und braucht an dieser Stelle, 
kaum noch einmal hervorgehoben zu werden, daß der Verf. die 
Ursache der zunehmenden Stillunfähigkeit der Frauen in der 
chronischen Alkoholvergiftung der Aszendenz gefunden zu haben 
glaubt — Der Hinweis auf die Neuauflage dürfte genügen, um zur 
Lektüre des glänzend geschriebenen Vortrages anzuregen. 

Klos e-Breslau. 

Fürsorge für ortsfremde oder nicht seßhafte Jugend¬ 
liche. Konferenzbericht. Von Dir. Dr. Polli gkei t-Frank- 
furt a. M., Ami^gerichtsrat Landsberg-Lennep und Dr. 
Marie Baum-Dusseldorf. (Veröffentlichungen des Vereins für 
Säuglingsfürsorge im Reg.-Bez. Düsseldorf, herausg. von Prof. 
Dr. med. Schloßmann und Dr. Marie Baum. H. n.) 8°, 
4 u. 60 S. Berlin 1914. Verlag Carl Heymann. Preis 1,20 Mk. 

Die Broschüre bringt den Bericht über die vom Düsseldorfer 
Verein für Säuglingsfürsorge und dem Vermittelnden Bureau der 
rhein.-west£älischen Jugendgerichtshilfe und Jugendschutzarbeit am 
4. März 1914 zu Düsseldorf abgehaltene Konferenz, sowie die an die 
einzelnen Vorträge sich anschließenden Diskussionen, die für alle, 
die sich für die Themen interessieren, viel des Wissenswerten bringen. 

Cordes-Dresden. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

Thorax-Abnormitäten. Von M. L. Ombridanne. 

Das Kind wurde wegen linksseitigem Tortikollis gebracht. Es 
war dadurch eine rechtsseitige Skoliose entstanden, soweit die Hals¬ 
wirbelsäule in betracht kam, eine kompensatorische im Bereich des 


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2 j6 


Dorsal-Teils auf der linken Seite. Es bestand eine kongenitale Ge- 
schwulst von knochenharter Konsistenz. Das Röntgen-Bild ergab 
noch verschiedene bemerkenswerte Einzelheiten am Skelett, das 
Herz lag rechts. Verf. hält eine operative Behandlung für möglich. 

(Bull, de la sod. de ped de Paris, Febr. 1914.) Hanssen-Kiel. 

Vakzine-Therapie des Typhus. Von Comby. 

Es wurde das Autolysat von M. Vincent benutzt, und zwar 
1 ccm, die Resultate waren günstig, es handelt sich allerdings nur 
um 2 Fälle. Im ersten Fall bewirkten 2 Injektionen, daß am 7. 
Tage das Fieber nachließ. Im 2. Fall trat nach der Einspritzung 
von 3 cm die Entfieberung ein. Die Anwendung des Mittels ist 
ohne Gefahr. H a n s s e n-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, Febr. 1914.) 

Uber die toxische Wirkung des Hypophysis-Ex¬ 
traktes Auf den Neugeborenen, wahrscheinlich durch 
Muttermilch. Von H. B. Sh ef f i eld-New-York. 

Die Mutter hatte 12 Stunden vorher 2 subkutane Einspritzungen 
von Hypophysis- (Pituitary-) Extrakt erhalten je 1 ccm innerhalb 2 
Stunden. Ungefähr 8 Stunden später bekam das vorher gesunde 
Kind nach dem ersten Anlegen an die Mutterbrust Zuckungen der 
Gliedmaßen. Später wurden die Extremitäten starr (nach der zweiten 
Brustmahlzeit), die Hände und Füße flektiert, die Atmung stand 
still, das Gesicht tiefblau. Die Anfälle wechselten regelmäßig 
alle paar Minuten. Die Muttermilch wurde ausgesetzt und kleine 
Dosen Chloral gegeben. Nach 6 Stunden besserte sich das Befinden 
des Kindes und 2 Tage nachher war es vollkommen normal. 

(Zbl. f. Kinderhlkde., 1914, Nr. 2.) Hanssen-Kiel. 

Beobachtungen über den Nährwert der rohen Milch. 
Von M. M. G. Variot und Lorenz-Monod. 

Die Milch stammte von gesunden Kühen, wurde aseptisch in 
kleinen Flaschen gewonnen, bis zum Gebrauche im Eis aufbewahrt. 
18 Säuglinge wurden mit dieser Milch ernährt. Nur 5 mal wurde 
voller Erfolg erzielt, 15 mal war Mißerfolg zu verzeichnen. Von 
diesen Fällen nahmen die meisten nach der Ernährung mit roher 
Milch ab, meist zwangen erhebliche Darm-Störungen zum Abbrechen 
der Versuche. Demnach sind solche Versuche mit roher Milch nicht 
sehr ermutigend. Das bakteriologische Bild der Stühle ergab Uber¬ 
wiegen der gramnegativen Stäbchen, sonst waren nur wenig Azido- 
philus, Thirulin und einige Streptokokken vorhanden. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, Febr. 1914.) Hanssen-Kiel. 

KongenitalesFehlenderBrustmuskeln. Svndaktylie. 
Von M. M. Savariand und Roederer. 

Verff. empfehlen, die Syndaktylie erst im Alter von 7—8 Jahren 
zu operieren, M. Mauclaire operiert schon im 5. Jahr. 

(Bull de la soc. de ped. de Paris, Febr. 1914.) Hanssen-Kiel. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Köuigsbrück. 


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i || | I I i II I II spasmus und Phlyktänen, Nasen- und Zahn- 

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Der Kinderarzt 1914, Heft 12. 


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Verantwortlich für den Anzeigenteil der Vorleger und Eigentümer Benno Konegen in Leipzig. 
Druck von A. Pa bat in Königabrüok. 


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Der Kinder-Arzt 


Zeitschrift für Kinderheilkunde 


unter 


Mitwirkung hervorragender Fachärzte 


herausgegeben 


Sanitätsrat Dr. med. Sonnenberger, 

Spezialarzt für Kinderkrankheiten in Worms. 


XXVI. Jahrgang 1015. 


Benno Konegen Verlag 
LEIPZIG 


I 9 I 5- 

■CS 

L. ' 



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Register 

zum Jahrgang XXVI des „Kinderarzt“. 


Origin allen, Versammlungs¬ 
berichte, Sammelreferate. 

Armbrust er, Physiologische Bedeu¬ 
tung des Ikterus neonatorum 2. 

— Vom Kehlkopf der Neugeborenen 3. 

— Ergänzung zu „Physiologische Be¬ 
deutung des Ikterus neonatorum“ 51. 

— Beobachtungen aus der Praxis: I. 
über Morbus makulosus Werlhofii. 

II. Uber ansteckende Blepharitis. 

III. Uber die Folgen des höherstehen¬ 
den Kehlkopfes bei Neugeborenen. 

IV. Uber Behandlung der Asphyxie 
der Neugeborenen 63. 

— Uber die Eigenwärme des Kindes 
in ihren Beziehungen zu jener des 
Embryos 119. 

— Uber Nabelbrüche der Kinder 131. 
Auerbach, Die Indikationen der ope¬ 
rativen Epilepsiebehandlung im 
Kindesalter 161. 

Cordes, Zur Psychose im Kindes¬ 
alter 81. 

Dutoit, Uber Vakzinetherapie des 
Typhus abdominalis im Kindesalter 
129. 

— Uber Syphilis hereditaria präkox 
et tarda 145. 

Feuchtwanger, Aus dem Grenzge¬ 
biet zwischen Pädiatrie, Psychologie 
und Pädagogik 33. 

Greve, Die Behandlung der Milch¬ 
zähne 113. 


Haussen, Milchverderbnis und Säug- 
lingssterbiichkeit 17. 

— Die Zukunft der Kinderheilkunde 

97- 

von laHausse, Ein Fall von Masern 
mit schweren nervösen Symptomen 

52. 

R e ck z e h .UberBlutgiftanämien junger 
Individuen. Beiträge zur Pathoge¬ 
nese der perniziösen Anämie und 
Anämia infantum pseudoleukämika 

65- 

Rehn, Zur Wirkung des Diphtherie- 
Heilserums durch die Muttermilch 
auf den Säugling 35. 

— Uber das Vorkommen der Rachitis 
in größeren Höhen 177. 

Rosenhaupt, Kasuistischer Beitrag 
zur Vererbungsfrage bei der akuten 
Leukämie 49. 

Versammlung des Deutschen Zen¬ 
tral-Komitees zur Bekämpfung der 
Tuberkulose 127. 

Zentralausschuß für Volks- und 
Jugendspiele in Deutschland 47. 

Referate. 

A b r a u d, Sehr großer Fibrom aus dem 
Nasen-Rachen raum 47. 

A p o 1 a n t, Eine Beobachtung zur Impf¬ 
frage 106. 


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IV 


Arluck, Zur Frage über Tuberkulose 
in der Schule 140. 

Armbruster, Studien überdas kind¬ 
liche Herz 138. 

Axenf el d, Die Behandlung der Pneu- 
mokokkeninfektionen, besonders des 
Ulkus korneae serpens, mit Äthyl- 
hydrokuprein (Optochin) Morgen- 
roth 152. 

Babonneix u. Toxin, Hemiplegie 
bei einem hereditär syphilitischen 
Kinde 32. 

Bach, Moorbäder und Quarzlichtbe- 
strahXungen bei Enuresis noktuma 

75- 

Baginsky, Die wichtigsten Ver¬ 
dauungsstörungen des älteren Kindes 
und ihre Behandlung 184. 

Barasch, Zehn Jahre Scharlach- 
statistk 141. 

Barker, Die Verwendung von Blut¬ 
serum Immunisierter in der Behand¬ 
lung des malignen Scharlachs 167. 

Beekman, Frühzeitige Pubertät bei 
Mädchen mit Fallbericht 136. 

vonBehr-P innow, Die Bekämpfung 
der Säuglingssterblichkeit — eine 
Frage der Massenbelehrung 91. 

Ben da, Scharlach und Diphtherie in 
Ihren Beziehungen zur sozialen Lage 

io 3- . , . 

Berlin, Zur Frage der bakteriologi¬ 
schen Diphtherie-Diagnose 169. 

Bernhard, Über den Einfluß der 
Sommerferien auf die Diphtherie- 
und Scharlachsterblichkeit 188. 

Berry, Einige Fälle von Diarrhöe¬ 
behandlung mit Bazillus bulgarikus 

I 5- f . 

Blechmann u. Delost, Die Reaktion 

nach Noguchi bei hereditärer Sy¬ 
philis 31. 

Bloch, E., Die Wiederaufnahme der 
Binet-Simon ’schen Intelligenz¬ 
prüfungen nach Ablauf eines Jahres 
an denselben schwachsinnigen Kin¬ 
dern 125. 

Bloch, I., Zur Behandlung sexueller 
Insuffizienz 191. 

Boncour, Über die Epilepsie bei 


Kindern und ihre Behandlung durch 
das Brom 8. 

Bontillier, Hypertrophie derThymus 
und Thymustod mit Fallgeschichte 

185. 

Borgmann, Kavernöse Lungentuber¬ 
kulose beim Säugling 44. 

Brodsky, Beobachtungen über die 
Laktation der Ammen 183. 

Buchwald, Monartikuläre Arthritis 
des rechten Schultergelenkes bei 
einem vier Wochen alten Säugling 
153 . 

Cassel, Über die Aufzucht von Früh¬ 
geburten in der offenen Sänglings- 
pflege 121. 

— Der Brechdurchfall der Säuglinge 
und seine Behandlung 152. 

Cassonteu.Bocca,Hydatiden-Cj'ste 
im Gehirn bei einem Kinde von 14 
Jahren 47. 

Chanceller, Hemiparesis und Hemi- 
plegia als Frühsymptom bei tuber¬ 
kulöser Meningitis 138. 

Chatelin, Diagnose der Anenzephalie 
bei der Untersuchung im Dunkel¬ 
zimmer 31. 

Cohn, Säuglingstödesfälle und ärzt¬ 
liche Behandlung 175. 

Crandall, Endokarditis bei Kindern 
123. 

Curschmann, Zur Frage der„Bron- 
chotetanie“ der Erwachsenen und 
ihre Behandlung mit Kalzium 27. 

Delost u. Strasnie, Zwei Fälle von 
Meningitis zerebrospinalis geheilt 
durch verschiedene Sera 63. 

Doernberger, Hebamme und Säug¬ 
lingsfürsorge 166. 

Duken, Beiträge zur Kasuistik der 
malignen Abdominaltumoren des 
frühen Kindesalters. Lymphoblasti- 
sches Sarkom bei einem dreijährigen 
Knaben 190. 

Engelmann, Zur Frage der soge¬ 
nannten Diphtheriebazillenträger 93. 

Er dt, Vergiftungstod durch Chineonal 
28. 

Fischberg, Die Tuberkulinhautreak¬ 
tion bei Kindern ohne tuberkulöse 
Belastung 137. 


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V 


Fleischmann u. Wolff. Angeborene 
Wassersuch. 157. 

Fleischner, Einige Fehlerquellen 
bei der Diagnose und Behandlung 
der lobären Pneumonie im Kindes¬ 
alter 139. 

Frank, Beiträge zur Lehre von der 
akuten Nephritis im Säuglingsalter 
bei Ernährungsstörungen 191. 

Franz, Die Vererbung erworbener 
Eigenschaften im Lichte neuerer 
Forschungen 76. 

Frederich fürTarnell, Das psycho¬ 
pathische Kind 139. 

Freemann, Ursachen und Behand¬ 
lung des Ekzems im Säuglingsalter 
123. 

— DieBehandlung des Kindes zwischen 
dem ersten und zweiten Lebensjahr 
185. 

Freiberger, Über die Entwickelung 
von Puls und Blutdruck im .späteren 
Kindesalter 173. 

Friedenthal, Uber Gemüsepulver¬ 
darreichung bei Kranken und Säug¬ 
lingen 93. 

Fried jung, Kritische Beiträge zur 
Lehre von der Masernerkrankung 25. 

— Zur klinischen Diagnose der Kinder¬ 
tuberkulose 76. 

Fröschel, Stottern und Nystagmus 
105. 

Fürstenheim, Entstehung und Ver¬ 
hütung der Nervosität im Säuglings¬ 
alter 78. 

Gittings, Der kalorische Wert der 
Diät für kranke Kinder 167. 

Goldreich, Atresia ani vestibularis 
154 . 

Graham, Die klinischen und sozio¬ 
logischen Äußerungen des Keuch¬ 
hustens 109. 

Grimm, Taenia saginata bei einem 
Säugling 27. 

Grumme, Einfluß der Ernährung auf 
Milchbildung und Stillvermögen 149. 

Guinon u. Aine, Gutartige Enze¬ 
phalitis 62. 

— et Mal arte, Quelques cas de bac- 
terioth^rapie antityphique chez l’en- 
fant 16. 


Halle et Fran£on, Generalisiertes 
Sarkom bei einem Säugling 47. 

Haussen, Gesundheits- und Sterb- 
lichkeitsverhältnisse Schleswig-Hol¬ 
steins in Vergangenheit und Gegen¬ 
wart 77. 

— Über die Ursachen der niedrigen 
Säuglingssterblichkeit im Kreise 
Tondem 154. 

Hartoch u.Schürmann,DieSchutz- 
wirkung des Diphtherieserums bei 
der Reinjektion 25. 

Hartstum u. Moeller, DieVakzine- 
behandlung des Keuchhustens 109. 

Hein, Uber die Ursachen der Gehirn¬ 
entzündung bei Kindern 55. 

Heine, Über Säuglingsernährung 7. 

Heisler, Erythema infektiosum 43. 

Herrmann, Masern: Inkubation, In¬ 
fektionsgefährlichkeit, Immunität, 
Früherscheinungen 110. 

— Immunisierung gegen Masern 186. 

Herzog, Ein Fall von allgemeiner 

Behaarung mit heterologer Pubertas 
präkox bei einem dreijährigen Mäd¬ 
chen (Hirsutismus?) 73. 

Heß, Unsere Erfahrungen mit der 
Phenolsulfophthalein - Methode als 
Prüfungsmittel der Nierenfunktion 
107. 

Hirsch, Ada, Demonstration eines 
anatomischen Präparates einer öso- 
phagus-Trachealfistel 44. 

Hochsinger, Nervöse Kinder und 
Mütter mit isoliertem Fazialisphä- 
nomen 54. 

— Uber bedeutungslose Geräusche in 
der Präkordialgegend von Kindern 
und Jugendlichen 172. 

Hoffmann, Über eine zweckmäßige 
Kombination von Quecksilber und 
Salvarsan zur wirksamenBehandlung 
angeborener Syphilis 94. 

Holl, Influenzaerscheinungen bei 
kleinen Kindern 137. 

Jacob, Erfahrungen mit dem Haar¬ 
spiritus aus Euresol Knoll 11. 

Isenschmid u. Schemensky, Uber 
die Bedeutung der von Doehle be¬ 
schriebenen Leukozyten einschlüsse 
für die Scharlachdiagnose 28. 


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VI 


Israel u. Verum, Behandlung von 
Magendarmkatarrh und Atrophie bei 
Säuglingen mit Malzsuppe 148. 

Kapesser, Schmierseifeneinreibung 
bei Empyem der Kinder 144. 

— Uber Keuchhusten 151. 

Karl, Magenkarzinom bei einem 
9jährigen Jungen 80. 

Kassowitz, Beiträge zur Methodik 
der Diphtherieprophylaxe 41. 

Katz, Nervöse Storungen bei Kin¬ 
dern 10. 

Kehr, Die beste Organisation der 
Schulzahnpflege in Deutschland für 
die Stadt und auf dem Lande, unter 
besonderer Berücksichtigung der 
inneren Organisation der mir unter¬ 
stellten städtischen Schulzahnklinik 
zu Düsseldorf 89. 

Kern, Uber die Anwendung der epi- 
faszialen (bezw. intramuskulären) 
Neosalvarsaninjektionen nach Wech¬ 
selmann im Kindesalter 95. 

von Khautz, Ein Fall von Pseudo- 
hermaphroditismus maskulinus 125. 

— Photographien u. Präparat (hühner¬ 
eigroßer Kotstein) von einem Falle 
von Pseudo-Hirsch sprung’sclier 
Erkrankung 142. 

Kirschner, Zur Bekämpfung der 
Fliegenplage 173. 

Kling, Technik der Schutzimpfung 
gegen Varizellen 170. 

Knopfmacher, Papaverin bei Pylo- 
rospasmus 57. 

Koch, H., Die Beziehungen der Masern 
zu anderen pathologischen Prozessen 
59- 

— Die Tuberkulinbehandlung im Kin¬ 
desalter 175. 

Koch, R., Gibt es eine erfolgreiche 
Scharlachbehandlung? 72. 

Köck, Uber schwere, nicht diphthe¬ 
rische Kehlkopfstenose bei Kindern 
28. 

Koehler, Die Bedeutung von Pflege¬ 
kinderaufsicht und Berufsvormund¬ 
schaft für den Säuglingsschutz 77. 

Koplik, Ätiologische Beziehungen 
der Syphilis zur Sydenham’schen 
Chorea 187. 


K o w i t z, Infektiöse Erkrankungen 
der Hamorgane im Säuglingsalter 
(sogenannte Pyelozystitis) 42. 

K ra e m e r, Uber Heilstätten für tuber¬ 
kulöse Kinder 5. 

Kronecker (nach Ugo Mancini), 
Sektionsbefunde d. letztvergangenen 
Jahre aus einem römischen Kinder* 
krankenhause 106. 

Kruse, Der Erreger von Schnupfen 
und Husten 53. 

Ladd, Homogenisiertes Olivenöl und 
fettfreie Milchmischungen in Fällen 
erschwerter Ernährung 166. 

Langstein, Die Grippe im Kindes¬ 
alter 134. 

— Leibschmerzen im Kindesalter 135. 

— Ernährung und Wachstum der 
Frühgeborenen 149. 

Lederer, Sch rümpf nieren im Kindes¬ 
alter 137. 

Lehmann, Die Mundkrankheiten im 
Kindesalter 39. 

Leichtentritt, Erfahrungen über die 
nach dem Verfahren von Engel 
hergestellte Eiweißmilch 181. 

Lenboullet u. Moricand, Varizellen 
bei einem neugeborenen Mädchen 
durch mütterliche Infektion 16. 

Le vy, Eine Malaria-Infektion in Köln 
171. 

Liefmann, Uber Säuglingspflege und 
Säuglingsemährung in der heißen 
Jahreszeit 139. 

Li pp, Eine einfache Probe zum Nach¬ 
weis von Gallenfarbstoff und Hämo¬ 
globin im Harn 55. 

L y m a n n, Die diätetische Behandlung 
des Ekzems 136. 

von Mallik, Uber die therapeutische 
Wirkung des Formamints bei infek¬ 
tiösen Rachenerkrankungen, speziell 
bei der durch Loeffler'sehe Bazillen 
erzeugten Rachendiphtherie 94. 

Manning u. Fasset, Einige Betrach¬ 
tungen über die Still’sche Krank¬ 
heit und Arthritis deformans 15. 

Mauclaire, Allocution de 30. 

Mayerhöfer, Prolapsus Uteri mit 
Spina bifida und Leichenschädel bei 
einem neugeborenen Kinde 125. 


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VII 


Mayerhofer, Zur Klinik, Diagnose 
und Therapie des mesenterialen 
Darmverschlusses im Kindesalter 153. 

Merklen, Uber einseitige Ernährung 
46. 

Meyer, H. u. Jacobsen, Unter¬ 
suchungen über den Keuchhusten¬ 
bazillus (Bordet - Gengou’schen 
Bazillus) 189. 

Meyer, O., Schälblattem beim Säug¬ 
ling 41. 

Meyer, P., Die wichtigsten Krank¬ 
heiten des Schulkindes 5. 

Mittelhäuser, Der Säuglingsschutz 
im Großherzogtum Sachsen 182. 

Moore, Drei Fälle von Diabetes 
mellitus in einer Familie 172. 

Mucke, Ein Fall von angeborener 
Zwerchfellshernie 154. 

Mouchet, Fehlen der rechten Brust¬ 
drüse mit Vorhandensein der Brust¬ 
warze 16. 

Nageotte-Wilbouchewitsch, Ein 
neuer Fall von Tic derSkapula 30. 

N et e r, Donaueschingen als Kurort 

in. 

Neu mann, Beitrag zur Statistik der 
Kinderkrankheiten, Diphtherie, 
Keuchhusten, Masern in Preußen in 
den Jahren 1901-1912 22. 

Nie oll. Drei Fälle von Gonokken- 
septikämie mit Arthritis nach Schar¬ 
lach 174. 

Nisenson, Einige Bemerkungen über 
die letzte Scharlachepidemie in War¬ 
schau 105. 

Nobecourt u. Maillet, Studien über 
Hämokonien 63. 

Nobel, Ein Fall von Pseudotetanus 
bei einem dreijährigen Knaben 54. 

— Ein durch Pneumothorax-Therapie 
günstig beeinflußter Fall von Lungen¬ 
tuberkulose 57. 

Noeggerath u.Zondek, Zur Kennt¬ 
nis der Nierenerkrankungen hn 
Kindesalter 74. 

Oschmann, Säuglingsfürsorgestelle 
und Kriegsbeihilfe 160. 

Ostrowski, DieBedeutung derLaro- 
sanmilch als diätetisches Heilmittel 
bei Säuglingen 148. 


Park u. Mugher, Schiek’s Reak¬ 
tion und ihre praktische Anwendung 
16. 

Petersen, Kongenitale, familiäre Alo¬ 
pezie auf der Basis eines Hypothy¬ 
reoidismus 14a 

Pich, Pemphigus vulgaris bei einem 
8jährigen Mädchen 155. 

v. Pirquet, Ein neuer Nabelvexband 
für Neugeborene 123. 

Popper, Schwinden der Tuberkulin¬ 
reaktion während der Pertussis¬ 
erkrankung 56. 

Pribram, Zur Prophylaxe und The¬ 
rapie der Erfrierungen 185. 

Redslob, Uber Schulen für Schwach¬ 
sichtige 24. 

Reiß u. Hertz, Weitere Beiträge zur 
Serumbehandlung des Scharlachs 167. 

Reuben, Pylorusstenose im Säug¬ 
lingsalter 153. 

v. Reuß, Folgeerscheinungen einer 
intrakraniellen Geburtsverletzung 
und eitrige Parotitis bei einem 16 
Tage alten Kinde 124. 

— Kongenitale Fazialisparese 143. 

Reye, Spasmophilia 157. 

— Uber Spondylitis infektiosa 172. 

Riesenfeld, Uber Erfahrungen mit 

Friedenthal-Milch 182. 

Rietschel, Die Gefährdung der Säug¬ 
linge durch Hitze und Kriegszustand 
und die entsprechenden Gegenma߬ 
nahmen 151. 

Roddy, Die Wassermannreaktion 
bei kongenitaler Syphilis 187. 

Roedelius, Optikusatrophie nach 
Keuchhusten 174. 

Rolland u. Bug, Purpuraform der 
Pneumokokken-Sepsis 62. 

Rosanoff, Die diagnostische Bedeu¬ 
tung der Leukozyteneinschlüsse von 
Dohle bei Scharlach, Masern, Diph¬ 
therie, Anginen und Serumexan¬ 
themen 138. 

Rosenthal, Zur Behandlung des 
Schnupfens 189. 

Rossiwalt, Pyämie nach Scharlach 56. 

Rott, Die Einwirkung des Krieges auf 
die Säuglingssterblichkeit und die 
Säuglingsschutzbewegung 179. 


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VIII 


Salzer, Die wichtigsten Augenerkran- 
kungen im Säuglingsalter 38. 

Sauer, Hemiparese und Hemiplegia 
als Frühsymptom der Meningitis 
tuberkulosa 153. 

Sch ab ad, Anormales Scharlachexan¬ 
them 74. 

Scheble, Wesen und Behandlung der 
Skrofulöse 187. 

Schick, 12jähriger Knabe mit juve¬ 
niler progressiver Puralyse 79. 

— Myxödem bei einem 9 Monate alten 
Säugling (Zwillingsgeburt) 95. 

Schrecker, Über Salvarsanbehand- 
lung bei Säuglingen 191. 

Schreiber et Francois, Infantiler 
Skorbut bei einem 9jährigen Kinde, 
ernährt mit homogenisierter Milch 
3i- 

Schürmann u. Pringsheim, Zum 
Nachweis der Diphtheriebazillen im' 
Originaltupferausstrich 188. 

Seidel, Zur Behandlung der Diph¬ 
therie 169. 

Silbe rknopf, Varizellen-Erkrankung 
in zwei Schüben mit begleitendem 
Erythem 171. 

Soldin u. Lesser, Zur Kenntnis der 
kongenitalen Syphilis der Säuglinge 
141. 

Sommerfeld, Die Verbreitung der 
Diphtherie im Herzblut und in den 
Organen 168. 

Sperk, Ein Fall von Morbus Barlow 
bei einem 4 1 /* Jahre alten Kinde 56. 

Spitzig, Vier Fälle von Sehnenplastik 

. nach abgelaufener poliomyelitischer 
Lähmung 174. 

Stamm, Ein Fall von multipler 
Sklerose im Kindesalter 79. 

Steinhaus, Arbeitsschule und Körper¬ 
entwicklung 126. 

— Ärztliche Beobachtungen an den 
Sghwerhörigen-Sonderklassen der 
Volksschule in Dortmund 190. 

Stern, Beiträge zur Frühdiagnose der 
Lungentuberkulose 142. 

Stier, Wandertrieb und pathologisches 
Fortlaufen bei Kindern 23. 

Stommel, Erfahrungen mit Tuber¬ 
kulin Rosenbach bei der Behand¬ 


lung der internen Tuberkulose der 
Kinder 137. 

Strauß, Ein Fall von primär chro¬ 
nischem Gelenkrheumatismus mit 
allgemeiner Lymphdrüsenschwellung 

I*>2. 

Stromeyer, Zur Magnesiumbehand¬ 
lung des Tetanus 42. 

Tannuschke, Ein Fall von zweifach 
bedingtem Hydrops und seine phar¬ 
makologische Beeinflussung 43. 

Tölken, Die Ekehorn’seheOperation 
des MastdarmVorfalls bei Kindern 109. 

Treves, Heliotherapie chirurgischer 
Tuberkulosen 46. 

Turn au, Kriegsernährung für Kinder 
i der 2 ersten Lebensjahre 181. 

Unger, Ein Kind mit Mißbildungen 
108. 

Variot u. Chatelin, Dextrokardie 
und Infantilismus, erworben durch 
Tuberkulose 32. 

— u. Grandzeau, Zwei Fälle von 
Hypertrophie und Erweiterung des 
Magens 31. 

Veau, Les difficultes du diagnostic 
de l’appendicite chez les petis en- 
fants 30. 

— Chronische Appendizitis undLeisten- 
bruch 32. 

. Voigt, Die Brauchbarkeit des mit 
Äther behandelten Kuhpockenimpf¬ 
stoffes 40. 

Wegen er, Über psychogene Magen 
Sekretionsanomalien im Kindesalter 
191. 

Weller, Milzvergrößerung im Säug¬ 
lings- und Kindesalter 15. 

W e n d e n b u r g, Über die Entwicklung 
von Puls und Blutdruck im späteren 
Kindesalter 173. 

W e r t h e r, Über einen Fall von Lichen 
ruber akuminatus universalis mit 
begleitender Erythrodermia exfolia¬ 
tiva, subakutem Verlauf und Heilung 
bei einem 2 jährigen Kinde 156. 

Wessels, Die Ätiologie des Keuch¬ 
hustens 109. 

Williams, Ursache und Behandlung 
des nächtlichen Erschreckens der 
Kinder 123, 


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IX 


Wolffenstein, Uber die Häufigkeit 
und Prognose der Rektalgonorrhoe 
bei der kindlichen Vulvovaginitis, 
nebst Bemerkungen über die Heil¬ 
barkeit der Vulvovaginitis 124. 

Wood, Akute Pyelitis, eine Ursache 
nicht erklärlichen Fiebers bei Kin¬ 
dern 139. 

Zarfl, Ein Fall von angeborener 
Zystenmere 57. 

— Akutes, mediastinales Zellgewebs- 
emphysem und Hautemphysem bei 
einem 3 Monate alten Säugling 173. 

Bücherbesprechungen. 

v. Baeyer u. Winter, Kinterturaen. 
AnregungzurkörperlichenErziehung 
der Kinder vor dem Schuleintritt für 
Eltern, Erzieher und alle Freunde 
einer gesunden und frischenjugend 14. 

Baginsky, Diphtherie und diphthe¬ 
rischer Kroup 158. 

Beitker, Uber Trockennährböden 
nach Prof. Doerr 29. 

Bericht des Kaiserin Auguste Vik¬ 
toria-Krankenhauses zurBekämpfung 
der Säuglingssterblichkeit im Deut¬ 
schen Reiche vom 1. April 1913 bis 
31. März 1914 30. 

Bericht über das Bayerische Gesund¬ 
heitswesen 191. 

Braunshausen, Einführung in die 
experimentelle Psychologie 143. 

Broca, Chirurgie des Kindesalters 15. 

Busch, Phantom der normalen Nase 
des Menschen 110. 

Dessauer, Hausarzt-Kalender 60. 

Determann, Die vegetarische und 
fleischarme Ernährung 46. 

Dose, Ernährung der Flaschenkinder 
mittels unverdünnter Milch 176. 

Ebert, Die Grundsätze der künst¬ 
lichen Säuglingsemährung. Merk¬ 
bogen für Mütter, Pflegemütter und 
Hebammen 144. 

Engel u. Baum, Grundriß der Säug¬ 
lingskunde nebst einem Grundriß 
der Säuglingsfürsorge 143. 

Fürst, Jahrbuch der Schulgesund¬ 
heitspflege 1915 96. 


Jeß, Die sympathische Ophthalmie 45. 

Kassowitz, Die Gesundheit des Kin¬ 
des 13. 

Lehndorff, Kurzes Lehrbuch der 
Kinderkrankheiten. Als zweite Auf¬ 
lage von Nil Filatow’s gleichnamigen 
Werke gänzlich neu bearbeitet 45. 

Lohnstein, Medizinalkalender und 
Rezept-Taschenbuch 1915 46. 

Lorand, Die menschliche Intelligenz 
und ihre Neigung 14. 

Meyer, Gertrud, Tanzspiele und 
Volkstänze 79. 

Nobecourt, Cardiopathies de L’en- 
fance 192. 

Peters, Das geschlechtliche Problem 
in der Jugenderziehung. Sexuelle 
Erziehung und sexuelle Belehrung 
in Haus und Familie 96. 

Poelchau, Die wichtigsten chroni¬ 
schen Krankheiten des Schulkindes 
und die Mittel zu ihrer Bekämpfung. 
Mit besonderer Berücksichtigung 
der Tuberkulose 12. 

Sander, Die Schulzahnpflege auf dem 
Lande und ihre Organisation 13. 

Scheffer, Kalender für heilpädago¬ 
gische Schulen und Anstalten 14. 

v. Schrenck, Die Säuglingssterb¬ 
lichkeit der Stadt Riga 60. 

Schnirer, Taschenbuch der Therapie 
45- 

Seifert, Die Nebenwirkungen der 
modernen Arzneimittel 96. 

Stark, Lehrbuch der Ösophagoskopie 
12. 

Staude, Merkbuch für die körperliche 
Beschaffenheit und die geistige Ent¬ 
wicklung von Schüler und Schülerin 

44. 

Theodor, Praktische Winke zur Er¬ 
nährung und Pflege der Kinder in 
gesunden und kranken Tagen 157. 

Versluys, Uber die Verbreitung von 
Seuchen durch Insekten im Kriege 62. 

Wolff, Molkereibakteriologische Be¬ 
triebskontrolle 61. 

Wörner, Hilfsbüchlein der Säuglings¬ 
pflege 157. 


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X 


Sach-Rcgister. 


A. 

Abdominaltumoren, maligne 190. 
Albuminurie orthotische 173. 

Alopezie, kongenitale, familiäre 140. 
Anenzephalie 31. 

Appendizitis 30, 32. 

Arbeitsschule und Körperentwicke¬ 
lung 126. 

Arthritis deformans 8. 

Arthritis monartikuläre 153. 

Asphyxie der Neugeborenen 64. 
Äthylhydrokuprein s. Optochin. 
Atresia ani vestibularis 154. 

Atrophie 148. 

Augeuerkrankungen im Säuglings¬ 
alter 38. 

B. 

Bakteriotherapie gegen Typhus 16. 
Barlow Morbus 56. 

Bazillus bulgarikus 15. 

Behaarung, allgemeine, mit heterologer 
Pubertas präkox bei 3jährigem Mäd¬ 
chen 73. 

Behandlung bei Kinderzwischen 1. und 
2. Lebensjahr 185. 
Berufsvormundschaften 77. 

Blepharitis, ansteckende 63. 
Blutanomalien junger Individuen 65. 
Brechdurchfall der Säuglinge und Be¬ 
handlung 152. 

Bronchotetanie 27. 

Brustdrüse, Fehlen der 16. 

C. 

Cardiopathies de L'enfance 192. 
Chineonal, Vergiftung durch 28. 
Chorea 187. 

D. 

Darm Verschluß, mesenterialer im Säug¬ 
lingsalter 153. 

Dextrokardie 32. 

Diabetes mellitus, 3 Fälle von, in 
einer Familie 172. 

Diät, kalorischer Wert der, für kranke 
Kinder 167. 

Diphtherie, Behandlung der 169. 


Diphtherie-Diagnose, bakteriologische 
169. 

Diphtherie und diphthericherKroup 158. 

Diphtherie, Verbreitung der im Herz¬ 
blut und in den Organen 168. 

Diphtheriebazillen 188. 

Diphtheriebazillenträger 93. 

Diphtherieprophylaxe 41. 

Diphtherieserum 25, 35. 

Diphtheriesterblichkeit 188. 

Donaueschingen als Kurort 111. 

Droserin 176. 

EL 

Eigenwärme des Kindes in ihrem Be¬ 
ziehungen zu jener des Embroys 119. 

Eiweißmilch 181. 

Ekehorn’sche Operation des Mast¬ 
darmvorfall bei Kindein 109. 

Ekzem, diätetische Behandlung des 136. 

Ekzem und im Säuglingsalter, Ur¬ 
sachen und Verbreitung des 123. 

Empyembehandlung bei Kindern 144. 

Endokarditis bei Kindern 123. 

Enuresis nocturna, Moorbäder und 
Quarzlichtbestrahlungen bei 75. 

Enzephalitis, gutartige 62. 

Epilepsie 8. 

Eilephiebeliandlung, operative im 
Kindesalter, Indikation der 161. 

Erfrierungen 185. 

Ernährung, einseitige 46. 

Ernährung, vegetariche und fleisch¬ 
arme 46. 

Ernährung und Pflege der Kinder in 
gesunden und kranken Tagen 157. 

Erschrecken, nächtliches der Kinder 
123. 

Erythema infektiosum 43. 

Euresol n. 

F. 

Fazialisparese, kongenitale 143. 

Fazialisphänomen, isoliertes 54. 

Fibrom, sehr großes im Nasenrachen¬ 
raum 47. 

Fliegeuplage, Bekämpfung der 173. 


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XI 


Formamint 94. 

Friedental-Milch 182. 
Frühgeborene, Ernährung und Wachs¬ 
tum der 149. 

Frühgeburten, Aufzucht der 121. 


G. 

Gallenfarbstoff, Nachweis von, im 
Urin 55. 

Geburtsverletzung, intrakranielle, Fol¬ 
geerscheinungen und eitrige Paro¬ 
titis bei einem 16 Tage alten Kinde 
124. 

Gehirnhautentzündungen, Ursachen 
von, bei Kindern 55. 

Gelenkrheumatismus, primär chroni¬ 
scher 152. 

Gemüsepulverdarreichung 93. 

Geräusche, bedeutungslose in der Prä- 
kordialgegend von Kindern und 
Jugendlichen 172. 

Gesundheit des Kindes 13. 

Gesundheits- und Sterblichkeits Ver¬ 
hältnisse in Schleswig-Holstein 77. 

Gesundheitswesen, Bayerisches 192. 

Grenzgebiet zwischen Pädiatrie, Psy¬ 
chologie und Pädagogik 33. 

Grippe im Kindesalter 134. 

Gonokokkenseptikämie mit Arthritis 
nach Scharlach 174. 


H. 

Haarspiritus Euresol Kn oll 11. 

Hämoglobin, Nachweis von, im Urin 
55- 

Hämokonien 63. 

Hausarzt-Kalender 60. 

Hebamme und Säuglingsfürsorge 166. 

Heilstätten für tuberkulöse Kinder 5. 

Heliotherapie chirurgischer Tuber¬ 
kulose 46. 

Hemiparese und Hemiplegie als Früh¬ 
symptom bei tuberkulöser Menin¬ 
gitis 138, 153. 

Hemiplegie 32. 

Herz, kindliches, Studien über 138. 

Hirsutismus s. Behaarung. 

Husten und Schnupfen, Erreger von 53. 


Hydatidenzyste im Gehirn bei einem 
Kinde 47. 

Hydrops 43. 

I. 

Ikterus neonatorum 2, 51. 

Impfpflege, Beobachtung zur 106. 
Infantilismus 32. 

Influenzaerscheinungen bei kleinen 
Kindern 137. 

Insekten, Verbreitung von Seuchen 
durch im Kriege 62. 

Inspirationsluft, Erwärmung der 165. 
Insuffizieus, sexuelle 191. 

Intelligenz, menschliche 14. 
Intelligenzprüfungen, B i n e t - S i m o 11- 
sche 125. 

K. 

Kalender für heilpädagogische Schulen 
J4- 

Kalzium 27. 

Kehlkopf der Neugeborenen 3, 64. 
Kehlkopfstenose 28. 

Keuchhusten 151. 

Keuchhusten, Ätiologie des 109. 
Keuchhusten, klinische und soziologi¬ 
sche Äußerungen des 109. 
Keuchhusten, Vakzinebehandlung des 
109. 

Keuchhustenbazillus 189. 

Kind, psychopathisches 139. 
Kindesalter, Chirurgie des 15. 
Kinderheilkunde, Zukunft der 97. 
Kinderkrankheiten, Lehrbuch der 45. 
Kindertuberkulose, klinische Diagnose 
der 76. 

Kindertumen 14. 

Kriegsernährung für Kinder 181. 


L. 

Laktation 183. 

Larosanmilch 148. 

Leibschmerzen im Kindesalter 135. 
Leistenbruch 32. 

Leukämie, akute 49. 
Leukozyteneinschlüsse (Doehle) 28,138. 
Lichen ruber akuminatus 156. 


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XII 


Lungenkatarrh skrofulöser 165. 

Lungentuberkulose, Beitrag zur Früh¬ 
diagnose der 142. 

Lungentuberkulose, kavernöse 44. 

M. 

Magen, Erweiterung des 31. 

Magen, Hypertrophie des 31. 

Magen da rmkatarrh und Atrophie, Be¬ 
handlung von, mit Malzsuppe 148. 

Magenkarzinom bei 9J*ähr. Jungen 80. 

Magensekretionsanomalien, psycho¬ 
gene 190. 

Magnesiumbehandlung des Tetanus 42. 

Malaria-Infektion in Köln 171. 

Malzsuppe 148. 

Masern 25, 52, 59, 110, 186. 

Mastdarmvorfall, s. Ekehorn’sche 
Operation. 

Medizinalkalender und Rezepttaschen¬ 
buch 1915 16. 

Meningitis zerebro-spinalis 63. 

Merkbuch für körperliche Beschaffen¬ 
heit und geistige Entwickelung von 
Schüler und Schülerin 44. ' 

Milch, unverdiente, Ernährung der 
Flaschenkinder mittels 176. 

Milchbildung und Stillvermögen 149. 

Milch Verderbnis 17. 

Milchzähne, Behandlung der 113. 

Milzvergrößerung im Säuglings- und 
Kindesalter 15. 

Mißbildungen, Kind mit 108. 

Molkereibakteriologische Betriebskon - 
trolle 61. 

Moorbäder, s. Enuresis. 

Morbus Barlow, s. Barlow. 

Morbus makulosus Werlhofii 63. 

Mundkrankheiten im Säuglingsalter 39. 

Myxödem bei 9 Monate altem Säug- 
Hng 95- 

N. 

Nabelbrüche der Kinder 131. 

Nabelverband, neuer für Neugeborene 
123. 

Nebenwirkungen der modernen Arznei¬ 
mittel 96. 

Neosalvarsninjektionen 95. 


Nephritis akuta bei Ernährungsstö¬ 
rungen 191. 

Nervöse Störungen bei Kindern 79. 

Nervosität im Säuglingsalter 78. 

Nierenerkrankungen im Kindesalter 74. 

Noguchi-Reaktion 31. 

Nystagmus, s. Stottern. 

O. 

Olivenöl, homogenisiertes 166. 

Ophthalmie, sympathische 45. 

Optikusatrophie nach Keuchhusten 174. 

Optochin 152. 

Ösophagoskopie 12. 

Ösophagus-Trachealfistel 44. 

P. 

Papaverin bei Pylorospasmus 57. 

Paralysie, juvenile progressive bei 
12jährigem Knaben 79. 

Pemphigus vulgaris 41, 155. 

Pertussis 56, 164. 

Pflegekinderaufsicht 77. 

Phenolsulfophthalein- Methode, Prü - 
fungsmittel der Nierenfunktion 107. 

Pneumokokken-Sepsis, Purpura-Form 
der 62. 

Pneumonie, lobäre im Kindesalter, 
einige Fehlerquellen bei der Diag¬ 
nose und Behandlung 139. 

Pneumothorax-Therapie, günstig be¬ 
einflußter Fall von Lungentuberku¬ 
lose 57. 

Problem geschlechtliches und Jugend¬ 
erziehung 96. 

Porlapsus uteri mit Spina bifida und 
Leichenschädel bei einem neuge¬ 
borenen Kinde 125. 

Pseudo-Hirschsprung’sche Erkran¬ 
kung 142. 

Pseudotetanus, Fall von, bei 3jähr. 
Knaben 54. 

Psychologie, experimentelle, Einfüh¬ 
rung in die 143. 

Psychose im Kindesalter 81. 

Pubertät, frühzeitige bei Mädchen 136. 

Puls und Blutdruck, Entwickelung von^ 
im späteren Kindesalter 173. . 

Pyämie nach Scharlach 56, 


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— XIII 


Pyelitis akuta, eine Ursache nicht er¬ 
klärlichen Fiebers bei Kindern 139. 
Pyelocystitis im Säuglingsalter 42. 
Pylorospasmus, s. Papaverin. 
Pylorusstenose im Säuglingsalter 153. 

Q. 

Quarzlichtbestrahlungen s. Enuresis. 
Quecksilber, s. Salvarsan. 

R. 

Rachitis 177. 

Rektalgonorrhoe 124. 

Rekurrens 165. 

8 . 

Salvarsan 191. 

Salvarsan und Quecksilber, Kombi¬ 
nation von 94. 

Sarkom, generalisiertes bei einem 
Säugling 47. 

Sarkom, lymphoblastisches 190. 
Säuglinge, Gefährdung der durch Hitze 
und Kriegszustand 151. 
Säuglingsernährung 7. 
Säuglingsemährung,künstliche,Grund- 
sätze der 144. 

Säuglingsfürsorge, Grundriß der 143. 
Säuglingsfürsorgestellen und Kriegs- 
beihülfe 160. 

Säuglingskunde, Grundriss der 143. 
Säuglingspflege, Hülfsbüchlein der 157. 
Säuglingspflege und Säuglingsernäh- 
runp in der heißen Jahreszeit 139. 
Säuglingschutz 179, 182. 
Säuglingssterblichkeit 17, 30, 60, 91, 
154 . 179 - 

Säuglingstodesfälle und ärztliche Be¬ 
handlung 175. 

Schälblattem beim Säugling 41. 
Scharlach 56. 

Scharlach, maligner, Verwendung von 
Blutserum Immunisierter in der Be¬ 
handlung des 167. 

Scharlach, Serumbehandlung des 167. 
Scharlachbehandlung, erfolgreiche 72. 
Scharlachepidemie in Warschau 105. 
Scharlachexanthem, anormales 74. 
Scharlachstatistik, 10 Jahre der 141. 


Scharlachsterblichkeit 188. 

Sch ick’s Reaktion 15. 

Schnupfen 189. 

Schrumpfnieren im Kindesalter 137. 
Schulgesundheitspflege, Jahrbuch der 
96. 

Schulkind, wichtigste Krankheiten des 
5 » 12. 

Schulzahnpflege 13, 89. 
Schwachsichtige, Schulen für 24. 
Schwerhörigen-Sonderklasse 190. 
Sehnenplastik nach abgelaufener polio- 
myelitischer Lähmung 174. 
Sektionsbefunde aus einem römischen 
Krankenhause 106. 

Sklerose, multiple im Kindesalter 79. 
Skorbut, infantiler 31. 

Skrofulöse 187. 

Soziale Lage, Scharlach und Diphtherie 
in ihren Beziehungen zur 103. 
Spasmophilia 157. 

Spondylitis infektiosa 172. 

Statistik der Kinderkrankheiten 22. 
StilTsche Krankheit 15. 

Störungen, nervöse 10. 

Stottern und Nystagmus 105. 

S3 r philis 187. 

Syphilis, hereditäre 31, 32. 

Syphilis hereditaria präkoxet tarda 145. 
Syphilis kongenitale 141. 

T. 

Taenia saginata 27. 

Tannargen tan 176. 

Tanzspiele und Volkstänze 79. 
Taschenbuch der Therapie 45. 
Tetanus 42. 

Thymus 185. 

Thymustod 185. 

Tic der Scapula 30. 
Trockennährböden (Doerr) 29. 
Tuberkulin Rosenbach 137. 
Tuberkulinbehandlung im Kindesälter 
17 5- 

Tuberkulinhautreaktion bei Kindern 
tuberkulöser Belastung 137. 
Tuberkulinreaktion, Schwinden von, 
bei Pertussis 56. 

Tuberkulose 5, 32, 140. 

Typhus abdominalis 16, 129. 


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XIV 


V. 

Vakzinetherapie des Typhus abdomi¬ 
nalis im Kindesalter 129. 

Varizellen 16. 

Varizellen-Erkrankung mit begleiten¬ 
dem Erythem 171. 

Varizellen, Schutzimpfung der 171. 
Verdauungsstörungen der Kinder 184. 
Vererbung erworbener Eigenschaften 
76. 

Vulvovaginitis 124. 

W. 

Wandertrieb 23. 


Wassermannreaktion 187. 
Wassersucht, angeborene 157. 


Z. 

Zell ge websemphysem, akutes mediasti- 
nales und Hautemphysem bei einem 
3 Monate alten Säugling 173. 

Zentralausschuß fürVolks- und Jugend¬ 
spiele 47. 

Zentral-Komitee, Deutsches, zur Be¬ 
kämpfung der Tuberkulose 127. 

Zwerchfellshernie, angeborene 154. 

Zystenniere, angeborene, Fall von 57. 


Autoren-Register. 


Abraud 47. 

Borgmann 44. 

Fasset 15. 

Aine 62. 

Braunshausen 143. 

Feuchtwanger 33. 

Apolant 106. 

Broca 15. 

Fischberg 137. 

Arluck 140. 

Brodsky 183.- 

Fleischmann 157. 

Armbruster 2, 3, 51, 63, 

Buchwald 153. 

Fleischner 139. 

119, 131, 138. 

Bug 162. 

Francis 31. 

Auerbach 161. 

-Busch 110. 

Francjon 47. 

Axenfeld 152. 


Frank 191. 


Cassel 121. 

Franz 76. 

Babonneix 32. 

Cassante 47. 

Frederich 139. 

Bach 75. 

Chanceler 138. 

Freemann 123, 185. 

Baeyer 14. 

Chatelia *31, 32. 

Freiberger 173. 

Baginsky 158, 184. 

Cohn 175. 

Friedenthal 93. 

Barasch 141. 

Cordes 81. 

Friedjung 25, 76. 

Barker 167. 

Crandall 123. 

Fröschel 105. 

Baum 143. 

Curschmann 27. 

Fürst 96. 

Beekmann 136. 


Fürstenheim 78. 

von Behr-Pinnow 91. 

Delost 31, 63. 


Beitker 29. 

Dessauer 60. 

Gittings 167. 

Benda 103. 

Determann 46. 

Goldreich 154. 

Berlin 169. 

Doemberger 166. 

Graham 109. 

Bernhard 188. 

Dose 176. 

Grandzeau 31. 

Berry 15. 

Duken 190. 

Greve 113. 

Blechmann 31. 

Dutoit 129, 145. 

Grimm 27. 

Bloch, E. 125. 


Grumme 149. 

Bloch, I. 191. 

Bbert 148. 

Guinon 16, 62. 

Bocca 47. 

Engel 143- 


Boncour 8. 

Engelmann 93. 

Hall6 47. 

Bontillier 185. 

Erdt 28. 

Haussen 77, 97, 154. 


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- XV 


Hartock 25. 

Hartstum 109. 
von la Hausse 52. 

Hein 55. 

Heine 7. 

Heister 43. 

Herrmann 110, 186. 
Hertz 167. 

Herzog 73. 

Heß 107. 

Hirsch 44. 

Hochsinger 54, 172. 
Hoffmann 94. 

Holl 137. 

Jacobsen 189. 

Jakob 11. 

Jeß 45 - 

Isenschmidt 28. 

Israel 148. 

Kappesser 144, 151. 
Karl 80. 

Kassowitz 13, 41. 

Katz 10. 

Kehr 89. 

Kern 95. 

v. Khautz 125, 142. 
Kirschner 173. 

Kling 170. 
Knopfmacher 57. 

Koch, H. 59, 175. 

Koch, R. 72. 

Koehler 77. 

Koplik 187. 

Kowitz 42. 

Kraemer 5. 

Kronecker 106. 

Kruse 53. 

Ladd 166. 

Langstein 134, 135, 149- 
Lederer 137. 

Lehmann 39. 

Lehndorf 45. 

Leichten tritt 181. 

Lesser 141. 

Lenboullet 16. 

Levy 171. 

Liefmann 139. 


WPP 55 - 
Lohnstein 46. 

Lorand 14. 

Lymann 136. 

Maillet 63. 

Malarte 16. 
von Mallik 94. 

Mancini 106. 

Manning 15. 

Mauclaire 30. 
Mayerhöfer 153. 

Merklen 46. 

Meyer, Gertrud 79. 
Meyer, H. 189. 

Mexer, O. 41. 

Meyer, P. 5. 
Mittelhäuser 182. 
Moeller 25. 

Moore 172. 

Moricand 16. 

Mouchet 16. 

Mucke 154. 

N ageotte-Wilbouche - 

witsch 30. 

Neter in. 

Neumann 22. 

Nicoll 174. 

Nisenson 105. 

Nobecourt 63, 192. 

Nobel 54, 57 - 
Noeggerath 74. 

Oschmann 160. 
Ostrowski 148. 

Peter 96. 

Petersen 140. 

Pich 155. 
v. Pirquet 123. 

Poelchau 12. 

Popper 56. 

Pribram 185. 

Pringsheim 188. 

Reckzeh 65. 

Redslob 24. 

Rehn 35, 177. 

Reiß 167. 


Reuben 153. 
v. Reuß 124, 143. 
Reye 157, 172. 
Riesenfeld 182. 
Rietschel 151. 
Roddy 187. 
Roedelius 174. 
Rolland 62. 
Rosanoff 138. 
Rosenhaupt 49. 
Rosenthal 189. 
Rossiwalt 56. 

Rott 179. 

Salzer 38. 

Sander 13. 

Sauer 153. 

Schabad 74. 
Scheble 187. 
Scheffer 14. 
Schemensky 28. 
Schick 79, 95. 
Schnirer 45. 
Schrecker 191. 
v. Schrenk 60. 
Schreiber 31. 
Schürmann 25, 188. 
Seidel 169. 

Seifert 96. 
Silberknopf 171. 
Soldin 4. 
Sommerfeld 168. 
Sperk 56. 

Spitzig 174. 

Stamm 79. 

Stark 12. 

Staude 44. 
Steinhaus 190. 

Stern 142. 

Stier 23. 

Stommel 137. 
Strasnie 63, 

Strauß 152. 
Stromeyer 42. 

Tannuschke 43. 
Tarneil 139. 
Theodor 157. 
Tölken 109. 

Toxin 32. 


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XVI 


Tr&ves 46. 
Turnau 181. 

Unger 108. 

Variot 31, 32. 
Veau 30. 
Versluys 62. 


Verum 148. 

Voigt 40. 

Wegen er 191. 
Weller 15. 
Wendenburg 173. 
Weither 156. 
Wessels 109. 
Williams 123. 


Winter 14. 

Wolff 61, 157. 
Wolffenstein 124. 
Wood 139. 
Wömer 157. 

Zarfl 57, 173. 
Zondeck 74. 


Druok tob A. Pabst in K&nigibrflakt 


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Der Kinder-Arzt. 

MsohFift für Kinderheilkunde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 


Erscheint am erBten Freitag eines jeden Monats. — Voranszubezahlender Preis für das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 


XXVI. Jahrg. Januar 1915. No. 1. (301.) 


INHALT: Originalien: Armbruster, Physiologische Bedeutung des 
Ikterus neonatorum. 2. — Ar mb rasier. Vom Kehlkopf der Neugeborenen. 3. — 
Referate: Kraemer, Über Heilstätten für tuberkulöse Kinder. 5. — Meyer, 
Die wichtigsten Krankheiten des Schulkindes. 5. — Heine, Uber Säuglings¬ 
ernährung. 7. — Boncour, Epilepsie bei Kindern und ihre Behandlung durch 
das Brom. 8. — Katz, Nervöse Störungen bei Kindern. 10. — Jacob, Er¬ 
fahrungen mit dem Haarspiritus aus Euresol Knoll. 11. — Büclierbe- 
sprecnungen: Poelchau, Die wichtigsten chronischen Krankheiten des 
Schulkindes und die Mittel zu ihrer Bekämpfung. Mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der Tuberkulose. 12. — Stark, Lehrbuch der Ösophagoskopie. 12. 

— Sander, Schulzahnpflege auf dem Lande. 13. — Kassowitz, Die Gesundheit 
des Kindes. 13. — Lorand, Die menschliche Intelligenz und ihre Neigung. 14. 

— Frenzei, Schwenk u. Meitzer, Kalender für heilpädagogische Schulen und 
Anstalten (begründet von Sch eff er). 14. — von Ba€yer u. Winter, Kinder- 
tumen. 14. — Broca, Chirurgie des Kindesalters. 15. — Kurze Notizen 
aus der Praxis und Wissenschaft. 15. — 


Abonnements-Einladung. 

Mit dem vorliegenden Heft beginnt der 26. Jahrgang unserer 
Zeitschrift Wie in früheren Jahren wird es auch weiterhin unser 
Bestreben sein, dem praktischen Arzte eine Übersicht über alle Fort¬ 
schritte auf dem Gebiete der Pädiatrie zu bieten, sowie dem Spezialisten 
und Forscher manche Anregungen von Interesse zu bringen. Die 
durch den Krieg erschwerten Umstände nötigen uns allerdings, die 
Zeitschrift vorläufig in geringerem Umfange erscheinen zu lassen. 

Wir laden zum Abonnement auf den neuen Jahrgang hierdurch 
höflichst ein. 

Die Redaktion Der Verlag 

des „Kinder-Arzt'! 

Kinder-Arzt XXVI. Jahrg. 1915. 1, 


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Originalien. 

Physiologische Bedeutung des Ikterus neonatorum. 

Von Dr. Armbruster in Schweinheim (Unterfranken). 

Der Galle kann folgende physiologische Bedeutung beigemessen 
werden: i. Sie befördert neben der Peristaltik vorzüglich die Zotten¬ 
kontraktionen; 2. sie unterstützt die Resorption von Fett; 3. sie ver¬ 
hindert besonders durch die Taurocholsäure Fäulnis- und Gärungs¬ 
prozesse im Darm; 4. sie gestattet durch ihre antifermentativen 
Eigenschaften nur im Dünndarm, nicht im Dickdarm die Verdauung, 
was für eine willkürliche Defikation von Vorteil ist 

Für unser Thema ist zunächst wichtig, daß die Galle Fäulnis- 
und Gärungsprozesse hinten anhält. Diese entstehen bei der weichen 
Darmflora vielfach durch Mikroben; die Galle wirkt also antiseptisch, 
wofür auch ihre antifermentativen Eigenschaften sprechen. Überhaupt 
hat der Ikterus neonatorum eine dreifache physiologische Bedeutung: 

1. Er befördert die Darmperistaltik und besonders die Zotten¬ 
kontraktionen. 

2. T 2 r verlangsamt den Herzschlag zum besseren Verschluß vom 
Foramen ovole und den beiden Duktus Botolli und Arontii. 

3. Er verhütet eine Infektion durch die Nabelwunde. 

Vermöge Punkt 1 werden die seither inaktiven Darmzotten zu 

reger Lebenstätigkeit gezwungen, was für die Ernährung und der 
gleichzeitig erhöhten Peristaltik wegen für Entfernung des zähen 
klebrigen Makoniums von Vorteil ist Die Verlangsamung des Herz¬ 
schlages, die auch bei Erwachsenen infolge Ikterus konstatiert wird, 
ist besonders bei schwächlichen Kindern, die zumeist am ärgsten von 
Ikterus neonatorum heimgesucht sind, z. B. bei verzögerter Thromben¬ 
bildung der beiden angeführten Duktus, von hohem Vorteil. 

Bei der Verhütung einer Infektion der Nabelwunde durch den 
Ikterus neonatorum muß vor allem an die Urzustände der Mensch¬ 
heit gedacht werden, wo die Nabelschnur vielfach durch Abbeißen 
von der Plazenta entfernt wurde, ohne daß es zur Unterbindung 
kam. Die Galle hat nämlich, damit auf die Infektion einer Nabel¬ 
wunde keine allgemeine Sepsis folge, die bisher — auch im späteren 
Leben — kaum erörterte Eigenschaft, den rechten Ventrikel keim¬ 
frei zu halten. Wir sehen bei Scharlach, akutem Gelenkrheumatis¬ 
mus zumeist den linken Ventrikel von den Erregern affiziert, wes¬ 
halb diese Keime wohl als Aerobier angesprochen werden müssen, 
die im erneuten, sauerstoffreichen Blute einen Nährboden finden. 
Aus diesem Grunde wird die Leber teilweise so rasch bei entsprechen¬ 
den Stauungen, wo das venöse Blut sich unreiner vor allem ge¬ 
staltet, in Mitleidenschaft gezogen, es werden dadurch gar viele 
pathogene Keime vom Herzen fern gehalten, die durch diese innere 
Lebersekretion zerstört werden. In vorsorglicher Weise hat die Natur 
gleichzeitig eine Anzahl kleinerer Venae hepatikae geschaffen, bei 
denen infolge ihres geringeren Lumens die Adhäsion erhöht wird 
und dadurch ein vermehrter Widerstand gegen die Rückstauung 
in die Leber auftritt. Hervorzuheben ist hier noch, daß Wasser im 


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Dünndarm den Gallenzufluß rasch und erheblich vermehrt Es wird 
eben ohne weiteres vom Brunnen geschöpft und getrunken. Daher 
enthält es viele Keime, die dadurch vernichtet werden, soweit dies 
nicht der giftige Mundspeichel und die Salzsäure des Magens schon 
getan haben. 

Der Ikterus neonatorum hat eine dreifache Ursache. Er ensteht 
i. durch den embryonalen Druck der Leber; 2. durch die seitherige, 
sehr geringe Aktivität der Leber; 3. vielfach wohl durch Bildung 
der Darmflora. Der Leberdruck tritt durch die Krümmung der em¬ 
bryonalen Wirbelsäule auf. Bekanntlich bekommen manche Berg¬ 
leute, die in gebückter Stellung arbeiten, in analoger Weise nicht 
selten Ikterus. Die geringe Aktivität der Leber wird durch den 
Duktus Arantii* erzeugt; sein rascher Verschluß löst dann postpartum 
eine intensive Lebertätigkeit aus. Die normale Darmflora kann 
schon bei abnormer Vermehrung gewisser Keime Ikterus selbst bei 
Erwachsenen erzeugen. Der Darm der schwachen Neugeborenen 
ist wohl für eine solche Vermehrung teilweise geeigneter. Es tritt 
dann ein länger dauernder Ikterus neonatorum ein, wodurch die 
Keime in ihrer Überzahl zerstört werden. 

Bei der physiologischen Wichtigkeit des Ikterus, wie er sich 
vor allem als Ikterus neonatorum zeigt, kann man schon auf den 
Gedanken kommen, die Natur habe unter Umständen einen Ersatz 
für den hepatogenen Ikterus geschaffen, den man als hämatogenen 
bezeichnet. Man behauptet zwar, der hämatogene Ikterus habe mit 
hepatogenen nichts zu tun und sei eine Verwechselung, weil bei 
ihm der Blutfarbstoff z. B. bei Septikämie in Hämotoidin umge¬ 
wandelt wird, was dieselbe Farbe, aber nicht die chemische Kraft- 
itution des Bilirubins und Biliverdins besitzt. Gleichwohl verlang¬ 
samt das Hämatoidin beim hämatogenen Ikterus den Pulsschlag 
und wirkt antiseptisch. Das genügt, um bei lebenskräftigen Personen 
diese Form von Ikterus bisweilen wenigstens vorteilhaft zu gestalten. 
Ob schon bei den schwachen Neugeborenen ein entsprechender 
Nutzen daraus entstehen kann, ist allerdings wenig wahrscheinlich. 


Vom Kehlkopf der Neugeborenen. 

Von Dr. Armbruster in Schweinheim (Unterfranken). 

Der Kehlkopf liegt median in der vordem obern Gegend des 
Halses unterhalb des Zungenbeins vor dem untern Abschnitte des 
Pharynx. In der Ruhelage entspricht er dem 4.—6. Halswirbel der¬ 
art, daß bei Erwachsenen die Grenze zwischen Kehlkopf und Luft¬ 
röhre mit dem untern Rande des sechsten Halswirbelkörpers zusammen¬ 
fällt. Beim Neugeborenen liegt der Kehlkopf höher; seine untere 
Grenze entspricht der Mitte des vierten Halswirbelkörpers. Der 
Übergang in den späteren Zustand erfolgt durch Wachstum des 
Gesichtsteiles des Kopfes nach abwärts mit der Ausbildung der 
Kiefer, die zum Kauen immer nötiger werden. 

Die höhere Lage des Kehlkopfes bei Neugeborenen gewährt 
folgende Vorteile: 


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1. Sie befördert stärker die Inspiration; 

2. sie schützt mehr die Lunge vor Staub und Bakterien; 

3. sie bewahrt eher vor Falsch-Schlucken; 

4. sie unterstützt besser durch die Epiglottis das Geschmacks¬ 
organ; 

5. sie hält in kranken Tagen leichter eine fortlaufende Entzün¬ 
dung, vom Mund- oder Nasenkanal ausgehend, von der Trachea fern. 

Durch die höhere Lage wird der Kehlkopf der Neugeborenen 
bei der Inspiration vorteilhafter nach unten gezogen, und dadurch 
wird das Lumen der wahren und auch der falschen Stimmbänder 
hier mehr erweitert wie bei Erwachsenen, wo sich der Vorgang zeigt 
Schon das Nasenflügelatmen, das bei dysperischen Kindern so gern 
erscheint, beweist, wie sehr gerade die Kleinen des inspiratorischen 
Sauerstoffes bedürfen, und wie hier erhöht der Zuleitungsapparat 
mithilft, ihn der Lunge zu bieten. 

Der höher stehende Kehlkopf des Neugebrenen hält ferner den 
Staub und damit auch viele Bakterien von Bronchien und Lunge 
fern, indem sie nicht so leicht in die beginnende enge Röhre des 
Schlundes wie bei Erwachsenen gelangen können, sondern vermehrt 
— durch die flüssigen Speisen fortgeschwemmt, wie sie die Neu¬ 
geborenen ausschließlich genießen — in den Magen-Darmkanal mit 
seinen starken antiseptischen Sekreten kommen. 

Das neugeborene Kind hat noch nicht die Fertigkeit im Schlucken 
wie Erwachsene. Durch die höhere Lage seines Kehlkopfes unter¬ 
stützt aber die Zungenwurzel intensiver den Verschluß der Epi¬ 
glottis beim Schluckakt, so daß dadurch ein Falsch-Schlucken leichter 
hintangehalten wird. 

Das Geschmacksorgan reicht selbstredend auch bei Erwachsenen 
bis auf die Epiglottis. Dadurch gelangt oft Genossenes, das durch 
den Mundspeichel gelöst nachträglich widerlich schmeckt und daher 
auch nicht günstig zumeist als Nahrungsmittel erscheint, durch 
Brechreiz wieder zum Vorschein, bevor es die Speiseröhre belästigte. 
Bei schwächlichen Neugeborenen wirkt wohl durch die höhere Lage 
der Epiglottis das Geschmacksorgan nach hinten zu stärker. Daher 
bringen auch die Kleinen, die oft alles Mögliche ohne Wahl in den 
Mund stecken, leichter unangenehme Speisen wieder zum Vorschein. 

Daß eine enge Röhre besser eine Entzündung fortleitete wie 
der weite Rachen, ist zweifellos. Beim Kehlkopf wirkt dann noch 
die Epiglottis samt der Stimmritze gegen ein solches Fortschreiten 
nach unten. Bei Masern sehen wir einen Reizhusten im Bereich 
des Schlundes, der viel stärker auftreten würde, wenn nicht die 
höhere Lage des Kehlkopfes vorhanden w T äre, die erst allmählich im 
Laufe der Jahre zurückgeht. 

Zum Schluß sei die Frage aufgeworfen, warum verlegt die Natur 
den Kehlkopf der Erwachsenen tiefer, wenn seine höhere Lage 
doch solche Vorteile gewährt? Es geschieht dies einmal wegen der 
Nahrung, die hier aus festen Bissen besteht und dafür einen er¬ 
weiterten Schlund braucht; sodann ist die Stimmritze mit ihrem 
Husten und Auswurf, der bei Neugeborenen durch Verschlucken fehlt, 
wirksamer in ihren Verschluß gegen Staub, Bakterien, schädliche 


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* 


Gase, so daß sie liier mehr wie die Epiglottis schützt, die durch j 
manche pathologische Zerstörungen wie Syphilis, Lepra, allerdings mit¬ 
unter auch angeboren, fehlen kann, ohne daß der Schluckakt infolge ' 
der Tätigkeit der Zungenwurzel nennenswert beeinträchtigt erscheint 
Namentlich durch den Auswurf haben Staub und Bakterien hier ' 
weniger zu sagen. Endlich ist das Geschmacksorgan bei den über- ’ 
legten Erwachsenen mit ihrer wählerischen Nahrung nach hinten 
zu nicht mehr so nötig wie bei unbewußten Kindern. Auch für s 
die Sprache und vor allem für den Gesang ist ein Tieferliegen des 
Kehlkopfes von Vorteil, daher haben auch die Vögel zumeist, vorab * 
die Singvögel, einen obem und untern Kehlkopf, wo der untere nur j 
dem Gesänge dient. 

Referate. 1 

über Heilstätten für tuberkulöse Kinder. Von C. Kraemer- i 
Böblingen. (Württ. med. Corr.-Bl., 1914, Nr. 43 u. 44.) , 

Heilstätten für tuberkulöse Kinder sind durchaus zu empfehlen [ 
und sie bilden eins der besten Mittel im Kampfe gegen die Tuber- f 
kulose, weil so eine wirkliche Frühbehandlung der Tuberkulose am < 
ehesten gewährleistet ist, die am sichersten den Ausbruch offener, 
infektiöser Tuberkuloseerkrankungen verhütet. Außerdem werden 
die durch die Frühinfektion gesetzten körperlichen, sehr mannig- \ 
faltigen Störungen im jugendlichen Alter am besten hinterher wieder [ 
ausgeglichen. Und endlich stehen dem Heilstättenaufenthalt im 
Kindesalter am wenigsten äußere Hindernisse (zumal wenn sie un¬ 
entgeltlich betrieben werden) entgegen. 

Wichtig ist aber dann, daß man stets ein bestimmtes Ziel vor¬ 
liegen hat, nämlich die Behandlung der Tuberkulose. Die f 
Ansicht, in Heilstätten und Höhenkurorten „dispositionelle Prophy- , 
laxe“ treiben, d. h. den Erwerb späterer Tuberkulose dadurch verhüten > 
zu können, ist wissenschaftlich unhaltbar, und es ist zu warnen, da¬ 
für öffentliche Gelder zu verschwenden. Die Frühinfektion, die 
lange Latenz der Tuberkulose (an Stelle der ständig damit ver- ( 
wechselten „Disposition“) sind ja allgemein bekannt, und die [ 
Immunitätslehre gibt eine vollständig befriedigende Erklärung dafür. 

— Es ist deshalb darauf zu achten, daß wirklich nur tuberku- f 
löse Kinder zur Aufnahme gelangen, und dazu ist, weil die 
mit Aussicht auf Erfolg zu behandelnden Frühfälle klinisch sicher f 
genüg zu erkennen sind, das Tuberkulin unentbehrlich. Aber 
auch therapeutisch leistet das Tuberkulin gerade bei den — 
meist noch in der Bronchialdrüse sitzenden — Frühformen der Tuber- > 
kulose vielmehr, als die Allgemeinbehandlung allein. Eher ist letztere 
entbehrlich (s. Beispiel). Es darf füglich behauptet werden, daß „in 
der Behandlung der gewöhnlichen Kindertuberkulose 
das Tuberkulin die Hauptsache und die Anstalt das , 
Adjuvans ist“. Autoreferat. 

Die wichtigsten Krankheiten des Schulkindes. Von Paul ’ 
Meyer, städt. Schularzt in Berlin SW., Hallesches Ufer 19. f 
(Med. Kl., 1914, Nr. 45.) 

Die Tätigkeit des Schularztes unterscheidet sich prinzipiell von ' 


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derjenigen des praktischen Arztes. Dem Schularzt ist die Behand¬ 
lung der Schulkinder in fast allen schulärztlichen Instruktionen 
untersagt 

Aufgabe des Schularztes ist es hinsichtlich der Krankheiten der 
Schulkinder, die Krankheitszustände zur Kenntnis der Eltern oder 
anderer Erziehungsverpflichteter zu bringen und für die ärztliche 
Behandlung Sorge zu tragen, sowie der Entstehung von Krankheits¬ 
zuständen vorzubeugen. 

Die Lernanfängeruntersuchungen durch die Schulärzte haben 
erwiesen, daß die früher sogenannten „Schulkrankheiten“ nicht erst 
durch Schädigungen in der Schule hervorgerufen, sondern von den 
Kindern bereits in die Schule mitgebracht werden. 

Es folgt dann eine eingehende Besprechung. Der unge¬ 
nügende Kräftezustand ist meist mit Blutarmut verbunden, 
was nach dem letzten schulärztlichen Jahresbericht der Stadt Berlin 
bei 6,9 Proz. der Schulanfänger, bei 3,5 Proz. der gesamten Ge¬ 
meindeschulkinder festgestellt wurde. Es wird in diesem Zusammen¬ 
hang hingewiesen auf die interessanten Beziehungen der Schulan¬ 
fängeruntersuchungen zu den Resultaten der Rekrutierungsunter¬ 
suchungen, wie dieselben in den Arbeiten von Nicolai und 
Schwiening und von Schwiening niedergelegt sind. 

Die Chlorose, die vorwiegend Mädchen im Pubertätsalter be¬ 
trifft, wird besonders auch mit Berücksichtigung ihrer sozialen und 
hygienischen Ursachen besprochen. 

Die Folgezustände der Rachitis werden gestreift. 

Eine eingehende Würdigung erfahren die Herzkrankheiten. 
Nach dem letzten Berliner schulärztlichen Jahresbericht wurden 1,3 
Proz. bei den Schulanfängern, 1,5 Proz. bei den gesamten Schul¬ 
kindern festgestellt. Verf. teilte aus seinen Journalen für die Zeit 
von Mai 1900—1912 mit, daß unter 5831 Schulanfängern 51 Kinder, 
d. i. 0,9 Proz., und von 3649 Kindern schulpflichtigen Alters 49 
Kinder, d. i. 1,3 Proz., mit Herzfehlern behaftet gefunden wurden. 
Als ein event. in Betracht kommendes ätiologisches, bisher noch 
nicht allgemein gewürdigtes Moment für die Entstehung von Herz¬ 
krankheiten werden die Masern angeführt, deren Bedeutung für die 
Entstehung von Herzaffektionen bereits Heubner und Salge 
betonen. 

Weiter finden dann Berücksichtigung die Gaumen und Rachen¬ 
mandeln, die Erkrankungen der Zähne. 

Die Augen- und Ohrenkrankheiten werden besprochen 
und bei letzteren die wohltätige Einrichtung der Hilfsschulen für 
Schwerhörige erörtert. 

Die Bedeutung der Nervenkrankheiten für die Schule wird 
ausführlich abgehandelt; die Epilepsie, der Veitstanz, der 
Kopfschmerz werden besprochen, die Defektpsychosen und 
das segensreiche Hilfsschulwesen können nur gestreift werden. — 

Die Besprechung der Verkrümmungen der Wirbelsäule 
bildet einen eignen Abschnitt, in dem die orthopädischen Verdienste 
kritisch gewürdigt werden. 

Bei den übertragbaren Krankheiten wird die Bekämpfung 
der Diphtherie in der Schule, die Frage der Bazillenträger ein r 


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gehend erörtert. Scharlach, Masern und die Heine-Medin- 
sche Krankheit werden besprochen bezüglich ihrer epidemiolo¬ 
gischen Bedeutung für die Schule. 

Ein besonderer Abschnitt handelt von der Tuberkulose. Die 
Lungentuberkulose ist im schulpflichtigen Alter relativ selten, darin 
stimmen fast alle Statistiken überein. 

Im Berliner schulpflichtigen Jahresbericht 1907/08 hat Verf. 
eine Zusammenstellung gemacht, demnach standen von den Berliner 
Gemeindeschulkindern 0,8 Proz. wegen Lungentuberkulose in Über¬ 
wachung, der Londoner schulärztliche Bericht verzeichnet 0,47 Proz. 
und Leubuscher für Meiningen 0,1 Proz. 

Es wird dann ferner das Verhältnis von Tuberkulose und Skro¬ 
fulöse und die diagnostische Bedeutung der v. Pirquersehen Reak¬ 
tion kritisch erörtert 

Zum Schluß finden die Syphilis und Gonorrhoe noch Be¬ 
rücksichtigung. Autoreferat. 

über Säuglingsernährung. Von Ludwig Hein e-Berlin-Wilmers- 
dorf. (Die Mutter, XII. Jahrg., Nr. 10.) 

Möglichst jedes neugeborene Kind soll die natürliche Nahrung 
an der Brust erhalten. Nur chronische, organische Krankheitszu¬ 
stände, vor allem die Tuberkulose, verbieten die Ernährung an der 
Mutterbrust. Die Entscheidung über die Frage der Stillfähigkeit 
und Stillmöglichkeit liegt allein in den Händen der Ärzte. Während 
des Stillens braucht die Ernährung der Mutter keine von der früheren 
Lebensweise abweichende zu sein, insbesondere dürfen Stillende 
Kompott, rohes Obst, Salate, saure Speisen essen; die Flüssigkeits¬ 
zufuhr soll die sonst gewohnte Menge mindestens um einen Liter 
übersteigen; von alkoholischen Getränken ist leichtes Bier gestattet. 
Der Eintritt der Periode hindert das Stillen nicht. Die vielfach 
empfohlenen Präparate zur Beförderung der Milchsekretion sind 
nutzlos, nur das regelmäßige Anlegen des Kindes kommt hierfür in 
Betracht Mit dem Stillen soll am zweiten Lebenstage begonnen 
werden und zwar bei gesunden Säuglingen in vierstündlichen 
Zwischenräumen fünfmal am Tage, in der Nacht von 10 Uhr abends 
bis 6 Uhr morgens erhält der Säugling nichts. Jedesmal soll nur 
eine Brust gereicht werden; nur bei ungenügender Sättigung soll 
der Säugling nach Leertrinken der ersten Brust an die zweite ge¬ 
legt werden. Die Dauer der Mahlzeit soll nicht mehr als 20 Minuten 
betragen, bei ungenügender Milchabsonderung muß zur Verhütung 
von Unterernährung, vorübergehend oder dauernd, neben der Brust 
die Flasche gereicht werden und zwar geschieht diese „Zwiemilch¬ 
ernährung“ in ersten Lebenswochen am besten so, daß je nach der 
Ergiebigkeit der Brust bei einer oder mehreren Mahlzeiten die Flasche 
nachgereicht wird. Läßt sich eine weitere Neigung der Brustmilch- 
mengen trotz unveränderter Häufigkeit des Anlegens nicht erzielen, 
so können Brust und Flasche auch gesondert gereicht werden. Die 
zugefütterte Milchmischung ist die gleiche wie bei der künstlichen 
Ernährung. Auch bei ausreichender Milchmenge ist eine Beinahrung 
im zweiten Lebenshalbjahr erforderlich und zwar gibt man am 


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besten zu Mittag statt der Brust eine Gemüse oder eine Breimahl¬ 
zeit. Im 4. Vierteljahr sind allmählich die andern Brustmahlzeiten 
durch Zukost oder Milch zu ersetzen. Die Art der Verdünnung der 
Milch bei der künstlichen Ernährung richtet sich nach dem Alter 
der Säuglinge; vor der Benutzung muß die Milch abgekocht werden, 
aber nicht länger als 3—5 Minuten. Man beginnt die Neugeborenen 
mit einer „Eindrittelmilch“, d. h. eine Mischung aus l / 8 Milch und 
a / 8 Verdünnungsflüssigkeit; auf 1 / i Liter Verdünnung sind 20 g 
Zucker hinzuzusetzen. Im 2. Monat gibt man „Halbmilch“ mit 25 g 
Zuckerzusatz, vom 3. Monat ab „Zweidrittelmilch“ mit 30 g Zucker 
auf jeden Liter Verdünnungsflüssigkeit Von diesen Mischungen 
trinken die Säuglinge in der 2. Woche 400—500 g, in der 3. und 4. 
Woche 500—700 g, im 2. Monat 700—800 g, im 3. Monat 800—900 g, 
später 1000 g. Die Menge von 1 Pfund soll nicht überschritten 
werden. Als Verdünnungsflüssigkeit benutzt man Wasser oder 
Schleim aus Hafergrütze, Graupen oder Reis (im ersten Monat ein 
Teelöffel, im 2. Monat 1 Eßlöffel, vom 3. Monat ab 1 */*—2 Eßlöffel 
Grütze auf 1 /* Liter Wasser). Als Zuckerzusatz ist am meisten Soxhlet- 
scher Nährzucker, bei beschränkten Mitteln Nährzucker oder Milch¬ 
zucker zu verwenden. Diese Milchmischungen allein werden bis 
Ende des 5. Monats benutzt; vom 6. Monat beginnt bei viermaliger 
Darreichung der Flasche die gemischte Kost und zwar als Brei aus 
Gries, Reis, Zwieback, der mit Milch gekocht wird, oder Brühe aus 
Rind- oder Kalbfleisch mit Grieszusatz. Vom 7. Monat ab wird eine 
zweite Milchmahlzeit durch ein Gericht aus Gemüse in Pureeform 
ersetzt. Außerdem kann man im 2. Halbjahr täglich etwas Kom¬ 
pott oder geschältes, rohes Obst reichen. Gleichzeitig gibt man 
statt */ 3 Milch Vollmilch. Die angegebenen Verdünnungen und 
Nahrungsmengen sind nur annähernde Werte; für die Verwendung 
der Nahrung darf nur die Entwicklung des Kindes ausschlag¬ 
gebend sein. Autoreferat 

über die Epilepsie bei Kindern und ihre Behandlung 
durch das Brom, Von Paul Boncour. (La pathologie 
infantile, Mai 1914.) 

Bei allen Fällen von Epilepsie ist Brom als Medikament ange¬ 
zeigt Doch ist die Art der Darreichung von großem Einfluß auf 
den Erfolg. 

Bevor man mit der medikamentösen Behandlung der Epilepsie 
beginnt, muß man vor allem von der Natur der Krankheit überzeugt 
sein. Daher ist es erste Pflicht des Arztes, das epileptische Kind 
gründlich zu untersuchen und die Ursache oder die Ursachen, welche 
die Paroxysmen erzeugen, zu ergründen. Dabei ist es notwendig, 
über die tägliche Lebensweise, die Ernährung, die Spiele, den 
Charakter, die Hygiene usw. des Kindes Erkundigungen einzuziehen. 

Das Hauptheilmittel ist ohne Zweifel das Brom. Hilft das Brom 
nicht, so haben die andern Heilmittel wenig Aussicht auf Erfolg. 

Autor gibt einer Mischung der Bromide des Kalium, Natrium 
und Ammonium, den Vorzug. 

Pie Jhromide sind in allen Fällen mit spastischen und motorischen 


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9 

Erscheinungen von Erfolg. In den psychischen Formen ist ihr Er¬ 
folg weniger ausgesprochen. 

Da das Brom das Hauptmittel ist, so handelt es sich darum, 
dasselbe unter den bestmöglichen Bedingungen zu verabreichen. Mit 
andern Worten: Das Brom muß eine maximale Wirkung mit 
minimalen Nebenwirkungen ausüben. Die Darreichung des 
Broms muß, um ein gutes Resultat zu ergeben, Jahre hindurch 
stattfinden. 

Rieh et und Toulouse haben nachgewiesen, daß das darge¬ 
reichte Brom, falls es nicht einen Uberschuß an Chloriden im Orga¬ 
nismus antrifft, in größerer Menge in den verschiedenen Organen 
und in den Nervenzellen sich festsetzt. 

Da wir nun die Gewohnheit haben, täglich eine größere Dosis 
Salz, als für den Körperunterhalt notwendig ist (hierfür sind nur 
2—4 g täglich nötig), zu absorbieren, so kann man leicht den Chlor¬ 
gehalt des Organismus ohne Nachteil herabsetzen. Dieser Zustand 
indes gestattet, geringere Mengen Brom zu verabreichen. Auf 
diese Weise erfüllt man die Vorschrift: Maximale Wirkung, minimale 
N eben Wirkungen. 

Das epileptische Kind, das einer langdauernden Brommedikation 
bedarf, hat von einer Diät mit verminderter Salzzufuhr noch größere 
Vorteile, vorausgesetzt, daß man bei der Behandlung individualisiert. 

In der Tat hat Long nachgewiesen, daß gewisse Individuen 
nur eine relative Verminderung der Chloride nötig haben, während 
bei anderen die Chloride fast bis zur physiologischen Dosis ver¬ 
mindert werden müssen. 

Daher muß man schrittweise Vorgehen und die Brom- und Salz¬ 
dosis ausfindig machen, welche befriedigende Resultate zu erzielen 
gestattet. Zu diesem Zwecke unterwirft Autor die epileptischen 
Kinder folgender salzarmen Diät: ungesalzenes Brot, kein Salz in 
den Gemüsen, im gebratenen oder gebackenen Fleisch, einmal täg¬ 
lich ganz leicht gesalzene Suppe; zweimal wöchentlich ein leicht 
gesalzenes Ragout. 

Bei dieser Diät verordnet Autor anfangs 1 g von 5^—8 Jahren 
und 2 g darüber hinaus. Die Dosis wird um 0,25 g alle 5 Tage 
gesteigert, bis man die rationelle Dosis gefunden hat. Aütor be¬ 
zeichnet damit die Dosis, welche die ersten Erscheinungen von 
Bromismus hervorruft: Die Aufhebung des pharyngealen Reflexes 
ist hierfür ein ausgezeichnetes Kriterium. Wenn natürlich die Kon¬ 
vulsionen verschwinden, bevor dieses Zeichen auftritt, ist es unnütz, 
dasselbe hervorzurufen. 

Ist diese Dosis einmal festgestellt, so muß man dabei bleiben, 
es müßte denn sein, daß ausgesprochene Erscheinungen von Brom¬ 
intoxikation auftreten. In diesem bestimmten Augenblicke stellt 
man genau den Grad der Chloride fest, um nicht mehr davon ab¬ 
zugehen. 

Die rationelle Dosis darf 3—3,5 g nicht überschreiten; wenn 
die Bromdosen von keiner Wirkung sind, muß man sich hüten, die 
Dosis zu steigern, man wird vielmehr das Kind einer strengeren 
Diät unterwerfen, um die Chloride noch zu vermindern. 


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IO 


In diesem Falle ist das Salz vollkommen untersagt. Wenn 
nötig, gestattet man dem Kinde eine gewisse Gabe Bromnatrium, 
um den Speisen Geschmack zu verleihen. Aber diese Gabe muß 
in die Gesamtheit der täglich zu verabreichenden Bromide inbe¬ 
griffen sein. 

Den dieser Diät unterworfenen Kindern gibt man mit Vorliebe 
an Chlornatrium arme Speisen. So sind z. B. Käse, grüne Gemüse, 
Seefische, Schweinmetzgersachen untersagt. 

Bei Kindern, die nicht in einer Anstalt, sondern in der Familie 
behandelt werden, muß die Menge der Chloride im Urin alle 14 Tage 
festgestellt werden. 

Autor ist der Ansicht, daß bei einem epileptischen Kinde die 
rationelle Bromdosis drei Jahre lang nach dem Aufhören des letzten 
Anfalles genommen werden muß. Erst dann vermindert man all¬ 
mählich die Bromdosis, bis man endlich damit vollständig aufhört 
Hierbei verfährt man am besten in der Weise, daß man einige Tage 
hindurch die Dosis um 0,23 g vermindert, um wieder bis zur Maxi¬ 
maldosis zu steigen usw. 

Sobald Zeichen sich bemerkbar machen, die das Auftreten neuer 
Anfälle wahrscheinlich machen, muß man sofort zur rationellen 
Dosis zurückkehren. 

Autor verlangt, daß diese Periode der abnehmenden Bromdar¬ 
reichung mindestens 1 Jahr dauert und rät, falls dieselbe mit ge¬ 
wissen kritischen Perioden, wie Auftreten der Regeln, schnelles Wachs¬ 
tum usw. zusammenfällt, dieselbe zu verlängern. 

Endlich rät er den Frauen, die früher epileptisch waren und 
schwanger werden, zum Brom zurückzukehren. 

Am besten gibt man das Brom auf zweimal bei drei Mahl¬ 
zeiten. Um die Tätigkeit der Nieren zu sichern, ist es am besten, 
Brom in einer gewissen Menge eines diuretischen Tees, dem man 
etwas Pilokarpin, nitrik. zufügen kann, aufzulösen. Am einfachsten 
gibt man die drei oben genannten Bromide zu gleichen Teilen ge¬ 
mischt. von la Hausse-Rosenheim. 

Nervöse Störungen bei Kindern. Von Otto Katz-Charlotten- 
burg. (B. kl. W., Nr. 47, 1914.) 

Verf. macht auf gewisse nervöse Störungen bei Kindern auf¬ 
merksam, die er in der letzten Zeit in auffallender Häufung zu 
beobachten Gelegenheit hatte. In der ersten Gruppe seiner Fälle 
handelt es sich um typische „Angstzustände“. Alle 5 Fälle betrafen 
das weibliche Geschlecht im Alter von 6—10 Jahren. Sämtliche 
Kinder stammen zwar aus „nervösen“ Familien, waren aber bis jetzt 
gesund. Plötzlich fingen sie an, einen weniger frischen, gesunden 
Eindruck zu machen. Sie wurden schlaff, blaß, müde, bekamen 
schlechten Appetit und zeigten einen gewissen, „melancholischen“ 
Gesichtsausdruck. Von Zeit zu Zeit hören sie mit ihren Beschäf¬ 
tigungen, Spielen usw. auf, träumen vor sich hin oder laufen un¬ 
ruhig hin und her. Nach einer gewissen Zeit, die länger als Ä / 4 
Stunde dauern kann, fangen sie wieder mit Spielen usw. an. — In 
allen Fällen konnte als Ursache dieser merkwürdigen, sonst im 


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II 


Kindesalter seltenen Erscheinungen ein gewisser zystischer Chok 
ermittelt werden, den die Kinder durch Erzählungen vom Kriege 
und zwar besonders von Einzelheiten und in erster Linie Greuel¬ 
taten erlitten hatten. Die Kinder geben ganz präzise an, daß sie sich 
über gewisse Erzählungen sehr erschreckt hatten, im Anfang immer 
mit großer Angst an diese Dinge hätten denken müssen, jetzt aber 
Angstanfälle bekämen, ohne zu wissen, weshalb sie sich ängstigen 
müßten. Jetzt hätten sie nur von Zeit zu Zeit plötzlich solche 
Angst Einer der Fälle, der schwer belastet war von der Mutter 
her (Paranoia?), bekam noch außerdem abends beim Zubettegehen 
stundenlange Schreianfälle unter den immer wiederkehrenden Worten: 
„ich habe solche Angst“. 

Die Prognose scheint gut zu sein mit Ausnahme des letzten Falles. 

Behandlung septisch muß dem Arzte ausschließlich überlassen 
bleiben. Prophylaktisch ist eine gewisse Vorsicht geboten bei nervös 
belasteten Kindern bei Erzählungen von Greueltaten usw. — 

Auffallend gehäuft zeigten sich im Wirkungskreise des Verf. 
in der letzten Zeit ferner Enuresis und Poliakiurie (sogenannte 
schwache Blase), Knaben und Mädchen. Ob auch hier ein psychisches 
Trauma ähnlicher Art wie oben, vielleicht in abgeschwächter Form 
mitwirkt, kann bis jetzt nicht entschieden werden. Autoreferat 

Erfahrungen mit dem Haarspiritus aus Euresol Knoll. 

Von Paul Jacob-Charlottenburg. (Dermatol. Wschr., 1914, 
Nr. 27.) 

Zur wirksamen Bekämpfung der Seborrhoe und des damit ver¬ 
bundenen Haarausfalles weist Verf. auf den Gebrauch von Euresol- 
haarspiritus hin, der rezeptmäßig nach folgender Formel zu ver¬ 
schreiben ist: Euresol. pro capill. 10,0, Spirit. 125,0, Aq. dest. ad 
250,0. J e nach Lage des einzelnen Falles kann dieser Vorschrift nach 
Sublimat, Tannin, Chinin, Salizylsäure usw. beigefügt werden. Ist 
die Kopfhaut sehr trocken und fettarm, so empfiehlt es sich, obiger 
Vorschrift 5 g = 2 Proz. reines Paraffinöl zusetzen zu lassen, oder 
aber man verordnet das Euresol pro capill. als Haarpomade, z. B. 
Euresol. pro capill. 2,0, Ungt. pomadin. alb. ad 50,0. 

Die Tatsache, daß nach der Anwendung des Euresols bald die 
Haare nicht mehr ausfallen, die Schinnen verschwinden und das 
Jucken aufhört, gibt den Patienten sofort wieder belebende Hoffnung, 
so daß die Kur eingehalten wird. Die Behandlung selbst muß regel¬ 
mäßig und einige Monate hindurch fortgeführt werden. 

In der ersten Zeit wurde das Mittel jeden zweiten Abend mit 
den Fingerspitzen oder einer kleinen weichen Bürste auf die Kopf¬ 
haut dünn aufgetragen. Der Haarspiritus trocknete sehr rasch ein. 
Bei Gebrauch der Pomade ist ein Tuch über den Kopf zu binden, 
falls die Anwendung am Abend geschieht, um einem Beschmutzen 
der Wäsche vorzubeugen. Nach ungefähr vier Wochen genügt es, 
das Präparat zweimal wöchentlich zu gebrauchen. 

Nebenbei empfiehlt es sich, eine Waschung der Kopfhaut mit 
Schwefelseife von Zeit zu Zeit vornehmen zu lassen, doch ist vor 
zu häufigem Gebrauch von Seife und Wasser zu warnen. Eine 


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12 


zweckmäßige Lebensweise, vor allem eine geregelte Verdauung, wird 
zur Unterstützung der Kur ohne Zweifel beitragen. 


Bücherbesprechungen. 

Die wichtigsten chronischen Krankheiten des Schul¬ 
kindes und die Mittel zu ihrer Bekämpfung. Mit 
besonderer Berücksichtigung der Tuberkulose. 
Von Dr. Gustav Poelchau, Schularzt in Berlin-Charlotten¬ 
burg. (Zwanglose Abhandlungen aus den Grenzgebieten der 
Pädagogik und Medizin. Hrsg. v. Th. Heller-Wien und G. 
Leubuscher-Meiningen. H. 4.) gr. 8°, 4 u. 128 S. Berlin 
1914. J. Springer. Preis 3,60 Mk. 

Der Verf. bespricht auf Grund langjähriger Erfahrungen und 
eines reichlichen Materials die wichtigsten chronischen Krankheiten 
des Schulkindes, wobei die Tuberkulose eine besonders eingehende 
Würdigung erfährt. Namentlich die Ausführungen über die Skrofu¬ 
löse, die exsudative Diathese und über die Disposition zur Tuberku¬ 
lose verdienen die Aufmerksamkeit der Ärzte. Da bisher nur wenige 
Veröffentlichungen schulärztlicher Erfahrungen vorliegen, bietet die 
Arbeit vieles Neue. Reck z eh-Berlin. 

Lehrbuch der Ösophagoskopie. Von Prof. Dr. Hugo Stark- „ 
Heidelberg. 2. größtenteils neu bearbeitete Auflage. 8°, 274 S. 
mit 110 Abb. und ausführlichem Literaturverzeichnis. Würz¬ 
burg 1914. Verlag von Kurt Kabitzsch. Preis brosch. 8,— 
Mk., geb. 9,— Mk. 

Zehn Jahre sind seit dem Erscheinen der 1. Auflage verflossen. 
In dieser Zeit hat die Ösophagoskopie stetige Fortschritte gemacht. 
Diese Entwicklung betraf hauptsächlich die Vielgestaltigkeit des 
Instrumentariums, ein Umstand, der eine völlige Neubearbeitung des 
ersten Teiles des Buches, der Technik, nötig machte. Nicht ganz 
Schritt gehalten mit dieser Entwicklung haben die diagnostischen 
und therapeutischen Ergebnisse der Ösophagoskopie, deren wesent¬ 
liche Kapitel seit ihrer Begründung durch vonMikulicz teilweise 
nur unwesentliche Erweiterung erfahren haben. Nur die Kapitel 
über Fremdkörper und Narben Verengerungen mußten entsprechend 
dem Fortschritt der Wissenschaft neu bearbeitet und erweitert 
werden. — Das S t a r k ’ sehe Lehrbuch enthält in seiner neuen Form 
alles, was für den Arzt, der sich mit diesem Spezialgebiet der Endo¬ 
skopie befassen will, wissenswert ist. Ein besonderer Vorzug des 
Buches ist es, daß ein Hauptgewicht auf die Technik gelegt ist, 
so daß auch derjenige, der die Methodik ohne Lehrer erlernen 
möchte — was übrigens heute kaum noch nötig sein dürfte — durch 
die gründlichen und klaren Auseinandersetzungen dazu imstande 
sein dürfte. Auch der spezielle Teil, die Klinik der Speiseröhren¬ 
erkrankungen, bietet bei aller Vollständigkeit eine übersichtliche 
und leicht durchzuarbeitende Darstellung aller in Betracht kommen¬ 
den Krankheitsbilder, Klos e-Breslan, 


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i3 

Die Schulzahnpflege auf dem Lande und ihre Organi¬ 
sation. Von Dr. C. Sander, Geschäftsführer des Haupt¬ 
vereins für Volkswohlfahrt in Hannover. (Sonderabdruck aus: 
Die Schulzahnklinik.) 8°, 36 S. Berlin 1914. Richard Schoetz. 

Die öffentliche Zahnhygiene der Kinder für Stadt und Land ist 
heute als eine ziemlich anerkannte Notwendigkeit zu beachten. Wenn 
es an Einrichtungen hierfür fehlt, so ist meistens die Kostenfrage 
hieran schuld. Schwieriger als in den Städten und verhältnismäßig 
kostspieliger ist die Zahnpflege auf dem Lande durchzuführen. In¬ 
dessen ist bei einigem guten Willen und Kenntnis der Sachlage die 
Sache dennoch durchführbar. Hierzu gibt der vorliegende Sonder¬ 
abdruck Anleitung. 

Die Organisation ist in 18 Landkreisen Preußens durchgeführt, 
worüber im einzelnen berichtet wird. Aus der Zusammenstellung 
ergibt sich, daß stets die Untersuchung sämtlicher Schulkinder an 
Ort und Stelle im Beisein des Lehrers zu erfolgen hat Der „Be¬ 
trieb im Umherziehen“ (Auto, Rad, fahrbare Klinik) ist der festen 
Station vorzuziehen, da der Zahnarzt sonst nur in wenig Fällen auf¬ 
gesucht wird. 

Der Schulzahnarzt soll besoldet sein, doch ist die Besoldung 
von der gewählten Organisation abhängig und wird nicht weiter 
erörtert. 

Im Zusammenhang hiermit kann auch nur die Heranziehung 
der Eltern zu den Kosten erörtert werden. Ein Abonnement für 
1 Mark für das erste Kind, 0,50 für jedes weitere Kind einer Familie 
hat sich als angemessen und durchführbar erwiesen. Unentgeltliche 
Behandlung bezeichnet der Verf. zwar als das Ideal, doch wird das 
von maßgebenden zahnärztlichen Kreisen bestritten. Es ist nicht 
gut, daß das in Frage kommende Publikum daran gewöhnt wird, 
alle sozialhygienischen Maßnahmen unentgeltlich zu verlangen. 

Empfehlenswert ist der Anschluß an eine Heilstätte. 

G r e v e-München. 

Die Gesundheit des Kindes. Zur Belehrung für junge Eltern 
von Dr. Max Kassowitz, weil. Prof. d. Kinderheilkunde in 
Wien. kl. 8°, 72 S. mit einem Bildnis des Verfassers. Wien 
1914. Verlag von Moritz Perles. Preis 1,50 Mk. 

Die Absicht von Kassowitz, aus seiner reichen Erfahrung 
heraus eine eingehende gemeinverständliche Gesundheitslehre des 
Kindesalters zu schreiben, wurde durch den frühen Tod des hervor¬ 
ragenden Kinderarztes vereitelt. Die vorliegende Broschüre will in 
gewissem Sinne einen geringen Ersatz für das beabsichtigte Werk 
bieten. Sie ist aus sechs Vorträgen hervorgegangen, die Kasso¬ 
witz im Rahmen der Wiener volkstümlichen Universitätskurse ge¬ 
halten hat Knappheit, Klarheit und ein glänzender Stil sind die¬ 
jenigen Vorzüge, die hervorgehoben zu werden verdienten, wenn 
eine solche Empfehlung bei einem Werke von Kassowitz nötig 
wäre. Man kann diesen Vorträgen nur eine recht weite Verbreitung 
in Elternkreisen wünschen. Klose-Breslau. 


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Die menschliche Intelligenz und ihre Neigung. Von Dr. 
med. Ä. Lorand-Karlsbad (Böhmen). (Eine Anleitung zum 
rationellen Denken durch hygienische und therapeutische Ma߬ 
nahmen.) gr. 8°, VIII u. 413 S. Leipzig 1914. Verlag von 
Dr. Klinkhardt. Preis 4,— Mk. 

Verf. steht auf dem ganz modernen, streng naturwissenschaft¬ 
lichen Standpunkte, daß die Intelligenz des Menschen vom normalen 
Funktionieren des Gehirns abhängt und daß sie daher ebenso wie 
die Funktionen irgend eines anderen Organes, z. B. des Herzens und 
der Nieren, durch eine Reihe hygienischer und therapeutischer Ma߬ 
regeln günstig beeinflußt werden könne. 

Von diesem zweifellos wichtigen Standpunkte erörtert Verf. die 
schädlichen und nützlichen Einflüsse auf die Denkfähigkeit und die 
Intelligenz und die Behandlung der schädlichen Einflüsse nach 
neueren Grundsätzen; insbesondere bespricht er auch das Gedächtnis 
und seine systematische Entwicklung, die rationelle Entwick¬ 
lung der Intelligenz bei den Kindern und hygienische Grundlage 
für eine Reform des Schulunterrichtes besonders in den Mittelschulen. 
Das Buch ist sehr interessant geschrieben und sehr lesenswert 

Schmey-Beuthen O.-S. 

Kalender für heilpädagogischeSchulen und Anstalten, be¬ 
gründet 1905 von Dr. K. G. Th. Scheffer im Aufträge des 
Vereins für Erziehung, Unterricht und Pflege Geistesschwacher 
hrsg. von Fr. Frenzei, Hauptlehrer zu Stolp i. P. und J. 
Schwenk, Direktor der Erziehungsschule zu Idstein im 
Taunus, und Dr. Mel tzer, Oberarzt zu Großhennersdorf i. Sa. 
X. Jahrg., 1914/15. kl. 8°, XXVIII u. 242 S. Halle 1914. 
Carl Marhold’s Verlagsbuchhandlung. Preis 1,20 Mk. 

Der Kalender enthält in übersichtlicher Form alles für den Leiter 
und Lehrer von Hilfsschulen und entsprechenden Anstalten wissens¬ 
werte. Er dürfte auch dem Nerven- und Kinderarzt, der häufig 
Angehörige minderbegabte Kinder beraten muß, manchen Finger- 
zeig geben. Corde s-Dresden. 

Kinderturnen. Anregung zur körperl. Erziehung der Kinder vor 
dem Schuleintritt für Eltern, Erzieher und alle Freunde einer 
gesunden und frischen Jugend. Von Dr. H. von Baever, 
Priv.-Doz. a. d. Univ. und Vorstand der orthopäd. Station des 
Krankenhauses links der Isar in München, und Friedrich 
Winter, städt. Turnlehrer in München. 8°, 52 S. mit 62 Abb. 
im Text Leipzig 1914. Druck und Verlag von B. G. Teubner. 
Preis —,80 Mk. 

Gerade vor und nach dem 6. Jahre, also vor der Schulzeit, 
ist die Bewegungslust der Kinder sehr groß. Besonders die 
Stadtkinder sind aber in der Beziehung durch ihre Wohnungsver¬ 
hältnisse vielfach beschränkt. Bei den Unterhaltungsspielen kann 
von einer wirklich ausgiebigen Bewegung des Körpers nicht ge¬ 
sprochen werden. Der Führer soll für Körperpflege bei vorschulpflich¬ 
tigen Kindern dienen, dazu ist er besonders durch seine zahlreichen 


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iS 


(62 Abbildungen im Text) Bilder sehr geeignet Auch die wichtigsten 
Verbildungen im Kindesalter, wie O- und X-Beine sowie Plattfuß, 
werden durch Abbildungen erläutert. Hanssen-Kiel. 

Chirurgie des Kindesalters. Von Prof. Dr. A. Broca-Paris. 
Lex. 8°, VIII u. 1126 S. avec 12sQ figf- Paris 1914. G. Stein¬ 
heil. Preis 20,— Mk. 

Die Chirurgie des Kindesalters wird in Frankreich seit langem 
als eigenes Fach gepflegt. Verf. ist ein ausgezeichneter Kliniker 
und das groß angelegte Werk ist offenbar fast durchweg der Nieder¬ 
schlag eigener Erfahrung und trägt eine ausgesprochen persönliche 
Note. Auch der nicht chirurgisch tätige Kinderarzt findet reiche 
Anregung. Die beigegebenen Abbildungen sind durchweg einfach ge¬ 
haltene schematisierende instruktive Zeichnungen. Die Radiographie 
ist in weitestem Maße herangezogen. I b r a h i m-München. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Einige Betrachtungen über dieStilFsche Krankheit 
und Arthritis deformans. Von John B. Manning und Fred 
J. Fasset 

Verf. gibt im Anschluß an das von Still 1896 festgelegte 
Krankheitsbild. Chronische Verdickung der Gelenke verbunden mit 
allgemeiner Drüsen- und Milzvergrößerung bei Kindern Fallgeschichte 
mit anschließenden therapeutischen Bemerkungen. Am Schlüsse gibt 
er der Meinung Ausdruck, daß die Unterschiede zwischen Arthritis 
deformans und vorliegender Erkrankung nicht präzise genug fest¬ 
gestellt sind. Cordes-Dresden. 

(Arch. of ped., Bd. XXI, H. 6.) 

Einige Fälle von Diarrhöebehandlung mit Bazillus 
bulgarikus. Von Charles White Berry. 

Der Artikel zeigt die Erfolge an 24 Fällen von mit Bazillus 
bulgarikus behandelten Sommerdurchfällen bei Kindern. Der Verf. 
sah sehr gute Erfolge. Eine Anzahl der Fälle konnte zur Norm 
geführt werden ohne Diät mit der Behandlung allein. Verf. glaubt 
nun auf Grund der 24 Fälle keine definitiven Schlüsse ziehen zu 
sollen, will vielmehr in dem Artikel nur einen Hinblick auf die 
Wirksamkeit der Behandlungsweise geben. Cordes-Dresden. 

(Arch. of ped., Bd. 31, Nr. 7.) 

Milzvergrößerung im Säuglings- und Kindesalter. 
Von Carl Vernou Weller. 

Verf. behandelt eingehend das vielumstrittene Thema in Hinsicht 
auf Diagnose, Symptome und Ursache. Einige Fallgeschichten 
illustrieren gut das Thema, über dessen Einzelheiten der ausführliche 
Artikel belehren muß, der von einer guten Literaturübersicht gefolgt ist. 

(Arch. of ped., Bd. 31, H. 7.) Cordes-Dresden. 


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i6 


Schickes Reaktion und ihre praktische Anwendung. 
Von William H. Park und Abraham Mugher. 

Die Verff. haben die von Schick-Jena angegebene Diphterie- 
toxinhautreaktion an 700 Patienten, die im Scharlachpavillon auf¬ 
genommen wurden, ausprobiert und bei 47 Proz. negatives Resultat 
erhalten. Unter diesen zeigte sich kein Fall klinischer Diphtherie, 
wenngleich einige Bazillenträger wurden. Von den Testierenden 300 
Patienten bekamen 42 eine milde Form der Diphtherie. Die Verff. 
sehen in der Reaktion eine zuverlässige Probe für die Empfänglich¬ 
keit oder Nichtempfänglichkeit der Individuen für Diphterie. Be¬ 
sonders wertvoll war die Reaktion auch bei der Erkennung von 
zweifelhaften Fällen nasaler Diphtherie. Cordes-Dresden. 

(Arch. of ped., Bd. 3 1 , H - 7 *) 

Varizellen bei einem neugeborenen Mädchen durch 
mütterliche Infektion. Von M. M.Lenboullet u. Moricand. 

14 Tage nach der Geburt traten deutliche Eruptionen von 
Varizellen auf. Die Mutter hatte bei der Entbindung deutliche 
Varizellen-Bläschen aufgewiesen. Man muß annehmen, daß die Mutter 
noch nicht immunisiert war, das Kind wurde erst bei der Geburt 
von seiner Mutter angesteckt Die Varizellen bei dem Säugling 
verliefen ziemlich schwer und es entstand eine oberflächliche Gan¬ 
grän der Haut, trotzdem wurde das Kind ziemlich schnell gesund. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, Febr. 1914.) Haussen -Kiel. 

Fehlen der rechten Brustdrüse mit Vorhandensein 
der Brustwarze. Von Albert Mouchet. 

Es handelte sich um ein Mädchen von acht Jahren, das sonst 
kräftig und gesund war. Jede Spur der Brustdrüse fehlte, außerdem 
war die steno-kortale Portion der Pektoralis nicht vorhanden. Außer 
einer kleinen Nabelhernie fehlten sonst bei dem Kinde angeborene 
Deformitäten. H a n s s e n -Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, Febr. 1914.) 

Quelques cas de bacteriotherapie antityphique chez 
l’enfant. Von Guinon et Malarte. 

Es wurde die Vakzine von Prof. Vincent angewandt. Die 
Kurven von elf Fällen finden sich dabei abgebildet. Es handelte 
sich «um ganz leichte Fälle aber auch um schwerere Fälle von Ty¬ 
phoide, die als ataxo-adynamische bezeichnet werden. Die Behandlung 
begann vom ersten bis zehnten Tage der Erkrankung an. Es wurde 
V*—1 ccm der Vakzine verabreicht in der Deltoideus-Gegend, meist 
erfolgte keine lokale Reaktion. Am ersten Tage war kein Einfluß 
auf die Temperatur zu bemerken. Die Bakteriotherapie besserte 
besonders die Dauererscheinungen, aber verhinderte nicht die Blutungen 
und Abszesse. Zwei sehr schwere Fälle wurden geheilt. Richar- 
di&re betonte in der Diskussion, daß er keinen Erfolg auf die Dauer 
der Krankheit bemerken konnte, er behandelte sechs Fälle. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, Jan. 1914.) H a n s se n -Kiel. 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift für ffinderiieiltoinde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 

Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis für das gante 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband für Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 

XXVI. Jahrg. Februar 1915. No. 2. ( 302 .) 

INHALT: Originalien: Haussen, Milch Verderbnis und Säuglings¬ 
sterblichkeit. 17. — Referate: Neumann, Beitrag zur Statistik der Kinder¬ 
krankheiten, Diphtherie, Scharlach, Keuchhusten, Masern in Preußen in den 
Jahren 1901—1912. 22. — Stier, Wandertrieb und pathologisches Fortlaufen 
bei Kindern. 23. — Redslob, Über Schulen für Schwachsichtige. 24. — Fried- 
jung, Kritische Beiträge zur Lehre von der Masernerkrankung. 25. — Hartoch 
u. Sehttrmann, Die Schutzwirkung des Diphtherieserums bei der Reinjektion. 
*5- — Cursehmann, Zur Frage der „Bronchotetanie 4 - der Erwachsenen und 
ihrer Behandlung mit Kalzium. 27. — Grimm, Taenia saginata bei einem 
Säugling. 27. — Köck, Uber schwere, nicht diphtherische Kehlkopfstenose bei 
Kindern. 28. — Isenschmld u. Schemensky» Bedeutung der von Doehle be¬ 
schriebenen Leukozvteneinschlüsse für die Scharlachdiagnose. 28. — Erdt, Ver¬ 
giftungstod durch Chineonal. 28. — Bücherbesprechungen: Stark, Lehr¬ 
buch der Ösophagoskopie. 2. Aufl. 29. — Beltker, Uber Trockennährböden 
nach Prof. Üoerr. 29. — Bericht des Kaiserin Auguste Viktoria-Hauses zur 
Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche. 30. — Kurze 
Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 30. — 

Originalien. 

Milchverderbnis und Säuglingssterblichkeit. 

Von Dr. Peter Hanssen, Kinderarzt in Kiel. 

Als ich im Jahre 1912 in dieser Zeitschrift ein Sammelreferat 
über die Sommersterblichkeit veröffentlichte, hatte ich schon darauf 
aufmerksam gemacht, daß mir ein sehr deutliches Beispiel über den 
fehlenden Zusammenhang zwischen Milchverderbnis und Säuglings¬ 
sterblichkeit bekannt sei. Bisher ist eine Veröffentlichung unter¬ 
blieben. Erst eine Aufforderung der Redaktion erinnerte mich an 
den fast vergessenen Gegenstand. 

Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß Milchverderbnis 
nichts mit der Sommersterblichkeit zu tun hat. Ein Suchen nach 
dem Erreger des Sommerdarmkatarrhs in der Milch halte ich für 
aussichtslos. Meine Untersuchungen am Hund haben bewiesen, daß 
beispielsweise der Hund sehr große Mengen von Bakterien in der 
Milch anstandslos verträgt, ohne krank zu werden (Zbl. f. Bakterio- 
logie, Origin.). 

Wir sehen nie ein epidemisches Auftreten von Cholera nostras 
nach Genuß von Milch einer Quelle, wie etwa bei der Fleischver- 

Kfi»der-Ar*t XXVT. Jahrg. 1915. 3 


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giftung des Erwachsenen. Auch wurde fast nie bei den typischen 
Dyspepsien und akuten Entero-Katarrhen des Säuglings aus der¬ 
selben Milch, die der Säugling bekommen hatte, ein Bacillus ge¬ 
züchtet, der im Tierversuch sich etwa so verhielt, wie derFlügge- 
sche Bacillus und pathogene Coli-Arten. Insbesondere hat man das 
Bacterium coli, das zuweilen akut wirken kann, sehr selten in 
größerer Menge in verdorbener Milch gefunden, noch seltener Para¬ 
typhus- und andere ähnliche Bakterien. 

Auch meine mitBahrdt, Edelstein und Weide ausgeführten 
Tierversuche hatten dasselbe Resultat, insofern ein Einfluß von 
Keimzahl der Nahrung und Art der Milchinfektion auf die Bildung 
der flüchtigen Säuren sich überhaupt nicht mit großer Sicherheit 
ergab und ein solcher Einfluß, wenn er überhaupt bestand, nicht 
sehr groß sein konnte. Die im Magen sich bildenden flüchtigen 
Säuren entstehen wahrscheinlich aus dem Fett der Kuhmilch und 
zwar wahrscheinlich aus den Glyzeriden niederer Fettsäuren. Auch 
eine Beobachtung von Schloß spricht gegen die Milchverderbnis 
als ursächlichen Faktor: „Es ist Tatsache, daß auf den einzelnen 
Säuglingsabteilungen, die alle mit derselben Milch versorgt werden, 
die Erkrankungen in verschiedene Zeiten fallen, daß also auf der 
einen Abteilung noch alle Säuglinge wohl waren, während auf der 
andern die Mehrzahl erkrankte.“ Schloß fügt allerdings hinzu, daß 
dies nur für die in einer Periode erkrankten Säuglinge gilt 

Nun zu meinem Beispiel: Das Jahr 1902 war sowohl in Schles¬ 
wig-Holstein, wie in ganz Deutschland ausgezeichnet durch große 
Kühle und viel Regen; dasselbe Jahr zeichnete sich ebenfalls in 
ganz Deutschland durch einen außerordentlich niedrigen Stand der 
Säuglingssterblichkeit aus. Die Witterung in Schleswig-Holstein 
war in den einzelnen Monaten folgende: 

Der April hatte vorwiegend kaltes und rauhes Wetter, am 9. 
herrschte noch — 3,7« C. Auch der Mai brachte noch keine Wärme. 
Viele Nachtfröste und Schneefälle störten das Wachstum der Pflanzen. 
Erst Ende Mai wurde es wärmer, daß die Vegetation sich außer¬ 
ordentlich schnell entwickelte. Es blieb auch warm Anfang Juni. 
Dann aber blieb es kühl bis Ende August, es regnete fast jeden Tag. 
Erst im September wurde es etwas besseres Wetter. Schon im 
Oktober trat dann Frostwetter ein. Mitte November war es schon 
empfindlich kalt 

Gerade imFrühjahr und Sommer 1902 sind nun durch Weigmann 
auffällige Erscheinungen und Störungen im milchwirtschaftlichen 
Betriebe der Provinz Schleswig-Holstein in einer Zahl berichtet 
worden, wie das bisher nicht der Fall war. „Es ist bekannt, daß in 
der sogenannten Übergangszeit, d. h. in der Zeit, in welcher das 
Vieh vom Stall auf die Weide kommt, häufiger Störungen im milch¬ 
wirtschaftlichen Betriebe Vorkommen, im vergangenen Frühjahr 
scheinen sie jedoch häufiger und tiefgehender Natur gewesen zu 
sein als sonst, und was mehr ins Gewicht fällt, sie haben sich bis 
in den Hochsommer hinein ausgedehnt, bis in eine Zeit, wo Stö¬ 
rungen der zu schildernden Art selten sind. Da die ersten und 
rasch hintereinander folgenden Berichte in eine Zeit fielen, in der 


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*9 

besonders stark regnerisches und kühles Wetter herrschte, in den 
Monaten Mai und zu Beginn des Juni, so lag es nahe, diesen Wit¬ 
terungsverhältnissen die Schuld beizumessen, und diese Annahme 
scheint nicht unzutreffend zu sein, wenn man in Betracht zieht, 
daß noch im August ein Fall konstatiert werden konnte, daß. Milch 
von Kühen, welche auf sonst nicht unter Nässe leidenden Wiesen 
weideten, schon nach kurzer Zeit „käste“. Bekanntlich zeichnete 
sich der ganze Sommer, besonders auch der August, in Schleswig- 
Holstein und auch anderwärts durch Nässe und kühle Witterung 
aus, so daß man annehmen konnte, daß die zur Übergangszeit 
herrschenden Verhältnisse und damit auch die dadurch bedingten Er¬ 
scheinungen in der Milchwirtschaft sich auf längere Zeit als sonst 
hinaus erstreckt haben. Diese Annahme scheint umsomehr gerecht¬ 
fertigt, als die Erscheinungen so ziemlich nach einer bestimmten 
Richtung liegen und eine andere Erklärung als die vom Verf. an¬ 
genommene nicht gegeben werden konnte“. 

Die Fälle, jdie von W ei gm an n angegeben werden, sind folgende: 

1. Ende Mai wurde die Milch der Versuchs- und Lehrmeierei 

des Instituts seifig. Eine Probe Magermilch aus der Mischmilch 
der Meierei hatte nach dem Aufbewahren im Eisschrank einen 
widerlichen seifigen Geschmack angenommen, gerann dann beim 
Uberbringen in Zimmertemperatur nach einiger Zeit, jedoch dabei 
den eigentümlichen Geschmacksfehler verlierend. Durch Impfen 
sterilisierter Milch mit der geronnenen Milch und Aufbewahren der 
Probe bei niedriger Temperatur konnte der Fehler wieder erzeugt 
werden, so daß man es also mit einer Pilzart zu tun haben mußte, 
welche bei niedriger Temperatur gedeiht, und unter solchen Ver¬ 
hältnissen die andern nur^frei höherer Temperatur wachsenden Bak¬ 
terien überwuchert Diese Bakterienart ist dann auch rein gezüchtet 
worden und hat sich als der Erreger des seifenartigen Geschmacks 
der Milch erwiesen, eine Beschreibung ist von Dr. Eichholz ge¬ 
geben. . 

2. In einem zweiten Fall ließ sich auf einem Gute im dänischen 
Wohld seit Mitte Mai — also seit der Zeit des Eintrittes der kühlen 
Witterung und seit die Kühe auf die Weide gebracht waren — der 
Rahm nicht buttern. Aus früheren Jahren konnte man sich solcher 
Störungen nicht erinnern, jetzt war seit geraumer Zeit die Erschei¬ 
nung eingetreten. In derselben Zeit wollte auch der Rahm in einer 
Genossenschaftsmeierei auf dem Mittelrücken (Geest) Holsteins wie 
auch von einer solchen in der Marsch nicht seimig, d. h. dick werden, 
und die Verbutterung gelang nur bei höherer Temperatur und nur 
unter Verlust an Ausbeute und großer Einbuße an Qualität 

3. Ebenfalls in einer Sammelmolkerei, diesmal im östlichen Hol¬ 
stein, war im Laufe des Monats August, der bekanntlich ebenfalls 
sehr regnerisch war, die Wahrnehmung gemacht worden, daß Milch, 
welche des Morgens gemolken und an die Meierei geliefert war, 
trotz der Kühlung bereits am Morgen gerann und zwar nicht in¬ 
folge Sauerwerdens, sondern durch süße Gerinnung, d. h. infolge 
Sauerwerdens eines labartigen Fermentes von seiten in großer An¬ 
zahl vorhandener Bakterien entsprechender Art Der betreffende 


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io 

Molkereibesitzer konnte noch mitteilen, daß der Fehler sich ganz 
besonders stark bei einem Milchlieferanten zeige, dessen Kühe auf 
niedrig gelegenen und in diesem Jahre nassen Wiesen weideten, 
während bei denjenigen Milchlieferanten, wo das Vieh höher und des¬ 
halb trockene Weiden beging, der •Fehler nicht so stark hervor¬ 
trete. (Vergl. unten im Allgäu.) 

4. Ein letzter Fall, bei dem das Institut um Rat gefragt wurde, 
darf, wenn auch nicht mit gleicher Sicherheit, wohl auf dieselbe Ur¬ 
sache zurückgeführt werden. Einem Milchproduzenten in der Um¬ 
gegend Hamburgs war es im Juli längere Zeit hindurch passiert, 
daß die von ihm nach Hamburg gelieferte Milch auf dem Transport, 
welcher zwei Stunden dauert, „lang“, also fadenziehend geworden 
war, obwohl die Milch gleich nach dem Melken mittelst Eis abge¬ 
kühlt wurde. Die Kühe gingen seit Ende Mai auf die Weide. Von 
zweien derselben sandte der erwähnte Landwirt Proben zur Unter¬ 
suchung ein, und die Milch einer dieser Kühe erwies sich als mit 
einer Bakterienart durchsetzt, welcher die Eigenschaft zukommt, Milch 
in starkem Maße schleimig zu machen; diese Bakterie wurde von 
Gruber als Coccus lactis viscosi beschrieben. Die Milch der 
andern Kuh enthielt dagegen eine Bakterie in großer Menge, welche 
Gärung verursacht und der Milch einen unangenehmen jauchigen Ge¬ 
schmack gibt (Bacillus aerogenes). Weigmann bringt auch diesen 
Milchfehler mit den abnormen Witterungsverhältnissen in Zusammen¬ 
hang. Solche Erscheinungen traten nicht auf, oder wenigstens an 
der Butter nicht, wo das Pasteurisieren des Rahms und der, 
Vollmilch im Gebrauch ist 

5. In einem weiteren Fall von einem Hofe des Dänischen Wohld 
wollte der durch das Swartz’sche Verfahren gewonnene Rahm 
nicht dick werden und ließ sich nur unter Anwendung hoher Tempera¬ 
turen in Butter verwandeln. Diese war schlecht, schmierig, und von 
ranzig-talgigem Geschmack. 

Weigmanp hat also im Verlauf von ganz kurzer Zeit vier 
Fälle von der abnormen Erscheinung der Milch in Schleswig-Hol¬ 
stein, einen Fall aus Hamburg beobachtet. Nach mündlicher Mit¬ 
teilung von Prof. Weigmann an mich konnte er von ähnlichen 
Beobachtungen aus dem Allgäu berichten, wo auf der Schattenseite 
Milchverderbnis beobachtet wurde, auf der Sonnenseite der Weide 
nicht. Wie ich schon sagte, war der Stand der Säuglingssterblich¬ 
keit in Schleswig-Holstein im Jahre 1902 besonders niedrig, ich 
gebe die Zahl für die größeren Städte zum Vergleich für das Jahr 
1901, darunter für 1902, und für 1909, ebenfalls einem kühlen Jahr; 


Altona Kiel Flensburg Neumünster Schleswig Itzehoe Rendsburg Wandsbek 


I9OI 23,56 20,1 

18,0 

19.4 

19.4 

24,0 

? 

26,1 

J1902 15,3 15,8 

12,9 

18,8 

14.7 

12,3 

19.3 

16,2 

IW 15.84 13.5 

ii,6 

I 4.7 

I 4»7 

17,0 

14,8 

15,6 

Es starben in 

den Städten (im Sommer absolute 

Zahl) Säuglinge 

1901 266 165 

41 

17 

9 

34 

? 

53 

fi902 46 45 

3 

2 

3 

4 

4 

3 

\1909 45 46 

9 

i 7 

3 

7 

4 

22 


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21 


In Hamburg war der Stand der Säuglings-Sterblichkeit zum 
Vergleich folgender: 

1902 = 15,0 
1901 = 19,8 

Zum Vergleich im Jahre 1909, einem ebenfalls recht kühlen 
Jahr in der Stadt = 14,2; Hamburg Land = 11,6; überhaupt = 13,97. 

Die Zahlen für die ganze Provinz Schleswig-Holstein waren 
folgende: 

1901 17,6 

/1902 14,1 
I1909 13,21 

Zum Vergleich dazu waren die Mitteltemperaturen für Schleswig- 
Holstein, Maximum für Hamburg: 

1902 im Juli = 15,3 — Aug. = 14,3 — Sept = 12,1 0 C. 

das Luftmaximum im Juli = 25,9 — „ =22,0 — „ =25,2 

die Niederschläge „ „ = 70,5 — „ = 99,9 — „ = 65,2 mm 

Zum Vergleich 1909: 

Mittel Juli = 15,5 August 16,3 September 13,6 

Maximum „ = 23,6 „ 25,4 „ 21,1 

Niederschläge „ = 100,1 „ 41,9 „ 90,9 mm 

Zum Vergleich dagegen 1901: 

Mittel Juli 19,3 August 17,0 September 14,6 

Maximum „ 30,0 „ 27,6 „ 24,7 

Niederschläge „ 42,4 „ 81,6 „ 37,4 mm 

Aus diesen Zahlen ergibt sich die viel größere Wärme im 
Jahre 1901, verbunden mit sehr geringen Niederschlägen. 

Es liegt mir natürlich fern, aus dem Ergebnis eines Jahres 

Schlüsse zu ziehen; immerhin bleibt es aber auffallend, daß in einem 
kühlen feuchten Jahr die Milchfehler sich stark häuften; trotzdem 
aber die Säuglingssterblichkeit sehr niedrig war. Um nicht mi߬ 
verstanden zu werden, will ich keineswegs befürworten, daß bei der 
Gewinnung von Milch weniger vorsichtig verfahren wird, dabei wird 
schon genug gesündigt. Ich kann nur bestätigen, was Burr sagt: 
„Während die Technik des Molkereiwesens von Jahr zu Jahr immer 
mehr Fortschritte gemacht hat, läßt sich von der Gewinnung und 
Behandlung des Rohmaterials, der Milch, mit vollem Recht be¬ 
haupten, daß hier mit Ausnahme einer Reihe von Musterwirtschaften 
keine Fortschritte zu verzeichnen sind. Im Gegenteil scheint heute 
ein großer Teil der Milchproduzenten von der Annahme auszu¬ 
gehen, daß Sauberkeit bei der Gewinnung der Milch überflüssig 
ist, da unsere vorzüglichen Zentrifugen ja den Schmutz wieder 
daraus entfernen, und außerdem die gut wirkenden Pasteure die der 
Milch schädlichen Keime tot machen“. 


Literatur: 

Berichte des Medizinalrats in Hamburg. 

Burr. Anlieferung möglichst einwandfreier Milch an die Molkereien. 
Molkerei- und Käserei-Ztg., Jahrg. V, Nr. 10 u. 11. 

Haussen. Die Säuglings-Sterblichkeit in Schleswig-Holstein und die 
Mittel zu ihrer Abhilfe. Kiel. L. Handorff’s Verlag. 


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Haussen. Untersuchungen am Hund über den Einfluß infizierter Milch 
auf das Bakterienwachstum im Verdauungskanal speziell im Magen. Zbl. f. 
Bakt, Org., Bd. 62, S. 89. 

Haussen, Bah rat, Edelstein und Weide. Tierversuche über die 
Vermehrung von Bakterien und die Bildung flüchtiger Fettsäuren im Magen 
(und Darm) bei Fütterung von keimreicher Milch. Zschr. f. Kinderhlkde., 
Bd. XI, H. 5 u. 6. 

Schloß. Über Säuglingsernährung. Die Wirkung der Sommerhitze auf 
die Säuglinge. 

Weigmann. Handbuch der Milchkunde. Verunreinigung der Milch 
von außen. S. 593. 

Weigmann. Uber auffälliges Verhalten von Milch, welche im Sommer 
1902 auf der Weide gewonnen ist Arbeiten der Versuchsstation für Molkerei¬ 
wesen, Kiel 1903. 

Witterung in Schleswig-Holstein. Zehntägige Witterungs-Berichte der 
deutschen Seewarte. 


Referate. 

Beitrag zur Statistik der Kinderkrankheiten, Diphtherie 
Scharlach, Keuchhusten, Masern in Preußen in den 
Jahren 1901—1912. Von Dr. Paul Neumann-Gelsen¬ 

kirchen. (Zschr. f. Hyg. u. Infektionskrankh., Bd. 38, H. 3, 
Leipzig 1914.) 

Das Deutsche Reich verdankt seinen immer noch beträchtlichen 
Geburtenüberschuß trotz des starken Geburtenrückganges vornehm¬ 
lich dem Sinken der Sterblichkeitsziffer. Hier feiert die Hygiene 
und speziell die Bekämpfung der Infektionskrankheiten ihre größten 
Triumphe. Trotz alledem ist die Zahl der alljährlich in den ersten 
Lebensjahren dahingerafften Kinder eine recht erhebliche, und einen 
nicht geringen Anteil an dieser Sterblichkeit des jugendlichen Alters 
haben die 4 ansteckenden Kinderkrankheiten: Diphtherie, Scharlach, 
Keuchhusten, Masern. Der Verf. verfolgte die Sterblichkeit dieser 
Krankheit im preußischen Staate während des zwölfjährigen Zeit¬ 
raumes von 1901—1912, indem er dem Werke „Das Gesundheits¬ 
wesen des preußischen Staates“ die Zahlenangaben für die betreffen¬ 
den Jahre entnahm. 

Zwölf interessante Tabellen und Kurven geben einen genauen 
Überblick über das Verhalten der 4 Infektionskrankheiten. Verl 
kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: 

1. Fast überall zeigen Diphtherie und Scharlach einerseits, und 
andererseits Keuchhusten und Masern ein ähnliches Verhalten. 

2. Für alle vier Krankheiten macht sich in dem behandelten 
Zeiträume ein erfreulicher Rückgang in der Sterblichkeit bemerk¬ 
bar ; am stärksten ist er beim Scharlach, am geringsten beim Keuch¬ 
husten. Trotzdem ist die Sterblichkeit immer noch recht erheblich. 

3. Infolge der starken Abnahme der Diphtheriesterblichkeit ge¬ 
winnt der Keuchhusten eine immer größere Bedeutung und wird 
voraussichtlich unter den vier Krankheiten bald ständig die höchste 
Zahl der Todesfälle aufweisen. 

4. An dem Rückgang der Sterblichkeit jeder Krankheit be¬ 
teiligen sich sämtliche Altersklassen des Kindesalters. Am größten 
;st die prozentuale Abnahme bei Diphtherie und Scharlach im 1. 


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23 


Lebensjahr, am geringsten im schulpflichtigen Alter. Bei Keuch¬ 
husten und Masern ist sie gerade in den ersten zwei Jahren, wo 
die meisten Opfer gefordert werden, am geringsten. 

5. Die Diphtheriesterblichkeit des 1. Lebensjahres zeigt einen 
ganz ständigen Rückgang von Jahr zu Jahr, wie ein solcher in den 
andern Altersklassen nicht vorhanden ist Im Alter von 10 bis 15 
Jahren macht sich sogar für die zweite Hälfte des Zeitraumes ein 
auffallender Anstieg bis 1911 bemerkbar. 

6. Der Anteil der einzelnen Altersklassen an der Diphtherie- und 
Scharlachmortalität hat in den 12 Jahren abgenommen im vorschul¬ 
pflichtigen Alter (bis zum 3. bez. 5. Lebensjahr), ist dagegen größer 
geworden im schulpflichtigen Alter und den höheren Altersklassen. 

7. Auf die Lebenden der einzelnen Alterskiass en kommen die 
meisten Todesfälle an Diphtherie und Masern auf das 2. Lebens¬ 
jahr, die meisten an Scharlach auf das 3. und die meisten an Keuch¬ 
husten auf das 1. Jahr. 

8. Von sämtlichen Gestorbenen jeder Altersklasse erliegen der 
Diphtherie, die meisten im Alter von 3 bis 5 Jahren, dem Scharlach 
im Alte* von 5 bis 10 Jahren, dem Keuchhusten und den Masern 
im 2. Lebensjahre. Im Alter von 3 bis 5 Jahren kommt über ein 
•Drittel der Todesfälle auf diese vier Krankheiten. Im 1. Lebens¬ 
jahr treten sie jedoch, abgesehen vom Keuchhusten, gegenüber der 
hohen. Sterblichkeit an Verdauungsstörungen ganz in den Hintergrund. 

: 9, Bei Diphtherie, Scharlach und Masern überwiegt die Sterb¬ 

lichkeit des männlichen, beim Keuchhusten die des weiblichen Ge¬ 
schlechtes. In der zweiten Hälfte des zwölfjährigen Zeitraumes hat 
die Sterblichkeit des weiblichen Geschlechtes beim Keuchhusten im 
Verhältnis zu der des männlichen gegenüber der ersten Hälfte nicht 
unwesentlich zugenommen. 

Die Abnahme der Diphtheriesterblichkeit muß auf die ausge¬ 
dehnte Anwendung des Diphtherieheilserums zurückgeführt werden. 
Die Abnahme erscheint umso auffallender, als die Zahl der Erkran¬ 
kungen an Diphtherie seit 1905, abgesehen vom letzten Jahre, eine 
ständige Zunahme erfahren hat Die überaus interessante und aus¬ 
führliche Arbeit empfiehlt Referent im Original nachzulesen. 

Schlichting-Kassel. 

Wandertrieb und pathologisches Fortlaufen bei Kindern. 

Von Dr. Stier. 

Verf. ist zur Zeit wohl der bekannteste Spezialist für Psycho- 
und Neuropathie des Kindesalters. Dementsprechend enthält die 
Arbeit eine solche Fülle wichtiger Beobachtungen und Einzelheiten, 
daß jedem die Lektüre dringend angeraten ist Die Ergebnisse, kurz 
zusammengefaßt, sind folgende: 

Wandertrieb (Schulschwänzen etc) ist häufig, an kein Alter ge¬ 
bunden, das Verhältnis der Beteiligung ist bei Knaben und Mäd¬ 
chen etwa 3,5:1. Das, sehr häufig pathologische, Motiv kann nur 
durch genaue Anamnese und Wertung aller Nebenumstände, nie 
durch einmalige Untersuchung erkannt werden. 

Die geringste Beteiligung zeigen die echten Psychosen (ledig¬ 
lich Frühformen von Hebephrenie bei älteren Kindern). Ebenfalls 


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34 


nicht sehr häufig sind Epileptiker. Verf. unterscheidet bei ihnen 
Fortlaufen in tiefer Bewußtlosigkeit (Ep. procursiva) und Fehlgehen 
im Dämmerzustand. Ausgesprochene Fälle von Hysterie sind eben¬ 
falls nicht sehr häufig. Das Hauptkontingent stellen die Schwach¬ 
sinnigen und die Psychopathen. 

Die vermehrte Eindrucksfähigkeit der Schwachsinnigen, bei 
gleichzeitigem Wegfall der Hemmungen, läßt die Kinder leicht 
passiv „wegbleiben“, weniger aktiv „fortlaufen“. Unter den Psycho¬ 
pathen unterscheiden sich fünf Gruppen. Drei sind in ihrer Be¬ 
ziehung zum Fortlaufen ziemlich klar zu erkennen: Die krankhaft 
im Affekt gesteigerten, die vorzugsweise aus Angst, Empörung, 
Ärger etc. davonlaufen. Die Hyperphantasten, die aus ihrem Traum¬ 
leben heraus ihren Phantasien in die Wirklichkeit nachziehen. Die 
ethisch Depravierten, die vor der Arbeit zum Bummelleben flüchten. 
Bei den beiden andern Gruppen sind die Zusammenhänge weniger 
klar. Die eine charakterisiert sich durch die anscheinend motivlose 
Impulsivität des Wandertriebes, so daß man fast von einer Selbst¬ 
ständigkeit dieses Triebes als eigenem Krankheitssymptom reden 
muß. Die andere Gruppe zeigt familiäres Fortlaufen mit deutlicher 
Beziehung zu den Pubertätsjahren. Schwachsinnige und Psycho¬ 
pathen sind jedenfalls praktisch, infolge ihrer überwiegenden Mehr¬ 
zahl, die wichtigsten Fälle. 

In einigen ganz vereinzelten Fällen entsteht und besteht der 
Wandertrieb ohne krankhafte Basis auf Grund des elenden Milieus 
(V erwahrlosung). 

Die Prognose wird durch die Neigung des Zustandes, habituell 
zu werden, und durch die drohende Verwahrlosung getrübt, für 
Mädchen mehr als für Knaben. Doch gelingt es in einem nicht uner¬ 
heblichen Teil der Fälle trotzdem, den Trieb zu unterdrücken, vor¬ 
ausgesetzt, daß die Therapie zur Zeit einsetzt 

Die Therapie selbst kann die Anstaltsbehandlung (Fürsorgeer¬ 
ziehung, Zwangserziehung) vielfach noch nicht entbehren, um durch¬ 
greifend zu wirken. 

In leichteren Fällen genügt häufig schon der Aufenthalt in einer 
Klinik, Überweisung an Kinderhorte, Hilfsschulen etc., eventuell 
Milieuwechsel. Ernsthafte Einwirkung durch geschulte Psychiater 
ist unerläßlich. Strafen durch Eltern und Lehrer, Hinbringen des 
Kindes zur Schule sind ganz ohne Erfolg. Um die rechtzeitige und 
richtige Behandlung zu erzielen und das Übel in toto zu bekämpfen, 
ist ein Zusammenhang der Jugendorganisationen mit für diese 
Frage interessierten Psychiatern anzustreben. Hepner-Mannheitn. 

über Schulen für Schwachsichtige. Von Dr. E. Redslob, 
städt Schulaugenarzt in Straßburg i. Eis. (Straßburger med. 
Ztg., 1914, H. 1.) 

Seit 3 Jahren besteht in Straßburg eine städtische Volksschule 
für schwachsichtige Kinder, in die solche Kinder äufgenommen 
werden, bei denen die korrigierte Sehschärfe des bessern Auges 0,2 
nicht erreicht Unter den 210000 Volksschulkindem Straßburgs er¬ 
füllten ca. 20 diese Bedingung, also ungefähr 1 */ 00 . Zwei waren 


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*5 


jedoch geistig sehr schwach, so daß sie in der Hilfsschule unterge- 
m*acht wurden. Denn in der Schwachsichtigen-Schule sollen nur 
Kinder mit normaler Begabung aufgenommen werden. Die Schule 
beherbergt auch einige Kinder, die eine etwas bessere Sehschärfe 
als 0,2 besitzen, jedoch an rezidivierenden Augenentzündungen leiden 
und deshalb ihr Sehorgan stark schonen müssen. Die Schwacli- 
sichtigenklasse bildet ein Mittelglied zwischen Blindenanstalt und 
Volksschule: so wurden in den letzten Jahren 2 Kinder aus der 
Blindenanstalt übernommen, die eine Sehschärfe von Fingerzählen 
in s / 4 m hatten. 

Die Schwachsichtigenschule ist eine einklassige Schule mit 
Normal-Lehrplan, wobei der Lehrer mehr auf das Ohr und die 
andern Sinne (Tastsinn, Geruchssinn) zu wirken sucht, als auf das 
Auge. Das Schreiben wird so viel als möglich eingeschränkt; es 
erfolgt nie länger als 10—15 Minuten hintereinander. Die häufigsten 
einsilbigen Wörter werden durch Striche ersetzt, und es sind beson¬ 
dere Schreibhefte mit größerer Interliniardistanz und größerer Deut¬ 
lichkeit der Liniatur eingeführt Spezielle Lesebücher sollen aus¬ 
gearbeitet werden. 

Außer in Straßburg gibt es nur noch in Mühlhausen eine solche 
Schule. H e p n e r-Mannheim. 

Kritische Beiträge zur Lehre von der Masernerkrankung. 

(Dauernde und temporäre Immunität, Inkubationszeit, Masern- 
rezidiv und wiederholte Erkrankung.) Von Dr. Josef K. 
Fried jung, Abteil ungs Vorstand am ersten öffentlichen Kinder¬ 
krankeninstitut in Wien. (Wiener med. W., 1914, Nr. 18.) 

Verf. kommt auf Grund eigener Beobachtungen und der Kritik 
fremder zu folgender Zusammenfassung: 

1. Die allgemein angenomme Lehre von der fast ausnahms¬ 
losen Disposition der Menschen für die Masernerkrankung ist dahin 
zu ergänzen, daß sich einzelne Individuen vielleicht als dauernd 
masernfest erweisen, andere als temporär immun (Schema: Infek¬ 
tionsgelegenheit A: die nicht gemaserte Person bleibt gesund. Später 
Infektionsgelegenheit B: die Person erkrankt). Nicht selten dürfte 
so eine temporäre Immunität vorgetäuscht werden, wenn das Masern¬ 
virus zur Infektion quantitativ nicht ausreichte. 

2. Die von Pan um sichergestellte Inkubation der Masern von 
13—14 Tagen (von der Infektion bis zum Exanthemausbruch) wird 
nicht allzu selten überschritten und kann bis zu 21 Tagen betragen. 
Die Ursache ist wahrscheinlich eine familiär herabgerabgesetzte 
Empfänglichkeit für das Maserngift. 

3. Die Behauptung von wiederholten Masernerkrankungen und 
Masemrezidiven ist noch nicht über jeden Zweifel sichergestellt 
Wenn überhaupt, so kommen sie jedenfalls außerordentlich selten vor. 

H. Schlesinger-Frankfnrt a. M. 

Die Schutzwirkiing des Diphtherieserums bei der Rein* 
jektion. Von Dr. O. Hartoch-Bern und Dr. W. Schürmann- 
Bem. D. m. W., 1914, Nr. 49. 

Im Zusammenhang mit der Lehre von der Anaphylaxie stellten 
Verff. sich die Frage, ob die Schutzwirkung des subkutan einver- 


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leibten Antitoxins bei gegen Pferdeserum überempfindlichen Tieren 
quantitative oder eventuell qualitative Unterschiede aulweist gegen¬ 
über dem Schutzwert gleich großer und in gleicher Weise verab¬ 
folgter Antitoxinmengen bei unvorbehandelten Kontrolltieren. 

Die auffallenderweise in vielen Fällen fehlende Schutzwirkung 
des präventiv einverleibten Diphtherieantitoxins gegen eine nach¬ 
folgende Erkrankung, oder der mangelnde kurative Erfolg, der viel¬ 
fach selbst bei Einführung einer großen Menge Antitoxineinheiten 
die Serotherapie der Diphtherie illusorisch macht, stellt auch z. Z. 
eine Frage dar, deren Lösung trotz zahlreicher Versuche und theo¬ 
retischer Erklärungen noch aussteht 

Bei Anstellung der experimentellen Versuche mußte im Hin- - 
blick der zu erfolgenden Beantwortung einer auf das praktische In¬ 
teresse gerichteten Frage eine Versuchsanordnung gewählt werden, 
die den Verhältnissen im Leben möglichst nahe läge. Verff. be¬ 
nutzten daher zu den Versuchen Meerschweinchen, die vor ver¬ 
schieden langer Zeit mit Gemischen von Diphtherietoxin und 
•antitoxin (Pferdeserum) vorbehandelt waren. Diese Verhältnisse 
würden zeteris paribus einer kurativ bezw. präventiv erfolgreich 
serotherapeutisch beeinflußten Diphtherieinfektion gleichzusetzen sein. 
Im Stadium der bereits ausgebildeten Überempfindlichkeit spritzten 
sie, wie es u. a. auch in der humanen Praxis üblich ist, Antitoxin 
subkutan, und nach 18—24 Stunden wurde der noch vorhandene 
Schutzwert des einverleibten Antitoxins mit Hilfe der intrakutanen 
Methode geprüft Durch Verwendung der verschieden konzentrierten 
Toxinlösung konnte zahlenmäßig die noch vorhandene Schutz¬ 
wirkung im Vergleich zu den unvorbehandelten Kontrollen festge¬ 
stellt werden. 

Die an Meerschweinchen experimentell durchgeführten Versuche 
führten zu folgenden Schlußfolgerungen: 

1. Die subkutane Einführung von Diphtherieantitöxin (Pferde¬ 
serum) verleiht Meerschweinchen, die gegen Pferdeserum überempfind¬ 
lich sind, bei nachfolgender intrakutaner Prüfung mit Toxin eine 
8—32 mal geringere Schutzwirkung als unvorbehandelten Kontrollen. 

2. Erzeugt man bei gegen Pferdeserum überempfindlichen Tieren 
durch subkutane Injektion von kleinen Dosen Normalpferdeserums 
(bezw. antitoxinhaltigen Serums) den Zustand der Antianaphylaxie, 
so bleibt das hernach eingeführte Antitoxin fast in gleiche Weise 
wirksam wie bei unvorbehandelten Kontrollen. 

3. Eine subkutane Injektion kleiner Dosen von Serum nach 
dem Vorschläge von Besredka gestattet demgemäß, nicht nur die 
Gefahr der Anaphylaxie bei den zu Reinjizierenden zu vermeiden, 
sondern sie schützt auch das eingeführte Antitoxin vor einer raschen 
^Inaktivierung (Unwirksamwerden). 

4. Im Lichte der zurzeit von den meisten Autoren akzeptierten 
Lehre von der Anaphylaxie (parenterale Verdauung) sprechen die 
Versuche für einen beschleunigten Abbau des Antigens im über¬ 
empfindlichen Tiere. 

5. Durch die mitgeteilten Versuche kann eine mangelhafte Wirk¬ 

samkeit des Diphtherieserums bei reinjizierten Menschen verständlich 
gemacht werden. Autoreferat 


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37 


Zur Frage der „Brönchotetanie“ der Erwachsenen und 
ihre Behandlung mit Kalzium. VonH. Curschmann- 
Mainz. M. m. W., 1914, Nr. 6. 

Über die Mitbeteiligung der Brochialmuskulatur bei der Tetanie 
Erwachsener ist bisher nichts bekannt geworden, wie ja überhaupt 
bei ihr Krampfzustände der glatten Muskulatur zu den Seltenheiten 
gehören. Ergiebiger sind die Beobachtungen bezüglich der Mit¬ 
beteiligung der automatischen und glatten Muskulatur bei den 
Kindertetanien. Ob die Schluckstörungen tetanischer Kinder spezi¬ 
fischer Natur sind, steht nach Ibrahim noch nicht fest; dasselbe 
gilt von den Beziehungen der Tetanie zum Pylorospasmus der 
Säuglinge. 

Verf. beobachtet bei einigen Fällen von Bronchialasthma 
Jugendlicher, daß sie besonders nach heftigen Anfällen eine 
Ubererregbarkeit des Fazialis, also das Ch vostek’sche Tetaniesym¬ 
ptom aufwiesen, durchweg junge Menschen mit zarter Haut und 
etwas gedunsenem Gesicht. 

. Uber einen Fall berichtet Verf. ausführlich: Ein 32jähriger, in 
der Jugend nicht nachweislich spasmophiler Landwirt leidet seit 3 
Jahren an heftigen Anfällen von Brochialgisthma. Zugleich finden 
sich alle Zeichen einer latenten Tetanie, das Ch vostek’sche und 
Erb’sche Phänomen und leichte abortive „tetanoide“ Anfälle in den 
Händen. Asthmatische und tetanische Symptome steigen und 
fallen synchron. 

Auf die Kalziumbehandlung verschwindet sowohl das Asthma, 
als der latente tetanische Symptomenkomplex. 

Wir dürfen nicht sagen, daß das Asthma deshalb ein Tetanie¬ 
produkt ist, weil es auf Kalzium so ausgezeichnet reagiert Neben 
seiner Eigenschaft, die Erregbarkeit des zentralen und peripheren 
Neurons zu dämpfen, hat es auch diejenige, sekretionshemmend zu 
wirken. Auf diese letztere Eigenschaft ist die günstige Wirkung 
des Kalks auf manche supersezernierende Prozesse der Luftwege, auch 
auf das Bronchialasthma und die eosinophilen Bronchitiden sicher 
zum Teil zurückzuführen. 

Daß daneben auch eine mechanische Einwirkung auf den 
Bronchialmuskelkrampf, also auf die Übererregbarkeit gewisser Vagus¬ 
endigungen stattfindet, ist zuzugeben. Schlichting-Kassel. 

Taenia saginata bei einem Säugling. Von Dr. K. Grimm- 
Köln. M. m. W., 61. Jahrg., Nr. 32. 

Das seltene Vörkommen dieser Taenienart im Säuglingsalter 
hängt mit der in diesem Alter geringen Infektionsmöglichkeit zu¬ 
sammen. Das Kind, bei dem Verf. mit Erfolg im städtischen Kinder¬ 
hospital in Köln die Taenie abtrieb, hatte z Monate vorher rohes 
geschabtes Rindfleisch erhalten. 

Es war ein io*/a Monate alter Knabe von 7020 g mit Proglot- 
tiden und Eiern im StuhL Man gab 20 g „Kukumarin“ (Jung- 
cl außen -Hamburg) mit der Flasche in der gewohnten Milch¬ 
mischung aufgelöst. Nach 6 Stunden wurde etwas davon erbrochen, 
nach 10 Stunden ging der 3,25 m lange Wurm mit Kopf ab. Kn 


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28 


nachteiliger Einfluß der Kur auf das Befinden des Kindes war nicht 
festzustellen. Scblichting-Kassel. 

Über schwere, nicht diphtherische Kehlkopfstenose bei 
Kindern. Von Dr. E. Köck-Freiburg. M. m. W., 61. Jahrg. 
Nr. 33 - 

Verf. beobachtete in der Universitäts-Kinderklinik 2 Fälle von 
schwerer, akuter Kehlkopfstenose, über die ausführlich berichtet wird. 

Er kommt zu folgender Zusammenfassung: 

1. Die „atypische Form des Pseudokrupps“ ist eine wenig be¬ 
kannte, jedoch nicht seltene und wichtige Erkrankung. 

2. Pyogene Infektion der Kehlkopfschleimhaut vermag schein¬ 
bar so ganz verschiedene Krankheitsbilder wie atypische Form des 
Pseudokrupps und Laryngitis phlegmonosa auszulösen. 

3. Da die Kehlkopfschleimhaut durch Eitererreger noch erheb¬ 

lich stärker als durch Diphtheriebazillen geschädigt wird, so soll 
beim Nachweis der ersteren als Krankheitsursache grundsätzlich 
von der Intubation abgesehen und primäre Tracheotomie gemacht 
werden. Sollte, was nicht selten der Fall sein wird, die pyogene 
Natur der Infektion erst nachträglich durch das Kulturergebnis auf¬ 
gedeckt werden, so ist an Stelle der Intubation sogleich die sekun¬ 
däre Tracheotomie vorzunehmen. Schlichting-Kassel. 

Uber die Bedeutung der von Doehle beschriebenen 
Leukozyteneinschlttsse für die Scharlachdiagnose. 

Von R. Isen schm id und W. S c h e m e n s k y-Frankfurt a.E 
M. m. W., 61. Jahrg., Nr. 39. 

Um sich ein Urteil über die diagnostische Brauchbarkeit der 
Döhle’schen Körperchen zu bilden, untersuchten die Verff. in der 
medizinischen Klinik zu Frankfurt a. M. eine große Reihe von Fällen, 
indem sie mit Karbol-Methylgrün-Pyronin nach Pappenheim-Unna 
und Borax-Methylenblau nach Manson färbten. 

Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen fassen sie in folgenden 
Sätzen zusammen: 

Das Fehlen der Döhle’schen Körperchen bei einem fiebernden 
Kranken schließt frischen Scharlach aus. 

Der positive Befund von Körperchen schließt Röteln aus und 
macht Masern unwahrscheinlich. 

Diphtherie und lakunäre Anginen macht der positive Befund 
nur dann unwahrscheinlich, wenn sich typisch geformte Einschlüsse 
in sehr großer Zahl vorfinden. Sch lieh ting-Kassel. 

Vergiftungstod durch Chineonal. Von Med.-Rat V. Erdt- 
München. M. m. W., 61. Jahrg., Nr. 35. 

Der Verf. berichtet aus seiner landgerichtsärztlichen Praxis 
über den Todesfall eines 2 >/ 2 jährigen kräftigen Kindes nach 
dem Genuß von 9 Chineonaldragees, die der Kinderwärterin 
seitens des praktischen Arztes gegen Keuchhusten verordnet waren. 
Das Kind wurde abends soporös, die Pupillen reagierten nicht mehr 
auf Licht, Arme und Beine waren wie gelähmt. 


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29 


Die gerichtliche Sektion ergab keine charakteristischen Befunde 
für die Todesursache. Aus dem Gehirn ließen sich eine geringe 
Menge von Kristallen, welche als Veronal anzusprechen waren, ge¬ 
winnen. 

Die genossene Menge des Veronals war 0,648 in 6—8 Stunden. 
Dem Chinin wird man eine schwächende, den Tod befördernde Wir¬ 
kung zuerkennen. Schlichtin g-Kassel. 


Bücherbesprechungen. 

Lehrbuch der Ösophagoskopie. Von Prof. Dr.* Hugo Stark- 
Heidelberg. 2. größtenteils neu bearbeitete Auflage. 8 °, 
274 S. m. 110 Abb. und ausführlichem Literaturverzeichnis. 
Würzburg 1914. Verlag von Kurt Kabitzsch. Preis brosch. 
8,— Mk., geb. 9,— Mk. 

Zehn Jahre sind seit dem Erscheinen der 1. Auflage verflossen. 
In dieser Zeit hat die Ösophagoskopie stetige Fortschritte gemacht. 
Diese Entwicklung betraf hauptsächlich die Vielgestaltigkeit des 
Instrumentariums, ein Umstand, der eine völlige Neubearbeitung 
des ersten Teiles des Buches, der Technik, nötig machte. Nicht 
ganz Schritt gehalten mit dieser Entwicklung haben die diagnostischen 
und therapeutischen Ergebnisse der Ösophagoskopie, deren wesent¬ 
liche Kapitel seit ihrer Begründung durch von Mikulicz teilweise 
nur unwesentliche Erweiterungen erfahren haben. Nur die Kapitel 
über Fremdkörper und Narbenverengerungen mußten entsprechend 
dem Fortschritt der Wissenschaft neu bearbeitet und erweitert werden. 
— Das Stark’sche Lehrbuch enthält in seiner neuen Form alles, 
was für den Arzt, der sich mit diesem Spezialgebiet der Endoskopie 
befassen will, wissenswert ist Ein besonderer Vorzug des Buches 
ist es, daß ein Hauptgewicht auf die Technik gelegt ist, sodaß auch 
deijenige, der die Methodik ohne Lehrer erlernen möchte — was 
übrigens heute kaum noch nötig sein dürfte —, durch die gründ¬ 
lichen und klaren Auseinandersetzungen dazu imstande sein dürfte. 
Auch der spezielle Teil, die Klinik der Speiseröhrenerkrankungen, 
bietet bei aller Vollständigkeit eine übersichtliche und leicht durch¬ 
zuarbeitende Darstellung aller in Betracht kommenden Krankheits¬ 
bilder. Klos e-Breslau. 

Uber Trockennährböden nach Prof. Doerr. Von Kreisarzt 
Dr. Beitker, Vorsteher des Medizinal-Untersuchungsamts in 
Düsseldorf. (S.-A. aus dem Zbl. f. Bakteriologie, Parasiten¬ 
kunde und Infektionskrankheiten. Originale, Bd. 74, 1914.) 
gr. 8°, 8 S. 

Durch eingehende vergleichende Versuche konnte derVerf. fest¬ 
stellen, daß die nach Angaben von Prof. Doerr hergestellten und 
von der Firma Bram in den Handel gebrachten trockenen Nähr¬ 
böden eine wichtige Neuerung darstellen, da sie in kleineren Labo¬ 
ratorien, namentlich solchen in Krankenhäusern, die zeitraubende Her¬ 
stellung der Nährböden überflüssig machen. Nicht nur die gewöhn¬ 
liche Nährgelatine und Nähragar, sondern auch die Spezialnährböden 
lieferten vorzügliche Resultate. Klose-Greifswald. 


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30 

Bericht des Kaiserin Auguste Viktoria-H-au&es zur Be¬ 
kämpfung derSäuglingssterblichkeitim Deutschen 
Reiche vom i. April 1913 bis 31. März 1914. gr. 8®, 
76 S. Verlag von Georg Stilke. Berlin. 

Die Broschüre gibt eine Übersicht über die baulichen Verände¬ 
rungen, über den Betrieb in den verschiedenen Abteilungen, über die 
experimentelle und klinische Forschung und über die Lehrtätigkeit. 
Hingewiesen wird ferner auf die Reichhaltigkeit der Bibliothek {Ver¬ 
zeichnis der Zeitschriften). Die folgenden Abschnitte orientieren 
über Schwesternschaft und Pflegeschule, über die Tätigkeit des Organi¬ 
sationsamtes für Säuglingsschutz und der Säuglings- und Klein¬ 
kinderfürsorgestelle. Aus dem Anhang seien hervorgehoben die „Rat¬ 
schläge für die Ernährung und Pflege des Säuglings und Klein¬ 
kindes“ und die „Vorschriften über das Verhalten des Pflegepersonals 
bei ansteckenden Krankheiten“. Klose-Greifswald. 


Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft 

Les difficultes du diagnostic de l’appendicite chez 
les petits enfants. Von Victor Veau. 

Die Diagnose ist immer schwierig, oft zeigt die Operation schwere 
Storungen, einmal fand sich ein Askaris im Appendix. Kleine Kinder 
lokalisieren den Blinddarmschmerz nicht, die meisten zeigen auf die 
Nabelgegend, ausnahmsweise wird die Blinddarmgegend selbst als 
schmerzhaft angegeben. Grinon berichtet in der Diskussion zu 
dem Vortrag, daß er beim Palpieren genau das Gesicht des unter¬ 
suchten Kindes beobachtet Veau machte auf das Verdienst der 
Mme. Nageotte aufmerksam, die zuerst die Diagnose der Appen¬ 
dizitis gelehrt hat Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de pöd. de Paris, Jan. 1914.) 

Allocution de M. Mauclaire. 

Die Gesellschaft wurde gegründet 1899. Die Kinderheilkunde 
ist inzwischen selbständig geworden, sie hat sich von der Geburts¬ 
hilfe freigemacht Es gibt jetzt einen französischen Kongreß und 
einen internationalen für Kinderheilkunde, dazu die verschiedenen 
Versammlungen zum Schutze des Säuglings. Besonders die Chirurgie 
des Kindesalters hat große Fortschritte gemacht, die ersten Präsiden¬ 
ten waren deshalb Chirurgen. Hanssen-Kiel. 

(Soc. de pöd. de Paris, Jan. 1914.) 

Ein neuer Fall von Tic der Scapula. Von Mme. Na¬ 
geotte-Wilbouchewitsch. 

Es handelt sich um ein Mädchen von 12 Jahren, bei ihr be¬ 
stand rechtsseitige Skoliose. Der richtige Name der Krankheit wäre 
wohl „Tic des Rhomboidens, scapulum valgum vortäuschend“. Das 
scapulum valgum ist eine Erscheinungsform der Rachitis ebenso 
wie das Genu valgum. Nach der Vornahme von gymnastischen 
Übungen, Aufhängen an den Armen, Vornahme von tiefen Atem- 


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bewegungen hält sich der Körper im Gleichgewicht und die Tics 
der Scapula verschwanden. Haussen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, Febr. 1914.) 

DieReaktion nachNoguchi bei hereditärer Syphilis. 
Vorläufige Mitteilung. Von M. M. Gennain Blechmann und 
Maurice Delost 

Alan Brown wandte die Reaktion zuerst bei Säuglingen an. 
Die Verff. wandten einen Extrakt von Spirochäten vermischt mit 
Serum an, der in die Haut der Deltoideus-Gegend eingespritzt wurde, 
es bildet sich eine Ödem-Blase. Diese rötet sich in positiven Fällen 
nach kurzer Zeit und bleibt längere Zeit induriert Man muß die 
Kinder ungefähr einen Monat lang beobachten. Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p£d. de Paris, April 1914.) 

Zwei Fälle von Hypertrophie und Erweiterung des 
Magens. Von M. M. Variot und Grandz&au. 

Brustkind. Später Breikost Ständiges Erbrechen, manchmal 
Durchfall, zuletzt Obstipation. Fortschreitende Abmagerung. Die 
Röntgenuntersuchung ergab eine enorme Magendilatation. Verff. 
führen den Zustand auf Unterernährung zurück, da nach dem Reichen 
von ausreichenden Nahrungsmengen das Gewicht schnell zunahm 
und das Erbrechen aufhörte. Das zweite Kind war ebenfalls unter¬ 
ernährt, machte erst den Eindruck eines Atrophikers, brach immerzu. 
Auch hier bewirkte anreichernde Ernährung eine schnelle Zunahme. 
Der Beschreibung nach handelte es sich um zwei Fälle von Pylorospas- 
mus. In der Diskussion nach der Vorstellung der Kinder sprechen 
noch Variot und Comby, sie erwähnen dabei den Namen Budin, 
aber keinen deutschen Forscher. Hanssen-Kiel. ' 

(Bull, de la soc. de p&l. de Paris, April 1914.) 

Infantiler Skorbut bei einem 4jährigen Kinde, er¬ 
nährt mit homogenisierter Milch. Von M. M. Georges 
Schreiber et Fran?ois. 

Die Bar low’sche Krankheit kommt ausnahmslos im Alter unter 
zwei Jahren vor. Das Kind, das hier beschrieben wird, hatte ab 
und zu Verstopfung und Leibschmerzen. Zwei Jahre lang bekam 
das Kind täglich 500—750 g Milch Lepelletier, außerdem erhielt es 
nur wenig Kartoffeln und Makkaroni. Bei gemischter Nahrung traten 
immer wieder leichte Verdauungsstörungen auf, daß die Eltern stets 
zu der homogenisierten Milch zurückkehrten, obgleich das Kind wegen 
Schmerzen in den unteren Gliedmaßen nicht mehr gehen konnte. 
Nach Behandlung mit Zitronensaft, Kartoffelpüree und Yoghurt ver¬ 
schwanden die Schmerzen schnell. Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc de p6d. de Paris, April 1914.) 

Diagnose der Anenzephalie bei der Untersuchung 
im Dunkelzimmer. Von M. Charles Chatelin. 

Der Schädel war im Dunkelzimmer vollkommen durchsichtig. 
Das eine Kind hatte einen Hydrozephalus, die Eltern bemerkten 


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3 * 


eine Zunahme des Schädelumfangs und fürchteten, daß das Kind 
blind sei. Die Fontanelle pulsierte nicht. Alle vier Extremitäten 
waren spastisch. Bei Beleuchtung des Augenhintergrundes erschien 
das ganze Schädelinnere in rötlichem Licht. Eine Sektion wurde 
nicht gemacht Das andere Kind hatte keinen Hydrozephalus, war 
aber vollkommen spastisch, sowohl die Gliedmaßen wie die Wirbel¬ 
säule. Auch hier war das Schädelinnere durchsichtig. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, April 1914.) H a n s s e n -Kiel. 

Dextrokardie und Infantilismus, erworben durch 
Tuberkulose. Von M. A. Variot und Mme. Chatelin. 

Das Kind war 15 Jahre alt, eine Schwester hatte Drusen, die 
Eltern sind gesund. Das Kind hatte immer geschwitzt, besonders 
im Winter. Vor einigen Monaten klagte das Kind über rheumatische 
Schmerzen in den unteren Gliedmaßen. Seit der Zeit merkte das 
Kind, daß sein Herzschlag rechts bedenklich ist Bei der Aufnahme 
im Krankenhaus macht es den Eindruck eines 12jährigen Kindes, 
es bot außer einer geringen Skoliose keine Deformitäten. Das Rönt¬ 
genbild zeigt einen Fehler des Herzschattens links, an der normalen 
Stelle des Herzens ergibt sich heller Lungenschall, rechts seitlich 
vorne dagegen eine dem verlagerten Herzen entsprechende Dämpfung. 
Das Fehlen der Verlagerung der Baucheingeweide läßt die Dextro¬ 
kardie als eine erworbene erkennen. Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p£d. de Paris, April 1914.) 

Hemiplegie bei einem hereditär syphilitischen Kinde. 
Von M. M. L. Babonneix und L. Toxin. 

Es handelte sich um einen 3 1 / 2 jährigen Knaben, rechtzeitig ge¬ 
boren. Acht Monate an der Brust genährt. Erst bekam er Zuckungen 
der‘Augen, am nächsten Tage eine vollkommene Lähmung der linken 
Seite, acht Tage konnte das Kind nicht sprechen. Man dachte zu¬ 
nächst an eine einfache Kinderlähmung zerebralen Ursprungs, doch 
erweckte der positive Wassermann den Verdacht auf Lues. Der 
Vater und die Mutter hatten eine Quecksilberkur durchgemacht 
Doch hatte die Mutter zuletzt einen negativen Wassermann. Die 
Verff. empfehlen das Suchen nach Spirochäten im Lumbalpunktat 
und Blut bei solchen Kindern. Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de ped. de Paris, April 1914.) 

Chronische Appendizitis und Leistenbruch. Von M. 
Victor Veau. 

Wenn ein Kind mit einem Leistenbruch über Schmerzen klagt, 
muß man an Appendizitis denken, da eine gewöhnliche Hernie keine 
Schmerzen macht. Die klinische Diagnose einer Hernie zusammen 
mit einer Appendizitis oder umgekehrt ist nicht schwierig, man muß 
nur daran denken. Manchmal täuscht auch ein Kryptorchismus, 
sogar ein nicht vollkommen entwickelter, Blinddarmschmerzen vor. 
Verf. beschreibt dann das Verfahren bei der Operation besonders bei 
rechtsseitigem Leistenbruch. Hanssen-Kiel. 

(Bull, de la soc. de p6d. de Paris, Mai 1914.) 

Verlag von Benno Konegen, Leipzig. — Druck von A. Pabst, Königsbrück. 


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Der Kinder-Arzt. 

Zeitschrift fiip {CindepheilHonde 

unter Mitwirkung hervorragender Fachärzte 

herausgegeben 

von 

Sanitätsrat Dr. Sonnenberger in Worms. 


Erscheint am ersten Freitag eines jeden Monats. — Vorauszubezahlender Preis ffir das ganze 
Jahr 6 Mk., direkt unter Kreuzband ffir Deutschland und Österreich-Ungarn 6 Mk. 50 Pf., 7 Mk. 
fürs Ausland. Mit Frauenarzt zusammen bezogen statt 24 Mk. nur 20 Mk. Einzelne Hefte 1 Mk. 
— Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt sowie auch die Verlagsbuchhandlung 

jederzeit gern entgegen. 


XXVI. Jahrg. März 1915. No. 3. ( 303 .) 


INHALT: Originalien: Feuchtwanger, Aus dem Grenzgebiet zwischen 
Pädiatrie, Psychologie und Pädagogik. 33. — Rehn, Zur Wirkung des Diph¬ 
therie-Heilserums durch die Muttermilch auf den Säugling. 35. —Referate: 
Boncour, Epilepsie bei Kindern und ihre Behandlung durch das Brom. 36. — 
Salzer, Die wichtigsten Augenerkrankungen im Säuglingsalter. 38. — Lehmann, 
Mundkrankheiten im Säuglingsalter. 39. — Voigt, Brauchbarkeit des mit Äther 
behandelten Kuhpockenimpfstoffes. 40. — Meyer, Schälblattern beim Säugling. 
41. Kassowltz, Methodik der Diphtherieprophylaxe. 41. — Kowitz, Infektiöse 
Erkrankrankungen der Harnorgane im Säuglingsalter (sog. Pyelozystitis). 42. 
— Stromeyer, Magnesiumbehandlung des Tetanus. 42. — Tannuschke, Ein 
Fall von zweifach bedingtem Hydrops und seine pharmakolog. Beeinflussung. 
43. — Heloler, Erythema iufektiosum. 43. — Hirsch, Demonstration eines ana¬ 
tomischen Präparates einer Ösophagus-Trachealfistel. 44. — Borgmann, Kaver¬ 
nöse Lungentuberkulose beim Säugling. 44. — Bücherbesprechungen: 
Stande, Merkbuch für die körperliche Beschaffenheit und die geistige Ent¬ 
wicklung von Schüler und Schülerin. 44. — Schnirer, Taschenbuch der Therapie. 

45. — Lehndorff, Kurzes Lehrbuch der Kinderkrankheiten. 45. — Jeß, Die 
sympathische Ophthalmie. 45. - Determann, Die vegetarische und fleischarme 
Ernährung. 46. — H. u. Th. Lohnstein, Medizinalkalender und Rezept-Taschen¬ 
buch 1915. 46.— Kurze Notizen aus der Praxis und Wissenschaft. 

46. 7- Kleine Mitteilungen. 47. — Berichtigungen. 48. 


Originalien. 

Aus dem Grenzgebiet zwischen Pädiatrie, Psychologie 

und Pädagogik. 

Von Dr. med. et phil. A. Feuchtwanger in Frankfurt a. M. 

Wir leben im Zeitalter des Spezialistentums. Trotzdem hat jeder 
Spezialist, um nicht zum handwerksmäßigen Routinier herabzusinken, 
das Bedürfnis, in die Grenzgebiete seines Faches hineinzuleuchten. 
Ein solches Grenzgebiet ist für den Pädiater die Frage nach den 
verschiedenen Vorstellungsweisen der einzelnen Individuen (Schüler). 
Dieses Kapitel wäre des besonderen Interesses der Schulärzte wert. 
Das Wesen der verschiedenen Vorstellungstypen läßt sich an einem 
einfachen Beispiel erläutern. Ruft man mehreren Personen irgend 
ein Wort, z. B. „Glocke“ zu, so wird im Bewußtsein des einen das 
visuelle Bild einer bestimmten Glocke auftauchen, während der andere 
nur den Klang einer Glocke hört, der dritte dagegen das Wort 
innerlich mitspricht, ohne visuelle oder akustische Vorstellungen zu 


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haben; der vierte aber sieht das Wort Glocke in Druck- oder seiner 
eigenen Schrift vor sich. Je nach diesen Vorstellungsweisen unter¬ 
scheidet man: Visuelle (Sach- und Wortvisuelle), Akustiker und Moto¬ 
riker. Uber dieses Kapitel existiert eine reiche psychologische 
Literatur, in der eine genaue Methodik des Nachweises der ver¬ 
schiedenen Vorstellungstypen niedergelegt ist. Das Gedächtnis hängt 
natürlich eng mit der Vorstellungsweise zusammen. Wenn eine 
Person ihr Vorstellungsleben vorzugsweise aus optischen, visuellen 
Bildern aufbaut, so ist sie sehr oft imstande, optische Gedächtnis¬ 
bilder sehr zäh und fest zu behalten. So gibt es ja bekanntlich viele 
Teilgedächtnisse: optische, akustische, Farben-, Formen- und Zahlen¬ 
gedächtnisse. Die große Bedeutung dieser Auseinandersetzung über 
die verschiedenen individuellen Vorstellungsweisen für die Pädiatrie 
und Pädagogik ist einleuchtend. Ein visuelles schwachsinniges Kind 
muß in der Hilfsschule mit anderen Methoden behandelt werden als 
ein extrem akustisches. Dem letzteren wird man mit optischen 
Methoden, mit Zeichnen auf der Tafel und Lesenlassen schlecht bei¬ 
kommen, wohl aber wird man es durch langsames, wiederholtes 
Nachsprechen fördern können; einem extrem visuellen Imbezillen 
wird man durch fortgesetztes Zeigen auf der Tafel, durch Zeichnen 
von Bildern, durch immer wiederholtes Lesenlassen doch einiger¬ 
maßen bilden können. Diese Grenzgebiete zwischen Psychiatrie, 
Pädagogik und Pädiatrie sind für die Zukunft vielversprechende 
Gebiete der Medizin. Daß ein ausgesprochen wortvisueller Schüler 
in der Orthographie und besonders in der der fremden Sprachen im 
Vorteil ist, liegt auf der Hand. Der Akustiker kann sich je nach 
dem Klange der Worte in der Orthographie irren, z. B. verwechselte 
ein gebildeter französischer Arzt „trois“ und „droit u wegen des ähn¬ 
lichen Klanges. Den akustisch motorischen Schüler, d. h. den, der 
die gehörten Worte in gesprochene Worte, in Sprachbewegungsbilder 
umsetzt, erkennt man daran, daß er jedes gehörte Wort leise vor 
sich hinspricht Es erscheint als ein pädagogischer Irrtum, wenn 
man Schüler, die beim Rechnen mit leise bewegten Lippen zum 
Himmel schauen und dadurch eine Lernhilfe erhalten, an diesem 
Lernmodus hindert. Der einsichtige Pädagoge muß auch seine eigene 
Vorsteilungsweise zum Unterschied von der seiner Schüler kennen. 
Er muß der individuellen Eigentümlichkeit der Lernweise des be¬ 
treffenden Kindes gerecht zu werden suchen, wenn dies auch bei 
unseren überfüllten Klassen ein frommer Wunsch und ein allzu 
theoretisches Verlangen zu sein scheint. Dies ist der bescheidene 
Anfang einer Individualisierung. Nun noch eine kurze Kritik der 
ganzen Lehre der Vorstellungs- und Gedächtnistypen: daß mau das 
komplexe, schwer analysierbare Seelenleben des Kindes nicht so 
einfach in akustische, visuelle, motorische Schemata einzwängen kann, 
dessen ist sich jeder Einsichtige bewußt. Die individuelle Begabung 
ist ein ganz ungemein kompliziertes, noch nicht im entferntesten 
psychologisch analysierbares psychisches Gebilde. Aber vielleicht ist 
doch dieser winzige Anfang ein Mosaikstein im künftigen Bau der 
Begabungsforschung. Auch gehen die Typen ineinander über, es 
gibt sehr wenige reine Typen, wie wir sie zufällig im psychologischen 
Laboratorium gefunden haben; die meisten Menschen sind Misch- 


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typen, es herrscht bei einem Teil derselben nur der eine oder andere 
sensorische Charakter der Vorstellungen vor und es gibt zahlreiche 
Übergänge. Psychologisch pädagogische Chauvinisten sind so weit 
gegangen, die Begabung für Sprachen und Mathematik vom Vor¬ 
stellungstypus abhängig zu machen, der visuelle habe Begabung für 
Mathematik und Naturwissenschaften, der akustisch-motorische habe 
historisch sprachliche Begabung. Das entspricht nicht den Erfahrungen, 
und solche oberflächliche weitgehende Schlüsse dürfen aus den 
immerhin noch dürftigen psychologischen Beobachtungen nicht ge¬ 
macht werden. Überhaupt muß bei einer so jungen Wissenschaft 
wie die experimentelle Psychologie, die noch in den Kinderschuhen 
steckt, vor übertriebenen Schlüssen gewarnt werden. Das eine muß 
aber bei den vielen Fäden, die sich zwischen Philosophie und Psy¬ 
chologie, Pädiatrie und Pädagogik spinnen, verlangt werden, daß 
auch die pädiatrischen Zeitschriften diesen Grenzgebieten ihre Spalten 
öffnen und dieselben in ausgiebiger Weise pflegen und fördern. 


Zur Wirkung des Diphtherie-Heilserums durch die 
Muttermilch auf den Säugling. 

Von Geh. San.-Rat Dr. H. Rehn in Frankfurt a. M. 

Ein kräftiger Knabe war fünf Wochen lang an der Mutterbrust 
prächtig gediehen, mit einer Gewichtszunahme bis zu l j t Pfund pro 
Woche, als die Mutter an Rachendiphtherie erkrankte und eine 
Heilseruminjektion erforderlich wurde. Man beließ das Kind an der 
Brust, möglicherweise in der Absicht, ihm den Vorteil der prophy¬ 
laktischen Immunisierung zu gewährleisten, und die Mutter legte es 
schon bald nach erhaltener Injektion wieder an. Noch am selben 
Abend nun stellte sich nach jedem Trinken sofortiges Erbrechen und 
gleichzeitig mit dem Erbrechen fast nach jeder Mahlzeit Diarrhoe 
ein, welche, von grünlicher Farbe, eine schleimige Beschaffenheit 
zeigte. 

Höchst merkwürdig war die Störung des Allgemeinbefindens. 
Der Mutter soll Fieber gefehlthaben, doch war das Kind äußerst unruhig, 
zeigte ein auffallendes häufiges Zusammenschrecken und einen fast 
absoluten Mangel an Schlaf, Symptome, welche übrigens die Mutter 
(seit der Einspritzung) bis zu gewissem Grade mit ihrem Kinde 
teilte. Der Gewichtsverlust des letzteren soll in der betr. Zeit etwa 
i */ 4 Pfund betragen haben. 

Eine diphtherische Erkrankung des Säuglings ist nicht fest¬ 
gestellt worden. 'Der Untersuchungsbefund beim Kinde war völlig 
negativ, speziell waren keine geschwellten Halsdrüsen nachweisbar, 
welche auf eine dagewesene Rachendiphtherie konnten schließen 
lassen. Die Mutter war von ihrer Erkrankung seit etwa 14 Tagen 
hergestellt, hatte jedoch schlechten Appetit, ungenügenden Schlaf 
und die Milch hatte begreiflicherweise abgenommen. 

Meine Verordnung bestand in dem Ersatz dreier Kostmahlzeiten 
durch Schleimmilchmischungen. 

Der weitere Verlauf war ein einfacher und glücklicher. Das 
Kind nahm die Beikost und vertrug sie gut Nach acht Tagen 


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hatte das Erbrechen aufgehört und die Entleerungen waren seltener 
geworden. Vor allem aber war das Kind jetzt ruhig, schlief nach 
den Mahlzeiten und die ganze Nacht hindurch. Auch war eine 
kleine Gewichtszunahme zu konstatieren. 

Ein mehrwöchentlicher Aufenthalt im nahen Taunus brachte 
endlich Mutter und Kind die völlige Genesung. 

Daß das Kind durch die Milch der Mutter erkrankt war, und 
zwar schwer erkrankt, lag auf der Hand, denn es war bis zu der 
Heilserum-Einspritzung völlig gesund und erkrankte unmittelbar 
nach derselben. 

Es schien mir daher eine bezügliche Untersuchung der Milch 
für wünschenswert, obwohl schon 3 Wochen nach der Injektion ver¬ 
flossen waren. 

Herr Dr. H. Braun, Abteilungsvorstand beim hiesigen hygie¬ 
nischen Institut, hatte die Güte, die Untersuchung zu übernehmen 
und mir das Ergebnis, wie folgt, mitzuteilen. 

„Im Tierversuch konnten gegen virulente Diphtheriebazillen in 
der Milch keine schützenden Eigenschaften nach gewiesen werden. 

Mit der Römer’schen Methode ließ sich aber fest¬ 
stellen, daß die Milch deutlich mehr Antitoxin ent¬ 
hielt, als eine zur Kontrolle dienende Milch von einer 
gesunden Frau. 

Es läßt sich nicht entscheiden, ob das Antitoxin von der Patien¬ 
tin gebildet wurde oder vielleicht doch noch dem eingespritzten 
entspricht 

Mittels der Komplementbindungsmethode konnte Pferdeserum 
in der Milch nicht nachgewiesen werden.“ 

Interessant ist also der noch gefundene höhere Antitoxingehalt 
der Milch, nachdem drei Wochen nach der Einspritzung verstrichen 
waren. 

Es erübrigt noch die praktische Frage, wie man in ähnlichen 
Fällen im eigensten Interesse des Säuglings zu handeln hat Ich 
denke folgendermaßen: 

Ist er noch frei von diphtherischen Bakterisationen und beson¬ 
ders auch fieberlos, so soll man ihn von der Brust wegnehmen und 
unter strenger Isolierung künstlich ernähren. Ist er aber bereits 
infiziert, so kann man ihn an der Brust belassen, sollte ihn aber in 
den ersten 24 Stunden nach der Injektion der Mutter lieber nicht 
anlegen, um ihn vor dem ersten Ansturm des toxischen Serums zu 
schützen. 


Referate. 

über die Epilepsie bei Kindern und ihre Behandlung 
durch das Brom. Von Paul Boncour. (La pathologie 
infantile, Mai 1914.) 

Bei allen Fällen von Epilepsie ist Brom als Medikament ange¬ 
zeigt. Doch ist die Art der Darreichung von großem Einfluß auf 
den Erfolg. 

Bevor man mit der medikamentösen Behandlung der Epilepsie 
beginnt, muß man vor allem von der Natur der Krankheit überzeugt 


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sein. Daher ist es erste Pflicht des Arztes, das epileptische Kind 
gründlich zu untersuchen und die Ursache oder die Ursachen, welche 
die Paroxysmen erzeugen, zu ergründen. Dabei ist es notwendig, 
über die tägliche Lebensweise, die Ernährung, die Spiele, den Charakter, 
die Hygiene usw. des Kindes Erkundigungen einzuziehen. 

Das Hauptheilmittel ist ohne Zweifel das Brom. Hilft das Brom 
nicht, so haben die andern Heilmittel wenig Aussicht auf Erfolg. 

Autor gibt einer Mischung der Bromide des Kalium, Natrium 
und Ammonium den Vorzug. 

Die Bromide sind in allen Fällen mit spastischen und motorischen 
Erscheinungen von Erfolg. In den psychischen Formen ist ihr Er¬ 
folg weniger ausgesprochen. 

Da das Brom das Hauptmittel ist, so handelt es sich darum, 
dasselbe unter den bestmöglichen Bedingungen zu verabreichen. 
Mit andern Worten: Das Brom muß eine maximale Wirkung 
mit minimalen Nebenwirkungen ausüben. Die Darreichung 
des Broms muß, um ein gutes Resultat zu ergeben, Jahre hindurch 
stattfinden. 

R i c h e t und T o u 1 o s e haben nachgewiesen, daß das dargereichte 
Brom, falls es nicht einen Uberschuß an Chloriden im Organismus 
antrifft, in größerer Menge in den verschiedenen Organen und in 
den Nervenzellen sich festsetzt. 

Da wir nun TTie Gewohnheit haben, täglich eine größere Dosis 
Salz, als für den Körperunterhalt nötig ist (hierfür sind nur 2—4 g 
täglich nötig) zu absorbieren, so kann man leicht den Chlorgehalt 
des Organismus ohne Nachteil herabsetzen. Dieser Zustand indes 
gestattet geringere Mengen Brom zu verabreichen. Auf diese Weise 
erfüllt man die Vorschrift: Maximale Wirkung, minimale Neben¬ 
wirkungen. 

Das epileptische Kind, das einer langdauernden Brommedikation 
bedarf, hat von einer Diät mit verminderter Salzzufuhr noch größere 
Vorteile, vorausgesetzt, daß man bei der Behandlung individualisiert. 

In der Tat hatLong nachgewiesen, daß gewisse Individuen nur 
eine relative Verminderung der Chloride nötig haben, während bei 
anderen die Chloride fast bis zur physiologischen Dosis vermindert 
werden müssen. 

Daher muß man schrittweise Vorgehen und die Brom- und Salz¬ 
dosis ausfindig machen, welche befriedigende Resultate zu erzielen 
gestattet. Zu diesem Zwecke unterwirft Autor die epileptischen 
Kinder folgender salzarmen Diät: ungesalzenes Brot, kein Salz in 
den Gemüsen, im gebratenen oder gebackenen Fleisch, einmal täg¬ 
lich ganz leicht gesalzene Suppe; zweimal wöchentlich ein leicht 
gesalzenes Ragout 

Bei dieser Diät verordnet Autor anfangs 1 g von 5—8 Jahren 
und 2 g darüber hinaus. Die Dosis wird um 0,25 g alle 5 Tage 
gesteigert, bis man die rationelle Dosis gefunden hat Autor be¬ 
zeichnet damit die Dosis, welche die ersten Erscheinungen von Bro¬ 
mismus hervorruft: Die Aufhebung des pharyngealen Reflexes ist 
hierfür ein ausgezeichnetes Kriterium. Wenn natürlich die Konvul¬ 
sionen verschwinden, bevor dieses Zeichen auftritt, ist es tmnütz, das¬ 
selbe hervorzurufen. 


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3 » 


Ist diese Dosis einmal festgestellt, so muß man dabei bleiben, 
es müßte den sein, daß ausgesprochene Erscheinungen von Brömin- 
toxikation auf treten. In diesem bestimmten Augenblicke stellt man 
genau den Grad der Chloride fest, um nicht mehr davon abzugehen. 

Die rationelle Dosis darf 3—3,5 g nicht überschreiten; wenn die 
Bromdosen von keiner Wirkung sind, muß man sich hüten, die Dosis 
zu steigern, man wird vielmehr das Kind einer strengeren Diät 
unterwerfen, um die Chloride noch zu vermindern. 

In diesem Falle ist das Salz vollkommen untersagt Wenn 
nötig, gestattet man dem Kinde eine gewisse Gabe Bromnatrium, 
um den Speisen Geschmack zu verleihen. Aber diese Gabe muß in 
die Gesamtheit der täglich zu verabreichenden Bromide inbegriffen sein. 

Den dieser Diät unterworfenen Kindern gibt man mit Vorliebe 
an Chlornatrium arme Speisen. So sind z. B. Käse, grüne Gemüse, 
Seefische, Schweinmetzgersachen untersagt. 

Bei Kindern, die nicht in einer Anstalt, sondern in der Familie 
behandelt werden, muß die Menge der Chloride im Urin alle 14 Tage 
festgestellt werden. 

Autor ist der Ansicht, daß bei einem epileptischen Kinde die 
rationelle Bromdosis drei Jahre lang nach demAufhören des letzten 
Anfalles genommen werden muß. Erst dann vermindert man all¬ 
mählich die Bromdosis, bis man endlich damit vollständig aufhört 
Hierbei verfährt man am besten in der Weise, daß^man einige Tage 
hindurch die Dosis um 0,25 g vermindert, um wieder bis zur Maximal¬ 
dosis zu steigen usw. 

Sobald Zeichen sich bemerkbar machen, die das Auftreten neuer 
Anfälle wahrscheinlich machen, muß man sofort zur rationellen Dosis 
zurückkehren. 

Autor verlangt, daß diese Periode der abnehmenden Bromdar¬ 
reichung mindestens 1 Jahr dauert und ratet, falls dieselbe mit ge¬ 
wissen kritischen Perioden, wie Auftreten der Regeln, schnelles 
Wachstum usw. zusammenfällt, dieselbe zu verlängern. 

Endlich rät er den Frauen, die früher epileptisch waren und 
schwanger werden, zum Brom zurückzukehren. 

Am besten gibt man das Brom auf zweimal bei den Mahlzeiten. 
Um die Tätigkeit der Nieren zu sichern, ist es am besten, das Brom 
in einer gewissen Menge eines diuretischen Tees, dem man etwas 
Pilocarpin, nitric. zufügen kann, aufzulösen. Am einfachsten gibt 
man die drei oben genannten Bromide zu gleichen Teilen gemischt 

von la Hausse-Rosenheim. 

Die wichtigsten Augenerkrankungen im S&uglingsalter. 

Von Salzer-Münster. (Blätter f